Skip to main content
Internet Archive's 25th Anniversary Logo

Full text of "Die Gartenwelt"

See other formats


.b^ 



t^i^^^ 



DIE 



GARTENWELT 



ILLUSTRIERTE WOCHENSCHRIFT 
FÜR DEN GESAMTEN GARTENBAU 



HERAUSGEGEBEN 
VON 



MAX HESDÖRFFER, BERLIN 



XXI. JAHRGANG ubrahv 

New VOWR 

(1. Januar bis 31. Dezember 1917). »OT*>!i •>' 



MIT VIER FARBIGEN KUNSTBEILAGEN 
UND DREIHUNDERTDREIUNDSECHZIG TEXTABBILDUNGEN 






BERLIN 
Verlagsbuchhandlung Paul Parev 

Verlag rur LaDd^lrtachalt, QarteDbaa oDd ForstveseD 

SW. 11, Hedemannstraße 10 u. 11 

1917. 



Inhalt des einunclzwanzigsten Jahrganges. 



(Die illustrierten Artikel yind mit einem * %-erschen.) 



Bodenkunde. 

P e i c k e r , W. 
Eine Erfahrung über mertnTirdig nach- 
teilige Wirkung des Rigolens 218. 

Bodenmüdisrkeit 438. 

Dahlien. 
Schön born, G. 
Einfaehblüheade Schmuckdahlien 160. 

Farne. 
D 1 z , K. 

Epiphytische Farne 348. 
Nessel, H. 

*Tropische Bärlappgewächse 160. 



*Struthiopteris germanica 510. 

Feldbau. 
Eimler, Arthur. 
Arzneipflanzen 163. 
Hahn. 

Sonnenblumen- oder Mohnanbau 83. 

Hesdörffer, Mas. 
Anbau von Sonnenblumen zur Oelge- 
winnung 38. — *Der Frühmais als gärt- 
nerische Nutzpflanze 449. 

Holdheider, W. 
Frühmais 488. 

Mütze, W. 
Frappantmais 11. 

Nessel, H. 
*Gemüse-, Obstbau und Landwirtschaft in 
Rußlard 425. 

Wiese', AI fr. 
Unser Kartoffelanbau 90. 

Friedhofskunst. 
Frischling, W. 

*Der Wald- und Heidefriedhof der Stadt 

Bielefeld 301. 
Gerlach, Hans. 

*Der neue Waldfriedhof in Darmstadt 361. 
Lehmann, Arno. 

*Ein russischer Dorffriedhof 277. 
Löffler, Rud. 

* Ein Ehrenfriedhof 498. 
M e h m e 1 , L. 

* Friedhofskunst in Russisch-Polen 497. 
Meyer, W i 1 h. 

*Der neue Friedhof für die Feldzugsteil- 
nehmer von 1870 — 71 in Saarbrücken 196. 
— *Ehrenfriedhof in Saarbrücken 217. 

Rasch, E d g. 

'Friedhof der Typengräber 443. 

Wollenberg, 0. 

Von Wilnas Friedhöfen. Der jüdische 
Friedhof 278. — Der russische und der 
polnische Friedhof 363. — *Der deutsche 
Friedhof und der Ehrenfriedhof 473. 



*Eriegerehrenfriedhof für Kiel 337, 345. 

Gartenausstattung. 

G e r 1 a c h , Hans. 
♦Beachtenswerte Gartenhäuser 90. — 
'Brunnenanlaaen 301. — *Der Garten- 
hof 273. 

Roll, Fr. 

•BLrkenholzbauten 184. 



Bernert, P. 

•Der Stadtpark in Tarnowitz 0. S. 253. 
G e r 1 a c h , Hans. 

*Die Gartenanlagen von Jagdschloß Wolfs- 
garten 64. 
Läuterer, B. 

'Einiges über den Gemüsebau und die 

Parkanlagen an der Kreisirrenanstalt in 

Kaufbeuren 37. 
Pepinski, Erich. 

'Gärten lothringischer Schlösser 145. 
Radde, Werner. 

*Die neuen Kur- und Badeanlagen zu 

Aachen 27. 
Sommer, Prof. Dr. 

Die Gartenanlagen bei der Universität 

Gießen 7, 19, *64. 

Gärten des Auslandes. 

M a t h w , Karl. 

Vom Botanischen Garten in Bukarest 130. 
M e h m e 1 , L. 

■^Betrachtung über den Park in Pinon 15. 

— *Eine öffentliche Anlage eines franz. 

Landstädchens 209. 
Rade, Karl. 

'Budapester städtische Gärten 171, 229. 



Gartenpforte mit Giebeldach 492, 493. 

Gärten, Aus deutschen. 

Berkowski, W. 
♦Erntebilder aus Hoffnungstal 1916 4. 



Kriegsauf sätze über Gärtnereien und Garten- 
bau in Belgien 183, 195, 210, 230, 246. 
'259, 267. 

Gehölze. 

Böhmer, P. 
Verpflanzen und Einschütten älterer Bäume 
482, 490, 499, 508. 

D 1 z , H. 

Allerlei Statistisches und Dendrologisches 
aus Weener 30, 40, 51, 66. — Die Gattung 
Cassiope 370. — Die Gattung Lespedeza 
429. — Viburnum utUe 380. 

Ger lach, Hans. 

Hippophae rhamnoides 439. 

Heller, C. 

*Hypericiun patulum 395. 

Kache, Paul. 

*Azalea Kirishima 363. — 'Blütenbäume, 
Zwei der schönsten 489. — *Gute Garten- 
sorten der Calluna \'ulsai-is 181. — *Hy- 
drangea quercifolia 354. — 'MagnoÜa 
tripetala 85. — *Prunus Blireana 418. — 
Ribes petraeum 105. ■ — 'Rubus trifidus 
380. — 'Staphylea Bolanderi 247. — 
Xanthoceras sorbifolia 492. 

Klar, J. 

Keimen der Gehölzsamen 507. 

K a 1 1 e n b a c h , F. 

Actinidia 312. — *Bäumeverwachsungen 
42, 43. — Cercidiphyllura japonicum 208. 

Kanngießer, Dr. F. 

'Daphne Mezereum 160. — Verwachsungen 
125. 

Müller, T h. 

Daphne Mezereum 261. 

P e i c k e r , W. 

Prunus serotina pendula 4. 

S a 1 1 m a n n , M. 
Forsythia suspensa 332.' 

S c h m i d k u n z , H. 
*Calycanthus floridus 395. 

Schönborn, G. 

Ein prächtiger Parkbaum 405. — Ein 
Sommerblüher unter den Gehölzen (Sophora 
japonica) 395. 



'Bruckenthaha spiculiflora 414. 



Daphne Mezereum 332. 

Eine vor Spätfrost geschützte Eiche 439. 

Evonymus japonica 124. 

*Tucca filamentosa 483, 484. 

Gemüsebau. 

Ackermann. 
Das Gülich'sche Kartoffelbauverfahren 462. 

Adam, R. 

Pflanzt Rhabarber 146. — Saatkartoffeln 
sparen 178. — Schutz der Sämereien gegen 
Vogelfraß 283. 

B e r g e r , A. 

Wer kennt dieses Gemüse? 488. 

Bochenek, Paul. 

Berufs- und Kriegsarbeit an der West- 
front 62. 

B r ä u e r , Paul. 

Einiges über den Mangold 199. 

Cremer, Fr. 
Doppelte Bodennutzung 207. — Keimfähig- 
keit der Gemüsesamen 187. — Schutz der 
Erbsenbeete gegen Spatzen 178. — Stangen- 
bohnen als Wandbekleidung 225. 

Eimler, E. 

Steigerung des Gemüsebaues 268. 

E u b e 1 , L. 

Beitrag zur Gurkenkultui- 3. — Durch- 
halten 47. — Zum Kartoffelanbau 198. — 
Zur Ausnutzung leerstehender Gewächs- 
häuser 199. 

Hahn. 
Trocken- oder Grünverbrauch von Bohnen 58. 

Hansen, Fritz. 

'Gemüsebau und -Verwertung in einer 
Fabrikküche 281. 

Hesdörfer, Max. 

*Speisekürbisse als Nutzpflanzen in der 
Kriegszeit 385. 

H ey d t , Ad am. 
Ertragreiche Erbsensorten zum Grünpflücken 
und zur Ernte von Trookenfrucht 224. — 
Nicht zu früh aber rechtzeitig Gemüse 
aussäen 162. — Rettiche 117. — Vorzüg- 
liche Kohlrabi 116. 

Hundhausen, Dr. 

Künstliche Tomatenreife 504. 

Jansen, A. 
Beiträge zum feldmäßigen Gemüsebau 465. 
— Die Bedeutung des Bodens als gärt- 
nerischer Erzeugungswert 433. — Ueber 
Bodenbearbeitung als Vorbedingunghöchster 
Bodennutzung 418. — Zur Frage der 
Gemüseversorgung 282. 

Kallenbach, F. 
Der Nutzen des Porreeanbaues 89. 

Kaltenbach, Otto. 
Zum Frühgemüsebau 116. 

Kanngießer, Dr. F. 
Chenopodium Qvünoa 178. 

Klar, Joseph. 

Kartoffelbau durch Keimlinge 421. — 
Kartoffelsämlinge 436. — Ueber das Keimen 
europäischer Gemüsesamen in den Tropen 
379. 

Kleberger, Prof. Dr. 

Bericht über Düngungs- und Kulturver- 
suche mit Gemüsen 221. — Bericht über 
die Ergebnisse der Kohlanbau- imd Dün- 
gimgsversuche 176. 

Krüger, W. 
Esel im Gartenbau 48. 

Munck, Heinr. 
Die Förderung des Gemüsebaues im 
Deutschen Reiche 234. 



XXI 



Die Gartenwelt. 



III 



Ohlmer, 0. 

•Klettgauer Eiesenmangold 442. 
Oppermann, Mas. 

Über den Anbau der Piiffbohueu und 

Feldbolinen 178. 
Probst. 

Tomatentreiberei 3. 
Röttger, Franz Julius. 

Was pflanze ich besser im Frühjahr al.s 

im Herbst? 153. 
Sali mann , M. 

Doppelte Ausnützimg des Gemüselandes 

254. — Jap. Gurke in Treibhäusern 405. 

— Weißkraut, Allerfriihestes 255. 
Schaft er, P. 

*Tomaten- und Gurkentreiberei 142. 
Schindel, P. 

Saatkartoffelstreckung im Frühjahr 1916 

283. 
Schmidkunz, H. 

Helianthus tuberosus 310. 
S i e b e r t , Aug. 

Zur Frage des feldmäßigeu und gärtn. 

Gemüsebaues 99, 115, 129, 139, 151. 
Sprenger, C. 

Etn-as über Kartoffeln 310. 
S t e i n e m a n n , F. 

Frühgemüse 102. — i.iemüseausprüche 4. 

— Schön und nützlich 207. 
Str m e y er, Dr. A. 

Neues von unseren Spinatgewächsen 325. 

Vogt, Paul. 
*Das Wasser im Dienste des Feldgemüse- 
baues 356, *371. — *Feldmäßiger Früh- 
tomatenbau 387. 

W y ß , Jos. 
'Doppelte Bodenausnutzung 378. 

Zimmer, H. 
Einiges über die Tomate Dänischer Export 
196. 



Wolff, Herrn. 
Die Gartenkunst im Kriege 63. 



Allerlei 208. 

Impfen der Hülsenfrüchte 224. 

Kartoffelstecklinge 396. 

Kultureinrichtungen. 

Kropf. 
*Bauliche und beti-iebl. Anlagen in Tapiau 
102. 

Kakteen und Fettpflanzen. 

Bonstedt, C. 

*Ehipsalis pilocarpa 437. 
e r t e 1 , A. 

*Mamillarien 87. 



*PhyUokakteen 356. 

Landschaftsgärtnerei. 

Boeck, Willy. 
»Neuland 324. 

Böhmer, P. 

Begi-ünung im Schatten 173. 

C r n i 1 s , V. 
Der Weg und seine Bedeutung 78. 

Gerlach, Hans. 
Jugendparkgedanken 382. 

Kanngießer, Dr. F. 

Gartenanlagen bei der Universität 74. 

Koenig, Herm. 

ParKpolitik nach dem Kriege 16, 28. 

M e h m e I , L. 

*Pfianzenarchitekturen in einem französi- 
schen Stadtgarten 73. — *Betrachtungen 
über einen kleinen Staudengarten 476. 

Easch, Edgar. 

Der Garten des Krankenhauses 321. *— 
Ein Hausgarten 312. — Typengärten 136. 
*— Volkshaine 109. 

Tapp, Willi. 
Ein Hausgarten 398. 



Bkunengruppenpflanzen, Plauderei über 232. 

Nadelhölzer. 
Dolz, H. 

Pseudotsuga japonica 411. 
Hahn. 

*Starke Pinus Strobus 187. 
K a 1 1 e n b a I- h , F. 

Pinus parviflora 237. — Tsuga canadensis 

350. 

Herbstpflanzung der Koniferen 394. 

Obstbau. 

Adam, E. 

Beitrag zum Übstbaumsohnitt 186. 
C r e m e r , Fr. 

Pf ü'sich Spaliere 179. 
Dahlem, Otto. 

Die „Hebung" des Obstbaues 284. — Die 

Obstaufbewahrimg 114. 
D e i s t e 1. 

*Zwei gute Frühäpfel 457. 
Esser, F. 

Die Tragbarkeit der Obstbäume 329. — 

Wasserreiser 402. 
Hahn. 

Eebenkultur in Kalthäusern 158. 
Hesdörffer, Max, 

*Der Charlamowsky 397. — *Vom Um- 
veredeln der Obstbäume 245. — "Wert- 
volle Tafelbirnen 154. 
Janoschke. 

*Der Obstbau in Russisch-Polen 210. 
Jansen, A. 

Uljer Sortenechtheit und Keimfähigkeit 256. 

— Zur Frage der Obstsortenwahl 279. 
Krauß, 0. 

Obstbaugedanken 9. 
Krings, Franz Jos. 

Apfel Rheinlands Ruhm 33. 
Krüger, W. 

Obstbaumpflege an Kunststraßen 403. 
Reinpell, Ed. 

Bezürks-Obstverwertungen 451. 
R 1 1 , F r. 

Gärtnerische Streifzüge im Kriegsgebiet 57. 
Röttger, Franz Julius. 

Baumblüte und Blütenschutz 243. — Die 

Schattenmorelle 477. 
Sallmann,M. 

•Jonathan, ein wertvoller Spätapfel 235. 
Schipper, A. 

*Die Apfelsorte „Der Anhalter" 467. — 

*Eeichtragende Birnensorten 61. 
Sprenger, C. 

Allerlei vom Pfirsichbaum 365. — Etwas 

von der Edelkastanie 139. 
Steinemann, F. 

Obstbaumsehnitt 26. 
Steppes, Eud. 

Von der EdeLfäule der Weintrauben 430. 
Thyssen, Paul. 

*Obstgärten im Osten 329. 
Wolff, H. 

Das Spalier im Hausgarten 484. 
Zimmer, Heinr. 

*Die geschUtztbl. Brombeere 298. 
Z w i c k y , K. 

Warum gedeihen viele Obstsorten nicht 

mehr? 478. 

Brombeere, Eine beachtenswerte (Eubus laci- 
neatus) 332. 

Orchideen. 
Dolz, H. 
Einiges über die Gattung Stanhopea 452. 



Gersdorf, P. 

•Billige Orchideentöpfe 98. — Orchideen- 

kultm' im Zimmer 42. 
H e n z , Dr. F. 

Aerides odorata 423. 
J i r a s e k , H. 

*Cattleya Walkeriana 298. 
M i e t h e , E. 

'Einige im Mai blühende Orchideen 241. 
e r t e 1 A. 

*Cattleyahybriden 182. 
Sandhack, Herrn. Ä. 

*Große Blühwilligkeit der Vanilla aroma- 

tica 355. 

Nigritella nigra 130. 

Palmen. 

Berger, Alwin. 

"Archontophoenix 25. — *Erythea 122. — 

Latania 458. — Ehapalostylis 87. 
Kanngießer, Dr. 

Befi'uchtung bei Phoenix dactylifer 182 
E 1 1 , F r. ■ 

Eine Zufallsbefruchtung von Trachycarpus 

excelsa 112. 

Pflanzendüngung. 

Esser. 

Düngemittelersatz durch Waldhumus 57. 
G V e r t s , W. J. 

Der Komposthaufen in der Gärtnerei 298. 
Steine mann, F. 

Kalkdüngung 125. 



Düngen, Ergebnisse beim 339. 
Kalkfaktor in der Pflanzenernähi-ung 327. 
KalksticLstoff 312. 

Pflanzenkrankheiter . 

A p p e 1 , Dr. 

Die Perocidbrühe als Ersatz der Kupfer- 
kalkbrühe 342. 

Esser, F. 

Vom amerikanischen Stachelbeermehltau 
441. 

G r u p p , H. 

Vermeidung des Vermehrimgspilzes 125. 

Eeiter, Curt. 

Gelbsucht der Primula obconica 269. 

Sandhack, Herm. A. 
Nochmals vom amerikanischen Stachelbeer- 
mehltau 499. 

Pflanzenkunde. 

Daniel, Fritz. 

*Loasa lateritia 438. 
K a n n g i e ß e r , Dr. F. 

Loasa lateritia 379. 
S t r e h 1 e , Max. 

Über Geruch, be.sonders der Pflanzen 313. 
W c k e , E. 

Winterstudien 106, 117. 

Pflanzennützlinge. 

Steinemann, F. 
Unsere Helfer 396. 

Pflanzenschädlinge. 

•t e r s d r f , Paul. 

Gegen die Kohlweißlingsraupe 390. 

Jansen, A. 

Zur Frage der Einwanderung von Pik- 
krankheiten 479. 

Naumann, Prof. Dr. A. 
Ein neuer Schädling des Kartoffelkrautes 
429. 

h 1 m e r , W. 
Das Eäuchern 39. 



IV 



Die Garteuwelt. 



XXI 



Rodel, W. 
Einiges über die diesjährige Raupenplage 
450. 

Belcämpfung der Blutlaus 311. 
Blutlaus, Von der 406. 

Pilze. 

B r 11 u 1 d , Aug. 

Über PUze 95. 
E i m 1 e r , A. 

Pilzgenuß und Pilzfurcht 381. 

Vorsicht gegenüber dem Hallimasch 438. 

Reiseschilderungen, Gärtnerische. 

S h ü r e r , C u r t. 
*Streifzüge durch die poln. Landwirtschaft. 
Der poln. Bauer und sein Dorf 219. 

Rosen. 

Kache, Paul. 

*Rosa britzensis .B69. 
K a n n g i e ß e r , Dr. F. 

Etoüe de France (Gedicht) 422. — Frau 

Karl Druschki (Gedicht) 422. — La Mar- 

quise de Sinety (Gedicht) 400. 
Schönborn, G. 

Alte und neue reichblühende Schnitt- und 

Beetrosen 149. 
Teschendorff, V. 

*Friedensrose 1. 

Friodensroso 339. 

Samenzucht, 
Deutschlands Sainenzucht und Samenhandel 
273. 

Schling-, Rank- und Kletterpflanzen. 

Bonstedt, C. 

*Trichos»nthes japonica 157. 
Brehm. 

'Polygonum Aubertii 467. 
Graebener, L. 

Pueraria Thunbergiana 4. 
Grupp, H. 

Hedera Helix conglomerata 184. 
Krauß, Otto 

*Bignonia radicans und Akebia quinata 378. 
Siebert, Aug. 

•Clematis paniculata 481. 
Schipper, Hofgärtner. 

*Bignoma radicans 417. 
Sohönborn, G. 

Hedera Helix conglomerata 184. 
Steinemann, F. 

"Wintervermehrung von Efeu 509. 

Schnittblumen. 
D a m e r i u s , Willy. 

*Das Verpacken von Schnittblumen 126. 
Grupp , H. 

Das Verpacken von Orchideenblumeu 127. 

Sommerblumen. 
Dobberke, W. 

Salpiglossis variabüis 399. 
Hesdörffer, Max. 

*Erfahrungen mit dem Anbau von Mohn 

zur Ölgewinnung 436. 
Kallenbach, F. 

Tagetes 2. 
Steinemann, F. 

Einjähriger Mohn 510. 

Stauden. 

Bonstedt, C. 

*PrimuIa Juliae 444. 
Dungern-Dehrn, Freiherr v. 

•Rehmannia angulata-Linaria triornitophora 

137. 



E u b e 1 , L. 

Winterschutz für Alpenpflanzen 27. 

Kache, P. 
*Phlox suffriticosa und Snowdon 285. — 
*Polemonium coendeum 295. 

Kallenbach, F. 
Rudbeckien 502. 

Oppermann, Max. 
Bellis perenuis Herzogin Maria v. Katibor 
350. 

P h 1 i g , Max. 
Artemisia lactiflora 98. 

Röttger, Franz Julius. 
*Wertvolle Dauerblüher unter den Stauden 
205. 

S c h m i d k u n z , H. 

*Melittis MelissophyUum 445. 

S c h ö n b r n , G. 

*Kleinblütige Staudenastern 409. — 'Ver- 
schiedene Sonnenblumen 309. 

Stapf. 
Rehmannia angiUata und Freesia refracta 270. 

Streb) e. 
Noch einmal Polygonum cuspidatum 99. 

Steine mann, F. 
Herbstastern 502. 

Schulze, G. 
Polygonum cuspidatum 14. 

V i g 1 1 ä n d e r , B. 

*Dianthus paLlens 159. — Einige weniger 
bekannte und beachtete Saxifraga 49. — 
*Erigeron compositus 271. — Euphorbia 
Myrsinites 286. — *Ferula Narthex 271. 
*Polygonum alpinum 138. — *Veronioa 
repens 150. 

Wooke, Erich. 

* Anemone alpina 13. — 'Arenaria mon- 
tana 86. — Bemerkungen zu dem Aufsatz 
„Alpine Primulas" 75. — *Globularia cor- 
difoiia 175. 

Zörnitz, Herrn. 

*Anemone nemorosa 349. — *Arabis vochi- 
nensis 371. — *Asperula nitida 411. — 
*Dicentra spectabilis 248. — *Edraianthus 
serphiUifolius 356. — 'Einige empfehlens- 
werte Vertreter aus der Familie der Gera- 
niaceen 453. — Euphorbia polyehroma 271. 
*Glockenblumen 404. — •Hefionopsis bre- 
viscapa 484. — 'Levisia Cotyledon 492. 
— *Phyteuma comosum 445. — 'Primula 
Littoniana und Forestii 469. — 'Sedum 
pUosum 459, 460. — 'Stauden mit schönen 
Früchten 505. — Stenanthium robustum 
437. — 'Zwei empfehlenswerte Primeln 295. 



•Actaea alba 423. 

*Alsine Bauhinormn 411. 

*Campanula speciosa 99. 

*Cirsium Erisithalis 276. 

Edelweiß, Zucht und Pflege des 138. 

*Hedysarum obscurum 484, 485. 

'Phlomis 381. 

*Primula japonica 484, 485. 

'Ranunculus aoonitifolius planifolius 371. 

Sumpf- und Wasserpflanzen. 

B e h n i c k. 

Victoria regia 431. 
Geier, M. 

Victoria 480. 
S t ä m m 1 e r. 

Victoria regia imd Cruciana 456. 



Bonstedt, C. 
*Begonia heracleifolia 390. — 'Primula 
Listeri 437. 

Dolz, K. 
Bromeliaceen 412. — Fuchsia splendens 
865. 

H e y d t , Adam. 
Phrynium Lubberti 237. 

J i r a s e k , H. 

*Clerodendron fallax 294. — 'Dioon edule 
194. — *Eupotorimn macrophyllum 246. 

Kaiser, Paul. 
Crassula coccinea, eine dankbare Markt- 
pflanze 236. 

K u n e r t , F. 
'Hortensien in Sanssouci 265. — *Schizan- 
thus-Hybr., als Topfpflanzen 341. 

Meyer, K. 
'Pelargonium grandiflorum 393. 

Rehnelt, F. 

*Coleus Rehneltianus 291. 

Reiter, Kurt. 
Asparagus plumosus nanus 124. — Topf- 
chornelken 172. 

S c h m i d , H. 

'Salvia involucrata 97. 

Steinomann, F. 
Bromeliaceen 510. 

Schulze, G. 

Libonia flcribunda 20. 

Z w i cky , K. 

Das Umfallen der Achyranthes splendens 
77. — Die Bougainvillea und ihre Kultur 
208. — Die Vermehrung der enghschen 
Pelargonien 59. 



Aldrovandie in Deutschland 340. 

Topfpflanzen, 

Adam. 

Kerium Oleander 374, 
Bocheneck, P. 

Schatten, Sonne und Luft bei der Pflanzen- 

anzuoht 478. 



*Erica hyalina als Schaupflanze 137. 

Zweijährige Pflanzen. 

J. E V e r h a r d t. 
Cheiranthus Allonii 299. 

Zwiebel- und Knollengewächse. 

Adam, R. 

Amaryllis vittata-Hybriden 276. 
B e s k e , G. 

'Narzissenblütige Knollenbegonien 502. 
Bonstedt, C. 

'Neue pfeilblättrige Caladien 401. 
Grupp, H. 

Ein kleiner Beiti'ag zur Kultur des Cyclamen 

persicum 75. 
Heller, C. 

Hemerocallis 476. 
Kache, Paul. 

Bidens dahlioides 304. — 'Über Anzucht 

und Pflege der Amaryllis 134. 
Kallenbach, F. 

Freesien 311. — Sprekelia formosissima 186. 
Mayer, K. 

'Cyclamen 139. 
Ohlmer, W. 

Etwas über Dahlien und Tulpen 311. 
Reiter, Cur t. 

Die Heranzucht der Freesien für den 

Blumenschnitt 150. 
Rokohl, Paul. 

Drei zur Beetpflanzung wertvolle gefüllte 

KnoUenbegonien 155. 
Schipper, A. 

'Nerine sarniensis 2.' 
Schmidkunz, H. 

Caladium bicolor 470. 
Schönborn, G. 

Großblumige Beet- und Gruppencanna 474. 
Siebert, August. 

PfeUblättrige Caladien 495. 
Steinemann, F. 

Spätgepflanzte Blumenzwiebeln 140. 



XXI 



Die Gartenwelt. 



V 



Bienenzucht. 
Schindel, P. 

Die Bienenzucht in der Gärtnerei 237. 
Schmidliuuz, H. 

Bienenzucht imd Gärtnerei 382, 390. 

Briefkasten der Redaktion. 

Florentiner Fenchel 368. 

Bücherschau. 

Binderei, Die moderne 227. 
Die Hirse 512. 

Düngung der Freilandpflanzen 488. 
Gemüsebau während des Krieges 227. 
Heinemanns Abreißkalender 35. 
Kleingarten, Der 227. 
Kriegerfriedhöfe, Zwei 307. 
Kriegswirtschaftliche Arbeit im Frankfurter 

Palmengarten 35. 
Ländliche Kriegerheimstätten 367. 
Neue und wenig bekannte Pflanzen Deutsch- 

SüdwestafrLkas. Von Dinter 35. 
Rost- und Brandpilze 488. 
Thalackers Samen- und Pflanzenofferte 35. 
Vergrößerung der landw. Produktion 512. 
Wildgemüse, Tee- und Heilkräuter 264. 

Fachgenossen, Verdiente. 

H e s d ö r f 1 e r , Max. 

Schindel, Paul 155. — Schelle, E. 93. 

Farbentafeln. 

Caladium-Hybriden 202. 
Coleus Eehneltiauus 293. 
Narzissenblütige Knollenbegonien 5Ü2. 
Tafelbirnen 154. 

Fragen und Antworten. 

Arauoaria excelsa, Gipfeltrieliersatz 60. 

Betonblöcken, Färben von 200. 

Bewässerungsanlage, Billigste für 20 Morgen 
großen Obstgarten 213. 

Diestrammena marmorata, Vertilgung von 200. 

üroßgemüseanbau 471, 512. 

Hochgegangene Fichtenhecke 471. 

Kakteen und Orchideen zusammen zu pflegen 
82. 

Knollensellerie, Behandlung des 108, 201. 

Platanen, Pilzbildimg an 448. 

Hosenschnitt 464, 504. 

Speisezwiebeln, soll man deren Kraut nieder- 
treten? 200. 

*Zuckerrübe, Verwertung f. den Haushalt 214. 

Gedenkblatt. 

S i e b e r t. 
Zum hundertsten Geburtstage von Heinr. 
Siesmayer 201. 

Heiteres. 

Sonnenstich im Winter 144. 

Kleintierzucht. 

Simon. 
Kaninchenzucht und Volksernährung 130. 

Mannigfaltiges. 

Beckmann. Johanna. 

Von Traum und Tat (Gedicht) 23. 

C r e m e r , Fr. 
Brennesseln gegen Insektenstiche 190. — 
Die Ehrlichkeit im Gärtnergewerbe 262. 

Eckerth, E. 

Gemüsebau und Ziergärtnerei 96. 

Engel. 

Samemvirkung auf Pflanzen 496. 

Ger lach, Hans. 
Entwickelung der Schrebergartenbestre- 
bungen 191. — Privatparkanlagen im Dienst 
der Volkswohlfahrt 463. — Zur Vor- 
geschichte der Heldenhaine 439. 



Gersdorf, Paul. 
Kasenersatz 351. 

Graebener. 

Gärtnerische Preisveizeichnisse 83. — 
Euhen der Kehnkraft von Samen 290. 

G r u p p , H. 

Nameuschilder 191. — Winterhärte von 
Aucuba 215. 

Gschw ender, G. 
Die Ukraine 68. 

Hahn. 

Erdbodentemperatureu 226. 

Heine, Carl. 

Zur Hagelversicherung 215. 

Hermann, E. 

Die Wildgewäohse im Haushalt 446. 

Hesdörffer, Max. 

Zur- Frage der diesjährigen Obsthöchst- 
preise 290. — Ernstes und Heiteres aus 
dem Berufsleben 511. 

Jansen, A. 

Spätfrostversicherungen 288. 

K a n n g i e ß e r , Dr. F. 

Arzneipflanzen 263. — »Blumen aus den 
Märehen Andersens 317. — Chenopodimn 
Quinoa 472. — Ist Rhabarber schädlich? 
351. — Juckmilben 463. — Monographie 
der Melampyra 504. — Scolopendrium 
vulgare (Gedicht) 343. — Sind die Beeren 
von Actaea giftig? 456. 

Krüger, W. 
Jauohewagen 439. — Weiden statt Bast 
392. 

Kropf. 

Verschiedene Verfahren zur Konservierimg 
der Gartenbauhölzer 226. 

L e u p 1 d. 

Frostwirkungen 328. 

M a t h w , K. 

Die Frühlingsflora der transylvanischen 
Alpen 351. — Heldenehrung 463. 

1 u f s e n , Dr. L. 

Bienenbesuoh und Fruchtansatz 318. — 
Ermittelungen über Pilzvergiftungen des 
Jahres 1916 227. 

Rade, Karl. 
Billiger Frühbeetfensterkitt 96. 

Rasch, E. 
Die Blumentreiberei veraltetl 12. 

S a 1 1 m a n n , M. 
Der Lindenbast 343. 

S a n d h a c k , Herrn. A. 
*Namenschilder 263. 

Schmidkunz, H. 
Bienen 496. 

Schönborn, G. 
Frostwirkungeu 287. 

Sprenger, C. 

Gedanken am Abend 239, 271. 

Steinemann, F. 
Frostwirkung 215. — Mistbeeterscheinungen 
290. — Rigolen 456. — Vom Rauchen 495. 

W 1 1 e n b e r g , 0. 

Ein praktischer Topf 367. — Gemüse- 
züchter und Lieferauten 343. — Russische 
Bauerngärten 431. 



Aloestecklinge 503. 

Ausnahmetarif f. Düngemittel 96. 

Blattschlaf 263. 

Erblichkeit von Abänderungen 503. 

Frostschäden 143, 326. 

Frostwirkung 143. 

Frühliugslust 306. 

Gartenkunst, Wissenschaft, Schule und Leben 
288. 

Gemüse- und Obstversorgungsstellen in Öster- 
reich 291. 

Gewinnung von Fett aus Baumkuospen 289. 

Handnähahle 216. 

Höchstpreise für Herbstgemüse 215. 



Kartoffelhöchstpreise 144. 

Kirehenschmuek zur Reformationsfeier 367. 

Krankenversicherung der Gärtnerlelirlinge 143. 

Lebensalter der Blätter und Nadeln 503. 

Mußestunden 289. 

Obstnutzung an den Straßen Sachsens 336. 

Papiersäcke 143. 

Pilzernte 414. 

Unser Südfrüchtebedarf und Italien 289. 

Versuchsgartengründung 414. 

Wie Pflanzen erfrieren 287. 

Nachruf. 

Bücher. 

*Max Josef Goos 119. 
Hesdörffer, Max. 

*Otto Wilhelm Hübner f 33. 
Solemacher, Freiherr v. 

Burvenich 191. 
W c k e , Erich. 

»Eduard Ortgies f 21. 

Plaudereien. 

Hesdörffer, Max. 
Der Gärtnerberuf 169. 

Preisausschreiben. 

Berlin, Heldenhain in der Wuhlheido 228. 
Magdeburg, Friedhofsanlage imd Krematorium 
228. 

Rechtspflege. 

Arbeitsverweigeriuig 2i6. 

Auskunftspflicht des Gärtnereibesitzers über 
entlassenes Dienstpersonal 360. 

Auslandsware und Höchstpreis 384. 

Berufsgenossenschaftliohe Zugehörigkeit der 

. Gärtnereibetriebe 94. 

Entscheidung für Samenzüchter u. -Händler 
390. 

Gesuche der Gärtner um Beurlaubung vom 
Heeresdienst 239. 

Haftung der Eisenbahn für Verderb von 
Gütern 392. 

Hausgärten, Versicherungspflicht der 504. 

Hundebütte und Hühnerstall im Vorgarten 23. 

Krankenversicherungen entlassener Kriegs- 
teilnehmer aus dem Gärtnerberufe 225. 

Kartoffelernte, Verfrühte 504. 

Lohnanspruch des Ai-beitnehmers bei vor- 
übergehender Erkrankung 471. 

Mitberechnung der Strohverpackung beim 
Kohlversand 60. 

Obstausfuhrerlaubnis, Fälschung einer 216. 

Preissteigerung, Übermäßige 216. 

Saatbohnen, Preiswucher mit 48. 

Samenzuchtbetrieb, Ein 344. 

Übermäßige Preissteigerimg bei Kartoffel- 
verkäufen 60. 

Unbegründete Klage auf Wandlimg eines 
Kaufes 166. 

Verpackungsspesen, Berechmmg der 251. 

Versicherungspflicht 292. 

Unteirichtswesen, Gärtnerisches. 

Bohnert, Erich. 

Noch etwas über theoretisches und prak- 
tiscbes Bildungswesen unserer Lehrlinge 53. 

E i m 1 e r , A. 

Zur beruflichen Ausbildung des Nach- 
wuchses 45. 

G r e t s c h e 1. 
Jahresbericht 1915 der Kgl. Lehranstalt für 
Obst- und Gartenbau in Proskau 55. 



Ausbildung des Nachwuchses im Handwerk 

und Gewerbe in Sachsen 471. 
*Beiicht der Kgl. Gärtnerlehranstalt Dahlem 

1914/15 81. 
Lehrlingsausbildung, Staatliche Beihilfen ziu- 

251. 



VI 



Die Gartenwelt. 



XXI 



Vereinen, Aus den. 
(Kongresse, Versammlungen.) 

Fuchs, li e r m. 

Giirtuerktingreß in Polen 191. 



Deutsche Dendrologische Gesellschaft 352. 
Deutsche Gartenhaugesellschaft 240. 
Deutsche Gesollschaft für Gartenkunst 352. 
Ecichsverhandes, N iederschrift aus der Sitzung 

der wirtschaftlichen Verbände des 69. 
Verein zur Beförderung der Moorkultur 131. 

Verkehrswesen. 

B a d e r m a n n , ('•. 

Die Erhöhiuig der Eisenbakntarife 95. — 
Die Osman- und ilaritzazüire 262. 



Blumenzwiebeln, Zur Einfuhi' von, aus Hol- 
land 327, 336. 

Der neue türkische Zolltarif 189. 

Zur Einfuhr von Blumen und Bindegrün aus 
Belgien 439. 

Versicherungswesen. 

G r u n d m a n n , Dr. 
Die Versicherung der Privatgärten 248. 

Vogelschutz. 

Esser. 

Vogelschutz 93. 
Kanngießer, F. 



Vogelschutz 94. 



Der Kirschkernbeißer als Gartenvogel 154. 

Vogelschutz 31, 185. 

Unsere Wohnortsvogelwelt 509. 

Zeit- und Streitfragen. 

B e r g e r , Alwin. 
Vom Hauchen 469. 

B i r z e r , Franz. 

Etwas zur Friedenswirtschaft 487. 

C a s t e , 11 e 1 1 ni u t. 
Meine Mußestunden 187. 

E i m 1 e r , A. 

Kriegerehiung und Heldenhaine 375. — 
Die Gärtnerei in der Uebergangswirtschaft 
486, 493. 

Esser. 

Zur Sicherung der diesjährigen Kartoffel- 
erzeuguug 33. 

Friedrich Wilhelm, Fürst zu Tsen- 

burg und Büdingen. 

Zoll auf frische Schnittblumen! 107. 

Gerlach, Hans. 
Das Wölkenkuckucksheim der Gartenarchi- 
tekten 415. — Sicherstellung der deutschen 
Volksernährung 263. 

Gersdorf, Paul. 
Gutes Deutsch 366. 

Hahn. 

Nährpflanzen in Ziergärten 212. 

Hesdijrffer, Max. 
Deutsch oder undeutsoh 141. — Die Not- 
lage der Erwerbsgärtner 4U6. — Höchst- 
preise 383. 



Jäger, Hilde. 

Aus d. Leben eines gärtner. Taugenichts 333. 
Jans u , A. 

Die Stellung der gärtnerischen Beamten 

und Angestellten nach dem Kriege 454, 460. 
K a n n g i e ß e r , Dr. Fi-. 

Fremdwort und Fremdpfianze 141. — 

Mußestunden 188. — „Park" 400. — Gegen 

das Bauchen 502. 
Krancke, Elisabeth. 

Nützlichkeit der Bienen 456. 
M e h m e 1 , L. 

Ein Blick in die gärtnerische Zukunft 421. 
S a n d h a k , Herrn. A. 

Gärtnerische Preisverzeichnisse 142. 
Steinemann, F. 

Begrenzte Bestrebungen 82. — Das Wolken- 
kuckucksheim der Gartenarchitekten 384. 
Strehle, Max. 

Das Deutschtum in unserer Sprache 142. 

— Lateinische Pflanzennamen 358. — 

Sprachgefühl 470. 
Vowiuckel, L. 

Zur Gärtnerinnenfrage 22. 
W e i n h 1 z , C. 

Zur Gärtnerinnenfrage 59. 
AVolff, H. 

Organisation und Beschlagnahme 94. 



Holzknappheit und Baumbestand 461. 
Warum die Landwirte gi-gen die Einführung 

der neuen Sommerzeit sind 107. 
Wölkenkuckucksheim d. Gartenarchitekten 850. 



Alphabetisches Sachregister. 



{Die illustrierten Artikel sind mit einem * versehen.) 



'Aachen, Kiu'- und Badeanlagen 27. 

AchiUea 205. 

Achyranthes splendens. Das Umfallen der 77. 

*Actaea alba 422; * — spicata u a. 505. 

Actaea, Sind die Beeren giftig 456. 

Actinidia arguta und Kolomikta 312. 

Aerides odorata 423. 

Akebia quinata 377. 

Agaricus MeLleus 438. 

Aldrovandie in Deutschland 340. 

AUerlei 208. 

Aloestecklinge 503. 

Alpenpflanzen, Winter.schutz für 27. 

*Alsine Bauhinorum 411, *412. 

*Ama'yllis 133; — vittata-Hybriden 276. 

Ananasgewächse 412. 

'Anemone aipina 13 ; — nemorosa-Formen 349. 

*Angunenkürhis 386. 

*Anlage, öffentliche, in einem franz. Land- 
städtchen 2uy. 

*Apfel „Anhalter" 467; * — Jonathan, ein 
wertvoller Spät- 235 ; — Rheinlands Ruluu 33. 

Aphalaia nervosa, ein neuer Kartoffelscüäd- 
ling 430 

*Arabis aipina fl. pl. 205, 207; *— vochi- 
nensis 371. 

Araucaria excelsa 60. 

*Arenaria montana 86. 

Arisaema ringens 506. 

Arbeitsverweigerung 216. 

*Archontophoenix 25. 

Artemisia lactiflora 98. 

*Arum nigrum u. a. 506. 

Arzneipflanzen 163, 263; — Anbau in 
Sachsen 190. 

Asparagns phrmosus nanus 124. 

*Asperula hirta, — nitida, * — stylosa 411. 

*Aster cordifolius 409; * — ericoides super- 
bus 410; — verschiedene 410. 

Aucuba, Winterhärte von 215. 

Ausbildung des Nachwuchses 45. 

*Azalea Kii-ishima 351. 



*Bärlappgewäche, Tropische 160. 

Bauerngärten, Russische 431. 

Baumblüte 243. 

Bäume, Einschütten und Verpflanzen 482, 
490, 499, 508. 

Baumschutz 243. 

•Bäumeverwachsungen 42. 

Banse, Friedrich 495. 

Beamten, Stellung d. gärtn. nach dem Kriege 
454, 460. 

*Begonia heracleifolia 390. 

*Begonien, Narzissenbliitige 502. 

Begrünung im Schatten 173. 

Belgi»-n, Gärtnerei und Gartenbau in 183, 
195, 210, 230, 246, *259, 267; — Verkehrs- 
hältnisse in ZlO. 

Bellis perennis Herz. Maria v. Eatibor 350. 

Berufsarbeit an der Westfront 62. 

Berufsleben, Ernstes und Heiteres aus dem 511. 

Bestrebungen, begrenzte h2. 

Betonblöcke, Färben der 200. 

Bewässerungsanlage, Bdiigste 213. 

Bienenbesuch und Fruchtausatz 318. 

Bienen, Nützlichkeit der 456, 496. 

Bienenzucht und Gärtnerei 237, 382, 390. 

*Bignonia radicans 377, 417. 

Bidens dahlioides 304. 

*Birkenholzbautfn 184. 

*ßirnensorten, Reichtragende 61. 

*Birnpyramide, Neue Poiteau 61. 

Blätter, Lebensdauer der 503. 

Blattschlaf 263. 

*Blumen aus den Märchen Andersens 317. 

Blumenduft, kann er schädlich sein? 319. 

Blumengruppenpflanzen, Plauderei über 232. 

Blumentreiberei veraltet 1 12. 

Blumenzwiebeln, Spätgepflanzte 194; — , Zur 
Einfuhr der, aus Holland 327, 336. 

*Blütenbäume, Zwei der schönsten 489, 491. 

Blutlaus 406; — Bekämpfung der 311. 

Bodenbearbeitung 418. 

Bodenmüdigkeit 438. 



Bodennutzung, Doppelte 207, *378; — 

Höchste 418. 
Bodens, Gärtn. Erzeugungswert des 433. 
Bohnen, Trocken- oder Grünverbrauch 59. 
Botan. Garten in Bukarest 130. 
Bougainvillea und ihre Kultur 208. 
*Buchweizen 427. 

•Budapester städt. Gärten 171, 229. 
Burvenich -f 191. 

Brombeere, Geschlitztblättrige *298, 332. 
Bromeliaceen 412, 510. 
*Bruckenthalia spiculiflora 414. 
*Brunnenanlagen 301. 
*Brunnen im Wilhtlmstal bei Eisenaoh 302; 

" — vor einem Krematorium 303. 

Caladiumbicolor470;* — pfeilblättrige 401,495. 

*Calluna vulgaris 181. 

•Calycanthus floridus 395, 396. 

•Campanula Elatines, Portenschlagiana 405 ; 
— pusilla 404; — rupesü-is405; — * — spe- 
ciosa 99; * — Verschiedene 404; — Wald- 
steiniana 406. 

Canna für Beete 474. 

Cassiope, Die Gattung 370. 

•Catüeyahybriden 182; *— Walkeriana 298. 

Cercidiphyllum japonicum 208. 

♦Charlamowsky 397, 457, 459. 

Cheiranthus Allionii 299. 

Chenopodium Quinoa 178, 472. 

China-Gehölze 40. 

'Cinquantinomais 449, 451. 

*Cirsium Erisithalis 276. 

*Clematis paniculata 481. 

•Clerodendron fallax 294. 

•Coleus Rehneltianus 293. 

•Cornus canadensis 507. 

Crambe maritima 488. 

Crassula coccinea — eine dankbare Markt- 
pflanze 236. 

Cyolamen persicum, Beitrag zar Kultur 76; 
* — Späte Aussaat der 193. 



XXI 



Die Gartenwelt. 



VII 



*Dahleni, Bericht der Gärtnerlebranstalt 81. 

Dahlien, Einfachblüh. 160; — etwas über 311. 

Daphne Mezereum *160, 261. 

*Darmstai:lt, Der neue Waldfriedhof in 361. 

Dendrologisohes aus Weener 30, 40, 61, 66. 

Deutsch, Gutes 366; — oder undeutsch 141. 

Deutschtum in unserer Sprache 142. 

*Dianthus pallens 159; * — strictus 411,*412. 

*Dicentra spectabiKs 248. 

Diestrammena marmorata 200. 

*Dioon edule 194. 

Düngen, Erlebnisse beim 339. 

Düngemittelersatz durch Waldhumus 57. 

Düngungsversuche beim Kohlanhau 176. 

Düngungs-u.Kulturversuche mit Gemüsen221. 

Durchhalten 47. 

Edelfäule der "Weintrauben 431. 

Edelkastanien 139. 

Edelweiß 138. 

*Edraianthus serpillifolius 356. 

Efeu, Wintervermehrang 509. 

'Ehreufriedhof für Krieger in Kiel 337, 345; 

*— im Osten 498. *— in Saarbrücken 217. 
*Eiche, Tausendjährige 134. — Vor Spätfrost 

geschützte 439. 
Erbsenbeete, Schutz der — gegen Spatzen 178. 
Erbsensorten zum Grünpflücken und zur 

Ernte von Trockenfrucht 224. 
Erdbodentemperatui'en 226. 
Erfrieren der Pflanzen 287. 
»Erica hyalina 137. 
Erigeron 206; * — compositus 271. 
'Eriophorum polystachium 321, 323. 
*Erntebilder aus Hoffnungstal 4. 
Erodium 453. 
Ersatzreiser 402. 

Erwerbsgärtner, Notlage der 406. 
*Erythea 121. 
Esel im Gartenbau 48. 
Etoile de France (Gedicht) 422. 
*Eupatorium raacrophyllum 246. 
'Euphorbia Myrsinites 286 ; — polychroma 271. 
Evonymus japonica 124. 
Farne, Epluphytisohe 348. 
Feldbohnen, Anbau von 178. 
Feldgemüsebaues, Das Wasser im Dienste 

des 356, *371. 
Fenchel, Florentiner 368. 
*Ferula Narthes 271. 
Fettgewinnung aus Baumknospen 289. 
Fichtenhecke, Eüokschnitthochgegangener471. 
Finoki 368. 

Forsythia suspensa 332 
Frappantmais 11. 

Frau Karl Druschki (Gedicht) 422. 
Freesia refracta 270. 
Freesien 311; — Heranzucht für den Schnitt 

150. 
Fremdpflanze und Fremdwort 141. 
Friedensrose *1, 339. 
Friedenswirtschaft 487. 
'Friedhof, Der neue f. d. Feldzugsteilnehmer 

von 1870/71 in Saarbrücken 196; — , Der 

deutsche in Wilna 473; * — , Der jüdische in 

Wilna278; — , Der russische und polnische 

in Wilna 363; * — der Typengräber 443; 

— Ein russischer Dorf- 277. 
*Friedhofskunst in Russisch-Polen 497. 
Frostschäden 143, 326. 
Frostwirkungen 143, 215, 287, 328. 
Fruchtansatz und Bienenbesuch 318. 
»Frühäpfel 457. 

Frühgemüse 102; Bau 116. 

Frühliugsflora der transylvanischen Alpen 351. 

Frühlingslust 806. 

'Frühmais 449, 488. 

*Frühtomatenbau, Feldmäßiger 387. 

Fuchsia splendens 365. 

Gaillardia hybr. 206. 

Gartenaulagen bei der Universität Gießen 7, 

19, *64. 



Gartenarchitekten, Wolkenkuckucksheim der 
350. 

Gartenbestrebungeu, Soziale 382. 

Garten des Krankenhauses 321. 

'Garteneingang 133 

'Gartenhäuschen hinter dem Märkischen 
Museum in Berlin 151. 

'Gartenhäuser 90. 

*Gartenhof, Der 273. 

Gartenkunst im Kriege 63. 

»Gartenpforte mit Giebeldach 492, 493. 

*Gärten,Budapesterl71,229;* — lothringischer 
Schlösser 145; — russische Bauern- 431. 

tiärtnerberuf 169. 

Gärtnerei und Bienenzucht 382, 390; — und 
Gartenbau in Belgien 183, 195, 210, 230, 
246, *259, 267. 

Gärtuergewerbe, Ehrlichkeit im 262. 

Gärtnerinfrage 22, 59. 

Gärtn. Preisverzeichnisse 83. 

Gärtnerkongreß in Polen 191. 

*Gärtnerlehranstalt Tabiau, Bauliche und Be- 
triebsanlagen 102. 

Gedanken am Abend 239, 271. 

Gehölze, Neue ausChina 40; — Keimen der507. 

Gemüseansprüohe 4. 

Gemüsebaues im Deutschen Reiche, Die 
Förderung des 234; — , Steigerung des 298. 

Gemüsebau auf Eisenbahnwagen 62; — , Feld- 
mäßiger 99, 115, 128, 139, 151; '— in 
der Kreisirrenanstalt Kaufbeuren 37; * — • 
in Rußland 425. 

Gemüsebau und Ziergärtnerei 95. 

Gemüseland, Doppelte Au^n^ltzlmg 254, '378; 
— , Düngung für Großanbau 471, 512. 

Gemüsesamen, Keimen europ. in den Tropen 
379; — , Kehnfähigkeit der 187. 

Gemüse, rechtzeitig säen 102. 

"Gemüseversorgung einer Fabrüküche 281. 

Gemüsezüchter, Ein Wort an 343. 

'Geraniaceae 453. 

Geranium argenteum 453. 

Geruch, Über den, bes. bei Pflanzen 313. 

Gesuche der Gärtner um Beurlaubung vom 
Heeresdienst 239. 

Gewächshäuser, Zur Ausnutzung leerstehender 
mit Tomaten 199. 

*Gießen, Anlage des Platzes vor dem Uni- 
versitätsgebäude 64; — , Gartenanlagen bei 
der Universität 7, 19, *64; '— , Robert 
Sommergarten 65. " 

'Globularia cordifolia 175. 

'Glockenblumen 404. 

Gülioh'sohes Kartoffelbauverfakren 462. 

'Guikenhäuser in Dahlem 78. 

Gurkenkultur, Beitrag zur 3. 

■^ Gurke, Weigelts Beste von allen 442. 

Hagelversicherung, Zur 215. 

HaUimasch 438. 

Handnähahle 216. 

'Hanffeld 426. 

Hausgarten 398. 

'Hausgarten, Ein 313. 

Hedera Helix conglomerata 184. 

'Hedysarum obscurum 484, 485. 

'Heidefriedhof in Bielefeld 301. 

Heldenehrung 463. 

Heldenhaine, Deutsche 72. 

Heldenhaine und Kriegerehrung 375. 

Heldenhaine, Vorgeschichte der 439. 

Helenium 206. 

HeUanthus giganteus 309; — multiflorus 309; 
* — salicifolius 309; — tuberosus 310. 

'Heloniopsis breviscapa 484. 

'Hemerocallis 475, 476. 

Herbstastern 502. 

Hippophae rhamnoides 439. 

'Hirsefeld 427. 

Höchstpreise 383. 

Höchstpreise für Herbstgemüse 215. 

♦Hoffnungstal, Erntebilder aus 4. 



Holzknappheit und Baumbestand 461. 
'Hortensien 265. 
'Hübner (Nachruf) 33. 
Hühnerstall im Vorgarten 23. 
Hundehütte im Vorgarten 23. 

'Hydrangea quercifolia 354. 

Hydrastis canadensis 505. 

»Hypericum patulum 395, 396. 

'Jagdschloß Wolfsgarten 64. 

Jauchewagen 439. 

Impfen der Hülsenfrüchte 224. 

Jugendparkgedanken 382. 

Kalkdüngung 1 25. 

Kalkfaktor in der Pflanzenernährung 327. 

Kalkstickstoff 312. 

Kalthäusern, Nebenkulturen in 158. 

Kaninchenzucht 130. 

♦Kapelle des Schlosses Lieberose 465. 

Kartoffelanbau 90, 198. 

Kartoffelbau nach Güiich 462. 

Kartoffelerzeugung, Sicherstellung der 33. 

Kartoffeln durch Keimlinge 421; — , Etwas 
über 310; hochstpreise 144; Kräusel- 
krankheit 270;. krautes. Neuer Schäd- 
ling des 429; Sämlinge 436; — -Steck- 
linge 396. 

'Kaufbeuern, Gemüsebau in 37. 

Keimfähigkeit 256. 

Keimkraft der Samen 290. 

'Kiel, Der Kriegerehrenfriedhof in 337, 345. 

Kirchenschmuek 367. 

Kirscbkernbeißer, als Gartenvogel 154. 

Kitt, billiger Fenster- 96. 

'Klarapfel, weißer 457. 

Knollenbegonien, Drei gefüllte 155. * — nar- 
zissenblütige 502. 

KnoUensellerie, Behandlung des 201 ; — 
Kultur des 108. 

Kohlanbauversuche 176. 

Kohlrabi, Vorzügliche 116. 

Kohlweißlingsraupen 390. 

Kokosfaserstricke, Ersatz für 472. 

Komposthaufen 296. 

Koniferen, Herbstpflanzuug von 394. 

Konser\'ierung der Gartenbaidiölzer, Ver- 
schiedene Verfahren zur 226. 

Krankenhauses, Garten des 321. 

Kraukenversicherung des Gärtnerlehrlines 143. 

Krankenversicherungen entlassener Kriegs- 
teilnehmer aus dem Gärtnerberute 225. 

'Krieger-Ehrenfriedhof in Kiel 337, 345. 

Kriegerehrung und Heldenhaine 375. 

Kriegsaufsätze über Gärtnerei und Gartenbau 
in Belgien 183, 195, 210, 230, *259, 267. 

'Kugelblume, Herzblättrige 175. 

'Kur- und Badeanlagen in Aachen 27. 

La Marquise de Sinety (Gedicht) 400. 

*Landwirtschaft in Rußland 425 ; * — in Polen 
219. 

Lespedeza, Die Gattung 429. 

'Levisia Cotyledon 492, 493. 

Latana Coramersonii, Lodigesii, Verschaffeltii 
458. 

Libonia floribunda 20. 

Lied zur Kriegsanleihe 155. 

Linaria triornitüphora 137. 

Lindenbast 343. 

Lehi'linge, Bildungswesen der 52. 

Leontopodium alpinum 138. 

Loasa lateritia 379, '438. 

*Linsenfeld 426. 

'Lycopodium, Tropische 160. 

'Lythrum virgatiun Rosakönigin 206, 207. 

*Magnolia tripetala 85. 

'Mais 449. 

'Malus floribunda 489; *— Ringo 491. 

♦Mamillarien 87. 

Mangold 1 99 ; * — , Klettgauer Riesen 442. 

♦Marktbrimnen in Büdingen 301. 

Melampyra, zur Monographie der (Gedicht) 504. 

♦Melittis Melissophyllum 445. 



VIII 



Die Gartenwelt. 



XXI 



Mistbeeterscheinungen 290. 

Mohnanbau 83. 

Mohn, Einjähriger 510; *— zur Olgewinnung 

436. 
Mußestunden 187, 188, 289. 
Mutationen 503. 

Nachwuchses, Berufliehe Ausbildung des 45. 
Nadeln, Lebensdauer der 503. 
Nährpflanzen in Ziergärten 212. 
Namenschilder 19 1, *263. 
Nelken, Topfchor- 172. 
'Nenne sarniensis 2. 
Nerium Oleander 374. 
•Neuland 324. 
Nigritella niijra 130. 
Obstaufbewabrung 114. 
Obstausfuhrerlaubnis, Fälschung einer 216. 
Obsthaues, „Hebung" des 284. 
Obstbaugedanken 9. 
Obstbau im Kriegsgebiet 57 ; *— in Eußland 

425; •— in Russisch-Polen 210. 
Obstbäume, Tragbarkeit der 329; *— , Um- 
veredeln der 245. 
Obstbaumschnitt 26; — , Beitrag zum 186. 
•Obstgärten im Osten 329; *— , russische 428. 
Obsthöchstpreise 290. 

Obstnutzung an den Staatsstraßen Sachsens 336. 
Obstsortenwahl 279. 
Obstverwertuugen 451. 
Olgewinnung, Sonnenblumen zur 38. 
•Orangerieterrassen, neue in Sanssouci 433. 
Orchideenblumen, Das Verpacken der 127. 
•Orchideen, Im Mai blühende 241 ; — im 

Zimmer 42; * topfe. Billige 98. 

•Ortgies (Nachruf) 21. 

Ostern (Gedicht) 167. 

Papiersäcke 143. 

,;Park" 4Ü0. 

•Parkanlagen in der Kreisirrenanstalt Eauf- 

beuren 37; * — in Pinon 15; — politiknach 

dem Kriege 16, 28, 
•Pelargonium Endlicherianum 453; * — gran- 

diflorum 393. 
Perooidbrühe 342. 

Pfirsichbaum, Allerlei vom 365 ; — e, Pflanz- 
zeit für 153; — Spaliere 179. 
•Pflanzenarchitekturen in einem französischen 

Stadtgarten 73. 
Pflanzennamen, lateinische 358. 
Pflanzen, Sonneneinwirkung auf 496. 
Pflanzenzucht. Schatten, Sonne und Luft bei 

der 478. 
*Phlomis 381. 
•Phlox decussata 205, 206 ; * — suffruticosus 

und Snowdon 285. 
Phoenix, Befruchtung von 182. 
Phrynium Lubberti 237. 
Phytolacca decandra u. a. 507. 
•Phyllokakteen 356. 
Phyllocactus und Ehipsalis mit Orchideen 

zusammen pflegen 82. 
'Phyteuma comosum 446. 
Picea Orientalis 341. 
Pilze 91. 
Pilzernte 414; — genuß und — fxircht 381; 

— Vergiftungen des Jahres 1916 227. 
Pilzkrankheiten, Einwanderung der 479. 
•Pinus Strobus, Starke, 187. 
•Pinon, Park in 15. 
•Pirus floribunda 489; — Ringo 491. 
Platanenpilz 448. 

*Podophyllum Emodi majus u. a. 506. 
•Polemonium coeruleum 295. 
Polen, Gärtner-Kongp ß in 191. 
•Polnische Bauer und sein Dorf 219. 
•Polygonum Aubertii 467; — cuspidatum 

14, 99. 
*Polypodium alpinum 138. 
Populus nigra, starke 463; — pyramidalis. 

Vom Keimen der 507. 
Porreeanbau 89. 



Preissteigerung, Übermäßige 216; — Verzeich- 
nisse 142; — Verzeichnisse, Gärtnerische 83. 

•Primula Forrestii 469; * — japonica 484, 
485; — Juliae 295, *444; *— Littoniana 
469; *— Listeri 437; — obconica, Gelb- 
sucht der 269; *— Winteri 295. 

Primulas, .\lpini', Bemerkung, z. Aufsatz üb. 75. 

Privatgärten, Versicherung der 248; — park- 
anlagen im Dienst der Volkswohlfahrt 463. 

Proskau, Jahresbericht der Obst- und Garten- 
bauschule 55. 

*Prunus Blireana 418; — parviflora 237; 

— serotina pendula 4. 
Pseudotsuga ja[ionica 411. 
Pueraria Thunbergiana 4. 
Puff höhnen, Anbau von 178. 
Pyrethrum Tchihatchewii 351. 
Quercus Robur var. tarda 439. 
•Ranunculus aconitifolius platanifol. 371. 
Easenersatz 351. 

Räuchern 39. 

Rauchen, Vom 469, 495, 502. 

Raupenplage 450, 511. 

Rebenkultur in Kalthäusern 158. 

Eehmannia angulata *137, 270. 

Reiohsverband für den deutschen Gartenbau 69. 

*Reinhardsbrunnen in Straßburg 302. 

Reismelde 472. 

Rettiche 117. 

Rhabarber 140; — , ist er schädlich? 351. 

Rhipsalis mit Orchideen zusammen pflegen 82. 

*Ehipsalis pilocarpa 437. 

Rhopalostylis 87. 

*Ribes petraeum 105. 

•Riegelbestellung 425. 

Rigolen 456; — , Nachteilige Wirkung 218. 

•Robert Sommergarten in Gießen 65. 

*Rosa britzensis 369. 

Rosen, Alte und neue 149; — , Pflanzzeit 

für 153; schnitt 464, 504. 

•Rubus hybr. lacineatus 298; — laciniatus 

332; •— trifidus 380. 
Rudbeckia Neumanni 206. 
Rudbeckien 502. 
•Rudolph Göthe-Denkmal 308. 
'Rußland, Gemüse- und Obstbau in 425. 
Saatbohnen, Wucher mit 48. 
Saatkartoffeln sparen 178. 
Saatkartoffelstreckung 283. 
Salpiglossis sinuata 399. 
*SaJviainvolucrata97;*— nemorosasuperba206. 
Samenbau und -Handel Deutschlands 273. 
Samen, Ruhen der Keimkraft 290. 
Sämereien, Schutz der gegen Vogelfraß 283. 
*Sanssouci, Verhindungshaus in 377. 
Sauerkirschen 477. 
'Saxifraga, Weniger bekannte 49. 
Scabiosa caucasica 206. 
Scolopendrium vulgare (Gedicht) 343. 
Schädlingsbekämpfung, Helfer bei der 396. 
Schatten, Begriinung im 173. 
Schattenmorelle 477. 
ScheUe, E, 93. 
Schindel, Paul 155. 

'Schizantbus-Hybriden als Topfpflanzen 341. 
Sohmuekdahlien, Einfachblühende 160. 
•Schnittblumen, Das Verpacken von 125; — , 

ZoU auf frische 107. 
Schön und nüizlich 207. 
Schrebergartenbestrebungen in Darmstadt 191. 
•Sedum pilosum 459, 460, 461. 
Siesmayer, Heinrieh,Zum 100. Geburtstage 201. 
•Silberkerzen 422. 

Siimmerzeit 168; —, Landwirte gegen die 107. 
•Sonnenblumen 309; — oder Mohnanbau 83 ; 

— zur Olgewinnung 38. 
Sonnenstich im ^^'inte^ 144. 
Sophora japonica 395. 
Sortenechtheit im Obstbau 256. 
Spalier im Hausgarten 484. 
Spargel, Pflanzzeit für 153. 



Spätfrost\'ersicherung 288. 

•Speisekürbisse als Nutzpflanzen 385. 

Spinatgewächsen, Neues von unseren 325. 

Sprachgefühl 470. 

SprekeUa formosissima 186. 

Stachelbeermehltau, amerikanischer 441,499. 

Statistisches aus Weener 30. 

•Stadtgarten, Pflanzenarchitekturen in einem 
französischen 73. 

♦Stadtpark in Tarnowitz 253. 

Stangenbohnen als Wandbekleidung 225. 

Stanhopea, verschiedene 452. 

•Staphylea Bolanderi 247. 

•Stauden als Dauerblüher 205. 

•Staudenastern, kleinblumige 409. 

♦Staudengarten an der Westfront 476. 

*Stauden, schönfrüchtige 505. 

•Stenanthium robustum 437, 438. 

•Struthiopteris germanica 510. 

Südfrüchtebedarf und Italien 289. 

Tagetes 2. 

*Tafelbirnen, Wertvolle 154. 

*Tarnowitz, Stadtpark in 253. 

Taugenichts, Aus d. Leben eines gärtner. 333. 

•Tecoma radicans 377, 417. 

Tillandsia usneoides 413. 

Tomate, Dänischer Export 196; * — bau. Feld- 
mäßiger 387, 465; *— haus in Dahlem 77, 
79; *— LukuUus 387; •— Lukullus im 
Gewächshause 441 ; — treiberei 3. 

Tomatenreife, Künstliche 504. 

Topfchornelken 172. 

Topf, Ein praktischer 367. 

Trachvcarpus excelsa, Zufallsbefruchtung 112. 

Traum und Tat (Gedicht) 23. 

•Trichosanthes japonica 157. 

Tsuga canadensis 350. 

Tulpen, Etwas über 311. 

Typengärten 136; • — gräber 443. 

Uebergangswirtschaft in der Gärtnerei 486, 493. 

Ukraine 68. 

•Umveredeln der Obstbäume 245. 

*Vanilla planifolia 355. 

Vermehrungspilz, Vermeidung des 125. 

•Veronica repens 150. 

Versicherung.spflicht 292. 

Versuchsgarten im Erzgebirge 414. 

Verwachsungen 125. 

Viburnum utile 380. 

Victoria regia 43 1,480; undCruciana456. 

Vogelschutz 31, 93, 94, 185. 

Volksernähnmg, Sicherstellung der 263. 

•Volkbhaine 109. 

Vriesea 413. 

•Waldfriedhof in Bielefeld 301 ; *— in Darm- 
stadt 361. 

Waldhumus als Düngemittelersatz 57. 

Walnüsse, Pflanzzeit für 153. 

•Wasserampfer 313. 

Wasser im Dienste des Feldgemüsebaues 356, 
•371; — reiser 402; —schösse 402. 

Weg, Der, und seine Bedeutung 78. 

Weiden statt Bast 392. 

Weintrauben, EdeLfäule der 430. 

Weißkraut, Allerfrühestes 255. 

Wildgewächse im Haushalt 446. 

WUnas Friedhöfe 363. 

Winterstudien 106, 117. 

Wohnortsvogelwelt 509. 

•Wolfsgarten, Anlagen des Jagdschlosses 64. 

Wolkenkuckucksheim der Gartenarchitekten 
350, 415. 

•WoUgras 321, 323. 

Xanthoceras sorbifolia 492. 

•Yucca filamentosa 483, 484. 

•Ziehbrunnen in Crefeld 303. 

ZoU auf frische Schnittblumen 107. 

Zolltarif neuer türkischer 189. 

•Zuckerrübe, Verwertung für den Haushalt 214. 

Zukunft, Gärtnerische 421. 

ZwiebeUo-aut, Soll man es niedertreten? 200. 



Anhaltische Buchdruckerei Gutenberg, Gustav 2ichäus, Dessau. 



Illustrierte Wochenschrift für den gesamten Gartenbau. 



Jahrgang XXI. 



5. Januar 1917. 



Nr. 1. 



Nachdruck and Nachbildung aus dem Inhalte dieser Zeitschrift werden strafrechtlich verfolgt. 

Rosen. -^ 



~t»KAKV 
HCW Y(»KI 

•ota"«.icai 



Friedensrose. (R. Musterschutz Nr. 212 707.) 
Rosenneuheit. 

Von Victor Teschendorff, Rosengroßkulturen, 
Cossebaude-Dresden. 
(Hierzu eine Abbildung nadi einer für die „Garten- 
weit" gefertigten Aufnahme.) 

Wohl noch nie ist die Sehnsucht fast der 
ganzen Welt so nach Frieden gerichtet gewesen, 
wie jetzt bei Beginn dieses neuen Jahres. 

Möge nun diese neue Rose, die ich hoffe, 
diesen Herbst dem Handel zu übergeben, schon 
den vollen Frieden bei ihrem Erscheinen vor- 
finden und uns mit ihrem Namen auch in späteren 
Zeiten daran erinnern, wie es beglückt, „imFrieden" 
zu leben. 

Diese Rosenneuheit, ein Sämling von Frau 
K. Druschki, wird wohl eine ebenso große Ver- 
breitung wie die Muttersorte finden. Die Haupt- 
eigenschaften bzw. Verbesserungen gegenüber der 
Muttersorte sind folgende : Die Farbe der Blume 
ist reinweiß, innen mit einem leichten gelblichen 
Schein, wodurch die Blume etwas mehr Leben als 
Frau K. Druschki hat. Die Füllung ist etwas 
stärker als bei der Muttersorte. Der Wuchs ist 
kräftig, aber die einzelnen Triebe werden be- 
sonders auch bei mehrjährigen Pflanzen kaum 
halb so lang als bei Frau K. Druschki. Das 
wichtigste an dieser Verbesserung ist, daß die 
Blumen meist einzelständig und daß die Neben- 
blumen bzw. Triebe nie die Hauptblume über- 
ragen, wie es bei Frau K. Druschki der Fall ist. 
3)ie Blühfähigkeit ist fast noch größer als bei 
p8er Muttersorte. Vor allen Dingen wird diese 
^.jSorte einem lange gehegten Bedürfnis nach einer 
••-guten weißen Gruppensorte abhelfen, denn leider 
yst Druschki für diesen Zweck immer zu hoch. 
Z3\uch für Topfkultur eignet sich diese Sorte 
ausgezeichnet. 

Gartenwelt XXI. 



So will ich hoffen und wünschen, daß diese Neuheit ebenso wie 
meine früheren Einführungen, wie z. B. Rödhätte, Ellen Poulsen, Erna 
Teschendorff, sich in der ganzen Welt gut einführen möge. 



- 'X 




Friedensrose. 



Die Gartenwelt. 



XXI. 1 



Zwiebel- und Knollenpflanzen. 
Nerine sarniensis, eine wertvolle Amaryllidacee. 

Von Hofgärtner A. Schipper, zurzeit Maat der Kaiserl. Marine. 

(Hierzu eine Abbildung nach einer für die „Gartenwelt" gefertigten 

Aufnahme.) 

Man findet die Guernsey Nerine nur selten in Kultur; 
der Grund ist mir unbekannt und dürfte nur darauf zurück- 
zuführen sein, daß dies Zwiebelgewächs zu wenig bekannt 
ist ; ist doch die Kultur nicht schwierig ; sie wird durch 
einen prachtvollen Blütenflor belohnt. Nerine sarniensis eignet 
sich mit ihren kirschroten Blüten sowohl zur Topfpflanze wie 
auch zum Schnitt. Eine Schale oder ein Blumentisch, mit 
Nerinen bepflanzt, ist immerhin etwas Außergewöhnliches und 
bietet eine schöne Abwechslung, aber auch als Schnittblume 
ist sie infolge der guten Haltbarkeit der Blüte besonders 
für den Herrschaftsgärtner von hohem Wert. 

Auch nach dem Kriege werden wir gerne auf die Einfuhr von 
Blumen aus den uns feindlich gesinnten südlichen Ländern ver- 
zichten. Deutsche Blumen für das deutsche Haus muß unsere 
Losung sein. Es gilt dann, uns mehr als bisher auf eigene 
Füße zu stellen ; daß der deutsche Gärtner dessen fähig ist, 







ll 



zeigen uns die Kriegsjahre ; obwohl Mangel an Arbeitskräften 
ist, wird Hervorragendes geleistet. Auch die Nerine verdient 
für bessere Zwecke besondere Beachtung. 

Die Kultur ist ähnlich jener der Amaryllis. Nach der 
Blüte, die vom Herbst bis Anfang Dezember währt, lasse 
ich das Wachstum durch Trockenhalten langsam zurückgehen, 
um dann die Zwiebeln an trockener Stelle in einem gemäßigt 
warmen Hause vollständig in Ruhe zu belassen. Im Mai 
werden nun die Zwiebeln unter Schonung der Wurzeln in 
nicht zu große Töpfe verpflanzt, wobei das alte Erdreich 
vollständig entfernt wird. Je nach der späteren Verwendung 
empfiehlt es sich, die Zwiebeln einzeln in Töpfe zu pflanzen, 
da sich nicht alle Blütenstände zu gleicher Zeit entwickeln. 
Die Töpfe werden dann gleich den Amaryllis auf einem 
frisch gepackten Kasten bis zum Topfrand eingefüttert. An 
sonnigen Tagen wird reichlich gespritzt und gelüftet, jedoch 
nicht beschattet. Nach dem Durchwurzeln überdecke ich den 
Topfrand mit einer dünnen humusreichen Erdschicht, so daß 
die höher gelegenen Wurzeln auch über diesem Nahrung 
suchen können. 

Mit Beginn der wärmeren Jahreszeit werden die Fenster 
etwa 30 cm über den Kastenrand auf ein Lattengerüst ge- 
bracht, so daß die Luft freien Zutritt zum Kasten 
hat, das Bespritzen wird nun auch an sonnigen 
Tagen fortgesetzt, wie auch durch einige Dunggüsse 
gute Kulturerfolge erzielt werden. Vor Eintritt des 
Frostes bringt man die Pflanzen zugleich mit den 
Amaryllis in das Haus und läßt sie dort zur Blüte 
gelangen. 

Ich habe noch immer gefunden, daß es für 
den Erfolg ungemein wichtig ist, daß die Zwiebeln 
nach der Blüte eine längere Ruhezeit erhalten ; als 
ich im Frühjahr 1915 einige Zeit beurlaubt war, 
mußte ich die Wahrnehmung machen, daß es für 
meine Nerinen hohe Zeit zum Verpflanzen war; 
trotz der übermäßig langen Ruheperiode, brachten 
sie nach obigem Kulturverfahren im kommenden 
Herbst eine Menge prachtvoller Blüten. 

Die Vermehrung der Nerine sarniensis geschieht 
am vorteilhaftesten durch Samen ; es ist jedoch 
zu beachten, daß die jungen Pflanzen im ersten 
Winter durchkultiviert werden, also keine Ruhezeit 
erhalten, wodurch man früher blühbare Zwiebeln 
erzielt. 

Sommerblumen. 




Nerine sarniensis, Schale mit vier Zwiebeln. 



Tagetes. 

Von F. Kallenbach, Wildpark bei Potsdam. 

Diese mexikanischen Sommerblumen sind als 
Studenten- oder Sammetblumen allbekannt. Die 
leuchtenden Farben und der verschiedene Wuchs 
der zahlreichen Gartensorten machen dieselben zu 
begehrten und wirkungsvollen Beet- und Einfassungs- 
pflanzen. Auch sind die Tagetes abgeschnitten 
dauerhafte, lange haltbare Schnittblumen. 

Das Kraut verliert bald den von manchen 
unangenehm empfundenen Duft , wenn die Be- 
laubung zum Teil entfernt wird und die Stiele, 
einige Zeit im Wasser gestanden haben. Die festen, 
bei den hohen Sorten sehr langen Blütenstiele 
ermöglichen dann gute Verwendung als Vasen- 



XXI, 1 



Die Gartenwelt. 



schmuck. Die Anzucht der Tagetes ist bekannt. Zuerst 
erfolgt diese im Gewächshause oder Frühbeet mit anschließen- 
dem Verstopfen, dann folgt eine vorbereitende Kultur auf 
Freilandbeeten. Unter den hohen Tagetes zeigen einige Sorten 
Tagetes erecta fl. pl. (Prince of Orange), orangefarbig, Lemon 
Queen, zitronengelb, außergewöhnlich große, schöne Blumen. 

Tagetes patula fl. pl. grandiflora, Goldball, besitzt gold- 
gelbe Blumen kleinerer Form, bei dicht verzweigtem, ge- 
drungenem Wuchs. Tagetes pat. neuer Goldstern, blüht ein- 
fach goldgelb mit strahlenförmig angeordneten, purpurbraunen 
Streifen. Tagetes pat. neuer Goldrand zeigt samtig dunkel- 
braune Blumen mit gelbem Rand umsäumt. Tagetes pat. 
neuer Ehrenkranz hat einfache gelb und braune Blüten. 

Die Tagetessorten eignen sich je nach hohem, mittlerem 
oder niedrigstem Wuchs zur Füllung ganzer Beete, zur Bc- 
pflanzung schmaler Blumenbänder und zu Einfassungen ver- 
schiedenster Art. Die höheren Tagetessorten können auch 
zur Zwischenpflanzung als Füllpflanzen auf Rabatten und 
dergleichen benutzt werden. 

Besonders sei auf die Eigenschaft hingewiesen, daß man 
Tagetes in vollem Wachstum bei vorheriger Durchwässerung 
mit verhältnismäßig kleinen Erdballen jederzeit verpflanzen 
kann; allen Sorten ist ein schnelles Anwachsen und gute 
Weiterentwickelung eigen. 

Dieser Umstand macht die Tagetes zu besonders brauch- 
baren, abwechselungsreichen Gruppen- und Beetpflanzen. 

An geschützten Standorten kann auch ein leichter Reif 
der Studentenblumen Blühwilligkeit nicht kürzen. 



Gemüsebau. 



Tomatentreiberei. Mit der Kultur der Tomaten im Freien 
sind im letzten feuchtkalten und sonnenarmen Sommer keine be- 
friedigenden Resultate erzielt worden. 

Daher möchte ich da, wo es irgend angängig ist, dazu raten, 
Tomaten mehr unter Glas zu ziehen. Die meisten Privatgärtnereien 
und auch andere gärtnerische Betriebe, denen Häuser hierzu zur 
Verfügung stehen, sind meist dazu in der Lage. Jedenfalls sind 
Tomaten sehr gefragt und erzielen dort, wo sie nicht zur eigenen 
Verwertung verbraucht werden können, immer gute Preise. Wer 
Tomaten unter Glas ziehen will, muß rechtzeitig im Frühjahr aus- 
säen. In der Regel Anfang bis Mitte Januar in Töpfe, Schalen 
oder Kästen. Gutes Saatgut keimt schnell; die jungen Sämlinge 
verstopft man wieder in Schalen oder Kästen. Nach Entwicklung 
des 4. Blattes werden sie einzeln in kleine Töpfe gepflanzt, warm 
und licht gestellt. Will man sie in Töpfen weiter kultivieren, so 
ergibt sich nach einigen Wochen ein Verpflanzen, was man im 
Laufe des Sommers 2 — 3 mal wiederholen muß. Gutes, nährstoff- 
reiches Erdmaterial ist Bedingung. Die Töpfe müssen reichlichen 
Abzug erhalten. Bei den heranwachsenden Pflanzen werden die 
in den Blattwinkeln entstehenden seitlichen Triebe ausgebrochen. 
Diese Arbeit ist von Zeit zu Zeit zu wiederholen. Hat der Haupt- 
trieb eine Höhe von 1,20 — 1,50 m erreicht, so wird er entspitzt. 
Inzwischen zeigen sich die Blütenstände. Nach Beendigung der 
Blütezeit erscheinen die jungen Früchte. Um vollkommen aus- 
gebildete Früchte zu erzielen, ist ein Auslichten derselben vorzu- 
nehmen. Die an den Fruchtständen sich bildenden Laubttiebe sind 
zu entfernen. Die einzelnen Sorten sind verschieden in der 
Blattausbildung; einige bringen große, andere Sorten kleinere 
Blätter zur Entwicklung. Wo die Belaubung so stark ist, daß die 
Früchte dadurch beschattet werden und sich infolgedessen nicht 
genügend färben, ist ein Rückschnitt der Blätter zur Hälfte oder 
"3 vorzunehmen. Dieser Rückschnitt darf jedoch nicht zu früh 
erfolgen, weil sonst die Früchte leicht in der Ausbildung zurück- 
bleiben. Zur großen Entwicklung der Früchte verlangen Tomaten 



reichlich Nährstoffe; es ist des öfteren 1 — 2 mal in der Woche ein 
Dungguß sehr angebracht. 

Wo die Tomaten in Häusern ausgepflanzt werden sollen, ist 
ein Abstand von 60 — 80 cm in der Reihe der geeignetste. Die 
Anzahl der Reihen richtet sich nach der Beetbreite im Hause. 
Will man Tomaten aus Stecklingen heranziehen, so geschieht es 
am besten im Monat Februar. Zu diesem Zweck werden von 
den Mutterpflanzen passende Triebe ausgewählt, in ein warmes 
Mistbeet oder Vermehrungsbeet gesteckt und zur Bewurzelung 
gebracht. Durch Stecklinge herangezogene Pflanzen sollen reichere 
Erträge liefern ; ich habe aber gerade das Gegenteil zu beobachten 
Gelegenheit gehabt. Wohl kamen einige Früchte früher zur Ent- 
wicklung, aber der Ertrag war wesentlich geringer als bei den 
Sämlingspflanzen. 

Eine sehr gute, hier ausprobierte Sorte zum Treiben besitzen 
wir in Duke of York, die schöne große, gleichmäßig geformte und 
glatte Früchte bringt. Probst, Sanssouci. 

Beitrag zur Gurkenkultur. Um eine Fachzeitung richtig aus- 
zunutzen, genügt es nicht allein, daß man die einzelnen Hefte bei 
ihrem Erscheinen nur einmal aufmerksam durchliest, sondern ihr 
Hauptwert besteht auch darin, daß man dieselben vollzählig sammelt, 
jahrgangweise binden läßt und diese Bücher zum ferneren Gebrauch 
sorgfältig aufbewahrt. Hat man einmal in seinem Betriebe irgend 
eine Schwierigkeit zu überwinden, ich spreche aus Erfahrung, in 
zehn Fällen erhält man, wenn man z. B. mehrere Jahrgänge unserer 
prächtigen „Gartenwelt" sein eigen zu nennen in der glücklichen 
Lage ist, neunmal zuverlässige Auskunft. Aber nicht bloß in der 
Not soll man zu diesen schönen Büchern greifen, sondern so oft 
als möglich nehme man sich eines heraus, stets wird man In- 
teressantes und Lehrreiches darin finden. Es ist wirklich keine 
verlorene Zeit, welche man mit ihrem Lesen verbringt, sondern sie 
ist genußreich und gewinnbringend zugleich. 

Soeben habe ich wieder einen Band der „Gartenwelt" zur 
Hand und zwar Jahrgang 1915. In Nr. 17 schreibt hier Herr 
Löbner über die Auswahl von Gurken zur Samengewinnung, was 
mich besonders interessiert und mich zu nachstehenden Mitteilungen 
veranlaßte. 

Gurkenzucht im Mistbeete war von jeher eine kleine Spezialität 
von mir; ich kann ohne Ueberhebung behaupten, darin vorzügliche 
Erfolge erzielt zu haben, denn ich hatte alljährlich herrliche 
Gurkenernten, sowohl nach Menge als Güte. 

Ich züchtete meine Samen stets selbst und mit bestem Erfolg. 
Nur bin ich davon abgekommen, möglichst große, sogenannte 
Schaufrüchte zu ziehen, in der Ueberzeugung, daß eine Pflanze 
nicht imstande ist, ebensoviele Riesen- wie Mittelfrüchte zu bringen. 

Die interessanten Ausführungen Herrn Löbners über die Ver- 
vollkommnung der Gurken durch zielbewußte Züchtung sind inso- 
fern nicht ganz vollkommen, als er darin leider nicht anführt, ob 
seine Erfolge in der Größenvervollkommnung der Früchte nicht 
auf Kosten der Zahl derselben erzielt sind. 

Bekanntlich verkaufen sich mittelgroße, natürlich schön ge- 
wachsene Gurken leichter als ganz große. Bringt nun z. B. eine 
mittelgroße Sorte ein ebenso großes Gesamtgewicht an Früchten 
als eine andere mit Riesenfrüchten, so ist der ersteren der Vorzug 
zu geben. 

Ich habe nicht immer den Weg eingehalten, den Herr Löbner 
als den allein richtigen bezeichnet , also nicht die ersten der 
erscheinenden weiblichen Blüten befruchtet und zur Samengewinnung 
genommen, sondern vor allem sah ich darauf, nur solche Pflanzen 
als Samenträger zu wählen, die in der oft ungünstigen Witterung 
des zeitigen Frühjahrs am gesundesten blieben, das richtige, d. h. 
nicht allzuwildes, aber doch genügend starkes Wachstum haben, 
sich durch frühes, reichliches Ansetzen weiblicher Blüten, voll- 
kommene Entwicklung möglichst aller an der Pflanze befindlichen 
Früditchen und durch rasches Wachstum derselben und durch guten 
Geschmack auszeichnen. Fehlte eine dieser Eigenschaften, so nahm 
ich keine der ursprünglich gewählten Früchte, und wäre dieselbe 
auch noch so schön gewesen. 



Die Garten weit. 



XXI, 1 



In der Erkenntnis, daß die späten Früchte zur Samenzucht 
nicht mehr geeignet sind, nahm auch ich nie diese, sondern nahm 
immer die ersten Früchte der 2. Verkabelung. Meine 
Sorte ist dabei nicht kleiner geworden, ich ernte immer Früchte 
von durchschnittlicli 2 Pfund, und diese sind mir die liebsten. 
Der goldene Mittelweg dürfte also auch hier der beste sein. 

L. Eubel, Amberg. 

GemüseansprUche. Ein von Norden nach Süden abhängendes 
Stück Land, lehmiger Sandboden, gedüngt mit frischem Pferdemist 
und Kuhstalljauche (Herbst- und Winterdüngung), bepflanzte ich 
mit Rücksicht auf die Ansprüche der Gemüsearten, besonders an 
Feuchtigkeit, in der Weise, wie es beistehender Plan erläutert. 
Der Erfolg war gut, von oben 

bis unten. Wirsingkohl ist Norden 

der am wenigsten Ansprüche 

machende Kohl, dann kommt Obstbäume 

Rosenkohl. Es warder wirsing- 
ähnliche Rosenkohl gut, während _g Wirsing O 
der weißkohlähnliche etwas ü Rosenkohl w 
dicksprossiger sein konnte. Westen £ Rotkohl f Osten 
Beide Arten verleugnen also 
ihre mutmaßliche Abstammung 
nicht. Rotkohl und Weißkohl 
machen ungefähr dieselben An- 
sprüche hinsichtlich der Feuch- Grasstück 
tigkeit, doch verlangt Rotkohl 

eine gewissenhaftere Düngung, Süden 

um vollkommen zu werden. 

Blumenkohl darf namentlich zur Zeit der Blumenbildung nicht 
dursten, und Sellerie fordert gebieterisch feuchten, nahrhaften Boden. 
Durch entsprechende Wässerung und Nachdüngung läßt sich aller- 
dings manches ausgleichen. F. Steinemann. 



J Weißkohl I 
tn Blumenkohl 3 
Q Sellerie ^ 



Schling-, Rank- und Kletterpflanzen. 

Zu den Mitteilungen des Herrn Schelle über Pueraria Thun- 
bergiana auf Seite 506 des XX. Jahrg. möchte ich nur beifügen, 
daß eine alte Pflanze, die ich an der Südfront eines Warmhauses 
habe, seit einigen Jahren auch Blüten hervorbringt. Dieselben sind 
nicht auffallend, und muß ich gestehen, daß ich enttäuscht war, 
als ich erstmals die kleinen, violetten Blütenträubchen im Laub 
versteckt entdeckte, die gar nicht im Verhältnis zu dieser wuchtigen 
Schlingpflanze stehen, welche das großartigste leistet, was ich 
bis jetzt von Schling- bezw. Kletterpflanzen kenne. Triebe von 
10 m mit einem üppigen Laubwerk brechen in Menge vom Boden 
und aus den durch Kälte nicht gelittenen Aesten hervor. Die 
Blütentrauben erinnern an die Blüten von Glycine Apios. Früchte 
habe ich noch keine gesehen. An eine sonnige Mauer gepflanzt, 
im Winter den Boden und um die Pflanze dicht mit Laub oder 
Mist gedeckt, auch die unteren Aesle noch gut geschützt, hält die 
Pflanze gut aus. 

Graebener, Großherzogl. Hofgartendirektor, Karlsruhe. 



Gehölze. 



Prunus serotina pendula, ein für Friedhof- und 
Ziergartenschmuck zu wenig empfohlenes Gehölz. 

Von W. Peicker, Herzogt. Hofgartendirektor, Räuden. 
Vor etwa vierzig Jahren bezog ich aus L. Späths Baum- 
schulen ein junges Bäumchen unter obigem Namen und pflanzte 
es in einer neuen, kleinen Zieranlage an den Vorsprung einer 
Gehölzgruppe. Dort ist das 1,50 m hoch veredelte Bäumchen 
bisher gesund zu einem Stammumfang von 60 cm und dicht- 
verzweigt herabhängender Krone herangediehen. Das pro- 
portional zur kleinen Anlage in der langen Zeit fast zwergig, 
aber gesund gebliebene Bäumchen mit seiner lorbeerähnlichen, 



reichen Verzweigung legte mir längst den Gedanken nahe, 
daß diese aparte Gehölzart für Friedhofschmuck wie ge- 
schaffen erscheint, daß sie aber auch in kleinen Zieranlagen 
ihren aparten Reiz zur Geltung bringt. 

Demgegenüber ist mir aufgefallen, daß ich Prunus sero- 
tina pendula in neuerer Zeit weder im Späthschen Katalog, 
noch in Katalogen anderer Baumschulen, soweit mir solche 
vorliegen, verzeichnet finde. Es erscheint mir daher am 
Platze, auf die kennzeichnenden Vorzüge dieses Gehölzes 
hiermit hinzuweisen, um vielleicht Bezugsquellen zu ermitteln 
und eine ergiebigere Heranzucht und Verwendung an- 
zuregen. Veredlungen im zeitigen Frühjahr, auf Prunus 
serotina mit in vollerWinterruhe befindlichen Zweigen, 
gelangen hier befriedigend. Okulation im Sommer habe ich 
nicht probiert. 

Aus deutschen Gärten. 



Erntebilder aus Hoffnungstal 1916. 

Von Berkowski, Hannover. 
(Hierzu neun Abbildungen nach vom Verfasser für die „Garten- 
welt" gefertigten Aufnahmen.) 

Nicht weit von Berlin, bei der Bahnstation Rüdnitz, 
gründete vor etwa 10 Jahren der verstorbene große Menschen- 
freund Pastor F. von Bodelschwingh die Kolonie Hoff- 
nungstal, um obdachlosen Männern Unterkunft und Arbeit 
zu gewähren. Denn nicht durch Geldunterstützungen bessert 
man die Lage der Arbeitslosen und Heruntergekommenen 
in den Großstädten, sondern durch die Gewährung geregelter 
Arbeit und Erholung in frischer Natur hilft man diesen 
Leuten weiter. 

So hat sich auf Ödland und Kiefernboden nach und nach 
eine blühende Anlage entwickelt, welche Hunderte von 
Menschen beschäftigt und heute bereits, abgesehen von den 
landwirtschaftlich genutzten Flächen, ein Gelände von über 
350 Morgen Obst- und Gemüsekulturen umfaßt. Gewiß 
steht fest, daß bei Pflanzungen auf geringem Boden große 
Schwierigkeiten zu überwinden sind, aber es ist doch sehr 
erfreulich, wenn edle Menschen ihr Scherflein dazu beisteuern, 
ihren bedürftigen Mitmenschen zu helfen und solch schöne 
Anlagen gewissermaßen aus dem Nichts entstehen. Viele 
tausend Zentner Obst und Gemüse gehen jährlich von Hoff- 
nungstal nach Berlin und sind in der jetzigen Kriegszeit von 
unschätzbarem Werte. 

In diesem Jahre waren die Ernteergebnisse sehr erfreu- 
liche. Erdbeeren, Himbeeren und Stachelbeeren gab es reich- 
lich und von guter Beschaffenheit. Nur die Johannisbeeren 
blieben meist klein und die Ernte war daher sehr zeitraubend. 
Abbildung Seite 5 zeigt den Versand des im Keller ab- 
gekühlten Beerenobstes in Spankörben, die etwa 4 kg Inhalt 
haben. Abends befördern Wagen die Körbe mit Obst und 
Gemüse zum Bahnhof Rüdnitz, wo sie in Eisenbahnwagen 
verladen werden. In der Nacht trifft die Sendung dann in 
Berlin ein. 

Da der Boden in Hoffnungstal überwiegend sandig ist, 
wurden große Quartiere mit Sauerkirschen bepflanzt, und 
zwar wählte man die große lange Lotkirsche als Busch und 
Hochstamm (Abbildung Seite 5). In geringeren Mengen sind 
Ostheimer Weichsel und großer Gebet vertreten. Süßkirschen 
starben im Laufe der Jahre ab. Sehr stark trat in diesem 
Sommer die schwarze Kirschblattwespe (Eriocampoides lima- 
cina) auf. 



XXI, 1 



Die Gartenwelt. 



Den Hauptobstbaumbestand 
nehmen die Apfelbäume in 
Busch- und Halbstammform ein. 
Als erster reifte Weißer Klar- 
apfel, der weiteste Verbreitung 
verdient. Überreich war der 
Ansatz bei Charlamowsky, der 
daher etwas klein blieb. Auf 
Abbildung Seite 6 sind einige 
Kolonisten mit dem Abernten 
dieserÄpfel beschäftigt. Tadel- 
los hat sich Ernst Bosch ent- 
wickelt. Abbildung Seite 6 
läßt den gedrungenen Wuchs 
und den enormen Ansatz der 
Früchte dicht an den starken 
Zweigen erkennen, was diese 
Sorte besonders für windige 
Lagen empfiehlt. Die Bäume 
strotzen vor Gesundheit, ihr 
Laub ist blaugrün, so daß sie 
in der Ferne auf dem hellen 
Sand wie Kiefernbüsche aus- 
sehen. Goldparmänen bewähr- 
ten sich ausgezeichnet und 
blieben fusikladiumfrei. Gra- 
vensteinerbüsche brachten noch 
eine Mittelernte. Sehr gut 
war der Ertrag von Prinzen- 

apfelhalbstämmen. Obgleich diese Bäumchen noch sehr jung 
sind, waren Ansatz und Güte der Früchte überraschend. 
Ferner ergab die Landsberger Renette eine hervorragende 
Ernte. Sämtliche Bäume waren über und über mit Früchten 
beladen. Auf dem nächsten Bild Seite 7 sehen wir Busch- 
bäurae dieser Sorte, die sich unter der Last der Apfel biegen. 





Ernte der Schattenmorellen, große lange Lotkirsche. 



Beerenobstversand in Hoffnungstal. 

Daneben laufen die Gleise der Kleinbahn, auf denen gerade 
eine Lore mit Äpfeln von Kolonisten zum Obstkeller geschoben 
wird. Schöner von Boskoop hat sich in Hoffnungstal prächtig 
entwickelt. Ganze Quartiere sind so schön, daß jeder Baum 
ein Musterstück ist, und selbst ganz junge Stämmchen trugen 
große Mengen riesiger Äpfel. Kanadarenette brachte da, 

wo genügend Bodenfeuchtigkeit 
war, reichlich Früchte erster 
Güte. Cox' Orangenrenette und 
Adersleber Kalvill scheinen sich 
hier nicht zu bewähren. Die 
Bäume der Cox' Orangenrenette 
stellen höhere Ansprüche, auch 
darf der Boden nie zu trocken 
werden, sonst kränkeln sie. 
Adersleber Kalvill hatte guten 
Ansatz, war aber derart von 
Fusikladium befallen , daß er 
vorzeitig die Blätter verlor. 
Baumanns Renette verspricht 
bessere Erträge. Blutläuse sind 
in der Plantage kaum zu finden, 
dagegen leiden die Bäume 
hier und da an Krebs und 
Frostschaden. In geringerer 
Anzahl, und zwar da, wo der 
Boden Lehm enthält, sind 
Birnen angepflanzt. Clapp's 
Liebling hing zum Brechen voll 
(Abbildung Seite 8). Ebenso 
gut waren Doctor Jules Guyot, 
Williams Christ-, Gute Luise 
(Abbildung Seite 9), Clairgeau 



Die Gartenwelt. 



XXI, 1 




Kolonisten bei Abualiaic dci CliaildUiOwskyä[jfcl. 



i von Fusi- 
eine ganze 



und Bosc's Flaschenbirne. Alle Birnen waren fre 
kladium. Das Kernobstsortiment enthält noch 
Anzahl anderer Sorten, die in wenigen Exemplaren versuchs- 
weise angepflanzt sind und sich zum Teil sehr gut zu be- 
währen scheinen, so z. B. von Äpfeln: Schöner von Herren- 
hut und Ravensberger Renette, von Birnen : Gel/erts Butter- 
birne. Es wird oft empfohlen, 
Obstbäume auf Sandboden enger 
zu pflanzen als auf schwerem 
Boden, da der Wuchs schwächer 
sein soll. Nach unseren Erfahrun- 
gen ist jedoch davon abzuraten, 
denn im leichten Boden ist das 
Wurzelnetz weit ausgedehnter, 
um die nötige Nahrung zu 
sammein. Also auch auf Sand- 
boden weit pflanzen! 

Pflaumen und Zwetschen er- 
gaben eine Mißernte. 

Zur Aufbewahrung desObstes 
stehen schöne Keller zur Ver- 
fügung. Sehr gut haben sich 
auch Obsthorden in folgen- 
den Größenverhältnissen be- 
währt: Länge 80 cm. Breite 
50 cm, innere Höhe 11 cm. 
Die Bretter auf dem Boden 
mit 2 cm Zwischenraum, an 
jeder Schmalseite ein Griff aus- 
geschnitten. Diese Horden sind 
sehr gut von einer Person zu 
handhaben. Sie werden un- 
mittelbar bis zu 15 Stück über- 
einander gestellt oder was noch 



besser ist, so wie die Skizze 
Seite? andeutet. Dann können 
2 — 3 Schichten Obst in der 
Horde liegen und man kann 
besser nachsehen. Nach Ver- 
kauf des Obstes werden die 
Horden an passender Stelle 
zusammengestellt und diese 
Kellerdienen anderenZwecken, 
ein Vorzug vor feststehenden 
Obststellagen. 

Hauptabsatzstelle für Obst 
und Gemüse ist die Zentral- 
markthalle in Berlin. Da- 
neben wird besseres Tafelobst 
auch vielfach an Delikatessen- 
geschäfte und direkt an die 
Verbraucher geliefert, so daß 
der Kundenkreis ständig sich 
erweitert. Der Gesamtertrag 
der diesjährigen Äpfel beläuft 
sich etwa auf 2500 Zentner, 
die mit den anderen Kulturen 
wohl einen Erlös von 150 000 
Mk bringen werden. Für die 
jungen Bäumchen eine schöne 
Leistung! 

Für den Gemüsebau sind, 
soweit es sich nicht um Unterkulturen handelt, die Frostlagen 
reserviert, die den Obstbau ausschließen. Mit den Erträgen 
konnte man recht zufrieden sein. Das letzte Bild der Seite 9 
zeigt einen Kolonisten bei der Ernte von Kohlrabi und dicken 
Bohnen. 

Die weitere Urbarmachung des Ödlandes geschieht jetzt 



"^^ 



J^^^^ 

^>-> 
'.^** 






M»:%" 



Apfel Ernst Bosch mit Riesenansatz. 



XXI, 1 



Die Gartenwelt. 



in den Wintermonaten, und zwar wird der Moorboden an 
tiefen Stellen ausgehoben und an dessen Stelle Sand auf- 
gefüllt. Der gewonnene Moorboden wird gleichmäßig ver- 
teilt und mit dem Sande gemischt. Rinderdünger, der für 




Mit Zwischenräumen aufgestellte Obsthorden. 

diesen Boden besonders wertvoll ist, liefert der Zentralvieh- 
hof von Berlin. Thomasmehl und Kali vervollständigen die 
Düngung, ein Windmotor unterstützt die natürliche Be- 
wässerung. Bei allen Anlagen, die ein ähnliches Personal 
beschäftigen, empfiehlt es sich, alle Einrichtungen möglichst 
einfach zu halten. 

An dieser Stelle möchte ich nicht vergessen, Herrn 
Landesökonomierat Echtermeyer, Dahlem, zu erwähnen, 
ohne dessen Einfluß die Anlage wohl gar nicht entstanden 
wäre; sie verdankt ihm ihren Aufschwung. Für das Wohl 
der Kolonisten sorgt Herr 
Pastor Onnasch in vorbild- 
licher Weise. 

Es wäre zu wünschen, daß 
diesen großzügigen und mit 
großer Arbeitsfreudigkeit ge- 
schaffenen Anlagen im Laufe 
der Zeit ähnliche folgen möch- 
ten, um brachliegende Län- 
dereien dem Obst- und Ge- 
müsebau nutzbar zu machen 
und somit Sicherung für eine 
bessere Ernährung unseres 
Volkes durch Obst und Ge- 
müse zu schaffen ! 



Eine ähnliche Aufgabe in einem anderen Gebiet ist auch 
bei Schulgebäuden vorhanden, deren meist sehr bescheidene 
Gartenanlagen häufig zu den Aufgaben der Jugendpflege in 
gar keinem Verhältnis stehen. Es gilt dies für alle Arten 
von Schulen und bildet einen Punkt, auf den 
sich bei weiteren Anlagen dieser Art Ver- 
besserungs- und Reformbestrebungen richten 
müssen. 

Im Zusammenhang dieser grundsätzlichen 
Auffassung habe ich besonders während meines 
Rektorates an der Universität Gießen im Jahre 
1914/15 mich in mehrfacher Weise bemüht, 
die Gartenanlagen bei der Universität auszu- 
gestalten. In erster Linie kam hierbei die An- 
lage vor dem Universitätsgebäude im engeren Sinne in Be- 
tracht, die schon längst als verbesserungsbedürftig anerkannt und 
zum Gegenstand vielfacher Verhandlungen geworden war. Vor 
der jetzigen Aenderung bestand die ganze Anlage aus zwei 
rechts und links von einem kahlen Platz vor dem Gebäude 
liegenden Rasenstücken, die mit Kugelakazien besetzt waren. Die 
beiden Plätze waren für die hygienischen Bedürfnisse der 
Studentenschaft in keiner Weise ausgenutzt. Außerdem wurde 
durch die vielen Kugelakazien, denen hinter der Zufuhr- 
straße eine weitere Reihe gleicher Bäume sich zugesellte, der 



Die Gartenanlagen bei der 
Universität Gießen. 

Von Professor Dr. Sommer, 
Geh. Medizinalrat in Gießen. 

Bei der Anlage von Gärten 
für öffentliche Gebäude wird 
häufig noch ein Stil gewählt, 
der zwar an sich richtig ist 
und irgendwelchen anerkann- 
ten Vorbildern aus älterer 
oder neuerer Zeit entspridit, 
der aber trotzdem verfehlt ist, 
weil er zu der eigentlichen 

Bestimmung und dem Betrieb des Gebäudes in keiner richtigen 
Beziehung steht. Besonders für klinische Anlagen habe ich 
die sich hieraus ergebenden Forderungen schon früher betont 
und bin dementsprechend bei dem Bau und der Einrichtung 
der von mir geleiteten Klinik verfahren. Bei dieser bildet 
die Gartenanlage in engster Beziehung zu der Bestimmung 
und der Bauart der einzelnen Häuser eine natürliche Er- 
weiterung derselben, besonders mit Rücksicht auf die Be- 
handlung der Kranken. 



•^* ^r 




^^^ 


P' ^Vf7%. 


^M "^L^^M 


.'. ^k'- 19IH|Bmk4^ 






^' ' ~'<^ 'MHBni^^^^l^^ 





Landsberger Renette, rechts Feldbahn. 

Blick auf das Gebäude gehemmt, auch paßten diese Bäume 
zu dem Eindruck des Gebäudes nicht. Der Hauptfehler 
bestand in dem Mangel jeder zweckmäßigen Benutzbarkeit 
des Platzes. Der Eindruck dieser Anlage war ein öder und 
langweiliger. Bei den vielfachen Verhandlungen über eine 
Aenderung trat hervor, daß in solchen Dingen die ver- 
schiedensten Anschauungen entsprechend dem besonderen 
Geschmack der einzelnen hervortreten, und daß sich tat- 
sächlich die vorhandenen Flächen in sehr mannigfaltiger 



Die Garten weit. 



XXI, 1 



Weise hätten behandeln lassen. Jeder einzelne Vorschlag 
hätte, für sich betrachtet, an anderer Stelle rein gärtnerisch 
ein ästhetisch brauchbares Resultat liefern können. 

Von dena oben entwickelten Grundsatz ausgehend, 
vertrat ich dabei den Standpunkt, daß die Art der Anlage 
ganz unabhängig von stilistischen Vorbildern lediglich aus der 
Beschaffenheit und den Aufgaben des Gebäudes 
abgeleitet werden müsse. Dieses ist besonders für den Un- 
terricht der Studenten aus der philosophischen, juris- 
tischen und theologischen Fakultät bestimmt, während die 
Medizinstudierenden sich in der Regel in den medizinischen 
Instituten aufhalten, von denen besonders die Kliniken von 
umfangreichen Gartenanlagen umgeben sind. Die Haupt- 
aufgabe besteht darin, die vorhandenen Flächen für die 
Zwecke der Studentenschaft in den Pausen des 
Unterrichts zu verwenden. Ich habe daher mehrere Jahre 
vor meinem Rektorat einen dementsprechenden Bericht in 
dieser Angelegenheit abgegeben. 

Auf die wechselvollen Schicksale, welche der Plan gehabt 
hat, einzugehen, gehört nicht zur Aufgabe dieses Aufsatzes. 
Schließlich ist während meines Rektorates die jetzt vor- 
handene Anlage zustande gekommen. Zu den Kosten hat 
außer der Staatsregierung die Stadt Gießen beigetragen, ob- 
gleich der Platz dem Staat gehört, wobei der Gesichtspunkt 
festgehalten wurde, daß eine richtige Ausgestaltung des Platzes 
vor der Universität zugleich im Interresse der Stadt Gießen 
liegt. Auch sind bei der gärtnerischen Ausgestaltung der 
oben entwickelten Grundidee neben Herrn Universitätsgarten- 
inspektor Rehnelt die Beamten des städtischen Tiefbau- 
amtes, Herr Stadtbaumeister Braubach und Herr Bautech- 
niker Köhler, sowie besonders Herr Stadtgärtner Baiser 
im Einvernehmen mit mir bei dem Entwurf und der Aus- 
führung sehr beteiligt gewesen. 

Festgehalten wurde an der Tatsache, daß das Universitäts- 



nach dem Platz vor 
staltet, in welchem 
stehen. Der früher 




Birnenhalbstamm Clapps Liebling. 



gebäude, in dessen großen Sälen vielfach große Versamm- 
lungen stattfinden, wenn auch in beschränktem Sinne öffent- 
lich ist, so daß die vorher schon vorhandene leichte Zu- 
gänglichkeit des Gebäudes für Wagenverkehr durch eine vor 
demselben herlaufende Fahrstraße und für den Fußgänger- 
verkehr durch die Zugänge über den Platz vor dem Gebäude, 
auch bei der neuen Anlage nicht durch Absperrungen ge- 
hindert wurde. Dagegen wurde Form und Einrichtung der 
seitlichen Gartenflächen vollständig geändert. Auf diesen 
mußten vor allem Sitzgelegenheiten und Spazierwege 
für die Studenten während der Pausen des Unterrichtes ge- 
schaffen werden. Hierbei wurde auf genügende Abtrennung 
der einzelnen Bänke Rücksicht genommen. Diese befinden 
sich in Nischen von Büschen, die aus Kornelkirschen bestehen 
und besonders im Frühjahr mit ihren gelben Blüten einen schönen 
Abschluß des Gebäudes nach unten bilden. Vorn nach der 
Fahrstraße zu befindet sich eine Reihe von Linden, die bei 
der Annäherung auf der vorderen Fahrstraße schon von fern 
ersichtlich werden und das Vorhandensein des mit Bäumen 
bestandenen Platzes vor der Universität ästhetisch andeuten. 
Die Nischen für die Bänke münden auf einen Fußweg, der 
innerhalb der Anlage herumgeführt ist und für die Studenten 
Gelegenheit zum Gehen im Freien während der Pausen bietet. 
Die Grenze der beiden Gartenstücke ist in Form eines 
der Universität offenen Halbrundes ge- 
Bänke für die öffentliche Benutzung 
völlig kahle Platz vor dem Eingang des 
Gebäudes ist mit einem großen, etwas erhöhten Beet ver- 
ziert, das von vorn gesehen den Blick nach oben leitet und 
den hervorgehobenen Mittelbau des Gebäudes in das Gesichts- 
feld bringt. Es ist erkennbar, daß in den Linien dieser 
Anlage sich die wesentlichen Konstruktionsformen des Ge- 
bäudes wiederfinden. Bei diesen zeigen die drei Eingangs- 
türen, sowie die sämtlichen Fenster des unteren Stockwerkes 

Rundbögen, ebenso die gro- 
ßen Fenster im Mittelbau des 
Obergeschosses, wo sich der 
größte Hörsaal befindet, der, 
vor dem Bau eines besonderen 
Festsaales im Jahre 1907, die 
Aula der Universität war. Im 
übrigen überwiegen in den 
breiten Bändern zwischen den 
Stockwerken und in der Kon- 
struktion der anderen Fenster 
die horizontalen Linien. 
Diesen beiden Linien- 
eleraenten entsprechend 
sind auch die Garten an- 
lagen einschließlich des 
mittleren Beetes gestal- 
tet worden. Die ästhetische 
Wirkung davon besteht darin, 
daß sich die Grundformen des 
Gebäudes und der Garten- 
anlage gegenseitig hervor- 
heben und ergänzen, so daß 
eine völlige Einheitlichkeit 
der Wirkung erzielt ist. 

Zur Belebung der Gras- 
flächen sind an dem Wege ent- 
lang Buschrosen gepflanzt. Die 



XXI, 1 



Die Gartenwelt. 




Obstbau. 



Birnbuschbaum Gute Luise. 

Abgrenzung nach vorn ist abgesehen von der Reihe von 
Linden durch eine niedrige Ligusterhecke gegeben, neben 
dem nach dem mittleren Beet offenen Halbgrund durch Taxus. 
Entlang dem Gebäude zu beiden Seiten des Mittelbaues, an 
dem sich die Zufuhrstraße entlang zieht, sind aus bestimmten 
Gründen Hängeeschen in solchen Abständen gepflanzt, daß 
die großen Fenster des unteren 
Stockes ersichtlich bleiben. Es 
mußte einerseits darauf Rück- 
sicht genommen werden, daß 
das Licht in diesen Räumen, 
in denen sich die archäo- 
logischen Sammlungen befin- 
den, nicht leidet, andererseits 
schien für den Eindruck der 
Anlage eine Belebung der 
Front des langgestreckten Ge- 
bäudes notwendig. Diese 
Hängeeschen sollen später in 
Form eines Laubenganges für 
Fußgänger neben der Zufuhr- 
straße gezogen werden. Die 
ganze Anlage bezweckt also 
eine sorgfältige Rücksicht- 
nahme auf den Zweck des 
Gebäudes für den Unterricht 
der Studentensdiaft und die 
Bürgerschaft, die sich in den 
Sälen der Universität oft zu 
wissenschaftl. Vorträgen, Kon- 
zerten usw. zusammenfindet, 
wobei auf Bauart und Lage des 
Gebäudes Rücksicht genom- 
men wurde. (Schluß folgt.). 



Obstbaugedanken. 

Von Garteninspektor Krauß, 
Frankfurt a. M. 

Zu dem unendlich vielen 
Schreibwerk, das zurzeit in 
Form von Verordnungen auf 
die Menschheit losgelassen 
wird, gehören auch die Ver- 
ordnungen über die Obstbaum- 
pflege. Sie sind sehr wichtig 
und man sollte meinen, daß 
ihre Befolgung die erste Pflicht 
eines jeden Besitzers von Obst- 
bäumen sein würde. Aber 
darin irrt man. Der Zustand 
der Obstbäume ist in sehr 
vielen Fällen leider ein außer- 
ordentlich fragwürdiger und 
es soll gleich von vornherein 
erwähnt werden, daß hier ein 
Wandel geschaffen werden 
muß. Wenn es noch lange 
so weitergeht, wird stellen- 
weise der früher ertragreiche 
und hochstehende Obstbau 
auf eine ganz bedenkliche Stufe 
sinken. Woran liegt nun diese Gleichgültigkeit in der Baum- 
pflege? Wenn wir uns in verschiedenen Lagen und an den 
verschiedensten Plätzen umsehen, so werden wir teils recht 
erfreuliche, teils aber auch recht böse Zustände feststellen 
können, und zwar oft hart nebeneinander. Der eine bemüht 
sich, um seine Bäume in einer tadellosen Verfassung zu 




Gemüseernte in Hoffnungstal. 



10 



Die Garten weit. 



XXI, 1 



erhalten, die sauber ausgeschnittenen Kronen, der gut ge- 
pflegte Stamm lachen den Beschauer förmlich an, daneben sind 
schlecht unterhaltene, mit reichlich dürren Aesten, Krebswunden 
usw. versehene Bäume, deren Zustand einen unerfreulichen An- 
blick bietet. Wenn man sich wenigstens die Mühe machen wollte, 
die trockenen Aeste und zu dichten Zweige zu entfernen, dann 
wäre doch etwas getan und der Eindruck ein besserer. Aber 
nicht einmal das geschieht, obgleich jetzt eine Vermehrung des 
Brennholzes sehr zweckdienlich ist. Was nutzt es schließlich 
den fleißigen, um seine Obstbäume besorgten Grundbesitzer, 
wenn der Nachbar nicht gleichen Schritt in der Baumpflege 
hält? Er wird auch nicht viel Freude erleben, wenn die 
ungebetenen Gäste in Gestalt von allerlei Schädlingen von 
den verwahrlosten Bäumen zu ihm herüberkommen und so 
seine Arbeit, sagen wir wenigstens teilweise, zunichte machen. 

Es soll in keiner Weise der Stab über die säumigen 
Obstbaumbesitzer gebrochen werden, weil man heute über- 
haupt nicht beurteilen kann, aus welchem Grunde hier und 
dort die Arbeiten im Rückstand geblieben sind. Wieviele, 
die früher die nötigen Verrichtungen an den Bäumen aus- 
führten, sind zum Heeresdienst eingezogen und wie wenige 
unter den Zurückgebliebenen sind in der Lage, alles das 
machen zu können, was not tut, und auch im richtigen 
Augenblick. Hier fehlen die Kenntnisse, dort fehlt es an 
der nötigen Zeit, aber man sollte doch meinen, daß im 
Winter so viel Zeit vorhanden sein müßte, um die gröbsten 
Arbeiten an den Bäumen zu erledigen. 

Denn wir müssen uns doch ehrlich sagen, daß trotz der 
einschneidenden Maßregel der Beschlagnahmung verschiedener 
Obstarten durch die Heeresleitung allem Anschein nach die 
Obstzüchter in diesem Jahre auf ihre Rechnung gekommen sind, 
man brauchte nur, hauptsächlich Sonntags, in der Nähe der 
Großstadt auf das Land zu gehen, um beobachten zu können, 
ein wie großer Teil der Städter mit allerlei Körben, Taschen, 
Koffern usw. dorthin flutete, um sich mit Obst, besonders 
Aepfeln, zu versehen. Und soweit man die Sachlage beur- 
teilen kann, haben die glücklichen Eroberer recht ansehnliche 
Preise gezahlt; mancher wird noch nicht einmal erzählt haben, 
wie hoch sie waren, denn die Herren Landbewohner, um einen 
gelinden Ausdruck zu gebrauchen, wußten ganz genau, was 
sie zu fordern hatten. 

Aber hierbei ist noch etwas anderes zu bedenken. Die 
in Mittel- und Süddeutschland stark entwickelte Apfelwein- 
kelterei, ein Industriezweig von nicht nur lokaler Bedeutung, 
hat durch die mit unerbittlicher Strenge durchgeführte Be- 
schlagnahme des Kelterobstes einen beträchtlichen Schaden 
erlitten, und dieser wird sich als ziemlich erheblicher Steuer- 
ausfall auch in dem Haushaltplan der betroffenen Städte 
zeigen.*) 

Man kann auch noch sehr zweifelhaft darüber sein, ob 
unsere wackeren Streiter sich nach der Heimkehr mit der- 
selben Wonne dem Genuß der aus dem Kelterobst angeblich 
erzeugten Marmelade hingeben werden, wie sie das bei dem 
früher gewohnten erfrischenden Glas Most oder Apfelwein 
getan hätten. Zunächst ist das sehr zu bezweifeln ! 

Was könnte man vielleicht tun, um die unbedingt not- 
wendigen Arbeiten im Obstbau auszuführen oder in sach- 



*) Anmerkung des Herausgebers. Auch des Staates. Den 
wenigen, die aus der Kriegslage Nutzen ziehen, stehen ungezählte 
Tausende durch Krieg und Kriegsmaßnahmen, über deren Not- 
wendigkeit die Ansichten geteilt sind, geschädigter und vernichteter 
Existenzen gegenüber. 



gemäßer Weise ausführen zu lassen? Zurzeit erscheinen in 
den Tageszeitungen fettgedruckte Leitworte wie „Die Dienst- 
pflicht der Zivilisten", „Die Arbeitskraft dem Vaterlande" 
u. a. m., und wenn schon Leute aus ihrem Beruf gezogen 
werden, so könnte man doch sicher Rücksicht darauf nehmen, 
daß man einen Teil gut geschulter gärtnerischer Fachleute 
herauszieht, um sie mit der Obstbaumpflege zu betrauen, 
wenigstens auf dem Lande und an den Landstraßen. Aber 
man muß Gärtner dazu nehmen, nicht solche, die sich nur 
mit diesem Titel schmücken. Das wäre auch Kriegsarbeit 
und nicht eine der unwichtigsten. Wir müssen darauf sehen, 
daß unser guter Obstbaumbestand erhalten bleibt, er ist eine 
Quelle des Wohlstandes für den Besitzer, er ist aber auch 
ein unumgänglich notwendiges Glied in der Ernährungsfrage. 
Wir müssen Obst zu billigem Preise bieten können, aber 
die Grundbedingung für eine gute Obsternte sind gesunde 
Bäume. Darauf ist zunächst das Augenmerk zu richten, hier 
sollten die Behörden in der angedeuteten Weise eingreifen 
und so ihren Verordnungen zu einer sachgemäßen Durch- 
führung verhelfen. 

Aber noch etwas anderes soll und muß hier besprochen 
werden. Das ist die jetzt wieder auftauchende Redensart 
— Pflanzt Obstbäume. Solange die Sache vom Fachmann 
in den Zeitungen behandelt wird, geht es ja noch, aber 
wenn sie in den Tageszeitungen von Hans oder Kunz ver- 
zapft wird, dann ist sie doch zu bekämpfen. Das allgemeine 
Rezept für diese letztgenannten Aufsätze ist ungefähr folgendes : 
Anfang : Auf jeden Raum pflanz' einen Baum, und pflege 
sein, er bringt dirs ein (sehr schön, aber höchst sinnlos), 
dann tritt der Schreiber als Zahlenjongleur auf und ver- 
kündet den Betrag der Obsteinfuhr in den bekannten (meist 
unrichtigen) Millionen, hierauf: das muß anders werden, wir 
müssen uns vom Auslande unabhängig machen usw. Meist 
verbreitet man sich dann noch über die angeblich erst seit 
dem Krieg in die Bevölkerung gedrungene Erkenntnis von 
dem Wert des Obstes als Volksnahrungsmittel, deshalb pflanzt 
Obstbäume ! Das Wie, Wo und Wohin man die angeforderten 
Obstbäume pflanzen soll, wird in solchen Fällen überhaupt 
nicht berührt, das ist dem Verfasser auch Nebensache. Er 
hat seinen angeblich dem Volkswohl dienenden Gefühlen 
Luft gemacht und ist befriedigt, wenn er sich gedruckt sieht. 
Gegen diese Artikel kann von fachmännischer Seite nicht 
energisch genug Front gemacht werden. Es ist aber höchst 
bedauerlich, daß die Fachleute in der Tagespresse so wenig 
zum Wort kommen, woran die Vertreter der einzelnen 
Gruppen, hauptsächlich des Gemüse- und Obstbaues, meist 
selbst schuld sind. 

Nur eine ganz eingehende Unterweisung darüber, was 
man an dem jeweils zur Verfügung stehenden Platze pflanzen 
soll oder kann, welche Arten und Sorten man wählen muß, 
und anderes mehr, wird zu einem Erfolg führen und dem 
deutschen Obstbau Nutzen bringen. Mit dem Aufruf ohne 
fachliche Hinweise ist garnichts geschafft, er wird nur Schaden 
stiften und Enttäuschungen bringen. Hier ist ein Feld für 
die Verkäufer von Obstbäumen ; sie haben die beste Gelegen- 
heit, einzugreifen und belehrend zu wirken, da ihnen die 
Betriebsstätten der kleineren Kunden meist aus eigener An- 
schauung bekannt sind und sie deshalb die besten Ratschläge 
erteilen können. Ob die jetzt stark hervortretende Absicht, 
den Kleingartenbau in vermehrtem Maße zur Obstbaum- 
pflanzung heranzuziehen, ganz richtig ist, muß erst die Zu- 
kunft lehren. 



XXI, 1 



Die Gartenwelt, 



11 



Nachschrift des Herausgebers. Die vorstehenden Aus- 
führungen enthalten viel beherzigenswertes. Die verschiedenen 
Kriegsmaßnahmen, durch welche der deutsche Erwerbsobstbau be- 
troffen wurde, haben je nach Art der Betriebe mehr oder weniger 
schwere Schädigungen der Erwerbsobstzüchter und große Verluste 
an Obst zur Folge gehabt. Die letzteren fallen um so schwerer 
ins Gewicht, weil durch die Kriegslage erheblicher Mangel an 
Nahrungsmitteln jeder Art herrscht, zu welchem noch dte unglaub- 
liche Teuerung kommt, die nur zu oft zu einem Nahrungsmittel- 
wucher der schlimmsten Art ausgewadisen ist-, gegen welchen bisher 
noch nicht in wirksamer Weise eingeschritten wurde. Daß sich 
auch Obstzüchter an diesem Wucher beteiligten und, wie man zu 
sagen pflegt, dadurch ihr Schäfchen ins Trockene gebracht haben, 
soll nicht bestritten werden. Ich habe schon in einer umfangreichen 
Nachschrift zu einem andern Artikel (Nr. 43, Seite 513 des vorigen 
Jahrg.) ausgeführt, daß durch vielfach verfehlte Maßnahmen der Be- 
hörden, die diese zu entschuldigen suchen, der deutsche Erwerbsobst- 
bau im besonderen und die Produktionssteigerung im allgemeinen 
keine Förderung erfahren haben. Wenn das in der bisherigen Weise 
so weiter geht, kann man es schließlich den Züchtern nicht übel- 
nehmen, wenn sie die Flinte ins Korn werfen, oder nur noch an sich 
und ihre Angehörigen denken, d. h., nur noch das anbauen, was zur 
Versorgung der eigenen Familie notwendig ist. Es wäre natürlich 
im höchsten Grade bedauerlich, wenn es soweit kommen sollte. 

Ganz besondere Beachtung verdient das, was in vorstehendem 
Artikel über die immer wieder an die Bevölkerung ergehende Auf- 
forderung: „Pflanzt Obstbäume" gesagt wird. Ich habe persönlich 
schon seit Jahr und Tag gegen diese Aufforderung Stellung ge- 
nommen. Den Baumschulenbesitzern ist mit einer solchen Auf- 
forderung gedient, und ich gönne es ihnen natürlich von Herzen, 
wenn sie ihre Obstbaumbestände restlos räumen, ihre Obstbaum- 
kulturen vergrößern können. Aber das Interesse für die Baum- 
schulenbesitzer kann doch hier nicht ausschließlich maßgebend sein. 
In Frage steht auch das volkswirtschaftliche Interesse, das Interesse 
der Allgemeinheit. Das muß man natürlich in erster Linie im 
Auge haben, und da muß sich dann doch die Frage aufdrängen, 
ob durch die fortgesetzte Massenanpflanzung von Obstbäumen der 
Obsterzeugung denn wirklich ein Dienst geleistet wird. Das 
möchte ich ganz entschieden bestreiten. Die Obstbaumzählungen 
haben den Beweis dafür erbracht, daß es uns im Deutschen Reiche 
durchaus nicht an Obstbäumen fehlt, daß kein zweites europäisches 
Land im Verhältnis zu seiner Grundfläche einen so großen Obst- 
baumbestand wie das Deutsche Reich besitzt. Wenn trotzdem 
Mangel an Obst, und namentlich an billigem, sogenanntem Wirt- 
schaftsobst herrscht, das in der Hauptsache nur in Feld- und 
Straßenpflanzungen erzeugt werden kann, so hat dies seinen Grund 
darin, daß sich der weitaus größte Teil unserer Obstbäume in 
einem geradezu erbärmlichen Zustand befindet. Und dieser Zu- 
stand ist nicht etwa eine Folge des Weltkrieges und des durch 
ihn verursachten Arbeitermangels, sondern er bestand schon vor 
dem Kriege. Jeder Schuster und Schneider bildet sich nämlich 
ein, erfolgreiche Obstkultur betreiben zu können. Auf jede Ecke 
setzt man nicht nur einen, sondern 6 bis 10 Obstbäume und 
glaubt dann, seine Schuldigkeit getan zu haben. Ein Fachmann 
wird selten zu Rate gezogen, von Düngung, Schnitt, Pflege und 
Schädlingsbekämpfung ist keine Rede. So mehren sich die Obst- 
baumpflanzungen, die von Anfang an verfehlt sind, Brutherde für 
tierische und pilzliche Schädlinge bilden, und dadurch für wohl- 
gepflegte Nachbarpflanzungen zu einer ständigen Gefahr werden, 
zu einer Gefahr, der sich selbst der tüchtige Erwerbsobstzüchter 
durch Anwendung aller verfügbarer Bekämpfungsmittel nicht mehr 
erwehren kann. 

Der deutsche Obstbau wird gefördert, wenn man weite Kreise 
darüber aufklärt, daß zum sachgemäßen Betrieb der Obstkultur 
mehr gehört als irgendwo ein Loch zu graben, einen Baum hin- 
einzustopfen, seine Wurzeln mit Erde zu bedecken, um dann die 
Dinge abzuwarten, die da kommen sollen. Wenn man die Hundert- 
tausende der überständigen, hoffnungslos kranken und verkommenen 
Obstbäume ausrodet, dafür auf geeignetem Gelände neue Bäume 



in den örtlichen Verhältni 
man die Hunderttausende 
wertige Sorten tragender 
pfropft, dann die ganzen 
Lagerung und Verwertung 
aber auch nur dann dient 
wird noch viel Wasser ins 
soweit sind. 



ssen angepaßten Sorten pflanzt, wenn 
einigermaßen gesunder, aber minder- 
Obstbäume mit geeigneten Sorten um- 
Bestände sachgemäß pflegt, sowie Ernte, 
in vernünftiger Weise durchführt, dann, 
man dem deutschen Obstbau. Leider 
Meer fließen, bevor wir in Deutschland 



Feldbau. 



Frappantmais. 

Von Wilhelm Mütze, Berlin-Dahlem. 

Drei Kulturpflanzen müssen wir noch restlos gewinnen: 
Fisole, Mais und Soja. Die erstere als Trockenfrucht für 
die Volksernährung direkt und zwar so, daß sie wie jede 
andere Feldfrucht gebaut werden kann. Wir sind auf dem 
besten Wege, dieses Ziel zu erreichen, wie mir eine Fülle 
von Zuschriften auf meinen Fisolebericht beweisen. Ich 
komme demnächst auf die Fisole zurück. Was die Soja an- 
belangt, die ja bekanntlich so eiweißhaltig ist, daß sie ohne 
Beimischung anderer Stoffe nicht gut zur Sättigung dienen 
kann, so ist sie eine jener Pflanzen, an die der Landwirt 
nur schwer herangehen wird. Hundert Pfund Sojabohnen 
enthalten aber 18 Pfund Speiseöl und schon aus diesem 
Grunde sollten wir kein Mittel unversucht lassen, die Soja 
als Feldfrucht zu gewinnen. Der gärtnerische Samenbau 
wird der Vorläufer sein müssen. Mein Bestand, gelb und 
braun, den ich schon früher erwähnte, hat bis jetzt auch nur 
für einen preußischen Morgen Saatgut geliefert. Er war bei 
Aussaat zu Mitte Mai am 10. September erntereif und das im 
nassen, kühlen Sommer 1916. 

Doch ich wollte heute vom Mais sprechen, und zwar vom 
Körnermais. Das Problem, ihn ganz zu gewinnen, ist immer 
verfolgt worden, wenn es auch nicht an Skeptikern fehlt, 
die dem deutschen Körnermaisbau überhaupt nicht hold sind. 
Das sind die echten Kartoffelbauern, die nur auf die Kar- 
toffel schwören, die ihnen mühelos den gewollten Gewinn 
abwirft. Was nützt es, daß ihnen immer wieder die Vor- 
teile des Maisbaues vorgehalten werden: die 28 Liter fusel- 
'reien Alkohols aus 100 kg Maismehl, die nie entbehrlich 
gewordene Maisstärke, die außergewöhnliche Mastkraft und die 
damit verbundene Fettgewinnung und Fleischerzeugung und 
nicht zuletzt die Tatsache, daß der Mais einen Teil unsicherer 
Kartoffelanbauflächen übernehmen würde. 

Die überraschende Tatsache, daß die amerikanische Sta- 
tistik erwiesen hat, daß der Norden der Union (die Grenz- 
länder an Canada) fünfmal höhere Erträge an Körnern von 
doppeltem Proteingehalt des Mehles liefern, hat indessen 
reichlich zu denken gegeben. Auch in Amerika ist es schon 
lange kein Geheimnis mehr, daß der Mais nach kühleren 
Anbaugebieten strebt. Heinrich Semler, der so eindrucks- 
voll die Ursachen der nordamerikanischen Konkurrenz ge- 
schildert hat, behauptete: Deutschland könne nicht 
nur, sondern müsse bis zur Küste Mais bauen. 

Mais ist in züchterischer Hinsicht eine ganz außergewöhn- 
lich schwierig zu behandelnde, aber eine ebenso dankbare 
Pflanze, wenn erst die richtigen Wege gefunden sind. Nie 
wird ein Mensch bei uns durch Verbasterung importierter 
Sorten, die sich scheinbar zur Eingewöhnung eignen, Typen 
ziehen, die das Ziel erreichen. Mais wie Fisole sind uralte 
Kulturpflanzen, die nur in ganz alten Stadien eine voll- 
kommene Neugruppierung von Eigenschaften gestatten. Diese 



12 



Die Gartenwelt. 



XXI, 1 



Stadien beim Mais zu erhalten, gehört eben zu den schwie- 
rigsten Problemen der Züchtung überhaupt. Aber es gibt 
nur diesen einen Weg sowohl bei der Fisole wie beim Mais, 
sie restlos für uns zu gewinnen. Die Frappantmaissorten 
sind sämtlich nach einem für sie in langjähriger Arbeit aus- 
gearbeiteten Abbauverfahren, durch Verkockelung der Körner, 
indem ihnen im Abbau die aus Dextrin und Stärke ent- 
standene Verglasung genommen wurde, gezogen. Diese Ver- 
glasung ist bei den Maissorten der Gegenwart das wirksame 
Hindernis, wirkliche Bastarde durch Kornverschmelzung zu 
ziehen. Auch diejenigen Sorten, die scheinbar keine Ver- 
glasung besitzen, wie z. B. Cuzkomaissorten, enthalten Ver- 
glasung in der Samenhülle und im Keimling. Sie besitzen 
bereits in den embryonalen Anlagen wirksame Mittel, eine 
Kornverschmelzung zu verhindern. Die hübschen „Farben- 
bastarde" aus Zuckermais und Körnermais sind Scheinbastarde, 
insofern, als sie nur nach den Eigenschaften runzelig, glatt 
und nach Farben spalten. Qualitative Verschmelzung findet 
nicht statt. Auch Körnicke, der 17 Jahre hindurch diese 
Bastarde zog, sagt, daß ihm nur einmal ein Korn zu Gesicht 
gekommen sei, das beide Varietäten in Verschmelzung ent- 
hielt (die sogenannte var. Chilena). Es würde zu weit 
führen, das Verfahren hier vollständig zu schildern, wie ich 
es soeben für die „Deutsche Landwirtschaftliche Presse" ge- 
schildert habe. Züchterisch die Arbeit noch einmal zu be- 
ginnen, ist eine an Geduld und Ausdauer hohe Anforderungen 
stellende Aufgabe. 

Es bestehen zurzeit rund 100 gut ausgebaute Sorten, es 
sollen aber zunächst nur diejenigen fertigen Sorten in den 
Handel kommen, die sich dem Cinquantino- und Oryzoides- 
Typ, sowie einem dem Lausanner Badischen nähernden Typ 
anschließen und mittel- bis kleinkörnig sind. Die Kockel- 
sammlung umfaßt mehrere tausend neue Typen. Daß die 
Frappantmaissorten überall vollkommen ausreifen und be- 
friedigen, haben zahlreiche Anbauversuche in den verschie- 
densten Gegenden Deutschlands bewiesen. 



Tagesgeschichte. 

Berlin. In der neuen Bodelschwinghschen „Kolonie Dreibrück" 
im Havelländischen Bruch wird jetzt mit Hilfe von Kriegsgefangenen 
auf einem dreißig Meter hohen Abhang ein „Heldengarten" er- 
richtet durch Stiftung von Obstbäumen der Angehörigen ge- 
fallener Helden. Drei von den geplanten fünfzehn Morgen sind 
bereits bepflanzt. 

Verkehrswesen. 

Niederlande. Aufhebung der Ausfuhrbewilligung für Hülsen- 
früchte. Der Landwirtschaftsminister hat beschlossen, die weitere 
Ausfuhr von Hülsenfrüchten einzustellen und seine Verfügungen 
vom 22. September und 5. Oktober 1916 aufgehoben. 



Gärtnerisches Unterrichtswesen. 



Die Einführung von Prüfungen für Gärtnerlehrlinge be- 
schlossen die Landwirtschaftskammer für die Provinz Westfalen und 
der Ausschuß für Gartenbau beim sächs. Landeskulturrat. 

Schweiz. Vor etwa zwei Jahren ist die Schweiz. Gartenbau- 
schule in Wädenswil eingegangen, was seitens der Handelsgärtner 
sehr bedauert wurde. Nun hat die bernische Regierung dem 
Schweizerischen Handelsgärtnerverband ein sehr günstiges Angebot 
zur Errichtung einer solchen Schule auf dem 140 Jucharten großen, 
prächtig gelegenen Gut Schwand bei Münsingen gemacht. Sie 



stellt das nötige Landareal, Schulräumlichkeiten und Schlafsäle zur 
Verfügung. Die Gartenbauschule wird unter eine eigene Betriebs- 
leitung gestellt. Die Schüler werden im Internat verpflegt. Neben 
Jahreskursen sollen auch kurzfristige Kurse eingeführt werden. 
Man rechnet auf Beiträge des Bundes und der deutschschweizerischen 
Kantone. 

Mannigfaltiges. 

Die Blumentreiberei veraltet! „Das Buch für Alle" gibt 
in seiner ersten Nummer des Jahrganges 1917 folgende Weisheit 
zum Besten: Wie man Rosen für lange Zeit haltbar 
m a ch t. Eines Tages im Oktober besuchte ich den Gärtner. Er 
war damit beschäftigt, von hohen und niederen Rosenstauden die 
letzten vollkräftigen Rosenknospen abzuschneiden. Auf meine Frage 
nach ihrer Verwendung gab er mir zur Antwort, daß er sie für 
den Winter vorbereiten und haltbar machen wolle. Neugierig bat 
ich ihn, mir das Verfahren zu zeigen. „Das ist sehr einfach", 
war die Antwort. Er holte eine flache Blechschale mit einem Griff 
herbei, legte ein Stück Wachs hinein, entzündete eine Kerze und 
hielt die Schale über die Flamme. Dann schnitt er mit einem 
Messer den unteren Teil des Zweiges, an dem die Rose saß, glatt 
ab und tauchte das Ende in die zerschmelzende Wachsmasse. Nach 
einiger Zeit wurde der Zweig aus dem Wachs gezogen und die 
Flamme gelöscht. „Nun ist die Knospe für längere Zeit haltbar 
gemacht. Man wickelt sie", so belehrte mich mein Freund, „in 
Stanniolpapier und legt sie in eine Pappschachtel. Will man sie 
später im Zimmer weiter blühen lassen, so schneidet man das in 
Wachs getauchte Ende ab und stellt den Zweig in leicht ange- 
wärmtes Wasser. Man kann sich auf diese Weise einen zu Weih- 
nachten blühenden Rosenstrauß ohne große Mühe selbst verschaffen." 

Ach ja, was sind wir Gärtner nicht für rückständige Leute, 
bauen kostspielige Treibhäuser und tüfteln die Aether-, Rauch-, 
Warmbad- und sonstige umständliche Methoden zur Vorbereitung 
aus. Vielleicht ist auch die ganze Blumeneinfuhr überflüssig. Die 
Sache ist doch sehr einfach. Alle Blumen und alles Grün, was 
der Gärtner im Sommer nicht los wird, tunkt er mit dem Stiel- 
ende in Wachs und rein in die große Blechkiste. So haben wir 
im Winter Ueberfluß an allen denkbaren Blumen zu jeder Zeit. 
Was für herrliche Aussichten und Ersparnisse! Rasch. 



Personalnachrichten. 



Gärtner in Waffen. 

Gärtner Anton Stollmaier, Pöflingen i. Wttbg., wurde durch 
Verleihung des Eisernen Kreuzes ausgezeichnet. 

Der Verband der Handelsgärtner Deutschlands gibt den Helden- 
tod seines Mitgliedes Fritz Gebauer, Tillendorf b. Bunzlau, bekannt, 
ferner die Verleihung der silbernen Tapferkeitsmedaille II. Klasse 
an Heinrich Bindler aus Buchholz i. S. 

Der Deutsche Gärtnerverband gibt den Heldentod seines Mit- 
gliedes Gefr. Otto Ries, Freiburg i. Br., bekannt. 

* * 

« 

Corres, Prof. Dr. Carl, erster Direktor des Kaiser Wilhelm- 
Instituts für Biologie in Dahlem, ist zum Geh. Regierungsrat 
ernannt worden. 

Löbner, Max, Inspektor des Kgl. Botanischen Gartens in 
Dresden, verläßt diese Stelle, um für die Rhein. Landwirtschafts- 
kammer eine gärtnerische Versuchsstation einzurichten und zu leiten. 
Die Aufgaben und Ziele dieser Versuchsanstalt wurden von Herrn 
Gärtnereibesitzer Arends, Ronsdorf, am 15. v. M. auf der Haupt- 
versammlung der Kammer eingehend erläutert. 

Nörrenberg, Willi, städt. Garteninspektor in Köln, f am 
19. Dezember vor. J. nach längerem Leiden. 

Schall, Heinrich, K. Hofgärtenoberinspektor und Betriebsleiter 
der K. Hofgärten und Anlagen in Bayern, wurde zum K. Hof- 
gärtendirektor mit dem Range eines Stabsrates befördert. 



Berlin SW. U, Hedemaonstr. XO. Für dis Redaktion verantwortl. Max Hesdorffer. Verl. Ton Paul Parey. Druck : Anh. Buchdr. Gutenberg, G. ^icbäus, Deasau 



Illustrierte Wochenschrift für den gesamten Gartenbau. 



Jahrgang XXI. 



12. Januar 1917. 



Nr. 2. 



Nachdrude und Nadibildung aus dem Inhalte dieser Zeitsdirift werden strafreditiidi verfolgt. 



Stauden. 



Anemone alpina L. (Pulsatilla alpina Del'arbre.) 
Die Alpenkuhschelle. 

(Hierzu eine Abbildung nach einer für die „Gartenwelt" gefertigten 
Aufnahme.) 
In dem zauberischen und unvergleichlichen Blütenteppich, 
der bald nach der Schneeschmelze die toten Wiesen und Triften 
unserer Hochgebirge in lachende Blumengärten verwandelt, 
sind die blendenden Sterne der weißen Alpenkuhschelle I Ane- 
mone alpina L.) ein wichtiger und köstlicher Bestandteil. 
Zu Hunderten und Tausenden entsteigen sie dem um diese 
Zeit triefenden Nährboden und geben der grell leuchten- 
den Buntheit der märchenhaften Farbenpracht die vermitteln- 
den und ausgleichenden Ruhepunkte, ohne deren versöhnendes 
Weiß jene wundervolle Farbenharmonie nie zustande käme. 

Aus dem allmählich zum dich- 
ten Busche fein dreizählig geteilter, 
derber Laubblätter heranwachsen- 
den Stocke erheben sich bei uns 
schon Anfang Mai die mit einer 
dreiwirtelig gestellten und gleich- 
falls fein fiederspaltigen Hochblatt- 
krause gezierten, sonst blattlosen 
Schäfte, anfänglich 15 bis 20 cm, 
später und in gutem Nährboden 
cm hoch, von ein- 
verkehrt glocken- 
offen Stern- oder 
schalenartig gestalteten Blumen ge- 
krönt. Die Schnee- bis rahmweiße 

6 bis 10 blättrige Blüte zeigt außen 
zarte Seidenbehaarung und einen 
mehr oder weniger lebhaften, stahl- 
blauen Anflug, mißt geöffnet 4 bis 

7 cm Breite und verwandelt sich 
nach 10 bis 14tägigem Leuchten 
allmählich in eine wild zerzauste 
Perücke langbegrannter Einzelfrücht- 
chen, die als Gemsbart, Bocksbart, 
Petersbart usw. einen beliebten 
Schmuck des Aelplers und Alpen- 
wanderers bilden. Im Riesengebirge 
und Harz nennt man sie Teufelsbart 
und pflückt sie oft in Massen für 



bis nahezu 40 
zelnen, anfangs 
förmigen, dann 





-.-^ --. -■■■¥' ■"."•■':" 


'^ ■■Us^^ 


^fe&. 


■#^. ■ .' ,^. 


.^S^-JJU- 


^m^:r^^^ 










^ 






i 


> •■ ^* 


*^ ' t 


^■^^BK 



Gartenwelt XXI. 



Trockensträuße. Auch im Garten bilden Blumen und Frucht- 
stände einen hübschen Schmuck, und schon lange ist es der 
Wunsch der Blumenfreunde gewesen, dieses reizende Berg- 
kleinod, die größtblumigste aller hochgeborenen Alpenwind- 
röschen, dem Garten als dauernden Schmuck zuzuführen. 
Leider hatten die Versuche nur selten vollen Erfolg, besonders 
wenn wilde Stöcke aus dem Gebirge in den Garten übertragen 
wurden. Ganz besonders widerspenstig benahm sich in dieser 
Hinsicht trotz sorgsamsten Aushebens, Pflanzens und Pflegens 
die Riesengebirgs- oder Brockenform, während eine andere, 
großblumigere der Alpen sich viel leichter der Gartenpflege 
unterwarf, die jetzt auch zuweilen im Handel angeboten wird, 
wie z. B. bei Freund Georg Arends in Ronsdorf (Rheinland). 
Es gehört kein besonders scharfer Blick dazu, um bei einem 

Vergleich beider Formen allerlei 
Unterschiede herauszufinden. Die 
sudetisch ■ herzynische zeigt zier- 
licheren Wuchs, feiner gespaltenes, 
fast starres, nur leicht behaartes, 
aber dicht gestelltes, dunkelgrün 
glänzendes Laub, das von dunkel- 
roten bis schwarzbraunen Stielen ge- 
tragen wird und oft den Blumen- 
schaft erreicht oder nur knapp unter 
ihm bleibt. Die Blütenblätter sind 
verhältnismäßig schmal-eiförmig und 
zugespitzt, wodurch die reinweiße 
Krone verhältnismäßig klein (selten 
mehr als 5 cm Breite) und mehr 
sternförmig erscheint. Die ganze 
Pflanze bleibt mehr gedrungen und 
die Blütenschäfte erreichen höchstens 
30 cm Höhe. Den alten Botanikern 
ist diese Form bereits aufgefallen. 
Der ältere Reichenbach hat schon 
die unter dem Linneschen Sammel- 
namen Anemone alpina vereinten 
Formen sehr scharfblickend getrennt 
und zwar in A. alba Rchb., das ist 
die oben beschriebene sudetisch- 
herzynische, die auch in den Alpen, 
jedoch nicht häufig, auftritt, und 
in A. Burseriana (Scop.) Rchb., die 

2 



alpina. 



14 



Die G a r t e 11 w e 1 1. 



XXI, 2 



im Harz und den Sudeten fehlt, in den Alpen aber sehr ver- 
breitet ist. Anscheinend ist A. alba Rchb. die Form der kalk- 
armen Schiefer- und Granitgebirge und gedeiht wie viele 
Urgebirgspflanzen im Garten schwieriger als die Parallelform 
der Kalkgebirge A. ßurseriana (Scop.) Rchb. — ein er- 
gänzendes diagnostisches Unterscheidungsmerkmal. Von den 
heutigen, sonst so gerne haarspaltenden Systematikern scheint 
diese Trennung nicht anerkannt zu werden, trotzdem sie nicht 
weniger berechtigt ist als z. B. die der unter dem Sammel- 
namen Genüana acaulis vereinten Formen. 

A. ßurseriana (Scop.) Rchb. ist eine viel derbere, kraft- 
vollere Erscheinung mit hellgrünem, weicherem, dichter be- 
haartem Laube, ebensolchen Stielen und größeren, rundlich 
gebauten, rahmweißen Blumen, die oft 8 bis 10 Kronen- 
blätter aufweisen, wodurch oft der Eindruck von „halb- 
gefüllten" Blumen von prächtiger Schalenform erzeugt wird, 
die meist hoch über den Laubbusch ragen und bei gutem 
Stand bis 40 cm Höhe erreichen, was wohl Anlaß zu dem 
Synonym A. grandiflora Hoppe gegeben hat. Ich fand sie 
in den herrlichen Schweizeralpen häufig, und bewahre als 
liebe Erinnerung an gemeinsame unvergeßliche, mit Freund 
Löbner unternommene Bergfahrten ein wundervolles, groß- 
blumiges, zehnblättriges Blütenexemplar im Herbar auf, das 
ich 1896 in den Glarner Alpen fand und das geradezu in 
blendender Schönheit strahlte. 

Bei der ungeheuer weiten Verbreitung der Alpenanemone, 
A. alpina L., die sich einerseits über die europäisch-asiatischen 
Hochgebirge von den Pyrenäen bis Transkaukasien mit Aus- 
läufern nach den Sudeten und dem Harz, andererseits über 
die Hochgebirge Nordamerikas bis zur Behringsstraße erstreckt, 
ist es merkwürdig, daß sie keine größere Abänderungs- 
neigung zeigt, denn in ihren engeren Formenkreis gehören 
sonst nur noch die als A. sulphurea L. zusammengefaßten 
gelbblühenden Formen der beiden Parallelarten, und zwar 
die der A. Burseriana sehr nahestehende schwefel- bis 
zitronengelbe, großblumige A. apiifolia Hoppe, die nur den 
Alpen, Pyrenäen und dem Kaukasus angehört und vorwiegend 
die Kalkgebirge meidet, aber im Garten immer noch besser 
gedeiht als die der A. alba zugehörige kleinblumigere Form 
A. alba var. sulphurea, die vielleicht nur in den Sudeten 
vorkommt und sich in Kultur sehr schwer hält. — ■ A. apiifolia, 
Hoppe, ist auch unter dem Namen A. sulphurea im Handel 
und bei sorgsamer Pflege und feuchtem Standort leidlich 
haltbar. Georg Arends in Ronsdorf führt sie ebenfalls in 
seinem Kataloge. 

Die abgebildete Alpenanemone blüht reinweiß; sie wurde 
mir vor langen Jahren von dem früheren verdienstvollen 
Leiter des Innsbrucker botanischen Gartens Franz Bilek ge- 
sandt, wenn ich nicht irre, in Form von Samen. Von Jahr 
zu Jahr hat sie sich seither stattlicher entwickelt, und 1916 
brachte sie im Mai sieben kraftvolle Blütenschäfte von 30 
bis 40 cm Höhe, aber nicht etwa nur einmal während 
des Sommers, sondern in fortwährender Folge vier- 
mal nacheinander! Zweimaliges Blühen beobachtet man 
auch zuweilen in der Natur an Anemone alpina. Noch 
Ende November zeigte sie die letzten schimmernden Reste 
geschwundener Pracht. Und in diesem Wiederblühen 
(„Remontieren") liegt der hohe Wert meiner 
Pflanze. Denn ich vermag diese auffallende Dankbarkeit 
nicht allein der Nährsalzbehandlung, mit Alberts WG '/„f, 
bis Ende Mai verabfolgt, zuzuschreiben, zumal sie es in 
früheren dunglosen Jahren schon meist bis zu dreimaliger 



Blütenerneuerung brachte. Ob es sich um wildgesammelte 
Samen handelte, oder solche aus der Gartenkultur, denen 
sie ihr Erwachsen bei mir verdankt, ließ sich nicht mehr 
feststellen ; ich vermute aber das erstere, da der genannte 
Garten mit Vorliebe wildgesammelte Samen oder Pflanzen 
austauschte. Vielleicht könnte sie dann gar ein natürlicher 
Blendling beider Formen sein, also das Kreuzungsergebnis 
A. alba X Burseriana darstellen, wodurch die allen Hybriden 
eigentümliche Reichblumigkeit ihre natürliche Erklärung fände. 

Uebrigens scheinen auch Blütenform und Laubgestaltung 
auf diese Herkunft hinzuweisen. Jedenfalls stellt sie eine 
sehr bemerkenswerte dank- und haltbare Gartenrasse 
dar, und solche zu erzielen, muß ja immer unser Streben sein, 
besonders auch bei Alpenstauden, deren verhältnismäßig kurze 
Blütendauer ein Hemmschuh für ihre weitere Verbreitung ist. 
In einem Teppich blühender Gentiana acaulis, roter Steinbrech- 
rasen, gelber Aurikeln und hellblauer Vergißmeinnicht ist 
meine Alpenanemone von hinreißender Wirkung. 

Als echter Humuswurzler liebt sie gut humosen, wenn 
auch steinigen, aber tiefgründigen, etwas frischen Boden bei 
bestem Wasserabzug und freier Sonnenlage. Die Aussaat 
geschieht am besten gleich nach der Reife in etwa dreizöllige 
Töpfe, aus denen sie — unpikiert — im zweiten Jahre mit 
Ballen verpflanzt wird, worauf sie bald zu blühen beginnt. 
Bei milder Kuhdung- oder maßvoller Nährsalzdüngung erhält 
man schnell stattliche und reichblumige Stöcke, die die Pflege 
lohnen und im Winter nur eines leichten Fichtenreisigmantels 
bedürfen. Erich Wocke in Oliva. 



Polygonum cuspidatum. Obschon auf allem menschlichen 
Beginnen der Druck unserer schweren Zeit mehr oder weniger 
bemerkbar lastet, bleibt doch der Blick, einem angeborenen Emp- 
finden nachgebend, an gewissen hervorragenden Erscheinungen in 
der friedlichen Pflanzenwelt mit Wohlgefallen haften; man vergißt 
dabei, freilich nur vorübergehend, das unendliche Weh unserer 
schweren und harten Zeit. 

Wer kennt nicht die zahlreichen Arten der Gattung Polygonum. 
Wir finden sie ja zwar häufig als sogenanntes Unkraut, wie schließ- 
lich manche andere Pflanze auch, von welcher Wurzelstückchen 
unter Grabeland oder an sonstweiche nicht für sie bestimmte 
Plätze kamen und dann neben den Kulturpflanzen als „Unkraut" 
auftauchen und unter entsprechenden Bedingungen weiterwuchern. 
Dennoch ist die artenreiche Gattung /"o/y^onum zahlreichen Gärtnern 
unbekannt, und erstaunt steht man vor einem 2 bis 2'/a m hohen 
dichten Busch des betreffenden Polygonum cuspidatum, das uns 
im August bis September überschüttet mit seinem reichen weißen 
Blütenschmuck an den abwärts hängenden Zweigen (eigentlich 
Trieben, die sich nach dem Ende zu verzweigen), auf den ersten 
Blick als ein mächtiger Strauch erscheint und doch eine einziehende 
Staude ist, die im nächsten Jahre wieder mit ihren neuen Trieben 
aus der Erde, wie Spargel, erscheint und den Beschauer zur 
gleichen Zeit in ihrer Vollendung erfreuen wird, das heißt aller- 
dings nur am richtigen Platze und unter den entsprechenden Be 
dingungen. Diese letzteren sind ein etwas lehmiger Boden und 
die nötige Feuchtigkeit, welche die Pflanze zur vollen Entwickelung 
besonders bedarf, weshalb sie auch in der Nähe oder an Ufern 
von Teichen ganz besonders üppig gedeiht, dann aber auch zu 
ihrer Blütezeit, wenn als einzelner Busch und nicht in zerstreuten, 
verzettelten Trieben auftretend, Schaustücke besonderer Art liefert. 
In trockener und verdeckter Lage und ganz leichter, magerer, 
sandiger Bodenart hält sich die Pflanze nur kümmerlich, vergeht 
zwar nicht, läßt aber eine Erscheinung wie die, von welcher wir 
sprechen, in solchen Lagen nicht entfernt ahnen. Aber nicht etwa 
am Wasser oder in dessen unmittelbarer Nähe ist der alleinige 
Platz für diese mächtige Staude, audi im Vordergrunde hoher 
Gehölze, ganz besonders aber als einzeln stehender Busch im 



XXI, 2 



Die Garteuwelt. 



15 



Rasen oder vor hohen und höheren Nadelhölzern ist sie zu ihrer 
Blütezeit von schöner und überraschender Wirkung. In allen diesen 
Fällen wird man gut tun, vor der Anpflanzung einen entsprechenden 
Pflanzraum so vorzubereiten, daß man etwas Lehm oder sonst 
bindigen Boden untermischt, wenn die vorhandene Beschaffenheit 
dies erfordert und übrigens auf reichliche Wasserzuführung hält, 
damit in der Entwicklung keine Störung eintritt. Dies wird dann 
aber auch die Pflanze in hohem Maße durch ihre zur Blütezeit 
wahrhaft imposante Erscheinung reichlich lohnen. Ein] 
solcher Busch, aus einer größeren Menge Einzeltriebe] 
bestehend und ein zusammenhängendes Ganzes bildend,! 
dessen überhängende Einzeltriebe an ihren sich zur 
Erde neigenden Enden Seitentriebe bilden, die mit mehr 
als eigroßen, herzförmigen, an den Stielen aber ab- 
gestumpften, dunkelgrünen, unten langgespitzten (cuspi- 
datum) Blättern besetzt sind, weckt zur Blütezeit, die 
gerade in eine Zeit fällt, in welcher die Gehölze ihr^ 
Blühen längst eingestellt haben, einen Strauch vor- 
täuschend,; an welchem man sonst, wie vor anderen' 
Gehölzen, als vor nichts besonderem, gleichgültig vor-? 
beigehen würde, das lebhafteste Interesse. Die Blüten' 
endlich, welche direkt aus den Blattachseln heraustreten,^ 
und zwar in Bündeln von 2 bis 6 und vielleicht mehr' 
6 bis 8 cm langen, feinen Blütenrispen, welche sich sofort; 
nach dem Austritt strahlenförmig teilen, sind von einem 
ein wenig gelblichen Weiß und zwingen in ihrem Reich-'| 
tum zur näheren und wohlverdienten Betrachtung. 8 

Zu verwundern bleibt nur, daß diese Pflanze nicht] 
in öffentlichen Anlagen in Schauexemplaren gehegt; 
wird. Irgendwelche andere Ansprüche als die ange-', 
gebenen, nämlich freie Lage, entsprechenden Boden und: 
genügende Feuchtigkeit, macht die vollständig harte,] 
einziehende Pflanze nicht, und selbst nach Spätfrösten, 
welche die bereits erschienenen Triebe vernichteten, er- 
setzte sie diese bald wieder und blühte ebenso reich, als sei dies 
nicht geschehen. G. S. 

Gärten des Auslandes. 



zu erlangen. Seine Majestät hat selbst verfügt, daß die 
Anlagen und Bauten in keiner Weise beschädigt werden. 
Es ist auch alles im besten Zustand erhalten. Das Besitz- 
tum ist einer französischen Prinzessin aus altem Kaiserhause 
zu eigen — sie ist natürlich abwesend — . 

Der prächtige Bau ist im Renaissancestil ausgeführt. 
Leider konnte ich nicht feststellen, wer Bau und Anlage 




ifli5S*A^^*l^i*T 



















Betrachtungen über den Park in Pinon. 

Von Gartenarchitekt Mehmel, Köln a. Rh. 

(Hierzu acht Abbildungen nach für die „Gartenwelt" gefertigten 

Zeichnungen des Verfassers) 

Über ein Jahr schon im Felde an der Westfront, hatte 
ich recht oft Gelegenheit, die französische Gartenkunst zu 
studieren. Im Norden Frankreichs und auch im fruchtbaren 
Aisnegebiet traf ich auf zahllose Beispiele älterer, neuer und 
neuester Gartenkunst. Wir hatten ja leider vor dem Krieg 
die Gewohnheit, alles, was außerhalb unserer Grenze ent- 
stand, ' mit einer gewissen Hochachtung von vorneherein zu 
betrachten. Löblicherweise hat der Krieg auch hierin bei 
uns Reform geschaffen, wir wissen, was deutsche Kunst, 
deutsches Handwerk leisten. Mancher mußte eben erst da- 
durch bekehrt werden, daß ihm persönlich Gelegenheit ge- 
geben wurde, zu vergleichen zwischen hier und dort, zwischen 
Heimat und Ausland. Was mich von der französischen 
Gartenkunst befriedigt, sind einzig und allein die Werke der 
alten französischen Meister. Es ist nach ihnen ein Stillstand 
zu verzeichnen, denn das, was ich von Gartenwerken neueren 
und neuesten Datums sah, steht weit, weit zurück hinter 
unserer deutschen Gartenkunst, hält überhaupt keinen Ver- 
gleich mit dieser aus. Über eines jener alten Meisterwerke 
soll im Nachsteheaden eine kurze Betrachtung gegeben werden. 

Jeden Morgen führte mich mein Dienstweg an dem Park 
von Pinon vorüber. Leider ist die Erlaubnis zum Betreten 
und Beschauen desselben und auch des Schlosses sehr schwer 



Gartenhaus auf einer Anhöhe im Park von Pinon. 

entworfen und ausgeführt hat. Die wuchtig wirkende Nord- 
front des Gebäudes läßt den Mittelbau etwas vorspringen, 
dadurch eine symmetrisch angenehme Wirkung hervorrufend. 
Die Südfront des Schlosses ist nicht so breit, da zwei 
Flügelgebäude rechts und links vorspringen; dadurch wird 
eine geräumige Anfahrt von Süden her ermöglicht. Der 
Bau ist rings von einem Kanal umgeben, vom Norden und 
Süden führt je eine mit prächtigen Balustraden und Vasen 
ausgestattete Brücke hinüber. Die vorzügliche Raumwirkung 
ist geradezu vortrefflich. Das „Parterre" ist der Nordseite des 
Schlosses vorgelagert und erinnert in der Art der Ausführung 
schon an die „barocke Periode". Die großzügige Mittel- 
achse stößt auf ein streng geometrisch gestaltetes Wasser- 
becken. Diesem ist eine lebhafte Brunnengruppe vorgelagert. 
Redits und links der Hauptachse sind die bekannten Buxus- 
Verzierungen und -Schnörkel angelegt, leider nicht mehr in 
gutem Zustande erhalten. Freie Rasenflächen schließen sich 
hüben und drüben an. Die eigentliche regelmäßige, straff 
gegliederte Anlage umgibt das Schloß mittelbar. Über 
flache Wiesen, von natürlichen Wegen durchzogen, schweift 
der Blick bis zu den Randwäldern. Hier und da sind einzelne 
Baumgruppen, heute von gewaltiger Ausdehnung, wahllos in 
die Rasenflächen eingestreut; sie wirken gleichsam vermittelnd 
zwischen der straffen Gliederung des Parterres und der land- 
schaftlichen Gestaltung der Umgebung. Wahrscheinlich ist 
diese Pflanzung von „Trupps" kein Zufall; der Künstler 
wollte den Übergang zur Natur verwischen, allmählich ge- 
stalten. Die angrenzenden Wälder, die den Rahmen der 
Anlage bilden, gehören zu dem Besitztum und sind von ge- 
waltiger Ausdehnung. Sie bergen wundervolle Waldwiesen ; 
alles in allem ein reines Friedensbild, und zwei Stunden 
weiter nach vorn tobt der Weltkrieg! Ob wohl die 



Iß 



Die Crar teil weit. 



XXI. 




^;^i^:v<»v'- 



Säulenarchitektur im Park von Pinon. 



^i=^^ 



Franzosen, wenn ihnen ihr Überfall glückte, eine derartige 
Anlage im Lande der „Barbaren" verschont hätten? Es vk'ird 
uns als Kulturvolk später zur Ehre gereichen, selbst im 
fürchterlichsten alier Kriege derartige Kulturwerke nicht nur 
nicht zerstört, sondern sogar erhalten und gepflegt zu haben. 

Durch einige „Seitensprünge", die ich mir von der Grenze 
aus erlaubte, konnte ich einige Situationen festhalten. Reidi 
ist der Architekturschmuck auch in pflanzlicher Be- 
ziehung. Ein in gleichem Stil wie der des Schlosses er- 
bauter Gart ensal on ist auf einer flachen Anhöhe belegen 
(Abb.S. 15). Der Schloßturm weist eine eigenartige Doppel- 
gestaltung auf und ist mit prächtigen Steinmetzarbeiten und 
bildhauerischem Schmuck versehen. Von weitem sieht man 
nur den Oberteil aus dem dichten Laubwald hervorragen. 
Das Turroportal ist bis ins Kleinste kunstvoll ausgearbeitet; 
die Torflügel selbst tragen reichen Kunstschmiedeschmuck 
(Abbildung Seite 17). 

In der Achse des großen Bassins bildet eine antike Archi- 
tektur einen gute Abschluß. Vier Säulen tragen ein 
einfaches Gebälk. Der Hintergrund ist dicht zugepflanzt, 
so daß sich das Kunstwerk aus grauem Gestein gut abhebt. 
Leider ist es zur jetzigen Zeit gänzlich überwuchert von 
Ampelopsis (Abb. oben). Ein eigenartiger Denkstein ist 
mir auch aufgefallen. Ein ziemlich verwitterter Sockel, der 
aber noch reiche Bildhauerarbeit erkennen läßt, trägt eine 
zerbrochene Säule. Das Verhältnis dieser zum Unterbau hat 
mich eigentlich nicht ganz befriedigt (Abb. nebenstehend). Immer 
wieder fesselt der reiche pflanzliche Schmuck, der hier be- 
sonders durch sein ehrwürdiges Alter auffällt. 

Abb. Seite 17 zeigt eine Blumenvase durch pflanz- 
liche Architektur besonders hervorgehoben. 

Das gleiche ist bei dem idyllischen Sitzplatz zu be- 
obachten, der von einer gutgepflegten Taxushecke um- 
geben ist (Abb. Seite 18). 

Den Abschluß des großen Wasserbeckens nach Süden zu 



bildet eine niedrige Mauer, von einer Buxushecke ge- 
krönt. Durch einige Stufen gelangt man auf die eigentliche 
Parterrefläche (Abb. Seite 19). 

Eine riesige Dorflinde steht vor einem Neben- 
eingang außerhalb des Parkes; ein Baum, der allgemein durch 
seine regelmäßige Form und sein großes Alter auffällt (Abb. 
Seite 19). 

Noch einige Worte über die Pflanzenwelt der Anlage 
im allgemeinen. Die Bepflanzung weist keine sogenannten 
„Seltenheiten" im botanischen Sinne auf, und das ist gut. 
Es sind die Pflanzarten vertreten, die auch in deutschen 
Parks üblich sind. Nur sind reichliche immergrüne Hölzer 
verwendet worden, so daß auch zur Winterszeit Teile der 
Anlage nicht ganz tot erscheinen. Vorherrschend sind Taxus, 
dann Buxus und Kirschlorbeer. Naturgemäß sind die archi- 
tektonischen Pflanzenformen hieraus geschaffen. Auch Laub- 
holz hat man dem Schnitt unterworfen, z. B. sind prächtige 
Lindenwände auf Hochstämmen vorhanden. Reichlich hat 
der Rhododendron Verwendung gefunden. 

Über die Anpflanzung der Laubhölzer ist nichts außerge- 
wöhnliches zu erwähnen ; sie unterscheidet sich kaum von 
derjenigen in unseren deutschen Parks. Alles in allem ist 
die Gesamtanlage ein prächtiges Werk; es lohnt sich, ein- 
gehende Studien dort vorzunehmen. Hoffentlich kommen 
bald friedliche Tage, an denen man das ungewollt Gesehene 
verarbeiten und verwerten kann. 



Landschaftsgärtnerei. 

Parkpolitik nach dem Kriege. 

Von Gartenarchitekt D. W. B. Hermann Koenig, Hamburg. 
Völker dezimierende Kriege verpflichten eine umsichtige 
Regierung, alle nur erdenklichen Maßnahmen zu ergreifen, 
um durch eine gesundheitliche Förderung der heranwachsen- 
den Jugend die 

mächtigen 
Lücken auszu- 
füllen und nach 
Menge und 
Güte für be- 
friedigenden 
Nachwuchs 
Sorge zu tra- 
gen. Die stati- 
stischen Nach- 
weise unserer 
sozialen Für- 
sorge durch- 
dringen die 

weitesten 
Schichten un- 
serer Bevölke- 
rung und wei- 
sen auf Maß- 
nahmen hin, 
die seitens der 
Regierung zur 
Pflege unserer 

Gesundheit 
und zur Er- 
starkung des 
Nachwuchses Alte Architektur im Park von Pinon. 




XXI, 2 



Die Gartenwelt. 



17 



getroffen wurden. Am volkstümlichsten sind wohl die 
Einrichtungen zur Bekämpfung der Säuglingssterblichkeit, 
der Tuberkulose, der Trunksucht, das Verbot der Kinder- 
arbeit in gewerblichen Betrieben und unsere Wohnungs- 
fürsoge. Die letztere Einrichtung hat bisher, trotz aller 




Blumenvase vor einer Taxushecke. 

Bemühungen der maßgebenden Stellen und trotz gewisser 
unleugbarer Verbesserungen, infolge früherer bodenpolitischer 
Sünden unserer Kommunen,'nicht die Ergebnisse gezeitigt, die 
wir im Interesse der Zukunft unseres Volkes wünschen müssen. 
AUerorls hat man wohl versucht, die erkannten Fehler im 
Wesen unserer Wohnungspolitik durch die Schaffung öffent- 
licher Grünflächen auszugleichen ; doch fürchte ich, daß der 
bisher eingeschlagene Weg nicht zu dem erwünschten Ziele 
führen wird. 

Der Gartenetat unserer Städte geht in die Hundert- 
tausende, ja Millionen, die Gegenleistungen kommen jeden- 
falls nur zum kleinen Teil den weiteren Schichten der Be- 
völkerung zugute. Der Quadratmeter das ganze Jahr über 
bepflanztes Blumenbeet kostet in öffentlichen Anlagen min- 
destens 30 M und kann sich in einzelnen Fällen bis auf 
200 M steigern, jedenfalls glaube ich nicht zu hoch zu 
greifen, wenn ich als Durchschnitt 50 M annehme. Für 
50 M können wir leicht bei weiser Wirtschaftlichkeit 100 
bis 200 qm Volksgartenfläche herstellen, wodurch wir, im 
Gegensatz zu den alljährlich zu bepflanzenden Blumenbeeten, 
dauernde Werte schaffen. Wenn es möglich wäre, 
eine Statistik darüber aufzustellen, wieviel Bürger einer Stadt 
von solch teuer bepflanzten Beeten täglidi Notiz nehmen 
und sich darüber freuen, so würden wir wohl finden, daß 
es beschämend wenige wären und das Maß voll Freude wahr- 
scheinlich nicht annähernd so groß und in seinen Wirkungen 
bei weitem nicht so wertvoll sein wird, als das kurze Stunden- 
glück eines Großstadtkindes, das auf freier, polizeilich nicht 
geschützter Rasenfläche eine knappe Spanne Jugend erleben 



kann. Das nur zum Beispiel. Damit soll keinesfalls gesagt 
werden, daß derartige Blumenbeete nun ganz überflüssig 
wären, aber sie sind eben ein, wenn auch vielleicht sehr 
erwünschter Luxus, der erst nach dem absolut Notwendigen 
in Frage kommen kann. Der Bürger hat Pflichten gegen 
Staat und Kommune ; diese pünktlich erfüllten Pflichten, die 
sich im besonderen Falle bis zur Opferung des Vermögens, 
der Gesundheit und schließlich auch des Lebens steigern 
können, erheischen Gegenleistungen so groß und gewaltig, 
daß es in unserer heutigen Lage ohne Zweifel notwendig ist, 
beizeiten über das Menschenmögliche nachzudenken und vor 
allem darüber nachzudenken, wie wir die Ausgaben in ein 
gesundes Verhältnis zu den vorhandenen und einzuwerbenden 
Mitteln bringen können. Selbst der denkbar günstigste 
Ausgang des Krieges wird Staat und Gemeinde nicht von 
großen finanziellen Sorgen befreien. Die Schuldenverzinsung 
(ganz abgesehen von der Tilgung) wird eine so große steuer- 
liche Belastung mit sich bringen, daß der Gedanke, für 
Grünanlagen größere Summen zu opfern, zunächst wenigstens 
von den durch die kriegsfürsorgliche Belastung so schwer in 
Anspruch genommenen Gemeinden wenig freundlich auf- 
genommen werden wird. Ich sage hoffnungsfreudig zunächst, 
denn das deutsche Volk wird sich seiner Dankesschuld an 
die Kinder seiner Heldensöhne nicht entziehen. Immerhin 
wird es verständlich sein, da uns die bisher eingeschlagenen 
Wege unserer Parkpolitik in friedlichen Zeiten bei großen 
Mitteln nicht die ^ 

Grünflächen bieten 
konnten, deren das 
Volk unbedingt be- 
darf, wenn wir 
nach neuen Wegen 
suchen , die uns 
zum Ziele führen. 
Die Nutzbar- 
machung von Gar- 
tenflächen in der 
Stadt ist ein Ge- 
bot der Stunde, 
weder zoologische 
noch botanische 
Gärten haben eine 
Berechtigung, mit 
Tierkäfigen, Alpi- 
num und gepfleg- 
ten , durch War- 
nungstafeln ge- 
schützten Rasen- 
flächen, den kost- 
baren Platz in der 
Stadt für sich in 
Anspruch zu neh- 
men, wenn sie nicht 
als Gegenleistung 

wenigstens zweidrittel ihres Besitztums als öffentliche Rasen- 
fläche in den Dienst der Allgemeinheit stellen. Nur wenige 
Städte besitzen überhaupt noch solch botanische und zoolo- 
gische Freistätten innerhalb der Stadt, die meisten haben 
ihre ohne Zweifel sehr interessante und nützliche Wirksam- 
keit vor die Tore der Stadt verlegt, in der richtigen Er- 
kenntnis, daß es für die zu Gebote stehenden Beförderungs- 
mittel leichter ist, die Anzahl ihrer Besucher zu befördern 




Alter Turm im Wirtschaftshof. 



18 



Die Garten weit. 



XXI, 2 



als die Tausende und Abertausende, die den Volkspark mit 
seinen Freiflächen besuchen sollen. 

Der Arbeiter, der für seine fünfköpfige Familie 2 M für 
die Straßenbahn opfern soll, ehe er den grünen Rasen ge- 
nießen kann, muß auf diesen Genuß meistens verzichten. 
Also bleibt der Volkspark außerhalb der Stadt, wenn nicht 
gerade bei weitem billigere Verkehrsmittel geschaffen werden 
könnten, nur für die Bewohner der anliegenden Stadtteile 
benutzbar. Die schon eingangs erwähnte verkehrte Boden- 
politik unserer Gemeinden hat sich nun leider oft selbst den 
Weg zu einer radikalen Abhilfe dieses Notstandes verlegt. 
Die Anordnung mehrerer Volksparks in den verschiedenen 
Himmelsrichtungen an der Grenze der Stadt , die dann 
durch Alleen miteinander zu verbinden wären, wäre das 
Selbstverständliche, und viele Städte besitzen wohl auch noch 
hierfür verfügbares Land, andernfalls muß es eben schleunigst 
erworben werden. Wenn nun schon in Friedenszeiten die 
Anlage derartiger Parks an den hohen Kosten scheiterte, so 
würden wir, wenn wir das bisherige System beibehalten, in 
Zukunft unsere Bevölkerung um viele tausende Quadratmeter 
grünen Rasens bringen. 

Der neue und m. E. einzig richtige Weg, der nur sofort 
eingeschlagen werden müßte, bringt uns unserem Ziele bei 
Bereitstellung bescheidenster Mittel erheblich näher. Zu- 
nächst etwas Grundsätzliches. Wie gestalten wir den Volkspark? 
Ich denke hierbei nicht an die imposanten Parkschöpfungen 
städtischen Machtwillens, wie z. B. den Hamburger Stadtpark, 
ich denke hier viel mehr an die Urform unseres Volksgartens, 
an die vor den Toren liegenden, bescheidenen Heimgärten 
des Mittelalters, die nur aus einem baumumstandenen Rasen- 
platz bestanden, an ihre Nachfolger, den Gänseanger unserer 
mitteldeutschen Kleinstädte und die den festlichen Veran- 
staltungen der Schützengilden dienenden Schützen- oder 
Schießhausgärten mit der Festwiese und dem von Alleen 
begleiteten Schießstand. Bei vielen unserer kleinen und 
mittleren Städte finden wir noch diese liebenswürdigen 
Tummelplätze unserer Jugend, wenn nicht der Stadtgärtner 
das Idyll gerade mit Silberblautannen und Warnungstafeln 
zerstört hat. 

Denken wir uns eine'' große Ackerfläche von 50 bis 
100 Morgen. Hieraus einen Volkspark zu machen bedeutet 
unter üblichen Verhältnissen 
wochenlange, ja monatelange 
Planungen, einen ellenlangen 
Kostenanschlag mit einem 
Saldo von mindestens 100000 
bis vielleicht Millionen Mark, 
eine Arbeitsdauer von 2 bis 
3 Jahren und eine Benutzungs- 
möglichkeit in 3 bis 5 Jahren. 
Wie schwer es übrigens ist, 
eine so große bäum- und 
strauchlose Fläche zu gestalten, 
ohne große Mittel in Anspruch 
nehmen zu müssen, weiß jeder 
Fachmann. Die Anpflanzung 
größerer Bäume befriedigt trotz 
der hohen Kosten noch lange 
nicht immer. Bei solch großen 
Terrains mit Anpflanzung von 
Baum- und Strauchgruppen 
beginnen zu wollen, ist ver- 




Sitzplatz mit Taxushecke. 



fehlt, und schon bei der maßstäblichen Planeinzeichnung wird 
das Lächerliche dieses Verfahrens offenbar werden, denn durch 
diese Pflanzung erreichen wir niemals Geschlossenheit, niemals 
Gartenräume. 

Vor 3 Jahren stand ich vor der Aufgabe, ein 82 Morgen 
großes bäum- und strauchfreies Terrain unter Benutzung 
begrenzter Mittel in einen Park umzuwandeln. Die hoffnungs- 
lose Aussicht, bei der Uebersichtlichkeit der großen freien 
Fläche, unter Benutzung des üblichen Anpflanzungssystemes 
erst in unabsehbarer Zeit Gartenräume und Gartenbilder 
erzielen zu können, brachte mich dazu, ein besonderes An- 
lagesystem zu wählen. Ich arbeitete unter Berücksichtigung 
der verschiedensten Wünsche des Besitzers ein genaues Park- 
projekt unter Zugrundelegung des Gedankens aus, daß das 
ganze Terrain waldartig mit Bäumen bestanden wäre. Ich 
legte dann Schneisen hindurch, projektierte in diesen Wald 
hinein große Rasenflächen, richtige Waldwiesen für das Sonnen- 
bad und den Ballspielplatz, eine Waldwiese, in welche ich 
den Blumengarten einbettete, eine besonders geschützte Wald- 
lichtung für den gewünschten späteren Formobstgarten u. a. m. 
Als ich das Projekt meinem Auftraggeber vorlegte, war er 
zunächst wohl etwas erstaunt, bald aber sehr erfreut, be- 
sonders auch in Rücksicht auf die bescheidene Kostenforderung. 
Er ist heute nach 3 Jahren ein begeisterter Anhänger meines 
Systems. Ich begann nun meinen Wald zu schaffen. Das 
ganze Terrain ließ ich durch den Bauern tief umpflügen, dann 
begann ich meine Gartenbilder mit Hilfe von Waldparzellen 
aus Eschen, Rottannen, Vogelbeeren, Lärchen, Ulmen, Eichen, 
Buchen, Linden, Pappeln, Ahorn und Birken zu formen, auch 
gemischte Bestände pflanzte ich, so z. B. Birken, Vogelbeeren 
und Kiefern, Eichen mit Fichten, Buchen mit Linden zu- 
sammen. Tausende von wilden Rosen sollten zunächst der 
einzige Blumenschmuck sein. Das Pflanzenmaterial bestand 
aus 2 bis 4 jähriger 1 bis 2 mal verschulter Ware in Größe 
von 50 cm bis 1,50 m. Ich pflanzte rein baumschulmäßige 
Quartiere, entsprechend meinem Plane, von je 1000 bis 5000 
Stück Bäumen, unter Freilassung der Waldwiesen, des Sonnen- 
bades, der Schneisen, des späteren Blumengartens usw. Es 
kamen im Ganzen ca. 150 000iBäume der genannten Arten 
zur Anpflanzung. Die freien Rasenflächen und Schneisen 
säte ich mit einer harten Grassamenmischung ein. Die Flächen 

werden jedes Jahr mit der 
Sense gemäht. Kosten ent- 
stehen hierdurch nicht, da 
der Bauer das Heu, etwa 
ein Fuder pro Morgen, er- 
hält. Die Bäume wurden 
je nach ihrer Art in Ent- 
fernungen von 80 cm bis 
1,20 m gepflanzt, so daß 
ein Mann mit einem Pferd 
die ersten Jahre bis zum 
„Schluß" der Bestände, 
zwischen den Baumreihen 
mit einem Pflug (Planet jr.) 
hindurchgehen kann. In 
einigen Jahren kann dann 
schon begonnen werden, 
einen Teil der Bäume her- 
auszunehmen, um sie zur 
Anpflanzung eines weiter 
hinzugekauften Stück Landes 



XXI, 



Die Garte aweit. 



19 




Seitentreppe am großen Becken im Park von Pinon. 

zu benutzen. Um nun nicht allzu lange auf fertige Bilder 
warten zu müssen, andererseits aber auch um besonders 
interessante Punkte in der Anlage zu betonen, wurden an 
besonders hierzu geeigneten Stellen eine Anzahl höherer 
Exemplare raschwachsender Bäume, wie Pappeln, Eschen, Erlen, 
Akazien usw., gepflanzt, die dann später abgetrieben werden 
sollen und dann Unterholz bilden, wie ja dann überhaupt 
jedes Jahr in entsprechendem Turnus ein Teil der schwächer 
gebliebenen Bäume abgetrieben werden muß, soweit sie 
nicht gerade zur Aufpflanzung an anderer Stelle benutzt 
werden können. Die Ränder dieser hain- und waldartigen 
Pflanzung sind zum Teil ohne Strauchwuchs gehalten, so daß 
die Schönheit der Baumstämme in Erscheinung tritt, an 
anderen Stellen wiederum wurden verschiedene Straucharten 
wie Berberitzen, wilde Rosen, Prunus, Loniceren, Viburnum, 
verschiedene Dorne, Holunder und dergl. angepflanzt. Bei 
der weiteren Pflege der Parkanlage ergibt es sich dann von 
selbst, daß man besonders schöne Bäume freilegt und so 
neue Parkbilder erreicht. Derartige Parkschöpfungen er- 
fordern natürlich noch mehr wie andere die Beaufsichtigung 
und Leitung des Fachmannes, helfen aber auch dazu bei- 
tragen, daß wir durch derartige Aufforstungen unsere Wald- 
bestände vergrößern und dem deutschen Volk den deutschen 
Wald wieder näher bringen. 

Der Erfolg des oben beschriebenen Anlagesystems war 
recht erfreulich; der Ausfall an Pflanzen betrug noch nicht 
mal Vj Prozent. Das Wachstum der Bäume, die sich ihrem 
Waldcharakter entsprechend gegenseitig schützten und hoch- 
trieben, war in den 3 Jahren überraschend, so daß heute 
schon die Anlage wie ein Hain aussieht, da die Bäume schon 
bis 2,50 m hoch sind. Die ganze Anlage kostet vollständig 
bepflanzt, einschließlich der Rasenansaat und der Wege, noch 
nicht den fünften Teil soviel, wie nach dem üblidien Schema 
hergestellte Parkanlagen zu kosten pflegen. Die Kosten be- 
liefen sich nämlich einschließlich des Gartenarchitektenhonorars 
auf noch nicht ganz 20 Pf. (zwanzig Pfennig) pro Quadrat- 
meter Parkfläche. 

Schaffen wir Anlagen nach diesem Schema, so werden wir 
das zunächst dringlichste auch der finanziell schwachen 
Gemeinde erreichbar machen. Diese Parkform ermöglicht 
bei entsprechender Projektierung und der Verwendung hierzu 



geeigneten Pflanzenmaterials auch großzügige Monumental- 
lösungen, deren weiterer Ausbau aus laufenden Etatsmitteln 
bestritten werden kann, aber wir erreichen auf diese Weise 
zunächst das Hauptsächlichste und so Bitternötige, — Rasen- 
flächen, Haine, und späteren Wald. (Schluß folgt.) 



Aus deutschen Gärten. 



Die Gartenanlagen bei der Universität Gießen. 

Von Professor Dr. Sommer, Geh. Medizinalrat in Gießen. 

(Schluß.) 
Neben der Anlage vor dem Universitätsgebäude möchte 
ich eine weitere Gartenanlage erwähnen, die sich seitlich 
zwischen diesem Gebäude und dem Haus für die Geschäfts- 
räume der Universität befindet. Es lag hier früher ein 
Zimmerplatz, der auf dem feuchten Wiesengrunde durch 
Schutt usw. befestigt war und dem Unkraut einen günstigen 
Nährboden gab. Zum Teil war das Gelände für einige Turn- 
einrichtungen verwendet. Während meines Rektorates wurde 
dieses Gelände durch Verwendung einerseits von staatlichen, 
andererseits von privaten Mitteln, sowie eines Beitrages der 
Studentenschaft als Studentengarten hergerichtet und 
reichlich mit zum Teil geschützten Bänken und Tischen ver- 
sehen. Bei den umfangreichen Arbeiten wurden übrigens 
Kriegsgefangene verwendet. Die gewonnenen Bodenflächen 
wurden, abgesehen von den Spazierwegen, in kleine Parzellen 
von je 4X4 m geteilt und an Studenten und Studentinnen 
zur Verwendung für Garten- und Gemüsebau gegen 
eine Pacht von je 1,25 M einschließlich Wassergeld vergeben. 
Dieser eigentümliche Versuch einer landwirtschaftlichen 
studentischen Kriegswirtschaft ist tatsächlich ge- 
lungen und alle Beteiligten waren mit dem Ertrag der kleinen 
Stücke sehr zufrieden. Im übrigen steht dieser Garten der 




Dorf linde an der Schloßmauer in Pinon. 



20 



Die Garteuwelt. 



XXI, 2 



Studentenschaft zum Aufenthalt zur Verfügung; er ist vielfach 
benutzt worden. 

Schon vor Einrichtung dieses Studentengartens in nächster 
Nähe der Unterrichtseinrichtungen ist der Universität von 
privater Seite im Sommer 1914 ein größeres Gelände, un- 
gefähr V2 Stunde vom Mittelpunkt der Stadt entfernt, über- 
wiesen worden, das demnächst durch Schenkung in den vollen 
Besitz der Universität übergehen soll. Dieser sogenannte 
„Robert-Sommer-Garten der Universität Gießen" liegt auf 
der westlichen Böschung des Lahntales hinter der Hardt an 
der Straße von Gießen nach dem Gleiberg. Da, wo am 
Rande des Tales die Fahrstraße von dem Fußweg sich trennt, 
um sich auf der Höhe wieder damit zu vereinigen, befindet 
sich rechts davon das aus drei zusammenhängenden Teilen 
bestehende, etwa 7000 qm umfassende Gelände; — 1. un- 
mittelbar am Wege ein mit Büschen umgebener, in Terrassen 
angelegter Garten, der für gesellige Zwecke hergerichtet ist 
(2387 qm); — 2. weiter rechts am Steinbruch entlang, von 
dem unteren Weg zu der Fahrstraße sich hinaufziehend, ein 
mit einer dreieckigen Terrasse versehener Streifen, der sehr 
schöne Aussichten auf Gießen und das Lahntal mit Schiffen- 
berg, Hangelstein, Totenberg, LoUarerkopf, Frauenberg bei 
Marburg bietet, im Umfange von 3886 qm ; — 3. ein unteres 
730 qm umfassendes Stück, das Nr. 1 und 2 verbindet und 
später angelegt werden soll. Am 18. Juli 1914 geschah 
die erste Verwendung für einen studentischen Zweck, näm- 
lich eine Festlichkeit der Gießener Klinizisten, wobei auf 
einer der sechs Terrassen an 100 Teilnehmer Platz fanden. 
Diese Feier, die vor Ausbruch des Krieges geschah, steht 
allen Teilnehmern in lebhafter Erinnerung. Im Sommer 1914' 
fand auch die erste Benutzung durch eine größere Zahl von 
Dozenten mit ihren Angehörigen statt. Während des Kriegs- 
rektorates 1914/15 wurde der Garten mehrfach verwendet, 
besonders auch bei dem Stiftungsfest der Universität am 
1. Juli 1915, ebenso bei der Feier am 1. Juli 1916. Der 
Vorstand des Gartens besteht aus dem studentischen Aus- 
schuß der Landesuniversität sowie den Stiftern und vorläufig 
drei anderen Ehepaaren aus der Dozentenschaft, darunter 
dem Rektorpaar von 1915/16. Die Mitglieder des Vorstandes 
gelten als Ordner in dem Garten. Den engeren Vorstand 
bilden der Vorsitzende des engeren Ausschusses und Professor 
Sommer. Zu geselligen Zwecken von Korporationen und 
einzelnen Gruppen von Studenten, Dozenten oder Assistenten 
können der unter 1 genannte umfriedigte Garten oder einzelne 
Terrassen davon für bestimmte Zeiten vergeben werden. An- 
meldungen hierzu sind aus der Studentenschaft an den Vor- 
sitzenden des engeren Ausschusses, aus der Dozenten- und 
Assistentenschaft an Professor Sommer zu richten. Auf 
diesem Wege ist die Benutzung des Gartens auch für gesellige 
Zwecke der Studentenschaft und Dozentenschaft geregelt. 
Neuerdings ist eine auf dem Gelände gelegene früher für 
die Steinbruchsarbeiter verwendete Hütte hergerichtet und 
mit einem Kochherd versehen worden, so daß Studenten 
und andere Benutzer sich auch in einfacher Weise etwas zu- 
bereiten können. 

Die ganze Einrichtung bezweckt, den Angehörigen der 
Universität einen Aufenthalt mit einfacher ländlicher Um- 
gebung in leicht erreichbarer, aber doch abgeschiedener und 
ruhiger Lage bei der Universitätsstadt zu bieten. 

Zur Unterhaltung und weiteren Ausgestaltung dieser 
Anlage hat sich eine Gesellschaft gebildet, der außer den 
Mitgliedern der Universität Angehörige der Gießener Bürger- 



schaft und auswärtige' Gönner dieser Einrichtung angehören 
können. 

Neben diesen drei Anlagen kommt für die Universität 
in verwandtem Sinne das Gelände in Betracht, das während 
meines Rektorates für die Einrichtung eines umfassend ge- 
planten Turn- und Spielplatzes aus dem Besitz der Stadt 
Gießen erworben worden ist. Es stand zu diesem Zwecke 
eine von Sr. Exzellenz dem Minister des Innern der Universität 
überwiesene Stiftung von 65 000 M zur Verfügung. Die 
Verhandlungen mit der Stadt Gießen führten dazu, daß ein 
außerordentlich günstig zwischen einem Endpunkt der elek- 
trischen Straßenbahn (am sogenannten Trieb) und dem nahen 
Walde gelegenes Gelände von 35 000 qm zu dem mäßigen 
Preise von 1. — M für den Quadratmeter für die Universität 
erworben wurde. Die Anlage für Turn- und Spielzwecke 
soll bei dem leicht abfallenden Gelände in vier Terrassen 
geschehen, von denen die drei oberen Ballspielplätze, die 
vierte, verhältnismäßig größte, eine große Kampfbahn um- 
fassen sollen*). 

Außer diesen besonderen Einridjtungen bleibt jedoch noch 
genügend Gelände für Gartenanlagen übrig. Vorläufig ist 
eine der oberen Terrassen im Umfang von ca. 3000 qm für 
die Zwecke des Turnens, des Spieles und der Leichtathletik 
hergerichtet worden, wobei vorläufig eine einfache Umkleide- 
halle mit Geräteraum gebaut wurde. Für später ist zu den 
mit dem Turn- und Spielplatz zusammenhängenden Zwecken 
am Eingang der Anlage ein Haus mit Gartenanlagen geplant. 
Auch außerdem bietet das große Gelände z. B. in den Ecken 
neben der Laufbahn genügend Raum für gärtnerische Anlagen. 
Es ist nicht ausgeschlossen, daß die bisher günstigen Er- 
fahrungen mit dem Studentengarten zu einer weiteren 
Durchführung der Grundidee einer freiwilligen gärt- 
nerischen und landwirtschaftlichen Beschäftigung 
der Studentenschaft auf eigenem Gelände der 
Universität führen. Die Anlage von kleinen Gärten 
dieser Art ließe sich ganz abgesehen von der körperlichen 
Betätigung mit den sonstigen Zwecken des Turn- und Spiel- 
platzes sehr leicht dadurch verbinden, daß in den einzelnen 
Gärten nach einem bestimmten Grundplan Lauben errichtet 
werden, die, nach der Ringbahn geöffnet, zugleich die Mög- 
lichkeit des Zuschauens bei Uebungen und Festlichkeiten 
auf dem großen Turn- und Spielplatz in der Mitte der Ring- 
bahn bieten würden. — Die beschriebenen vier Einrichtungen 
bilden ein zusammenhängendes Ganze, dessen Zweck in der 
Richtung der körperlichen und geistigen Hygiene und 
der Annäherung an eine natürliche Lebensweise liegt. 

Topfpflanzen. 

Libonia floribunda. Wenn wir dieser überaus dankbaren 
Kalthauspflanze gedenken, so geschieht es wegen ihrer Schönheit 
und außergewöhnlich reichen Blühwilligkeit, welche gerade in die 
Wintermonate fällt und den ganzen Winter hindurch anhält. 
Merkwürdigerweise ist diese für den Winterschnitt sowohl wie als 
blühende Topfpflanze so wertvolle Pflanze so gut wie unbekannt 
geblieben und in den Handelsgärtnereien kaum zu finden. Höchstens 
dürfte sie unseres Wissens hier und da in einer Privatgärtnerei, 
in welcher man auf seltenere Pflanzen hält — und auch hier nur 



*) Vergleiche meine Aufsätze in den Zeitschriften: 1. „Das 
Schulhaus", Jahrgang 1916, Heft 7, Der Turn- und Spielplatz der 
Universität Gießen, 2. Zeitschrift für Schulgesundheitspflege 1916, 
29. Jahrgang, „Die körperliche Erziehung der deutschen Studenten- 
schaft." 



XXI, 



Die Gartenweit. 



21 



äußerst selten — anzutreffen sein. Für den Kenner derselben 
und ihres Wertes ist das sehr bedauerlich, um so mehr, da ihre 
Kultur gleich derjenigen anderer holzartigen Kalthauspflanzen, wie 
etwa Myrten, Correen u. a., eine ziemlich einfache ist, was sie 
für Massenkulturen wie etwa derjenigen der Eriken und anderer 
geeignet und ihrer reichen Blühwilligkeit und eigenartigen und 
seltenen Blütenfärbung wegen auch lohnend macht. 

Die bekannte Firma J. Linden in Brüssel, deren Sammler 
Libon sie schon vor weit über 50 Jahren in den Campos de 
Lages in Brasilien, und zwar in einer Höhe, wo das Thermometer 
auf 2 — 3 Grad unter Null sinkt, entdeckte, brachte diese Pflanze 
anfangs der 60 er Jahre des vorigen Jahrhunderts in den Handel, 
und man war berechtigt, derselben eine große Zukunft voraus zu 
sagen. Um so mehr ist aber das Gegenteil zu bedauern und 
eigentlich unverständlich. Denn eine 
in den Wintermonaten mit auffallen- 
den Blüten gleichsam überschüttete 
buschige Topfpflanze des Kalthauses, 
wie es die Libonia ist, hat gewiß 
Anspruch auf allgemeine Aufmerk- 
samkeit und Pflege und würde diese 
auch gleich den blühenden Büschen 
der Erikas finden, wenn sie über- 
haupt in den betreffenden Gärtnereien 
und demnach auch in den Blumen- 
geschäften anzutreffen wäre. 

Von C. Koch wurde diese Pflanze 
seinerzeit als neue Art beschrieben. 
Wie gesagt, macht sie ihre ganze 
Erscheinung für Blumenfreunde und 
demnach für Handelsgärtner und natür- 
lich auch für die Binderei zu einer 
besonders wertvollen Pflanze. Ihre 
reiche Verzweigung, an welcher in 
jedem Blattwinkel _ je zwei, an den 
Spitzen der Zweige auch drei, nach 
außen erweiterte, etwa 3 cm lange, 
röhrenförmige, je einen keilförmigen 
Einschnitt aufweisende Blüten er- 
scheinen, wodurch die Pflanze eben 
mit Blüten überschüttet erscheint, bietet 
eine reizende Erscheinung und liefert 
auch eine zahlreiche und leichte Steck- Eduard 

lingsvermehrung. Die Färbung dieser 

nach abwärts geneigten Schlund- oder Röhrenblüten ist am Grunde 
feurigzinnoberrot und geht von der Mitte aus in ein glänzendes 
Orangegelb über, wodurch sich die Blütenmasse von der saftig 
grünen Belaubung von der Größe etwa derjenigen der großblättrigen 
Myrte lebhaft abhebt. In der Tat eine echte und rechte Handels- 
pflanze. G. S. 

Nachruf. 




Eduard Ortgies f. 

Mit dem am 6. Dezember 1916 Heimgegangenen Garten- 
inspektor E. Ortgies, ehemaligem Kulturleiter des Botanischen 
Gartens in Zürich, ist wohl der letzte große Pflanzenpfleger 
und -kenner jener guten alten Zeit dahingegangen, deren 
Jünger noch nicht in gleichem Maße wie heute auf der 
Gärtnerlehranstalt ihre Ausbildung zu vervollkommnen suchten, 
sondern das Rüstzeug fürs Leben draußen im Strom der 
Welt zu sammeln bemüht waren. Und es muß ein kraft- 
volles, starkes Streben gewesen sein, das diese alte Gene- 
ration beseelte, die weder vom Strebertum angekränkelt war, 
noch sich um Standesehre usw. kümmerte, dafür aber an 
Leistungen und Menschentum um so schwerer wog, und sich 
durch Selbststudium tüchtige Grundlagen in Wissenschaft und 



Kunst erwarb, die ihr — gepaart mit bescheidenem Sinn 
und taktvoll- natürlichem Auftreten — den VoUwerl gebil- 
deter Menschen gab. 

Was waren das für Weihestunden, wenn mir Altmeister 
Ortgies aus seinem Leben erzählte. Freilich mußte man erst 
sein Vertrauen und seine Zuneigung erworben haben, ehe 
er von sich redete, denn seine tiefe Bescheidenheit verbot 
ihm, sich irgendwie wichtig zu machen. Wem es aber ge- 
lang — und ich war so ein Auserwählter — der erfuhr, 
wie er von seinem über die Maßen herzensguten, wohl- 
tätigen Vater, (der aus^eigenen, bescheidenen Mitteln, aus 
reinster Menschenfreundlichkeit heraus den Grund zu der 
späteren großen Taubstummenanstalt Breme ns legte), 1844 

als Fünfzehnjähriger nach Ham- 
burg zu dem Großhandelsgärtner 
H. Böckmann in die Lehre kam 
und nach mannigfaltigen Studien- 
fahrten vier Jahre später in Eng- 
land Fuß faßte, und zwar zu- 
nächst als Gehilfe bei A. Hen- 
derson & Co., Pineapple 
Place Nursery. Ein Jahr da- 
nach tritt er unter Josef Pax- 
ton in Chatsworth auf dem 
mit verschwenderischer Pracht aus- 
gestatteten Landsitz des Herzogs 
von Devonshire ein, erringt 
schnell das Vertrauen seines Meisters 
und erhält die Pflege der Victoria 
regia zugewiesen, die- soeben in 
wenigen Samen nach London ge- 
kommen war. Hier gelingt es dem 
jungen Ortgies, zum ersten 
Male in Europa überhaupt diese 
Königin der Seerosen als erstem 
unter mehreren gleichzeitig mit 
dieser Aufgabe Beirauten zur Blüte 
zu bringen, ein Ereignis, das so- 
gar die höchsten Hofkreise in 
Aufruhr versetzt, Ortgies' Ruf 
als Pflanzenpfleger von Blick und Glück begründet und 
ihm einen Platz in dem gerade machtvoll aufstrebenden 
Weltgeschäft von van Houtte in Gent verschafft. Am 
1. April 1850 hält er hier seinen Einzug, läßt nach eigenen 
Plänen ein Victoriahaus bauen — das erste auf dem Kon- 
tinent — und bleibt auch hier Sieger in der Bezwingung 
der zarten Königin vom Amazonas. Durch Bestäubung von 
Nymphaea dentala mit A^. rubra gewinnt er den ersten 
künstlichen Ny m phäenbastar d , die schöne A^. Ort- 
giesiana, und geht weiter von Erfolg zu Erfolg, besonders 
auch in der Kultur der tropischen Orchideen. Auf 
zahlreichen Geschäftsreisen nach Deutschland, England, Däne- 
mark usw. gewinnt er einen großen Kreis von Freunden und 
Gönnern, wie er auch im engeren Kreise der Familie van 
Houtte durch seine edlen Charaktereigenschaften Liebe und 
Verehrung erwirbt. Es wird daher kein leichter Abschied, 
als er den Ruf als Kulturleiter des Botanischen Gartens in 
Zürich erhält, — aber es gilt den Platz einzunehmen, den 
kein Geringerer als Eduard Regel aufgibt, der als Direktor 
des Kaiserlichen Botanischen Gartens nach Petersburg be- 
rufen ist. 

Mit Begeisterung für den neuen selbständigen Wirkungs- 
kreis zog Ortgies im September 1855 in sein freundliches 



Ortgies t- 



22 



Die '-'arte n weit. 



XXI, 2 



Heim, in das er zwei Jahre später Regeis Schwägerin als 
Gattin heimführte. Unterstützt von dem ebenso wissen- 
schaftlich bedeutenden, als menschlich erstklassigen wissen- 
schaftlichen Leiter Professor Oswald Heer begann für 
Ortgies jetzt eine sehr umfangreiche und ersprießliche Tätig- 
keit, die sich anfänglich durch die mit Heer geraeinsam 
unternommenen Reisen besonders der Alpenflora, später 
wieder mehr der tropischen und besonders den Orchi- 
deen, Cycadeen usw. zuwandte. Mit rastlosem Eifer und 
gutem Geschick bemühte sich Ortgies unter Wahrung des 
wissenschaftlichen Grundgedankens die botanischen Samm- 
lungen zu erweitern, was aber nicht so leicht war, weil sich 
der nur sehr gering mit Geldmitteln ausgestattete Garten 
durch Pflanzenhandel fast ganz selbst zu erhalten hatte. Da 
kamen Ortgies die früher angeknüpften, weitläufigen, freund- 
schaftlichen und geschäftlichen Beziehungen zu den hervor- 
ragendsten Gartenbaugeschäften und botanischen Reisenden 
zustatten, und es gelang ihm, so erhebliche Einnahmen zu 
erzielen, daß von den Überschüssen neue zeitgemäße Gewächs- 
häuser erbaut werden konnten. Mit scharfem Blick den Wert 
der Orchideen erkennend und die damals beginnende Orchi- 
deenliebhaberei ausnützend, trat er mit dem schon bei van 
Houtte bekannt gewordenen Tropenreisenden Benedikt 
R o e z 1 in Verbindung, übernahm dessen Beutesammlungen 
und unterhielt so gewissermaßen ein umfangreiches Pflanzen- 
Importgeschäft, das ihn auch oft wieder nach Deutschland, 
Belgien, England usw. führte und ihn mit den hervor- 
ragendsten gärtnerischen Kulturstätten mehrere Jahrzehnte 
lang in engste Beziehungen brachte. Auch die Namen der 
Sammler Wallis, Lehmann, Pfau usw. sind innig mit 
dem Botanischen Garten in Zürich und seinem unermüdlich 
fleißigen Kulturleiter Ortgies verknüpft. Wie groß die Zahl 
der ihm zu verdankenden Einführungen und Erwerbungen 
ist, läßt sich hier nicht wiedergeben, so viel steht aber fest, 
daß sie Legion sind und Ortgies sich schon allein dadurch 
um seinen Wirkungskreis ein unvergängliches, bleibendes 
Verdienst erworben hat, so daß sein Name für ewige Zeit 
mit goldenen Zeichen in der Geschichte des Züricher bota- 
tanischen Gartens eingetragen ist. — Was will da die äußere 
Ehrung — der Titel „Garteninspektor" — besagen, der 
ihm bereits nach zwanzigjähriger erfolgreicher Tätigkeit von 
seiner vorgesetzten Dienstbehörde verliehen wurde? 

Nach fast vierzigjähriger, erfolgreicher Arbeit legte 
Ed. Ortgies im Frühjahr 1894 sein Amt nieder, als infolge 
neuzeitlicher Änderung in der wissenschaftlichen Leitung des 
Botanischen Gartens dem verdienten Kulturleiter eine unge- 
wohnte (um nicht zu sagen unwürdige) Bürde, der sich 
der an der Schwelle des Greisenalters stehende, viel zu 
aufrechte Ehrenmann nicht gewachsen fühlte, die Daseinsfreude 
zu verleiden drohte. 

So siedelte er denn mit gemischten Gefühlen aus seinem 
alten, lieben Wirkungskreise nach dem trauten Landhause in 
Kilchberg über, das, von Gärten und Obstlauben umkränzt, 
von hoher Warte einen köstlichen Blick über den blinkenden 
Zürichsee bis tief ins Herz der schneeschim.mernden Berg- 
riesen gestattete. Auch hier ging er wieder im Verkehr 
mit seinen geliebten Blumen auf, die ihm Unterhaltung und 
Trost brachten, vermied vielen Umgang, war aber jedem 
ehrlichen Freunde zugänglich. Ein inniger Ton herzlicher 
Liebe und Duldung wehte durch das gemütliche Ortgiessche 
Heim, in. dem auch die Künste, und nicht zum mindesten 
edle Musik, eine Pflegestätte gefunden hatten, die ihren 



wohltätigen und versöhnenden Einfluß in schönen und trüben 
Tagen ausübte. Hier hat der vorbildliche Mensch und her- 
vorragende Fachmann, dessen Namen auch durch so manche 
Pflanze der Nachwelt lebendig erhalten wird, seine letzten, 
stillen Lebensjahre in friedlicher Beschaulichkeit verbracht, , 
bis ihn die Müdigkeit zum ewigen Schlaf überkam. Ehre 
seinem Andenken! Erich Wecke in Oliva. 



Zeit- und Streitfragen. 
Zur Gärtnerinnenfrage. 

Den verschiedenen Aufsätzen über die Gärtnerinnenfrage, die 
in den letzten Monaten erschienen sind, möchte ich einige Worte 
hinzufügen. 

Wir sind dankbar für jede sachliche Kritik von Seiten der 
Gärtner, da sie uns in unseren Bestrebungen nur förderlich sein 
kann, aber von Sachlichkeit ist in den Artikeln wenig zu merken. 
In ihnen wird Benehmen und Auftreten der Gärtnerinnen getadelt, 
über ihre Fähigkeiten und Kenntnisse geurteilt, so nebenbei, in 
abfälliger Weise. Dankenswert sind sie nur da, wo sie sich mit 
der Ausbildungsfrage beschäftigen, für die auch in unseren Kreisen 
ein lebhaftes Interesse herrscht. 

Man kann es wohl verstehen, wenn Fräulein Stade schreibt, daß 
die Auslassungen von Herrn Janson in Nr. 31 sie empören. Vielleicht 
erweist man ihnen zu viel Ehre, indem man sie ernst nimmt. Ist 
es doch schwer ersichtlich, wie man Gärtnerinnen mit den zu 
gelegentlichen Arbeiten auf das Land gehenden holländischen 
Studentinnen verschiedener Hochschulen vergleichen kann. Die 
Eine arbeitet in ihrem Beruf, während die Andere, durch die Not 
der Zeit getrieben, versucht, ihre freie Zeit zum allgemeinen Nutzen 
zu verwenden. Es gehört dabei Uebelwollen und Zeitungsgläubig- 
keit dazu, oder die Freude an schnoddriger Schreibart, um solche 
Notizen wörtlich zu nehmen und weiter zu verbreiten. Es ist 
hierbei, wie auch sonst allenthalben : Die Ausnahmen fallen ins 
Auge, von einfacher Pflichterfüllung spricht man nicht. 

Was Herr Janson über seine Erfahrungen mit Gärtnerinnen 
im vorletzten Jahrgang berichtet hat, weiß ich nicht. Was er in 
Nr. 3 1 , Jahrg. XX darüber schreibt, scheint sich alles mehr auf werdende 
Gärtnerinnen oder auf Gartenbauschülerinnen zu beziehen, wie auf 
Gärtnerinnen. Da Herr Janson selbst eine Gartenbauschule für 
Frauen eingerichtet hat und leitet, oder geleitet hat, ist dies ja 
auch wohl begreiflich. Vor wenigen Jahren noch stand er der 
Frage der Gärtnerinnen durchaus wohlwollend gegenüber, und wenn 
er auch die bestehenden Gartenbauschulen für verfehlt hielt, so 
glaubte er doch auf seine Weise die Frauen zu tüchtigen Gärt- 
nerinnen heranbilden zu können. Es ist zu bedauern, daß grade 
in seiner Lehranstalt sich nur untüchtige, anmaßende, disziplinlose 
Menschen zusammenfanden, oder sollte das vielleicht zum Teil 
an der Einrichtung oder Leitung gelegen haben .'' 

Auch Herr Hartnauer findet mehr am Benehmen und Auftreten 
der Gärtnerinnen zu tadeln, wie an ihrem Wissen und Können. 
Natürlich sollen Taktlosigkeit und Anmaßung nicht entschuldigt 
werden ; es scheint für einige Gärtnerinnen schwierig zu sein, den 
Kollegen gegenüber den richtigen Ton zu treffen. Diese kommen 
ihnen meist mit vorgefaßten Meinungen, wenn nicht mit Vorurteilen 
entgegen und sind, wie es scheint, sehr empfindlich. 

Von der verhältnismäßig großen Zahl der Gärtnerinnen, die 
seit Jahren in Stellungen arbeiten, oder auf eigenem Grund und 
Boden tätig sind, scheinen die Herren wenig zu wissen. Das liegt 
wohl zum großen Teil daran, daß die Frauen sich mehr mit Obst- 
und Gemüsebau beschäftigen und nur sehr wenige sich der Handels- 
gärtnerei zuwenden. Auf Gütern und Landsitzen, an Schulen und 
Sanatorien sind seit einer Reihe von Jahren Gärtnerinnen angestellt 
und werden immer wieder angestellt, doch sicher ein Zeichen dafür, 
daß sie in ihrem Fach brauchbar sind. Jetzt in der Kriegszeit, 
wo sie, wie in allen andern Berufen, für die Männer eintreten, 
werden sie in manchen Fällen den an sie gestellten Anforderungen 



XXI, 2 



Die Gartenwel t. 



23 



nicht gewachsen sein, besonders wenn sie frisch von der Schule, 
nach kaum 2 jähriger Ausbildung eine Stellung übernehmen. Aber 
immerhin werden sie den Gärten Erträge abgewinnen und ver- 
hindern, daß sie ungenutzt bleiben. 

Da6 eine Ausbildung von 2 Jahren auf einer der bestehenden 
Gartenbauschulen nicht ausreichend ist, darüber ist wohl keine 
Gärtnerin, die in der praktischen Arbeit steht, im Zweifel und sie 
betonen es immer wieder, wo sich die Gelegenheit dazu bietet. 
Wenn es nicht so außerordentlich schwierig, fast unmöglich wäre, 
für junge Mädchen, die mit 16 oder 17 Jahren die höheren Schulen 
verlassen, passende Lehrstellen zu finden, wäre der gleiche Aus- 
bildungsweg, den die jungen Männer machen, zuerst Praxis, dann 
Theorie, nur anzuraten. Daß die Ausbildung, wie sie bisher für 
Männer besteht, auch nicht vollkommen und durchaus nachahmens- 
wert ist, beweisen die Bestrebungen, das Lehrlingswesen zu bessern 
und fachliche Fortbildungsschulen einzurichten. Wenn es schon 
zur Anleitung der jungen Männer an geeigneten Persönlichkeiten 
fehlt, wie viel mehr ist es da für Mädchen der Fall. 

Wenn Herr Hartnauer meint, um dem Wirtschaftskampf nach 
dem Kriege die Spitze zu bieten, sei wünschenswert, in allen 
Berufen die Ausbildungszeit zu verkürzen, so glaube ich, daß er 
sich damit im Irrtum befindet, wenigstens was die Frauen betrifft. 
Schon jetzt sind alle Schulen, Lehrbetriebe, Seminare, Kurse, die 
es für weibliche Berufe gibt, überfüllt. Aber nicht die werden ge- 
eignet sein, die durch den Krieg entstandenen Lücken zu füllen, 
die, möglichst rasch etwas gelernt haben, sondern die, die ihre 
Ausbildung möglichst gründlich betrieben haben, die das Gebiet, 
in dem sie arbeiten wollen, so weit wie möglich beherrschen, die 
nicht nur mechanisch ihre Arbeit tun, sondern die Qualitätsarbeit 
leisten. Zu solcher gründlichen Ausbildung in unserem Beruf, sei 
es auf dem Wege der Gartenbauschule und nachfolgender Praxis 
oder auf dem der praktischen Lehrzeit und dann folgendem Unter- 
richt in einer Gärtnerlehranstalt, sind selbstverständlich die 
Schülerinnen der Mittelschulen ebenso befähigt wie die der höheren 
Schulen, vielleicht in vielen Fällen mehr. Ausschlaggebend ist doch 
nur, ob die jungen Mädchen, außer der Lust und Liebe zur Sache, 
die nötigen Eigenschaften besitzen, die sie zum Gärtnerberuf 
befähigen. 

Wir denken nicht daran, den Gärtnern Konkurrenz zu machen 
oder sie von einzelnen Posten zu verdrängen, wir wissen, daß wir 
ihnen in körperlichen Leistungen niemals gleich sein werden, wollen 
dafür als Ersatz unsere Weiblichkeit und Bildung einsetzen. Das 
ergibt eine andersartige Auffassung des Berufs, die uns dem ent- 
sprechend auf besondere Arbeitsgebiete, wie ich sie schon er- 
wähnte, führt, und so ist es wohl erklärlich, daß so viele Gärtner 
nichts von Gärtnerinnen wissen und sie nur kennen in der Form, 
wie sie in einigen Blättern immer wieder dargestellt werden, als 
„Dämchen", „höhere Töchter" usw. 

Von den Gärtnerinnen, denen der Beruf Zweck und Inhalt 
ihres Lebens ist, werden wohl nur wenige den Ausführungen von 
Fräulein Jähnisch zustimmen, die ihn zu den „sozialen Arbeiten" 
zählt. Sozial ist der Beruf gewiß in dem Sinn, als er der Gesell- 
schaft, der Allgemeinheit dient, indem er volkswirtschaftliche Werte 
schafft, die eben in dieser Zeit höher geschätzt werden denn je. 
Aber er erscheint ihnen nicht als soziale Hilfsarbeit, die die ge- 
bildete Frau zum Besten ärmerer Kreise ausübt und die sie wieder 
aufgibt, wenn die Jugendkraft verbraucht ist. 

Als Fräulein Dr. Castner für den Gedanken eintrat, daß die 
Gärtnerei ein geeigneter Beruf für Frauen sei, und als sie dann 
ihre Schule einrichtete, wollte sie für die Frauen, die kein Talent 
zur Lehrerin haben, einen Weg zur praktischen Betätigung zeigen, 
auf dem sie Befriedigung und ihr Auskommen finden könnten. 
War doch vor 25 Jahren der Beruf einer Lehrerin fast der einzige, 
dem sich ein Mädchen aus gebildeten Kreisen zuwenden konnte, 
die auf eignen Füßen stehen mußte oder wollte. Daneben stand 
Fräulein Dr. Castner immer als Ideal und Ziel vor Augen, auch 
die Frauenkräfte dafür einzusetzen, Deutschland in Obst- und 
Gemüsebau möglichst vom Ausland unabhängig zu machen. In 
diesem Sinn leitet sie ihre Schule und nach ihrem Beispiel sind 



die andern Schulen mehr oder weniger in gleicher Art eingerichtet. 
Alle Schülerinnen, die hindurchgegangen sind, sind mit diesen 
Gedanken vertraut, und wenn uns die Arbeit in dieser Zeit be- 
sonders schwer und mühevoll wird, da wir allenthalben das Fehlen 
der männlichen Hilfskräfte empfinden, so wissen wir doch, daß 
auch wir in unserer Weise Kriegsarbeit leisten. L. Vowinckel. 



Mannigfaltiges. 



Von Traum und Tat. 

(Nachklang 1916—1917.) 
Die Dämmerung sank, die säumende, 
Die Sterne halten Wacht, 
Wir schauen still in die träumende 
Jahr — Mitternacht — 

Leis rauscht der Wald, das treibt, das strebt, 

Der Nebel hüllt uns ein, 

Doch Leben ist nicht tot — das lebt. 

Das will werden und ringen und sein. 

Wohl brach der Sturm so manchen Baum, 
Das Schicksal waltet schwer. 
Aber des ewigen Lebens Traum 
Zerbricht er nimmermehr. 

Die Bäume blühten, sie trugen Frucht, 
Es grünt und treibt die Saat. 
Du hast gesäet, du hast gesucht, 
Fest stehet deine Tat. 

Rings um dich tobt und brauste das ; 
Du schautest still in den Streit. 
Dich beugte die Not, dir drohte der Haß, 
Du bautest bessere Zeit. 

Still schreitet das neue Jahr heran, 

Du fragst nicht um Glück und Ehr. 

Dich lockt kein Gold, dich zwingt kein Bann, 

Du schwerer Tag komm her. 

Es werde Frieden, wenn Gott das will ; 
Aber um diese Stund 
Wir halten aus, und wir sind still, 
Und wir bauen den deutschen Grund. 

Wir halten Wacht am deutschen Herd, 

Wir säen und hoffen kühn. 

Und wenn der Frühling wiederkehrt. 

Dann wird das Leben blühn. Johanna Beckmann. 



Rechtspflege. 



Hundehütte und Hühnerstall im Vorgarten. Vor dem 

Oberverwaltungsgericht gelangte ein zwischen dem Kaufmann R. F. 
und der Frankfurter Baupolizeibehörde wegen Beseitigung einer 
Hühnerstallanlage und einer Hundehütte innerhalb eines Vorgartens 
und Bauwichs an der Bettinastraße entstandener Prozeß zum 
Austrag. F. hatte nach Erwerbung eines Stück Landes neben 
seinem Hausgrundstück auf der neuen Fläche im Vorgarten einen 
Hühnerstall und eine Hundehütte aufgestellt und einen abge- 
grenzten Laufplatz für Hühner geschaffen. Die Polizeiverwaltung 
richtete nunmehr auf Grund der Bauordnung vom 8. April 1910 
und der Baupolizeiverordnung vom 4. Juni 1912 an F. eine polizei- 
liche Verfügung, wonach F. Hühnerstall und Hundehütte im Vor- 
garten und Bauwich beseitigen sollte : wie sich aus den bestehen- 
den Bestimmungen ergebe, seien auf dem Gelände im Vorgarten 
und Bauwich gärtnerische Anlagen anzubringen. Sowohl der Be- 
zirksausschuß, als auch das Oberverwaltungsgericht erkannten zu 
Ungunsten von F. auf Abweisung der erhobenen Klage, indem 
geltend gemacht wurde, in der Bettinastraße sollen die Vorgärten 



24 



Die Gartenwelt. 



XXI, 2 



und Bauwichs nach den bestehenden Vorschriften als Ziergärten 
angelegt werden, hingegen sei die Errichtung von gewerblichen 
Anlagen, Ställen usw. in den Vorgärten und Bauwichs nicht zu- 
lässig. Die Polizeiverwaltung zu Frankfurt a. M. sei mithin be- 
fugt gewesen, die Beseitigung der Hundehütte und des Hühner- 
stalls im Vorgarten und Bauwich zu fordern. Die Entscheidung 
des Oberverwaltungsgerichts ist für die Anwendung des Wichs 
und die Auslegung der baupolizeilichen Bestimmungen über die 
Anlage von Vorgärten von großer Bedeutung. 



Tagesgeschichte. 

Benrath. Zur Schaffung einer Siedlung für Kriegsbeschädigte 
und kinderreiche Familien hat der hiesige Gemeinderat ein Ge- 
lände von 73 Morgen erworben. Es lassen sich darauf etwa 
300 Familien mit je ' 4 Morgen Eigentum bei Aufwendung von 
6000 bis 6500 Mark für Grundstück und Gebäude ansiedeln. 
Der Kaufpreis für das Gelände beträgt 180000 Mark. 

Berlin. Die würdige, soldatisch schlichte Gestaltung der 
Gräber der für das Vaterland Gebliebenen hat in weiten Kreisen 
Aufmerksamkeit gefunden. Das Schaffen pietätvoller Kameraden- 
hände im Felde hat vielfach Gräberanlagen ergeben, deren künst- 
lerisch und menschlich gleich ansprechende Einfachheit auch für die 
Heimat vorbildlich sein kann. Die beteiligten militärischen, bürger- 
lichen und kirchlichen Behörden, insbesondere das Kriegs- und 
Kultusministerium, haben sich seit längerem diesen Aufgaben zu- 
gewandt. Hervorragende Künstler und Fachmänner sind in die 
verschiedenen Kriegsgebiete entsandt worden. Im Kultusministerim 
wie für die einzelnen Provinzen unter dem Vorsitze der Ober- 
präsidenten sind amtliche Beratungsstellen für Kriegerehrungen 
begründet worden. Zur Besprechung der die Beratungsstellen 
gemeinschaftlich berührenden Fragen hat in diesen Tagen auf Ein- 
ladung des Kultusministers Dr. von Trott zu Solz eine zahlreich 
besuchte Versammlung stattgefunden. Zahlreiche Mitglieder der 
Beratungsstellen, namhafte Künstler und Gartenarchitekten be- 
teiligten sich lebhaft an der Aussprache. Es wurde allseits er- 
kannt, in wie ausgiebiger Weise die Beratungsstellen bereits aus 
behördlichen und namentlich auch privaten Kreisen in Anspruch 
genommen werden. Um Fühlung zwischen den Stellen zu halten, 
sollen von Zeit zu Zeit Besprechungen im engeren Kreise folgen. 
Namentlich fand auch die Frage guter Friedhofsordnungen für 
Ehrenfriedhöfe Beachtung. 

Dülken. Der Fabrikbesitzer Hartmann hat dem Verschöne- 
rungsverein für eine im hiesigen Heldenhain zu errichtende Ge- 
dächtnishalle 15 000 M zur Verfügung gestellt. Ferner wurden 
dem Verein von den Erben Wilhelm Giehlen zu Ransberg 1000 M 
für den Hain gestiftet. 

Grünberg i. Schles. Hierselbst soll eine neue Gartenstadt 
durch die Errichtung von Arbeiterheimen entstehen. Einfamilien- 
häuser, auf durchschnittlich 450 Quadratmeter Grundstücksfläche, 
werden sich um einen Marktplatz gruppieren. 



Personalnachrichten. 

Gärtner in Waffen. 

Friedrich Clorius aus Parchim erhielt das Mecklenb. Militär- 
verdienstkreuz. 

Der Verband deutscher Privatgärtner gibt die Verleihung des 
Eisernen Kreuzes an seine nachgenannten Mitglieder bekannt: 
Fritz Bienst, Oberg., Neusalz, Anton Müller, Ludwig Ravier 
und Otto Schirrmeister in Coblenz; R. Schwab, Oberg., Frank- 
furt a. M. 

S. Naegele, Wandsbek, Mitglied des Verbandes der Han- 

delsg. Deutschlands, Inh. des Eis. Kreuzes, wurde die Württemb. 

Tapferkeitsmedaille verliehen. 

* * 

Czekalla, Friedr., Gärtnereibes. in Erfurt, 1" am 1. d. Mts. 



Hübner, Otto, Wilhelm, Königl. Garteninspektor und Kreis- 
obergärtner des Kreises Teltow, f a™ 2. d. Mts. nach schwerem 
Leiden im Alter von 50 Jahren. Der Verstorbene war ein her- 
vorragend begabter Fachmann und ein vortrefflicher Mensch. Die 
Garlenwelt hat in ihm einen langjährigen Mitarbeiter, deren Her- 
ausgeber einen treuen Freund verloren. Nachruf folgt in einem 
der nächsten Hefte. 

Kneipp, Karl, Gärtnereibesitzer, Wiesbaden, f am 23. De- 
zember im vollendeten 56. Lebensjahre. 

Rettig, Ernst, langjähriger Inspektor des Großh. Botanischen 
Gartens in Jena, f an den Folgen eines Magenleidens. Der Ver- 
storbene war ein hervorragend tüchtiger Botaniker und ein erfolg- 
reicher Züchter schwierig zu behandelnder Gewächshaus- und Frei- 
landpflanzen. Geboren zu Berlin, kam er nach Beendigung seiner 
Lehre zu Peter Smith & Co. nach Bergedorf bei Hamburg, von 
dort dann nach Beendigung seines Militärjahres in den Berliner 
Botanischen Garten, in welchem er etwa acht Jahre lang tätig war. 
Hier kultivierte er die Cycadeen, Bromeliaceen und die tropischen 
Nutzpflanzen. In den Jahren 1885 und 86 arbeitete ich dort mit 
ihm zusammen. Auf meine Veranlassung bewarb er sich um die 
durch den Rücktritt Maurers freigewordene Stelle in Jena, welche 
er 1886 übernahm. Hier hat Rettig mit bescheidenen Mitteln 
Vorzügliches geleistet. Ich habe im Laufe der Jahre stets in brief- 
lichem Verkehr mit ihm gestanden und ihn mehrfach in Jena be- 
sucht. Ich schätzte ihn als bescheidenen, ehrenhaften Kollegen. 
In früheren Jahren, und zwar vom ersten Jahrgang ab, war Rettig 
ein fleißiger Mitarbeiter der Gartenwelt, die ihm eine Reihe ge- 
diegener Abhandlungen und zahlreiche selbstgefertigte vorzügliche 
Aufnahmen verdankt. Alle, die diesem trefflichen Manne im 
Leben persönlich näher traten, werden ihm ein gutes Gedenken 
bewahren. Die durch Rettigs Tod erledigte Stelle soll vorläufig 
nicht besetzt werden. M. H. 

Nach monatelanger Ungewißheit besteht nun kein Zweifel 
mehr darüber, daß auch Gartenarchitekt und Gartenmeister Arthur 
Stehr sein Leben fürs Vaterland hat hingeben müssen. Das 
Rote Kreuz teilt mit, daß Stehr am 2. Juli 1916 im Hospital 
Cerisy verstorben ist. 

Stehr wurde im März 1915 zu den Fahnen einberufen und 
in Hagenau i. E. ausgebildet. Bereits im Mai rückte er ins Feld. 
Im Priesterwald konnte er nach schweren Kampfesmonaten be- 
ruflich bei Überwachung von Friedhofsarbeiten tätig sein, wozu er 
längere Zeit abkommandiert war. Der Friedhof Deutsches Ehrental 
im Priesterwalde wurde nach seinem Entwurf ausgeführt. 

Im Frühjahr 1916 machte er, inzwischen zum Vizefeldwebel 
befördert, schwere Kämpfe vor Verdun mit und kam im Juni an 
die Sommefront, wo er am 1. Juli bei dem gewaltigen englisch- 
französischen Angriff in Gefangenschaft geriet. 

Mit ihm ging wieder einer dahin, von dem man noch viel 
erhoffen durfte! Stehr war Wildpark-Dahlemer (1901—1903). 
Ich lernte ihn kennen, als er hier in Altona angestellt war (De- 
zember 1905 bis Mai 1909). Da wurde der strebsame, intelli- 
gente junge Mann mir ein aufrichtiger Freund, der er auch blieb. 

Nachdem er im Mai 1909 in Hamburg als leitender Garten- 
beamter für Uhlenhorst, Winterhude und Barmbeck angestellt 
worden war, arbeitete er dort mit großer Hingabe zunächst am 
Entwurf und Ausführung einer Reihe öffentlicher Anlagen, dann 
aber besonders an den ersten gärtnerischen Anlagen des werdenden 
Hamburger Stadtparks, die er unter den Herren Baudirektor 
Sperber und Professor Schumacher bis Juni 1913 leitete. 

Christian Koopmann. 

Die Gartenwelt verliert in Arthur Stehr einen hochbegabten, 
treuen gartenkünstlerischen Mitarbeiter. Ich lernte ihn während 
seiner Studienzeit in Dahlem kennen und schätzen. Die Garten- 
welt hat in den letzten neun Jahren zahlreiche Beiträge Stehrs 
veröffentlicht, seinen letzten in Nr. 3 des vorigen Jahrgangs über 
den von ihm geschaffenen Kriegerfriedhof „Deutsches Ehrental" 
im Priesterwalde. M. H. 



Berlin SW. 11, Hedemannstr. 10. Für die Kedaktiou verantwortl. Max Headöiffer. Verl. von Paul Parey. Druck : Anh. Buchdr. Gutenberg, G. ZichSus, Dessau. 




Illustrierte Wochenschrift 



gesamten Gartenbau. 



Jahrgang XXI. 



19. Januar 1917. 



Nr. 3. 



Nachdruck und Nachbildung aus dem Inhalte dieser Zeitschrift werden strafrechtlich verfolgt. 



Palmen. 



Archontophoenix, 
Von Alwin Berger. 

(Hierzu zwei Abbildungen.) 

Das östliche Australien, namentlich die nördlichen, rein 
tropischen Gegenden, sind die Heimat einer ganzen Anzahl 
Palmen. Darunter finden sich auch einige Arten mit glatten 
säulenförmigen Stämmen und langscheidigen eleganten Fieder- 
blättern, bei denen die Blütenkolben unterhalb der Blatt- 
krone aus dem Stamm treten. 

La Billardiere, der Australien bereist hatte, stellte im 
Jahre 1808 für eine dieser Pflanzen die Gattung Ptycho- 
sperma auf. Es war P. gracile, die mit ihren schlanken, 
12 — 18 m hohen Stämmen diesen Beinamen verdiente. 

Dem Brauche jener Zeit gemäß, wo die Botaniker von 
den Arbeiten ihrer Kollegen wenig Notiz nahmen und 
Pflanzennamen nach Belieben abänderten, benannte R. Brown 
eine weitere hierhergehörende Palme Seaforthia elegans. 
Diese neue Gattung Seaforthia wurde später von Blume 
folgerichtig wieder eingezogen und mit Ptychosperma ver- 
einigt, so daß die R. Brownsche Pflanze jetzt Ptychosperma 
elegans heißt, bei welchem Namen es verblieben ist. Die 
Gattung Ptychosperma selbst wuchs mittlerweile an, es fanden 
sich außer in Australien auch weitere Vertreter auf den 
Sundainseln, den Papuainseln und den Fidschiinseln. 

Einige dieser Palmen fanden auch Eingang in die euro- 
päischen Gewächshäuser. In Kew Gardens blühte im Jahre 1857 
eine solche, in der Hooker die Brownsche Pflanze zu er- 
kennen glaubte, und als solche, S. elegans, bildete er sie 
im Botan. Magazine ab und beschrieb sie. Aber es ist 
hier irgendwie ein Irrtum unterlaufen. Das Habitusbild 
einerseits und die Blüten- und Fruchtanalysen, sowie die 
Beschreibung andererseits, sind von zwei verschiedenen 
Pflanzen. Die hier von Hooker im Habitusbilde zum ersten 
Male dargestellte Pflanze war durch die Brüder Cunningham 
ausQueensland und New South Wales in Kew eingeführt worden. 
Da die Einfuhr der Samen eine leichte war, wurde sie bald 
durch die englischen Handelsgärtnereien verbreitet, so nament- 
lich durch die Firma Veitch um die Mitte der 50er Jahre, 
und ist heute noch unter dem falschen Hookerschen Namen 
Seaforthia elegans allgemein bekannt und verbreitet. 

Erst Wendland und Drude zeigten (1875), daß die Cun- 
ningham-Hookersche Pflanze von der älteren Ptychosperma 
(Seaforthia) elegans grundverschieden war und daß sie mit 
zwei anderen Arten aus derselben Gegend eine neue Gattung 

Gartenwelt XXI. 



vertrete, die dann von Ptychosperma abgetrennt wurde. Die 
neue Gattung wurde Archontophoenix, die Herrscherpalme, 
benannt, nach dem stattlichen Wuchs und der eleganten 
Wedelkrone, die sie tragen, und Cunninghams Palme wurde 
somit zu Archontophoenix Cunninghamiana Wendl. u. Drude. 
In der Tracht sind Ptychosperma und Archontophoenix 
einander sehr ähnlich, aber schon äußerlich sind sile eicht 




Archontophoenix Cunnighamiana. 



26 



Die Gartenwelt. 



XXI, 3 



in- Blütenstand von Archontophoenix Cunnighamiana 



an den Blättern zu unterscheiden. 
Bei Ptychosperma sind die Fieder- 
blätter gestutzt und gezähnelt, oft 
wie abgebissen, während sie bei 
Archontophoenix spitz zugehen. An 
diesem untrüglichen Zeichen sind 
beide Gattungen sofort zu erkennen. 
Archontophoenix Cunninghami- 
ana ist leicht- und raschwachsend. 
In der Jugend liebt sie zwar, wie 
alle Palmen, eine etwas wärmere 
Temperatur, aber wenn sie einmal 
soweit herangewachsen ist, daß der 
Stamm seinen normalen Umfang zu 
erreichen beginnt, verträgt sie sehr 
wohl die kühlere Luft eines tempe- 
rierten Hauses. Sie geht in Ost- 
australien bis zum 35. Grad südlicher 
Breite. An der Riviera ist sie 
folgedessen an geschützten Stellen 
■ winterhart. In La Mortola hatten wir ein prächtiges Exem- 
plar, das ich im Sommer 1898 gepflanzt hatte. Es stammte 
aus den Kulturen der Villa Cocotier im Golfe-Juan und hatte 
damals einen etwa 1.70 m hohen Stamm. Im freien Lande 
entwickelte sie sich prächtig, die Blätter wurden zusehends 
größer, der Stamm nahm jährlich an Höhe und Umfang zu. 
Bald zeigten sich auch Blüten, denen Früchte mit keimfähigem 
Samen folgten, die mehrere Jahre im Samenkatalog unent- 
geltlich angeboten und ausgetauscht wurden. Selbst der 
sehr kalte Winter des Jahres 1901 wurde von der Pflanze 
gut vertragen, so daß sie völlig gesichert erschien, aber da 
fiel sie plötzlich dem weit weniger kalten Winter von 1905 
zum Opfer. Der Platz, an dem sie stand, war in Rücksicht 
auf die landschaftliche Wirkung der äußerst schönen Palme 
gewählt und leider etwas zu frei. An geschützterer Stelle 
würde sie gewiß auch diesen Winter unbeschadet ertragen 
haben. In dem von mir schon mehrfach genannten Garten 
der Villa Hindoue in Mentone-Garavan, wo sie zwischen 
der hohen, von mächtigen Ficus macrophylla-Bäumen über- 
schatteten Gartenmauer und dem Wohnhause gepflanzt war, 
hat sie alle Winter ohne jeglichen Schaden ausgehalten, und 
ist inzwischen sicher nicht zurückgegangen. Auch dieses Exem- 
plar blühte und fruchtete alljährlich. 

Auch in unseren Glashäusern sind schöne ausgewachsene 
Exemplare der Archontophoenix Cunninghamiana keine zu 
große Seltenheit. Sie bringt selbst hier Blüten und Früchte 
und kann aus diesen leicht vermehrt werden. Der Stamm 
erreicht etwa 30 cm Durchmesser am Grunde, verliert aber 
nie seine schlanke Eleganz; er ist grau und geringelt von den 
abgefallenen Blattbasen. Diese untersten Ringe sind etwa 
12 cm entfernt, die oberen stehen dann meist etwas näher 
beisammen. Die riesigen, schönen und regelmäßig gebauten 
Wedel sind bis über 4 m lang, am Grunde verbreitert sich 
der Blattstiel in eine ca. 60 — 70 cm lange, zylindrische, 
glatte, den Stamm ganz umfassende Blattscheide. Die Blüten 
entspringen unterhalb derselben. Der Blütenkolben ist ver- 
zweigt und trägt Blüten beiderlei Geschlechtes. Die etwas 
über erbsengroßen, kugelrunden, roten Früchte reifen nach 
wenigen Monaten. 

Eine zweite hierher gehörende Art wurde von Bowman 
an den Ufern des Fitz-Roy-Flusses in Ostaustralien gesammelt 
und eingeführt. F. Müller (Baron F. v. Müller), der be- 



rühmteste Erforscher der austra- 
lischen Flora und Direktor des 
Botanischen Gartens in Melbourne, 
benannte sie nach der damaligen 
englischen Kronprinzessin Alexan- 
dra von Dänemark (der Frau König 
Eduards Vll., des sogen. Peace- 
makers, d. h. „Friedenmachers" ?) 
Ptychosperma Alexandra. Sie erwies 
sich indessen bei genauerer Unter- 
suchung als eine Archontophoenix 
und mußte als A. Alexandrae zu 
dieser Gattung übergeführt werden. 
Diese zweite Art ist von glei- 
cher Eleganz wie die vorige. Sie 
unterscheidet sich von ihr in der 
Hauptsache durch die aschgraue 
Unterseite der Fiederblättchen und 
die etwas zugespitzten Früchte. 
Sie ist jedoch viel seltener in den 
Gärten anzutreffen. An der Riviera ist mir nur ein über 
10 m hohes, prachtvolles Exemplar bekannt gewesen, das in 
der Villa Niobe in Golfe Juan stand und gleichfalls Blüten 
und Früchte hervorbrachte. Sie war 1870 gepflanzt worden 
und stammte aus einer Gärtnerei in Gent. Außer diesen 
beiden Arten gibt es noch eine Archontophoenix Veitchii 
Wendl. u. Drude. 




Obstbau. 



Obstbaumschnitt. Ueber das Beschneiden der Obstbäume, 
abgesehen vom Formobst, ist man sich in Fachkreisen wohl im 
allgemeinen einig, es schneidet nur der eine stärker, der andere 
weniger stark. Auch die Zeit, die ein jeder für den Obstbau 
übrig hat, spricht darin mit. Es ist wohl unbestritten, daß viele 
Obstbäume reich tragen, die ganz ohne Schnitt bleiben, oder denen 
nur ab und zu ein unterdrückter Zweig, der Licht und Luft hemmt 
und unnütz mit ernährt wird, genommen wird. Ebenso unbestritten 
ist es aber wohl, daß bei solchen Bäumen bei der vielen dünnen 
Verzweigung viel kleines Obst geerntet wird, und nur wenig Früchte, 
die auf die Bezeichnung „Tafelobst" Anspruch erheben können. 
Allerdings gibt es immer Ausnahmen. 

Dickes oder einigermaßen gleichmäßiges Obst, namentlich Aepfel, 
erntet man dort, wo jeder Ast frei steht und von allem unnützen 
Gezweig befreit wird, in ähnlicher Weise wie bei der Formobst- 
zucht. Am leidRtesten läßt sich dies bei den Halbstämmen und 
Buschformen durchführen, doch muß dies von Anfang an geschehen. 
Natürlich ist der strenge Formschnitt dabei zu vermeiden ; wir 
brauchen mehr in die Breite wachsendes Holz, damit der Baum 
nicht zu wenig hergibt. Bei den Johannis- und Stachelbeersträuchern 
richtet man sich beim Schneiden nach ähnlichen Gesichtspunkten, 
denn auch hier richtet sich die Güte der einzelnen Frucht nach 
dem Maß der Freiheit des Fruchtholzes. Schlappe Triebe erstarken, 
wenn sie von kleinem Geäst befreit sind und können dann ihre 
Schuldigkeit tun. 

Ich erwähnte schon, daß der Schnitt zur Hervorbringung gleich- 
mäßigen Obstes von Anfang an geregelt werden muß. Will man 
einen Baum, der bisher ziemlich frei wuchs, jetzt auf einmal dazu 
bringen, so ist dies mehr eine Arbeit für die Zukunft, da mancher 
Fruchtzweig weggeschnitten werden muß, um Aeste mit kurzem 
Fruchtholz zu bekommen. Dies wäre in gegenwärtiger Zeit, wo 
alles auf schnelle Erzeugung ankommt, nicht zu verantworten, 
darum hüten wir uns jetzt vor „tiefeinschneidenden" Maßnahmen 
und behandeln unsere Obstbäume so, daß sie sofort wieder in 
der Lage sind, reichlich Obst zu liefern, und das geschieht durch 
Schonung aller Fruchtzweige, die unbedrückt ihre Aufgabe erfüllen 



XXI, 3 



Die Gartenwelt. 



27 



können. Ernten wir kleines Obst, das doch nicht zum Tafelobst 
gestempelt werden kann, so muß es zum geringeren Preise ab- 
gegeben werden und kommt dann den Minderbemittelten zugute. 
Ich lieferte in diesem Herbst einer reichen Berliner Familie einen 
Zentrier Boskoop und andere schöne eßbare Tafeläpfel. Bald teilten 
sie mir mit, die Aepfel wären alle, ich möchte mehr schicken. Ich 
fragte erstaunt, ob sie denn die vorzüglichen, großen Daueräpfel 
auch schon hätten essen können, worauf die Antwort erfolgte: Ja, 
die Grünen haben wir natürlich zu Mus verkocht. — Es waren tadel- 
lose, vielfach rotgestreifte Tafelfrüchte des Schönen von Boskoop. 

F. Steinemann. 

Stauden. 



Winterschutz für Alpenpflanzen. Was für merkwürdige 
gärtnerische Ratschläge unsere Tageszeitungen des öfteren ihren 
Lesern erteilen, darüber hat die „Gartenwelt'' schon manchmal in 
ernster und heiterer Form berichtet. Hierzu gestatte auch ich 
mir, einen kleinen Beitrag zu liefern : 

In einer großen süddeutschen Tageszeitung stand vor einiger 
Zeit eine wissenschaftliche Abhandlung, betitelt „Schnee und 
Pflanzenkeime", worin der günstige Einfluß des Schnees auf Samen 
und Pflanzen, bei letzteren hauptsächlich als deren Winterschutz, 
geschildert wird. 

Vieles, was darin gesagt wird, ist zweifellos richtig. Wenn 
der betr. Verfasser sich dabei aber zu der Behauptung versteigt, 
unsere Alpenpflanzen müßten im Flachlande, wolle man sie hier 
mit Erfolg kultivieren, im Gewächshaus überwintert werden, da 
sie sonst im Freien infolge der durch starke Temperaturschwankungen 
hier verursachten zeitweisen Schneelosigkeit nicht aushalten 
könnten, so ist dies doch zu stark, um unwidersprochen bleiben 
zu dürfen. Begründet wird obige Behauptung damit, daß Schnee 
der beste Pflanzenschutz sei, da unter der Schneedecke die Tem- 
peratur stets gleich bleibe. Dies sei auch die einzige Ursache, 
warum diese Pflanzen die strengsten Winter im Gebirge schadlos 
überdauerten, im Flachlande hingegen infolge zeitweisen Fehlens 
dieses temperaturregelnden Schutzes nach kurzer Lebenszeit zu- 
grunde gehen müßten. Im Gewächshause aber könne man die 
Temperatur nach Belieben regeln, und da es bei der Ueberwinterung 
dieser Pflanzen nicht auf eine bestimmte niedere Temperatur, 
sondern nur auf deren Gleichmäßigkeit ankäme, sei diese Art der 
Ueberwinterung die einzige Möglichkeit, hier Alpenpflanzenkultur 
mit Erfolg zu treiben. 

Offenbar hat der Verfasser dieser Abhandlung noch nie den 
Betrieb einer guten Staudengärtnerei oder die Behandlung und 
Pflege der Alpenanlagen unserer botanischen Gärten usw. gesehen, 
sonst würde er gewiß eines anderen belehrt worden sein. Daß 
im Flachlande viel alpine Staudengewächse ungeschützt im Winter 
Schaden leiden würden, ist wohl richtig und allgemein bekannt. 
Deshalb werden sie auch von fachmännischer Hand mit Winter- 
schutz versehen, aber nicht dadurch, daß man dieselben in ein 
Gewächshaus verbringt, sondern auf viel einfachere und bessere 
Weise dadurch, daß man sie an ihrem Standort einfach mit Fichten- 
oder Tannenzweigen bedeckt, besonders empfindliche Sachen viel- 
leicht noch mit etwas trockenem Laub umgibt. Durch diese Be- 
deckung und die damit verbundene Beschattung wird, ähnlich 
wie durch die Schneedecke, die Temperatur in unmittelbarer Nähe 
der Pflanzen so geregelt, daß das so schädliche rasche Auftauen 
und Wiedergefrieren verhindert wird. 

Auf diese Weise überwinterte Alpenpflanzen haben auch hier 
lange Lebensdauer und erfreuen sich des besten Wohlbefindens, 
was sie durch gesundes, freudiges Wachstum und reiches Blühen 
beweisen. Im Gewächshause überwinternde Alpenpflanzen aber 
würden, abgesehen von dem störenden Herausnehmen und Wieder- 
verpflanzen, durch vorzeitiges spilleriges Austreiben und Vergeilen 
der jungen Triebe geschwächt, nie und nimmer imstande sein, 
uns die eigenartige Schönheit ihrer Gattung zeigen zu können. 

Wenn aber trotz sachgemäßer Pflege gewisse Arten bei uns 
nicht recht gedeihen wollen, so kommt dies wohl daher, daß diesen 



im Flachlande eben doch nicht alles gegeben werden kann, was 
sie zu ihrem guten Gedeihen unbedingt benötigen, z. B. die lange 
Ruhezeit, die vorzügliche Gebirgsluft, die besondern Lichtverhältnisse 
u. dergl. mehr. Im Gewächshause würden sie dieses aber am 
allerwenigsten finden. 

Am vorzeitigen Absterben vieler Alpenpflanzen ist aber bei 
weitem nicht immer die falsche Ueberwinterung schuld, gewöhnlich 
sind es andere Fehler, die gemacht werden : Der Unkundige pflanzt 
regelmäßig in falsches, gewöhnlich zu fettes Erdreich und kann 
natürlich nicht begreifen, warum dieses Pflänzchen in diesem „aus- 
gezeichneten Boden" nicht gedeihen will. Oder es werden Schatten 
und Feuchtigkeit liebende Arten auf sonnige, trockene Stellen 
gepflanzt und umgekehrt. Wenn dann solche verkehrt behandelten 
Pflanzen wirklich den Sommer mit Ach und Krach überdauert haben, 
um im kommenden Winter zugrunde zu gehen, so liegt es sehr 
nahe, daß dann die Schuld dem bösen Winter aufgebürdet wird. 

L. Eubel, Amberg. 

Aus deutschen Gärten, 



Die neuen Kur- und Badeanlagen zu Aachen. 

Von Werner Radde, zzt. Essen (Ruhr). 

(Hierzu sechs Abbildungen, nach für die „Gartenwelt" gefertigten 

Aufnahmen.) 

In Nr. 33 der „Gartenwelt" vor. Jahrg. hatte ich bereits 
Gelegenheit, die neuen Kuranlagen des Bades Aachen den 
damaligen Verhältnissen entsprechend kurz zu beschreiben. 
Inzwischen sind dieselben jedoch vollständig fertiggestellt 
und stehen nunmehr in ihrer gesamten Ausdehnung den er- 
holungsbedürftigen Kurgästen zur Verfügung. 

Erwähnt sei nochmals, daß die gesamten Haupt- und Garten- 
gebäude von der Firma Karl Stöhr, Architekturbüro und 
Baugeschäft in München, entworfen und ausgeführt wurden, 
die gärtnerischen Anlagen hingegen unter Leitung ihres 
Schöpfers, des Herrn Stadtgartendirektors We ßberge , ent- 
standen. In liebepswürdiger Weise erteilte mir Herr Kom- 
merzienrat Stöhr die Erlaubnis, die beistehend zum Ab- 
druck gebrachten Photographien zu veröffentlichen, wofür 
ich ihm an dieser Stella meinen verbindlidisten Dank zum 
Ausdruck bringe. 

Betritt man den Kurgarten von der Monheimsallee, so 
erblickt man das inmitten des Parkes liegende Kurhaus, 
welches sich mit seinen jonischen Säulen malerisch in dem 
vorgelagerten Wasserbecken spiegelt (Abb. Seite 28, oben), 
während sich zur Linken der Parkseite des Palasthotels der 
„Aachener Quellenhof" erhebt (Abb. gleiche Seite, unten). 

Im Zusammenhang mit dem Palasthotel und dem Bade- 
haus steht die Wandelhalle (Abb. Seite 31), in welcher sich 
auch der Thermalwassertrinkbrunnen befindet. Das Bade- 
haus umfaßt mehrere Schmuckhöfe, von denen Hof V mit 
seiner wasserspeienden bronzenen Säulenfigur besonders be- 
merkenswert ist (Abb. Seite 29). 

Die Wandelhalle soll bei unbeständigem Wetter und 
plötzlichen Regenfällen den Kurpark einigermaßen ersetzen, 
weshalb auf ihre Lage zum Park großer Wert gelegt wurde. 
Sie verbindet indirekt das Hotel mit dem Kurhaus, und 
liegt derart, daß man bei einer Promenade den straßenwärts 
gelegenen Teil des Kurgartens, sowie das Kurhaus (Abb. 
S. 28 u. 3 1) überblicken kann. Ferner ist ihr eine Blumenterrasse 
vorgelagert, auf der in süßem Rosenduft Stühle und Bänke 
nach ermattendem Thermalbad zur Ruhe und Rast einladen. 

Am Kurhaus vorbei erreicht man den an den rechten 
Flügel desselben anstoßenden Konzertplatz. Unter hohen 
Bäumen klingt einem hier, wie auf der Wirtschaftsterrasse 



28 



Die 



(Sft 



enwel t. 



XXI. 3 




Blick von der Wandelhalle auf das Kurhaus in Aachen. 

die aus dem nahen Pavillon schallende Musik entgegen. 
Abends wird der ganze Konzertplatz bei festlichen An- 
lässen, durch elektrische Bogenlampen und Papierlaternen er- 
leuchtet. In der Achse der Terrasse und des Konzertplatzes 
liegt das große runde Wasserbecken der Leuchtfontäne, 
durch dessen 25 m hoch hervorsprühenden, bunten Wasser- 
strahl das farbenfrohe Bild noch vervollständigt wird. 

In unmittelbarer Nähe des Konzertplatzes befindet sich 
auch der Kinderspielplatz. Derselbe liegt vertieft und wird 
von dem übrigen Teil des Parkes einerseits durch eine 
Balustrade getrennt, anderseits durch ein im Gartenbaustil 
gehaltenes Transformatorenhäuschen mit Zierbrunnen. Turn- 
und Spielgeräte sorgen zur Genüge für die Abwechslung 
und Kurzweil der Kleinen, so daß sie sich hier nach Herzens- 
lust ungestört vergnügen können. 

Bereits in dem nahe der Stadt gelegenen Kurgarten 
empfindet man, daß sich rings um die alte Kaiserstadt 
Aachen eine Kette von Hügeln und Bergen zieht. Umgeht 
man das Kurhaus und den Musikpavillon, so hat man den 
stark ansteigenden Wingertsberg vor sich, auf dem sich die 
Wetterwarte befindet. Durch geschickt angelegte terrassen- 
artige Gärten (Rosen- und Lesegarten) ist die sich anhebende 
Fläche überwunden worden. Ein früher abseits im Park 
stehender Brunnen, der Guaitabrunnen (benannt nach einem 
verdienstvollen Aachener Bürgermeister vornapoleonischer 
Zeit) wurde hierher verlegt und gleicht nunmehr recht glück- 
lich die Höhenunterschiede der beiden Gärten aus. 

Durch die Sondergärten, vorbei am Finkenteich, über 
schattige Parkwege (Abb. Seite 29), wo rechts und links 
manch dendrologisch bemerkenswerter Baum auffällt, kommt 
man zu den vier, pergolaartig eingefriedigten Tennisplätzen, 
auf deren elastischer Spielfläche muntere Paare in fried- 
lichem Kampf Wettstreiten. Ein hübsch angelegtes Tennis- 
haus sorgt für den Aufenthalt der Spieler und die Unter- 
bringung der Geräte und Kleider. 

Schließlich sind vom neuen Kurpark aus auch die bota- 
nischen Gärten und die Palmen- und Treibhäuser der Stadt- 
gärtnerei zugängig, so daß er alles enthält, um einem bal- 
digen Aufschwung des Kurbetriebes gewachsen zu sein. 



Landschaftsgärtnerei. 

Parkpolitik nach dem Kriege. 

Von Gartenarchitekt D. W. B. Hermann Koenig, Hamburg. 
(Schluß.) 
Dem uns allen so sehr sympathischen Gedanken des 
„Jugendpark" wohnt ohne Zweifel eine starke werbende 
Kraft inne ; das Schlagwort von dem Zeitalter des Kindes 
fand in diesen Tagen der noch nie dagewesenen Bean- 
spruchung von Menschenleben in der Jugendparkidee eine 
glückliche Resonnanz. Wenn die eigentlichen Sieger des 
Kampfes, unsere heranwachsende Jugend, ein neues, festes 
Fundament des Vaterlandes bilden sollen, dessen wir ja nach 
dem Kriege mehr denn je bedürfen, so haben wir natürlich 
auch die Pflicht, '-chon heute alles Denkbare und Mögliche 
zu tun, um die Zukunft unseres Volkes sicher zu stellen, 
darum findet alles, was bisher über den Jugendpark ge- 
sprochen und geschrieben wurde, so allseitigen Beifall, doch 
möchte ich davor warnen, über dem Naheliegenden noch 
Näherliegendes, über einer großen Geste etwas Selbstver- 
ständliches zu vergessen. Zu dem „Jugendpark" haben sich 
heute schon viele Fachleute und Laien, Lehrer und Lernende 
geäußert, fertige Pläne und Beschreibungen haben uns die 
Vielseitigkeit dieser Idee vor Augen geführt ; die Jugend 
auf dem Spielplatz, die Jugend im Sonnenbad, die Jugend 
als Wehrkraft, kurz, Jugend überall. Heil unseren Enkeln! 
Ueber die Erwachsenen erfahren wir hierbei wenig, doch 
nehme ich an, daß sie aus diesen Parks nicht ganz verbannt 
sind und ihnen wenigstens die bescheidene Statistenrolle des 
Zuschauers verbleibt. Immerhin, der erwachsene Bürger findet 
wohl in den üblichen öffentlichen Anlagen seine Erholung. 
Also, der heranwachsenden Jugend die Zukunft, doch wo 
hört die Jugend auf? Der 17jährige Kriegsfreiwillige, der 
als halbes Kind hinauszog und nun vielleicht als Invalide 
heimkehrt, wo findet der seinen Jugendpark? Werden wir 
es für richtig finden, daß nun diese jungen' Kämpfer sich 



,.•1 




aikhLii^ CS Palasthotels Aachener Quellenhof. 



XXI, 3 



Die G a r t e n w e 1 1. 



29 



mit traurigen Gefühlen unter die Ge- 
nossen ihrer Jugend mischen, die heil 
und gesund, glücklicheren Lebens- 
bedingungen entgegengehen? Muß 
nicht schon hier der Kriegsiuvalide 
enttäuscht werden, wird er es nicht 
als Symbol deuten, daß er wie hier, 
so auch im Kampf ums Dasein den 
Wettbewerb mit seinen Altersgenossen 
nicht mehr aufnehmen kann? Unsere, 
wie ich dankbar selbst empfunden, 
so vorzüglich geleiteten Lazarette und 
die hohe Kunst der Aerzte haben 
manches schier Unmögliche möglich 
gemacht und manchen tapferen Streiter 
am Leben erhalten, aber innerlich 
und äußerlich Verletzte sehen wir ja 
schon täglich genug und werden wir 
nach Friedensschluß noch viel mehr 
zu sehen bekommen. Viele von ihnen 
werden noch lange Rekonvaleszenten, 
manche wohl Zeit ihres Lebens krank 
bleiben ; sollen sie nun die Bänke 
unserer vom Straßenstaub geplagten 
Promenaden bevölkern oder sich in 
Hast den Platz im überfüllten Straßen- 
bahnwagen nach dem Stadtpark, im 
Wettbewerb mit Gesunden er- 
kämpfen? Wie viel der Herrschaft 

über ihre Glieder Beraubte müssen auf den versöhnenden 
Anblick der Natur.^auf den erheiternden Eindruck der Blume, 
auf die gesunde Wirkung der frischen Luft verzichten, weil 
sie keinen ständigen Wärter bezahlen können, der sie weit 
hinaus in den Stadtpark^fährt und 
dort ihrer wartet, bis die unter- 
gehende Sonne zum Heimfahren 
auffordert. Besitzen wir ein Mittel 
und gibt es einen Weg, um jenen, 
die doch den ersten Anspruch auf 
unsere Dankbarkeit haben, den 
ungestörten Genuß heiterer Som- 
mertage zu vermitteln , sie der 
heilenden Kraft der Sonne aus- 
zusetzen oder von Fall zu Fall 
der belebenden Frische des Wassers 
teilhaftig werden zu lassen, so ist 
es fraglos unsere Pflicht, dieses 
Mittel zu benutzen und diesen 
Weg^ einzuschlagen. Der Weg 
führt zum Invalidenpark. 

Der Begriff des Invaliden löst 
bei uns Gedanken an alte, mit 
mancherlei Gebrechen behaftete, 
lebensmüde Männer aus und wir 
können es uns;,nicht deutlich genug 
machen, was es für Menschen in 
der Blüte ihrer Jahre bedeutet, 
mit der Gewißheit durchs Leben 
zu gehen, ^niemals wieder ihre Ge- 
sundheit zurückzuerhalten. Es ist 
ja fraglos, daß auch hier ein starker 
Qeist über einen schwachen Körper 




Hof V des Badehauses 




Parkweg zu den Tennisplätzen 



triumphieren wird, doch wird der 
Mensch das seelische Gleichgewicht 
am ehesten im ungestörten Verkehr 
mit der Natur und im Genuß ihrer 
ewig gleichbleibenden Schönheit wie- 
derfinden; wenn es also gelingt, diesen 
Invaliden die Möglichkeit zu bieten, 
sich in Stunden körperlicher und 
seelischer Erregungen in die Arme 
der Natur zu flüchten, dadurch inner- 
lich ausgeglicheneMenschen zu schaffen , 
so haben wir unendlich viel erreicht. 
Die überall erstehenden Kriegerheim- 
stätten verfolgen denselben Gedanken- 
gang, doch setzen sie eine gewisse 
Arbeitsfähigkeit des Ansiedlers vor- 
aus, auch können naturgemäß nur 
ein Teil verschiedene Voraussetzungen 
erfüllende Krieger angesiedelt werden. 
Unsere moralische Pflicht gegenüber 
den Kriegsverletzten ist ja unbestritten, 
wirtschaftliche Erwägungen sollten 
hierbei kaum noch mitsprechen, doch 
möchte ich auch diese Seite meines 
Vorschlages beleuchten. Der Frieden 
wird unser gesamtes Geschäftsleben 
vor eine Fülle der gewaltigsten Auf- 
gaben stellen, der Mangel an Arbeits- 
kräften wird überall, im Kontor und 
auf der Baustelle, im Bergwerk, auf der Werft, in der Fabrik 
wie im Konstruktionsbüro, stark bemerkbar werden, wir 
haben also auch wirtschaftlich betrachtet allen Grund, die 
kostbare Arbeitskraft des Einzelnen zu erhalten oder sie so 

rasch als möglich wieder dem 
Wirtschaftsbetriebe dienstbar zu 
machen. Viele Kriegsverletzte 
werden nun zunächst nur tage- 
weise oder auch nur vormittags 
arbeiten können, um dann den 
Nachmittag zu ihrer Heilung und 
Kräftigung im Invalidenpark zu- 
zubringen. Unsere dürftigen Ein- 
richtungen für diese Art der 
Massenheilung und Erstarkung, 
unsere kärglidien, kümmerlich 
dem Stadtkörper abgerungenen 
Fleckchen Sonnenbäder, die, weiß 
Gott wie weit, vom Stadtzentrum 
entfernt liegen, unsere besdiei- 
denen Badegelegenheiten werden 
hier nicht ausreichen. In mittleren 
und kleineren Städten ließe sich 
mit entsprechenden Eingriffen in 
bestehende Parkanlagen (Stadt- 
park) oder Erweiterungen vor- 
handener Einrichtungen schon 
etwas erreichen, in den Groß- 
städten genügen natürlich der- 
artige Provisorien nicht , hier 
müssen wir zur Schaffung ihrem 
Zwecke entsprechender Parkan- 
lagen übergehen. 




30 



Die Garten weit. 



XXI, 3 



Da die Voraussetzungen des „Invalidenparks" ganz andere 
als die des „Jugendparks" oder auch des Volksparks sind, 
so werden auch ihre Ausdrucksmittel andere sein. Der 
„Invalidenpark" ist ein „Genesungspark", seine Besucher 
sind Kranke und Schwache; dies erfordert mancherlei und 
besondere Einriditungen. Hier werden unsere Erfahrungen 
mit Krankenhausgärten in Anwendung kommen müssen. 
Jugend- und Invalidenpark als Ganzes, selbst wenn auch 
natürlich mit enispredienden räumlichen Trennungen, zu 
schaffen, wird sich kaum empfehlen, der Jugend fehlt das 
Verständnis für Tragik, außerdem brauchen die Kranken vor 
allem Ruhe, und der Jugendpark wird, soll er seinen Zweck 
erfüllen, von Jubelrufen, frohem Lachen und Volksliederklang 
widerhallen. Die Wahl kürzester Entfernungen vom Stadt- 
zentrum ist für den Invalidenpark unbedingt geboten. Eine 
geräumige alkoholfreie Erfrisdiungshalle, mit gegen Zugluft 
geschützten Veranden, Liegehallen, die je nach dem Stand 
der Sonne zu benutzen sind, mehrere Sonnenbäder, Ge- 
legenheit zum Baden im Freien, sowie auch ein Badehaus 
zur Benutzung warmer Bäder, eine Bücherausgabe, sowie 
luftige, bei schlechtem Wetter zu benutzende Leseräume, 
(geschützte Glasveranden), das wären so die wesentlichsten 
Erfordernisse. Krankenfahrstühle mit Bedienung sollen stunden- 
weise zu vermieten sein. (Irgend eine Stiftung würde sich 
wohl bald finden, die eine Bezahlung der Miete für die 
Stühle und die Bedienung überflüssig macht.) Lauben- 
gänge und entsprechende Pflanzungen, geschützte Liegerasen- 
piäize, schattige Alleen und Lauben, Ballspielplätze, Plätze 
und Einrichtungen für alle Arten der Körpergymnastik, ab- 
wechselungsreiche Spaziergänge im Laub- und Nadelwald, 
größere Rundfahrten, Gelegenheit zum Rudern, müssen vor- 
handen sein. -Auch die erheiternde Schönheit der Blume 
in Gestalt von Rosen- und Staudengärten können wir hier 
nidit entbehren. Eine ständige ärztliche Beaufsichtigung ist 
unerläßlich. 

Ein Teil des Invalidenparks könnte auch, unter Berück- 
sichtigung gewisser räumlicher Trennungen, zum „Alten- 
Park" ausgestaltet werden. Die Alten, denen der Krieg 
die Stütze ihres Alters raubte, auch sie haben Anspruch auf 
unseren Dank und unsere Fürsorge. Ruhe, Wald und Rasen, 
ein Blumengarten, in dem Rosen, sowie unsere schönen alten 
Stauden, wie Maiven und Phlox, Erinnerungen an glück- 
liche Tage auslösen, werden hier die einfachen Gestaltungs- 
mittel sein. 

Die Zeit und der Tod heilen alle Wunden , so daß 
wir eines Tages des Invalidenparkes für unsere Krieger nicht 
mehr bedürfen werden. Ein neues, kräftiges Geschlecht wird 
herangewachsen sein, und so werden seine Einrichtungen, 
wenn wir kulturell schon so weit fortgeschritten sind, den 
Invaliden des Lebens und der Industrie, den vielen Kranken 
und Schwachen dienen. Der Weg zum Invaliden- oder wenn 
man so will, „Genesungspark", ist der Weg wahrer Menschen- 
liebe, sei es der dankenden Liebe gegen unsere Kämpfer 
oder der barmherzigen Liebe gegen alle Kranken, Müden 
und Schwachen. Jede Stadt sollte solch einen Genesungs- 
park besitzen, in dem der Schwache erstarken und der Kranke 
genesen kann. 

Der Jugendpark ist zweifelsohne ein glücklicher und 
sicherer Wechsel auf die Zukunft, der Invalidenpark aber die 
einfache Begleichung einer Schuld. 



Gehölze. 



Allerlei Statistisches und Dendrologisches aus 

dem Baumschulverzeichnis von Herrn. A. Hesse 

in Weener. 

I. 

Das Erscheinen des neuen Preisverzeichnisses der Baum- 
schulen des um die Gehölzkunde, namentlich um die Ver- 
breitung fremdländischer Bäume und Sträucher, so außer- 
ordentlich verdienten Kommerzienrats Hesse in Weener an 
der Ems bedeutet für mich stets ein Ereignis, und ich glaube, 
wie mir, so wird es auch noch manchen anderen damit ergehen. 
Denn dieses Verzeichnis bietet nicht nur eine Fundgrube für 
jeden Gehölzfreund, sondern auch seine ganze Bearbeitung 
stellt es an die Spitze der Katalogliteratur, soweit sie Zier- 
bäume und Ziersträucher umfaßt. So habe ich mich auch 
in diesem Jahre mehrere Stunden lang liebevoll in das Ver- 
zeichnis versenkt und als Frucht dieser kleinen Mühe, die 
zugleich ein Genuß war, biete ich zunächst einmal einige 
statistische Angaben, die nicht ganz uninteressant sind. 

Ich konnte zunächst feststellen, daß im ganzen 254 Laub- 
holzgattungen angeboten werden, die sich auf etwa 75 Familien 
verteilen, dazu treten noch 18 Koniferengeschlechter. Be- 
trachten wir nun in bezug auf das Zahlenverhältnis die ver- 
schiedenen Gattungen, so marschieren die Ahorne mit 118 
Arten, Abarten und Formen an der Spitze, es folgen die 
Loniceren (einschließlich der schlingenden) mit 102, die Spier- 
sträucher mit 96, Flieder (einschließlich der einfachen und 
gefüllten Hybriden) mit 80, Philadelphus mit 73, Berberitzen 
mit 71, Prunus mit 67, Rhododendron (ausschließlich der 
Hybriden) mit 66, Diervilla (Weigelien) mit 64 Arten und 
Formen; die Zierstachel- und Johannisbeeren sind mit 61 
Arten vertreten, dann folgt Viburnum mit 59 Arten, von 
Deutzien beherbergt das Verzeichnis 54 Arten und Abarten. 
Die Ilexsammlung tritt uns mit 47 verschiedenen Namen 
entgegen, und ebenso weisen die Hartringel mit 40 Arten 
einen hohen Stand auf. Kein anderes deutsches Gehölz- 
verzeichnis kann sich einer solchen artenreichen Cotoneaster- 
Sammlung rühmen, nämlich 38, während die Crataegus hinter 
dieser Zahl nur um eine Nummer zurückbleiben. Die Eichen 
sind durch 35, die Weiden durch 31 Arten vertreten, wozu 
noch 11 unbestimmte chinesische kommen. Die Sammlung der 
Liguster weist 29, die der Sorbus 28 Namen auf, Brombeeren 
und Himbeeren zählen mit 27, Ulmen ebensoviel, Evonymus 
und Magnolien mit je 26 Namen. Durch Reichhaltigkeit zeichnet 
sich auch Daphne aus, von der das Hessesche Verzeichnis 
22 anbietet, während Pappeln 21, Hydrangea- Arten und 
Formen 20 Nummern aufweisen. Die Linden mit 14 ver- 
schiedenen Arten usw. mögen den Abschluß bilden. 

Unter den Schlingpflanzen fallen durch ihre Sortenzahl 
besonders Clematis, Hedera und Ampelopsis auf. 

Alle Gehölzfreunde und -kenner wissen, daß kein Land 
der Erde uns im letzten Jahrzehnt eine so große Ausbeute 
an neuen Bäumen, Sträuchern und Stauden geliefert hat als 
China, und dieser geradezu fabelhafte Reichtum dürfte noch 
lange nicht versiegt sein, wenn wir in Betracht ziehen, daß 
dieses Riesenreich noch unendliclie Strecken birgt, die noch 
keines Europäers Fuß betreten hat, und die botanisch auch 
völliges Neuland darstellen. 

Es ist daher ein ganz besonderes Verdienst des Eigen- 
tümers der Weener Baumschulen, daß er bestrebt ist, uns 
diese Sdiätze zugänglich zu machen. Wenn auch manches 



XXI. 3 



Die Gartenwelt. 



31 



darunter nur wissenschaftlichen Wert besitzt, anderes wieder 
für unser Klima nicht geeignet sein dürfte, so mindert das 
den Wert der Einführung in keiner Weise. Man darf eben 
nicht jede Neueinführung nur vom reinen Standpunkte des 
Geldverdienens aus betrachten, es gibt auch noch andere 
Rücksichten. 

Bereits im vorigen Jahre führte das Hessesche Ver- 
zeichnis 100 Namen chinesischer Gehölze auf, die vornehmlich 
durch den bekannten botanischen Reisenden Wilson nach 




Das Aachener Kurhaus von der Monheimshalle 
aus gesehen. 



Glücklich ist Steinemann zu preisen, da ihm die Sperlinge 
am wenigsten schaden. Ich halte sie für den schädlichsten 
aller Vögel. Das kann besonders der Großstädter empfinden. 
Dort hält sich das Gesindel auch am meisten auf. Meine Mutter 
hatte ein Grundstück in der inneren Stadt. Dort gab es einen 
verhältnismäßig großen Garten, der aber rings von hohen Häusern 
oder haushohen Mauern umgeben war. Der edle Maurermeister 
hatte nicht vergessen, in mehreren Reihen übereinander Löcher im 
Gefüge der Backsteine zu hinterlassen, vermutlich um bei gegebener 
Gelegenheit seine Rüsthölzer bequem anbringen zu können. Diese 
Oeffnungen waren die Brulplätze für Sperlinge. Was taten diese 
lieblichen Strolche? 

Die ersten Krokus, die Leberblümchen wurden erbärmlich zer- 
pflückt. Keine Blüte blieb verschont ! Rings um die Pflanze fand 
man Teile einer bunten Pracht. Als Deckung der hohen Mauern 
waren sehr hohe Caraganen gepflanzt worden, die im Frühjahre 
zeitig ihr hellgrünes, zartes Laub treiben. Die Blättchen wurden 
von den Spatzen abgezwickt, so daß der Boden besät war mit 
jungen Blättchen. 

Von den ebenfalls zeitig blühenden Stachelbeersträuchern wurden 
die jungen Blüten halbiert oder ganz vernichtet. Die Birnbaum- 
blüten wurden schrecklich verwüstet. Hier liegt die Vermutung 
nahe, daß Freund Spatz auf den Blütenstecher (Anthonomus) Jagd 
gemacht habe. Das ist keine Entschuldigung für ihn, — wir 
lassen uns auch nicht den Kopf abnehmen, wenn wir Kopfweh 
haben. Es spielt für den Praktiker ja keine Rolle, aus welchen 
Gründen ein Tier uns Schaden macht, obgleich es den denkenden 
Menschen natürlich interessiert. Ich denke, wir haben es ein 
bißchen durch den Krieg verlernt sentimental zu sein . . . Dem 
Sperling gegenüber ist keinerlei Rührseligkeit am Platze. In diesem 
gepriesenen Garten war es natürlich unmöglich, Salat, Erbsen, 
Bohnen, — überhaupt Gemüse zu ziehen. Ich glaube in Schlesien 
ist es Lehrer Hiller in Brieg gewesen, der sich vor langer Zeit 
über den Schaden der Sperlinge in Schrift und Wort ausgelassen 
hat. Freilich genützt hat es nicht viel. Mir fällt dabei immer die 



Europa und den Vereinigten Staaten von Nordamerika ge- 
langten, in diesem Jahre sind es schon 31 mehr. 

Von anderen neuen und seltenen Vertretern der Baum- 
und Strauchwelt weist das diesjährige Verzeichnis 438 Namen 
auf. Also ein Angebot in Gehölzneuheiten, das wohl nicht 
mehr überboten werden kann. 

Bei den Nadelhölzern sind die Tannen mit 34, die 
Fichten mit 58, die Kiefern mit 40 Arten und Formen 
vertreten; einer ganz besonderen Reichhaltigkeit erfreuen sich 
Chamaecyparis mit 96, Juniperus mit 42, Taxus mit 27 und 
Thuya mit 35 Namen. 

Auf einige der bemerkenswertesten Neuheiten werden 
wir in einem Folgeartikel zurückkommen, heute nur noch 
das eine : das Hessesche Verzeichnis bedeutet mit seinen 
rund 300 Seiten für jeden, der sich mit Gehölzkunde ernstlich 
abgibt, ein wertvolles Nachschlagebuch, das wohl keinen im 
Stich lassen dürfte ; es stellt eine Arbeitsleistung dar, in der 
deutscher Fleiß, deutsches Streben und deutsche Gründlichkeit 
so recht zum Ausdruck gelangen ! H. Dolz. 



Vogelschutz. 

„Aber was uns nützt, bringt uns anderseits auch oft Schaden", 
ist von F. Steinemann in der „Gartenwelt", Nummer 48 in diesem 
Jahrgange mit Recht gesagt worden. Man spricht nicht umsonst 
von der „Kehrseite der Medaille" oder, „wo viel Licht ist, ist 
auch viel Schatten". Nun, damit müssen wir uns abfinden. Ab- 
solut „nützliche" Tiere gibt es eben nicht! Fast hätte ich gesagt, 
Gott sei Dank ! 

Häufig wird auch der indirekte Schaden oder Nutzen völlig 
übersehen. Es ist so wie bei den Nebenwirkungen der Arzneien. 




Die Wandelhalle in Aachen. 

traurige Lesebuchgeschichte von den Sperlingen und Friedrich dem 
Großen ein. (Diese Schwindelgeschichte stand tatsächlich in 
früherer Zeit in den preußischen Schullesebüchern.) Also: Der 
alte Fritz liebte sehr die Kirschen. In einem Jahre war die Ernte 
knapp und „sein Gärtner" entschuldigte sich damit, daß er sagte, 
die Sperlinge hätten zuviel davon vernichtet. Friedrich ordnete 



32 



Die Gartenwelt. 



XXI, 3 



sofort die Vertilgung der Spatzen an, erinnerlich gegen eine Be- 
lohnung für jedes Stück. Folge : Im nächsten Jahre waren die 
Bäume kahl, weil die Raupen fressenden Sperlinge fehlten ! Diese 
VögelAen fressen wohl Raupen, aber sie dürfen bei Leibe keine 
Haare haben. Und gerade die sdiädlicäisten Obstraupen sind 
behaart. (Ringelspinner, Schwammspinner, Goldafter und Sdiwan. 
Auch der Blaukopf, Episema (Diloba) coeruleocephala, eine Eule, 
ist geschützt durch schwarze Knöpfchen, deren jedes ein kurzes, 
schwarzes Haar trägt.) Der Schaden des Sperlings für Gärtnerei 
und Landwirtschaft ist sattsam bekannt. Dazu kommt aber auch, 
daß er jede Nisthöhle im Parke bezieht, die er nicht etwa dem 
stärkeren Stare überlassen muß. Steinemann sagt, daß die Meisen 
lieber in den Burgruinenlöchern als in Nistkästen brüten. Zunächst 
wäre die Frage erlaubt, warum man nicht lieber (Berlepsche) Nist- 
höhlen angebracht hat. In die früher beliebten Kästen zieht 
der Star, der Sperling und auch wohl das Rotschwänzchen ein. 
Meisen dürften sie nur in der größten Not annehmen. Aber 
selbst in die vorzüglichen Berlepschen Nisthöhlen gehen nach meiner 
Beobachtung die Meisen nicht gern hinein. Das macht sicher der 
Umstand, daß der Sperling früh genug Besitz ergreift und die 
Meisen durch seine Dreistigkeit vergrämt werden. Man darf aber 
auch nidit vergessen, daß die Höhlen den Meisen im Winter Schutz 
für die kalte Nacht gewähren, wo meist mehrere eng aneinander 
geschmiegt in einer Höhle sitzen. Dieser Umstand versöhnt dann 
schließlich auch wieder mit zwei sehr häßlichen Seiten der Berlepschen 
Nisthöhlen. Die erste ist die, daß die Bäume ruiniert werden, 
der zweite, daß die Deckel sehr unpraktisch sind. Sie lassen sich 
wohl leicht darauf schrauben, wenn man aber den Kasten reinigen 
und den Deckel abnehmen will, ist man wenig erbaut über diese 
zeitraubende und, — falls die Höhlen hoch angebracht sind, — 
auch nicht ungefährliche Sache. Sehr leicht ist es dagegen, — 
wie ich es leider öfter erfahren habe, — für den Vogelräuber. 
Ein einziger, kräftig geführter Schlag mit einem schweren Hammer 
oder Beilchen trennt den Deckel in Trümmern vom Gehäuse. Ich 
bin überzeugt, daß sich das leider nicht abändern lassen wird, ^ 
denn sonst wäre es wohl schon erfunden. Berlepsch meint freilich, 
ein Reinigen wäre nicht erforderlich und wirke störend. Aber 
wenn Freund Sperling seinen dreckigen Hausrat erst einmal in 
eine Höhle hereingeschleppt hat, so ist es nur der Star, der sie 
säubert. Wie notwendig es ist, die Kästen nachzusehen, weiß 
jeder, der im Garten oder Park solche Dinger hängen hat. Eine 
Nisthöhle fand ich vollgestopft mit — Eicheln, die andere mit 
getöteten Mäusen. Auch Wespen und Siebenschläfer suchen die 
Nistkästen und -Höhlen als Aufenthaltsraum auf. 

Das Schlaueste machte eine unserer größten Städte. Sie ließ 
eine größere Anzahl alter, hohler Eichen für eine schwere Summe 
ausmauern, um sie zu erhalten. Unzählige Fledermäuse und 
Eulen wurden dadurch ihrer Schlupfwinkel und Brutstätten beraubt, 
von den anderen Höhlenbrütern zu schweigen. Die Eulen sind 
zum Teil von den Arbeitern gefangen und getötet worden. Der 
Erfolg für die (übrigens geschützt stehenden) Bäume ist nur der, 
daß der Sturm sie nunmehr nicht so leicht umblasen kann. Der 
nicht erwünschte war der, daß das Ungeziefer Platz greifen konnte. 
Die Eiche allein leidet ja nur an etwa 200 derartigen Kostgängern. 
Kein anderer Baum ist davon so heimgesucht, wie die Eiche. Ich 
erinnere mich, daß in diesem Eichenhaine in einem der darauf 
folgenden Jahre die Raupenplage derart stark war, daß das Rieseln 
des Raupenkotes vde ein leichter Regenfall zu hören war. Leider 
kannte man damals noch zu wenig die Bestrebungen der Vocrel- 
schützer, sonst hätte man die Sache wohl doch unterlassen. Schade 
um das schöne Geld! Eine weitere Geldausgabe war nöti», 
denn es wurden Berlepsche Nisthöhlen aufgehängt. — 

Das Klagelied über die Amsel will nicht verstummen. Es ist 
tatsächlich notwendig, daß endlich einmal etwas geschieht. Die 
Regierung hat während der Kriegszeit vom 21. September bis 
31. Dezember 1916 den Dohnenstieg wieder erlaubt (!!). Wer 
das der Regierung vorgeschlagen haben mag, der .... Lassen 
wir den Hofrat Liebe in Gera über den Krammetsvogelfang sprechen: 
,,In den Dohnenstiegen werden die Vögel in Schlingen gefangen 



nnd auf eine meist grausame Weise zu Tode gebracht, namentlich 
wenn die Schlinge nicht an der richtigen Stelle hinter dem Kopfe 
gefaßt hat, oder wenn ein Bein, ein Flügel statt des Halses ge- 
fesselt wurde. Und wie viel andere Vögel laufen dabei mit unter, 
an deren Fange dem Jäger wenig oder gar nichts liegt I Da 
hängen an manchem Abende in den Schlingen mehr Rotkehlchen, 
Gimpel, Kernbeißer, Braunellen, Goldammer usw. als eigentliche 
Krammetsvögel." Leider ist dies nur zu wahr, denn nach genauen 
Aufzeichnungen in einem Teile des Regierungsbezirkes Kassel sind 
von 1000 gefangenen Vögeln mehr als 59 von Hundert Sing- 
drosseln gewesen, — Rotkehlchen und andere Vögel nicht mit- 
gezählt! Der Leipziger Zoologe Professor Marshall — bitte kein 
Engländer, — geboren den 6. September 1845 in Weimar, sagt 
hierzu : „Ein Vogel, ein Flieger an den Füßen gefesselt, es ist ein 
zu abscheulicher Gedanke! Ja, wenn wir darauf ange- 
wiesen wären, — — — aber so sind sie kostbare Leckerbissen 
für die bekannten oberen Zehntausend." 

Die Amsel wird mit zu dem jagdbaren Wild und zu den 
Krammetsvögeln gerechnet. Sie hat also ihre Schon- und Jagdzeit. 
Man sollte den Abschuß vom September bis zum März, ja im 
Osten und Norden unseres Vaterlandes noch länger gestatten. 
Denn sie ist unstreitig ein sehr lästiger und unnützer Vogel ge- 
worden. Hier nützen alle Schönfärbereien der berufenen und 
unberufenen Vogelschützer nidits. Ihre Schädlichkeit für den 
Gärtner ist hinreichend (auch wieder von Steinemaun) in der 
„Gartenwelt" gekennzeichnet worden. Zwei Dinge aber sind es, 
die nicht genügend gewürdigt werden. Erstens, daß sie andere 
Singvögel aus ihrem Brutbezirk verdrängt, weil sie selbst viel 
Nahrung braucht und als „großer" Vogel auch kräftig genug ist, 
sich die kleinen vom Halse zu halten. (Mit ihrer Schwester, der 
Singdrossel, scheint sie sich zu vertragen, ebenso fürchtet sie der 
Sperling nicht. Wie oft habe ich die Amsel mit gesenktem Kopfe 
gegen den Spatzen hüpfen gesehen, — der aber ein Stückchen 
weiter hin sich wieder niedersetzte.) 

Zweitens gehört sie zu den ärgsten Vertilgern des Regen- 
wurms, dieses überaus nützlichen Tieres. Was unter den Pflanzen 
die Eiche, unter den Vierfüßern der Hase („alles, alles will ihn 
fressen"), das ist unter den Würmern der Regenwurm. Es lauert 
tausendfacher Tod auf die armen Geschöpfe ! Einige Tiere sind 
in ihrer Nahrung direkt auf ihn angewiesen. Igel, Maulwurf, Spitz- 
maus, — Raubvögel, Singvögel, Hühner, Sumpf- und Schwimm- 
vögel, — die Schar ist zu groß, um sie zu zänlen, schätzen den 
Vater Lumbricus als Leckerbissen. Salamander, Tritonen und 
Kröten, nächtliche Tiere, wissen ihn zu schätzen, auch das Heer 
der Fische. Käfer, besonders Laufkäfer, Tausendfüßler machen 
erfolgreich Jagd auf ihn. Schon längst wäre das Geschlecht der 
Regenwürmer ausgestorben, hätte nicht der Schöpfer und weise 
Lenker aller Dinge für eine geradezu unglaublich dünkende Ver- 
mehrung des Regenwurmes gesorgt. Der Eierstodc eines Tieres S 
enthält 64 Millionen Eier. (Gezählt habe ich sie noch nicht, — " 
ich muß mich da auf Angaben unserer Forscher stützen.) Dazu 
kommt noch, daß Stücke des Wurmes sich wieder ergänzen 
(regenerieren). Femer sind alle Lumbricinen Zwitter, d. h. jeder 
Wurm kann nach Belieben männlich oder weiblich sein. — Noch 
in den achtziger Jahren war die Amsel nur als Zugvogel bekannt 
und hielt sich vom März bis zum Oktober bei uns auf. Die 
Schwarzdrossel hat wenig Feinde, doch scheint sie', den Eulen 
leicht zur Beute zu fallen, wie ich selbst beobachtete. Wegen 
ihres fast ständigen Aufenthalts auf dem Boden, um den Würmern 
und Käfern nachzugehen, wird ihr auch das Wiesel gefährlich. Da 
sie zweimal im Jahre zur Brut schreitet, ist auch für ihre Ver- 
mehrung mehr gesorgt, als bei den meisten anderen Vögeln. Der 
Breslauer zoologische Garten vertilgt die Amsel und hat nach den 
Berichten seines Direktors'seit dieser Zeit die annähernd doppelte 
Anzahl anderer seltener und nützlicherer Vögel. Jede Park- und 
Garten Verwaltung sollte dies beherzigen, zumal ja die Amsel des- 
wegen noch lange nicht in Gefahr schwebt, ausgerottet zu werden. 
Sie ist vorsichtig und schlau und weiß durch ein lautes Geschrei 
ihre Artgenossen und andere Vögel zu warnen, sehr zum Aerger 



XXI, 3 



Die Garte'nwelt. 



33 



des Jägers. Sie ergänzt sich außerdem immer wieder aus den 
Gärten und Vorgärten der Städte und, da ein Teil Zugvögel bleibt, 
auch wieder aus südlicheren Gegenden. Sperling und Amsel sollten 
daher in einem im Sinne des Vogelschutzes geleiteten Parke nach 
Möglichkeit vertilgt werden. St. 



Obstbau. 

Rheinlands Ruhm. Apfelneuheit Rheinlands. Diese in hiesiger 
Gegend vor 23 Jahren entstandene, von mir vor 6 Jahren der 
Oeffentlichkeit übergebene Apfelneuheit vereinigt in sich so viele 
gute Eigenschaften, daß sie ohne Uebertreibung als eine der aller- 
besten Sorten gelten kann. Der Baum wächst stark, ähnlich der 
Goldparmäne, ist sehr widerstandsfähig gegen Krankheiten und 
trägt sowohl auf Wildling als auf Zwergunterlage bereits als 
einjährige Veredlung in der Baumschule. Zu allen Formen geeignet, 
kann die Sorte als eine Idealsorte zur Buschobstkultur gelten. Die 
Blüte ist sehr widerstandsfähig gegen Spätfröste und übertrifft 
hierin die meisten anderen Sorten. Die Frucht ist groß, von edler 
Form, prachtvoll rot gefärbt, von gutem Geschmack. Die Reife 
tritt im Dezember ein und hält sich die Frucht vorzüglich bis April. 
Franz Jos. Krings, Millich bei Höckelhoven. 



Zeit- und Streitfragen. 

Zur Sicherung 
der diesjährigen Kartoffelerzeugung. 

Nichts ist In den Zeiten wachsender Kriegsnot unwesent- 
licher als den Gemeinsinn der produzierenden landwirtschaft- 
lichen Bevölkerung mit hochtönenden schönklingenden Reden 
zu heben. Um Besserung in unseren Ernährungsverhältnissen 
zu schaffen, müssen wir auch hier die Dinge nehmen wie sie 
sind und von der Landwirtschaft treibenden Bevölkerung nicht 
das verlangen, was uns kein anderer Stand heute bietet. 
Der Krieg ist eben kein Kulturmittel. 

Die Presse gibt uns aus vielen Gegenden bekannt, daß 
fast die meisten großen Güter im verflossenen Produktionsjahr 
nicht einmal so viel Kartoffeln angebaut haben, als sie selbst 
gebrauchen und daß von allem Getreide der am höchsten 
bezahlte Hafer eine vermehrte Produktionsfläche auf- 
zuweisen hat. In den Zeiten rascher Steigerung aller Er- 
nährungsmittel drängt es jeden Produzenten, zunächst für 
sich zu rechnen. Dieser naturgemäße äußere Zustand be- 
einflußt die Praxis der kleinen und großen Landwirte mit 
solch elementarer Gewalt durch das sonstige Geschäftsgebaren 
aller Gewerbsstände im Kriege derart, daß sich auch der 
sonst so selbständige konservative Landwirt im Kreise seiner 
häuslichen und sonstigen praktischen Mitarbeiter der Ein- 
wirkung der allgemeinen Preissteigerung fast aller Haus- 
und Lebensbedürfnisartikel gegenüber seiner eigenen Er- 
zeugung beim Absatz nicht entziehen kann. So klingen 
die Aeußerungen schon im voraus betreffs der diesjährigen 
Kartoffelsaat: „Kartoffeln zu setzen, lohnt sich bei den 
jetzigen Höchstpreisen schlecht." Das Wort „Produktions- 
zwang" hängt auch nur in der Luft. Die Ablieferung der 
über den eigenen Bedarf erzeugten Kartoffeln hat im ab- 
gelaufenen Wirtschaftsjahr manchen Zentner tief im geheimen 
und offenen Keller lange schlummern lassen, weil der Kartoffel- 
preis nicht demjenigen der sonstigen Nährmittel entsprach. 
In Speck umgesetzt haben die Kartoffeln bis jetzt auch ja 
einen höheren Gewinn gebracht. Das Hauptnahrungsmittel 
der Armen im voraus niedrig im Preise zu bemessen, bevor 



das Ergebnis der zum Teil noch ungünstigen Ernte feststand, 
war der erste Fehler. 

Allgemein zu predigen : Wir müssen in diesem Jahre 
mehr Kartoffeln anbauen, ohne jetzt schon zu sagen, daß der 
Kartoffelanbau sich durch frühzeitige Höchstpreisfestsetzung 
besser als jeder Körneranbau lohnen wird, ist als eine 
vollständige Verkennung der Kriegswirkungen auf jedem 
Produktionsgebiet zu bezeichnen. Das Brot der Armen, 
(die Kartoffel), ist in erster Linie berufen, betreffs der Er- 
nährung Zufriedenheit in die Hütte des Arbeiters zu tragen. 
Diesen Zweck zu erreichen, gibt es kein anderes praktisches 
Mittel als heute schon den Kartoffelhöchstpreis für dieses 
neue Jahr auf mindestens 15 Pf. pro Pfund für frühe und 
7 — 8 Pf. für späte Kartoffeln bis zum 1. November d. J. festzu- 
setzen, und dann diesen Preis allmählich mit dem schwinden- 
den Wert auf 6 und 5 M pro Zentner sinken zu lassen. Diese 
Maßnahme sichert unter allen Umständen zunächst die Ver- 
sorgung der Großstädte und ebenso die übrige Kellerversorgung 
der Nichtproduzenten. Wir sind mit manchen Maßnahmen auf 
dem Ernährungsgebiet zu spät gekommen. Damit die ärmere 
Bevölkerung im nächsten Jahre wenigstens Kartoffeln zu 
essen hat, wollen wir den üblichen praktischen Pro- 
duktionszwang der guten Bezahlung nicht länger un- 
berücksichtigt lassen. Gehandelt werden muß nach dieser 
Richtung ohne Säumen, bevor der Plan für die Sommer- 
produktion fertig ist. Der Kartoffelpreis spielt an sich 
heute die kleinste Rolle. Der Kochtopf der ärmeren 
Bevölkerung verlangt seine Rechte. Ob der Arbeiter für 
seinen täglichen Kartoffelverbrauch 15 — 20 Pf. mehr auf- 
wenden muß, ist betreffs der Bestreitung des Haushaltes 
vollständig belanglos, wenn er nur das haben kann, was 
zum täglichen gewohnten Lebensunterhalt gehört. Für den 
kleinen und mittleren Beamten und den gesamten gewerb- 
lichen Mittelstand gilt dasselbe. Esser. 

Nachruf. 



Otto Wilhelm Hübner f. 

Am frühen Nachmittag des 6. Januar haben wir ihn auf dem 
Steglitzer Friedhof bei frostigem Winterwetter und klarem Sonnen- 
schein zur letzten Ruhe gebettet. Otto Hübner hauchte in der 
Morgenfrühe des 2. Januar im Britzer Kreiskrankenhause in den 
Armen seiner Gattin, mit welcher er 24 Jahre in glücklicher 
Ehe gelebt , nach langem , schweren Leiden im vollendeten 
50. Lebensjahre sein Leben aus. Ein unheilbares Leberleiden 
wurde im Herbst vorigen Jahres festgestellt. Er war erschlafft 
und abgemagert, hielt aber seinen Zustand für eine Folgeerscheinung 
von Überarbeitung in Verbindung mit der jetzt ungenügenden Er- 
nährung und suchte deshalb erst spät ärztliche Hilfe auf. „Als aber 
schließlich", so schrieb er mir damals, „die wichtigsten Lebens- 
funktionen einfach aussetzten, mich Todesgedanken wie etwas Fest- 
stehendes, ohne mich aufzuregen, beherrschten, zog ich den Arzt 
zu Rate." Bis zum letzten Augenblick hatte man ihm die eigent- 
liche Ursache seiner Erkrankung verheimlicht und bis zuletzt hoffte 
er, seinen Lieben und seinem Beruf wieder zurückgegeben zu 
werden. Als ich ihn Mitte Dezember am Krankenlager besuchte, 
war er noch voller Hoffnung für die Zukunft, ich aber verließ ihn 
tiefbewegt, denn sein Zustand konnte bei mir keinen Zweifel mehr 
darüber aufkommen lassen, daß er das Krankenlager nicht wieder 
verlassen würde. Ich fand den vordem so aufrechten und starken 
Mann körperlich vollständig verfallen, aber geistig regsam. Noch 
als Sterbender bat er mich, ihm die Möglichkeit zu geistiger Be- 
tätigung zu vermitteln. Neun Wochen schon hatte er damals, 
ärztlicher Anordnung entsprechend, ständig auf dem Rücken liegen 
müssen ; rasende Schmerzen trug er mit Duldung. Seine ganze 



S4 



Die Gartenwelt 



XXI, 3 



Nahrung bestand in zwei Milchsuppen täghch. „Aber was heißt 
das", so schrieb er mir, „gegen die Leiden unserer Feldgrauen 
da draußen !" 

Seit vielen Jahren stand ich ihm freundschaftlich nahe. 
Mehrere dendrologische Jahresversammlungen mit den anschließenden 
Ausflügen haben wir gemeinsam mitgemacht, seine Anlagen im 
Kreise Teltow habe ich wiederholt besichtigt, wie auch er sich für 
meine eigenen Pflanzungen interessierte. Sein vorbildliches Familien- 
leben habe ich in seiner reizenden, am Teltowkanal belegenen 
Dienstvilla kennen gelernt. Häufig suchte er mich in der Redak- 
tion auf, um fachlichen Gedankenaustausch mit mir zu pflegen. Leider 
habe ich mich nie über seine frühere gärtnerische Tätigkeit mit ihm 
unterhalten; ich weiß nur, daß er am 18. 10. 67 in Köln geboren, ein 
ehemaliger Hörer der Geisenheimer Lehranstalt war (1885 und 86), 
bei der Garde gedient hatte und bereits auf eine gute gärtnerische 
Praxis zurückblicken konnte, als er am 1. April 1902 in die neu- 
begründete Stellung des Kreisobergärtners des Kreises Teltow 
berufen wurde. In dieser Stellung fand er einen vorzüglichen 
Vorgesetzten in dem Landrat von Stubenrauch, einem ehemaligen 
Schulkollegen Kaiser Wilhelm II. vom Gym- 
nasium in Cassel. Herr von Stubenrauch 
schenkte seinem Obergärtner bald das 
volle Vertrauen, das dieser verdiente, und 
in gemeinsamer Arbeit mit ihm konnten 
auch großzügige gärtnerische Anlagen im 
Kreise geschaffen werden, die man für das 
ganze Deutsche Reich als vorbildlich be- 
zeichnen darf. In die Amtstätigkeit des 
Herrn von Stubenrauch, der später in die 
Stellung des Polizeipräsidenten der Reichs- 
hauptstadt berufen wurde und leider all- 
zufrüh verstarb, fiel die Errichtung bezw. 
der Ausbau der großen Kreiskranken- 
häuser und unter anderem die Verwirk- 
lichung seines größten Planes, für den er 
jahrelang mit Einsetzung seiner ganzen 
Persönlichkeit eingetreten war, die Schaf- 
fung des Teltowkanals. Diese Schöpfungen 
stellten Herrn Hübner vor große Aufgaben. 
Die gärtnerischen Anlagen der Kreis- 
krankenhäuser, besonders der Ausbau und 
die Vergrößerung der Parkanlagen, Nutz- 
kulturen und die Errichtung der Gewächs- 
häuser im Stubenrauch-Kreiskrankenhause 
zu Lichterfelde, auch die Anlagen am Kaiser 
Wilhelm-Turm, dem schönsten Aussichts- 
punkt Großberlins, sind Hübners Werk. Bei 

der Licht enf eider Anlage konnte er auch seinen dendrologischen Neigun- 
gen nachgehen, denn der Park dieses Kreiskrankenhauses ist ein den- 
drologisches Schatzkästlein seltener Art, in welchem Hübner eine 
Fülle der interessantesten und wertvollsten Gehölze zu einem 
harmonischen Ganzen vereinigt hat. Hierüber hat die „Garten- 
welt" in Nr. 9, Jahrgang XIX, in Wort und Bild berichtet. 

Der neue Teltowkanal führt mitten durch den ehemaligen 
Teltowsee, der durch Auffüllung trockengelegt wurde. So ent- 
standen zwei ausgedehnte fruchtbare Flächen zu beiden Seiten des 
Kanals, auf welchen Herr Hübner eine mustergiltige Obstplantage 
angelegt hat. Seit 1915 wurde diese Plantage auch in den Dienst 
der Gemüseerzeugung gestellt. Kriegsgefangene arbeiten hier 
unter Mithilfe und Anleitung von Damen des Roten Kreuzes. 
Anfänglich war der Verstorbene über diese Mitarbeit des schönen 
Geschlechts nicht besonders erbaut, aber die Damen bewährten 
sich, erfüllten treu ihre Pflicht, und Hübner war ehrlich genug, 
nunmehr mir und anderen gegenüber mit seiner Anerkennung nicht 
zurückzuhalten. Er war eben ein gerader und offener Charakter, 
dem Gerechtigkeit über Alles ging. Man brauchte ihm nur in die 
treuen blauen Augen zu schauen, um ihn sofort liebzugewinnen. Aber 
er war zurückhaltend, nicht jedem ohne weiteres zugänglich; man 
mußte erst sein Vertrauen gewinnen, um ihn richtig kennen und 




Mm 



ganz verstehen zu lernen. Er war ein ungemein fleißiger Arbeiter, 
der beständig in seiner Berufstätigkeit aufging, dabei seinen An- 
gestellten ein wohlwollender Vorgesetzter, dem sie alle ohne Aus- 
nahme zugetan waren. Er huldigte dem Grundsatz, jedem seiner 
Untergebenen, der des Vertrauens würdig war, die größtmöglichste 
Selbständigkeit einzuräumen, und diesem Grundsatze sind seine 
Erfolge wesentlich mit zu verdanken. Die Nutzpflanzungen an 
den ausgedehnten Kanalböschungen des Kreises . und die damit 
abwechselnden Zieranlagen, weiterhin die ausgedehnten Straßen- 
pflanzungen des Kreises, sind musterhaft. Seine reichen Erfahrungen 
auf dem Gebiete der Straßenpflanzungen hat er in einer vorzüg- 
lichen Arbeit niedergelegt, die im Jahre 1914 unter dem Titel 
„Der Straßenbaum in der Stadt und auf dem Lande, seine Pflan- 
zung und Pflege sowie die erforderlichen Maßnahmen zu seinem 
Schutze" in Buchform erschien. Es war mir eine besondere Freude, 
die Verlagsbuchhandlung von Paul Parey für die Verlagsübernahme 
dieser Schrift gewinnen zu können. 

Nach Berufung des Landrates von Stubenrauch zum Polizei- 
präsidenten der Reichshauptstadt war es Hübner vergönnt, auch 
mit dessen Nachfolger, dem Herrn Land- 
rat von Achenbach, in seltener Harmonie 
weiterarbeiten zu können. 

Trotz ständiger Überlastung mit Amts- 
geschäften war Hübner auch im Interesse 
der Förderung unseres Berufes unermüdlich 
tätig. Zeitgemäße Abhandlungen von ihm 
sind nicht nur im Teltower Kreisblatt, 
sondern auch gelegentlich in großen Berliner 
Tageszeitungen erschienen. Mitarbeiter der 
„Gartenwelt" war er vom XIII. Jahrgang 
ab. Sein erster Beitrag war eine Abhand- 
lung über die Kolonie Hoffnungsthal. Im 
folgenden Jahre veröffentlichte er dann 
hier eine lehrreiche Arbeit über das Im- 
prägnieren von Baumpfählen und Zaun- 
stielen usw. nach dem Bouchery- Verfahren. 
Dann berichtete er u. a. in meiner Ver- 
tretung über die 21. Jahresversammlung 
der Deutschen Dendrologischen Gesell- 
schaft, über die Baumschulen von Hesse 
in Weener und über Erfolge mit fremd- 
ländischen Bäumen. Er war Mitbegründer 
der Kriegsgemüsebaugesellschaft und der 
Obstbauschutz - Vereinigung, ein eifriges 
Mitglied der Deutschen Dendrologischen 
Gesellschaft und auch der Deutschen Gar- 
tenbaugesellschaft, deren Präsidium er bis 
zum Herbst v. Js. angehörte. Dieses Ehrenamt legte er nicht aus 
Gesundheitsrücksichten, sondern aus anderen Gründen nieder, die 
er mir noch auf seinem Krankenlager eingehend darlegte. Wenn 
er in meiner Wertschätzung noch hätte gewinnen können, so wäre 
dies durch die Darlegung seiner Gründe, die ich wohl zu würdigen 
wußte, geschehen. Hübner war auch Mitbegründer und Geschäfts- 
führer der Obstverwertungsgesellschaft im Kreise Teltow. 

Eine ganz besondere Freude bereitete es ihm, als er als 
erster deutscher Gartenarchitekt ehrenamtlich zur Planung und 
Ausführung von Kriegerfriedhöfen im Bereiche einer Ersatz- 
Division im Westen an die Front berufen wurde. Zweimal reiste 
er nach dort. Dicht hinter der Kampffront entwarf er muster- 
gültige Pläne für die Kriegerfriedhöfe, die er mir nach seiner 
Rückkehr mit Stolz vorlegte, und noch auf seinem Krankenlager 
erzählte er mir, daß er alles restlos so weit vorbereitet habe, daß 
die Ausführung dieser Anlagen in seinem Geiste gesichert sei. 
Aber er begnügte sich nicht damit, seine ganze Kraft für diese 
vaterländische Aufgabe einzusetzen, er war auch ein eifriger 
Werber zur Beschaffung der notwendigen Geldmittel und des er- 
forderlichen Pflanzenmaterials, und schon Anfang Februar des 
vorigen Jahres konnte er mir mitteilen, daß es ihm gelungen sei, 
patriotisch gesinnte Baumschulenbesitzer und reiche Mitbürger zur 



Otto Wilhelm Hübner t 



XXI, 3 



Die Gartenwelt. 



35 



Leistung erheblicher Beihilfen in Geld und Pflanzen zu veran- 
lassen. 

Hübner hinterläßt neben der tiefgebeugten Witwe eine Tochter 
und drei Söhne, von welchen die beiden Altesten als Kriegsfrei- 
willige im Felde stehen, während der Jüngste noch die Schule 
besucht. Seine Beerdigung legte ein glänzendes Zeugnis für seine 
Beliebtheit ab. Die geräumige Kapelle des Steglitzer Friedhofes 
konnte noch nicht die Hälfte der Leidtragenden fassen. Neben 
Fachkollegen, Vertretern der Deutschen Gartenbaugesellschaft, der 
Vereinigung ehemaliger Geisenheimer u. a., erwiesen ihm die Kreis- 
behörden, an ihrer Spitze Baron von Rheinbaben als Vertreter des 
Landrates von Achenbach, die städtischen und Gemeindebehörden 
der Kreisstädte und -Ortschaften, die Beamten des Landratamtes, 
seine Untergebenen und viele andere Leidtragende die letzte Ehre. 
Der Sarg verschwand unter der Fülle herrlicher Kranzspenden, 
unter welchen mir u. a. die Kränze des Landrates, der Mit- 
arbeiter Hübners, der Obstverwertungsgenossenschaft und ein 
prächtiger Blütenkranz der Ärzte des Britzer Kreiskrankenhauses 
auffielen. Die Kapelle war reich mit Pflanzen geschmückt, der 
Weg von hier bis zu seiner letzten Ruhestätte mit Fichten- und 
Kirschlorbeerzweigen bestreut. 

Der Tod wütet furchtbar; im Felde verbluten die besten der 
jungen Generation, in der Heimat reißt er Lücken in die Reihen 
der Altern und Alten. Hübner ist viel zu früh für seine Familie 
und für uns abberufen worden. Er war noch voller Schaffens- 
freude. Ehre seinem Andenken. Max Hesdörffer. 



Dem verstorbenen Garteninspektor Ernst Rettig in Jena, 
dessen ich in Nr. 2 gedacht habe, widmet Professor Ernst Stahl, 
der Direktor des dortigen Botanischen Gartens, nachfolgenden 
ehrenvollen Nachruf in der Jenaer Zeitung: 

„Am 31. Dezember verschied nach langem schweren Siechtum 
im 57. Lebensjahre der Großh. Garteninspektor Ernst Rettig. 
Ueber 30 Jahre hat der unermüdlich tätige, vortreffliche Mann in 
unserem anmutigen Garten gewirkt, mit Erfolg bemüht, nicht nur 
den wissenschaftlichen Anforderungen gerecht zu sein, sondern 
auch den Anforderungen des Schönheitssinns. Rettig hat sein 
Amt angetreten im Juli 1886, als Nachfolger des hochgeschätzten 
Garteninspektors L. Maurer, dem die jetzige, dem unebenen Ge- 
lände so geschickt angepaßte Anlage des von den Gewächshäusern 
bis zum Bibliotheksplatz erweiterten Gartens zu danken ist. Schon 
nach wenigen Jahren galt der noch junge Mann als einer der 
tüchtigsten Garteninspektoren, eine Stellung, die sehr hohe An- 
sprüche an ihre Vertreter stellt, da sie nicht nur allgemeingärt- 
nerische Fähigkeiten besitzen, sondern auch gewillt sein müssen, 
sie der Wissenschaft dienstbar zu machen. Die reichen Pflanzen- 
schätze, die in manchem anderen, über größere Mittel verfügenden 
Garten vergebens gesucht werden, die mustergültige Ordnung, 
die peinliche Sauberkeit der Beete und Wege brachten ihm freudige 
Anerkennung ein von selten der Besucher und, was ihn besonders 
erfreute, von selten auswärtiger Gartendirektoren. In gärtnerischen 
Kreisen war Rettig als Kultivator hochgeschätzt. Seiner liebevollen 
Fürsorge gelang es, in den Glashäusern mancherlei merkwürdige, 
schwer zu behandelnde, der sachkundigsten Pflege bedürfende 
Seltenheiten zu ziehen. Als Schriftsteller hat er, neben Aufsätzen 
gärtnerischen Inhalts, eine von kritischem Geist durchdrungene 
Abhandlung über die noch immer strittigen Beziehungen zwischen 
Pflanzen und Ameisen veröffentlicht. Das Hinscheiden von Ernst 
Rettig bedeutet einen schmerzlichen, in diesen Kriegszeiten doppelt 
schweren Verlust für den Botanischen Garten unserer Universität. 
Als dessen Direktor, der ich mich der langjährigen, niemals ge- 
trübten, freudigen Mitarbeit des Verblichenen erfreuen durfte, 
bekunde ich hiermit die innigsten Gefühle des Dankes für die 
treuen, erfolgreichen Dienste, welche der auch als Mensch von mir 
so hoch bewertete Mann dem seiner Obhut anvertrauten Garten 
geleistet hat." 

Aus der Fachpresse, 

Tlialackers Allgemeine Samen- und Pflanzenofferte, Berlin, 
trat am 1. d. M. in ihren 50. Jahrgang. Sie ist das älteste 



gärtnerische Offertenblatt, begründet von Beruh. Thalacker im 
Jahre 1867. Der Begründer war damals Handelsgärtner in Erfurt, 
wo er am 1. Juni 1827 als Sohn eines Ratsbeamten geboren 
wurde. 1870 siedelte Beruh. Thalacker nach Leipzig-Gohlis über. 
Nach seinem Tode übernahm sein Sohn 1888 das Blatt, dem er 
später den „Handelsgärtner" beifügte. Im Jahre 1910 ging 
Thalackers Samen- und Pflanzenofferte mit Thalackers Adreßbuch 
und Kalender durch Kauf in den Besitz von Dr. Ernst Himmel 
über, der sie mit dem Prokuristen Max Schröder im Sinne der 
Vorgänger weiterführt. 

Aus Anlaß des Jubiläums ist eine Festschrift mit dem Bilde 
des Begründers erschienen, die den Entwickelungsgang dieses 
angesehenen Offertenblattes eingehend schildert. M. H. 



Bücherschau. 



Von dem bekannten Pflanzensammler und Botaniker des Kaiser- 
lichen Gouvernements von Deutsch-Südwestafrika, Herrn Dinter, ist 
im Selbstverlag erschienen ein Buch „Neue und wenig bekannte 
Pflanzen Deutsch-Südwestafrikas, unter besonderer Berück- 
sichtigung der Sukkulenten, mit 64 Lichtdruckbildern in natürlicher 
Größe", auf das- ich hiermit alle Freunde sukkulenter Pflanzen aufs 
nachdrücklichste aufmerksam machen möchte. 

Die Lichtdrucktafeln sind unübertrefflich schön. Es ist be- 
sonders wertvoll, daß sämtliche Pflanzen in natürlicher Größe auf- 
genommen sind. 77 neue Pflanzen werden "beschrieben, von denen 
62 abgebildet sind. Häufiger vertreten sind die Gattungen Mesem- 
brianthemam, Euphorbia, Ceropegia, Anacampseros, Stapelia und 
verwandte Gattungen wie Caralluma, Heurnia, Hoodia und Tricho- 
caulon. Fast alles sind Wüstenpflanzen, von denen der Verfasser 
die meisten in seinem Garten in Okahandja gepflegt hat. Möge 
unser Südwestafrika bald wieder deutsch sein und Herr Dinter 
dort seine Tätigkeit bald wieder aufnehmen können. Zurzeit wohnt 
der Verfasser Bautzen, Jägerstr. 3, und ist das Buch von dort zu 
dem außerordentlich niedrigen Preis von 4 M zu beziehen. 

Dr. Roth, Bernburg. 
Kriegswirtschaftliche Arbeit im Frankfurter Palmen- 
garten 1914/16. Von August Siebert, Kgl. Landesökonomierat, 
Kgl. Preuß. Gartenbaudirektor und Direktor des Palmengartens in 
Frankfurt am Main. Bekanntlich hat der Frankfurter Palmengarten 
unter Führung seines Direktors in den verflossenen Kriegsjahren 
einen für weite Kreise vorbildlichen Nutzgartenbau auf seinem 
Kulturgelände eingerichtet, das in Friedenszeiten ausschließlich der 
Anzucht von Zierpflanzen diente; diese sind nun unter der drin- 
genden Notwendigkeit, unsern Gemüsebau auf das Aeußerste zu 
steigern, wesentlicli zurückgetreten. Auf dem in Frage kommenden, 
in hoher Kultur stehenden Gelände sind denn auch im Anbau von 
Gemüsen aller Art und Kartoffeln ganz vorzügliche Erfolge erzielt 
worden, worüber wir hier in der „Gartenwelt" in Wort und Bild 
wiederholt berichteten. In der vorliegenden, sehr vornehm aus- 
gestatteten Schrift (Verlag von Englert & Schlosser, Frankfurt am 
Main, Preis 1,50 M) hat nun Herr Direktor Siebert seine Er- 
fahrungen auf diesem für den Palmengarten neuen Arbeitsfeld auf 
44 Seiten zusammengefaßt. Aus dieser sachlichen Schilderung 
wird auch der Berufsgärtner manche Anregung schöpfen können, 
zumal auch Kulturen durchgeführt wurden, die, wie diejenigen der 
Sojabohne und des Zuckermaises , bis dahin für uns noch 
neu waren, von anderen bekannteren aber auch viele neue Sorten 
mit Erfolg angebaut wurden. Den zweiten Teil der Schrift bilden 
vorzügliche schwarze Bildtafeln auf Kunstdruckpapier, welche teils 
die Gemüsekulturen im Palmengarten, teils die Erzeugnisse der- 
selben veranschaulichen. M. H. 

Heinemanns Abreißkalender für 1917. Die Firma F. C. 
Heinemann, Erfurt, hat auch für das neue Jahr wieder ihren weit- 
verbreiteten Abreißkalender mit täglichen Ratschlägen für die Arbeit 
im Obst-, Gemüse- und Blumengarten sowie in der Zimmergärtnerei 
herausgegeben. Dieser Kalender bildet mit dem zugehörigen Wand- 
karton, der in herrlicher Farbenausführung einfachblühende Petunien 
zeigt, auch einen hervorragenden Zimmerschmuck. Die Rückseiten 



36 



Die G a r t e n w e 1 1. 



XXI, 3 



der einzelnen Kalenderblätter und Extrablätter enthalten eine reiche 
Fülle praktischer Mitteilungen aus allen Gebieten des Gartenbaues 
und aus verwandten Gebieten, auch aus demjenigen der Klein- 
tierzucht. 

Fragen und Antworten. 

Neue Frage Nr. 990. Welches sind die besten Rosensorten 
für Hochstämme mit 1. starkem, 2. mittelstarkem, 3. schwachem, 
4. hängendem Wuchs? Es kommt weniger auf große Sortenzahl, 
als auf solche alten und neuen Sorten an, die sich tadellos für 
Hochstämme eignen. 

Neue Frage Nr. 995. Wie steht zurzeit die Frage des 
roten Lichts, das einen besonders günstigen Einfluß auf die 
Pflanzenentwicklung haben soll? Wird dasselbe bereits gärtnerisdi 
angewendet? 

Neue Frage Nr. 996. Man sagt, daß frisch angesetze Jauche 
erst 14 Tage „gären" soll, ehe sie gebraucht werden kann. Ist 
das richtig und wie ist der Vorgang wissenschaftlich? Bezieht es 
sidi auf alle Arten von Jauche, insbesondere auch auf Urin? 

Neue Frage Nr. 999. Kann man feuchte Luftliebende Kakteen, 
z. B. Rhipsalis und Phyllocactus zusammen mit Orchideen in einem 
Hause kultivieren ? 

Beantwortung der Frage Nr. 998. Araucaria excelsa be- 
treffend. 

Daß ein hochgebundener Seitentrieb bei einer Araucaria excelsa, 
welche die Spitze verloren hat, niemals eine solche mit quirlförmig 
angeordneten Seitenzweigen zu bilden imstande ist, hat die Schrift- 
leitung ja schon mitgeteilt. Wenn der Fragesteller als allgemein 
bekannt voraussetzt, daß Tannen in der Weise behandelt, Seiten- 
zweige in Stammverlängerungen mit richtigen Gipfeln umbilden, 
so kann dies nur auf die Picea Anwendung finden, niemals 
aber auf echte Tannen, Abies und Araucarien. Ich habe öfters 
Gelegenheit gehabt, solche verunglückte Araucaria in Behandlung 
zu bekommen. Gesunde Pflanzen entwickeln immer in einer oder 
auch mehreren Achseln des obersten Quirls sogenannte Köpfe, 
welche zur Bildung neuer Spitzen geeignet sind. Kommen mehrere, 
so behält man nur den kräftigsten und schneidet die übrigen nach 
einiger Zeit glatt weg. Aehnlich ist es mit Edeltannen, wie Abies 
Nordmanniana, concolor und lasiocarpa usw. 

R. Müller, Gotha. 

Tagesgeschichte. 

Berlin. Einen Volkswirtschaftstag als Gegenstück zum 
Reichstag schlägt Fürst Friedrich Wilhelm zu Ysenburg und 
Büdingen in der Frankfurter wissenschaftlichen Wochenschrift „Um- 
schau" vor. Der Fürst sieht einen Mangel des Reichstags darin, 
daß er eine politische Körperschaft ist, gleichzeitig aber über die 
wichtigsten wirtschaftlichen Fragen entscheidend zu urteilen hat, 
trotzdem die einzelnen Teilnehmer nichts davon verstehen. Fürst 
Friedrich Wilhelm meint deshalb, daß in einem Volkswirtschaftstag 
sämtliche wirtschaftlichen Teile des Reiches zusammengefaßt sein 
müßten, also die Handels-, Gewerbe- und Landwirtschaftskammern, 
sonstige große wirtschaftliche Verbände, ich denke hierbei an den 
deutschen Pomologenverein wie überhaupt an alle Vereinigungen 
deutscher Obst- und Gemüsezüchter. Dieser Volkswirtschaftstag 
müsse aus seiner Mitte Ausschüsse bilden, welche als Beiräte 
wirken, und der Bundesrat müsse verpflichtet werden, bevor er 
einen Gesetzentwurf, der wirtschaftliche Fragen berührt, dem 
Reichstag vorlegt, ihn dem betreffenden Ausschuß zur Begut- 
achtung zu unterbreiten. 

Dieser Vorschlag verdient auch die Beachtung der Gärtner. 
Auf jeden Fall würden hierdurch jene Mißstände, wie sie in letzter 
Zeit die Obsthöchstpreise, die Obstbeschlagnahme, die Gemüse- 
höchstpreise und die Kartoffelversorgung mit sich brachten, ver- 
mieden. Hans Gerlach. 



Darmstadt, Im Einvernehmen mit den übrigen Ministerien 
ist die Ministerialabteilung für Bauwesen hier, Mathildenplatz 20, 
mit Versehung der Geschäfte einer Staatlichen Beratungsstelle für 
Kriegerehrungen beauftragt worden. Bei Vollzug dieses Auftrages 
wird sich die Ministerialabteilung für Bauwesen gegebenenfalls mit 
weiteren Sachverständigen und Künstlern in Verbindung setzen 
und sie zur Begutachtung und sonstigen Mitarbeit heranziehen. 
Die Beratungsstelle soll den für das Großherzogtum in Betracht 
kommenden Militär- und Zivilbehörden und Privaten auf Wunsch 
in allen die künstlerisch einwandfreie Gestaltung der Krieger- 
gräber und sonstigen Kriegerehrungen betreffenden Fragen be- 
ratend zur Seite stehen. Kosten verursacht ihre Inanspruchnahme 
nicht. 

Aus den Vereinen. 



Eine Vereinigung des christlichen Gärtnerverbandes mit 
dem Landarbeiterverband hat mit dem 1. Januar stattgefunden. 
Bestimmend für den Zusammenschluß soll die allgemeine gewerk- 
schaftliche Entwicklung, die zur Zentralisation dränge, sein ; ferner 
die Kriegseinwirkungen, die zur Konzentration der Kräfte besonders 
der kleineren Berufsgruppen zwinge. 

Breslau. Unter dem Vorsitz des Präsidenten der Landwirt- 
schaftskammer, Geh. Reg. -Rat v. Klitzing, wurde hier am 3. d. M. 
in zahlreich besuchter Versammlung die Gründung eines Schlesischen 
Gemüsebauverbandes beschlossen. Der Verband soll der Land- 
wirtschaftskammer angeschlossen werden. 



Personalnachrichten. 



Gärtner in Waffen. 

Aug. Roßbach in Kastei, Ersatzreservist, und Müller, Martin, 
Hoflieferant, Inhaber der Firma Diemar & Albrecht in Kassel, 
wurde das Eiserne Kreuz verliehen. 

Der Verband der Handelsgärtner Deutschlands gibt die Ver- 
leihung des Eisernen Kreuzes an seine nachgenannten Mitglieder 
bekannt : Friedr. Behm, Niederlößnitz bei Dresden ; W. Kämpfer, 
Hannover-Gr. Buchholz; C. Koenen, Crefeld ; Max Heine und 
Kurt Henkel, beide Köslin ; Emil Sielaff, Kolberg, und Robert 
Tesch, Stargard i. P. 

Unteroffizier Carl Graupner, Pollnow, Bezirk Köslin, Inhaber 
des Eisernen Kreuzes ; Unteroffizier Jos. Ittenbach, Brühl ; Max 
Ritschewald, Nicolai, O.-Schl. ; Mitglieder des genannten Verbandes, 
starben den Heldentod. 

* ♦ 

* 

Knesel, Karl August, Gärtnereibesitzer in Frankfurt a. d. O., 
Mitkämpfer der Feldzüge 1866 und 1870/71, t am 30. Dezember 
nach Vollendung seines 75. Lebensjahres. 

Krause, Karl Gustav, Gärtnereibesitzer, Leutewitz, "f am 
5. d. M. im 66. Lebensjahre. 

Moldetin, Gärtner in Taplacken, Kreis Wehlau, wurde das 
Kreuz des Allgemeinen Ehrenzeichens verliehen. 

Schwiedeps, Friedrich, Klostergärtner a. D. im Kloster 
Malchow, t am 3. d. M. im 91. Lebensjahre. 

Laut Stadtratbeschluß der Stadtverwaltung Cöln sind folgende 
Beamten der Städtischen Friedhofverwaltungen Cöln zu Friedhof- 
inspektoren ernannt worden : 

1 . Für den Hauptfriedhof Cöln-Melaten Friedhof Inspektor J. Ostertag^ 

2. „ „ Nordfriedhof „ G. Beitz, 

3. „ „ Südfriedhof „ K. Nilgen, 

4. „ „ Friedhof Cöln-Deutz „ X. Mein- 

dorfner, 

5. „ „ „ „ Kalk „ E. Martini, 

6. „ „ „ „ Mülheim „ J. Vincentz, 
Vorsteher über sämtliche Friedhofbetriebe ist Friedhofdirektor Ibach. 



Berlin SW. 11; Hedemannatr. 10. Für die Redaktion verantwortl. Max Hesdörffer. Verl. von Panl Parey. Druck : Anh. Buchdr. Gutenberg, ß. Zichäus, Dessau. 




Illustrierte Wochenschrift 



gesamten Gartenbau. 



Jahrgang XXI. 



26. Januar 1917. 



Nr. 4. 



Nachdruck und Nachbildung aus dem Inhalte dieser Zeitschrift werden strafrechtlich verfolgt. 



Aus deutschen Gärten. 



Einiges über den Gemüsebau und die Parkanlagen 
an der Kreisirrenanstalt Kaufbeuren (Allgäu). 

(Hierzu fünf Abbildungen nach für die „Gartenwelt" gefertigten 
Aufnahmen.) 

Die jetzige ernste Kriegszeit, die uns infolge des Aus- 
liungerungsplanes unserer Feinde gelehrt hat, den Boden 
immer zweckmäßiger zu bewirtschaften, demselben das ab- 
zuringen, was für unsere Ernährung notwendig ist, wird 
überall, so auch im Allgäu, wo vor allem das rauhe Klima 
ein Haupthindernis für den erfolgreichen Gartenbau bildet, 
eifrigst benutzt, um möglichst viel an pflanzlichen Nähr- 
stoffen zu gewinnen. 

Nachfolgend möge eine kurze Beschreibung zeigen, wie 
sich der Gartenbetrieb bei der Kgl. Kreisirrenanstalt in Kauf- 
beuren zur jetzigeu Kriegszeit gestaltet. 

Die Anstalt besitzt in einer Höhenlage von mehr als 
700 m über dem Meere einen Gemüsegarten von etwa 
25 Tagwerk Größe, sowie eine ausgedehnte junge Obst- 
pflanzung, umfangreiche Parkanlagen mit 
Pavillongärten usw. 

Der Gemüsegarten ist von einer 
30 jährigen, aus Laub und Fichten- 
beständen bestehenden Pflanzung um- 
geben, deren Schutzwirkung besonders 
der Frühbeetanlage mit 600 Fenstern zu- 
gute kommt. 

Beistehende Abbildung zeigt einen 
Teil des Gartenlandes der Anstalt in 
östlicher Richtung mit Frühbeetanlage, 
Abbildung Seite 38 ein Gewächshaus mit 
Treibgurke Becks 1900, sieben Wochen 
nach der Pflanzung aufgenommen, Ab- 
bildung Seite 41, oben, die Obergärtner- 
wohnung, links daneben Ueberwinterungs- 
haus und Warmhaus, im Vordergrunde 
Frühbeete für Topfpflanzen und für Ge- 
müsetreiberei. 

Die sehr ausgedehnten IParkanlagen 
ziehen sich ringartig um die Anstalt mit 
der dahinterliegenden Gemüsegärtnerei; 
sie dienen den leicht Erkrankten zur 
Erholung, auf deren Gemütszustand die 
reine Gebirgsluft mit der herrlichen Aus- 
sicht in die Alpen wohltuend wirkt. 

Gartenwelt XXI. 



Abbildung Seite 40 zeigt den Haupteingang in das 
Anstaltsgebäude mit Vorbau, den Ampelopsis quinquefoäa 
bekleidet; Abbildung Seite 41, unten eine Partie aus dem 
Südwestende des Parks. 

Der Winter ist hier sehr streng, äußerst schneereich, 
gleichwohl beginnt die Anlage der Frühbeete bereits Mitte 
Oktober-November mit Aussaat von Treibsalat, Karotten, 
Kohlrabi, Wirsing usw. 

Reiche Niederschläge in der wärmeren Jahreszeit fördern 
das Wachstum der Gemüse. Bei guter Kultur sind Karviol, 
Weiß-, Blaukraut, Wirsing, Zwiebeln und Frühkartoffeln 
anfangs Juli erntereif, hingegen ist das Klima für zartere 
Gemüse, wie Wachsbohnen, zu rauh. Die russischen weißen 
und arabischen Wellenbohnen sind dagegen für die hiesige 
Gegend am geeignetsten und am widerstandsfähigsten gegen 
allzu schwankende Temperaturen, die hier ziemlich häufig 
sind, trotzdem gediehen im Sommer 1915 die Sorten Schlacht- 
schwert und Flageolet vorzüglich. 




Teilansicht der Gemüsekulturen der Kreisirrenanstalt Kaufbeuren. 



38 



Die G a r t e 11 w e 1 1. 



XXI. 4 



Gurken und Tomaten können hier nur unter Glas ge- 
zogen werden. Die oft plötzlich eintretende drückende Hitze 
neigt gern zu Gewitterbildung. Hagel stellt sich öfters ein. 

Am 17. Juni vorigen Jahres hatten wir z. B. die ab- 
norme Temperatur von 3 " C unter Null, wodurch besonders 
Bohnen, Frühkartoffeln und Begonia semper/lorens starken 
Schaden litten. Läuterer. 

Feldbau. 



Meine Erfahrungen mit dem 
Anbau von Sonnenblumen zur Oelgewinnung. 

Vom Herausgeber. 
Seit Kriegsbeginn ist allenthalben von den Behörden der 
Anbau von Sonnenblumen zur Oelgewinnung warm befür- 
wortet und gefördert worden. Es waren besonders die 
Direktionen der Preußisch - Hessischen Staatseisenbahnen, 
welche sich des Sonnenblumenanbaues an den Eisenbahn- 
dämmen annahmen, und denselben auch bei den Unter- 
beamten förderten, 
indem sie ihnen ge- 
eignetes Gelände 
längs der Bahn- 
dämme zur Ver- 
fügung stellten und 
auch für die An- 
fuhr des notwen- 
digen Düngers in 
Form von Sand- 
dünger aus den 
Viehwagen Sorge 
trugen. 

Die Ergebnisse 
des Anbaues an 
den Bahndämmen 
waren nicht nur im 
trockenen Sommer 
19 15, sondern auch 
in dem verflossenen 
regenreichen sehr 
gering. Auf gut ge- 
düngtem, feuchter 
liegenden,aberdoch 
warmen Kulturland 
in manchen Gegen- 



pÜ^- 


IP '«'!'<-■ ," 


" J 




i^ac" 







Glashaus mit Treibgurke Becks 1900. 



um die Samenteller zu plündern. Was diese Vögel nicht 
fressen, wird herausgehackt, fällt zur Erde und ist gleichfalls 
verloren. In kleineren Pflanzungen kann auch nicht ein Korn 
geerntet werden, wenn man die Samenteller nicht vorzeitig 
abschneidet. Das Einhüllen in Packpapier hilft wenig, denn 
dieses wird von den Vögeln durchgeschlagen, und das Ein- 
hüllen in Gaze stellt sich zu teuer. 

Es ist mir bekannt, daß schon vor über 20 Jahren auf 
einem Rittergut in der Provinz Brandenburg umfangreiche 
Anbauversuche mit Sonnenblumen unternommen wurden. Die 
Sache interessierte mich damals. Als man nichts mehr da- 
von hörte, erkundigte ich mich bei dem betr. Ritterguts- 
besitzer nach seinen Erfahrungen im Großanbau der Sonnen- 
blumen. Ich erhielt die Antwort, diese seien so ungünstig 
ausgefallen, daß der weitere Anbau eingestellt werden mußte. 
Soweit mir bekannt, werden Sonnenblumen zur Oelgewinnung 
vorzugsweise in Südrußland in größerem Maßstabe angebaut. 
Im warmen Sandboden der Mark liegen die Verhältnisse für 
den Anbau nicht ungünstig, wenn nicht der leidige Schaden 

durch Vogelfraß 
dem Züchter einen 
Strich durch die 
Rechnung machen 
würde. Hierdurch 
ist man beim Groß- 
anbau zu vorzeiti- 
ger Ernte gezwun- 
gen ; man muß die 
Pflanzungen Tag 
für Tag durchgehen 
und alle Samen- 
teller schneiden, 
ausdenen die Vögel 
bereits Körner her- 
ausgeholt haben. 
Die so vorzeitig 
geernteten Samen 
erlangen nur Not- 
reife, was den Oel- 
gehalt ungünstig 
beeinflussen mag. 

Man muß die 
Pflanzen auch ein- 
triebig ziehen, alle 
Seitentriebe früh- 



den dagegen besser. Was den Sonnenblumenbau der Unter- 
beamten beeinträchtigte, war einmal die geschlossene dichte 
Pflanzung, welche die Sonnenblume schlecht erträgt, dann 
auch die leidige Praxis dieser Leute, die die Sonnenblumen 
bald nach Eintritt der Blütezeit mehr oder weniger voll- 
ständig entblättern, um die Blätter für die Kleintierfütterung 
zu verwerten. Daß entblätterte Pflanzen keinen gehaltreichen 
Samen mehr ausbilden können, ist selbstverständlich. 

Ich habe mich schon vor Jahren für den Anbau der 
Sonnenblumen interessiert und denselben früher mehrfach in 
größerem Umfange durchgeführt, aber nur zur Gewinnung 
eines geeigneten Körnerfutters für Papageien und einige 
andere exotische Vögel. Die Vorliebe der Vogelwelt, so- 
wohl der Insekten- als Körnerfresser, für die ölhaltigen Sonnen- 
blumenkerne ist bekannt. Kaum beginnen die Samen zu 
reifen, so stellen sidi Insektenfresser in größerer Zahl, aber 
audi gewaltige Schwärme von Finkenvögeln aller Art ein, 



zeitig ausschneiden und nur die Gipfelknospe zur Entwickelung 
kommen lassen, damit die Samenteller noch reifen. Nur 
wenn die Gipfelknospe verbändert, oder sonst verkümmert 
ist, wird sie ausgeschnitten. In diesem Falle läßt man drei bis 
vier Seitentriebe zur Blüte gelangen, die natürlich entsprechend 
kleinere Samenteller bringen. Aber auch an eintriebig ge- 
zogenen Sonnenblumen tritt die Samenreife in Nord- und 
Mitteldeutschland so spät ein, daß es in der Regel nicht 
mehr möglich ist, die Teller vor dem Auskernen an der 
Sonne oder in luftigem Raum nachzutrocknen. Man muß 
entweder vorzeitig auskernen, oder heizbare Trockenräume 
zur Verfügung haben, um Fäulnis des Fruchtbodens zu ver- 
meiden. Das Auskernen selbst, das in der Hauptsache durch 
Gegeneinanderreiben zweier Teller erfolgt, ist überdies eine 
zeitraubende Arbeit. Die um das Zentrum sitzenden wenig 
ausgebildeten Körner sind meist taub. 

Sonnenblumenkerne sind bekanntlich verhältnismäßig leidit, 



XXI, 4 



Die Gartenwelt. 



39 



und da sie nach behördlicher Anordnung von den Stations- 
vorstehern den Züchtern mit 45 Pf. für das Kilo bezahlt 
wurden, kann der Anbau zum Verkauf nur als unlohnend 
bezeichnet werden. Sonnenblumen verlangen eine starke 
Düngung und saugen daneben den Boden noch so sehr aus, 
daß andere Kulturen durch ihren Anbau in ungünstiger Weise 
beeinflußt werden. Ganz besonders möchte ich vor dem 
Anbau von Sonnenblumen in Obstpflanzungen warnen. 

Die Aussaat muß so früh als möglich erfolgen, wenn es 
sein kann, Ende März oder Anfang April. Die ertragreichste 
Sorte ist die russische Riesensonnenblume, die, eintriebig 
gezogen, armstarke Stämme entwickelt. Die Kerne werden 
am besten in Reihen auf 150 bis 200 cm Reihenabstand und 
in 60 bis 80 cm Abstand innerhalb der Reihen gelegt. In 
diesem Abstand legt man dann immer je 3 Kerne, um 
möglichst wenig Lücken zu erhalten, beläßt aber später nur 
je die stärkste Pflanze ; die zu entfernenden können zur 
Ausfüllung etwaiger Lücken verwendet oder sonst verpflanzt 
werden. Die Kulturarbeiten bestehen im Behacken und Be- 
häufeln, im Ausschneiden der Seitentriebe und in ausgiebiger 
Bewässerung bei Trockenheit. 

Denjenigen, die sich im Vorjahre dem Anbau von Sonnen- 
blumen widmeten, blieben 30 kg der geernteten Saat zur 
Oelgewinnung beschiagnahmefrei. Ich behielt mir 20 kg für 
diesen Zweck zurück und bemühte mich dann überall ver- 
geblich, eine Oelmühle zum Auspressen ausfindig zu machen. 
Schließlich hatten meine Bemühungen Erfolg. Herr Mühlen- 
besitzer W. Hülsebusch in Weferlingen, Provinz Sachsen, 
erklärte sich bereit, die Arbeit gegen einen Schlaglohn von 
3 M und Ueberlassung der Preßrückstände (Oelkuchen), die 
bekanntlich wertvoll als Viehfutter sind, zu übernehmen. Es 
ist immer davon die Rede, daß Sonnenblumenkerne etwa 
30 Prozent Oel ergeben, in der Praxis stellt sich aber die 
Sache ganz anders. Als Ergebnis des Pressens von 20 Kilo 
Sonnenblumenkernen erhielt ich 1 1 Oel, das sind 1 /j Pfd.'') 
Der genannte Mühlenbesitzer schrieb mir, er sei mir dankbar 
dafür, daß ich ihm durch Uebersendung der Sonnenblumen- 
kerne einmal Gelegenheit gegeben habe, 
seine Praxis auf diesem Gebiete zu er- 
weitern ; er habe dadurch kennen ge- 
lernt, daß die in Deutschland angebauten 
Sonnenblumen ein ganz minderwertiges 
Erzeugnis zur Oelgewinnung seien. Weit 
empfehlenswerter sei zu diesem Zwecke 
der Anbau von blauem Feldmohn, 
dessen Samen 25 bis 35 Prozent Fett 
enthalte. In diesem Jahre werde ich 
nun blauen Feldmohn zur Oelgewinnung 
anbauen, der wohl allein als Oelpflanze 
für die Gartenkultur in Frage kommt. 
Man bevorzuge dabei möglichst den 
Schüttelmohn, dessen Ertrag größer und 
dessen Ernte leichter als beim Schließ- 
mohn ist. 

Pflanzenschädlinge. 

Das Räuchern. Das Verfahren, durch 
Verdampfen von Nikotinextrakt und ähn- 
lichen Flüssigkeiten unsere Pflanzen von 

*) Im Kleinhandel werden jetzt meist 
28 M für ein Pfund feines Speiseöl ge- 
fordert. Das ist natürlich ein kaum zu 
rechtfertigender Wucherpreis. 



Blattläusen und anderen schädlichen Insekten zu befreien, hat sich 
gut bewährt. Schädliche Nebenwirkungen sind selbst bei empfind- 
lichen Pflanzen kaum bemerkt worden. Leider sind infolge des 
Krieges diese Mittel so verteuert und schwer erhältlich, daß man 
sparsam damit umgehen mu6. Bei den großen Gewächshausbauten 
der Neuzeit ist die Verwendung derselben ohnehin ausgeschlossen. 
Hier kann nur mit Räuchern etwas erreicht werden. Zurzeit wird 
wohl ausschließlich das größtenteils aus Staub und Abfällen von 
Zigarettentabak hergestellte Räucherpulver zu diesem Zwecke ver- 
wendet. Leider ist dieser Rauch durch Entwickelung verschiedener 
Gase den Pflanzen schädlich. Diese schädliche Einwirkung ist 
nicht bei allen Pflanzen gleich. Im allgemeinen leiden Warmhaus- 
pflanzen und unter diesen wieder die feineren Farne und Lyco- 
podien und dergl. am meisten darunter. Kalthauspflanzen sind 
im allgemeinen weniger empfindlich, doch auch hier gibt es manche 
Ausnahmen, so die meisten getriebenen Pflanzen, besonders aber 
die Leguminosen. Ich hatte Gelegenheit, in einer Gemüsetreiberei 
ein Haus mit jungen Bohnen zu sehen, die durch das Räuchern 
fast alle Blätter verloren hatten. Ich habe in längeren Jahren 
durch vielseitige Versuche festgestellt, wie man die Schädigung 
der Pflanzen beim Räuchern möglichst einschränken kann. Man 
sollte vor allem nur nachts räuchern und die Häuser wenn möglich 
noch durch Deckung von jeder Lichteinwirkung abschließen. Es 
ist ja wissenschaftlich bewiesen, daß die Entziehung des Lichtes 
den Stoffwechsel bei den Pflanzen vermindert und das Ausscheiden 
von Sauerstoff durch die Blätter vollständig aufhebt. Da bei der 
Räucherung die leichten Gase immer nach oben steigen, sollten 
die Pflanzen nur in mittlerer Höhe des Raumes aufgestellt sein, 
zartere möglichst unten am Boden. In kleineren Gewächshäusern 
und Mistbeetkästen ist das Räuchern immer gefährlich ; es wird dort 
selten ohne Schaden abgehen. Je kleiner und dichter abgeschlossen 
der Raum ist, je leichter werden die Pflanzen Not leiden. Bei 
gleichzeitiger Einwirkung des Lichtes genügen hierzu ganz geringe 
Rauchmengen. Bei Rosen wird es sich stets empfehlen, dieselben 
vor dem Antreiben tüchtig zu räuchern, man hat dann gewöhnlich 
Ruhe vor den Plagegeistern. Bei angetriebenen Rosen kann man 
die durch Räuchern erzeugte Wuchsstockung beobachten, auch 
wenn die Blätter sonst keinen augenfälligen Schaden aufweisen. 
Bei stark befallenen Pflanzen genügt es nicht, nur einmal zu 
räuchern, denn in den Blattfalten der jungen Blätter verkriechen sich 
die Jüngsten der Sippschaft. Auch die ganz alten Läuse lassen sidi 




Haupteingang in das Anstaltsgebäude der Kreisirrenanstalt Kaufbeuren, 



40 



Die Garte 11 weit. 



XXI, 4 



gera halb betäubt auf die Töpfe fallen und haben sich in einigen 
Tagen so weit erholt, ihr Schmarotzerleben wieder welter zu 
führen, wenn ihnen nicht ein erneutes Räuchern ein Ende macht. 
Räuchern sollte man, sobald man Spuren von Läusen bemerkt, also 
nicht erst warten, bis die Pflanzen schon halb zugrunde ge- 
richtet sind. Vor allen Dingen sollte man Sorge tragen, daß das 
Auftreten schädlicher Insekten bei den Pflanzen durcli richtige Be- 
handlung möglichst gehindert wird und bedenken, daß jede Be- 
kämpfung dieser Plage auch die Pflanzen schädigt. W. Ohlmer. 

Gehölze. 



Allerlei Statistisches und Dendrologisches aus 

dem Baumschulverzeichnis von Herrn. A. Hesse 

in Weener. 

II. 
China-Gehölze. 

Da wäre zunächst Abelia Graebneriana Wils. zu er- 
wähnen, eine in ihrer Heimat immergrüne Art. Bis vor 
wenigen Jahren kannten wir wenig mehr als etwa \/., Dutzend 
Arten dieser zu den Caprifoliaceen gehörenden Gattung. 
Die botanische Erforschung Chinas durch Wilson und andere 
Forscher französischen und englischen Namens erbrachte den 
Beweis, daß in dem Reich der Mitte dieses Geschlecht recht 
zahlreich vertreten ist und dort sein Zentrum besitzt. 
Schneiders Laubholzkunde führt alle Arten auf, unter 
denen wohl die eine oder andere sein dürfte, die vielleicht 
auch für die klimatisch günstig gestellten Gegenden Deutsch- 
lands brauchbar wäre. A. Graebneriana hat sich in Weener 
als durchaus hart erwiesen, doch dürfen wir nicht vergessen, 
daß die dortigen Verhältnisse für das Gedeihen vieler Ge- 
hölze günstige sind, da sie unter dem Einfluß des See- 
klimas stehen, das manche Härten des kontinentalen Winters, 
wie z. B. in Mitteldeutschland, nicht kennt oder doch erheblich 
mildert. Wir glauben daher, daß die Abelien auch in Zu- 
kunft als Freilandgehölze nur eine bescheidene Rolle spielen 
werden, daß ihnen im allgemeinen nur Liebhaberwert bei- 
zumessen ist. Die beste Verwendung wird die auf der 
Steinanlage und im Felsengarten für alpine und Zwergsträucher 
sein, oder als Topfpflanzen im Kalthaus oder frostfreien 
Kasten. A. Graebneriana ist im übrigen ein ziemlich ver- 
zweigter Strauch mit elliptisch-ovalen, zugespitzten und ge- 
zähnten, sowie meist behaarten Blättern von hautartiger 
Beschaffenheit. Die einzeln am Ende von Kurztrieben stehen- 
den ansehnlichen Blüten sind blaß rosafarben. 

Einen neuen Ahorn mit einem reichlich langen Namen 
lernen wir in Acer tetramenim var. betidifolium f. latialatum 
Rehd. kennen, dessen Zierwert in den breit geflügelten, zu langen 
herabhängenden Trauben angeordneten Früchten bestehen 
soll. Die Belaubung ist ungelappt. Über die Winterhärte 
macht das Verzeichnis keine näheren Angaben ; da aber der 
Baum in einer Höhenlage von 3100 m auftritt, kann man 
wohl annehmen, daß er für uns verwendungsfähig ist. 

Zum erstenmal angeboten wird Actinidia rubricaulis 
Dünn., der rotstenglige Strahlengriffel, ein Schlinger, den 
Hesse eine auffallende Art von großer Wirkung nennt. 
Das Auffallende dürften in der Hauptsache wohl die geröteten 
Zweige und die ebenfalls eine rötliche Färbung besitzenden 
Blattstiele und -Adern darstellen. Die Belaubung besteht 
aus länglich-lanzettlichen, in eine lange Spitze auslaufenden, 
am Grunde gerundeten, fein gesägten Blättern von 8 — 10 cm 
Länge. Über die einzeln stehenden Blumen ist näheres 
nicht angegeben. 



Vom Götterbaum waren wir seit Jahrzehnten gewohnt, 
immer nur die eine als Zier- und Straßenbaum geschätzte Art 
Ailanthus glandulosa zu sehen, die Wilsonschen Forschungen 
haben uns auch in dieser Gattung neues beschert. Ai. sut- 
chuensis Dode aus Szy'tschuan und Hupeh bildet einen 
anfangs lichlgrünen, später sich hellbraun verfärbenden Stamm, 
dem große Wüchsigkeit nachgerühmt wird. Die 14 — 15- 
paarigen Blätter sind hellgrün und erreichen die ansehnliche 
Länge von 1 m und darüber; die einzelnen Blättchen sind 
von keilförmiger, am Grunde leicht gelappter Gestalt, zeichnen 
sich durch ziemlich starke Aderung aus und sind mit einem 
schwachen flaumhaarigen Überzug versehen. Außer der schön- 
gefiederten Belaubung tragen die prächtig roten Blattstiele 
noch besonders zu dem Schmuckwert dieser Art bei. Über 
die Winterhärte ist nichts näheres vermerkt, dagegen wird 
bei einer zweiten chinesischen Art, Ai. Giraldii, angegeben, 
daß sie den klimatischen Verhältnissen in Weener gewachsen 
gewesen sei. 

In Ampelopsis megalophylla Diels et Gilg lernen wir 
einen hochwachsenden wilden Wein von wahrhaft tropischem 
Eindruck mit doppelt gefiederten, bis 50 cm langen Blättern 
kennen, deren Oberseite freudig grün ist, während die Unter- 
fläche einen mehr bläulichen Ton besitzt. Die Zweige sind 
im jungen Zustande rötlich, während das glatte Holz durch 
seine weiße Sprenkelung auffällt. 

An Berberitzen herrscht in China kein Mangel und 
die Zahl der von dort eingeführten ist schon recht beträchtlich, 
worunter sich höchst zierende befinden, wie z. B. B. acuminata 
Franch., die aus den Waldungen Yunnans stammt und durch 
die große Belaubung und das glänzend rote junge Holz sehr 
wirksam ist; durch die herrliche karminrote Herbstfärbung 
und den schönen korallenroten Beerenschmuck gehört B. Wilsonae 
zu den besten ihres Geschlechts. Zum erstenmal angeboten 
werden in diesem Jahre Berberis Bergmanniae var. acantho- 
phylla, Caroli var. hoanghensis, Julianae und Pratti, alle 
von S ch n e i d e r aufgestellt, von denen nach dem Frucht- 
schmuck zu urteilen die zu zweit genannte und die letzte 
die beste zu sein scheinen. 

Auch eine neue Abart von der weißfilzigen Buddleia 
nivea, mit Namen yunnanensis, fehlt nicht; sie unterscheidet 
sich von der Stammart durch die einzeln stehenden End- 
rispen und die viel größeren dunkel lilablauen Blumen. 

Ein Gehölz ganz besonderer Art ist Carrierea calycina 
Franch., das allerdings wohl nur für die mildesten Striche 
Deutschlands und bei ausgesucht günstigen Standortsverhält- 
nissen sich als zur Anpflanzung passend erweisen dürfte. 
Die Pflanze stellt in ihrer chinesischen Heimat einen Wald- 
baum von 15 m Höhe vor, der in der Tracht an Idesia 
polycarpa erinnert. Die Belaubung besteht aus großen, 
sommergrünen, ganz kahlen, in der Form eirunden oder ver- 
kehrt-eirunden, lederig-häutigen, dunkelgrünen und auf beiden 
Seiten glänzenden Blättern. Die röhrigen Blüten, von denen 
jede nur aus fünf weißen, rundlichen, am Rande umgewendeten 
behaarten Sepalen besteht, bilden eine ertdständige, wenig- 
blütige Scheintraube. Die Frucht ist eine holzige Kapsel 
von länglicher Form, filzig behaart, die Samen sind geflügelt. 
Systematisch gehört die Gattung zur Familie der Flaccurtiaceae, 
die, aus etwa 500 Arten bestehend, so ziemlich ausschließlich 
auf die tropischen Gegenden beschränkt ist. 

Von Wald reben arten dürften vor allem drei Abarten 
von C. montana Aufmerksamkeit verdienen, nämlich C. mon- 
tana rubens Kuntze mit rosafarbenen bis hellroten Blüten und 



XXI, 4 



Die Gartenwelt. 



41 



rötlichen Ranken, montana Wilsoni mit 
weißen Blumen, nebst der dazu gehörigen 
Unterform platysepala Rehd. et Wils., 
die sich durch sehr breite, ovale, ab- 
gerundete Fetalen auszeichnet. Diesen 
gesellt sich als zum erstenmal angebotene 
Art C. Spooneri Rehd. et Wils. hinzu, 
ebenfalls ein Schlinger, der 3 — 6 m hoch 
rankt, anfangs dicht filzige, später kahle 
Zweige von kastanienbrauner Farbe be- 
sitzt und einzeln oder zu zweien stehende 
weiße Blumen mit braunen Staubfäden 
entwickelt. 

Coccuhis heterophyllus Hemsl. et 
Wils. ist ebenfalls ein Schlinggehölz, 
das sich in den Hesseschen Baum- 
schulen als ganz hart erwiesen hat. Von 
kräftigem Wuchs, bildet es rundliche, 
geriefte und mehr oder weniger behaarte 
bis kahle Triebe mit in der Form sehr 
verschiedenartig gestalteten Blättern. 
Dieselben sind bald rundlich-herzförmig, 
breit 3 — 5 lappig, gefingert und gefiedert, 
bald ovallanzettlich, alle Gestalten an 
einer Pflanze vertreten. Die Färbung 
der Belaubung ist oberseits sattgrün, 
unterseits bläulich. 

Von der als zeitiger Frühjahrsblüher ausgezeichneten 
Gattung Corylopsis führt das Verzeichnis zwei neue Vertreter 
auf, C platypetala levis Rehd. et Wils. und C. Willmottiae, 
ebenfalls von den gleichen Autoren aufgestellt. Von ersterer 
lautet die Beschreibung : Bis 2 m hoher Strauch mit schlanken 
Zweigen und sehr schöner, ovaler, hellgrüner Belaubung, die 
im Austrieb eine schöne bronzierte Färbung hat. Triebe 
lebhaft violett. C. Willmottiae ist völlig neu für den Handel 
und eine seltene Art des westlichen" Szy'tschuan, die sich 





Farkgruppe der Kreisirrenanstalt Kaufbeuren. 



Obergärtnerwohnung, Ueberwinterungsraum und Warmhaus 
in der Kreisirrenanstalt Kaufbeuren. 



durch kräftiges Wachstum wie reiche Entwicklung glänzend 
gelber und wohlriechender Blumen auszeichnen soll. 

Einen unendlichen Reichtum birgt das 'chinesische Reich 
an Zwergmispeln oder Co t on east erarten , von denen 
Hesse uns 20 Arten anbietet, darunter 8 zum erstenmal. 
C. acutifolia Turcz. var. villosula Rehd. et Wils. stammt aus 
dem westlichen Szy'tschuan, wo sie in 300 ra Höhe auftritt; 
sie unterscheidet sich von der reinen Art einmal durch die 
erheblich schmäleren, unterseits mit dicht angedrückten Haaren 
besetzten Blätter ^ und -dann durch die 
mehr glatten Früchte. Es ist ein in 
seiner Heimat 2 — 4 m Höhe erreichender 
Strauch, an dem hauptsächlich die schöne 
Herbstfärbung gerühmt wird. Gleich 
dieser Abart erscheint zum erstenmal 
C. ambigua Rehd. et Wils., ein nach 
Rehder bis 2 m hoher Strauch mit 
ausgebreiteten überhängenden Zweigen, 
der aus Westchina stammt, wo er in 
Höhenlagen von 2500—3000 m Höhe 
vorkommt. Die Jahrestriebe sind nach 
der Beschreibung des Hesseschen Ver- 
zeichnisses gelblich striegelhaarig, die 
vorjährigen kahl und von rotbrauner 
Farbe. Die Belaubung setzt sich aus 
ei-elliptischen, zugespitzten, 30 — 50 cm 
langen Blättern zusammen, die auf der 
Oberseite ausgewachsen nahezu kahl sind, 
während die Unterseite namentlich auf 
den Nerven durch die reiche Haarbeklei- 
dung auffällt. Der 5 — 10 blumige Blüten- 
stand hat nur kleine Blüten, denen später 
die glänzend schwarzen, ovalen Früchte 
folgen. Eine sehr stark wachsende Art 
ist C. applanata Duthie, 1— 2 m Höhe 



42 



Die G a r t e ü w e 1 1. 



XXI, 4 



erreichend, von ausgebreitetem Wuchs, die Zweige überhängend, 
Blätter oval, dunkelgrün und nur wenig behaart, unterseits aber 
weißgrau-filzig. Während die Blüten weiter nicht auffallend sind, 
sind es desto mehr die fast kugeligen, in Menge sich bildenden 
Früchte von lebhaft roter Farbe. Es ist eine dem mittleren 
China angehörende Art. C. foveolala Rehd. et Wils. aus 
dem westlichen Hupeh ist von sparrigem Wuchs und wird 
2 — 3 m hoch. Den Blättern ist meist eine elliptische oder 
elliptisch-ovale Form eigen; sie sind mehr oder weniger spitz, 
4 — 7 cm lang, oberseits dunkelgrün und nur im Anfang 
behaart, unterseits an den Nerven dicht behaart. Die Blüten 
bilden 3 — 7 blutige Doldentrauben und sind zart rosa getönt. 
Während den fast kugeligen schwarzen Früchten kein be- 
sonderer Zierwert zukommt, ist die herbstliche Laubfärbung 
eine sehr schöne; der Strauch erfreut dann durch das leb- 
hafte Scharlach- bis Orangerot seiner Blätter. C. Henryana 
Rehd. et Wils. wurde wegen ihrer großen Ähnlichkeit mit 
C. rugosa von Schneider nur als Abart zu dieser gestellt, 
von dem ausgezeichneten Gehölzkundigen Alfred Rehder 
in Gemeinschaft mit Wilson aber als selbständige Art 
betrachtet. Ein 2 — 4 m hoher Strauch von ausgebreitetem 
Wuchs, weicht er von C. rugosa hauptsächlich durch dünnere 
und größere, auf beiden Seiten reich behaarte Blätter ab. 
Ebenso ist auch den Zweigen eine stärkere Behaarung eigen. 
Die Belaubung ist sonst von mattgrüner Färbung und etwas 
runzlig. Den in Doldenrispen stehenden weißen Blüten folgen 
die eirunden tief scharlachroten Früchte. C. horizontalis 
Decne var. perpusilla Schneider unterscheidet sich von der 
schon längst in der Gartenkultur verbreiteten Stammform 
durch schmalere und kleinere Belaubung, sowie auch durch 
kleinere Früchte, die in ihrer korallenroten Färbung und 
durch ihr reiches Erscheinen an den wagerecht ausgebreiteten 
Asten ungemein belebend wirken. Eine kriechende, immer- 
grüne, dicht wachsende Art lernen wir in C humifusa Duthie 
kennen, die, wenn sie den Anforderungen unseres Klimas 
standhält, wohl mit zu den besten gehören dürfte. Ihre 
langen niederliegenden Zweige, die mit lederartigen, ovalen 
bis länglich-elliptischen, stumpfen oder stachelspitzigen, dunkel- 
grünen Blättern besetzt sind, machen diese Felsenmispel so 
recht für Felsanlagen geeignet, wo die rutenförmigen Triebe 
über das Gestein sich ausbreiten können. Die Blüten sind 
weiß und stehen einzeln oder zu zweien auf kurzen Stielen. 
Sehr zur Erhöhung des Zierwertes trägt auch bei dieser Art 
der Fruchtschmuck bei, der aus kugligen scharlachroten Beeren 
besteht. Camillo Schneider hat diesen Strauch unter dem 
Namen C. Dämmert beschrieben. Recht hübsch durch die 
lebhaft roten Früchte ist auch C. multi/lora Bunge var. 
calocarpa Rehd. et Wils., die zum Unterschied von der 
typischen Art sich durch größere Belaubung und dickere und 
reichlicher erscheinende Beeren auszeichnet. Geringere Be- 
deutung als Zierstrauch dürfte der bis l'/., m hoch werdenden 
C nitens Rehd. et Wils. zukommen, zumal auch ihre schwarz- 
roten Früchte wenig auffallen. Wertvoller dürfte wieder 
C. racemiflora K. Koch var. microcarpa Rehd. et Wils. sein, 
zierlich in Belaubung und vor allem durch die kleinen ei- 
förmigen dunkelscharlachroten Früchte. Eine andere neue 
und zum erstenmal angebotene Form führt den Namen 
C. racemiflora K. Koch var. soongarica Regel ; ob sie gärt- 
nerisch von Bedeutung ist, geht aus dem Hesseschen Ver- 
zeichnis nicht hervor, es scheint aber nicht der Fall zu sein. 
So bliebe nur noch C. Zabeli Schneider übrig, die in den 
chinesischen Provinzen Schensi und Hupeh ihre Heimat be- 



sitzt und einen bis 2'/.2 m hohen Strauch mit schlanken, 
gelbgraufilzigen Zweigen darstellt, die Belaubung wird aus 
eiförmigen oder ovalen, abgerundeten oder zuweilen aus- 
gerandeten Blättern von IV2 — 2'/» cm Länge gebildet, die 
oberseits stumpfgrün sind, nur wenig Behaarung zeigen, auf 
der Unterseite dagegen mit grauem oder gelbgrauem Haar- 
filz bedeckt sind. Den rosafarbenen in wenigblütigen Dolden- 
rispen angeordneten kleinen Blüten folgen später die roten 
Früchte. Bemerkenswert bei dieser Art ist auch die gelbe 
Herbstfärbung des Laubes! K. Dolz. (Fortsetzung folgt.) 



Bäumeverwachsungen. (Hierzu zwei Aufnahmen vom Ver- 
fasser.) Zwei Paar sehr interessante Bäume befinden sich in der 
Umgebung des Neuen Palais bei Wildpark, welche ich durch zwei 
Aufnahmen hier wiedergebe. 

Abbildung Seite 43, unten, zeigt je eine in den Stämmen und 
in den Aesten zusammen verwachsene Buche und Platane. Die 
Entwicklung der beiden Bäume ist gleichmäßig stark. Der ge- 
meinsame Stammumfang beträgt 1 m unterhalb der Gabelung 
gemessen 4 m. 

An der Gabelung mißt die Buche 3 m, die Platane 2,20 m 
Stammumfang. 

Die obere Abbildung der gleichen Seite veranschaulicht je eine 
im Stamm und fünfmal in den Stammästen miteinander ver- 
wachsene Buche und Eiche. 

Bei diesem Baumpaar beträgt der gemeinsame Umfang der 
verwachsenen Stämme an der Gabelungsstelle 3,60 m. Der Umfang 
der Buche, ebendort gemessen 2,85 m. Die Eidie mißt 1,72 m 
Stammumfang. 

Auch hier sind die Höhe der Bäume und die Kraft im Wuchs 
als gleichmäßig zu bezeichnen. 

F. Kallenbach, Wildpark-Potsdam. 



Orchideen. 



Orchideenkultur im Zimmer. 
Von Paul Gersdorf, Chemnitz. 

Zimmergärtnerei! Ist das nicht eine zu unbedeutende 
Sache für die schwere Gegenwart ? Immer wieder beschleicht 
mich diese Frage, so oft ich meine Pfleglinge am Fenster 
mustere, während zu gleicher Zeit der Sinn im Westen weilt, 
wo ich den Sohn im Schützengraben weiß. Doch, könnte 
man wohl den Gang der großen Ereignisse günstig beein- 
flussen, indem man auf alle die Kleinigkeiten verzichtete, 
die das Leben ausfüllen helfen? Und sagt nicht Goethe, 
es sei nichts unbedeutend in der Welt? 

Geht man also den Zusammenhängen der Dinge auf den 
Grund, dann zeigt sich auch, daß es ganz berechtigt ist, 
wenn ausnahmsweise dem Zimmergärtner einmal das Wort 
erteilt wird, und daß der Erwerbs- und Ziergärtnerei sicher 
kein Nachteil daraus erwächst. 

Es sind in der „Garteuwelt" schon wiederholt Mit- 
teilungen über Zimmerkulturerfolge mit Orchideen erschienen. 
Erinnere ich mich recht, so wurden diese Erfolge meistens 
unter Benutzung eines Zimmergewächshauses erzielt. So er- 
freulich es nun auch ist, wenn dem Liebhaber durch dieses 
weder billige noch einfache Hilfsmittel die Möglichkeit ge- 
boten ist, in seiner Wohnung Orchideen zu pflegen, so kann 
dies doch nicht als wirkliche Zimmerkultur gelten. Dieselbe 
Ansicht wird auch in dem Schlechterschen Orchideenwerke 
vertreten. Diese Feststellung scheint mit sehr notwendig, 
um jeden Zweifel auszuschließen, was bei wirklicher 
Zimmerkultur erreichbar ist. Es sollten deshalb in keiner 



XXI, 4 



Die Gartenwelt. 



43 



fe^iSfc 


^y 


"MM '■ — ' ■ fJ^^'~ *— -^ ^ 




s ;>^''Vm/^«2 


^%v 








ft^ 




F 




n ^ 


^ w'- i 


!>,- 




t '^v 




••^n 






vwwftflTi,:' 


'.^■^^.^^•^^M 




IHR 



Vom Spätsommer bis ins Frühjahr brennt jeden Abend eine 
Gasflamme, um Weihnachten oft über fünf Stunden lang, 
ohne daß eine Schädigung der Pflanzen wahrnehmbar ist. 

Die Lüftung bewerkstellige ich schnell und gründlich 
durch Gegenzug; das Pflanzenfenster selbst bleibt jedoch 
stets geschlossen. Bei stundenlangem einseitigem Offnen der 
Fenster, wie es meistens geschieht, kühlt das Zimmer meiner 
Ansicht nach unnötigerweise aus, und es findet dabei kein 
so ausgiebiger Luftwechsel statt, als bei Zugluft in nur 
wenigen Minuten. Gegossen wird mit abgestandenem 
Wasser, bespritzt bei heiterem Wetter mit ebensolchem, mit 
Hilfe eines Zerstäubers, und zum Beschatten dient die 
Jalousie, meist in etwas schräger Stellung, so daß der 
Sonnenschein noch zur Hälfte Einlaß findet. — Und nun 
komme ich zu den Ergebnissen! 

Am meisten befriedigte mich bis jetzt das prächtige 
Odontoglossum grande, das ich seit acht Jahren habe. Nur 
einmal in dieser Zeit brachte es keine Blüten, und ich glaube, 
zu reichlicher Kuhdüngerguß während der Wachstumszeit war 
schuld daran, denn der Trieb fiel ungewöhnlich kräftig aus. 
Seitdem gebe ich nur nach der Blütezeit bis zur Fertig- 
bildung der Bulbe etliche Dunggüsse. 

Ich will nicht behaupten, daß ich Odontoglossum grande 
noch blühwilliger fände als verschiedene andere Arten; aber 
mit ihrer Größe und Schönheit zwingen seine Blüten fast 
jeden in ihren Bann. Darum und weil seine Behandlung 
nicht schwierig ist, wird es nicht nur zur Blumengewinnung 
in Gärtnereien öfter gezogen, sondern ist auch unter den 



Buche und Eiche, mit den Stämmen und fünfmal mit 
den Aesten scheinbar völlig verwachsen. 

Nach einer für die „Gartenwelt'* gefertigten Aufnahme. 

diesbezüglichen Veröffentlichung die Angaben über etwaige 
besondere Kultureinrichtungen fehlen. 

Die Leser der „Gartenwelt" wurden in der Nummer vom 
7. November 1914 zum ersten Male in meine „Orchideen- 
gärtnerei auf dem Fensterbrett" eingeführt und mit deren 
Entstehungsgeschichte, Einrichtung und Betriebsergebnissen 
bekannt gemacht. 

Über letztere will ich heute ausführlicher berichten, vor- 
her aber in bezug auf die Einrichtung nochmals erwähnen, 
daß ich kein Zimmergewächshaus habe. Meine Orchideen 
sind ganz der Zimraerluft ausgesetzt. Sie stehen auf um- 
gekehrten Untersetzern in einem seichten Zinkblecheinsatz, 
der das ganze vorher verbreiterte Fensterbrett einnimmt. 
Erst vor wenigen Jahren ließ ich mir denselben machen, 
hauptsächlich um beim Gießen „matschen" zu dürfen, meine 
„bessere Hälfte" nicht mehr mit dem häufigen Abtrocknen 
des Fensterbretts belästigen zu müssen und das unvermeid- 
liche Hinundherstellen der Pflanzen, die immer zahlreicher 
wurden, zu vermeiden. 

Jedenfalls trägt die Verdunstung des in den Einsatz ab- 
laufenden Gießwassers zum Wohlbefinden der Pflanzen mit 
bei; doch ich hatte auch gute Kulturerfolge, lange bevor 
ich den Einsatz anschaffte. Durch ein Gefäß mit Wasser im 
Ofen („Berliner" Kachelofen) wird beim Heizen für Ver- 
dunstung gesorgt, und geheizt wird, so oft es sich nötig 
macht, um eine behagliche Temperatur, also ungefähr 15 
Reaumur, im Zimmer zu haben ; natürlich sinkt dieselbe bei 
Kälte gegen den Morgen hin nicht selten bis unter 10**. 




Buche und Platane 
mehrfach scheinbar völlig mit einander verwachsen. 

Nach einer für die „Gartenwelt" gefertigten Aufnahme. 



44 



Die Gartenwelt. 



XXI, 4 



Zimmergärtnern einigermaßen eingeführt. Aber noch mancher, 
der die „Kaiserorchidee" blühend sieht, würde vielleicht 
einen Versuch mit ihr wagen, wenn er nur ahnte, wie gering 
ihre Ansprüche sind. Man sollte sich deshalb noch mehr 
um ihre weitere Verbreitung als Zimmerpflanze bemühen. 

Zuweilen bereitet Odontoglossum grande seinem Pfleger 
allerdings eine recht bittere Enttäuschung. Voll froher Hoff- 
nung sieht er den Blütenstengel heranwachsen ; fast zusehends 
werden die Knospen größer; schon scheint die braune Flecken- 
zeichnung durchs Grün, und dieses wandelt sich in Gelb um. 
Doch jetzt zeigt sich, daß etwas nicht in Ordnung ist. Anstatt 
sich zu öffnen, werden die Knospen immer gelber und dann 
gläsern, schrumpfen ein wenig und sterben ab. Mitunter 
gehen nur einige verloren, oft auch alle. Es kommt ebenso 
an alt durchwurzelten Pflanzen wie an solchen vor, die im 
gleichen Jahre in vollständig neues Material verpflanzt wurden. 
Zeigt sich diese betrübende Erscheinung auch im Gewächs- 
hause? Wie ist sie zu erklären und zu vermeiden? Fehlt 
es an Nährstoffen ? Oder an Feuchtigkeit, an Wärme, an 
Licht, an Schatten? Manche behaupten, es komme davon, 
daß die Pflanze gedreht wurde. Wer weiß es? 

Bei dieser Gelegenheit will ich sogleich bemerken, daß 
ich alle meine Pflanzen absichtlich drehe, um auf ihren Auf- 
bau einzuwirken. Oefterem Drehen verdanke ich, daß ich 
keine schiefen Pflanzen habe, und auf dieselbe Weise erreiche 
ich, daß z. B. der Blütenstengel bei Odontoglossum grande 
zwecks richtiger Raumausnützung nicht seitlich von der Pflanze, 
sondern über derselben zur Entfaltung kommt. 

Im Laufe der Jahre ist aus meinem ersten Odontoglossum 
grande mehr als ein halbes Dutzend geworden. Ich nahm 
nicht nur die anfänglich mehrteilige Pflanze auseinander, 
sondern brachte später auch an den einzelnen Teilen durch 
Zerschneiden des Erdstammes die alten Bulben zum Aus- 
treiben. Damit die schlafenden Augen an den alten Bulben 
sich genügend zum Austrieb vorbereiten können, führe ich 
den Teilungsschnitt bei Beginn der Ruhezeit aus, lasse aber 
alles ungestört im Topfe beisammenstehen bis zum nächsten 
Verpflanzen, das ich gewöhnlich alle zwei Jahre, Ende Mai 
oder Anfang Juni, vornehme. — Odontoglossum grande ge- 
deiht sehr üppig bei mir; zwei Triebe und zwei Blüten- 
stengel aus einer Bulbe sind dafür der beste Beweis. — 

Odontoglossum crispum ^= O. Alexondrae) , für manchen 
ein Sorgenkind, ist auch in Zimmerkultur etwas heikler als 
das vorige. Trotzdem pflege ich es als Grundstock meiner 
Sammlung seit ungefähr fünfzehn Jahren, und fast alljährlich 
erfreute es mich mit seinen zarlen Blumen. In den letzten 
Jahren hat es nicht so gut geblüht als früher, und es hält 
die Wachstums- und Ruhezeit nicht mehr regelmäßig ein. 
Vielleicht liegt dies an dem vor einigen Jahren erfolgten 
Wohnungswechsel. Mein jetziges Wohnzimmer hat genau 
Südrichtung, während das frühere mehr nach Osten lag, also 
weniger Sonnenschein erhielt. Auch hält sich die gegen- 
wärtige Wohnung im ganzen wärmer als die vorige, so daß 
die durchschnittliche Jahrestemperatur wohl etwas zu hoch ist. 

Odontoglossum Rossü verhält sich, wahrscheinlich aus den 
gleichen Gründen, ebenso wie jenes, hat aber bei aller Un- 
regelmäßigkeit wiederholt seine hübschen weiß- und braun- 
scheckigen Blüten hervorgebracht. Im Verhältnis zu der 
kleinen Pflanze erscheinen dieselben außerordentlich groß, eine 
Eigenschaft, die dieses Odontoglossum namentlich für den- 
jenigen wertvoll macht, der auf ganz wenig Raum doch etwas 
recht Schönes haben möchte. Es verdient deshalb für Lieb- 
haber warme Empfehlung. 



Wie ganz anders als im Gewächshause die Kulturmaß- 
nahmen sich im Zimmer gestalten können, zeigt die Tat- 
sache, daß ich bei Odontoglossum Rossü fast stets, bei ü. 
crispum und O. grande ziemlich oft mitten in den jungen 
Trieb hineingieße, und zwar mit Absicht. Im Innern des 
neuen Triebes haften nämlich die Blätter sehr fest zusammen, 
so daß sie bei der Weiterentwicklung häufig nicht imstande 
sind von einander loszulassen, wenn es an der lösenden 
Feuchtigkeit fehlt ; sie schieben sich dann in Querfalten und 
werden dadurch verunstaltet. Mit dem Gießen ins Herz 
beuge ich diesem Uebel vor. Im Gewächshause könnte man 
mit solcher Gießerei unter Umständen den ganzen Jahrestrieb 
gefährden ! — 

Odontoglossum bictoniense hat kürzlich bei mir zum dritten 
Male geblüht. Bescheiden ist es gegen das sieghafte O. 
grande; auch O. crispum und O. Rossii mögen es über- 
treffen. Trotzdem wirkt seine langgestielte, lockere Blüten- 
traube zierlich und vornehm. Allen Beschreibungen nach 
sollen die fünf äußeren Blütenblätter gelbgrün mit braunen 
Flecken, die Lippe heller oder dunkler violett sein. Da- 
gegen sind die Blüten meiner Pflanze bräunlich violett oder 
trüb weinrot, an den Rändern ins Grünliche übergehend und 
durchschfeinend, der Träger der Befruchtungsorgane und der 
Grund der Lippe blaßgelb, der herzförmig vorstehende, 
ziemlich große Hauptteil der Lippe aber milchweiß und matt 
seidenartig oder krystallisch glänzend. Ich nehme an, daß 
ich die Abart „album" besitze. Das blendende Weiß der 
Lippen veranlaßte eine befreundete Dame zu dem sehr 
treffenden Vergleich mit neugewaschenen Lätzchen ! Bei 
aller Zartheit halten sich die anmutigen Blumen doch vier 
bis sechs Wochen lang, wie die der vorgenannten Arten mit 
Ausnahme von O. grande, das nur halb so lange steht. 

Nach dem Abblühen gebe ich der Pflanze in einem 
kühleren Zimmer bei sehr mäßiger Feuchtigkeit sechs bis 
acht Wochen Ruhe. Bei O. crispum und O. Rossii tat ich 
dies auch schon, aber mit weniger gutem Erfolg. Odonto- 
glossum bictoniense scheint an seinen dicken Wurzeln gegen 
stärkere Feuchtigkeit empfindlicher als die anderen genannten 
Arten zu sein. Im übrigen ist es ziemlich wüchsig; starke 
Bulben bringen nicht nur seitlich, sondern manchmal auch 
am Ende einen Blütenschaft hervor. 

Miltonia Regnellii, eine schlanke, zart gelblichgrüne Pflanze, 
die in der „Gartenwelt" schon als Zimmerorchidee erwähnt 
wurde, hat sich auch bei mir durch wiederholtes Blühen 
bewährt. Obwohl ihre zartweißen Blumen mit dem feinen 
lila- oder rosafarbigen Hauch und der dunkellilablau ge- 
streiften Lippe recht hübsch aussehen, wollte sie mir anfangs 
nicht gefallen, weil immer die nächste Blume erst dann auf- 
blüht, wenn die vorhergehende im Verblühen ist. Nachdem 
ich aber durch mehrmalige Teilung des Erdstammes etliche 
alte Bulben zum Austreiben gezwungen und somit eine mehr- 
triebige Pflanze erzielt hatte, brachte dieselbe auch mehrere 
Blütenstengel, so daß meistens einige Blumen zugleich blühten, 
und die Pflanze nun ganz nett aussah. Sie hat aber anderen 
Versuchsobjekten weichen müssen ! 

Bei den mehrfach vorgenommenen Teilungen beobachtete 
ich, daß Lycaste Skinneri, Oncidium leucochilum und einige 
Miltoniaarten am schnellsten austrieben. Auch Brassia veru- 
cosa, Coelogyne cristata, Oncidium Cavendishianum, Laelia 
anceps und L. purpurata „besannen" sich nicht allzu lange. 
Länger dauerte es bei Odontoglossum grande und O. bic- 
toniense, und am längsten bei O. crispum; letzteres versagte 
auch einmal gänzlich, und ebenso war Epidendrum vitellinum 



XXI, 4 



Die Garte aweit. 



45 



nicht zum Austreiben zu bewegen. Ob die genannten Arten 
sich immer so verhalten, bedarf noch der Ermittelung. 

Von ungefähr zehn Cypripediumarten hat nur Cypripedium 
insigne öfter geblüht, die anderen fast nicht. Vielleicht 
hätten noch einige von ihnen die Lorbeeren errungen, wenn 
es stärkere Pflanzen gewesen wären. Aber starke Cypripedien 
brauchen viel Platz, und der ist bei mir nicht im Ueberfluß 
vorhanden. Aus diesem Grunde habe ich selbst das erprobte 
und äußerst haltbare C. insigne abgegeben. 

Auch Stanhopea tigrina hat das Feld räumen müssen, 
nachdem sie mit ihren wunderlichen Blumengebilden und dem 
schier betäubenden Geruch die „ganze Freundschaft" einige- 
mal in Staunen versetzt hatte. Der Gedanke an die kurze 
Dauer ihrer Blüteuherrlichkeit erleichterte mir einigermaßen 
die Trennung, und dann, als ihre großen plectogynenartigen 
Blätter den Nachbarpflanzen das so nötige Licht nicht mehr 
raubten, war ich geradezu froh, sie los zu sein. 

Aus Rücksicht auf die Raumverhältnisse und auf meinen 
Geschmack bin ich nach und nach dazu übergegangen, ge- 
wisse Anforderungen an diejenigen Orchideenarten zu stellen, 
welche mir zu Kulturversuchen dienen sollen. Arten, deren 
Blüten in dichtgedrängten Trauben beisammen oder auf 
kurzen Stielen unter der Belaubung stehen oder abwärts 
wachsen, kommen nicht in Betracht, da sie entweder als 
weniger schön oder als unbequem gelten können. Sehr groß- 
und breitblättrige Arten, sowie solche mit sparrigem Wuchs 
und mit großen Gliedern zwischen den Bulben schalte ich 
ebenfalls als unbequem, licht- oder platzraubend aus. Da- 
gegen betrachte ich Arten mit dicht beisammenstehenden 
Bulben, mit Blättern von mäßiger Länge und Breite, nicht 
überlangen Blütenschäften in graziöser, möglichst aufrechter 
Haltung und mit lockerem Blütenstand als Idealpflanzen. 
Auf Grund dieser Bedingungen habe ich eine Reihe von 
Arten aus meiner Sammlung ausgeschlossen. Andere Arten wie 
Oncidium, Epidendrum, Miltonia, Odontoglossum, von denen 
mehrere schon blühten, befinden sich gegenwärtig noch im 
Prüfungsstadium, und wieder andere stehen noch auf dem 
Wunschzettel ! 

Es ist zu begreifen und zu begrüßen, wenn manche 
Orchideenliebhaber auch Erstlingserfolge in dieser oder jener 
Zeitschrift bekannt geben, um ihre Freude mit anderen zu 
teilen; nur sollte man sich hüten, die betreffenden Arten 
schon daraufhin als „Zimraerorchideen" anzusprechen. In den 
meisten Fällen handelt es sich doch um Pflanzen, die nicht 
lange zuvor als kräftige „Importen" oder als eingewurzelt 
(„etabliert") und blühfähig angeschafft wurden, also noch von 
alter Kraft zehrten. Ja, es gibt Leute, die schon dann zur 
Feder greifen und hochbefriedigt die „haltbare Zimmerpflanze" 
rühmen, wenn dieselbe, mit vorgerückten Knospen oder 
blühend erworben, nur einige Wochen lang den Blumentisch 
geschmückt hat. 

Meine Orchideen ka'men nur zum Teil blühfähig in meine 
Hände, denn ich bin durchaus nicht in der Lage, mir öffer 
ein solches Wertstück zu kaufen. Etliche erhielt ich, wie 
schon erwähnt, durch eigene Vermehrung, andere durch 
Tausch oder als Abtrennlinge geschenkt von Bekannten und 
selbst von fast Unbekannten, denen die Versuche interessant 
waren. Soweit es mir nun gelungen ist, |den ur- 
sprünglichen Kräf tezustand der Pflanzen in mehr- 
jähriger Pflege auf gleicher Höhe zu erhalten oder 
noch zu vervollkommnen, soweit getraue ich mir, 
diese Arten als „Zimmerorchideen" zu bezeichnen. 



Ich hoffe zuversichtlich, es wird nicht bei den heute ange- 
führten bleiben. Inzwischen hören wir vielleicht die Friedens- 
glocken läuten ! 

Gärtnerisches Unterrichtswesen. 



Zur beruflichen Ausbildung des Nachwuchses. 

Ein Mahnwort an alle, die es angeht. 

Von Arthur Eimler. 

Was vom Handwerk, vom Handelsgewerbe, von Industrie 
und Technik gilt, gilt auch im besonderen Maße von Land- 
wirtschaft und Gartenbau. Seit geraumer Zeit sind die 
beruflichen Verbände des gesamten volkswirtschaftlichen Lebens 
mit Fleiß bemüht, Vorsorge für die Weiterentwicklung von 
Handel und aller für das Volkswohl tätigen Erwerbsstände 
nach dem Kriege sowohl als auch schon jetzt während 
des Krieges zu treffen. Zu dieser Vorsorge gehört vor allem 
die Ausbildung des Nachwuchses und nicht zuletzt diejenige 
unseres gärtnerischen Nachwuchses. Schon in 
Friedenszeiten hat man ja die Notwendigkeit einer ver- 
tieften Lehrlingsausbildung durchaus anerkannt und 
ist fortwährend bestrebt gewesen, den jungen Leuten eine 
Ausbildung und Erziehung zu sichern, wie sie für den Beruf 
des gärtnerischen Facharbeiters besonders geeignet und zweck- 
mäßig erscheint. 

Die Erfahrungen des Krieges und die für den Absatz 
gärtnerischer Erzeugnisse nach dem Kriege zu erwartenden 
Schwierigkeiten verlangen eine möglichst große Zahl aufs 
beste ausgebildeter Fachleute für alle Zweige unseres 
gärtnerischen Berufslebens, damit für die weitere Entwicklung 
desselben sowohl nach der Richtung der zunehmenden Ver- 
feinerung als auch der vermehrten Massenerzeugung eine ge- 
nügende Anzahl hochwertiger Arbeitskräfte zur Verfügung 
steht und die durch den Krieg gerissenen Lücken durch den 
Nachwuchs ausgefüllt werden können. 

Die gärtnerischen Berufsverbände müssen fortgesetzt be- 
strebt sein, durch Hinweis auf gute Ausbildungsmöglichkeiten 
und auf die nach dem Kriege zu erwartende höhere Be- 
wertung der gelernten Arbeit, junge Leute für die .Ausbil- 
dung in der Gärtnerei zu gewinnen. Das erscheint not- 
wendig, um berecht igten Klagen über Ab Wande- 
rung der hier ausgebildeten jungen Leute in 
die Industrie, in das Handelsgewerbe und den 
Handwerkerstand vorzubeugen. 

Trotz der Erschwerungen, welche die Kriegszeit für die 
gärtnerischen Betriebe mit sich gebracht hat, muß es als 
erfreuliche Tatsache bezeichnet werden, daß zur Lehrlings- 
ausbildung an verschiedenen Stellen sowohl vorhandene Ein- 
richtungen ausgebaut und verbessert, als auch neue Einrich- 
tungen geschaffen worden sind. Freilich, für den Ausbau 
der höheren staatlichen Gärtnerlehranstalten sind seit Jahren 
bedeutende Mittel aufgewendet worden, während für niedere 
gärtnerische Bildungsanstalten , denen die Ausbildung des 
eigentlichen Gärtnerstandes obliegt, vom Staate so 
gut wie gar nichts geschehen ist. Dankend ist anzuerkennen, 
daß hingegen deutsche Stadtverwaltungen unter Aufwendung 
bedeutender Mittel gärtnerische FSchklassen an den 
gewerblichen Fortbildungsschulen eingeführt haben, wodurch 
dem Gärtnerstand die gleiche Fachausbildung wie dem 
Handwerk und Handelsgewerbe zuteil wird. In anderen 
Städten sind es die Handelsgärtnervereine gewesen, welche 
aus eigenem Vermögen die Mittel zur Erlangung einer ge- 



46 



Die Gartenwelt. 



XXI, 4 



eigneten Fachschulbildung dem jungen Gärtnervolk bereit- 
willigst zur Verfügung stellten. Diese Mittel konnten jedoch 
auf die Dauer und namentlich jetzt in dieser wirtschaftlich 
schweren Zeit kaum genügen, um einen wirklich gediegenen 
fachlichen Fortbildungsunterricht aufrecht zu erhalten, wenn 
nicht Gemeinde, Staat oder sonstige hochherzige Gönner 
hilfreich einsprangen. Inanbetracht des großen Mangels an 
gutem, geschultem Personal, der sich späterhin noch weit 
fühlbarer machen dürfte, ist es aber unbedingt erforderlich, 
sich immer wieder mit der Frage zu beschäftigen, die gleich- 
bedeutend ist mit dem erfolgreichen Bestehen jeden gärtne- 
rischen Betriebes, mag er noch so klein sein. 

Wiederholt ist schon von berufensten Vertretern unseres 
Standes diese Angelegenheit eingehend erörtert worden. Be- 
sonderer Dank gebührt Herrn Obergarteninspektor Jung in 
Köln für seine unermüdliche Tätigkeit auf dem Gebiete des 
gärtnerischen Fortbildungswesens. Leider finden seine Be- 
mühungen und Veröffentlichungen immer noch nicht die rechte 
Würdigung und Anerkennung sowohl seitens der Herren 
Handelsgärtner als auch seitens der Behörden, wie es eigentlich 
wünschenswert und notwendig wäre. In vielen Kreisen hat 
dazu die Kriegszeit eine Mißstimmung, ein Mißtrauen für 
alles Zukünftige, Vorwärtsstrebende hervorgerufen, was be- 
dauerlich ist und angesichts unserer herrlichen Erfolge in 
Ost und West gänzlich unbegründet erscheint. Von bloßen 
Erwägungen allein sind niemals glückliche Ergebnisse zu 
erwarten, den vielen Vorschlägen, Mahnungen und wohl- 
verständlichen Erklärungen müssen endlich tatkräftige und 
schaffensfreudige Handlungen folgen. Die vielerorts vor- 
liegenden Beweise aus friedlichen Tagen müssen vollends 
genügen, auch jetzt, wo wir mitten im Krieg im Grunde 
genommen recht friedlich in der deutschen Heimat fortleben, 
die Förderung und das Gedeihen des gärtnerischen Nach- 
wuchses mit allen zu Gebote stehenden Mitteln wieder auf- 
leben und unabläßlich fortsetzen zu lassen. Es ist die un- 
abweisbare Pflicht der Aelteren, den Jüngeren das zukommen 
zu lassen, was sie zu beanspruchen haben. Wir brauchen 
tüchtige Gärtner, die nicht nur mit Spaten und Pickel um- 
zugehen verstehen, sondern auch etwas mehr zu leisten ver- 
mögen, was man so unter dem Begriff „Allgemeinbildung" 
gern zu bezeichnen pflegt. Ein tüchtiger Gärtner muß heute 
unbedingt neben naturwissenschaftlichen Kenntnissen und ge- 
nügend praktischen Erfahrungen auch solche besitzen, die 
mehr auf wirtschaftlichem Gebiete liegen. Fortwährend werden 
an die Leistungsfähigkeit des Einzelbetriebes, an den ver- 
mehrten Wettbewerb, verbunden mit erhöhten Betriebskosten 
und der Notwendigkeit erweiterter Absatzgebiete die höchsten 
Anforderungen gestellt. Sie zwingen den Gärtner im Da- 
seinskampf geradezu zur Einführung einer guten kauf- 
männischen Betriebseinrichtung. Nur mit Verständnis für 
gute kaufmännische Rechnung lassen sich heute gärtnerische 
Unternehmungen erfolgreich durchführen und erhalten. Kommt 
noch für landschaftsgärtnerische Betriebe die Mitarbeit künst- 
lerisch befähigter Kräfte hinzu, um so besser für das be- 
treffende Geschäft. 

Gerade weil der Krieg solch furchtbare Lücken in unsere 
Reihen gerissen und sich die Besten zum Opfer auserkoren 
hat, müssen wir umsomehr für die Lösung des Bestrebens 
nach einer besseren Berufsausbildung Sorge tragen, als diese 
überhaupt eng mit der reichsgesetziichen Regelung des gärtne- 
rischen Lehrlingswesens verbunden ist. Im kommenden Frieden 
muß unverzüglich die Erledigung dieser Tagesfrage mit Nach- 



druck gefördert werden. Unsere gesamten handelsgärtnerischen 
Berufsgenossen benötigen zur Erzeugung unserer großen volks- 
wirtschaftlichen Werte ein ebenso fachlich praktisches als 
auch, dem heutigen Fortschritt im Gartenbau entsprechend, 
mit genügender Ausbildung ausgestattetes Gärtnerpersonal; 
auf dessen fachliche Ausbildung muß nach wie vor 
der größte Wert gelegt werden. 

Wie sieht es aber bei der Mehrzahl der gärtnerischen 
jungen Kräfte aus! Meist gilt der Lehrling als billige Arbeits- 
kraft. Außer rein mechanischen Handarbeiten und einigen 
nur geringe Kenntnisse voraussetzenden beruflichen Arbeiten 
wird ihm allenfalls eine notdürftige fachlich-theoretische Aus- 
bildung zuteil, die einer besseren wert wäre. Sind die drei 
Jahre seiner Lehrzeit mit Ach und Krach zu Ende geführt, 
so glaubt der junge Mann plötzlich genügend in allen ein- 
schlägigen Fragen des Gartenbaues, wenn nicht gar auch der 
Gartenkunst bewandert zu sein, um möglichst „selbständig" 
einen Posten bekleiden zu können. Das Streben nach fach- 
licher Weiterbildung tritt dabei im heutigen gärtne- 
rischen Nachwuchs recht wenig hervor, wenn nicht ein gewisser 
Zwang oder die freundlich entgegenkommende Anregung 
hierzu genügend Anlaß gibt. Ein weitverbreitetes Uebel 
besteht aber auch leider noch darin, daß viele junge Leute 
angeblich als Gärtner angenommen und beschäftigt 
werden, ohne ernstlich darnach zu fragen, ob sie wirklich 
eine ordnungsmäßige Lehre hinter sich haben. Es 
ist dringend erwünscht, daß alle in der Berufsberatung irgend- 
wie tätigen Stellen und Personen gleichfalls dahin wirken, 
daß auf alle Fälle eine Lehrzeit nachzuweisen 
ist, bevor die jugendlichen Arbeiter Anspruch auf höheren 
Verdienst stellen können, ja, daß sie überhaupt nicht des 
sofortigen Verdienstes wegen ohne Lehrvertrag eintreten, 
andernfalls sie einfach als ungelernte Arbeiter fortan zu führen 
und entsprechend zu entlohnen sind. 

Gärtnerische Fachklassen an Fortbildungsschulen sind, 
wie bereits erwähnt, an vielen Orten seit langem mit er- 
freulichem Erfolg tätig. Neben ihnen können aber ebensogut 
selbständig arbeitende Winterschulen für Gärtner 
im Anschluß an die landwirtschaftlichen Winterschulen ein- 
gerichtet werden. Ohne besonders hohen Kostenaufwand 
können sich hier minderbemittelte Gärtner manch wichtige 
theoretische Kenntnisse erwerben, wozu ihnen anderwärts 
keine Gelegenheit geboten ist. Gärtnerisches Spezialzeichnen, 
Gartenkunst und Botanik in erschöpfender Form lehren zu 
wollen, würde viel zu weit führen und die Zeit würde nicht 
ausreichen, um vor allem eine einheitliche Grund- 
lage in der unserer Zeit entsprechenden Ausbildung kurz 
und sachlich in Beziehung zu Theorie und Praxis zu 
schaffen. Wie Herr Jung ganz mit Recht betont, ist ein 
bestimmtes Wissen weniger in der Lebenspraxis weit 
nützlicher als die Viel- und Halbwisserei, die leider in 
unserem Gärtnerstand so sehr zur Verbreitung eines mäßigen 
Künstlerfimmels beiträgt. 

Es ließe sich hier noch manches über fachliclien Unter- 
richt sagen, mit dessen Ausführung selbstverständlich ein gut 
vorbereitender Anschauungsunterricht Hand in Hand gehen 
muß, unterstützt von Besichtigungen gärtnerischer Betriebe, 
Baumschulen, Obstanlagen und öffentlichen Anlagen. Auch 
die Frage der Prüfung von Gä rt n er lehrl i n gen 
gehört hieher. Sie ist möglich, und einen Beweis dafür 
erbrachte im Frühjahr 1916 der Prüfungsausschuß für die 
Landwirtchaftskammer der Provinz Schlesien, welcher die 



XXI. 4 



Die Garteawelt. 



47 



erste Gärtnerlehrlingsprüfung in der Schloßgärtnerei Lang- 
halwigsdorf, Kreis Bolkenhain, vollzog. An sich ist die Frage 
der Prüfung von Gärtnerlehrlingen heikel genug, und man 
wollte lange Zeit hiervon nichts «rissen. Welch Armuts- 
zeugnis aber sich hiermit der ganze Gärtnerstand ausstellte, 
wollte niemand so recht eingestehen. In vielen Gärtner- 
vcrsammlungen ist die Angelegenheit gründlich besprochen 
worden, auch der Reichsverband für den deutschen Gartenbau 
beschäftigte sich eingehend hiermit, aus lauter Erwägungen 
und Beratungen, die wohl manche „Resolution", auf gut 
deutsch Beschluß oder Entschließung, zutage förderten, kam 
man nicht heraus und dabei blieb es. Jeder Schuster- und 
Schreinerlehrling hatte eine Prüfung zu bestehen, bevor er 
in den Gesellenstand treten durfte, nur der Gärtnerlehrling 
hatte die „Freiheit", nach beendeter Lehrzeit ohne besondere 
Ermächtigung, nur mit dem oft recht zweifelhaften Lehr- 
zeugnis ausgestattet, welches oft genug dem betr. Lehrherrn 
selbst ein recht merkwürdiges Zeugnis ausstellte, sich einfach 
Gehilfe oder auch „Kunstgärtner" betiteln zu dürfen. In 
einem Staat, in dem alles nach wohldurchdachten Gesetzen 
und Verordnungen geregelt ist, sind heutzutage solche Zu- 
stände, wie die eben kurz erwähnten, kaum noch denkbar, 
sollten wenigstens nur in ganz vereinzelten Fällen vorkommen, 
sind aber tatsächlich in mehr als hundert Fällen nachzu- 
weisen. Leider! Und dem muß abgeholfen werden. Warum 
besteht noch kein Zwang, an Fortbildungsschulen Fachklassen 
für Gärtner einzuführen, welche unendlich viel wichtiger als 
belangloser Geschichts- oder Religionsunterricht wären, der ja 
an und für sich gutzuheißen ist, aber in keine Fortbildungs- 
schule gehört. Jedenfalls läßt sich mit einigermaßen gutem 
Willen und Entgegenkommen seitens der Behörden noch mehr 
in dieser Hinsicht erreichen, als bisher geschehen ist, es 
dürfte nur nicht alles so auf die lange Bank geschoben werden. 
Aus bloßen Erwägungen und Beratungen kommt, wie gesagt, 
tatsächlich nichts zustande. 

Noch ein Wort zur Frage der Beschäftigung von 
Frauen im Gärtnerberuf. Warum in aller Welt dieses Für 
und Wider. Gehen wir doch wie überall so auch hier den 
goldenen Mittelweg. Wir erleben in unserer völlig um- 
gewandelten Zeit, daß Frauen als Straßenbahnschaffner, Zahn- 
ärzte, Postboten, Hilfsarbeiter in kaufmännischen Büros, ja, 
sogar als Droschkenkutscher oder Kraftwagenlenkerinnen tätig 
sind. Sollte es denn gar nicht möglich sein, eine Einigung 
über die Frage zu erzielen, ob sich die Frau für die Gärtnerei 
eignet oder nicht! Die Ausführungen von Frl. Hilde Jäger 
sowie die verschiedentlichen Veröffentlichungen von Herrn 
Janson über diese Angelegenheit gipfeln wohl allesamt in 
dem einen Satz: Eine zielbewußt arbeitende, mit 
starker Willenskraft und Schaffensfreudigkeit, 
verbunden mit vollem Verständnis für gärtne- 
risches Können und Wissen gewappnete Frau, 
kann sehr wohl imstande sein, einen ihrer Per- 
sönlichkeit und sonstigen Veranlagung ent- 
sprechenden Posten mit Fleiß und Geschick zu 
bekleiden. Wir erleben ja leider sehr oft auch unter 
männlichen Berufsgenossen manch bittere Enttäuschung, die 
meist um so größer ist, als solch ein Gartenbaubeflissener oft 
zu den größten Erwartungen und Hoffnungen Veranlassung 
gab. Wie manche Handelsgärtnersfrau, deren Mann seit 
langem zu den Waffen geeilt ist, weiß mit recht viel Um- 
sicht und Sachkenntnis den Betrieb unter Aufbietung aller 
Kräfte und Mittel hoch zu halten, daß man oft staunen muß. 



wo sie das alles her hat. Die Zeit wird schließlich noch 
kommen, daß wir gezwungen sein werden, junge Mädels, 
die Lust und Liebe zur Sache haben, den gärtnerischen Be- 
ruf zu erlernen, als Lehrlinge einzustellen. Was wollen wir 
machen, wenn das Menschenmorden weitergeht, wenn die 
Blüte des Volkes dahingerafft wird, noch ehe sie zur rechten 
Entfaltung gelangt ist? Sollte trotzdem der langersehnte 
Frieden unerwartet und plötzlich wie ein Wunder über uns 
kommen, so wird immerhin viel Zeit darüber vergehen, bis 
die vielen Lücken gefüllt sind, welche der Krieg gerissen, 
und manche Frau, manches Mädchen wird noch gezwungen 
werden, einen Beruf zu erwählen, weil der Mann, der Er- 
nährer nicht mehr ist. Sollte zu diesem zu erwählenden 
Berufe der gärtnerische am wenigsten geeignet sein? Ich 
glaube es nicht. 

Die Zeit wird es lehren ! 



Gemüsebau» 



Durchhalten ! Dieses Wort ist dem deutschen Volke für die 
Kriegsdauer zur Losung- geworden. „Aber nicht hinsichtlich unserer 
Waffentätigkeit soll es angewendet werden, mit dieser wollen wir 
mehr tun als Durchhalten" sprach im Deutschen Reichstage der 
preußische Kriegsminister. Wie recht er damit hatte, beweist aufs 
Neue der jüngste Kriegsschauplatz! 

Wirtschaftlich hingegen hat dieses Wort zurzeit die höchste 
Bedeutung, und darum ist es Pflicht eines jeden Deutschen, sein 
möglichstes zu tun, um dieses unerläßliche Ziel zu erreichen. Die 
größtmöglichste Ausnützung unserer Anbaufläche ist hierzu aber 
notwendig, und kein geeignetes Fleckchen Boden darf unbebaut 
liegen bleiben. Aber nicht auf Erzeugung größter Mengen allein 
soll unser Streben gerichtet sein, auch deren Güte muß möglichst 
gefördert werden. 

Eine besondere Schwierigkeit ist uns heuer bezüglich unserer 
Kartoffelernte entstanden. Gott sei Dank ist uns im übrigen, 
sowohl in Getreide und Futtermitteln als auch in Gemüsen, eine 
so reiche Ernte beschieden gewesen, daß der Ausfall an Kartoffeln 
wieder ersetzt wird. Aber die Kartoffel ist eben für die breite 
Masse des Volkes doch ein erstes Hauptnahrungsmittel, auch schon 
hinsichtlich ihrer bequemen Aufbewahrung und besonders ihrer 
vielfachen Verwendbarkeit. Deshalb muß jetzt schon alles, was 
geeignet erscheint, die nächstjährige Kartoffelernte möglichst reichlich 
zu gestalten, getan werden, da man eben nicht weiß, ob wir nicht 
im nächsten Jahre wieder mehr als heuer darauf angewiesen sind. 

Es sei mir deshalb gestattet, auf eine diesbezüglich günstige 
Beobachtung hinzuweisen. 

Südlich von meiner Heimat Neuburg an der Donau dehnt sich 
das „große Donaumoos" aus. Zu der Zeit, als Deutschland noch 
schwach bevölkert war, kümmerte sich wohl niemand um diese öde, 
„unfruchtbare" Fläche. So war es bis vor etwa 130 Jahren. 
Kurfürst Karl Theodor von Bayern war es, der um das Jahr 1790 
mit der Trockenlegung begann, und durch weitestgehende Be- 
günstigung seine Besiedelung förderte. Schenkung von Grund und 
Boden, Befreiung vom Militärdienst für zwei Geschlechter, Steuer- 
freiheit für die ersten 30 Jahre u. dergl. lockten auch alsbald 
Siedler an. Aus allen Gauen Deutschlands, besonders aber aus 
Baden und der Rheinpfalz kamen diese „Kolonisten", wie sie heute 
noch genannt werden, herbei, um die Urbarmachung dieses Mooses 
zu beginnen. Dank ihrer Erfolge blieben sie sitzen und haben 
es durch Fleiß und Ausdauer sogar zu einer ziemlichen Wohl- 
habenheit gebracht. 

An Feldfrüchten wird hier, mit Ausnahme von Weizen, so 
ziemlich alles gebaut, hauptsächlich aber Kartoffeln. Diese nun 
sind es, auf deren besonderen Wert hinzuweisen der Zweck dieser 
Zeilen ist. Der Hauptwert der im Donaumoos erzeugten Kartoffeln 
liegt nämlich darin, daß dieselben als Saatkartoffeln zum 
Nachbau auf Mineralboden ganz besonders geeignet sind 



48 



Die Gartenwelt. 



XXI, 4 



und die auf Mineralboden gewachsenen weit übertreffen. In weiteil 
Umkreise des Donaumooses werden, infolge der vorzüglichen Er- 
fahrungen, welche damit gemacht worden sind, Mooskartoffeln all- 
gemein bevorzugt. Es gibt dort kaum einen Bauern, der nicht 
alljährlich oder doch mindestens alle paar Jahre, seine Saatkartoffeln 
aus dem Moose bezöge. Gesunder Wuchs, reichliche Ernte und 
vorzügliche Güte der Knollen sind eine Folge des Nachbaues aijf 
Mineralboden. Nicht minder wichtig ist das Bewahren der guten 
Sorteneigenschaften, wie das leider bei fortgesetzter Kultur auf 
Mineralboden nicht der Fall ist (Degeneration). ' 

Das alles sind so auffällige Vorteile, daß es sich'wohl lohnt, 
darauf hinzuweisen. 

Sollte diese günstige Beobachtung auch anderswo, d. h. mit 
Saatkartoffeln aus anderen Mooren Deutschlands gemacht worden 
sein, so müßte unbedingt dafür gesorgt werden, die noch vor- 
handenen Mengen — und es dürften wohl noch zehntausende von 
Tonnen von sämtlichen deutschen Mooren vorhanden sein, da doch 
In den letzten Jahren oder Jahrzehnten viele Moore kultiviert 
wurden — als Saatgut der Landwirtschaft zuzuführen. 

Hier würden dieselben einen unvergleichlich höheren Wert haben, 
als wenn sie als Speisekartoffeln, als welche sie infolge ihres seifigen 
Geschmackes recht unbeliebt sind, oder gar zu Brennzwecken — 
wie das aus gewissen Gründen nur allzugerne geschieht — Ver- 
wendung finden würden. 

Außer dem großen Nutzen, welchen unsere Landwirtschaft und 
damit auch die Allgemeinheit durch Verwendung der Mooskartoffeln 
als Saatgut hätte, würden, durch die bedeutend höheren Preise, 
welche gute Saatkartoffeln im Gegensalze zu minderwertigen Speise- 
kartoffeln haben, unsere Moorkulturen, zumal die staatlich be- 
triebenen, welche durch die großen Zuschüsse, die sie erforderlich 
machen, schon zu mancher, allerdings oft recht kurzsichtigen Kritik 
Anlaß gaben, sich lohnender gestalten. 

Erwähnt sei hier noch, daß in den staatlich betriebenen Moor- 
kulturen am Chiemsee in Oberbayern, wozu in Friedenszeiten die 
Arbeitskräfte aus den bayerischen Strafanstalten und während des 
Krieges aus den Kriegsgefangenenlagern bezogen werden, die dies- 
jährige Kartoffelernte besonders gut — es wurden pro Hektar 
300 Zentner erzielt — und weit über der Durchschnittsernte des 
Reiches ausgefallen ist. Ludwig Eubel, Amberg. 

i 

Esel im Gartenbau, natürlich vierbeinige. In meinen bis- 
herigen Stellungen hatte ich nie Gelegenheit, Esel als Zugtiere 
kennen zu lernen, ich war deshalb wenig erfreut, als mir bei 
Antritt meiner gegenwärtigen Stellung 2 dieser langohrigen Grau- 
tiere als Gartengehilfen übergeben wurden. Der Umgang mit 
beiden Eseln hat mich eines besseren belehrt. Ich ziehe heute den 
Esel in vieler Hinsicht dem Pony vor. Der Esel ist von ruhiger 
Gangart, und die enge Stellung seiner Hufe ermöglicht es dem 
Gärtner, ihn auch zwischen engen Pflanzreihen zu verwenden, 
zwischen welchen die Verwendung von Pferden nicht gut möglidi 
ist. Ich möchte jedem Kollegen, der leichtes Gespann braucht, den 
Rat geben, es einmal mit Eseln zu versuchen. Die Anschaffungs- 
kosten sind nicht groß, die Unterhaltungskosten in ländlichen Wirt- 
schaften außerordentlich gering. Die hiesigen Esel werden im 
Winter mit Häcksel, Kartoffelschalen und Heu ernährt, im Sommer 
ernähren sie sich dagegen fast selbst ; sie werden in arbeitsfreien 
Stunden herausgelassen, suchen dann den ausgedehnten Hofraum 
ab und finden hier ihren Tisch reich gedeckt, vor dem Kuh- und 
Pferdestall das angefahrene Grünfutter, in den offenen Scheunen 
die Garben, die Körner vor dem Hühnerstall. Weiter grasen sie 
in der Nachbarschaft, so daß sie oft nicht rasch zu finden sind, 
wenn sie eingespannt werden sollen. Esel ziehen schwer, audi 
liehen sie ohne weiteres an, so oft sie sollen ; störrisch ist der Esel 
nicht. Daß er ungern ins Wasser geht, ist ihm nicht zu verdenken. 

Der Gutsgärtner, der fast stets Mangel an Arbeitskräften hat, 
kann den Esel vorzüglich verwenden. Zur Bodenbearbeitung habe 
ich mir verschiedene Geräte bauen lassen, die mir die Verwendung 
der Esel erleichtern, so einen fünfzinkigen Grubber. Da mir von- 
seiten des Gutes das Land im Frühling zeitig gepflügt und ge- 



graben wird, es oft aber erst nach Wochen bestellt werden kann, 
so lockere ich vor der Bestellung mit dem Grubber auf und lasse 
die Pferdeegge folgen, die 2 Esel mit Leichtigkeit ziehen. Ich 
habe dann zur Bestellung frischgelockertes Land. Vor die Doppel- 
radhacke spanne ich einen Esel. Natürlich richte ich es nach 
Möglichkeit ein, daß Pflanzen mit gleicher Reihenweite nebenein- 
ander stehen, damit im Stück nicht gewendet zu werden braucht. 
Zum Behäufeln der Kohlgewächse, der Bohnen und Kartoffeln 
habe ich für meine Esel einen besonderen Häufelpflug bauen lassen. 
Hierbei geht ein Führer in der mittleren Reihe, rechts und links 
einen Esel führend, angespannt an eine entsprechend lange Stange, 
die in der Mitte am Zughaken befestigt ist. Die Wegeschaufel 
wird ebenfalls von Eseln gezogen ; ich habe sie oft auch auf meinem 
Kohllande benutzt, wenn sich hier Unkraut zeigte. Wird dort das 
Unkraut flach abgeschält, so braucht keine Egge mehr zu folgen. 
Bei Frost und Schnee schaffe ich mit meinen Eseln stets das Holz 
der ausgelichteten Gehölzpflanzungen aus dem Park fort. Auch 
aus den Gehölzgruppen heraus werden die Aeste durch die Esel 
fortgeschafft, immer mehrere Aeste zusammengebunden und die Esel 
vorgespannt ; ihre Verwendbarkeit ist, kurz gesagt, eine vielseitige. 
Auch in der Landwirtschaft könnte der Esel in dieser an 
Pferden und menschlichen Arbeitskräften armen Kriegszeit viel- 
seitige Verwendung finden. W. Krüger. 



Rechtspflege. 

Preiswucher mit Saatbohnen. Urteil des Sächsischen Ober- 
landesgerichts vom 20. Dezember. Der Grünwarenhändler Held' 
in Leipzig und seine Ehefrau hatten in der Zeit von Januar bis 
März 1916 größere Mengen Saatbohnen das Kilo mit 1,40 M 
eingekauft und bald darauf mit 2 M und später sogar mit 2,50 M 
verkauft. Die Eheleute wurden wegen Preiswuchers auf Grund 
der Bundesratsverordnung vom 23. Juli 1915 zur strafrechtlichen 
Verantwortung gezogen. Das Schöffengericht erkannte auf Frei- 
sprechung mit der Begründung, Saatbohnen könnten nicht alt 
Gegenstände des täglichen Bedarfs angesehen werden, denn sie 
dienten nur zur Aussaat und nicht zur menschlichen Ernährung. 
Das Berufungsgericht war entgegengesetzter Meinung, verurteilte 
die Angeklagten und führte aus, Saatbohnen seien rohe Natur- 
erzeugnisse, die zur unmittelbaren Erzeugung von Speisebohnen 
erforderlich seien. 

Die Revision der Angeklagten brachte den Einwand, die Auf- 
fassung des Schöffengerichts sei die richtige, weil die Bundesrats- 
verordnung nur solche Gegenstände treffen wolle, die Menschen 
und Vieh zum täglichen Bedarf notwendig hätten. Von den Saat- 
bohnen könnte man dieses aber nicht sagen, denn nach dem Sach- 
verständigengutachten dienten sie lediglich zur Aussaat, nicht aber 
zur Nahrung für Menschen und Vieh. Das Oberlandesgericht 
in Dresden hat das Rechtsmittel kostenpflichtig verworfen, die 
Verurteilung also gebilligt. Es könne keinem rechtlichen Zweifel 
unterliegen, daß auch Saatbohnen unter den Begriff der Gegen- 
stände des täglichen Bedarfs fallen. Darunter fielen insbesondere 
auch die Nahrungsmittel. Bohnen seien aber solche und würden 
dieser Eigenschaft auch nicht dadurch entkleidet, daß ein Teil der 
Bohnen wieder als Saatgut verwendet werde. 



Tagesgeschichte. 

- Quedlinburg. Die vor zwei Jahren mit 10 Millionen Kapital 
und 8 Millionen Obligationen gegründete Aktiengesellschaft Gebr. 
Dippe {Samenbau und Samenhandel) erzielte nach Rückstellung 
für Ausfälle, besonders im feindlichen Auslande von 286,751 M, 
einen Reingewinn von 935,385 M (i. V. 267,258 M), über dessen 
Verteilung keine Angaben vorliegen (i. V. 5 Prozent Dividende 
für fünf Monate). Das Prinzip der Zusammenfassung verschiedener 
Posten zu großen Summen ist in der Bilanz noch stärker durch- 
geführt wie in der Abrechnung. Der Bilanzwert der Wirtschaften 
Quedlinburg, Halberstadt und Neundorf wird in einem einzigen 
Betrage mit 15 939 916 M aufgeführt. 



Bsrlin SW.. 11, Hedemannitr. 10. Für dis Redaktisa verantwortl. Max Hesdörff«r. Verl. von Paul Parey. Druck : Anh. Buctidr. Gutenberg, G. Zichäus, Baiaam. 



Illustrierte Wochenschrift für den gesamten Gartenbau. 



Jahrgang XXI. 



2. Februar 1917. 



Nr. 5. 



Nadidruck und Nachbildung aus dem Inhalte dieser Zeitsdirift werden strafrechtlich verfolgt. 



Stauden. 



Einige weniger bekannte und beachtete Saxifraga. 

Von Obergärtner B. Voigtländer, Dresden. 
(Hierzu neun Abbildungen nach für die „Gartenwelt" gefertigten 
Aufnahmen.) 
In dieser geschätzten Zeitschrift wurde schon viel über 
die Gattung Saxifraga geschrieben, und manche vorzügliche 
Abbildung von Saxifraga erschien hier, ist diese Gattung 
doch sehr reichhaltig (sie hat annähernd 250 Arten, ohne 
die vielen Varietäten und Formen). Ihre brauchbaren Ver- 
treter sind aber noch lange nicht alle so bekannt, wie sie 
es auf Grund ihrer vielseitigen Verwendbarkeit eigentlich 
verdienten. Ich kann es mir deshalb nicht versagen, nach- 
folgend auf einige von ihnen hinzuweisen, welche noch 
weniger bekannt sind, und auf mehrere, welche zwar schon 
sehr alt sind (und von welchen zum Teil schon Verbesserungen 
bestehen), die von vielen aber — wahrscheinlich 
weil sie ihnen „zu gewöhnlich" sind — nicht so 
recht mehr beachtet werden. 

Zu den Steinbrechen, welche noch sehr wenig 
bekannt sind, gehört auch Saxifraga Cymbalaria 
(syn. Orientalis) (Abb. 1), eine kleine, niedrige, zwei- 
jährige, hellgrüne Pflanze, die sich an Ort und Stelle 
durch Selbstaussaat leicht vermehrt und vom Früh- 
jahr bis zum Eintritt stärkeren FTostes fortwährend 
ihre kleinen goldgelben Blüten entwickelt, die sich 
allerdings nicht gerade sehr auffällig von den in 
einer geschlossenen Rosette stehenden nieren- bis 
kreisförmigen, lichtgrünen Blättern abheben und auch 
aus diesem Grunde auf dem beigegebenen Bilde, 
wie überhaupt die ganzen Pflanzen, da ja gelbe 
und geblichgrüne Farben auf der Platte schlecht her- 
vortreten, wenig bemerkbar sind. 

Man muß ja zugeben, daß andere Steinbreche 
schöner als diese Art sind; da es aber haltbare 
gelbblühende wenig gibt, sei sie dennoch der Be- 
achtung der Pflanzenliebhaber empfohlen. Sie be- 
ansprucht keine Pflege und ist überall da am Platze, 
wo wenig Zeit und Geld für gute Instandhaltung 
der Anlagen vorhanden sind. Sie eignet sich ihrer 
Zierlichkeit halber für Grotten und Ruinen und liebt 
halbschattige Lage mit leichtem, durchlässigem Boden. 
Einmal angesiedelt, braucht man sich um sie nicht 
mehr zu kümmern, man aditet nur darauf, daß sie 
den ihr zugewiesenen Platz nicht überschreitet. Ihre 

Gartenwelt XXI. 



*f^. 



Heimat ist der Orient, vornehmlich Griechenland, wo sie 
oft ganze Strecken Landes dicht teppichartig bedecken soll, 
weltie im Sommer durch die große Blühwilligkeit schon 
von weitem wie gelbe Bänder erscheinen. 

Eine weitere wenig verbreitete Art ist tenella (Abb. 2). 
Sie ist beheimatet in den österreichischen, vornehmlich julischen 
Alpen, wo sie von der Buchenregion bis in die alpine hinauf 
wächst. Sie bildet lockerrasige Polster mit frischgrünen, nieder- 
liegenden, zuletzt etwas aufstrebenden kurzen Stämmchen. 
Ihre grünlichweißen Blumen sind verhältnismäßig groß und 
so zahlreich, daß es befremdet, warum diese ansprechende 
Steinbrechart nicht schon mehr Beachtung gefunden hat. 
Da sie ziemlich geschlossene Polster bildet, ist sie auch als 
Topfpfanze zu gebrauchen. Als Erdart wünscht sie eine 
redit durchlässige, der man etwas Torfmull und Ziegelmehl, 




Abb. 1. Saxifraga Cymbalaria. 



50 



Die Gartenwelt. 



XXI, 5 



sowie reichlich weichen Sand zusetzt. In dieser Mischung 
bildet sie dann bald ansehnliche Pflanzen, welche von den 
zahlreich erscheinenden Blumen ganz bedeckt werden. 

S. marginata (Abb. 3) ist, obwohl eine sehr alte Art, 
ebensowenig bekannt. Sie stammt aus Italien — einen 
Hauptstandort soll sie am Monte S. Angelo bei Neapel 
haben — und liebt sonnige und trocknere Stellen. Sie 
gehört mit zu den großblütigeren Arten und bildet ge- 
schlossene, wenn auch nicht so dichte und großblättrige Polster 
wie z. B. Aizoon, mit ganzrandigen, engstehenden Blättern. 
Die reinweißen Blumen stehen auf 8 — 12 cm hohen Stengeln 
fast doldentraubig beisammen ; sie zählen mit zu den halt- 
barsten. 

Gegen trockene Fröste und Winde ist dieser Steinbrech etwas 
empfindlich, deshalb ist eine leichte Fichtenreisigdecke im 
Winter in freiliegender Lage angebracht. Für Liebhaber, die 
nicht viel Arbeit auf ihre Pfleglinge verwenden können, aber 
doch schön gewachsene, reichblühende und langlebige Pflanzen 
haben wollen , ist ent- 
sprechende Topfkultur 
anzuraten, wie ja auch 
für viele anderen Ver- 
treterdieserGattung, weil 
hier auf kleinem Raum 
viel beisammen gehalten 
und mit gutem Erfolg 
gepflegt werden können. 

Dasselbe gilt auch für 
Saxi/raga apiculata (Ab- 
bildung 4), welche eine 
Hybride von sancta und 
Burseriana sein soll. Ob- 
wohl sie raschwüchsiger 
als marginata, auch un- 
empfindlicher wie diese 
ist, und bei ihr zusagen- 
dem Standort und günsti- 
ger Lage bald große,dichte 
bläulichgrüne Polster bil- 
det, ist sie dennoch auch 
für Topfkultur zu emp- 
fehlen, da man hier die 
Pflanzen durch Düngung mit geeigneten Nährsalzen früher 
und zu reicherer Blüte bringen kann. Ein vollblühender 
Topf oder eine ebensolche Schale bietet ein wirklich an- 
ziehendes Bild. 

Eine ebenfalls wenig bekannte Art ist die auf Bild 5 
rechts gezeigte nervosa, die ein dichtes halbkugeliges Polster 
bildet, dessen zarten kurzen Stämmchen eine Überfülle gelblich- 
weißer, mittelgroßer Blumen entsprießen, wie es die Abbildung 
recht schön zeigt. Sie stammt aus den Pyrenäen und der 
Sierra Nevada und liebt etwas geschützten Standort in 
sonniger bis halbschatliger Lage mit recht durchlässigem Boden, 
da sie stehende Nässe gar nicht verträgt und auf, wenn auch 
nur kurze Nässe sofort mit Gelbwerden der fein zerteilten, 
im gesunden Zustand bläulichgrünen Blättchen antwortet. 
Liebhabern möchte ich raten, auch diesen Steinbrech lieber 
im Topf zu ziehen; man kann hier dessen kleine Bedürf- 
nisse leichter regeln und hat ihn besser im Auge. 

Die links auf demselben Bild dargestellte blaugrüne 
S. caesia ist zwar schon mehr verbreitet, aber doch auch 
nicht so, wie sie es verdiente. Da sie sdion bekannter ist, 



Abb. 2. Saxifraga tenella 



erübrigt sich eine nähere Beschreibung, ich habe sie auch 
nur auf das Bild gebracht, um dasselbe voll zu machen, und weil 
ich persönlich in diese Art, die ich auf einer Tour recht 
viel und in reichster Blüte besonders auf dem Hochalpsattel 
im Karwendelgebirge der bayrischen Alpen fand, verliebt 
bin wegen ihrer zierlichen, dichten, wie gemeißelt anmutenden 
Polster und ihren im Verhältnis dazu sehr großen Blumen. 
Auch diese Art empfehle ich zweckmäßigerweise besser im 
Topf zu halten, oder ihr, wenn ausgepflanzt, im Winter eine 
leichte Fichtenreisigdecke zu geben. Wenn letzteres auch 
manchem Leser überflüssig erscheinen mag, da sie ja eine 
harte Pflanze aus dem Gebirge ist, so lohnt sie diese kleine 
Mühe doch durch langes Leben und fröhlicheres Blühen, denn 
sie verträgt, wie viele andere feinere Arten dieser Familie auch, 
wohl die in unserer Lage zu erwartenden Kältegrade, nicht 
so gut aber die meist im Januar, Februar bei Schneelosig- 
keit eintretenden trockenen Ostwinde, die ihr in der Heimat 
wegen der hohen Luftfeuchtigkeit nicht soviel anhaben können; 

zumal dort ja auch mehr 
Schnee liegt. 

Die auf Bild 6 
gezeigten Steinbreche, 
Burseriana, deren Ver- 
breitungsbezirk von den 
Karpathen durch Sieben- 
bürgen bis in die Ost- 
alpen sich hinüberzieht, 
und welche eine große 
Sonnenfreundin ist, und 
Salomonü, die ein natür- 
licher Bastard von jener 
und der robusteren S. 
Rocheliana sein soll, 
und ebenfalls viel Sonne 
liebt, sind ja in Fach- 
kreisen gut bekannt; 
auch viele Liebhaber von 
Alpenpflanzen haben sie 
schon in Kultur; da sie 
aber beide zu den bes- 
seren Steinbrechen ge- 
hören, seien sie hier mit 
angeführt. Ich möchte aber auch beide besonders dem Lieb- 
haber für Topf- als Freilandkultur empfehlen, da sie sich bei 
einigermaßen verständiger Behandlung hier ziemlich lange 
halten und auch reichlich Samen bringen, welchen die großen 
weißen Blumen ziemlich leicht ansetzen. 

Bild 7 zeigt zwei große Polster von S. muscoides v. 
acaulis, deren Blumen, wie bei der Stammart und der Varietät 
moschata, unbedeutend sind. Oft kommt es bei Felsanlagen 
vor, daß schroffe Gesteinskanten frei bleiben, sei es mit 
Absicht, oft aber auch weil eine blühende Pflanze auf solchen 
Stellen nicht recht vorwärtskommen will, weshalb man diese 
dann mit der Zeit oft ganz frei läßt. Dies ist zu ent- 
schuldigen, sollte aber nicht zur Gewohnheit werden, da man 
doch Felsanlagen nicht herstellt, um nackte Felsgruppierungen 
allein zu zeigen, denn solche kann man ja in der freien Natur 
viel natürlicher sehen, sondern um Pflanzen zu kultivieren. 
Zur Verdeckung solcher Blößen ist Saxifraga muscoides eine 
der geeignetsten Pflanzen mit. Sie fühlt sich hier so recht 
am Platze ; und kann man ihr dann hier nodi ein fort- 
währendes ganz schwaches Berieseln oder auch nur ein Be- 




XXI, 5 



Die G,arteuweit. 



51 




Abb. 3. Saxifraga marginata. 

tropfen verschaffen, so nehmen ihre Polster bald die Größe 
der auf dem Bilde gezeigten smaragdgrünen Pflanzen an. 

S. leucanthemifolia, Abb. 8, eine schon mehr verwendete 
Art aus den Pyrenäen und den Sevennen, zählt mit zu den 
reichblütigsten und verdient daher größte Verbreitung. Sie 
ist eine der rasch- und hochwüchsigsten, sowie auch groß- 
blumigsten ihrer Abteilung. Wie die Abbildung zeigt, ge- 
deiht sie an Hängen in voller Sonne am schönsten, wo sie 
bald metergroße Strecken dicht bekleidet, die zur Zeit der 
Blüte schon aus der Ferne schneeweiß leuchten. Auf be- 
sondere Erdmischung macht sie keinen Anspruch, nur darf 
der Boden nicht gerade sehr lange wasserhaltend sein, was ja 
die wenigsten Saxifraga vertragen. Sie eignet sich dieser 
Eigenschaft halber auch zu Wegeinfassungen. Ihre fußhohen 
Blütenstengel sind auch zum Schnitt brauchbar. 

Mancher Leser wird verwundert sein, daß ich auch die 
alte wohlbekannte, rasenbildende Art S. caespitosa, Abb. 9, 
die Stammmform vieler Varietäten und Sorten, im Bilde 
vorführe. Es geschieht dies nicht nur um zu zeigen, 
daß auch diese alte, von manchem Gartengestalter längst 
abgetane Art infolge ihrer reichen Blüte und Anspruchs- 
losigkeit zur Ausschmückung von Felsanlagen, namentlich 
solcher Stellen, wo andere heiklere Sachen nicht recht 
fortkommen wollen, zu gebrauchen ist, sondern auch um 
zu zeigen, wie weit die Pflanzenzüchtung bis heute durch 
zielbewußte Kreuzung, durch Beachtung und Bevorzugung 
sich besonders auszeichnender Pflanzen, sowie durch Aus- 
lese, manche Pflanzengattung gehoben hat, so daß man 
aus den Nachzüchtungen oft kaum die Grundform er- 
kennen kann, wie es z. B. bei den Arends'schen Züch- 
tungen Blütenteppich, Schöne von Ronsdorf, hybr. magni- 
fica und splendens der Fall ist, welche ja alle Verbesserungen 
der rasenbildenden caespitosa und auch als ganz vorzüg- 
liche Topfpflanzen zu gebrauchen sind. Interessant ist der 
Verbreitungsbezirk dieser Art; in Deutschland kommt sie 
in allen Mittelgebirgen stellenweise und zerstreut vor, so 
am Milleschauer in Böhmen, am H€bscheuer in Schlesien, 
im Erzgebirge, der Sächsischen Schweiz, in Thüringen, 
dem Harz (Roßtrappe), in Hessen, und geht bis in die 
arktische Region hinauf, von wo sie dann in die Rocky 



Mountains Nordamerikas überspringt. Die Abbildung zeigt 
ja eigentlich die Unterart sponhemica, doch sind die Unter- 
schiede zwischen dieser und der Hauptart caespitosa für den 
Gärtner sehr gering. Sie ist im Gegensatz zu dieser die 
westeuropäische Form der großen Decipiensgruppe, hat ihre 
Verbreitung vom französischen Jura bis nach Schottland 
hinauf und ist in ihren Ansprüchen genau so bescheiden als 
caespitosa, in schnellem Wachstum und Bekleiden größerer 
Flächen dieser noch über; die Blühwilligkeit ist ebenso groß, 
und die Blumenwirkung, da die Blumen von etwas längeren 
Stielen getragen werden, die auch aufrechter als bei jener 
stehen, noch auffallender. 



Gehölze. 

Allerlei Statistisches und Dendrologisches aus 

dem Baumschulverzeichnis von Herm. A. Hesse 

in Weener. 

111. 

Welchen Reichtum die ostasiatische Gehölzflora an 
Deutzien, die ja zu den beliebtesten Sträuchern mit zählen, 
birgt, ist bekannt. Von den chinesischen Arten dürfte 
D. longifolia Franch. der erste Schönheitspreis zufallen. 
Neben der auffallenden, großen, unterseits weißlichen Belaubung 
ist die etwa von Mitte Juni ab einsetzende Blüte eine ganz 
hervorragend schöne, indem die großen, lockeren, breiten 
Rispen den Strauch förmlich einhüllen. Die einzelne Blüte, 
die etwa 2 cm im Durchmesser mißt, ist von zarter rosa 
Tönung, die auf der Außenseite noch stärker hervortritt, die 
Knospe ist mehr karminrot gefärbt. Jedenfalls besitzen wir 
in diesem China-Gehölz eine äußerst wertvolle Errungenschaft, 
einen herrlichen Schmuckstrauch nicht nur, sondern auch ein 
dem Handelsgärtner lohnendes Gehölz für den Blumenschnitt. 
Auch D. Wilsoni Duthie verdient anerkennend genannt zu 
werden. Die kräftig wachsende Art entwickelt reichblütige 
Doldenrispen ansehnlicher weißer Blumen. Diesen beiden 
gegenüber dürfte D. Schneideriana var. laxiflora Rehder nur 
geringe gärtnerische Bedeutung zufallen, weshalb mit ihrer 
bloßen Erwähnung genug getan sein mag. 

Wie weit der der Diervilla nahe stehende Blütenstrauch 




Abb. 4. Saxifraga apiculata. 



52 



JJio liarteuvvelt. 



XXI, 



Dipelta floribunda Maxim, sich unserem deutschen Klima ge- 
wachsen zeigen wird, muß die Zukunft lehren. Die sehr 
zahlreich sich einsteilenden weißen und lilarosa überlaufenen 
Blüten ähneln in der Form unseren Weigelien, während die 
Bclaubung aus eiförmig-länglichen, zugespitzten, ganzrandigen 
und fast kahlen Blättern Isesteht, die etwa 5—10 cm lang 
sind. — Zwei neue Evonymus treten uns in E. japonica 
acuta Rehder, von rankendem Wuchs, und E. lanceifolia 
Loesener entgegen. Letztere wird beschrieben als 
starkwüchsige Art mit lanzettlichen gelblichgrünen 
Blättern, weißlichen Blüten und orangeroten Früchten. 
Neu für die Kultur ist auch Hydrangea xanthoiieura 
Diels, eine der H. Bretschneideri nahestehende Art, 
aber durch große Abweichungen in der Gestalt der 
Belaubung, sowie in der Behaarung und Färbung der 
Zweige bemerkenswert, worauf verschiedene Varie- 
täten gegründet sind. Von der kastanienbraune 
Rinde besitzenden H. Bretschneideri ist sie durch die 
nicht abschülfernde, gelblichgraue oder graubraune 
Rinde der vorjährigen Zweige verschieden. Über 
die Blüte enthält das Hessesche Verzeichnis eben- 
sowenig Andeutungen als über den etwaigen Wert 
als Zierstrauch, so daß man wohl annehmen kann, 
daß wir es mehr mit einer sogenannten botanischen 
Seltenheit zu tun haben. 

Von den angebotenen neuen II ex -Arten und 
Formen hat zunächst vielleicht die durch ihren korallen- 
roten Fruchtschmuck ausgezeichnete /. corallina Franch. Bedeu- 
tung, wenigstens für die milderen Lagen Deutschlands. Sie er- 
reicht 3^4 m Höhe, ist stark verästelt und durch schlanke, 
anmutig geneigte Zweige ausgezeichnet. Die 10 — 12cmlangen 
und 3 — 4 cm breiten Blätter von lederartiger Beschaffenheit 
sind von oval-lanzettlicher Form, zuweilen fast ganzrandig, 



liehe Topf- und Kübeldekorationspflanze darstellen und in 
diesem Sinne vielleiclit eine Zukunft haben ; /. Wilsoni Loesener 
wird bezeichnet als eine Seltenheit mit bis 12 cm langen 
und etwa 8 cm breiten, tief- und langgesägten, oberseits 
glänzend dunkelgrünen, unterseits gelbgrünen Blättern, die 
an den Rändern lange, spitze Dornen haben. 

Die schwarzroten Triebe sind ebenso wie die rot aus- 
treibende Belaubung die hervorstechendsten Eigenschaften 





Abb. 5. Saxifraga caesia und nervosa. 

oft auch fein gezähnt. Männliche und weibliehe Blüten sind 
zu 8 — 10 blutigen Doldentrauben vereinigt. Die kleinen 
eiförmig-kugeligen Früchte sind von prächtiger korallenroter 
Farbe. Das Hessesche Pflanzenmaterial ist aus Samen ge- 
zogen, die Wilson in Zentralchina in 1800 Meter Höhe 
sammelte. /. pedunculosa continentalis Loesener, die einem 
immergrünen Liguster ähnelt, stammt aus der Provinz Hupeh; 
/. Pernyi Franch. dürfte, wenn sie sich auch nicht als Frei- 
landstrauch bei uns bewähren sollte, infolge ihres kräftigen, 
dichten Wuchses und der prächtigen Belaubung eine vorzüg- 



Abb. 6. Saxifraga Burseriana und Salomonii. 

einer Forsythien-Form, die zu der Abart Fortunei var. 
suspenso gehört und von Rehder als forma atrocaulis 
bezeichnet worden ist. — Geographisch bemerkenswert ist 
Gaultheria Veitchiana Craib. als die erste aus China ein- 
geführte Art, während bisher nur nordamerikanische Arten 
in unseren Gehölzsammlungen vertreten waren. Wir haben 
es mit einer bis 75 cm Höhe erreichenden, durch 
niederliegenden Wuchs ausgezeichneten immergrünen 
Art zu tun. Die in der Jugend borstenhaarigen 
Triebe sind mit oberseits hellgrünen, auf der Unter- 
seite blasseren, behaarten Blättern besetzt. Im Mai 
erscheinen die weißen Blüten, später die indigo- 
blauen Früchte. 

Von Loniceren werden zum erstenmal an- 
geboten Lonicera Giraldi, similis Delavayi und 
Standishii lancifolia, alle drei von dem zurzeit besten 
Kenner dieser artenreichen Gattung, Alfred Reh- 
der, aufgestellt. Die ersten beiden sind Schlinger, 
L. Giraldii mit 5 — 10 cm langen und l'/., bis 3 cm 
breiten, auf beiden Seiten stark wolligen Blättern und 
im Juni erscheinenden hellpurpurnen Blüten, die andere 
eine halbimmergrüne Art, ausgezeichnet durch kasta- 
nienbraune, glänzende Zweige, eilängliche bis lanzett- 
liche, oben freudig grüne, unten dicht weißfilzige 
Blätter und weiße, im Verblühen gelbe Blumen. 
Sie können wohl als eine wertvolle Bereicherung der schlin- 
genden Arten dieser Gattung bezeichnet werden, sofern sie 
sich nur widerstandsfähig genug erweisen dürften. L. Stan- 
dishii Carr. var. lancifolia ist eine von der typischen Art 
abweichende Form mit kahlen Zweigen und sciimal lanzett- 
lichen Blättern, die wohl nur botanisches Interesse besitzt. — 
Als sehr zierend wird die neue Nedlia sinensis Oliv, be- 
zeichnet, ein 1 jo m hoher Strauch mit rosafarbenen, an 
Ribes sanguineum erinnernden Blüten. — Aus der Gattung 
Philadelphus, um deren Kenntnis sich Professor K b e h n e 



XXI, 5 



Die G,arti;'uwelt. 



53 



besonders bemüht hat, verdient vor allem von neueren in 
China beheimateten Arten Ph. Magdalenae Koehne genannt 
zu werden, ein dankbarer, auch für Handelsgärtner zum 
Blumenschnitt brauchbarer Blütenstrauch, mit ansehnlichen 
kreisrunden weißen Blumen und eilanzettlicher behaarter Be- 
laubung, deren auf der Unterseite leuchtend rote Aderung 
eine auffallende Eigenschaft dieser Art ist. 

Als eine der hervorragendsten Neuheiten, die uns China 
gespendet hat, muß wohl Populus lasiocarpa Oliv, betrachtet 
werden, zumal sie auch in Deutschland, die ganz rauhen 
Gegenden ausgenommen, ihre Daseinsbedingungen finden 
dürfte. Ihr Wert liegt in ihrer Wüchsigkeit und der Schön- 
heit der Belaubung, die aus festen, herzförmigen Blättern 
von 25 — 35 cm Länge und 20 — 30 cm Breite gebildet wird 
und deren besonders hervorstechende Merkmale die roten 
Blattstiele, Mittelrippen und Hauptnerven sind. In ihrer 
Heimat, der Provinz Hupeh, bildet diese Pappel Bäume von 
12 — 23 m Höhe mit lockerem Astbau, und durch ihre Größe 
auffallenden Knospen und Blattnarben. H. Dolz. 

(Schluß folgt.)' 



Gärtnerisches Unterrichtswesen. 



Noch etwas über theoretisches und praktisches 

Bildungswesen unserer Lehrlinge. 

Von Erich Bohnert, Botanischer Garten, Göttingen. 

„Was ein Häkchen werden will, krümmt sich beizeiten", 
heißt ein altes Sprichwort. Deshalb sollten es unsere Alt- 
meister nicht übel nehmen, wenn schon hin und wieder einer 
von den Gar -noch -jungen zur Feder greift und seine jugend- 
lichen Anschauungen schildert oder über durch die Zeit von 
Jahren noch nicht getrübte Ein- 
drücke, die er von dieser oder 
jener Sache in unserem Berufe 
gewonnen hat, berichtet. Die 
Zeilen des Herrn H. Grupp in 
Nr. 45, Seite 536 vorigen Jahrg. 
über obiges Thema haben es 
wohl bewiesen, daß selbst schon 
die Jüngsten unter uns ganz 
gesunde Standpunkte vertreten 
können. Da waren es besonders 
zwei Abschnitte, die mir vor 
allem auffielen und die ich im 
folgenden noch eingehender be- 
leuchten möchte. Dem ersten 
sollten unsere Lehrherren, dem 
anderen unsere Lehrlinge mehr 
Aufmerksamkeit entgegenbringen, 
Es könnte für beide Teile nur 
von Nutzen sein. 

Also Herr G. spradi von 
wöchentlichen zwanglosen Unter- 
richtsabenden für Lehrlinge. Wie 
wichtig diese sind, kann nur der 
ermessen, der selbst das Glück 
gehabt hat, während seiner Lehr- 
zeit an solchen teilnehmen zu 
können. Ich selbst habe nie Tag 
und Stunde erwarten können, 
wenn es zu Beginn der langen 
Abende plötzlich hieß: „Dem- 



Abb- 7. Zwei smaragdg 
muscoides 



nächst wollen wir uns an einem bestimmten Wochentage auch 
wieder zu beruflichen Unterhaltungen zusammenfinden". 

Da wurde dann theoretisch oder auch praktisch am kleinen 
Objekt der Gemüsebau erörtert. Auch über natürliche und 
künstliche Düngung wurde gesprochen. Dann kam auch mal 
das Thema auf Landschaftsgärtnerei oder irgendeine Sonder- 
kultur. Unendlich wichtig sind solche Stunden für einen 
Lehrling. Bringen doch sie dem Lehrherrn das ganze innere 
und äußere Wesen seines ihm anvertrauten Jüngers um vieles 
näher, zumal wenn er nicht selbst die praktische Ausbildung seines 
Lehrlings übernehmen kann, sondern sie seinem Obergärtner 
oder einer sonst geeigneten Person überlassen muß. Oft wird 
er gerade erst hierdurch auf seine Sonderfähigkeit oder ein 
Sonderinteresse, sei es für eine Spezialkultur oder auch für 
Obstbau oder Landschaftsgärtnerei, aufmerksam und hat es 
dann in der Hand, dieses zweckmäßig zu leiten. 

Nun zum zweiten Punkte, zum Worte „Pflanzenkenntnis". 
Er ist unabstreitbar einer der wichtigsten für uns. Leider 
wird dem angehenden Gärtner die Bedeutung derselben nicht 
immer früh genug klar gemacht. Erst wenn er in seiner 
späteren Praxis diesbezüglich auf Schwierigkeiten stößt, merkt 
er sein Versäumnis. Dieses nachzuholen, ist dann oft sehr 
schwer. Deshalb sollte man seinem Lehrlinge vom ersten 
Tage an die Bedeutung dieses Wortes klar machen. 

Welche Wege hat nun der junge Gärtner einzuschlagen, 
um zum Ziele zu gelangen? Deren gibt es nun viele, die 
er mit der Zeit zu einem vereinigen muß. Zunächst sollte 
er sich in nächster Umgebung umsehen und mit dem nächst- 
liegendsten anfangen. Da madit vielleicht der junge Lehrling 
mehreremal am Tage den Weg zum Komposthaufen, dem 
Sammelplatze nicht nur „verfehlter Existenzen". Es gelangt 

auch manches andere dorthin, 
wie Unkraut aus den Stauden- 
quartieren oder dem Gemüse- 
garten ; vielleicht auch Sumpf- 
und Wasserpflanzen, die bei der 
Reinigung des durch die Gärtnerei 
fließenden Grabens mit dem 
Schlamme entfernt wurden. Vieles 
wächst hier weiter , manches 
Samenkorn geht auf und wird 
zur fertigen Pflanze. Zwar sollte 
es soweit nicht kommen und der 
Abfallhaufen ein Schmuckkäst- 
chen für sich sein. Aber in neun- 
undneunzig von hundert Fällen 
ists nun mal anders. Also, junger 
Gärtner, nun sieh dich um. Da 
stehen vielleicht die verschie- 
densten Erdraucharten ; da findet 
sich neben einer großen auch 
eine kleine wesentlich anders ge- 
baute Brennessel. Auch ihrem 
Aussehen nach verschiedene gelb- 
blühende Kreuzblütler sind zu 
finden. Alles Unkräuter, die 
einem täglich in den Weg laufen 
und die man kennen muß. Tauge- 
nichtse, die einem noch aus 
der Naturgeschichtsstunde seiner 
rüne Polster von Saxifraga Schulzeit in Erinnerung sein 

var. acaulis. müßten. Aber bei dem einen 




k 



54 



Die (i arteuwelt. 



XXI, 5 



siad die schönen Namen schon wieder 
verflogen, der andere hielt es nicht 
für nötig, sein Köpfchen mit dem 
„zwecklosen Zeug" zu belasten. — 
Kennt man also die eine oder die 
andere Pflanze nicht mehr, so wende 
man sich an denjenigen, von dem man 
die sicherste Auskunft erwarten könnte. 
Meistens ists der Lehrherr selbst. Erst 
wenn man sich die AUerweltspflanzen 
eingeprägt hat, zieht man seine Kreise 
weiter. Da findet sich, wenn man 
am freien Sonntagnachmittag durch 
Feld und Wald streift, so manches, 
was man nicht kennt und doch kennen 
lernen möchte. Unterdessen wird man 
sich auch unter den Kulturpflanzen 
in der Gärtnerei ein wenig umgesehen 
haben. Und so trägt man Stein um 
Stein zusammen zu dem großen Bau, 
der jeden Gärtner ziert und der 
Pflanzenkenntnis heißt. 

Manch einer wird nun aber ein- 
wenden : Was hat ein Gärtner mit 
unserer wilden Flora zu tun. Für 
denjenigen, der sich zeitlebens nur 
mit Handelsgärtnerei befassen will, 
mag die Frage ja in gewissem Sinne 
berechtigt sein. Doch sei gesagt: 
Fängt man nicht mit dem einfachsten 
und nächstliegendsten an, dann wirds 
einem so ergehen, wie jenem Könige, 
der alle fremden Länder bereiste, 
aber sein eigen Reich und Volk nicht kannte. 

Auch ein Herbarium sollte man sich anlegen. Jedoch 
darf dies keine „Heusammlung" werden. Denn jeder Pflanze 
muß der genaue botanische und wenn möglich auch der 
deutsche Name beigefügt werden. Solch ein Ding trägt viel 
zur Erlangung der Pflanzenkenntnisse bei. Und wenn man 
dann an langen Winterabenden seinen Schatz durchblättert, 
so kehrt manches Entschwundene schnell wieder; manchen 
Streifzug durch Berg, Wald, Feld und Wiese erlebt man im 
Geiste noch einmal. 

Aber es ist nicht nur wichtig, daß man die Pflanze 
mit Gattungs- und Artnamen kennt, auch die Familien- 
zugehörigkeit muß man wissen. Wie wichtig dieser Punkt 
ist, kann der am besten ermessen, der schon einmal mit 
Samenversand, etwa an einem botanischen Garten, oder mit 
der Zusammenstellung von Samen- und Pflanzenkatalogen 
beschäftigt gewesen ist. Hier kann dem Anfänger ein ge- 
wöhnliches botanisches Lehrbuch schon gute Dienste leisten. 
Für den Fortgeschrittenen ist : Engler, Syllabus der Pflanzen- 
familien, sehr geeignet. 

Ist man nun mit den Merkmalen der bekanntesten Fa- 
milien vertraut und hat man sein Wissen an diesem oder 
jenem Objekt erprobt, so sollte man anfangen, selbst Pflanzen 
zu „bestimmen"; d. h. den richtigen botanischen Namen nach 
den Bestimmungstabellen, wie sie etwa in „Garckes Flora 
von Deutschland" enthalten sind, festzustellen. Doch prüfe 
der Anfänger öfter an maßgebender Stelle nach — vielleicht 
bei seinem Lehrherrn — ob er den richtigen Namen ge- 
funden hat. Wird alles dieses beachtet, so wird sich der 




Abb. 8. Saxifiaga leucantheraifolia. 



angehende Gärtner im Laufe der Zeit 
eine Grundlage schaffen, auf der er 
getrost weiterbauen kann. Denn ist 
man mit der einheimischen Pflanzen- 
welt einigermaßen vertraut, so ist es 
ein leichtes, sein Wissen durch Kennen- 
lernen von ausländischen und Kultur- 
pflanzen, wie wir sie in großer Reich- 
haltigkeit in unseren botanischen und 
Herrschaftsgärten finden, zu erweitern. 
Beonders hervorzuheben wären 
noch unsere einheimischen Laub- und 
Nadelgehölze. Erstere sollte man 
sich auch im Winter ansehen und 
genau erkennen und unterscheiden 
lernen. Ist doch dies die erste 
Grundlage und eine Grundbedingung 
für den Gärtner, um später, wenn 
sich seine Kenntnisse hierin erweitert 
haben, den Gehölzschnitt im Garten 
und Baumschule sachgemäß und mit 
Verständnis ausführen zu können. 

Richtig ist, wie Herr Grupp schon 
sagte, sich ein Büchlein mit alpha- 
betischem Verzeichnis anzulegen, in 
das man meinetwegen nur die inter- 
essantesten und wichtigsten Pflanzen, 
deren Namen man nicht nur von 
heute auf morgen, sondern fürs ganze 
Leben behalten möchte, einträgt, um 
auch das Aufgezeichnete später in 
eigener Praxis verwerten zu können. 
Aber der alleinige Name genügt nicht, 
man sollte sich auch kleine Randbemerkungen über Farbe 
und Form der Blüten sowie über Wuchs, Höhe und Ver- 
wendungsmöglichkeit der Pflanze machen, von Auffälligkeiten 
einzelner Arten auch kleine Skizzen verfertigen. 

Hierdurch wird man sich dann noch nach Jahren — 
und diesen Zweck hat doch die ganze Sache — auf diese 
oder jene Art der Gattung genau besinnen können. 

Auch die Photographie sei bei der Erwerbung von 
Pflanzenkenntnissen nicht vergessen. So manches Gewächs 
ist wegen seines starken Saftgehaltes zum Pressen ungeeignet 
oder auch für das Herbarium zu umfangreich. Da tritt nun 
die Lichtbildkunst an ihren Platz. Ein Apparat mit gutem 
Objektiv in der Bildgröße 9Xl2 bis 10 X 15 dürfte für 
diesen Zweck genügen. Bei zeitweiligem Durchblättern seiner 
Mappe wird so manche Erinnerung, die sich an diese oder 
jene Aufnahme knüpft, wieder wach. Und so hat man 
einen doppelten Genuß. 

Und zuguterletzt sei das Halten einer guten Fachzeit- 
schrift — das muß dem jüngsten Lehrlinge schon eingehämmert 
werden — nicht vergessen; doch ist das zu beaditen, was 
Herr G. schon sagte. Sie darf aber nicht zu sehr auf ein 
Sondergebiet unseres Berufes abgepaßt sein. Größte Reich- 
haltigkeit ist nötig. Unsere „Gartenwelt" bietet ein treffendes 
Beispiel. Mag auch die Ausgabe hierfür für einen Lehrling 
mit seinen meist nur geringen Einkünften ein kleines Opfer 
bedeuten, es wird sich hundertfältig — ja tausendfältig be- 
zahlt machen. 



XXI, 5 



Die Garli-uwelt. 



55 



Jahresbericht 1915 der Königl. Lehranstalt für 
Obst- und Gartenbau in Proskau. 

Sowohl die Lehr- als auch die praktische Tätigkeit der Anstalt 
stehen im Berichtjahre noch mehr unter dem Zeichen des großen 
Völkerringens als im vergangenen. Schwarz umrandet ist die erste 
Seite des Berichtes ; sie erzählt uns von vier im Felde gefallenen 
tapferen Kriegern, sodann aber auch von dem Hinscheiden eines 
unserer tüditigsten Pflanzenpathologen Professor Dr. Sorauer, 
Geheimer Regierungsrat und Beirat der Kaiserlich Biologischen 
Anstalt für Land- und Forstwirtschaft zu Dahlem, einem ehe- 
maligen Lehrer der Anstalt. 

Der Zweck der Anstalt und die Unterrichtserteilung dürften der 
Öffentlichkeit wohl hinreichend bekannt sein. Das Schuljahr be- 
gann am 1. März 1915 und schloß am 19. Februar 1916. Infolge 
der Einstellung zum Heeresdienst fielen das III. und IV. Semester 
und mithin auch die Abgangsprüfung aus. 

Den Vorsitz im Kuratorium führt jetzt Herr Oberregierungsrat 
Dr. Kley zu Oppeln. Professor Dr. Ewert ist 
auf weitere 5 Jahre zum Mitglied des Beirates 
der Kaiserlichen Biologischen Anstalt zi 
ernannt worden. 

Der Etat balanzierte im Beriditsj 
131992,10 M. Durch eigene Ei 
wurden 36 368,42 M gedeckt, so 
staatlicher Zuschuß von 95 623,68 M 
wurde. 

Seit Beginn der Anstalt beträgt 
ihrer Besucher : 

Schüler des V. Semesters 

„ „ 2 jährigen Lehrgangs 

„ »1 

Hospitanten 

Kursisten 

Im Schuljahr 1915 waren 19 
bezw. Hospitanten und 253 Kur- 
sisten. Der staatlichen Fach- 
prüfung für Garten-, Obst- und 
Weinbautechniker unterzogen sich 
6 Prüflinge. Bisher haben 56 
ehemalige Besucher der Anstalt 
diese Prüfung mit Erfolg be- 
standen. 

Die Sondervorlesungen über 
Rechtskunde, Friedhofskunst, 
Waldparkfrage und Samariter- 
wesen fanden nicht statt. 

Ueber Obstbau und Landwirtschaft berichtet Herr Direktor 
Schindler etwa folgendes : Die Witterung spielt in dieser Abteilung 
eine große Rolle. Im März fiel Schnee und die Temperatur sank 
bis auf — 23° C. Die geschlossenen Knospen des Steinobstes 
erfroren, auch bei Birnen, je nach der Höhenstellung derselben. Die 
an der Spitze der Bäume sitzenden' Knospen kamen am besten 
durch. Die Apfelknospen litten nicht besonders. Die unbedeckten 
Pfirsichbüsche im freien Lande und die Wandbäume froren trotz 
einer Reisigdecke stark zurück. Auch einige Himbeersorten haben 
durch den Frost gelitten. Mitte Mai setzte eine Dürre ein, die 
die ganze Beerenernte in Frage stellte. Glücklicherweise stellten 
sich noch einige Regenfälle ein, so daß sich die Früchte noch gut 
entwickeln konnten. Die Obsternte war bei Aepfeln sehr gut, bei 
Birnen, Quitten, Mispeln, Kirschen gut; bei Aprikosen : Mißernte; 
Pfirsiche an Wänden : gering ; Pfirsiche in freiem Lande, Haus- 
zwetschen, andere Zwetschen und Pflaumensorten : Mißernte ; Erd- 
beeren : ziemlich gut ; Johannisbeeren : gut ; Stachelbeeren: gering; 
Himbeeren: ziemlich gut. Sodann . finden wir interessante Auf- 
zeichnungen und Tabellen über die Erträge der einzelnen Aepfel-, 
Birnen-, Himbeer- und Erdbeersorten. 

In der Baumschule 'wuchsen die jungen Bäume, nachdem sie die 
Dürre überstanden hatten, redit gut. Infolge der Trockenheit 



traten verschiedene tierische und pflanzliche Schädlinge auf, wie der 
Maikäfer, Schildläuse, Milben, die Kräuselkrankheit und Mehltau. 

Auch in der Landwirtschaft hatte die Dürre ihre Folgen gehabt. 
Die Ernte war nach den verschiedenen Bodenarten verschieden. Der 
erste Luzernenschnitt auf schwerem Boden war gut, die Heuernte 
gering. Grummet zeigte sich wohl gut, konnte aber infolge des 
vielen Regens sehr schwer eingebracht werden. An Roggen erntete 
die Anstalt im Durchschnitt auf Vi ha noch 8 Zentner. Hafer 
wurden je nach Bodenart 6 bis 10 Zentner und Kartoffeln durch- 
schnittlich 60 Zentner von ' , ha geerntet. Futterrüben waren gut 
geraten, besonders die Sorte „verbesserte Eckendorf er rote Riesen- 
walze Elite". 

Ueber Gemüsebau, Treiberei, Blumen- und Topfpflanzenzucht, 
sowie Obst- und Gemüseverwertung berichtet Herr dipl. Garten- 
meister Langer. 

Die Blumenzucht ist in dieser Kriegszeit zurückgegangen und 
die Nutzgärtnerei im Erwerbs- und Privatbetriebe mehr zur Geltung 




Saxifraga caespitosa. 



gekommen. Jetzt, wo die Zufuhr ausländischer Blumen aufgehört 
hat, bietet sich dem deutschen Gärtner Gelegenheit, zu zeigen, was 
er leisten kann. Allerdings fehlen ihm die technischen Hilfskräfte, 
die gerade in diesem Zweige fast unentbehrlich sind. Gewächs- 
häuser, die der Topfpflanzenzucht dienten, wurden mit Frühgemüse 
bebaut. Die Erträge der unter Glas gezogenen Tomaten und 
Gurken waren zufriedenstellend, ebenso auch Wein und Pfirsich. 
Die Treibversuche mit Maiblumen sind auch in diesem Jahre 
fortgesetzt worden. Im vergangenen Winter ist das Blühverhältnis 
von 2 und 3 jährigen Keimen festgestellt worden. Es hat sich 
gezeigt, daß die zweijährigen Keime 3 bis 5 Tage eher zur Blüte 
kommen, als die dreijährigen. Sie bleiben aber besonders bei der 
Frühtreiberei in der Blattentwicklung stark zurück. Auch die Blüte 
der zweijährigen Keime reicht nicht an die der dreijährigen heran. 
Die letzteren sind also von Treibgärtnern stets zu bevorzugen. 
Der Händler allerdings wird die zweijährigen bevorzugen, da sie 
stärker aussehen und ein größeres Wurzelvermögen besitzen. Beim 
Treiben von Eiskeimen entdeckte man, daß nur ein Teil derselben 
wuchs, während die anderen dicht über der Wurzelkrone ab- 
faulten. Schon beim Einpflanzen zeigten sie eine schlüpfrige 
Beschaffenheit. Untersuchungen ergaben, daß eine Aelchenart in den 
Keimen ihr Unwesen trieb, von der man in der Literatur nichts 



r 



56 



Die G arteuwelt. 



XXI, 5 



^ewufit hat. Solche Keime müssen verbrannt werden. Verschiedene 
Neuheiten sind geprüft worden. Von den neuesten Chrysanthemum- 
sorten haben sich als besonders gut bewährt : Kaiser Wilhelm, 
Deutsche Kaiserin, Qeen Marie, Weiße Tokio, Gelbe Tokio und 
Capitaine Etievant. Von Poinsettia p. alba entwickelte sich ein 
weißer Sport. Als Winterblüher unter den Primeln wird Primula 
Kewensis warm empfohlen. Dieselbe verlangt eine kräftige, nicht 
zu leichte Erde und möglichst kleine Töpfe. Von Beetsommer- 
begonien ist Rosakönigin und von Pelargonienneuheiten Kuhleys 
Liebling zu empfehlen. Schön ist auch die neuere, einfach blühende 
Zonalpelargonie Königin Elisabeth. Eine gute, im Winter blühende 
Begonie ist Elatior. Einen ansehnlichen Platz in den Stauden- 
kulturen nehmen die Staudenastern ein. Die Zahl der botanischen 
Asterarten beträgt etwa 250. Sie stellen ein ausgezeichnetes 
Material dar, sowohl für den Park an den verschiedensten Stellen, 
ob trocken oder naß, für Grabbepflanzung, für Topfkultur und für 
den Bindekünstler. Durch Zudit- und Sorlenauswahl sind in der 
Anstalt verschiedene beachtenswerte Neuheiten entstanden, wie 
Franz Göschke und Proskau. 

Dem Gemüsebau wurde der Zeit entsprechend ein erhöhtes 
Interesse entgegengebracht. Trotz der schlechten Witterung und 
des Auftretens von Schädlingen, konnte man mit einer guten Ernte 
rechnen. Von Tomatenneuheiten sind Sieger von Lattich und 
Schöne von Lothringen gezogen worden, die sich gut bewährten. 
Von neuen Treibbohnen sind Hindenburg und Alter Fritz zu 
erwähnen. 

Im Freilandgemüsebau kamen nur dort Gemüsearten gut fort, 
wo eine Bewässerung möglich war. Frühkartoffeln schlugen vielfach 
fehl. Befriedigende Erträge brachten : Frühe Rosen, Kaiserkrone 
und Thüringen. Beim Anbau der Kaiserkrone wurden Versuche 
angestellt, welche die Behandlung des Saatgutes und den Einfluß der 
Knollengröße auf den Ertrag feststellen sollten. Gute Mittelknollen 
sind am geeignetsten. Jedoch sind die Versuche, des abnorm 
trockenen Jahres wegen, noch nicht abgeschlossen. Spargel ent- 
wickelte sich gut und brachte auf 'ij ha 16' j Zentner Ertrag. 
Rhabarber war sehr gut und ergab einen Ertrag von 122', a Zentner 
von ' , ha. Die beste Bohnensorte für Massenanbau bleibt wohl 
Weißgrundige Hinrichs Riesen ohne Fäden. Erbsen litten sehr unter 
der Dürre. Die Zwiebelernte betrug von ' , ha 76 Zentner, die 
hohe Preise erzielten. Alle anderen Gemüsearten entwickelten sich 
trotz der Dürre mehr oder weniger gut und die erzielten Preise 
waren fast doppelt so hoch wie im Vorjahre. Allerdings sind die 
Erzeugungskosten der Zeit entsprechend gestiegen. 

Sodann finden wir in dem Bericht eine Zusammenstellung der 
im Osten, besonders in Schlesien best bewährtesten Gemüsesorten 
für den Erwerbsanbau. 

Im Laufe der Kriegszeit sind verschiedene neue Hilfsmittel und 
Geräte angepriesen und auch soweit es angängig war erprobt 
worden. Die Scheibenglocken haben sich gut eingeführt und sind 
die dazu gehörigen Stütz- und Bügeldrähte durch eine Vorrichtung 
verbessert worden, so daß sie auch für verschiedene Scheiben- 
größen Verwendung finden können. Die von dem bekannten Groß- 
gemüsebauer und Dominiumpächter Schurig in Etzin (Mark) für 
Bohnen und Erbsen verwendeten Stacheldrahtstangen an Stelle von 
Holzstangen und Reisern haben auch hier guten Erfolg gezeigt. 
Für Liebhaber sind Röders Patentfrühbeetfenster und der Patent- 
frühbeetkasten zu empfehlen. Die von der Firma F. H. Schurig 
in Plauen i. V. hergestellten Holzzementkasten bestehen nicht aus 
Holzzement, sondern aus Aschenbeton. Lieber die empfohlenen 
Eisenbetonfrühbeetfenster kann noch kein Urteil abgegeben werden. 
Auch Baiers Reihensäer ist erprobt worden. Er befriedigt aber 
nicht. Die an Stelle von Oelkitt empfohlenen Asphaltkittsorten 
befriedigten ebensowenig. Eine gute Imprägnierungsmasse ist 
„Imprägnol" von der Firma Herrn. Sottung jr. in Worms. 

Durch den starken Verbrauch an pflanzlichen Nahrungsmitteln 
sind in der Station für Obst- und Gemüseverwertung reichliche 
Mengen von Obst und Gemüse verwertet worden. Im Laufe des 
Jahres wurden zwei viertägige Obst- und Gemüseverwertungskurse, 
ein dreitägiger Obstweinbereitungskursus und ein vierzehntägiger 



Kursus für Haushaltungslehrerinnen abgehalten, die sämtlich gut 
besucht waren. Es wurden große Mengen von gemischten Marme- 
laden hergestellt, nach deren eine starke Nachfrage war. Ebenso 
sind etwa 4000 Liter Obstwein hergestellt worden. Durch die 
Aufstellung einer hydraulischen Oberdruckpresse ist es ermöglicht, 
größere Mengen von Wein fertig zu stellen. Die an Stelle der Blech- 
büchsen verwendeten Pappgefäße sind ebensogut zu verwenden. 
Berichterstatter vertrat außer seinen ihm zustehenden Fächern 
Herrn Garteninspektor Goerth in Gehölzkunde und Herrn Dr. 
Herrmann in Buchführung, Korrespondenz und landwirtschaftlichem 
Pflanzenbau. Auch erteilte er in allen abgehaltenen kürzeren Lehr- 
gängen Unterricht. 

Herr Gartenmeister Thierolf hatte das Arbeitsgebiet des Herrn 
Garteninspektor Goerth auch in diesem Jahre mit zu versehen. 
Besondere Arbeiten konnten hier nicht ausgeführt werden. Die 
begonnenen großzügigen Arbeiten in Musenhain schritten nur 
langsam vorwärts, da alle verfügbaren Arbeitskräfte der Nutz- 
gärtnerei und der Landwirtschaft zugeteilt wurden. Die geschaffenen 
Vegetationsbilder entwickelten sich gut. Die Gehölzanzucht ist 
weiter fortgeführt worden, um den Schülern Gelegenheit zu geben, 
auch in diesem Fache Kenntnisse zu sammeln. Im Anzuchtgarten 
sind verschiedene Stauden durch Samen, Teilung und Stecklinge 
vermehrt worden, die zu Neu- und Ergänzungspflanzungen Ver- 
wendung fanden. Da sich der Anzuchtsgarten als zu klein erwies, 
wurde noch ein Teil hinzugenommen, so daß etwa 3300 qm für 
Anzuchtszwecke dienen. Die Düngungsversuche bei Stauden mit 
Stalldünger und Nährsalzen sind noch nicht abgeschlossen. Im 
Musenhain ist eine Quelle mit Bachlauf und Teich neu geschaffen. 
Die Bepflanzung besteht aus verschiedenen dazu geeigneten Ge- 
hölzen, Stauden und Farnen, die sich sehr gut entwickelten. 

Der Vorsteher der chemischen Versuchsstation Herr Professor 
Dr. Otto besichtigte auch in diesem Berichtsjahre die Schäden, 
die durch die Planiawerke in Ratibor verursacht werden. Es 
konnte festgestellt werden, daß sie in geringerem Maße auftraten 
als in den vorhergehenden Jahren. Mit dem neuen Konservierungs- 
mittel Mikrobin wurden weitere Versuche angestellt. Es hat keine 
gesundheitlichen Wirkungen. Das Mikrobin wird in fester Form 
angewandt, und zwar auf 100 1 Flüssigkeit 100 gr. Die Mikrobin- 
säure scheidet sich als weiße, flockige Masse aus der Flüssigkeit 
und kann abfiltriert werden. Bei Marmeladen und ähnlichen Obst- 
produkten setzt man nach Fertigkochen und Abkühlen bei 50" C 
die bestimmte Menge Mikrobin zu und vermengt sie durch Um- 
rühren innig mit der Masse. Der Versuch, Essigälchen mit diesem 
Mittel abzutöten, ist nicht gelungen. Im Sommer 1915 wurden 
vergleichende Topfpflanzendüngungsversuche mit in die Topferde 
eingemischten Düngemitteln und sofortiger Bepflanzung angestellt. 
Die meteorologische Station ist eine solche II. Ordnung und an 
das Vegt. meteor. Institut zu Berlin angegliedert. Sie dient nicht 
allein dem Unterricht. Die Beobachtungen haben ein weiteres 
Interesse für den Gartenbau und die Landwirtschaft, auch werden 
unentgeltliche Auskünfte erteilt. 

In der botanischen Versuchsstation wurden die blütenbiologischen 
Untersuchungen an Obstbäumen, die Entwicklungsgeschichte einiger 
parasitärer Pilze u. a. m. fortgesetzt. In Ermangelung eines wissen- 
schaftlichen Mitarbeiters konnten dieselben jedoch nicht abge- 
schlossen werden. 

Der Vorsteher der zoologischen Versuchsstation und der Station 
für gärtnerische Pflanzenzüchtungen, Oberlehrer Dr. Herrmann, 
steht im Felde und kann deshalb ein Bericht nicht erstattet werden. 
Den Unterricht übernahmen andere Lehrkräfte. 

Auf alle Einzelheiten kann natürlich hier nicht eingegangen 
werden. Wie alljährlich, ist auch im Berichtsjahre wieder der 
Jahresbericht der Proskauer Anstalt ein Werk, welches jedem Fach- 
mann aufs beste empfohlen werden kann. Sind doch in demselben 
Versuche und Erfahrungen von äußerster Bedeutung für unseren 
Beruf zusammengetragen, 

Stadtobergärtner Groetschel, Beuthen, O.-S. 



XXI, 5 



Die G,artenwelt. 



Obstbau. 



Gärtnerische Streifzüge im Kriegsgebiet. 
Von Fr. Roll. 
Obst, Obstbäume und -sträucher. 
Frankreich gehört zu den obstreichen Ländern Europas. 
Infolge seiner geographischen Lage vom Norden bis zum 
gegen Nordwinde durch die Alpenkette geschützten Gestade 
des Mittelmeeres vermag es fast während des ganzen Jahres 
eine so reiche Obstauswahl zu bieten wie wohl kein zweites 
Land Europas. Zu der natürlichen Treibkraft des Landes 
kommen in vielen Gegenden noch künstliche Treibeinrichtungen, 
besonders für Pfirsiche, Aprikosen und Trauben. Trotzdem 
ist Frankreich kein Land, das einen großen Ueberschuß über 
seinen eigenen Bedarf hervorbringt, mit Ausnahme von Trauben, 
die uns als solche im zeitigen Sommer und dann im Winter 
wieder aus jeder Obstauslage so einladend anblickten und 
auch nach dem Kriege wohl wieder erscheinen werden, wenn 
auch nicht mehr als beinahe Alleinbeherrscher des Marktes, 
da durch unsere neuen Verbindungen der Orient wohl erfolg- 
reich mit ihnen in Wettbewerb treten wird. Auch als Wein 
werden sie nach dem Kriege wohl wieder einen Eingang 
über unsere Grenzen suchen, denselben wohl auch wieder 
finden, wenn auch in geringerer Menge. Es ist nun einmal 
so, daß jedes Land seine Mehrerzeugung an den besten Ab- 
nehmer abzusetzen sucht und den Bedarf an fehlenden Er- 
zeugnissen da wieder kauft, wo es dieselben gut und vorteil- 
haft kaufen kann. So wird also Frankreich nach dem Kriege 
im eigensten Interesse wieder Handelsbeziehungen mit uns 
anzuknüpfen suchen und dann vielleicht erst einsehen, was 
es für einen guten Abnehmer in Deutschland hatte. Trotz 
seiner günstigen klimatischen Verhältnisse würde jedoch 
Frankreich den eigenen Bedarf an Obst nicht decken, wenn 
es nicht die reiche Zufuhr aus seinen nahegelegenen Kolonien 
Algier und Tunis hätte. Auch so noch ist seine Einfuhr 
wohl größer als die Ausfuhr, mit Ausnahme von Trauben, 
also auch Wein, ferner frühen Pfirsichen und Aprikosen, wohl 
auch noch Kirschen, und dann von Südfrüchten, besonders 
Datteln, die Algier ebenfalls in reichlicher Menge und großer 
Güte erzeugt. 

So reich nämlich manche Gegenden Frankreichs an Obst- 
pflanzungen aller Art sind, so arm sind auch wieder weite 
Landstriche an Obstbäumen, obwohl dieselben ganz gut 
gedeihen könnten, wenn sich nur jemand die Mühe geben 
würde, solche anzupflanzen und zu pflegen. Manchenorts ist 
es geradezu auffällig, wie in vielen Dörfern der Obstbaum 
selbst im Hausgarten die reinste Seltenheit ist, während 
vielleicht im Nebendorfe ganz hübsche Obstpflanzungen sind. 
So sah ich im Norden besonders diese Gegensätze oft in 
Dörfern, die die gleichen klimatischen und Bodenverhältnisse 
haben. Im einen Dorfe fand ich oft kaum einen Beerenstrauch 
im Gemüsegarten, im Nebendorfe wiederum ganze Pflanzungen 
an Hochstämmen, besonders Aepfeln, sogar von Birnpyramiden 
in großen Gemüsegärten. Was mir besonders auffiel, waren 
da und dort musterhaft gezogene Birnhochstammspaliere. Im 
ganzen muß ich jedoch den von uns besetzten Norden als 
obstarmes Gebiet bezeichnen, das seinen Bedarf nicht deckt. 
Dörfer, die in einem Obstwalde stehen, sah ich dort nicht. 

Die Champagne zeigt sich dagegen reich an Obstpflanzun- 
gen, obwohl auch hier wieder zwischen den einzelnen Dörfern 
manchmal ein recht augenfälliger Unterschied ist. In manchen 
Dörfern gibt es die reinsten Sortimentspflanzungen von 



Kirschen, Birnen und Aepfeln, während anderenorts nur 
einzelne Sorten angepflanzt sind, besonders Aepfel, die zur 
Apfelweinbereitung dienen, denn der Champagnebauer trinkt 
auch in der Weingegend keinen Champagner ; er verkauft 
seinen Wein und begnügt sich mit Apfelwein, besonders in 
mageren Jahren. Es geht ihm wie manchem anderen Wein- 
bauern anderwärts auch. Auch in den berühmten französischen 
Schaumwein, der jedoch nur zum Teile aus dem Gewächse 
der Champagne hergestellt wird, so daß es vor einigen Jahren 
zu stürmischen Auseinandersetzungen zwischen den Champagne- 
weinbauern und den Schaumweinfabrikanten kam, wandert 
wohl etwas von diesem Apfelwein. Der Apfelsaft eignet 
sich ja gut zur Herstellung von Schaumwein mit oder ohne 
geeigneten Rebensaft. 

Auch die Straßen sind in der Champagne meist mit 
Obstbäumen regelmäßig bepflanzt, in der Niederung mit 
Aepfeln, auf den Höhen mit Kirschen. Diese Anordnung 
sah ich auch auffällig in manchem Dorfe, so auch in dem 
kleinen Dörfchen Primat, das in einem ganzen Obstwalde 
liegt. Auf der Höhe waren ausschließlich Kirschbäume in 
verschiedenen Sorten, frühe und späte, so daß man sidi 
ziemlich lange daran ergötzen konnte. Die ersten Kirschen 
aß ich am 15. Juni. Ende Juni war die Auswahl schon 
größer, besonders auch in Weichsein, und wiederum drei 
Wochen später aß ich im Norden , wo sie eine Selten- 
heit waren , die gleiche erste Sorte hellroter Knorpel- 
kirschen, die ich am 15. Juni gegessen hatte. Ein alter 
Mann gab sie mir gegen einige Zigaretten, die er den 
Kirschen vorzog. Gegen Zigaretten konnte man übrigens 
manches erhalten. So bat ich Ende Juli einmal eine alte 
Frau, in deren Garten ich eine Reihe Johannisbeersträucher 
noch mit Früchten sah, um die Erlaubnis, einige davon zu 
pflücken. Sie wollte erst nicht verstehen, meinte, es wären 
keine mehr da. Als ich aber ihrem Manne, der schon ge- 
brechlich und schwerhörig war, eine Zigarette zu- und gleich 
ansteckte, da gab sie mir bereitwillig die Erlaubnis, zu 
pflücken, soviel mir gut dünke. Ich ließ mir die gut reifen 
Früchte, besonders die weißen, denn auch schmecken, und 
der alte Mann rauchte noch einige von meinen Zigaretten. 
Die weißen Johannisbeeren fand ich überhaupt viel zahl- 
reicher angepflanzt als bei uns. Wenn sie gut reif sind und 
besonders in der Sonne ausgereift sind, dann haben sie in 
Wirklichkeit einen viel feineren Geschmack als die roten ; 
sie sind viel süßer. 

Eine Beerenfrucht, die Erdbeere, sah ich im allgemeinen 
noch häufiger angepflanzt als bei uns. Beerensträucher sind 
sonst überall bei uns zahlreicher. 

Zu den Eigentümlichkeiten vieler Gärten Nordfrankreichs 
gehört auch noch die Feige, oft als äußerst üppiger Strauch 
an einer Mauer, wo sie im Winter eingebunden werden kann. 
Meist war auch ein schöner Fruchtansatz daran zu sehen ; 
zur Reife werden sie wohl nur in Ausnahmsjahren kommen. 



Pflanzendüngung. 

Dungmittelersatz durch Waldhumus. 

Noch bis über die Mitte des vorigen Jahrhunderts hinaus 
war der Wald fast allgemein eine wesentliche Hilfsquelle der 
Landwirtschaft. Die waldangrenzenden Dörfer besaßen bis 
dahin althergebrachte Gerechtsame, dem nahen Waldboden 
nach Bedarf Streumittel, Futter und Holz für die Zwecke 
der Landwirtschaft zu entnehmen. Rindvieh und Schweine 



58 



Die Garteuwelt. 



XXI, 5 



wurden in großen Herden in den Wald getrieben, dort 
Waldgras und -Früchte in Milch, Butter und Fleisch umzu- 
setzen. Steilere Abdachungen, Bergrücken und der hoch- 
tronende Gebirgswald blieben naturgemäß von dem Maul 
des Viehes verschont. Deutschlands Reichtum an Wald- 
gebirgen hat uns deshalb ausgedehnte herrliche Wälder ge- 
sichert. Aber auch in der Ebene finden wir noch zahlreiche 
kraftstrotzende Laubwälder im höheren Bestandesalter, die 
am allerwenigsten verraten, daß vor vielleicht 40, 50, 60 Jahren 
der Bauer ihnen das Jahr für Jahr entnommen hat, was 
ihm in seiner, im Verhältnis zum Körnerbau großen Vieh- 
wirtschaft fehlte. Für manche Kuh der armen Arbeilersfrau 
lieferte der Wald damals den größten Teil des Futters. 
Allmählich fand dann die Landwirtschaft die innere Kraft, 
getrennten Tisch im Verkehr mit der Forstwirtschaft einzu- 
führen. Ihren eifrigen Bestrebungen ist es heule gelungen, 
die Waldgrundgerechtigkeiten der Walddörfer fast ausnahmslos 
abzulösen und nur hier und da hat noch im Gemeindewald 
die ärmere Bevölkerung den Kampf gegen den vollständigen 
Abschluß des Waldes erfolgreich bestanden. Der forstlich der 
Bodenvorbereitung für die Nachzucht der Hölzer dienende 
Schweineeintrieb erhielt sich dagegen noch in manchen aus- 
geprägten Waldgegenden ungeschmälert. 

Mit der Ablösung der Waldgrundgerechtigkeiten und den 
gleichzeitig einsetzenden Aufforstungsbestrebungen ist die 
Viehwirtschaft der ärmeren Bevölkerung besonders in Preußen 
wesentlich zurückgegangen, die früher ausgedehnte Schafzudit 
der Eifel auf wenige Herden zusammengeschrumpft. Daß 
die Vergrößerung der Forstfläche auf Kosten der Viehzucht 
und die wirtschaftliche Hebung der Waldkultur gegenüber 
der wachsenden Bevölkerungszahl auf deutschem Boden ein 
volkswirtschaftlicher Fehler war, ist durch die Kriegszeit längst 
erwiesen. Eine planmäßige Rodung großer Waldflächen, 
welche heute noch auf Weizenboden stocken, hätte mit diesen 
Bestrebungen, die Forstwirtschaft zu heben, nicht allein 
gleichen Schritt halten müssen, nein, mit allen Mitteln war 
zunächst die landwirtschaftliche Produktionsfläche zu ver- 
größern, bevor es zu einem Waldabschluß gegenüber der 
Landwirtschaft kam. 

Wenn auch der jährliche Laubabfall und das trocken zu 
Boden sinkende, allmählich verfaulende Reisig der Baum- 
kronen nur den Zweck haben kann, durch Humusbildung dem 
aufstehenden Baumbestande oder dem nachfolgenden Jung- 
wuchs die Wuchskraft zu geben, so ist doch durch die Er- 
fahrung nachgewiesen, daß nur eine dauernde vollständige 
Entblößung des Waldbodens durch Entnahme des Boden- 
humus zu einer für die Holzzucht verhängnisvoll wirkenden 
Bodenarmut führen kann. Die Holzgewächse haben — im 
Gegensatze zu den landwirtschaftlichen Kulturgewächsen — 
die Fähigkeit, durch ihre tiefgehenden Wurzeln die Mineral- 
kraft des Bodens für ihre Zwecke auszunutzen. Das finden 
wir in städtischen Anlagen mit oberflächlicher Rasendüngung 
auf mineralkräftigen Böden durch Bäume mit herrlichen 
Schäften und Kronen bestätigt, trotzdem jährlich der Herbststurm 
das abfallende, zur Düngung berufene Laub an die Stellen verweht, 
wo die Ordnungspflicht des Straßenkehrers täglich schaltet und 
waltet. Je schwächer die Bodenkraft ist, um so notwendiger er- 
scheint deshalb für die Zwecke der Baumzucht die ungestörte 
Humusbildung zu Füßen schwächlicher, kaum in ihrer Ent- 
wicklung fortschreitenden Baumgestalten und selbst Wald- 
sträucher. Daß die vollständige Schonung des Waldbodens 
gegen Streu- und Humusentnahme der Holzzucht auf allen 



Waldböden jedweder Güte Vorteile bringen muß, liegt auf 
der Hand. 

Heute aber, in Zeiten ernster Kriegsnot, hat eine be- 
sondere Begünstigung der Holzzucht gegenüber der auf 
so harte Probe gestellten Landwirtschaft und den erklärlichen 
lauten Rufen nach Dungstoffen, ihre Berechtigung vollständig 
verloren. Ohne Zweifel sind die mineralkräftigen Waldböden 
berufen, einen großen Teil der angesammelten, in Talmulden 
oft über einen Meter hohen Humusmengen zu Produktions- 
zwecken an die Landwirtschaft abzugeben. Der Gartenbau, 
der am meisten unter dem Mangel künstlicher Dünger leidet, 
hat den Blätterhumus längst zu schätzen gewußt. Freiwillige, 
hilfreiche Hergabe des Waldhumus zu angemessenen Preis- 
sätzen würde bald Leben auf die Waldwege bringen. Frauen 
und Kinder können Werbung und Transport besorgen. 

Nichts ist geeigneter für die Aufsaugung der Fäkalien 
kleinerer und größerer Städte, die durch die Kanalisation in 
die Flüsse und weiter ins große weite Weltmeer wandern, 
als der Waldhumus. Die Komposlbereitung kann durch Zu- 
hilfenahme von Waldhumus und Benutzung der Fäkalien in 
der kleinsten Wirtschaft in der Gartenproduktion wieder die 
alten Wunder wirken , die dem auf kümmerlichem Heide- 
boden wirtschaftenden Landwirt die Berufsfreude erhalten. 

Sind alle im Volke schlummernden Kräfte berufen, an 
der Erreichung unseres Zieles der Kriegsdauer mitzuwirken, 
dann darf auch der Wald mit seinen Schätzen eine zurück- 
haltende Stellung nicht länger einnehmen. So anerkennens- 
wert die bisherige Abgabe von Waldstreu, -Gras und Holz 
an die ärmere Bevölkerung ist, viel wichtiger erscheint aber 
noch mit fortschreitender Kriegsdauer die Hergabe des 
direkt zur Düngung verwertbaren Humus von 
den mineralkräftigeren Waldböden. Mit Stolz und 
Freude wird der Forstmann später auf den leicht nachzu- 
weisenden Holzzuwachs- Ausfall hinweisen, und sich dabei 
gern der Wohltaten erinnern, welche der Wald in schwerer 
Zeit mit seinen Dungstoffreserven der ärmeren Bevölkerung 
im Kampfe um das tägliche Brot gespendet hat. Die all- 
gemeine Waldschutzpflicht des Volkes erhält damit eine 
neue wesentliche Stütze. E. 



Gemüsebau. 



Trocken- oder Grünverbrauch von Bohnen. In letzter Zeit 
wurde empfohlen, dahin zu wirken, daß der Grünverbrauch von 
Bohnen und Erbsen untersagt und diese nur im trockenen bezw. 
reifen Zustande verbraucht werden dürfen. 

Es soll hier nicht untersucht werden, ob sich Grünverbrauch 
oder Trockenverwendung in bezug auf Nährkraft die Wage halten, 
es soll vielmehr nur darauf hingewiesen werden, daß es bei solchem 
Verbot nicht angebracht wäre, Erbse und Bohne über einen Kamm 
zu scheren. Vor allem wird es schwer halten, eine Grenze zu 
ziehen zwischen Gegenden, in welchen auf ein sicheres Reifwerden 
zu rechnen ist und solchen, wo dies nur ausnahmsweise der Fall. 
Würde aber an letzteren Orten infolge eines allgemeinen Verbotes 
der Anbau von Bohnen unterlassen oder erheblich eingeschränkt 
werden, so wäre dies im Interesse der Allgemeinheit zu bedauern. 
Die grünen Bohnen bilden in klimatisch ungünstig gelegenen 
Gegenden eines der wichtigsten mittelfrühen Gemüse, und dies 
gerade jetzt, wo die Anfuhr von außerhalb sehr erschwert ist. 
Wurzelgemüse, Kohlarten u. a. werden durch niedrige Temperaturen 
und Spätfröste oft ungemein lange zurückgehalten, es ist dann die 
grüne Bohne, welche bei Eintritt der wärmeren Zeit durch ihre 
schnelle Entwicklung das hauptsächlichste Gemüse liefert. Anders 
ist es bei der Erbse. Diese bildet im grünen Zustande wirklich 



XXI, 5 



Die Gartenwelt. 



59 



«in Luxusgemüse, das aber wohl nur den reichlicher ausgestatteten 
Wirtschaftskassen zugänglich ist. Die grünen Erbsenschalen werden 
leider meist fortgeworfen. Dazu kommt noch, daß bei der 
Konservierung im Haushalte viel grüne Erbsen verderben. Es 
wäre daher nicht schlimm, wenn in solchen Gegenden, in welchen 
ein Reifwerden der Erbse unsicher, der Anbau erheblich einge- 
schränkt würde. Hahn. 



Topfpflanzen. 



Die Vermehrung der englischen Pelargonien. Vor vielen 
Jahren beschrieb ich im „Schweizerischen Gartenbau" die Ver- 
mehrung dieser Pflanze so, wie ich sie in den Pelargonienkulturen 
der Herren Gebrüder Neubronner in Neu-Ulm gesehen und selbst 
mitgemacht habe. Dieses Verfahren suchte ich während vieler 
Jahre zu vervollkommnen. Ich bin nun zu einer Methode gelangt, 
die vollkommen sicher und dabei äußerst einfach ist. 

Verstopfkistchen ohne Abzuglöcher werden mit feinkörnigem, 
sauberem, aber ungewaschenem Sand gefüllt, angedrückt und mäßig 
befeuchtet. In die so vorbereiteten Kistchen werden die Stecklinge 
dicht nebeneinander gesteckt, worauf die Kistchen auf einen ab- 
gebrauchten warmen Kasten nahe ans Glas gestellt und hier so stark 
gegossen werden, daß der Sand ganz durchnäßt ist. Die weitere 
Behandlung ist einfach. Die Stecklinge erhalten bis zu ihrer 
fertigen Bewurzelung flach Luft und der Sand in den Kistchen ist 
naß zu halten, bis sich Spuren von jungen Wurzeln zeigen. Die 
ersten acht Tage nach dem Stecken gibt man während der größten 
Hitze, also von 12 bis 2 Uhr, einen leichten Schatten, nachher 
aber volle Sonne. Wer Zeit genug hat, die Stecklinge öfters zu 
spritzen, braucht gar nicht zu beschatten. 

Von da an hat man weiter nichts zu tun, als den Sand naß 
zu halten. Das Gießen desselben geschieht am besten am Vor- 
mittag, damit die größte Nässe in die heißeste Tageszeit fällt. 
Sowie die Callusbildung vollendet ist, ist vorsichtiger zu gießen 
und die Stecklinge sind nun vor zu großer Nässe zu bewahren. 
In milden Nächten lassen wir durch Abheben der Fenster den 
Tau auf die Stecklinge einwirken. Bald zeigen sich junge Würzelchen 
und in kurzer Zeit haben wir Pflänzchen mit schönen Wurzelballen. 
Wir dürfen aber nicht versäumen, dieselben zur richtigen Zeit ein- 
zutopfen. 

Die Vorbereitung der Mutterpflanzen ist Grundbedingung für 
eine erfolgreiche Vermehrung. In der Großkultur läßt man die 
Mutterpflanzen nicht blühen ; man sucht durch fleißiges Entspitzen 
eine starke Verzweigung zu erzielen. Gewöhnlich aber schneidet 
man die Pflanzen nach dem Verblühen auf die ersten guten Holz- 
augen. Die geschnittenen Pflanzen kommen in ein luftiges, sonniges 
Kalthaus, wo sie nie beschattet, aber bei großer Hitze hin und 
wieder überbraust werden. Wo es tunlich ist, werden die Fenster 
bei schönem Wetter abgehoben. 

Die jungen Seitentriebe, die sich jetzt bilden, liefern das richtige 
Steckmaterial. Die Hauptsache dabei ist, daß dieselben gedrungen 
wachsen ; schwammige Triebe faulen in der Vermehrung. 

Wenn die Triebe richtige Stecklingsgröße erreicht haben, ge- 
langen sie zur Vermehrung. Wer alles tun will, um möglichst 
vollwertiges Steckmaterial zu erlangen, entspitzt die Triebe an der 
Mutterpflanze und wartet mit Abschneiden derselben, bis sich die 
Seitenaugen zu entwickeln beginnen. Die Hauptvermehrung fällt 
in den Monat Juli. 

Auf diese Weise erzielt man mit dem denkbar geringsten Zeit- 
aufwand in 3 bis 5 Wochen schön bewurzelte Pelargonien, die 
wir bei richtiger Kultur bis zum kommenden Frühling zu Schau- 
pflanzen heranziehen können. K. Zwicky, Eichbühl bei Thun. 



Zeit- und Streitfragen. 

Zur Gärtnerinfrage. 

Langjährige Praxis und weitgehende Erlebnisse im Fach 
gestatten auch mir einmal die Feder zu ergreifen, um über 



unsere „gärtnerierenden Damen", weiterhin über unsere „echte" 
Gärtnerin zu plaudern. 

Aufmerksam verfolgte ich von jeher die Beridite, Er- 
örterungen usw. unserer Fachzeitungen, die obigen Punkt 
betrafen, las oft mit wahrhaft innerer Freude die Zeilen der 
Herren Fachkollegen und hatte großes Vergnügen daran, 
wie unsere „teils waschechten" Gärtnerinnen auf Grund oft 
harmloser Sachen losbellten. Und warum das alles, und 
wozu die Wortklauberei? 

Gebt mir Taten zu tun, darf nicht rasten noch ruhn ! das 
allein ist und muß das führende Wort der jungen, wahrhaft 
echten Gärtnerin sein. Praxis und wieder Praxis und dann 
erst die Theorie. Ich will damit nicht sagen, daß unsere 
angehenden weiblichen Gartenlehrlinge nur Arbeitsbienen 
sein sollen, soviel Energie muß selbstverständlich in der 
einzelnen Person stecken, daß trotz ausgesprochener Praxis 
keine Geistesverstopfung einsetzt! Und ich bitte mich recht 
zu verstehen, die praktische Arbeit muß vorerst obenan 
stehen, niemals werden deshalb unsere Frauengartenbauschulen 
wahrhaft echte Gärtnerinnen heranziehen. Also wohlan denn, 
junge, aus ernster Kriegszeit hervorgegangene Gärtnerin ! 
Noch winkt das deutsche Eichenreis! Nicht Schimpf und 
Schande wird gepredigt, nicht gehänselt werden tatkräftige 
Gärtnerinnen. 

Was geschrieben im Laufe der Zeit von tüchtigen, weit- 
schauenden Fachmännern ist allein richtig, begründet, und nur 
Männer des Faches können darüber urteilen. Urteilsfähig 
sind meiner Ansicht nach erst Gärtnerinnen nach 10 bis 
15 jähriger Praxis. Damen mit so langer gärtnerischer Lebens- 
dauer sind dann erst wahre Berufsgenossinnen. Wir haben 
Weiberchen in vielen Exemplaren im Laufe der Jahre 
beobachten können, die, mit dem eisernen Willen gerüstet, 
die schöne Laufbahn begannen. Wo sind nun die dereinst 
schneidigen feschen Kerle alle geblieben? Wenige nur haben 
durchgehalten, wenige dem Wettergott dauernd trotzen können. 
Wenn die größten, aber im Gärtnereibetriebe unvermeidlichen 
Dreckarbeiten über sie kamen, wurden schleunigst die Pump- 
höschen ausgezogen, man wurde sich, trotz anfänglicher 
Willensstärke, eines besseren bewußt. 

Aber wer leben will, der kehre der Vergangenheit den 
Rücken und schaffe Zukunft, indem er die Gegenwart aus- 
lebt, aus der die Zukunft wächst 1 

Das Alte ist hoffentlich gestürzt, und ich wiederhole, der 
wirklich strebsamen Gärtnerin mit dementsprechender Schul- 
bildung winkt jetzt das Siegeskränzlein ! Früher kannte man 
für die Gärtnerin kein rechtes definitives Endziel. Unser 
neuer Zeitabschnitt hat aber viel geändert, eine tatkräftige 
Gärtnerin mit guter Praxis und obigen Vorbedingungen kann 
jetzt unter günstigsten Bedingungen in die weitgeöffneten 
Tore der Dahlemer staatlichen Lehranstalt einrücken, kann 
dann mit Praxis und bester Theorie vollgepropft an 
Frauengartenbauschulen wirken oder sich unseren groß- 
zügigen Haushaltungsschulen widmen. Derartige Anstalten 
haben im Anhang teilweise riesiges Gelände für Gemüse, 
Obstbau, Blumenzucht. Mutig also hinein ins Reich Floras, 
Pomonas usw., ein jeder Stand hat ja seine Last, und ist 
die Last der Gärtnerei besonders groß, so erst recht die 
Zähne aufeinander, hindurch durch Dreck, Eis, Schnee und 
Regen. Und es werden dereinst immer tüchtige wort- 
führende Fachmänner sich finden, die dann, wenn Tüchtigkeit, 
Fähigkeit, Ausdauer durchaus bewiesen, den echten Gärt- 
nerinnen den Siegeskranz aufs gold- oder schwarzgelockte 



/ 



60 



Die G artenweit. 



XXI, 5 



Haar drücken werden. Je größer der Kannpf, desto schöner 
der Sieg! Und nicht vergessen, eine derbe Lehrzeit von 
Donnerwetter- und Lufthölzerhagel begleitet, wenn's not tut! 

Weiterhin noch der preußische Militarismus, den Frl. 
Kräplin in der Gärtnerin Aus- und Fortbildung hinein haben 
möchte. . . . Mag man mich auf Grund dieser frei von der Leber 
rollenden Worte tadeln oder sie anerkennen ; vielleicht bin 
ich der unangenehmsten Seite der Gärtnerei zu nahe ge- 
treten oder habe „Dreck" und oft „saudumme" Behandlung 
zu stark berührt, es ist aber notwendig, daß eine werdende 
Gärtnerin früh genug davon hört. 

Das Genie bricht sich Bahn, Charaktere bilden sich im 
Kampf der Welt! 

Aber nicht immer wird der Wettergott grausam sein, es 
folgen auch einmal Tage des Sonnenscheines und Blüten- 
duftes, und dann beginnt für uns alle der Herzenslenz, die 
rechte Empfindung, die Liebe zum Fache kommt zum tiefsten 
Ausdruck. 

Wer der Natur zutraulich folgt, den drückt sie wie ein 
Kind an ihr Herz! 

Freie Bahn den Tüchtigen I 

C. Weinholz, 

Gartenverwaltung des Herrn Geheimrat Dr. v. Böttinger, 

Elberfeld. 



Fragen und Antworten. 

Beantwortungr der Frage Nr. 998. Araucaria excelsa be- 
treffend. 

Als ich im Frühjahr 1900 meine Tätigkeit im Münchener Botan. 
Garten begann, fand ich hier eine /Iraucaria Cunn/n^Aamii Sweetr.. 
welche der A. excelsa ja sehr nahe steht, mit abgebrochenem 
Gipfeltriebe vor. Die Pflanze war ohne diesen 2 m hoch und 
hatte unterhalb der Bruchstelle einen Stammumfang von etwa 
160 mm. Wann dies Unglück geschehen, konnte ich seinerzeit 
nicht mehr feststellen, man sagte, das sei schon lange her! — 
Kurzum, die Pflanze stand in dieser unschönen Gestalt wohl noch 
6 Jahre herum, man war nahe daran, sie zu kassieren, — da 
entwickelte sich an der Bruchstelle ein Trieb, welcher bald, regel- 
rechte Quirle bildend, sich als neuer Gipfeltrieb entpuppte. Heute 
nun, nach rund 16 Jahren, ist derselbe so mit der Bruchstelle 
verwachsen, daß man von dieser absolut nichts mehr sieht, zudem 
hat die neue „Krone" bereits 5 Etagen gebildet, so daß die 
Pflanze jetzt eine Höhe von 5 m hat. 

Aufgebundene Seitentriebe werden niemals Quirle bilden, ebenso 
wenig gelingt dies, wenn man versuchsweise solche, oder einzelne 
Fiedern derselben auf entköpfte normale Sämlingspflanzen pfropft. 
C. Bösel. 

Rechtspflege. 

Uebermäßige Preissteigerung bei Kartoffelverkäufen. 

Urteil des Reichsgerichts vom 16. Januar 1917. Der Gemüse- 
händler Michael Ptlipsen wurde am 28. Oktober 1916 vom Land- 
gericht München-Gladbach wegen übermäßiger Preissteigerung 
zu 500 M Geldstrafe verurteilt. Pf. hatte im Juni 1916 auf dem 
Wochenmarkt zu München-Gladbach Frühkartoffeln zu einem Preise 
von 25 Pfg. für das Pfund aufgekauft, die er in seinem Laden 
durch seinen Sohn zu 40 Pfg. das Pfund verkaufen ließ. Wie 
festgestellt wurde, bedeutete das für ihn einen Reingewinn von 
11 Prozent, der den Verhältnissen nicht angemessen war. Zu 
seiner Entschuldigung gab Pf. an, daß es sich garnicht um Nahrungs- 
mittel des täglichen Bedarfs handele, sondern um Genußmittel. 
Diese aber fielen nicht unter die Verordnung betreffend über- 
mäßige Preissteigerung. Außerdem habe er die Kartoffeln seinem 
Sohn, der das Kleinhandelsgeschäft betreibe, für den angemessenen 
Preis von 32 Pfg. verkauft. Dieser durfte sie dann weiter für 



40 Pfg. verkaufen. Das Gericht hielt diese Einwendungen jedoch 
nicht für stichhaltig, denn Genußmittel, nach denen ein Bedürfnis 
im Publikum vorhanden sei, fielen unter die Verordnung. Gegen 
dieses Urteil legte der Angeklagte Revision ein, die aber ahi 
16. d. M. vom Reichsgericht als unbegründet verworfen wurde. 
(Aktenzeichen: 5 D. 602 16.) 

Mitberechnung der Strohverpackung beim Versand von 
Kohl durch die Eisenbahn. Vor dem Amtsgericht Gera schwebte 
zwischen einer Gemüsegroßhandlung (Klägerin) und einer Gurken- 
einlegerei und Sauerkohlfabrik (Beklagten) ein Rechtsstreit, dem 
folgender Tatbestand zugrunde lag: 

Die Beklagte kaufte von der Klägerin eine Wagenladung Weiß- 
kraut vereinbarungsgemäß nach bahnamtlichem Gewichte. Nach 
Angabe der Bahn betrug das Bruttogewicht 19 840 kg, das an- 
geschriebene Eigengewicht des Wagens 9080 kg, das Nettogewicht 
mithin 10 760 kg. Das Kraut war in Stroh verpackt. Die Be- 
klagte, die dafür den Kaufpreis zahlte, erhielt einige Zeit danach 
von der Klägerin eine Nachberechnung über 30 M für die Stroh- 
verpackung. Die Forderung war damit begründet, daß es im 
Krauthandel Handelsgebrauch wäre, die Verpackung besonders zu 
berechnen. Die Beklagte weigerte sich, diesen Betrag zu zahlen, 
indem sie den Abschluß einer zwischen ihr und der Klägerin ge- 
troffenen Vereinbarung des Inhalts, daß die Strohverpackung be- 
sonders zu bezahlen wäre, bestritt; in dem für die Ladung ent- 
richteten Kaufpreise wäre vielmehr der Preis für die Verpackung 
schon mit enthalten. 

Dem Ersuchen des Gerichts um Aeußerung in dieser Streit- 
frage leistete die Leipziger Handelskammer mit dem nachstehenden 
Gutachten Folge : „Ein Handelsgebrauch derart, daß beim Versand 
von Kohl durch die Eisenbahn die Strohverpackung vom Käufer 
mit zu bezahlen sei, hat sich nicht feststellen lassen. Wird aber, 
wie mitunter üblich, die Verpackung schon im Nettogewicht der 
Ware mitberechnet, so ist die Nachberechnung der ohnehin zu 
teuer bezahlten Verpackung unzulässig." 



Tagesgeschichte. 

Köln. Die hiesigen Handelsgärtner haben beschlossen, sämt- 
liche Betriebe ihrer Mitglieder von jetzt an nicht mehr vorwiegend 
zur Blumenkultur, sondern zum größten Teile zu Ernährungszwecken 
auszunützen. Besonders soll der Zucht von Gemüsepflanzen und 
der Frühkartoffeln erhöhte Aufmerksamkeit geschenkt werden. 



Personalnachrichten. 
Gärtner in Waffen. 

Gärtner Wilh. Bromme, Grünberg i. Schi., wurde durch Ver- 
leihung des Eisernen Kreuzes ausgezeichnet. 

Obergärtner J. Jentzsch, Köln, Mitglied des Verbandes 
Deutscher Privatgärtner, wurde mit dem Eisernen Kreuz erster 
Klasse ausgezeichnet. 

* * 

* 

John, Karl, Fachlehrer der Großh. Obstbauschule in Friedberg 
in Hessen, -\f am 14. Januar. In ihm verlieren die Obstzüchter 
Oberhessens einen ihrer bewährtesten Berater, der in mehr als 
25 jähriger Tätigkeit für den Obstbau Hervorragendes geleistet 
hat. Auch als Schriftsteller und Redner war John in den deutschen 
Obstzüchterkreisen eine geschätzte Persönlichkeit. 

Peicker, W., Herzog!. Hofgartendirektor in Räuden, Oberschi., 
geschätzter Mitarbeiter der „Gartenwelt", aus dessen Feder wir 
noch in Nr. 1 einen Beitrag veröffentlichen konnten, feierte, wie 
wir verspätet aus der „Deutschen Obstbauzeitung" erfuhren, am 
28. Dezember seinen 80. Geburtstag. Wir wünschen dem ver- 
dienten, allbeliebten Kollegen noch einen langen, ungetrübten 
Lebensabend. 

Wirth, Paul, bisher Reviergärtner im kgl. Botan. Garten zu 
Dahlem, wurde als Obergärtner mit der Vertretung des zum 
Militärdienst einberufenen technischen Leiters des Kaiser Wilhelm- 
Instituts für Biologie dortselbst betraut. 



Berlin SW. 11, Hedemannstr. 10. Für die Redaktion verantwortl. Mar Hesdörtter. Verl. von Paul Parey. Druck ; Anh. Buchdr. Gutenberg, G. Zichäus, Dessau. 



lustrierte Wochenschrift für den gesamten Gartenbau. 



Jahrgang XXI. 



9. Februar 1917. 



Nr. 6. 



Nachdruck und Nachbildung aus dem Inhalte dieser Zeitschrift werden strafrechtlich verfolgt. 



Obstbau. 



Reichtragende Birnensorten. 



Von Hofgärtner A. Schipper, zurzeit Maat der Kaiserlichen Marine. 
(Hierzu eine Abbildung nach für die „Gartenw." gef. Aufnahme.) 

1916 brachte uns keine sonderlich gute Birnen- 
ernte; der Birnbaum hatte sein Erholungsjahr. Ein- 
zelne Sorten haben selbst an geschütztem Standort 
total versagt, so die sonst so vorzügliche Oltvier 
de Serres, die bei mir früher nur selten ausgesetzt 
hat. Sie brachte nur wenige, wenn auch recht voll- 
kommene Früchte. 

Diels- und Napoleons Butterbirne brachten in- 
folge des nassen Sommers fast nur rissige Früchte, 
die kaum noch Wert für Wirtschaftszwecke hatten. 

Mme Favre hat bei mir den letzten Rest von 
Wertschätzung verloren ; sie ist eine Sorte, die aus 
unseren Baumschulen verschwinden muß. Ich habe 
etwa 15 Pyramiden in gesundem Wachstum dieser 
Sorte. Wäre nicht der Krieg gekommen, so hätte 
ich sie längst umveredelt. Mme Favre ist eine 
minderwertige Sorte, die zu einer Zeit reift, wo 
Obst zur Genüge vorhanden, dabei wird sie leicht 
von Fusikladium befallen und wird besonders in 
feuchten Sommern rissig, so daß sie am Baume fault. 

Welch edle Sorten sind dagegen die Gellerts- 
und Hochfeine Butterbirne, die fast zu der gleichen 
Zeit reifen I Beide Sorten brachten mir eine gute 
Ernte. Die Bäume waren nicht ganz so voUbehangen 
wie in den vorhergehenden Jahren, dafür waren 
aber die Früchte überaus vollkommen und rein in 
der Schale ; jede Frucht konnte für die Tafel Ver- 
wendung finden. 

Auch die Bäume der wertvollen Vereins Dechants- 
birne brachten gute Erträge in prachtvollen Früchten, 
sowohl in dem geschützten Garten der Gärtnerei, 
wie draußen im Baumfeld als Buschbäume. 

Ueberreiche Erträge brachte die Neue Poiteau. 
deren Pyramiden der Stütze bedurften. Gewiß, die 
Ansichten über den Wert dieser Sorte sind ver- 
schieden ; auch mir wollte sie infolge der grünen 
Schale, die sich selbst in der Reife nur wenig 
ändert und des grünlichen Fleisches wegen nie recht 
zusagen, eines steht aber fest, die Neue Poiteau 
gehört mit zu unseren reichtragendsten Birnensorten. 
Sie kann als vollkommene Frucht recht gut als Tafel- 
frucht gelten, aber auch als Wirtschaftsfrucht ist sie 

Gartenwelt XXI, 



wertvoll. Die Abbildung zeigt eine überreich behangene 
Pyramide dieser Sorte, im September vorigen Jahres auf- 
genommen. Die Aeste sind durch Drahthaken gestützt. 







^^^^^^^^^^^^^^1 








■ 


■i 




^ 



Birnpyramide Neue Poiteau 
der Gärtnerei des Schlosses Friedrichshof bei Cronberg 
am Taunus. 



€2 



Die Oartenwelt. 



XXI. 6 



Die Ernte der Pastorenbirne war gut. Auch hier waren 
es nicht übermäßig viel Früchte, dafür waren sie aber selten 
vollkommen. Ich habe etwa 12 große Pyramiden auf Wildling 
veredelt und einige Hochstämme, die in den letzten 10 Jahren 
alljährlich gute Ernten brachten. 

Auch die späte Charles Cogne brachte eine gute Ernte 
vollkommener Früchte. Ueber den Wert dieser Sorte bin 
ich noch im Zweifel. Es ist ja eine schöne Sache, im Februar- 
März und später noch Birnen zu haben, aber ich habe diese 
Sorte trotz aller Versuche des Lagerns und trotz der spätesten 
Ernte noch nie als Tafelfrucht bezeichnen können, sie er- 
innert mich immer etwas an eine Rübe, obwohl mir von 
Herrschaften schon öfters versichert wurde, daß diese Sorte 
trotz des festen Fleisches als Tafelfrucht zu verwenden sei. 
Nun, dies mag Geschmacksache sein, als Wirtschaftsfrucht im 
Frühjahr, wo nur wenig anderes Obst zu erlangen ist, hat 
diese Sorte auf alle Fälle Wert und wird auch gut bezahlt, 
so daß sie mir deshalb empfehlenswert erscheint. 

Im verflossenen nassen Sommer haben sich noch Baronin 
von Melle und Mme Verte bewährt. Diese beiden berosteten 
Sorten brachten reine Früchte, für die auch in Friedenszeiten 
stets Absatz zu finden ist. 

Vor dem Kriege war der Absatz, besonders der Herbst- 
birnen, in Frankfurt am Main und den naheliegenden Bade- 
orten Homburg v. d. Höhe, Wiesbaden und Nauheim oft 
mit Schwierigkeiten verbunden, im verflossenen Jahre wurde 
das Obst aber glatt abgesetzt, trotz der verhältnismäßig 
hohen Preise. Nach Sorten wurde weniger gefragt, es wurde 
gekauft, was da war. 

Das Hagelwetter im Sommer hatte den Birnen weniger, 
wohl aber den Aepfeln, besonders den großfrüchtigen sehr 
geschadet. 

Vorstehend habe ich aus meinem reichhaltigen Birnen- 
sortiment einige Sorten, die mir besonders auffielen, heraus- 
gegriffen. Das Arbeiten mit so vielen Sorten ist namentlich 
bei der Ernte mit Schwierigkeiten verbunden, trotzdem werde 
ich daran festhalten, denn unsere Privatgärtnereien sind 
neben den Obstbauschulen mit in erster Linie dazu berufen, 
Sorten zu erproben. So stellte mir vor dem Kriege die 
Königliche Lehranstalt in Geisenheim in dankenswerter Weise 
Edelreiser einiger Neuzüchtungen von Birnen zur Verfügung ; 
sie brachten in diesem Jahre Erstlingsfrüchte. Ueber den 
Wert dieser Sorten werde ich in späteren Jahren einmal 
berichten. 

Gemüsebau. 

Berufs- und Kriegsarbeit an der Westfront bei einer 
Eisenbahnbaukompagnie. 

Von Paul Bocbenek, zurzeit Eisenbahnunteroffizier. 
Es war im März 1915, als unser Bauzug unweit Basel 
dicht an der französischen Grenze stand. Dort waren die 
ungepflegten Obstbäume voller Misteln ; ich schmückte mit 
ihnen unser Kasino aus, welches aus einem dazu herge- 
richteten belgischen Eisenbahnwagen III. Kl. bestand. Die 
schönste Gärtnersonne schien auf den hohen Schnee, schmolz 
ihn hinweg, und ich hatte große Sehnsucht nach meinem 
Beruf. Man war doch übel daran bei so einer Eisenbahn- 
baukompagnie. Unser Aufenthalt war nirgends lange und 
schien mir die Ausübung meines Berufes in weite Ferne 
gerückt. Doch wozu hatten wir unseren schönen Bauzug 
mit fünfzehn gedeckten Wagen. Und eingedenk meines 



hohen Berufs, Thron und Vaterland zu schützen nahm ich 
mir vor, die Eisenbahnwagendächer gartenbaulich auszunutzen. 
Außerdem war ich noch Verpflegungsunteroffizier der Kom- 
pagnie, da solcher Offizier für kleine Formationen nicht zu- 
ständig ist. Auch wußte ich, daß unseren Eisenbahnpionieren 
die Vaterlandsliebe stark durdi den Magen ging. Gewürze 
wurden wenig, Küchenkräuter und frisches Gemüse damals gar 
nicht empfangen. Das stand bei mir fest, auf dem Küchen- 
dach müssen Suppenkräuter gut gedeihen. Nun machte ich 
meinem Herrn Hauptmann den Vorschlag, auf den Eisenbahn- 
wagen Dachgärten anlegen zu dürfen. Ich hatte Glück, 
denn dieser Herr hatte Verständnis für Gartenbau. Meine 
Kameraden aber schüttelten die Köpfe und behaupteten, 
daß das nichts wird oder höchstens eine Fliegerdeckung. 
Auch gut ! Ich fing mit dem Küchenwagen an. Ein Wink 
und einige Erklärungen an unsere Depothandwerker genügten, 
um einen 12 Q großen Kasten auf dem Dache erstehen zu 
lassen. Es stand mir alles zur Verfügung : Arbeitskräfte, 
Bretter, Dachpappe und alles dazu nötige. Unsere 12 Paar 
Arbeitspferde hatten nicht immer zu tun. Ich bat den 
Trainunteroffizier, mir Erde anfahren zu lassen. Die Erde 
wurde 20 bis 25 cm hoch aufgetragen, an den Rändern 
festgedrückt, und die Bepflanzung ging vor sich. Was wir 
vor allen Dingen gebrauchen konnten, waren Porree, Peter- 
silie, Schnittlauch und Sellerie. Aber auch Radieschen, 
Karotten und Erbsen säte ich aus, und sie gediehen prächtig 
in der guten Erde, welche von unten aus der Küche noch 
erwärmt wurde. Als dies der Hauptmann sah und einige 
Radieschen kostete, regte er sofort an, auch die übrigen 
Wagendächer für Gemüsebau auszunutzen. Und es dauerte 
nicht lange, da grünte und sproßte es auf allen Wagen. Ich 
wüßte nicht, was nicht gut gewachsen wäre. So hatte ich 
auch auf zwei Wagen Gurken und auf einem Tomaten an- 
gepflanzt. Von den Gurkenwagen erntete ich im Laufe der 
Zeit etwa 400 zum Teil sehr schöne, große Früchte. Auch 
die Tomaten, welche ich der Profilfreiheit wegen als wage- 
rechte Kordons zog, trugen reichlich und wurden zeitig reif. 
Weiter hatten wir noch Salat, Kohlrabi, Bohnen und Spinat 
angebaut, für den Winter Grünkohl, Endivien und Feld- 
salat. Es ist nur Schade, daß einige photographische Auf- 
nahmen nicht scharf genug, auch nicht zur günstigen Zeit 
gemacht worden sind. Den Offizieren, meinen Kameraden 
und den Pionieren schmeckte die „Fliegerdeckung" aus- 
gezeichnet. Ja, ich konnte sogar einige Salatköpfe schießen 
lassen. Auf Flieger, bemerkte der Hauptmann einigen 
Offizieren gegenüber. Es war jetzt jeder stolz in der 
Kompagnie auf unseren mitfahrenden Gartenbau. Ver- 
führerisch hingen die Gurken beim Einfahren in die Bahn- 
hofshallen von den Dächern, und die Tomaten lachten mit 
ihren roten Backen im Sonnenschein. Auch Petunien, Pelar- 
gonien und Tropaeolum blühten in Fensterkästen an den- 
jenigen Wagen, welche zum Aufenthalt dienten. Die luftigen 
Reisen vertrugen die Pflanzen und Blumen so wie die Menschen. 
Etwas angegriffen waren sie nach einer 12 bis 24 stündigen 
Fahrt, erholten sich aber rasch wieder. Mit diesen Dach- 
gärten auf Eisenbahnwagen fuhren wir in Elaß- Lothringen 
und Frankreich herum. Dem unvermeidlichen Zusammen- 
stoßen der Wagen hielt die Erde guten Stand. Ueberall 
wurde unserem Gartenbau reges Interesse entgegengebracht, 
derselbe viel bewundert. 

Die Kriegsarbeit bei einer Eisenbahnbaukompagnie bietet 
viel interessante Momente. Die Festlegung der Wegeführung, 



1 



XX]. c. 



Die G a r t a w e 1 1. 



t53 



gewaltige Erdeinschnitte und Erdaufträge, Sprengungen, 
Baumschlag, Brückenbau, Vorstrecken des Gleises und die 
verschiedenen Bahnhofseinrichtungen mit Brunnenbohren sind 
auch für den Gartenfachmann lehrreich. Wie ich aber fest- 
stellen konnte, gehören zu Gartenkunst und Gartenbau viel 
feinere und interessantere Griffe und Kniffe. Deshalb dürfte 
wohl unsere Berufsarbeit mindestens so hoch als diejenige 
eines Tiefbauingenieurs einzuschätzen sein. Wir müssen stolz 
sein auf unseren Beruf und uns gute Leistungen auch gut 
bezahlen lassen. Es liegt nur an uns. 



l 



Landschaftsgärtnerei. 

Die Gartenkunst im Kriege. 
Von Hermann Wolff, Berlin — Baumschulenweg-. 

Kunst und Krieg — zwei unvereinbare Gegensätze, und 
doch gehen sie Hand in Hand. Der Krieg stellt die realen 
Dinge in den Vordergrund, und doch sind sie notwendig, 
eine Vorstufe der Kunst. 

Die Ernährung des Volkes hat alle möglichen Maßnahmen 
erfordert, hat alle frei verfügbaren Flächen mit Beschlag 
belegt und dem Obst- und Gemüsebau eine Bedeutung und 
einen Aufschwung verliehen, an den man vorher nie gedacht 
hätte. Viele, die bis jetzt vom Pflanzen keine Ahnung 
hatten, deren Naturkunde der Gemüse- und Obstladen war, 
und die — wenn es hoch kam — ein unbewußtes, allge- 
meines Schönheitsgefühl für das „Romantische" besaßen, be- 
merken mit Staunen, daß die Betätigung in der Natur die 
oft lang gesuchte Zufriedenheit bringt. Kohl und Kartoffeln, 
zuerst der zwingenden Notwendigkeit entsprungen, bedeuten 
heute trotz ihres Ernährungswertes schon mehr für den Er- 
zeuger als nur Nahrung. Die Liebe zur Scholle, zum Selbst- 
gezogenen ist erwacht. Den besten Boden für diese Beob- 
achtungen bietet natürlich die Großstadt, und wenn man den 
Eifer sieht (nicht nur aus Nahrungssorgen), mit welchem Groß- 
städter ihr „Land" bewirtschaften, dann muß man auf den 
Gedanken kommen, daß diese Freude tiefer sitzt, daß eine 
Eigenschaft erwacht ist, die für die Zukunft etwas bedeutet. 

Wenn das Ringen ein Ende hat, wenn die Schatten des 
Todes nicht mehr über Europa lasten, und die Selbsterhaltung 
eines Volkes nicht mehr ganz der Zweck des Lebens ist, 
dann wird diese neugeborene Liebe zur Erde andre Bahnen 
einschlagen. Die Streiter kehren zurück und es berühren 
sich auch hier wieder die Gegensätze : Erdulden und Tod 
machen der Freude und dem Leben Platz. Die eiserne Saat 
wird blühen in und um den Menschen, und die Gabe, die 
Natur in sich aufzunehmen, geschmiedet im Trommelfeuer, 
wird keimen im stillen Garten eines friedvollen Heims. 

Das Ergebnis wird je nach den obwaltenden Lebensum- 
ständen ein verschiedenes sein. Die breiten Volksmassen 
werden in Schrebergärten bezw. kleinen Hausgärten diesem 
Bedürfnis Rechnung tragen, und je nach dem steigenden 
Wohlstand wird auch die Größe des Gartens wachsen. Die 
weniger Bemittelten bilden die Mehrzahl, und der Staat muß 
mit ihnen rechnen. Das alte Wort : „Brot und Spiele" der 
Römer hat sich verwandelt in eine andere Form, der steigen- 
den Erkenntnis des Volkes angepaßt, und wenn Lebrecht Migge 
Jugendparks fordert zum kräftigen Gedeihen des Nachwuchses, 
dann möchte ich noch eine Forderung als dringendes Be- 
dürfnis daran anschließen : Schafft der Jugend eine neuartige 
Wirksamkeit unter Mitarbeit der Eltern. Die Schule, Turn- 
und andere Sportvereine können die Erziehung wohl in 



geordnete Bahnen lenken, aber das Elternhaus, die Familie 
bildete von jeher den Grundstock einer gefestigten idealen 
Erziehung. Pflanzgärten sollen geschaffen werden, in welchen 
die Jugend ihre Pflanzen selbst zieht, und in den einzelnen 
Bezirken muß zur Ernte eine kleine Ausstellung veranstaltet 
werden, die einem Wettbewerb mit Preisen gleichkommt. 
Dadurch werden die Eltern auch mit hineingezogen. Der- 
artige Pflanzstätten einer dadurch zu veredelnden Jugend 
greifen tief in das Volksleben ein und es entsteht mit der 
Zeit eine Generation, die für Schönheitswerte empfänglich ist. 

In diesen Sätzen liegt das Programm der deutschen 
Gartenkunst ! Wohl werden auch jetzt Gärten geschaffen, 
aber ihre Beweggründe entspringen an ganz anderer Stelle. 
Die Liebe zur Pflanze soll den Ausschlag geben, aber meistens 
sind es nur Repräsentationsgärten. Irgendeine an und für 
sich prächtige Züchtung muß untergebracht werden, irgend- 
eine vom Gartenarchitekten entv/orfene originelle Form des 
Gartens bedingt den Untergrund der Anlegung. Der Anlaß 
geht selten vom Besteller aus, das Haus ist fertig, und da 
muß auch etwas Grünes sein, sonst ist es nicht vornehm 
genug. Dies ist wohl ein Grund mit, warum Haus und 
Garten nicht zueinander passen oder kalt wirken. Der Besitzer 
hat von Gartenkunst keine Ahnung und läßt sich eben des- 
halb vom Fachmann nicht belehren. Die selbständigen Garten- 
architekten können ein Lied davon singen. 

Alles Schöpferische, aus sich selbst heraus entstanden, 
kann man mit Kunst bezeichnen, und sobald die Garten- 
gestaltung geschäftsmäßig wird, ist ihre Ausführung Hand- 
werk und hat auf Kunst keinen Anspruch. Wenn man durch 
die Einführung der Pflanzgärten, die Berührung mit den 
einzelnen Pflanzen, die Erkenntnis im Volke hervorruft, daß 
die Lebensbedingungen bekannt werden, überhaupt die Natur 
ihm näher kommt, dann gewinnen die botanischen Gärten 
und die städtischen Anlagen für den Einzelnen auch an Wert. 
Er kennt viele Pflanzen, und der botanische Garten erscheint 
ihm nicht mehr wie ein Museum, das man besucht haben 
muß, sondern wie ein Nachschlagewerk, aus dem er das 
Passende für sich heraussucht. Jeder Mensch hat ein anderes 
Empfinden und jeder bevorzugt bestimmte Formen und Farben, 
und wenn im Laufe der Zeit sich ein derartiges Gefühl 
vertieft und aus solchem Geiste heraus der Besitzende sich 
seinen Garten anlegt, dann ist die Gartenkunst Sache des 
Volkes geworden, dann kann der Gartenarchitekt dem Emp- 
finden voll und ganz genügen, vorausgesetzt, daß er Künstler 
ist. Seine Spezialkenntnisse erweitern den ihm in ungewissen 
Umrißlinien gegebenen Plan und er bringt eine Ausdrucks- 
form zustande, die den Stempel des Persönlichen trägt. 

Die Gartenkunst muß aus dem Volke heraus geboren 
werden, muß ein Spiegel der inneren Beschaffenheit unserer 
Zeit sein, nicht nur ein Produkt des Wohlstandes und Protzes. 
Der Krieg vertieft jetzt alles, und Kunst muß aus dem Innern 
kommen, sonst darf man von einer Gartenkunst nicht sprechen. 
Wenn man die Pflanze nur als Pflanze verarbeitet, dann 
kann man von keinem künstlerischen Entwurf sprechen. Man 
muß — je nach der Sachlage — irgendeine Idee durch die 
Pflanzen verwirklichen, und da es unendliche Ideen gibt, so 
kommt jede Pflanze zur Geltung. Ein unter diesem Gesichts- 
punkt angelegter Garten wird auch geistiges Eigentum des 
Besitzers. Man verwendet nicht den Marmor um seiner selbst 
willen, sondern um einen Gedanken zum Ausdruck zu bringen, 
und die Farben sind nicht als solche da für den Maler, 
sondern nur Mittel zum Zweck. So selbstverständlich uns 



C4 



Die üarteuwelt. 



XXI, (5 



diese Dinge sind, so wenig werden sie in unserm Berufe 
beherzigt, und doch wollen wir eine Gartenkunst haben ; die 
meisten denken, daß wir sie schon längst besitzen. 



Aus deutschen Gärten. 



Straße bildet eine höhere uralte Talstufe und steigt all- 
mählich in der Richtung nach denn Bismardcturm und 
der Burg Gleiberg an, die am oberen Rande des Planes, 
vom Mittelpunkt von Gießen aus gesehen, perspektivisch 
verkürzt mit dargestellt sind. 



Die Gartenanlagen bei der Universität Gießen. 

Von Prof. Dr. Sommer, Geh. Med. -Rat. 

(Erläuterungen zu den beiden Plänen.) 

1. Die Anlage vor der Universität. Der Grundriß steht 
in engster Beziehung zu der in dem früheren Text (Nr. 1) 
beschriebenen Beschaffenheit und zum Zweck des dahinter- 
stehenden Universitätsgebäudes. Die Fahrstraße vor dem 
Gebäude ist in Wirklichkeit von vorn nicht sichtbar, da die 
früher beschriebenen Nischen, in denen innerhalb der um- 
friedigten Plätze Ruhebänke stehen, mit den Eschen an dem 
Gebäude sich perspektivisch zusammenschieben. Die Linien- 
führung steht im Einklang mit den Konstruktionsformen des 
Gebäudes. 

2. Der Robert Sommer-Garten der Universität Gießen 
liegt im mittleren Teil des dargestellten Uebersichtsplanes 
zwischen dem Fußweg, der die untere mit der oberen Fahr- 
straße verbindet, und dem rechts befindlichen Steinbruch. 
Die Böschung, an der sich der umfriedigte Terrassengarten 
hinaufzieht, stellt die Abgrenzung des jetzigen Lahntales 
nach Westen dar. Das Gelände jenseits der oberen Fahr- 



Die Gartenanlagen von Jagdschloß Wolfsgarten. 

Von Gartenarchitekt Hans Gerlacfa. 

(Hierzu sieben Abbildungen nach für die „Gartenwelt" gefertigten 
Aufnahmen von Susanna Hohmann, Darmstadt.) 

Vor nicht allzulanger Zeit wurde in der „Gartenwelt" 
darauf hingewiesen, den Werken deutscher Gartenkunst mehr 
Beachtung zu schenken. Auch die deutsche Gesellschaft für 
Gartenkunst hat es sich neuerdings zur Aufgabe gemacht, 
statt der Studienreisen ins Ausland sich mehr mit der ge- 
meinsamen Besichtigung deutscher Gärten zu beschäftigen, 
um aus den heimischen Schöpfungen vergangener Zeiten neue 
Anregungen zu gewinnen. Und in der Tat ist dies Streben 
nicht nur zeitgemäß, sondern durchaus berechtigt. Warum 
denn in die Ferne schweifen, sieh' das Gute liegt so nah. 

Da die beachtenswerten Gärten jedoch sehr zerstreut und 
oft auch ziemlich versteckt in der deutschen Landschaft 
liegen, so ist die nächstliegende Aufgabe die, daß man 
überall recht aufmerksame Umschau hält und in den Fach- 
zeitungen auf die Kleinodien aus dem Schatzkäsllein der 
deutschen Gartenkunst hinweist. Den literarisch tätigen Fach- 



(^nia^jc ()eyMit}es inJi clem %/wüi'Si?ü/ ' si/c/m//äi'. 




^ 






Kiithr/,, 



JL 






ij iinnff y 



'^laosftai. 




Nach einer für die „Gartenwelt" gefertigten Zeichnung. 



XXI, 6 



Die Gartenwelt. 



65 



leuten bietet sich hier ein äußerst dankbares Arbeitsfeld, dem sich 
hoffentlich mit regem Spürsinn nun viele Kollegen zuwenden. 

Um diesen Gedanken verwirklichen zu helfen, will ich 
heute den Leserkreis dieser geschätzten Zeitschrift mit dem 
Garten des Jagdschlosses Wolfsgarten unweit Darmstadt ver- 
traut machen, was mir besonders durch die beigefügten Auf- 
nahmen von Susanna Hohmann, welche ich mit persönlicher 
Erlaubnis Sr. Königl. Hoheit des Großherzogs von Hessen 
zur bildlichen Erläuterung verwenden darf, ermöglicht wurde. 

Abseits der großen Verkehrsstraße Frankfurt — Mannheim, 
inmitten des rauschenden Waldes, abgeschieden vom ruhe- 
losen Weltengetriebe, in herrlicher Natur, liegt dieser Sommer- 
sitz der großherzoglichen Familie, deren Oberhaupt als 



Heimstätte, und so sind die den gartenarchitektonischen Zu- 
sammenschluß bildenden plastischen Werke einwandfreie 
Kunstschöpfungen, wobei auch die neuzeitliche Bildhauer- 
kunst zu ihrem Recht kommt (Bild 3). Leben, Bewegung 
besitzen alle diese Gartenplastiken, dies kommt besonders 
da, wo sie mit dem belebenden Element, dem Wasser, in 
innigster Verbindung stehen, klar zum Ausdruck. Neben 
dem prunkvollen bildhauerisch durchgearbeiteten Wandbrunnen 
(Bild 4) dient an anderer Stelle ein prächtiger Ziehbrunnen 
als architektonisches Schmuckstück (Bild 5). Für die künst- 
lerische Ausgestaltung des Spaliergartens wie überhaupt des 
Nutzgartens, und gerade dieses Gebiet der Gartenkunst ist 
zurzeit wohl das allerwichtigste, finden wir im Garten des 




«Nfl« ■ ^ 



Siejsm im (Pfum^tr fffä. 



ijl^/l/ii, ^fäA.iBajif. 



Nach einer für die „Gartenv.elt" gefertigten Zeichnung. 



\ 



Förderer deutscher Kunst, insbesondere der Gartenkunst, als 
erster in den Reihen der deutschen Bundesfürsten steht. 

So ist es denn wohl erklärlich, daß die Gartenanlagen 
vom Jagdschloß Wolfsgarten dem forschenden Gartengestalter 
mancherlei Anregungen geben. Dies gilt insbesondere von 
der vielseitigen Verwendung von Plastiken und Skulpturen, 
die neben ihrer allegorischen Bedeutung auch eine architek- 
tonische Funktion haben. Sie sind skulptierte Architektur, 
treten als Stützpunkte für das Auge hervor und stellen 
somit die raumkünstlerische Zusammenfassung her, wie dies 
Bild 2 veranschaulicht. Dieser Garten gewährt, gemäß dem 
Streben seines kunstsinnigen Besitzers, allen Künsten eine 



Jagdschlosses Wolfsgarten vortreffliche Motive. Bild 6 und 7 
sprechen hierfür zu den Lesern wohl besser als viele Worte. 

Ich möchte nur kurz auf die plastischen Reliefs in der 
Gartenmauer, auf die Verwendung der Blütenstauden auf 
den Rabatten und auf den Plattenbelag der Wege hinweisen. 

Diese Aufnahmen lehren uns, daß der Nutzgarten von 
der künstlerischen Gartengestaltung nicht getrennt werden 
darf, denn auch hier gilt der alte Erfahrungssatz: Die Kunst 
stammt aus dem Leben. Was dem Maler und Dichter das 
Leben ist, das ist für den Gartengestalter der Nutzen und 
Zweck seiner Werke für das Leben! 



p 



66 



Die Gartenwelt. 



XXI, 6 



Gehölze. 



Allerlei Statistisches und Dendro- 

logisches aus dem Baumschul- 
verzeichnis von Herrn. A. Hesse 
in Weener. 

IV. (Schluß.) 
Eine geradezu überreiche Entwicklung 
und Artenmannigfaltigkeit weisen in 
den chinesisclien Provinzen Yünnan und 
Sz'tschuan die Rhododendron auf. Der 
französische Botaniker Fraiichet, der 
sich eingehend mit der Pflanzenwelt jener 
Gebiete befaßt hat, ist zur Aufstellung 
von rund 100 neuen Arten gekommen, 
Schneider beschreibt in seiner Laub- 
holzkunde etwa 40 Arten aus dem Westen 
und Südwesten Chinas. Die Hesse sehen 
Baumschulen bieten in diesem Jahre 
16 Arten an, davon Rhododendron deco- 
rum Franch., lutescens Franch., micranthum 
Turcz. zum ersten Mal. Manche schöne 
Art dürfte unter ihnen sein, von der 
zu wünschen wäre, daß ihr eine Zu- 
kunft in unseren Garten- und Parkanlagen 
beschieden sein möchte, doch dürfte der 
bei weitem größte Teil etwas zärtlicher 

Natur sein und nur in den mildesten Gegenden Deutschlands 
Gedeihen finden. Jedenfalls wird es noch längerer Versuche 
bedürfen, ehe man mit Sicherheit feststellen kann, was für 
uns als Freilandgehölz unter diesen chinesischen Alpenrosen 
wirklich verwendungsfähig ist und unsere Winter einiger- 
maßen aushält. 

Rubus polytrkhus Franch. bildet einen kleinen nieder- 
liegenden Strauch mit rundlidien Zweigen und besetzt mit 
seidig-borstigen Haaren, aber unbestachelt. Die herzförmigen, 
scharf gesägten Blätter sind oberseits sattgrün, unterseits 






■ 


«4 f iKt 






wm^ ..^|iJnB^ .. ^nfimi^^^^^^g 








m 





Abb. 1. Jagdschloß Wolfsgarten. 



Abb. 2. Architekturen im Park des Jagdschlosses Wolfsgarten. 



weißfilzig. Den meisten Blüten folgen die genießbaren hell- 
roten Früchte. Als R. clemens Focke wird eine Art ver- 
zeichnet, die 3 bis 6 m lange, bogenförmige, unbewehrte 
Zweige bildet, haarförmig gelappte Blätter hat und kleine 
rosafarbige Blüten entwickelt, die zu endständigen Rispen 
geordnet sind. Die Früchte sind schwarz. 

Schizandra rubriflora und sphenanthera sind zwei von 
Rehder und Wilson benannte schlingende Magnoliaceen, 
von denen erstere das Hesse sehe Verzeichnis als ganz hart 
bezeichnet. Beide sind starkwüchsig und großlaubig ; in der 
Form sind die Blätter von S. rubriflora 
langoval bis schmal-elliptisch, die der 
anderen Art oval. Die Blüten sind 
bei rubriflora rotbraun, bei sphenan- 
thera grünlichgelb; sie kommen bei 
beiden in deu Blattachseln zum Ausbruch. 
Ein in Belaubung wie Blüte sehr 
wirkungsvolles Gehölz ist Sorbaria ar- 
borea Schneider mit großen gefiederten 
Blättern und bis 30 cm langen Blüten- 
rispen, die aus Massen rahmweißer 
Blüten gebildet sind. Die Pflanze, die 
in der Provinz Hupeh heimisch ist und 
dort bis 10 m Höhe erreichen soll, 
ist ziemlich veränderlicher Natur, jeden- 
falls ist es ein sehr sdiöner Strauch 
für Einzelstellung, dem größere Ver- 
breitung zu wünschen wäre. 

Unter den neuen Spiersträuchern 
sei auf Spiraea Henryi Herasley, Rost- 
hornii Pritzel und Wilsonii Duthie hin- 
gewiesen , alle drei weiß blühend. 
Erstere bildet einen reich verzweigten, 
bis 2 m hohen Strauch mit anfangs 
gelbrotbraunen, dann mehr oder weniger 
purpurbraunen Zweigen und ovalen bis 



XXI, 6 



Die Gartenwelt. 



67 



oval-elliptischen Blättern, die oben eine freudiggrüne, unten 
mehr graugrüne Färbung aufweisen. Die Blütenstände bilden 
breite, lockere Doldenrispen. 5. Rosthornii ist eine behaarte 
S. longigemmis; S. Henryi aus den Provinzen Hupeh und 
Sz'tschuan bildet einen reich verzweigten, bis 2 m hohen 
Strauch mit gelbrotbraunen bis purpurbraunen Zweigen, 
freudig-grünen, unten mehr ins Graue spielenden Blättern von 
ovaler bis oval-elliptischer Form und doldenrispigen Blüten- 
ständen ; S. Wilsomi steht ihr sehr nahe, auch sie wird wohl 
noch etwas höher, besitzt bogiggekrümmte Aeste, rötlich 
behaarte Triebe und kleine stumpfgrüne, eiförmige, etwas 
gezähnte Blätter. Blütenstände dicht, fast kuglig. 

Dem Werte der angebotenen Rosacee Stranvaesia glau- 
cescens Lindl. stehe ich sehr zweifelnd gegenüber ; für den 
weitaus größten Teil unseres Vaterlandes dürfte dieses immer- 
grüne Gehölz als Freilandstrauch wohl nicht in Frage kommen. 
Lieber Styrax dasyantha erstrecken sich die Angaben nur 
auf die Belaubung, die Blüte findet keine Erwähnung. Auch 
bei diesem Gehölz wird man erst noch abwarten müssen, 
wie es sich weiter bei uns entwickelt und im Winter erhält. 
Als neuer Flieder ist Syringa Wilsomi Schneider zum 
erstenmal angeboten. Diese aus dem westlichen Sz'tschuan 
stammende Pflanze wächst zu einem mehr als 2 m Höhe 
erreichenden Strauch heran, dessen schwarzbraunes Holz 
meist Korkwarzen aufweist. Die feinhäutige elliptisch-lanzett- 
liche Belaubung entwickelt an ihren Enden 15 cm lange und 
10 cm breite Blütenstände langröhriger Blüten von sehr 
zartem malvenartigen Lila. Früchte lang, fast zylindrisch, 
stachelspitzig. Ueber den Schmuckwert dieses Flieders läßt 
das Hessesche Verzeichnis nichts weiter verlauten. 

Wenn das schön belaubte Tetracentron sinense Oliv, aus- 
hält, dann dürfte diese Magnoliacee, die in ihrer chinesischen 
Heimat bis 30 m hohe Bäume bildet, als eine wertvolle 
Bereicherung der in unseren Gärten und Parks bis jetzt an- 
gepflanzten fremdländischen Bäume angesehen werden können. 
Die Belaubung erinnert an Cercidiphyllum und die sehr 
kleinen, gelblichen Blüten sind zu langen Aehren vereinigt. 
An die schönen Magnolien selbst erinnert Tetracentron weder 
in Blatt noch Blüte. 

Außerordentlich reich ist das chinesische Reich an Viburnum- 
arten, unter denen sich wohl manche finden dürfte, die mit 
der Zeit dauernd Fuß bei uns fassen wird. Freilich gibt 
es unter den Neueinführungen auch solche, die empfindlicher 
sind und nur unter gutem Schutz durch den Winter zu 
bringen sein werden. So z. B. das immergrüne V. cinnamomii- 
folium Rehd., ein bis 6 m hoch werdender baumartiger 
Strauch mit kahlen, lederigen, länglich-elliptischen und deutlich 
dreinervigen Blättern, welch letztere Eigenschaft es mit dem 
Zimtbaum gemeinsam hat. Die kleinen grünlich-weißen Blüten 
bilden lockere Trugdolden, die Früchte sind kleine kugelige 
Beeren von stahlblauer Färbung. Rot leuchten die Beeren- 
früchte der V.' dasyanthum Rehd., ebenfalls einer chinesischen 
Neueinführung mit eirunder bis elliptischer, dunkelgrüner 
Belaubung. Die weißlichen Blüten sind zu endständigen, 
behaarten, doldigen Ständen vereinigt. Ein recht schöner, 
aber wohl etwas empfindlicher Strauch scheint V. Henryi 
Hemsl. zu sein, immergrün, mit lanzettförmigen, glänzend 
grünen, gesägten Blättern von fester Beschaffenheit. Auffallend 
ist die gelbe Mittelrippe. Die in eigenartigen Ständen er- 
scheinenden Blüten von weißer Farbe zeigen sich im Mai. 
Die Schönheit des Strauches beruht aber vornehmlich auf 
den korallen- bis purpurroten Früchten, die sich im Herbst 



in reicher Zahl einstellen. V. hupehense Rehd. und ichangense 
Rehd. haben wohl mehr wissenschaftlichen Wert, während 
V. lobophyllum Gräbn. seiner hellroten Früchte wegen wohl 
eine größere gärtnerische Bedeutung innewohnt. V. propinquum 
Hemsl., das zur Gruppe des V. Tinas gehört, dürfte sich wohl 
auch nur in den mildesten Lagen Deutschlands dauernd im 
Freien durch den Winter bringen lassen. Eine vielgenannte 
und in den Fachzeitschriften des In- und Auslandes während 
der letzten Jahre oft besprochene Art ist V. rhytidophyllum 
Hemsl., unter den chinesischen Viburnum das edelste und 
überhaupt eins der wertvollsten Gehölze, das sich in Weener 
wenigstens als vollständig winterhart bewährt hat. Jeden- 
falls sind diesem immergrünen Strauch stets nur die besten 
und wärmsten Lagen anzuweisen. Bereits im Mai entfaltet 
er seine schon im Herbst vorgebildeten gelblich-weißen Blüten, 
an deren Stelle später die roten Früchte treten. Auffallend 
ist auch das Blattwerk durch die oberseits tief eingesenkten 
Nerven und die auf der Unterseite scharf hervortretende 
Netzaderung, wodurch die Belaubung ein runzliges Aussehen 
erlangt. Die Farbe ist oberseits glänzend gelbgrün bis 
dunkelgrün, unterseits weißlich bis bräunlich durch die filzige 
Haarbekleidung. Zwei andere neue Arten sind V. theiferum 
und Wilsonii, beide von Rehder aufgestellt ; wie weit sie für 
den Gartenbau von Bedeutung sind, muß die Zukunft lehren. 




Abb. 3. Kugelwerferin im Park des Jagdschlosses Wolfsgarten. 



68 



Die Gartenwelt. 



XXI, 6 



Als letzte der chinesischen Neuheiten, die das Hessesche 
Verzeichnis anbietet, nennen wir Xylosma racemosum pubes- 
cens Rehd. et Wils., das als ein schönes, empfehlenswertes 
Gehölz hingestellt wird. In China soll es einen 6 bis 10 m 
hohen Baum bilden mit immergrüner, im Austrieb rötlicher 
Belaubung, in der Gestalt eiförmig und am Rande scharf 
gesägt. Die Zweige zeichnen sich durch starke Dornen- 
bewehrung aus. Auch bei diesem Gehölz wird wohl erst 
eine mehrjährige Beobachtung den Entscheid fällen können, 
ob es sich um eine für uns brauchbare Einführung handelt. 

Damit hätten wir die interessantesten Laubhölzer genannt 
und es bleiben noch einige Koniferen übrig, nämlich : Abies 
recurvata Mast., bemerkenswert durch die stark aufwärts 
gekrümmten hellbläulichen bis dunkelgrünen Blätter; Picea 
asperata Mast., zur Gruppe Eu-Picea gehörig, mit 1 '/o cm 
langen, leicht gebogenen, vierkantigen Nadeln von lebhaft 
grüner Färbung und 8 bis 9 cm langen zylindrisch-länglichen 
Zapfen, dazu kommt noch eine vom Typus in den Zapfen 
abweichende Form, die von Rehder und Wilson als 
var. notabilis beschrieben wurde; schließlich sind auch zwei 
Kiefern genannt, Pinus Arnmndii Franch. und P. yunnanensis 
Franch. Erslere wird von Beißner in seinem Handbuch 
der Nadelholzkunde als eine der Koreakiefer sehr nahe- 
stehende Art bezeichnet, aber mit dünneren und feineren, 
8 bis 10 cm langen, blaßgrauen oder hell saftiggrünen Nadeln, 




die gewöhnlich zu fünf in einer Scheide vereinigt sind. Die 
dunkelgrünen älteren Blätter sollen zu den jüngeren in ihrer 
Färbung einen recht hübschen Gegensatz bilden. Die ge- 
stielten, kegelförmig-zylindrischen Zapfen sind 9 bis 14 cm 
lang und 4 bis 6 cm breit. Diese durch eine dunkelgelbe, 
glatte Rinde ausgezeichnete Kiefer gehört zur Gruppe Eu- 
cembra, die durch kurze, dicke Zapfen und vor allem nicht 
flugfähige Samen gekennzeichnet ist. P. yunnanensis zeichnet 
sich durch zu dreien vereinigte Nadeln aus, die 18 bis 20 cm 
Länge bei 1 mm Breite erreichen und an den Rändern ein 
wenig rauh sind. In der Tracht ähnelt diese Art der P. 
longifolia, doch sind die Zapfen viel kleiner. Sie messen 
9 bis 10 cm in der Länge und 6 bis 7 cm in der Breite; 
von Gestalt sind sie eiförmig. 

Damit wäre ich am Ende meiner Abhandlung gelangt, 
die einmal die Mannigfaltigkeit der chinesischen Flora dartun 
sollte, und zum andern die verdienstvolle Tätigkeit des 
Kommerzienrats Hesse in Weener beleuchten sollte, der uns 
mit einem so großen Teil dieser Gehölzschätze durch Ein- 
führung in seine Baumschulen vertraut macht. H. Dolz. 



Abb. .4. Wandbrunnen im Park des Jagdschlosses Wolfsgarten. 



Mannigfaltiges. 

Die Ukraine. 

Von G. Gschwender, Zollverwalter, Tübingen. 

Unter den vielen Ländern der Erde dürfte wohl keines so 
wenig bekannt sein wie jenes nördliche Hinterland des Schwarzen 
Meeres im südlichen Teil Osteuropas, an der Schwelle Asiens, das 
von dem Fuße des Tatragebirges, der Hegyalja und Tschornohora, 
vom Sejan. vom Urwald Biloweras und den Polissjesümpfen bis 
zur Donaumündung, dem Schwarzen Meere, zum Kaukasus und bis 
Kaspi sich erstreckt. 

Es ist das im 1 1. Jahrhundert entstandene Land der Ukrainer, 
Ukraine oder Ukraina genannt, dessen Nationalbewußtsein 
und Selbständigkeitsgefühl sich, trotz des Mangels an natürlichen 
Schutzwällen, gewaltigen Feinden (Tataren) gegenüber bis heute 
erhalten hat ; es ist jenes Land, wo die ukrainische Nation (mit 
zusammen 34'/; Millionen Ukrainer) wohnt — ein geschlossenes 
Nationalterritorium, das den ganzen Süden des russischen Reiches 
(mit 29 /. Millionen Ukrainer) und auiBerhalb dessen noch Ost- 
galizien (3,2 Millionen), Nordwestbukowina (300000) und Nord- 
ostungarn (500 000) umfaßt. 

Das ukrainische Volk gleicht an Zahl seinen Stammesgenossen, 
den Italienern, so daß nur in Europa die Deutschen, Russen, 
Franzosen und die Engländer eine größere Zahl von Volksgenossen 
als die Ukrainer aufweisen. 

Das von den Ukrainern bewohnte Territorium ist etwa 850 000 
Quadratkilometer (wovon etwa ein Elftel auf österreichisch -unga- 
rischem Gebiet), also etwas über 1 '/j mal so groß als Deutsch- 
land und von einer Bevölkerung bewohnt, die an Zahl einer 
Großmacht wie Frankreich gleicht. 

Die Ukrainer wurden seitens des moskowitischen Staates seit 
Anfang des 19. Jahrhunderts nicht nur ihrer politischen Freiheit, 
ihrer selbständigen Nationalkirche (früher zum Konstantinopler 
Patriarchat gehörig) und Scliule beraubt, sondern auch ihrer Mutter- 
sprache, selbst ihres hergebrachten Namens; sie wurden, um als 
Angehörige des russischen Volksstammes angesehen zu werden, 
in „Kleinrussen", Südrussen, Ruthenen umgetauft. 

Nach außenhin konnte der Reisende in der Ukraine nur noch 
das offizielle Rußland vermuten, alles war in russischer Sprache zu 
lesen, die Beamten waren russisch; die russische Regierung hat 
den alten Namen des Landes und der Nation aus der Karle von 
Europa auszulöschen beschlossen. Ein anderes Bild bekommt man 
von diesem Land, wenn man die Lebensführung der ukrainischen 
Bauern, deren Häuserbau, Kleidung, Weltanschauung, den Klang 
der Sprache, den Charakter dieses vonseiten der Moskpwiter unter- 



XXI, 6 



Die ü a r t e 11 w e 1 1. 



69 



drückten Volkes betrachtet, seine politische Gesinnung- gegenüber 
den Mittelmächten, dann erscheint es auch klar, warum Tausende 
seiner Söhne in den Reihen unserer österreichisch - ungarischen 
Bundesbrüder gegen Rußland kämpfen, dann kommt man auch 
zum Verständnis der politischen Bedeutung des ukrainischen 
Landes, dessen Kultur im 10. und 11. Jahrhundert weit über 
derjenigen Westeuropas stand. 

Unsere Freundschaft zu Rußland bis 1914 ließ uns die ukrai- 
nische Frage gewissermaßen gleichgiltig erscheinen bis der Krieg 
ausbrach, dessen siegreiches Ende die Gefahr, welche Rußland für 
die Kultur bedeutet, aus der Welt schaffen und den Ukrainern 
die Möglichkeit geben möge, in die Reihe der Kulturvölker Europas 
einzutreten. 

Der ungeheure wirtschaftliche Wert der „Ukraina" geht 
am deutlichsten aus der Tatsache hervor, daß sie '/a der gesamten 
russischen Kornproduktion liefert, daß in ihr 70 °o des in Rußland 
gewonnenen Eisens und 80 % der Steinkohlen gefördert werden, 
ferner daß 80 7o des in Rußland erzeugten Zuckers aus der 
„Ukraina" stammen. 

Der Ackerbau ist die Hauptbeschäftigung der Ukrainer. Ukraina 
liefert annähernd 50 7o der europäisch-russischen Weizenproduktion, 
über 61 7o der Gerstenproduktion und über 22 7o der Kartoffel- 
produktion. 

Tabak, Obst und Weinbau, ferner Bienenzucht sind wichtig, ganz 
besonders bedeutend ist die Viehzucht (Ausfuhr nach Rußland 
80 000 bis 100 000 Stück jährlich). Die Federviehzucht, Eier- und 
Butterausfuhr sind bedeutend. 

Was den Verkehr anbelangt, so ist derselbe noch sehr wenig 
entwickelt. Die russischen Straßen sind bekanntlich die schlechtesten 
der Welt. In Ukraina kommen auf 100 km Fläche 1 km Eisen- 
bahn (Galizien 5 km). 

Die natürlichen Wasserstraßen haben eine Länge von 7000 km. 
Auch die schlechten Verkehrsverhältnisse der Ukraine werden sich 
mit einem Schlage ändern, wenn sie einst aus den Klauen der 
moskowitischen Kulturträger befreit sein wird. 

Nach Stephan Rudnyckyj's „Ukraine, Land und Volk 1916" 
ist der Gemüsebau in der Ukraine wenig entwickelt. Außer 
den kleinen Gemüsegärtchen in der Nähe der Häuser und der 
Melonenpflanzungen in der Steppe sehen wir sogar in der Nähe 
von größeren Städten keinen entwickelten Gemüseanbau. Er- 
wähnenswert ist er nur in der Tschernyhower und Odessaer Gegend 
sowie im alten Saporoger Lande am Dnipro (Oleschky usw.). Hier 
wird das Gemüse zweimal im Jahre geerntet, im Frühsommer für 
die Ausfuhr und im Herbst für den eigenen Gebrauch. Die süd- 
ukrainischen Melonenpflanzungen (Baschtany) liefern alljährlich große 
Massen von Zuckermelonen, Wassermelonen, Kürbissen und Gurken. 
Es hat sich hier sogar eine besondere Klasse der Baschtanyky, 
welche Bodenstücke für Melonenpflanzungen pachten, gebildet. 

Die Obstkultur ist in der Ukraina viel stärker entwickelt. Die 
Vorliebe des ukrainischen Volkes für die Bäume begünstigt die 
Anlage von Obstgärten. Die durch Analphabetismus bedingte 
Unkenntnis des fortschrittlichen Obstbaues sowie die Ausbeutung 
der Obstproduzenten durch die Obsthändler behindern die Ent- 
wicklung des ukrainischen Obstbaues, welcher vor sich eine große 
Zukunft hat und bereits jetzt eine wichtige Rolle im Wirtschafts- 
leben der Ukraina spielt. 

Den größten Raum nehmen die Obstgärten in Bessarabien ein 
(40000 ha), wo die zarteren Sorten von Aepfeln, Birnen, Pflaumen 
und außerdem Walnüsse, Mandeln und Aprikosen angebaut werden. 
In Podolien umfassen nur die Bauernobstgärten allein über 26 000 ha. 
Außer Aepfeln, Birnen und Pflaumen werden hier viele Kirschen 
und Weichsein gezogen. Die Obstgärten liegen hier gewöhnlich 
in den tiefen Flußtälern. Der Jar des Dnister zwischen Chotyn 
und Jampil produziert jährlich eine halbe Million Meterzentner 
Obst. Aus Podolien und Bessarabien werden alljährlich über 
800000 q frisches, 100 000 q trockenes Obst und 20 000 q Nüsse 
und Mandeln ausgeführt. Am üppigsten gedeihen die Obstgärten 
in Taurien, wo sie über 7000 ha an den nördlichen Abhängen 



des Jajiagebirges bedecken. Die jährliche Produktion übersteigt 
160 000 q Obst und 40 000 q Nüsse. Es gedeihen hier die 
zartesten Sorten von Aepfeln, Birnen und Pflaumen, außerdem 
Aprikosen (4000 q jährlich) und Pfirsiche. Um Mitte Mai reifen 
hier Kirschen, gegen Ende Mai Weichsein, Mitte Juni Aprikosen, 
Ende Juni Pflaumen und Frühbirnen, um die Mitte Juli Pfirsiche 
und Frühäpfel, im August Herbstbirnen und -Aepfel, in der ersten 
Hälfte September die Winteräpfel. 

Außerhalb dieser Gebiete wird die Obstkultur in größerem 
Maßstabe noch im Kyjiwgebiete und in Wolhynien betrieben. Hier 
werden vor allem die härteren nördlichen Aepfel- und Birnensorten 
sowie Weichsein gezogen. Auch in Chersson und Katerynosslaw 
blüht der Obstbau, hauptsächlich im Dniprotale, wo auch Aprikosen 
zur Reife gelangen. Im Poltawalande ist der Obstbau noch 
bedeutend, in den Gebieten von Charkiw, Waroniz, Kursk und 
Tschernyhiw viel geringer, obgleich wir hier noch einige Zentren 
der intensiven Obstkultur, z. B. in der Umgegend der Städte 
Charkiw, Ochtyrka, Bohoduchiw antreffen. In Galizien ist die 
Obstkultur nicht besonders entwickelt, mit Ausnahme von Pokutje, 
der Umgegend von Kossiw und der podolischen Jarytäler, wo bei 
Salischtschyky sogar Aprikosen und Weinreben gezogen werden. 



Aus den Vereinen. 



Niederschrift aus derSitzung der Wirtschaftlichen Verbände 
des Reichsverbandes für den deutschen Gartenbau am 

Freitag, den 15 Dezember 1916, vormittags 9'/i Uhr im Gasthaui 
Rheingold zu Berlin. 




Abb. 5. Ziehbrunnen als architektonisches Schmuckstück 
im Park des Jagdschlosses Wolfsgarten, 



70 



Die Gartenwelt. 



XXI, (5 



Vertreten sind : der Reichsverband selbst durch seinen Vor- 
sitzenden, Exzellenz Dr. Hugo Thiel; der Verband deutscher 
Blumengeschäflsinhaber durcli die Herren Th. Hübner, Berlin und 
Winkler, Berlin ; der Verband deutscher Gemüsezüchter durch Herrn 
Wendland, Kiel, und Herrn Wimmer, Celle ; die Vereinigung selb- 
ständiger Gärtner Badens durch Herrn Scherff, Heidelberg; der 
Verein Erfurter Handelsgärtrier durch Herrn Lüder; der Verband 
der Handelsgärtner Deutschlands durch die Herren Ziegenbalg, 
Jungclaussen, Bernstiel, Kettlitz, Clas und Beckmann. Entschuldigt 
fehlen der Verband Bayrischer Handelsgärtner und der deutsche 
Pomologenverein, unentschuldigt die Vereinigung deutscher Samen- 
züchter. 

Herr Ziegenbalg als Vorsitzender begrüßt die erschienenen 
Vertreter, darunter besonders den Geheimen Rat Dr. Thiel, 
Exzellenz, sowie auch den Kommissar für das Ein- und Ausfuhr- 
wesen, Herrn Assessor Lippert. Als stellvertretender Vorsitzender 
wird Herr Wendland gewählt. Herr Ziegenbalg macht Mitteilung 
von dem Austritt des Grossistenverbandes der Blumenbranche 
Deutschlands aus dem Reichsverband für den deutschen Gartenbau. 
Es gelangt Punkt 1 der Tagesordnung, das Hiltsdienstgesetz, zur 
Verhandlung. Nach einleitenden Worten des Herrn Ziegenbalg 
übernimmt Herr Generalsekretär Beckmann das Wort und gibt 
eine genaue Darstellung des auch die Gärtnerei stark inter- 
essierenden Gesetzes. Er legt dar, _da6?der Verband der Handels- 



gärtnerischen wirtschaftlichen 
berichtet der Vorsitzende. Er 
in Wien, wo die ersten Be- 




Abb. 6. Obstspalier und Blütenpflanzungen im Park des Jagd 
Schlosses Wolfsgarten. 



gärtner Deutschlands als leitender Verein der Wirtschaftlichen 
Verbände sofort Stellung zu dem Gesetz genommen habe, derart, 
daß man sich mit verschiedenen Reichstagsabgeordneten, ebenso 
mit den verschiedenen Fraktionen in Verbindung gesetzt habe. 
Erst wenn die Ausführungsbestimmungen erschienen sind, wird 
man ein näheres Urteil abgeben können. Es ist an das Kriegsamt 
eine Eingabe gerichtet worden, dergestalt, daß sich die Wirt- 
schaftlichen Verbände dem Kriegsamt zur Auskunfterteilung in 
allen wirtschaftlichen Angelegenheiten, die sich auf die Gärtnerei 
beziehen und die die Ausführung des Gesetzes betreffen, zur 
Verfügung stellen. Jedenfalls besteht die Hoffnung, daß das 
Gesetz der Gärtnerei gegenüber wohlwollend ausgelegt werden 
dürfte. Herr Oekonomierat Jungclaussen empfiehlt, daß die Inhaber 
von Gärtnereien besonders darauf hingewiesen würden, daß ihre 
Existenzfähigkeit davon mit abhängt, daß sie sich der Erzeugung 
von Nahrungsmitteln ganz besonders zuwendeten. Herr Ziegen- 
balg unterstützt diesen Antrag. 

lieber Punkt 2, die künftigen 
Beziehungen zu Oesterreich-Ungarn, 
gibt eine Darstellung des Besuches 
Ziehungen geknüpft und die ersten Beratungen gepflogen wurden. 
Herr Assessor Lippert bittet, da augenblicklich Verhandlungen mit 
Oesterreich-Ungarn schweben, um Mitteilungen und Wünsche der 
deutschen Gärtnerschaft. Herr Ziegenbalg gibt nun eine ein- 
gehende Darstellung der gegenwärtigen gärtnerischen 
Handelsbeziehungen unter besonderer Berücksichtigung 
der Topfpflanzenbranche. Er legt Wert darauf, auch 
in Zukunft unsere Kulturen so su erhalten, daß wir 
exportfähig bleiben. Im großen und ganzen wünscht 
der Redner, daß die Beziehungen möglichst noch erweitert 
werden, nur hinsichtlich der freien Einfuhr von Gemüse 
und Obst dürften gewisse Vorbehalte seitens der reichs- 
deutschen Obst- und Gemüsezüchter zu erwarten sein. 
Herr Wendland streift die geschäftlichen Beziehungen 
im Baumschulwesen zu Oesterreich, während Herr Hübner 
über den Schnittblumenhandel sich äußert. Auf eine 
Anfrage des Herrn Assessor Lippert macht Herr Bernstiel 
die Mitteilung, daß für Topfpflanzen bei der Ausfuhr 
nach Oestereich-Ungarn nicht nur Sachsen, sondern das 
ganze Deutsche Reich in Frage komme, während Herr 
Hübner noch genaue Angaben über die Leistungsfähig- 
keit der Schnittblumenkulturen macht. Herr Hausmann 
macht dazu noch weitere Mitteilungen, namentlich was 
den Absatz in Nelkenblumen aus den Kulturen Württem- 
bergs betrifft. Herr Lüder äußert sich gleichfalls in dem 
Sinne eines möglichst uneingeschränkten Handels mit der 
Doppelmonarchie. Nun verliest Herr Generalsekretär Beck- 
mann die Niederschrift der Wiener Verhandlungen, die 
im Sommer mit den ijsterreichischen Gärtnern stattgefunden 
haben. Nach Verlesung nimmt Herr Ziegenbalg das Wort 
und äußert sich besonders über die Denkweise der Oester- 
reicher, eine feste Stellungnahme sei kaum möglich. Herr 
Lüder wünscht besonders, daß auch in Oesterreich z. B. 
Baumschulsachen wie bei uns als Eilgut zu Frachtgutsätzen 
versandt werden sollen, ebenso wünschen die Oester- 
reicher den Detailhandel möglichst zu unterbinden. Herr 
Jungclaussen ist für eine neue Versammlung mit den 
Oesterreichern auf deutschem Boden, doch müßte eine 
Vorversammlung der deutschen Gärtner stattfinden, die 
dann den Oesterreichern mit festen Vorschlägen kommen 
müßten. Herr Buhl geht auf den Kohlzoll ein, bittet 
sehr vorsichtig zu sein und ersucht, ja keine zu großen 
Zugeständnisse zu machen. Herr Ziegenbalg macht den 
Vorschlag, Herrn Geheimen Regierungsrat Lauche mitzu- 
teilen, daß für nötig erachtet werde, zusammenzukommen. 
Herr Clas bittet, daß die verschiedenen Vereine noch 
einmal aufgefordert werden, sich mit der Angelegenheit 
zu beschäftigen, um Material einzusenden. 

Herr Ziegenbalg geht zu Punkt 3 auf die Pflanzen- 
einfuhr aus Belgien ein und beleuchtet ganz besonders die 



XXI, 



Die Gartenwelt. 



71 



dortigen Verhältnisse, er ist der Meinung, daß die Einfuhr wie sie jetzt 
ist, auch 1917 beibehalten werden müsse. Herr Lüder ist gleich- 
falls derselben Meinung, auch er wünscht die Einfuhr im nächsten Jahre 
so zu behalten, wie sie zurzeit ist. Herr Ziegenbalg hofft, daS der 
Reichskommissar recht bald in die Lage kommen werde, sich end- 
gültig über die Pflanzeneinfuhr zu äußern. Herr Hübner äußert 
sich zu einer Anfrage des Herrn Assessor Lippert, daß eine etwaige 
Unterbindung der belgischen Pflanzeneinfuhr für die Blumen- 
geschäftsinhaber eine Existenzfrage sei. Auf Anfrage des Herrn 
Geheimen Rat Dr. Thiel, warum die Belgier imstande seien, so 
billig zu liefern, erwidert Herr Ziegenbalg, daß vor allem dies in 
den billigen Löhnen und billigen Bauten liege, außerdem stehe den 
belgischen Gärtnern mehr Kapital zur Verfügung, auch klimatische 
Verhältnisse sprechen da mit. Herr Hausmann spricht sich gleich- 
falls für Beibehaltung der belgischen Einfuhr aus, dieselbe sei 
dringend notwendig. Herr Beckmann weist ganz besonders darauf 
hin, eine wie große Wertschätzung sich der belgische Gartenbau 
seitens der dortigen Regierung zu erfreuen hatte. 

Herr Ziegenbalg geht nun auf die holländischen Handels- 
beziehungen ein. Er fragt an, ob die Einfuhr von Blumenzwiebeln 
wieder in derselben Weise stattfinden soll und ob andere Gewächse 
wie Spiräen, Funkien usw. und Staudengewächse mit knolligen 
Wurzeln darin einbegriffen sein sollen. Ueber letzteren Punkt 
äußert sidt noch Herr Bernstiel eingehender. Herr Hübner kommt 
auch auf die Zwiebeiblumen zu sprechen und erklärt, daß die 
Einfuhr wie bisher beibehalten werden müsse, da für die nächsten 
Monate sonst nichts weiter zur Verfügung stehe, da alle andere 
Ware sehr knapp werden dürfte. Herr Lüder spricht für Aus- 
schließung von Spiräen, Funkien, Deutzien und dergl. unter der 
Bezeichnung Bulben, weiter spricht er über die Zahlungsverhältnisse 
und ersucht, die Zahlungen nur in Markwährung zu leisten. Auch 
Herr Bernstiel spricht über das gleiche Thema. Es wird beschlossen, 
dahin zu wirken, daß die Einfuhr aus den betreffenden Positionen 
so beizubehalten ist wie bisher. 

Dann nimmt Herr Beckmann das Wort; er erörtert die im 
Herbst beantragte Einfuhr von Schnittblumen in ausführlicher 
Weise und hebt hervor, daß die Interessen der deutschen Gärtnerei 
dadurch nicht geschädigt worden wären. Er schildert die Anspruch- 
nahme der Einfuhrbewilligungen für Blumen aus Belgien und ist 
der Ueberzeugung, daß die Einfuhr von Schnittblumen aus Belgien 
auch im nächsten Jahr beibehalten werden müsse, falls sich die 
Verhältnisse nicht ändern. Herr Hübner erklärt, daß^ohne belgische 
Blumen gar nicht auszukommen sei und kommt auf die hohen 
Preise zu sprechen, die die Gärtner für ihre Ware fordern, die 
nicht immer in Einklang mit der Güte zu bringen sind. Da 
Belgien anscheinend nicht imstande ist, Blumen in dem Umfang 
zu liefern wie verlangt werden, so gilt es nachzudenken, ob nicht 
schließlich zu erwägen wäre, doch noch die holländischen Grenzen 
für die Blumeneinfuhr zu öffnen. Herr Bernstiel ist jetzt nicht 
für eine Ausdehnung der Einfuhr auf Holland, er hofft, daß die 
Lage sich mit der Zeit bessern werde. Herr Hübner kommt bei 
dieser Gelegenheit auch auf die zukünftigen Zollverhandlungen zu 
sprechen, worauf Herr Ziegenbalg erwidert. Herr Clas hebt die 
schwierigen Verhältnisse hervor, unter denen die Gärtner heute, 
arbeiten müssen, da sie fast ohne gelerntes Personal dastehen 
■ Herr Lüder macht gleichfalls Angaben über Blumenpreise. Herr 
Assessor Lippert hebt hervor, daß möglicherweise noch eine stärkere 
Einfuhrbeschränkung eintritt. 

Es kommt das Kapitel der Kohlenversorgung an die Reihe. 
Die Kohlennot soll hauptsächlich am Wagenmangel liegen, wie 
Herr Ziegenbalg ausführt. Herr Lüder äußert sich dahin, daß 
der Behörde auseinandergesetzt werden muß, daß der Gärtner 
Brennmaterial unbedingt nötig hat, da seine Existenz sonst in 
Frage steht, er sich aucli nicht in der Weise an der Erzeugung 
der Lebensmittel beteiligen könne, wie das unbedingt zu wünschen 
ist. Diesen Punkt bespricht auch Herr Buhl und hebt hervor, 
daß die Erzeugung von Lebensmitteln eine große Rolle bei der 
Regierung spiele und deshalb stets hervorgehoben werden müsse. 
Es soll, nachdem noch Herr Bernstiel gesprochen, eine Eingabe 
betreffs der Kohlenversorgung an die Regierung gemacht werden. 



Es gelangt dann die Urlaubsangelegenheit der Gemüsegärtner 
seitens des Vorsitzenden zur Besprechung, wobei auf den großen 
Unterschied hingewiesen wird, der zwischen Landwirten und Gärtnern 
gemacht wird. Herr Scherff spricht gleichfalls zu dem Punkt und 
macht nähere Angaben aus seiner Heimat. Der Vorstand wird 
eine diesbezügliche Eingabe an die betreffende Behörde machen 
und um Abstellung der unterschiedlichen Behandlung bitten. 

Damit wird dieser Gegenstand verlassen und Herrn Beckmann 
wird das Wort erteilt zu der Frage der Einstellung weiblicher 
Lehrlinge. Er weist auf die Schwierigkeiten hin, männliche Lehr- 
linge zu erhalten und ersucht die Anwesenden, sich der Frage 
recht anzunehmen. Die Ausführungen des Herrn Beckmann werden 
durch Herrn Bernstie! noch weiter ergänzt, hauptsächlich im An- 
schluß an die Besprechungen, die in der Gruppe Berlin statt- 
gefunden haben. Einen schwierigen Punkt werde manchmal die 
Unterbringung und die Beköstigung der weiblichen Lehrlinge bilden, 
namentlich in den Großstädten und unter den jetzigen Verhältnissen. 
Im großen und ganzen müsse man aber dahin wirken, weibliche 
Lehrlinge zu erhalten ; die Frage sei eine gradezu brennende. Herr 
Hausmann erklärt, daß in Württemberg zur Zeit kaum Arbeits- 
frauen zu erhalten seien, geschweige denn weibliche Lehrlinge. 
Herr Ziegenbalg hebt das Bestreben des weiblichen Geschlechts 
hervor, sich einen Beruf zu wählen und hält es für richtig, daß 
die Gärtnereien sich erbötig zeigen, Lehrlinge einzustellen. Herr 
Lüder gibt Erfahrungen aus seiner Praxis bekannt. Herr Kettlitz 
bittet, daß eine Eingabe gemacht werde, daß die Generalkommandos 
keine Abwanderungsverbote betreffs der polnischen Mädchen er- 
lassen sollen. 

Es wird die Verordnung über Saatkartoffeln besprochen. 




Abb. 7. Partie aus dem Park des Jagdschlosses Wolfsgarten. 



72 



Die CJartenwelt. 



XXI, 6 



Oekonomierat Jungclaussen tritt dafür ein, dafi den Handels- 
gärtnern schon jetzt Saatkartoffeln verabfolgt werden. Herr 
Beckmann verliest einen Brief einer Firma, die gleiclifalls um 
baldige Freigabe von Saatkartoffeln bittet. Exzellenz Thiel rät 
dringend dazu, alles zu tun, um die Behörde zu veranlassen, Saat- 
karloffeln sobald wie möglich den Gärtnern zur Verfügung zu 
stellen, eine Forderung, die durch Heirn Kettlitz noch weiter be- 
fürwortet und begründet wird. Herr Bernstiel hebt die Wichtigkeit 
der Stecklingsvermehrung der Kartoffeln hervor. Herr Scherff gibt 
bekannt, daß bei ihm Speisekartoffeln gegen Saatkartoffeln um- 
getauscht werden, so daß jeder, der über erstere verfügt, in der 
Lage ist, sich Saatkartoffeln zu beschaffen. Herr Ziegenbalg hebt 
nochmals die große Wichtigkeit der Stecklingsvermehrung der 
Kartoffeln hervor, was von Herrn Lüder unterstrichen wird. Dieser 
rät auch, sich nicht auf die feineren Sorten zu beschränken, sondern 
mehr produktive Sorten anzubauen. Es wird beschlossen, eine 
lebhafte Agitation in den interessierten Kreisen in Sachen der 
Stecklingsvermchrung zu machen, sowie in der Eingabe an die 
Behörde um Freigabe der besonders zum Anbau geeigneten 
Kartoffelsorten zu bitten. Schluß der Sitzung 12'/; Uhr. 



Tagesgeschichte. 



Willy Lange hat einen II. Nachtrag zu seiner Schrift „Deutsche 
Heldenhaine" erscheinen lassen, der weitere Meinungsäußerungen 
zu seinem Plane veröffentlicht, ferner die Namen weiterer Förderer 
und weiterer Spender, und mit einem Schlußwort endet. Von 
den Meinungsäußerungen sei hier nur diejenige des gegenwärtigen 
Preußischen Landwirtschaftsministers Herrn von Schorlemer angeführt. 
Sie lautet: „Gern erkenne ich an, daß durch das vorgeschlagene 
Gestaltungsmuster an geeigneter Stelle eindrucksvolle Ergebnisse 
erzielt werden können, wenn ich auch an der allgemeinen Durch- 
führbarkeit des Planes zweifle." Also Se. Exzellenz Herr von 
Schorlemer gehört zu den Zweiflern, und ich selbst habe mich 
denselben schon von Anfang an zugesellt, weil ich die Durchführ- 
barkeit des Gedankens in dem von Lange und seiner Arbeits- 
gemeinschaft geplanten Umfange ganz entschieden bezweifeln 
muß. Mag bis heute auch schon die Zahl der geplanten Helden- 
haine im Deutschen Reiche auf etwa 600 zu veranschlagen sein, 
so ist es doch vollständig ausgeschlossen, daß in der kommenden 
Friedenszeit jedem in diesem furchtbaren Ringen gefallenen 
Einzelkämpfer eine Heldeneiche, d. h. ein Baum, dem Raum zu 
freiester. kraftvoller Entfaltung geboten werden muß, gepflanzt 
werden kann. Das wäre vielleicht möglich gewesen bei einer 
Kriegsdauer, die sich auf wenige Wochen, schlimmstenfalls auf 
2 — 3 Monate erstreckt haben würde, wäre bei längerer Kriegs- 
dauer auch dann möglicfi gewesen, wenn wir nicht nur in der 
Lage sein würden, die wichtigsten Nahrungsmittel für unsere in 
kommender Friedenszeit hoffentlich wieder mächtig wachsende 
Bevölkerung im Überfluß zu erzeugen, sondern auch darüber 
hinaus noch über ausgedehnte brachliegende Ländereien zu ver- 
fügen hätten. Da der Krieg aber seit Jahr und Tag wütet, 
Opfer über Opfer fordert, da weiter die Nahrungsmittelnot der 
Bevölkerung in bedenklicher Weise gestiegen ist, und da sich 
jeder auf dem Boden der Wirklichkeit stehende Mensch darüber 
klar sein muß, daß wir alles aufbieten müssen, um für unabsehbare 
Zeiten gegen solche Nahrungsmittelnot gesichert zu sein, daß wir 
also jeden Fußbreit Erde anbauen müssen, so ergibt sich die Un- 
durchführbarkeit des Lange'schen Planes mit zwingender Notwendig- 
keit. Dem Andenken der ungezählten Tausenden, die ihr Leben 
für Deutschlands Ehre und Weiterbestand hingegeben haben, 
vielleicht noch hingeben müssen, ist entschieden besser gedient, 
wenn wir uns auf den Boden der Wirklichkeit stellen, praktische 
Volkswirtschaft treiben, anstatt Millionen von Heldeneichen zu 
pflanzen, deren Erhaltung die Ernährung vieler Generationen auf 
Jahrhunderte hinaus erschweren und in empfindlichster Weise be- 
einträchtigen würde. Ich glaube, daß wir jetzt endlich über Langes 
Heldenhaine zur Tagesordnung übergehen können. Daß sich Herr 



Willy Lange und seine sicher nur aus Optimisten zusammengesetzte 
Arbeitsgemeinschaft zu solcher Einsicht nicht bekennen können 
oder wollen, zäh an ihrer unausführbaren Sache festhalten, ist 
bedauerlich. Sie halten fest an dem Wunsche, „daß für jeden 
Einzelnen der Tapferen, die ihr Blut im Kampfe für das Vaterland 
vergossen haben, als persönliches Gedächtnisma! eine Eiche ge- 
pflanzt werden möge, um durch die Zahl dieser lebendigen Zeugen 
in Gottes freier Natur die Größe des Todesopfers in jeder einzelnen 
Gemeinde der Nachwelt dauernd vor Augen zu führen. 

Wir glauben um so mehr auf diesem Standpunkt beharren zu 
müssen, als die im Sinne unserer Arbeit zu schaffenden Helden- 
haine sich recht gut mit Werken der Baukunst und der Bildhauer- 
kunst vereinigen lassen und die Platzfrage so lange kein Hindernis 
sein kann, als man in jedem Lande mit Recht die Anforderung 
stellt, mehr als bisher für Baumpflanzungen in öffentlichen An- 
lagen zu sorgen." 

Möge Herr Willy Lange mit seinen unentwegten Getreuen 
weiter auf diesem Standpunkt beharren, die Einsicht wird und 
muß ihnen noch kommen, daß sie für eine ganz aussichtslose Sache 
kämpfen. Für die Folge heißt es, Fleisch, Brot und Kartoffeln 
schaffen, und zu diesem Zwecke, wenn es sein muß, selbst Wälder 
roden, die auf gutem Ackerboden stocken. M. H. 



Personalnachrichten. 



Gärtner in Waffen. 

Den Heldentod für das Vaterland starb Gartenarchitekt Walter 
Erdmann, Oberleutnant der Reserve und Kompagnieführer, Ritter 
des Eisernen Kreuzes, am 3L Dezember an der Spitze seiner 
Kompagnie im Alter von 34 Jahren. 



Berger, H., geprüfter Fachlehrer und staatl. dipl. Gartenmeister, 
bisher in Hohenheim, wurde vom 1. Februar ab mit der gärtn. 
Leitung des Versuchsbetriebes „Marhof" für Gemüse- und Obst- 
bau der kgl. Landw. Akademie Bohh-Poppelsdotf betraut, mit 
gleichzeitigem Lehrauftrag für Gemüse- und Obstbau an der 
Akademie. 

Beuß, Heinr., Wanderlehrer für Obst- und Gartenbau im 
Kreise Teltow, wurde an Stelle des verstorbenen Kgl. Garten- 
inspektors Hübner als erster Geschäftsführer der Obstverwertungs- 
G. m. b. H. im Kreise Teltow eingetragen. 

Multerer, Otto, Garteninspektor der städtischen Friedhöfe 
Münchens, wurde das König Ludwig-Kreuz für Heimatverdienst 
während der Kriegszeit verliehen. 

Städtler, Fritz, Friedhofsgärtner, Hildesheim, "j" am 22. Januar. 

Stöckel, Franz, Gärtnereibesitzer, Frankfurt a. M. - Sachsen- 
hausen, feierte mit seiner Gattin, geb. Leschhorn, am 25. Januar 
die goldene Hochzeit. 

Wie uns Herr v. Achenbach, der Landrat des Kreises Teltow, 
mitteilt, war für den verstorbenen Obergärtner dieses Kreises, 
Herrn kgl. Garteninspektor Otto Hübner, für seine Tätigkeit im 
Kampfgebiet (siehe Nachruf in Nr. 3) die Verleihung des Eisernen 
Kreuzes beantragt. 



Briefkasten der Schriftleitung. 

Den zahlreichen Bewerbern um die vom Herausgeber in der 
Nr. 1 und 2 ausgeschriebene Obergärtnersfelle zur Nachricht, daß 
sämtliche Angebote dem in Frage kommenden Besitzer übermittelt 
worden sind, der sich mit den ihm geeignet erscheinenden Be- 
werbern in Verbindung setzen wird. 



Berlin SW. 11, Hedemannstr. 10. Für die Redaktion verantwortl. Max Hesdörffer. Verl. von Paul Parey. Druck : Anh. Bnchdr. Gutenberg, G. Zichäus, Sesaaa. 



Illustrierte Wochenschrift für den gesamten Gartenbau. 



Jahrgang XXI. 



16. Februar 1917. 



Nr. 7. 



Nadidruck und Nachbildung aus dem Inhalte dieser Zeitsdirift werden strafrechtlich verfolgt. 



Landschaftsgärtnerei. 



Pflanzenarchitekturen 
in einem französischen Stadtgarten. 

Von Gartenarchitekt L. Mehmel, Köln a, Rh. 
(Hierzu fünf Abbildungen nach vom Verfasser für die „Gartenwelt" 
gef. Zeichnungen.) 
Pflanzenarchitektur ist ein aus zwei Gegensätzen bestehen- 
des Wortgebilde. Bei Pflanzen schwebt einem sofort etwas 
natürliches vor, etwas, das ohne Zutun des Menschen ent- 
standen ist, und Architektur ist ein Begriff von etwas Form- 
festem, durch Menschenhand gebildetem. Jeder Fachmann 
weiß, was mit der Bezeichnung Pflanzenarchitektur gemeint 
ist : ein natürliches Gebilde, in der Form und Gestaltung 
vom Menschen beeinflußt, im Wachstum zurückgehalten und 
immer in den gedachten Grenzen 
belassen. 

Ueber den Wert dieser 
Kunstformen läßt sich streiten. 
Gewiß lassen sich in Bezug 
auf die Form vollendete Ge- 
bilde schaffen, und es gibt deren 
auch genug. Liegt aber in der 
Gestaltung gar zu künstlicher 
und verschnörkelter Formen 
nicht eine gewisse Verleugnung 
des Materials? Kann man da 
von Materialechtheit sprechen? 
Meines Erachtens sollten Archi- 
tekturen aus den dazu gegebenen 
Stoffen, als Stein (auch Kunst- 
stein), Eisen und Holz geschaffen 
werden ; Pflanzen aber sollten 
als Pflanzen, d. h. als Natur- 
produkte wirken. — Entstanden 
mögen diese Pflanzenkunst- 
formen sein aus der Laune oder 
aus dem Erfindungsgeist eines 
Gartenliebhabers oder Fach- 
mannes heraus ; sie sind zu ge- 
wissen Zeiten Mode gewesen 
und waren daher auch dieser 
unterworfen. Somit kommen 
wir auf die Formenarten und 
Gestaltungsweisen zu sprechen. 
Es gibt hier, wie überall, gute 

Gartenwelt XXI. 



und schlechte Ausdrucksweisen. Zu ersteren rechne ich die- 
jenigen Formen, die sich der betreffenden natürlichen Pflanzen- 
gestalt anpassen und die sich bemühen, diese Naturformen 
hervorzuheben, z. B. wie es Abbildung Seite 75, unten, zeigt. 
(Sämtliche Zeichnungen sind nach der Natur gefertigt, aber 
stilisiert dargestellt und in der scharfen Umgrenzung über- 
trieben, um die Wirkung für das kritisierende Auge hervorzu- , 
heben. Skizziert wurden sie gelegentlich eines Ganges durch 
einen kleinen, im landschaftlichen Stil gehaltenen französischen 
Stadtpark.) Dagegen sind spielerische Gestaltungen, wie 
Tiernachahmungen, Nachbildungen von Möbeln usw., doch kaum 
als gut zu bezeichnen, abgesehen davon, daß derartige 
Spielereien als „gärtnerische Kunststücke" immerhin eine gewisse 

Berufsfreudigkeit des Formers 
erkennen lassen. Es ist ferner 
zu unterscheiden zwischen Ein- 
zelformen, wie Säulen, Pyra- 
miden, Kugeln, Obelisken u.a. 
und zwischen Formen, gebildet 
aus mehreren Pflanzen ; zu 
letzteren gehören : die Hecke, 
geformte Bosketts, Pflanzen- 
wände usw. Der Wert der 
Pflanzenarchitekturen liegt 
hauptsächlich in der Art und 
Weise der Anwendung. Man 
muß wissen, wie und wo eine 
künstlerische Wirkung zu er- 
reichen ist. Im geometrischen 
Garten, in der architekto- 
nischen Anlage lassen sich 
diese Kunstformen mit Vorteil 
anwenden. Der regelmäßige 
Stil der Aufteilung fordert 
eben zur Aufstellung von Ar- 
chitekturen zur Pflanzung von 
geformten Gehölzen auf. In 
freigestalteten Anlagen muß 
man äußerst vorsichtig in der 
Verwendung von Einzelformen 
sein. Hier gilt es oft, Besitzer- 
wünschen zu widersprechen ; 
ein gewisses Kunstgefühl muß 
da entscheiden. Zur Betonung 

7 




Taxus in Etagenform. 



74 



Die Gartenwelt. 



XXI, 7 



von hervorzuhebenden Punkten sind hier und da auch in 
der landschaftlichen Anlage Einzelformen in Anwendung zu 
bringen. Im allgemeinen ist die Benutzung der Pflanzen- 
architekturen in den letzterwähnten Anlagen schwieriger. 

Alle angeführten Skizzen zeigen Beispiele in einer land- 
schaftlichen Anlage. Untenstehende Abb. und Abb. S. 75, oben, 
stellen Boskettformen aus Ligustrum ovalifolium dar, Abb. 
Seite 75, oben, zeigt im Mittelpunkt eine Pyramide (Thuya), 
untenstehende Abb. dagegen eine Kugelform in der Mitte. 
Beistehende Abbildung zeigt eine Taxusform, bei der die 
oberen Etagen scharf herausgeschnitten sind ; die Taxusform 
auf der Abb. der Titelseite hat alle Etagen glatt geschoren. 
Meinem Empfinden entsprechen beide Formen nicht. Die 
Thuyapyramide auf Seite 75, unten, kommt der natürlichen 
Form am nächsten und ist daher wohl als die beste der 
hier dargestellten anzusehen. 

Die hier ausgesprochenen Gedanken sollen in keiner 
Weise als maßgebend in der Frage der künstlichen Formierung 
von Gehölzen und deren Anwendung erscheinen. Es ist 
lediglich der Gedankengang, der sich beim Beschauen der 
dargestellten Formen einfand. 



Gartenanlagen bei der Universität. Diese von Herrn Ge- 
heimrat Sommer (Gießen) in Nr. 1 und 2 dieser Zeitschrift beregte 
Frage kann zum Teil schon a priori gelöst werden, wenn man den 
Neubau von Universitäten möglichst in unmittelbarer Nähe bereits 
bestehender alter Anlagen ausführt. Anlagen in nächster Umgebung 
der Universität sind unbedingt erforderlich, da es eine alte 
empirische Tatsache (vgl. die Schule der Peripatetiker zu Athen) 
ist, dafi man — um eine Herwegh'sche Sentenz zu verwenden — 
„vom Spazierengehen und von der Luft gescheit werden kann." 
Wie mancher Student hat sich in den Anlagen, teils durch Erlernen 
eines schwierigen Memorierstoffs, teils in fachkundlicher Unter- 
haltung mit Kameraden auf seine diversen Examen vorbereitet. 
Daß es sich im Freien besser lernt als in dumpfiger Stube ist für 
mich ganz außer Frage und wenn es nach meinen Ideen ging, sollte 
ein ansehnlicher Teil des gesamten höheren wie niederen Unter- 
richts, insonderheit in der Sommerzeit, ins Freie verlegt werden. 





Gruppe aus Ligustrum ovalifolium. 



Taxuspyramide. 

Große ausgedehnte Anlagen mit gut gangbaren Wegen sollten 
einen nicht unwesentlichen Teil aller Erziehungsinstitute ausmachen. 
Was nun den Stil solcher Gärten für öffentliche Gebäude betrifft, 
so hat Herr Professor Sommer denselben mit Recht als häufig 
verfehlt bemängelt, „weil er zu der eigentlichen Bestimmung und 
dem Betrieb des Gebäudes in keiner richtigen Beziehung steht." 
Diesbezüglich möchte ich nun einen Vorschlag machen, was die 
nächste Umgebung der Universitätsgebäude betrifft. Es könnte 
nämlich meines Erachtens gar nichts schaden, wenn dem Universitäts- 
gebäude auch äußerlich ein wissenschaftlicher Anstrich gegeben 
würde, indem in seinem Umkreis gärtnerisch eingekleidet Felsblöcke 
der verschiedenen Gesteinsarten aus der engeren oder weiteren 
Heimat mit Signaturschildchen versehen zur Aufstellung gelangten. 
Im Zwischenraum wie im Universitätsgarten selbst sollte tunlichst 
die wesentlichste Phanerogamen- und Pteridophytenflora der nächsten 
Umgebung — für die in den botanischen Gärten bekanntlich leider 
oft kein Platz ist — (die Spezies mit Täfelchen, die den offiziellen 
und deutschen Namen nennen, versehen) — gepflegt werden. 
Durch künstlerische Ausführung dieser beiden Vorschläge würde 
nicht nur dank der verwendeten Felsen der abrupte Uebergang 
von Gebäude zu Garten angenehm gemildert, sondern mit dem 
angenehmen auch das nützliche verbunden, daß unsere akademisch 
gebildete Jugend Gelegenheit erhält, gleichsam en passant die Stein- 
und Pflanzenarten der Heimat kennen zu lernen. Außerdem würde 
ein solcher geologisch - botanischer Garten — in den die von 
Sommer mit Recht geforderten Ruheplätzchen eingestreut werden 
könnten — dem Charakter eines Universitätsgebäudes besser an- 
gepaßt sein als die p. 19 geschilderten Gemüseparzellen, die gegen 
eine Pacht von 1,25 M einschließlich Wassergeld an Studenten und 
Studentinnen vergeben werden. Meines Erachtens sollten öffent- 
liche Gärten, die der geistigen Hygiene gewidmet sind, an keiner 
Stelle durch Nutzgärten, für die vor der Stadt Feld genug ist, 
beeinträchtigt werden. Nutzgärten aber müssen, besonders in 
harten Zeiten, schon um der Vergeudung von Samen und Sämlingen 
vorzubeugen, von sachkundiger Hand und mit Ausdauer gepflegt 
werden. Friederich Kanngießer, Braunfels. 



XXI, 7 



Die U II 11 eil weit. 



75 



Zwiebel- und Knollenpflanzen. 

Ein kleiner Beitrag zur Kultur des Cyclamen persicum. 

Da durch den gar nicht enden wollenden Weltkrieg der Mangel 
an Arbeitskräften immer größer wird, liegt die Gefahr nahe, daß 
man dem zeitraubenden, aber doch so notwendigen Verstopfen und 
Verpflanzen der Cyclamensämlinge nicht nachkommt. Deshalb sei 
es mir gestattet, auf das Auspflanzen der Cyclamen hinzuweisen, 
das bei beträchtlicher Zeitersparnis guten Erfolg garantiert. 

Die Sämlinge werden, nachdem sie den Winter im Haus, ziemlich 
feucht und möglichst nahe am Glase bei einer Temperatur von 
etwa 10" Celsius, zugebracht haben und im Laufe desselben minde- 
stens zweimal verstopft wurden, Ende Februar oder Anfang März 
ausgepflanzt. Hierzu wird ein warmer Kasten angelegt, wobei dar- 
auf zu sehen ist, daß die Temperatur eine möglichst gleichmäßige 
und milde ist, da die jungen Pflänzchen einen etwa erfolgenden 
Wärmerückschlag übelnehmen und die Würzelchen derselben bei 
einer Bodenwärme von über 30° notleiden würden. Die Sämlinge 
werden genügend weit in eine Mischung von Mistbeeterde mit 
Torfmull, halbverrottetem Laube und Sand ausgepflanzt, in den 
ersten Tagen geschlossen gehalten und immer fleißig gespritzt und 
beschattet. Später wird der Außentemperatur entsprechend, und 
zwar so viel wie möglich gelüftet. 

Man kommt auf oben geschilderte Weise am besten über die 
kritische Zeit hinüber, in der die Pflänzchen durch langes Ver- 
bleiben in kleinen Vermehrungstöpfen im Wachstum stocken und 
dadurch der Grund zu dem ärgerlichen, vorzeitigen Knospenansatz 
gelegt wird. 

Mitte April können dann die stärksten der Cyclamen, die in- 
zwischen zu üppigen Pflänzchen herangewachsen sind, mit sehr 
schönen Wurzelballen gleich in 9 cm Töpfen eingesetzt werden; 
die schwächeren Pflanzen läßt man noch kurze Zeit stehen. Wenn 
die Sämlinge nach dem Einsetzen wieder auf einen warmen Fuß Die auf diese Weise behandelten Cyclamen stehen den in 

kommen, anfangs geschlossen gehalten und stets gut beschattet Töpfen kultivierten in Hinsicht auf Größe und Blühwilligkeit gewiß 
werden, wurzeln sie gerne und schnell ein. nicht nach und sind während der heiklen Zeit in Sachen Sitzen- 

bleiben nicht so empfindlich wie diese. H. Grupp. 




Gruppe aus Ligustrum ovalifolium, 
in der Mitte Thuya Lobbi. 




Stauden. 



Taxuspyramide. 



Bemerkungen zu dem Aufsatz 
„Alpine Primulas und deren Hybriden". 

Als altem Primelfreund, der sich mehr als 3 Jahrzehnte mit 
der Primelsystematik und -Gartenpflege, daneben aber auch mit 
der Beobachtung vieler Primelarten am wilden Standort abgegeben 
hat, bitte ich freundlichst, mir zu einigen Bemerkungen zu dem in 
Nr. 51 des letzten Jahrganges der „Gartenwelt" befindlichen Aufsatz 
von Richlin mit obiger Aufschrift das Wort zu gestatten. 

Zunächst sei es mir erlaubt, gegen die Mehrzahlbildung 
„Primulas" Verwahrung einlegen zu dürfen, weil sie unserem 
deutschen Sprachgebrauch ganz ungeläufig ist. Seit wann reden 
wir denn von Verbenas, Zinnias, Rosas, Liliums, Dendrobiums 
usw. ? Entweder verbinden wir in der Mehrzahl die Gattungs- 
namen mit dem Worte „Arten", also Verbena-, Zinnia-, 
Liliumarten usw., oder wir verdeutschen den Gattungsnamen 
und reden dann von Verbenen, Zinnien, Rosen, Lilien usw. 
Die Ausdrucksweise „Primulas" ist ganz undeutsch, ebenso 
unlateinisch und unwissenschaftlich, dafür ausgesprochen 
englisch! Und von englischem „Geiste" ist der ganze Auf- 
satz auch sonst durchtränkt. Das mag einem ja unbewußt wider- 
fahren, der lange Jahre bei unseren geliebten Vettern dort drüben 
jelebt hat, berührt uns andere, die wir nur vor langen Jahren 
dort drüben waren und unsere deutsche Art uns erhielten, grade 
ietzt aber nicht sonderlich angenehm, — ja, wir lehnen 
diese Anglomanie entschieden ab ! 

Wie wenig der Verfasser die deutsche Wissenschaft zu kennen 
und zu achten scheint, geht auch aus der fast abfällig klingenden 
Bemerkung hervor : „Die kaum ein Jahrzehnt alte Mono- 



7o 



Die Oa 



weit. 



f 



XXI, 7 



graphie von Pax ist durch die vielen Neuein- 
führungen aus China schon wieder unvollständig- 
geworden" und aus der sofort anschließenden kraftvollen 
Hervorhebung des „stattlichen Berichtes der letzten 
Primelkonferenz in London" usw. Zunächst darf wohl 
darauf hingewiesen werden, daß die Paxsche Primelmono- 
graphie bereits 1888 e rs ch i en e n , also fast drei Jahr- 
zehnte alt ist, trotzdem aberimmer noch zweifellos 
die Stütze und Grundlage aller weiteren wissen- 
schaftlichen Primelforscliung sein und bleiben 
dürfte und höchstwahrscheinlich auch dem „stattlichen Bericht" 
der Londoner Primelkonferenz als Gläubiger gedient hat. Pax hat 
dann 1905 für Englers „Pflanzenreich" die Primelarten bearbeitet 
(Heft 22), hat aber einen Nachtrag zu seiner Monographie ab- 
sichtlich bis jetzt noch verschoben, wie er mir soeben mitteilt. 
Ob seitdem ein paar Arten mehr aus China oder sonstwoher 
emgeführt worden sind, setzt den wissenschaftlichen Wert der 
Paxschen Monographie kaum nennenswert herab. Der Primel- 
freund läßt sich einfach vom Buchbinder leere Blätter in sein Buch 
heften und trägt neueingeführte Arten und Formen gewissenhaft 
nach, was für den mit einigem Blick begabten Primelkenner recht 
leicht ist. Auf diese Weise erhält man die Paxsche Monographie 
und seine Primelkenntnisse „auf dem Laufenden" und 
bedarf des „stattlichen Berichtes" nicht, der wahrscheinlich ( — ich 
kenne ihn nicht — ) auch nichts weiter als seine Vorgänger, nämlich 
eine laienhafte, jedenfalls wissenschaftlich nicht ernst zu nehmende 
Zusammenstellung aller bekannten Arten und Formen, also „zu 
deutsch" — ein Plagiat ist! Gerade für die allgemeine 
Ueb ersieht bildet die Paxsche Monographie eine gute systema- 
matische Grundlage und ganz besonders für die exotischen Primel- 
sippen. — In der prächtigen Arbeit „Die europäischen 
Arten der Gattung Primula" von E. Widmer, München 
1891, die dem Verfasser des genannten Aufsatzes auch nicht 
bekannt zu sein scheint, findet die Paxsche Monographie eine 
ganz ausgezeichnete und bis ins kleinste fein ausgearbeitete Er- 
gänzung von echt deutscher Gründlichkeit. Dieses Werk ist umso 
zuverlässiger und wertvoller, als es mit einer Fülle lebenden Stoffes, 
vielfach nach Beobachtung am wilden Standort bearbeitet worden 
ist und noch größere Klarheit in unsere schwierigen alpinen 
Primelsippen bringt, so daß es jeder Primelfreund wohl kennen 
müßte und von den Londoner Primelkonferenzlern neben Pax auch 
sicher verwertet worden ist. 

Wenn ich auf einige Einzelheilen eingehen dürfte, so sei z. B. 
bemerkt, daß es darin heißt: „Die Einteilung geschieht 
nach Pax in 7 Gruppen: 1. Euauricula usw." und hierzu 
werden als Formen von Pr. Auricula L. eine serratifolia und eine 
exscapa (nicht excapa .') genannt. Pr. serratifolia Gusmus ist in- 
dessen ein Bastard von Pr. minima ^' Wul/eniano und gehört als 
solcher in die Paxsche Gruppe Chamaecallis (Schott.) und Pr. 
exscapa Hegetschw. gehört als Standortsform von Pr. hirsuta All. 
zu Paxs Gruppe Erythrodrosum (Schott.). (Gäbe es wirklich 
/luWcu/a-Formen dieser Namen, so müßten sie mindestens mit 
Autornamen genannt werden!) Dann heißt es „2. Brevihrac- 
teafae" (eine Gruppe, dif Pax überhaupt nicht kennt!), zu der 
Pr. viscosa A]\. {=: latifolia Lap.) gebracht wird, die bei Pax in 
Gruppe Erythrodrosum auftritt, während sie bei Widmer zur 
Hauptgruppe Aiiriculastrum, Untergruppe Piirpureae Brevibrac- 
teatae gestellt wird. Es folgt die „5. Sektion Rhopsidium" , zu 
der Richlin u. a. Pr. Kitaibeliana Schott, und Pr. integrifolia L. 
stellt, die aber von Pax beide in Gruppe Arthritica untergebracht 
sind, während sie von Widmer in die Hauptgruppe „Purpureae 
Longibractealae" als selbständige „Typen" gleich neben die 
Sektion Cartilagineo-marginatae gesetzt werden, die Paxs Gruppe 
Arthritica (Schott.) entspricht. 

Wenn diese wenigen Stichproben etwa dem „stattlichen 
Bericht der letzten Primelkonferenz in London" 
entlehnt sein sollten, dann wäre er gerichtet und seine wissen- 
schaftliche „Zuverlässigkeit" erwiesen! 

Wie wenig der Verfasser auch von unserer deutschen Primel- 



züchtung und ihrer Berichterstattung wissen will, geht aus seinem 
völligen Verleugnen („Ignorieren") der prächtigen Arendsschen 
Pr. /Irc/o/i's- Blendlinge hervor, die doch im Jahrgang V der 
„Gartenwelt" mit einer schönen Farbentafel bekannt gemacht 
wurden und großen Beifall fanden. Dieses Totschweigen ist um 
so auffälliger, als Herr Richlin, wie ich soeben erfahre, früher 
Gehilfe bei Freund Arends in Ronsdorf war! Wie so oft wohl 
schon deutscher Geist im Auslande und besonders auch in England 
ausgenutzt worden ist, so mögen auch diese Arendsschen Primel- 
züchllinge ihr Blut zu jenen neuen Sorten mit hergegeben haben, 
die in Nr. 51 der „Gartenwelt" abgebildet sind. Ohne Zweifel 
gehören auch sie in den Formenkreis der Pr. Arctotis Kern., die 
aus der der Pr. hirsuta All. näherstehenden Verbindung Pr. Auri- 
cula X hirsuta All. hervorgegangen ist. (s. A. Kerner, „Die 
Primulaceenbastarde der Alpen", Wien 1875). Pr. viscosa All. 
(= Pr. latifolia Lap.) dürfte an der Entstehung dieser neuen 
Gartenzüchtlinge indessen wohl kaum beteiligt sein, wie Richlin 
annimmt, weil diese Art im Garten weder sehr willig wächst noch 
blüht und auch nicht sehr groß- oder schönblumig ist, und die 
Vererbung derartiger Eigenschaften dem Gärtner jedenfalls nicht 
erwünscht wäre. 

Wenn man eine Prise Arendsscher Originalsaat von Pr. Arctotis 
hybrida anbaut, wird man allerlei Wunder erleben, deren manche 
den in Nr. 51 abgebildeten Sorten „H. T. Wilson" und „General" 
recht ähnlich sein dürften, deren Schönheit übrigens auch gar nicht 
bestritten werden soll, etwa weil sie von „drüben" kommen, wo 
ja unstreitig auch viele und schöne gärtnerisdie Zuchtergebnisse 
erzielt werden. 

Wenn man „dort drüben" nur nicht in der Namengebung so 
absonderliche Wege ginge! Wenn man Florblumen wie Rosen, 
Dahlien, Chrysanthemen usw. bei ihrer zahllosen, sich täglich ver- 
größernden Formenfülle mit mehr oder weniger passenden Eigen- 
namen belegt, um sie zu unterscheiden, so läßt sich dagegen nichts 
sagen, schon weil es gar nicht so viele passende Eigenschaftswörter in 
der botanischen Sprache gibt. Wenn man aber Kleinstauden alpiner 
Herkunft, denen noch immer der urwüchsige Heimathauch und die 
liebliche Alpenpoesie anhaften, und die doch in nicht annähernd 
gleichem Formenreichtum alljährlich neu auftauchen, mit ebensolchen 
Eigennamen belegt, so hat das — wenigstens nach meinem Gefühl — 
etwas außerordentlich Geschmackloses und Unnatürliches an sich, 
das mir den reinen Genuß an ihnen verleiden könnte. Warum 
muß man denn auch hierbei jede neu auftauchende Form besonders 
benamsen? Arends tat es nicht mit seinen ^rcto^/s-Blendlingen, 
— wenn auch später mit einigen seiner hervorragendsten Saxifraga 
rfeci/jiens- Züchtungen, — und die alten Gärtner taten es nicht 
mit ihren zahllosen Aurikelsorten usw. Und muß nun durchaus 
getauft sein, warum greift man denn dann nicht zu einem be- 
zeichnenden Eigenschaftswort oder der Genetivbildung wie Wilsonii 
oder Wilsoniae, wie es in dem in gleicher Nummer befindlichen 
Campanulaceenaufsatz (S. 602) von Herrn B. Vogtländer in 
richtigem Sprachgefühl und auch in manchen Verzeichnissen deutscher 
Gärtner geschieht? 

Die ursprüngliche Hybride Pr. Auricula X hirsuta (All.), von 
der alle Gartenaurikeln abstammen, ist übrigens keineswegs ver- 
loren gegangen, wie Richlin annimmt, sondern ebenso an ihren 
wilden Standorten in Tirol und der Schweiz noch heute stellen- 
weise häufig, wie auch bei Händlern und Primelfreunden zu finden; 
nicht minder ist die Pr. Arctotis A. Kern, in ihrer ursprünglichen 
Form in der Natur an den gleichen Standorten und auch in der 
Gartenpflege anzutreffen. 

Ob die auf der Farbentafel der „Gartenwelt" als Pr. nivalis 
bezeichnete Form die alte weißblühende Pr. Arctotis A. Kern sein 
mag, die bereits Jahrzehnte lang als Pr. viscosa nivalis oder kurz 
Pr. nivea in den Gärten sich befindet, und auch schon 1885 in 
der damals noch sehr anregenden „Gartenflora" nach einem 
von dem damaligen Gehilfen Georg Arends des Botanischen Gartens 
zu Breslau gemalten Bilde sich auf farbiger Tafel findet, ist nicht 
ganz sicher; die Richlinsche Pflanze scheint großblumiger aber 
armblütiger, sonst auch kräftiger im Wuchs zu sein. 



XXI, 7 



Die Gaiteiiwelt. 



77 



Bezüglich der Richlinschen Angaben über Pr. Clusiana Tausch., 
die ich in Originalstücken besitze und früher in den nieder- 
österreichischen Alpen zu Tausenden blühen sah, ist zu bemerken, 
daß ihre Blütenfarbe ein schönes reines Rosa ist und sich höchstens 
im letzten Augenblick des Verblühens in Lila verwandelt, und daß 
sie bei richtiger Gartenpflege bei weitem die dankbarste dieser 
Sippe ist, nur leider in der Regel zu mastig kultiviert und viel- 
fach auch mit ihren Geschwistern Pr. calycina Duby und Pr. 
speciabilis Tratt. verwechselt wird, die früher durch eine ober- 
italienische Schleuder- und Raubfirma hundert- und tausendweise 
von den wilden Standorten gesammelt und zu billigsten Preisen 
verhandelt wurden. 

Auch sei bemerkt, daß Pr. Forsteri Stein keineswegs synonym 
mit Pr. Steinii Obr. ist. Die gründliche Widmersche Arbeit unter- 
scheidet sehr gewissenhaft und treffend die drei Hauptformen des 
Bastarts Pr. minima X hirsuta All., nämlich Pr. Forsteri Stein ; 
Pr. Steinii Obr. und Pr. Kellereri Widm. Eine „Pr. Jelenkae" 
hat es auch nie gegeben, wohl aber eine Pr. Jellenkiana Freyer 
(syn. Pr. carniolica Jacq.). Ueber Druckfehler im Richlinschen 
Aufsatz sei stillschweigend hinweggegangen. Was die sonstigen 
Kulturbemerkungen betrifft, so sind wohl die Ergebnisse unter 
Einfluß örtlicher Momente — vielleicht auch manchmal infolge ver- 
schiedener oder unrichtiger Benennung — nicht überall ganz über- 
einstimmend ! E. Wocke in Oliva. 



Topfpflanzen. 

Das Umfallen der Achyranthes splendens. Das Abfaulen 
der Achyranthes hat schon manchen Gärtner geärgert. Es ist halt 
ein Pilz, heißt es gewöhnlich, und man sucht denselben oft mit 
allen möglichen, umständlichen Mitteln zu vernichten. Es ging 
mir auch so und während ith der Vernichtung derselben oblag, 
fielen unterdessen die Achyranthes um. Also nicht die Bekämpfung 



dieses Feindes bringt Erfolg, sondern wir müssen demselben den 
Nährboden entziehen, d. h. für die Vermehrung Verhältnisse schaffen, 
in denen der gefürchtete Pilz nicht existieren kann. 

Erste Bedingung ist: Niemals junge Erde verwenden. Die 
zweite ist noch wichtiger: Niemals Achyranthesstecklinge oder junge 
Pflänzchen auf ein frisch angelegtes Mistbeet bringen. Vom Januar 
an vermehren wir die Achyranthes in Schalen oder Töpfen in einer 
Mischung von "'; altem gesiebtem Kompost und V ; Sand, womit 
die Schalen gefüllt und obenauf noch ganz dünn mit Sand über- 
streut werden. In diese Schalen werden nun die Stecklinge ge- 
steckt, tüchtig angegossen und auf ein sonniges Hängebrett gestellt, 
wo sie wenig oder gar nicht beschattet, aber einige Zeit naß ge- 
halten werden. Nach mehreren Tagen zeigen sich Spuren von 
Wurzeln. Von diesem Zeitpunkt an muß sorgfältig gegossen 
werden, denn nun beginnt die Gefahr des Umfallens. Nach völliger 
Bewurzelung können die Achyranthes sehr trocken stehen, sogar 
bis zum Welken ; und dies schützt sie am besten vor dem Faulen. 

Zur Vermehrung im Mistbeet verwenden wir einen Kasten, der 
6 Wochen vorher warm angelegt und für andere Kulturen gebraucht 
wurde, und bringen gute Gemüselanderde, die frei von unverwestem 
Dünger ist, hinein; obenauf kommt eine dünne Schicht Sand, und 
das Beet ist zur Aufnahme der Stecklinge fertig. Die im Januar 
vermehrten Achyranthes verstopfen wir ebenfalls auf ein so prä- 
pariertes Beet. 

Das Sicherste ist, den ganzen Bedarf von Achyranthes splendens 
im August zu vermehren, und zwar 10 bis 15 Stecklinge in einen 
12 cm Topf. Das Stecken in Kistchen ist weniger ratsam, da 
darin oft die Fäulnis um sich greift. Die Töpfe mit den be- 
wurzelten Achyranthesstecklingen werden über Winter auf ein 
sonniges Hängebrett des gemäßigt warmen oder Warmhauses gestellt, 
wo sie ziemlich trocken gehalten werden. Anfang bis Mitte April, 
je nach Witterung, pikiert man die so überwinterten Pflänzchen 
einzeln in einen Kasten, der, wie oben angegeben, hergerichtet 
wurde, aber ohne Sandschicht. Man hält diese Kultur sonnig. 




Erdbeertreiberei und Tomatenkultur im neuen Tomatenhause der kgl. Gärtnerlehranstalt in Dahlem. 



Die <i :i rteinvelt. 



XXI, 7 




Blick in ein Gurkenhaus der kgl. Gärlnerlehranstalt in Dahlem. 



lüftet nach Witterung und gießt mäßig. So behandelt, haben wir 
Mitte Mai kräftige Pflanzen und gar keinen Ausfall. 

K. Zwicky, Eichbühl bei Thun. 



Außer diesem rein praktischen Zweck 
hat der Weg, infolge seiner Wirkung 
in der Landschaft, seiner Wirkung auf 
unser Schönheitsempfinden, noch einen 
ganz besonderen Wert, dessen Vorzüge 
zu schildern die Aufgabe der nach- 
folgenden Zeilen sein soll. 

Betrachten wir eine Landschaft, die 
sich in einer wundervollen Fernsicht vor 
unseren Blicken ausbreitet, so erwacht 
in uns das Gefühl der Sehnsucht, der 
innige Wunsch, in all diese Fülle von 
Schönheit und Reichtum hineinzu- 
wandern, um mitten darunter zu sein, 
an allem teilnehmen und sich freuen 
zu können. Wir werden durch den 
Zauber der in aller Lieblichkeit vor 
uns liegenden Landschaft , durch die 
lockende Ferne mit Macht angezogen. 
Wünsche und Empfindungen der Kind- 
heit werden wieder in uns wach, und 
wie der lebhaften Phantasie der Kindes- 
seele bei solchem Anblick Flügel wachsen, 
um jauchzend in die Lande hineinzu- 
fliegen, glauben auch wir uns von der 
körperlichen Schwere befreit, und die 
beschwingt unseren Fuß zu fröhlicher 



Landschaftsgärtnerei. 



Der Weg und seine Bedeutung. 

Der Weg verdankt seine Entstehung dem Fuß, und wie 
das Wild sich seine Wechsel tritt, so tritt auch der Mensch 
sich seine Pfade und Wege. 

Betritt ein Mensch eine ihm fremde und unbewohnte 
Gegend, so trachtet er auf möglichst 
beste, und wenn er eine bestimmte 
Richtung verfolgt, auf möglichst kürzeste 
Weise, diese zu durchschreiten. Er macht 
es also wie das Wild, wenn ihm auch 
nicht zu raten wäre, etwa vorhandene 
Wildwechsel zu benutzen, denn Pfade, 
die das Wild tritt, sind nicht immer 
auch dem Menschen zu empfehlen. 

Die nun diesem ersten Menschen nach- 
folgenden Wanderer haben naturgemäß 
meist dasselbe Bestreben wie dieser, und, 
wie die Ansichten normaler Menschen 
sich gleichen, werden sie auch ungefähr 
dieselbe Richtung einschlagen, wie dieser 
erste Mensch, und so entsteht allmählich, 
je nach der Stärke des Verkehrs, eine 
Richtungsspur, eine erkennbare Führungs- 
linie. Ist diese Linie erst mal vorhanden, 
so werden fraglos alle nachfolgenden 
Menschen dieselbe als Führer benutzen 
und sie im Laufe der Zeit zu einem 
Pfad, einem Weg austreten. 

Aus dieser Tatsache geht klar her- 
vor, daß der Weg einen Zweck, und 
zwar einen führenden Zweck hat. 



Macht der Sehnsucht 
Wanderung. 

Aber wie es nun mal auf diesem Erdball der niemals 
ungetrübten Freude zugeht, so regt sich in uns, sobald unser 
Fuß den weichen Wiesengrund betritt, der Zweifel, unser 
eben noch leicht und fröhlich ausschreitender Fuß zögert, 
unser schneller Tritt wird langsam und tastend. Wir ver- 
muten unter der Schönheit die Schlange, unter dem blumen- 
durchwirkten Wiesengrund tückischen Sumpf, und zögernd 
bleiben wir stehen. Wir halten fragend Umsdiau, ob wir 
weiter gehen dürfen oder lieber umkehren wollen, kurz. 



i 




iL 




Neue Gurkenhäuser der kgl. Gärtnerlehranstalt in Dahlem. 



XXI, 7 



Die Gaiiruwelt. 



79 




JNeues Tomatenhaus der kgl. Gärtnerlehranstalt in Dahlem (Innenansicht) 



wir suchen einen Weg. — Alle'Sorge, jeder Zweifel schwindet 
sofort, sobald unser Blick einen Weg entdeckt. Nun haben 
wir die freudige Gewißheit, hier sind schon andere Menschen 
gegangen und wo die gewandelt sind, können auch wir gehen. 
Der Weg erweckt in uns das Gefühl der sorglosen Sicher- 
heit, er nimmt uns das beklemmende Gefühl der Ungewißheit, 
und froh beglückt setzen wir unsere Wanderung fort. Einen 
solchen Weg erschließt uns die Landschaft; er winkt uns 
durch seine hier und dort auftauchenden Linien aus der Ferne 
freundlich zu und steigert die Lust zum 
Wandern und somit unser Schönheits- 
empfinden in hohem Maße. 

Aus diesem Grunde sehen wir auf 
den Bildern berühmter Meister, in wie 
wirkungsvoller Weise sie ihre Land- 
schaften und Fernsichten durch Weglinien 
unterbrochen und verschönt haben. 

Um den Wert des Weges am besten 
zu ermessen, brauchen wir uns nur in die 
Lage eines Verirrten, eines vom Wege 
abgekommenen zu versetzen. Es ist 
schon an und für sich sehr unangenehm, 
den richtigen Weg nicht zu kennen ; ver- 
irrt man sich nun aber ganz und gar, 
hat weder Weg noch Steg, so ist die 
Lage eine sehr bedenkliche. Es tritt bei 
Menschen, die sich in der Natur nicht 
zu helfen wissen, bald Kopflosigkeit und 
Verzweiflung ein, und in diesem Zustande 
vollständigen Verlassenseins machen sie 
sich die schrecklichsten Vorstellungen, 
als wie: Nachts im Walde bleiben, in 
Sumpf und Moor versinken, von wilden 
Tieren usw. Von diesen Phantasien 
gejagt, laufen sie in irgendeiner Rich- 
tung planlos darauf los, um sich mög- 
lichst bald wieder zurecht zu finden. 



oder einen Merischen zu treffen, der ihnen 
den rechten Weg zeigt. 

In vollem Gegensatz hierzu stehen 
die Empfindungen bei endlichem Wieder- 
auffinden des Weges. Frohen Herzens 
wissen wir dem Schicksal Dank, das 
uns noch rechtzeitig einen Weg finden 
ließ, der uns wieder zurück zur Kultur, 
zu den Menschen brachte. 

Nach diesen Betrachtungen über Ent- 
stehung, Wirkung und Wert des Weges 
in der freien Landschaft komme ich zu 
seiner Bedeutung und Verwendung in 
der Gartenkunst. Der Volksmund sagt : 
Wo ein Wille, da ist auch ein Weg. 
In der Gartenkunst muß es heißen : Wo 
ein Weg, da ein Wille. Jedem Weg 
muß unbedingt ein Wille, ein Zweck 
zugrunde gelegt sein ; und wer einen 
Weg anlegt ohne zu wissen warum, 
der ist dumm. Da täuschen keine noch 
so schönen Zeichnungen, keine noch so 
sauber und tadellos ausgeführten Reiß- 
brettarbeiten darüber hinweg; ein Weg 
ohne Zweck ist eine Narretei, ein Unfug. 
Der Zweck des Weges ist in der Gartenkunst, wie auch 
in der freien Natur ein führender und, obigen Betrachtungen 
entsprechend, ein auf das Gesamtbild wirkender. 

Man vertrat früher noch die irrige Ansicht, daß die Wege, 
wie die Straßen einer Stadt nur ein notwendiges Uebel seien, 
um trockenen Fußes spazieren gehen zu können. Man hat 
sogar sogenannte Graswege angelegt, wie sie jetzt noch in 
Kew-Gardens in England vorhanden sind. Ja, es wird neuer- 
dings, wie kürzlich aus der Gartenkunst ersichtlich, versucht, 




Außenansicht des ne. en Tomatenhauses der kgl. Gärtnerlehranstalt in Dahlem. 



80 



Du Li a r t e u w e lt. 



XXI, 



Rasenwege wieder zur Geltung zu bringen. Natürlich sind 
solche Rasenwege nur bei trockener Witterung zu betreten 
und dann, aber auch nur dann wandelt es sich auf ihnen 
sehr angenehm. Siq bilden also nur eine Ausnahme und 
kommen bezüglich der Wirkung auf das landschaftliche Bild 
wenig oder gar nicht in Betracht. In der Gartenanlage, im 
Park (meine Ausführungen gelten hauptsächlich dem groß- 
zügigen Park) sollen die Wege den Park erschließen und so 
in die Anlage hineingelegt werden, daß sie, dem Gesamt- 
bilde sich anschmiegend, den Lustwandelnden ermöglichen, 
deh vollen Eindruck des landschaftlichen Bildes und den 
Wechsel der Szenerien auf sich einwirken zu lassen. Wer 
hiernach handelt, wird seine Wege stets richtig anlegen. Ein 
näheres Eingehen auf das Wie und Warum würde hier zu 
weit führen, da sich die Gestaltung der Wege nach der 
gegebenen Lage richtet und ganz von ihr abhängig ist. Es 
sei hier deshalb nur erwähnt, wie man Wege nicht anlegen 
soll, und wie man sich bei störenden Einflüssen behclfen muß. 
Da man, im Gegensatz zu den im regen Straßenverkehr 
liegenden Stadtplätzen, im Park sich in Ruhe und Muße 
ergehen will, so ist hier der kürzeste, d. i. gradlinige Weg, 
durchaus nicht .immer der beste. Man hat den Park doch 
nicht angelegt um zu hasten und zu eilen, um möglichst schnell 
hierhin und dorthin zu gelangen, es kommt deshalb durchaus 
nicht darauf an, ob der Weg etwas länger ist oder nicht, 
und hat man wirklich einmal Eile, so kann man ruhig über 
den Rasen laufen. Aus diesem Grunde legt man die Wege 
möglichst großzügig an, man erhält dadurch große Flächen 
und erzielt große Wirkungen. Viele Wege machen eine Anlage 
unruhig, und durch häufiges Durchqueren wird die Ein- 
heitlichkeit der Wirkung gestört. Vor allen Dingen darf ein 
Weg nicht teilen, so daß zwei Hälften entstehen und die 
Zusammenwirkung unterbrochen wird. Ist ein solcher Weg 
bereits vorhanden und kann er aus Verkehrsrücksichten nicht 
entfernt werden, so trachte man, ihm eine andere Richtung 
zu geben, oder ihn durch Pflanzungen, Erdbewegung usw. 
unsichtbar zu machen. Am empfindlichsten stört der Verkehrs- 
weg, den, ohne Rücksicht auf die Umgebung, der trocken 
berechnende Geschäftsfuß tritt ; nicht allein durch sein Teilen 
und Durchqueren, sondern durch seinen Verkehr, seine hin- 
und hersausenden Autos, seine schweren Lastwagen usw. 
Will man sich doch durch die Schönheit der Natur von den 
Anstrengungen und Lasten der Berufstätigkeit erholen ; und 
eine ungeteilte Freude an der Natur bedingt eben ein süßes 
Nichtstun und ein Loslösen vom Frohn der Arbeit. Dieser 
Genuß wird einem durch solchen Verkehrsweg gründlich ver- 
dorben ; er erinnert an das. woran man gerade in diesen 
Stunden der Erholung nicht erinnert sein will. Kann man 
einen derartigen Weg nicht ganz entfernen oder verdecken, 
so suche man ihn durch Angiiederung eines anderen Weges, 
so gut es eben geht, in die Anlage hineinzuziehen; das Ab- 
stoßende und Fremde wird hierdurch, wenn auch zum Nachteil 
der Anlage, einigermaßen gemildert, das ist von zwei Uebeln 
immerhin das kleinere. 

Ebenso sind die langen gradlinigen Wege zu vermeiden. 
Eine lange gradlinige Landstraße wirkt bekanntlich außer- 
ordentlich ermüdend und entmutigend, und wer einmal eine 
solche Chaussee vor sich hatte, und der am Ende winkende 
Kirchturm wollte trotz tüchtigen Ausschreitens durchaus nicht 
näher kommen, der weiß, wie einem dabei zu Mute wird. 
Dieselbe Wirkung, wenn auch in bedeutend kleinerem Maße, 
hat ein langer gradliniger Weg in der Parkanlage, er er- 



müdet durch seine lange Flucht ebenfalls, und Ermüdung ist 
einer der größten Tadel, der einer Anlage widerfahren kann, 
ist doch ihre Aufgabe das direkte Gegenteil. Ist man ge- 
zwungen, einen solchen Weg mit zu verwenden, dann sucht 
man ihn durch besonders schöne und geschickte Pflanzungen 
anziehend zu machen, man trachte durch vorteilhafte Grup- 
pierung, Auswahl schöner Gehölze, schön blühender Stauden, 
den Hineinblickenden von der Länge desselben abzulenken 
und ihn zu verlocken, auch diesen Weg gern zu betreten. 
Anderen Falles kann man derartige Wege durch sogenannte 
Weginseln unterbrechen, indem man Kreise oder Ovale 
hineinlegt und durch Bepflanzung derselben den Längsblick 
unterbricht. Es wären diese Inseln hauptsächlich auch für 
Landstraßen und Chausseen zu verwenden, man könnte hier 
sehr viel Gutes und Schönes schaffen, indem alle 3 bis 4 
Kilometer schattenspendende Plätze angelegt würden, die man 
mit Brunnen und Sitzgelegenheiten versieht, und so eine er- 
frischende und anmutige Unterbrechung bietet. Eine günstige 
Gelegenheit hierfür bieten nach Friedensschluß die auszu- 
bessernden und neu anzulegenden Straßen auf den Schlacht- 
feldern. In manchen Gegenden, wo nicht so sehr mit dem 
Boden geknausert wird, könnte man diese Inseln hainartig 
erweitern, um marschierenden Truppen, Wandervögeln usw. 
einen schattigen Lagerplatz zu bieten, und zugleich die Ein- 
tönigkeit schmuckloser Landschaften angenehm zu unter- 
brechen. 

Die in letzter Zeit wieder erscheinenden unregelmäßigen 
Wege, die, wie das Publikum sie tritt, bald breiter, bald 
schmäler sind, können eigentlich nur Ueberwegungen genannt 
werden, haben eigentlich nur Berechtigung und Wert in ganz 
großen Anlagen, in welche Teile der freien Landschaft ohne 
eigentliche Parkpflege mit hineingezogen werden. Man sollte 
sie jedoch nie mit gutgepflegten Wegen untermengen, denn 
hier, inmitten der sonst herrschenden Ordnung und Sauberkeit, 
fallen sie sehr störend auf, wirken lotterig, wie eine aus- 
gefranste Hose. Sie verderben die guten Sitten des so 
wie so schon schwer zu erziehenden Publikums, es werden 
dann auch die anderen Wege genau so behandelt und die 
Kanten niedergetreten. 

Soll die Harmonie zwischen Weg und Anlage eine voll- 
kommene sein, so muß auch auf die Ausführung des Weges 
selbst eine ganz besondere Sorgfalt verwendet werden. Es 
wird nicht umsonst so viel Wert auf richtige Auswahl des 
zu verwendenden Materials, auf saubere Ausführung der 
Weglinien gelegt, und es ist dem Landschaftsgärtner durch- 
aus nicht zu verdenken, wenn er bei der Herstellung der 
Wegkanten die hierfür nötige Rasenerde durchsiebt, um 
durch kein Hindernis in seiner Arbeit gestört zu werden. 
Die geringste Abweichung von der richtigen Linie fällt auf 
und reizt zur Kritik, und deshalb ist ein gut eingearbeiteter 
Kantenstecher eine stets geschätzte Arbeitskraft. Vor einem 
leider oft angewandten Hilfsmittel, den Eisenkanten, möchte 
ich warnen ; sie mögen wohl praktisch sein und viel Arbeit 
ersparen, aber in den Park gehören sie nicht. Ganz ab- 
gesehen davon, daß hinstürzende Kinder und Erwachsene 
sich recht empfindlich an den scharfen Kanten verletzen 
können, wirken sie schon durch das bloße Darauftreten ab- 
stoßend und unnatürlich; mit dem weichen natürlichen Rasen 
haben diese toten und harten Kanten nichts zu schaffen. 
Wenn man sie bei Stadtplätzen. Hofanlagen und Verkehrs- 
wegen aus rein praktischen Gründen verwendet, mag es, da 
sie hier meist im Verein mit gepflasterten Wegen verwendet 



i 



XXL 



Die Garte aweit. 



81 



werden, geschehen, aber im Park sollte man sie für immer 
streichen. 

Auf die Herstellung und Auswahl der Wegeschüttung, 
deren große Bedeutung gewiß nicht zu verkennen ist, will 
ich hier nicht eingehen und nur noch erwähnen, daß nach 
meinen Erfahrungen die Kohlenschlackenschüttung die beste 
ist. Wenn Kohlenschlacken richtig geschüttet und gut gerammt 
werden, ist der Weg stets gleichmäßig, immer trocken und 
selbst nach starkem Frost durchaus durchlässig. Seine scharf- 
kantige, zerrissene Struktur, deren Teile zackig ineinander 
greifen, geben dem Weg eine große und lang anhaltende 
Elastizität, was im Gegensatz zu den Klamotten, die neben- 
bei die Feuchtigkeit leicht aufsaugen und dann bei Frost 
wie Hühneraugen aus dem Boden treten, ein nicht zu unter- 
schätzender Vorteil ist. Auch kann man durch die feine 
Schlacke, den als letzte Schicht aufzutragenden, oft zu hellen 
Kies dunkler färben und sogar den schauerlich-schönen Gold- 
kies verwenden. 

Wir sehen also, einen wie außerordentlich großen Wert 
der Weg für den Menschen hat, und in wie enger Beziehung 
er als zuverlässiger Führer und treuer Begleiter zu ihm steht, 
und wie der Landschaftsgärtner in richtiger Ausnützung dieser 
seiner Vorzüge viel Gutes und Schönes schaffen kann. 

Zu Anfang meiner Ausführung habe ich von der Phantasie 
der Kindesseele gesprochen, der durch die Macht der Sehn- 
sucht Flügel wachsen, um jauchzend in die Ferne zu fliegen. 
Ich möchte hier nun nicht als Phantast erscheinen, und will 
für diejenigen, die solches oder ähnliches nicht erlebt haben, 
nachstehende Geschichte erzählen. Als Schüler besuchte ich 
in den Sommerferien ein im Holsteinschen liegendes Gut 
eines Verwandten. Auf diesem Gute führte eine alte Buchen- 
allee vom Hause ins freie Feld. Diese Allee hatte früher 
auf die Landstraße geführt, die Landstraße wurde aber 
infolge einer neu angelegten Kreischaussee überflüssig und 
mit als Acker benutzt. Infolgedessen wurde diese Allee nur 
selten, fast nur zur Zeit der Ernte und während der Bestell- 
zeit betreten, sonst lag sie still und abseits. Die Baum- 
kronen dieser alten Buchen waren so mächtig und schlössen 
sich, bis zur Erde neigend, so dicht zusammen, daß fast kein 
Sonnenstrahl hindurchdringen konnte. Es lag demzufolge 
unter diesem Blätterdom ein stilles, verträumtes Dämmerlicht, 
und nur vom Ausgang leuchtete das hellbeschienene Kornfeld 
hinein. Diese feierliche Ruhe schien selbst die Tiere zu 
beherrschen, und der Buchfink ließ seinen sonst so kecken 
Ruf nur leise und gedämpft erklingen, und die vorbei- 
huschenden Kaninchen schienen noch ängstlicher jedes Rascheln 
zu vermeiden. 

Wenn ich in diese Allee trat und die in Kirchenstille 
daliegende Buchenhalle entlang sah, dann wurde mein Kinder- 
gemüt so ergriffen, daß ich glaubte, ich würde vom Boden 
gehoben und flöge durch die dunkle lange Baumreihe hinein 
in das Licht, in das Sonnengold. 

Das sind Lichtpunkte im Alltagsgrau unseres Lebens, 
selten wie Edelsteine, und wir sollen sie hüten und schützen 
wie ein Kleinod, denn wir zehren unser ganzes Leben davon. 

V. Cornils, Buch i. d. Mark. 



Gärtnerisches Unterrichtswesen. 



Bericht der Kgl. Gärtnerlehranstalt Dahlem über die 
Kriegsjahre 1914 15. Herausgegeben von Th. Echtermeyer, 
Kgl. Landesökonomierat. 



Der Bericht über die Kriegsjahre 1914/15 der Proskauer Lehr- 
anstalt ist in Nr. 4 der „Gartenwelt" veröffentlicht worden. Aus 
Hiesem Bericht ist zu ersehen, mit welchen Schwierigkeiten die 
höheren staatlichen Gärtnerlehranstalten infolge der Kriegslage zu 
l^ämpfen haben. Nicht minder groß wie in Proskau sind diese 
Schwierigkeiten auch in Dahlem, wie aus dem kürzlich im Verlage 
von Paul Parey erschienenen Bericht (Preis 4 M) hervorgeht. In 
den ersten beiden Kriegsjahren sind allein 33 ehemalige Hörer 
der Dahlemer Anstalt vor dem Feinde gefallen. Bei Ausbruch 
des Krieges war die Anstalt von 85 Hörern und Hospitanten 
besucht, die zum größten Teil Einberufungsbefehl erhielten, ein 
weiterer Teil stellte sich freiwillig zum Heeresdienst, so daß der 
Anstalt für alle Lehrgänge nur noch 26 Hörer und Hospitanten, 
die sich aus zum Heeresdienst untauglichen zusammensetzten, ver- 
blieben. Die für August festgesetzten Abgangsprüfungen mußten 
ausfallen ; den Hörern wurden Abgangszeugnisse auf Grund ihrer 
Klassenleislung erteilt. Im Wintersemester 1914 15 begann der 
Unterricht im allgemeinen Lehrgang mit 5, in den höheren Lehr- 
gängen mit 12 Hörern. Infolge weilerer Einberufungen mußte 
mit Ende des Wintersemesters 1914/15 der Unterricht im allge- 
meinen Lehrgang eingestellt werden, während der Unterricht in 
den höheren Lehrgängen bis zur Abgangsprüfung Ende Juli 1915 
fortgesetzt wurde. Neue Anmeldungen für den zweijährigen Lehr- 
gang lagen zum 1. Oktober 1915 nicht vor, weshalb die Anstalt 
für die höheren Lehrgänge geschlossen wurde. Die Anstalt blieb 
aber weiter tätig, indem Sonderlehrgänge in größerem Umfange 
fortgesetzt wurden. Auch in den technischen Betrieben, besonders 
in der Obst- und Gemüseverwertungsstation, wurde mit großem 
Eifer weitergearbeitet. Vom 20. — 25. März 1916 fand ein Lehr- 
gang für Kriegsinvaliden statt. 

An Stelle des im Felde befindlichen Geheimen Oberregierungs- 
rats Oldenburg hat der Geheime Regierungsrat Kreutz die Geschäfte 
als stellvertretender Referent des Landwirtschaftsministers über- 
nommen. Aus dem Lehrkörper ist Gartenbaudirektor Willy Lange 
am 1. April 1915 aus Gesundheitsrücksichten mit der gesetzlichen 
Pension zurückgetreten. Die Anstalt hat mit ihm einen hoch- 
geschätzten Lehrer verloren. Zu gleicher Zeit wurde der staatlich 
dipl. Gartenmeister Weinhausen zum etatsmäßigen Gartenbaulehrer 
und Vorstand des gärtnerischen Lehrganges für Pflanzenbau ernannt. 
Professor Mielke wirkt seit dem 1. April 1915 im Nebenamt als 
Lehrer für den Unterricht in landschaftlicher Naturkunde. 

Der vorliegende Jahresbericht enthält eingehende Mitteilungen 
über den Kursus für Kriegsinvaliden, durch welchen die Klein- 
siedelungen besondere Förderung erfahren sollen. — Es folgen 
dann die Abgangsprüfungen, die Uebersicht über die Lehrgänge, 
auf die wir hier Raummangels halber nicht eingehen können. Im 
Berichtsjahre wurden auch verschiedene Neubauten, namentlich solche 
von Gewächshäusern ausgeführt, die wir auf den Seiten 77 — 79 im 
Bilde vorführen, daneben der Neubau eines Obstkühlhauses. Ueber 
die Tätigkeit der Anstalt auf den Gebieten der Obsttreiberei, 
Gewächshauskultur, des Gartenbaues, des Obstbaues, des Gemüse- 
baues und der Gemüsetreiberei wird in besonderen kurzen Ab- 
schnitten Bericht erstattet. Eine besondere Abteilung des Anstalts- 
grundstückes dient züchterischen Versuchen , als deren erstes 
Ergebnis zwei neue Erdbeersorten in den Handel gelangten, die 
Sorten Gruß aus Dahlem und Frau Direktor Echtermeyer, über 
welche der Direktor der Anstalt bereits früher in Wort und Bild 
in der „Gärtenwelt" berichtet hat. 

Der Kriegslage entsprechend, nahm die Obst- und Gemüse- 
verwertung einen breiten Raum im Arbeitsprogramm der Anstalt 
ein. Hierüber werden im vorliegenden Bericht eingehende Angaben 
gemacht, die eine Fülle vorzüglicher Rezepte einschließen. Auch 
die wissenschaftlichen Institute haben eine umfangreiche Tätigkeit 
entfaltet, auf die hier näher einzugehen es leider an Raum fehlt. 

Wir empfehlen jedem, der sich dafür interessiert, die Anschaffung 
des vorliegenden Berichtes. Er enthält als besonderen Anhang 
ein Verzeichnis der Kriegsteilnehmer aus dem Kreise ehemaliger 
Hörer der Anstalt, das etwa 250 Namen umfaßt. M. H. 



\ 



82 



Die li arteiiwelt. 



XXI, 7 



Zeit- und Streitfragen. 

Begrenzte Bestrebungen. Das größte und höchste zu leisten, 
das lag von Anfang an im Dichten und Trachten der Menschen. 
Sie wollten einen Turm bauen, dessen Spitze an den Himmel 
reichte. Aehnliches wollten einzelne immer wieder. Sie strebten 
die Weltherrschaft an ; sie wollten Gold machen ; sie wollten wer 
weiß was alles, bis sie endlich den Weltfrieden sichern wollten, 
alles Türme, deren Spitzen bis an den Himmel reichen, aber Gott 
sorgte, daß dies nicht geschah. Wir pflegen heute bildlich zu 
sagen, Gott wehrt jedem Baum, daß er nicht in den Himmel 
wächst. Er benutzte das Mittel der Sprachenverwirrung, die uns 
heute noch zu schaffen macht. Wir wollen jetzt den Turm der 
Sprachenreinigung bauen, aber auch der wird nie bis an den 
Himmel reichen, denn schon jetzt flaut die „Baulusl" ab, wie ein 
Blick in alle Blätter beweist. Die Gelehrten können diesen Weg 
auf die Dauer gar nicht betreten, das ist ja gegen alles Her- 
kommen; „sie akzeptieren prinzipiell kein Fremdwort", damit ist 
alles gesagt, und wenn unsere Feldgrauen heimkommen, die so 
viele Fremdausdrücke gelernt haben, dann gehts erst recht von 
neuem los. 

Wir Gärtner können uns von den uns in Fleisch und Blut 
übergegangenen Fremdausdrücken ebenfalls nicht losmachen. Wie 
gesagt, die Gelehrten machen es uns vor, und wer ahmt ihnen 
nicht gerne nach ? 

Vor dem Kriege schickte ich einen ins Gelehrte schießenden 
Fachartikel an ein wissenschaftliches Blatt, er wurde angenommen, 
aber meine gut deutsche Ausdrucksweise mußte der Gelehrlen- 
sprache mit der Begründung weichen, daß dies eben für ein 
wissenschaftliches Blatt notwendig sei. Ehrfürchtig sah ich dies 
ein und mit Gefühlen, die ich nicht verrate, sah ich nachher 
meinen Namen unter dem schwungvoll durch viele Fremdwörter 
ins Gelehrte übersetzten Artikel. Ich hatte mal wieder etwas 
gelernt, aber da kam der Krieg und schnell mußte ich wieder 
umlernen. Wie die wissenschaftlichen Zeitschriften zur Zeit des 
nationalen Aufschwunges, am Anfang des Krieges es mit den 
Fremdausdrücken eigentlich hielten, das weiß ich nicht, aber unsere 
führenden Gartenzeitschriften vermieden schon lange vor dem 
Kriege jedes „entbehrliche" Fremdwort. Daß manche wirklich 
schwer entbehrlich sind, hat man inzwischen eingesehen. Der 
Turm des Nationalgefühls hat auch seine Maße, wir wollten, daß 
seine Spitze bis an den Himmel reiche, aber wir solllen ihn lieber 
mehr in die Breite bauen, damit er fester steht. Wir Gärtner 
beschneiden auch viele unserer Gewächse, wenn sie Miene machen 
„spillerig" in den Himmel zu wachsen. 

Selbstbewußt wollen wir nicht mehr nach dem Ausländischen 
schielen, nur weil es ausländisch ist, aber das Gute wollen wir 
auch fernerhin da nehmen, wo es zu haben ist. Eine chinesische 
Mauer aufrichten bringt keinen Segen. An einen ewigen Frieden 
auf Erden wollen wir nicht mehr glauben, denn wir sollten nun 
wissen, was bei allen Friedensschalmeien und Konferenzen heraus- 
kommt. Trotzdem wollen wir uns aber merken, was berufene 
Federn über die Gärtner im Auslande Nachteiliges berichteten. 
Wir werden nach wie vor zu unsern Feinden stehen, wie viele 
erfolgreiche Unternehmer zu ihren Neidern ; sie können Tüchtigere 
bewundern, aber nicht lieben, und sind erfreut, wenn sie ihnen 
gründlich das Wasser abgraben können. Darum heißt es, gerüstet 
sein. Wir Gärtner haben zunächst die Aufgabe, im Innern niit- 
zurüsten. Wir tun dies, indem wir lernen unsere Kulturen auf 
der Höhe halten, Kollegialität pflegen und unsere Arbeitskräfte 
gut behandeln und bezahlen, wobei ich auf den diesbezüglidien 
Artikel des Herrn Hesdörffer in Nr. 48 des vorigen Jahrgangs 
hinweisen möchte, durch den unser verehrter Herr Schriftleiter sich 
gewiß erneut viel Liebe erworben hat. „Der aufgeregte Marquis" 
(Nr. 50, Seite 599 des vorigen Jahrgangs) lieferte dann den Beweis, 
daß das Thema immer noch zeitgemäß ist, hier also noch weiter 
gebaut werden kann. F. Steinemann. 



Fragen und Antworten. 

Beantwortung der Frage Nr. 999. Kann man feuchte Luft- 
liebende Kakteen, z. B. Rhipsalh und Phyllocactus, zusammen mit 
Orchideen in einem Hause kultivieren? 

Die Frage dürfte richtig genommen schon mit einem einfachen 
„ja" beantwortet sein. Doch klingt sie mir etwas laienhaft und 
ich muß daher annehmen, daß dem Fragesteller mit einem Worte 
allein nicht gedient sein kann. Folgendes mitzuteilen ist daher 
wohl angebracht. 

Sehr wohl können die beiden oben genannten Gattungen zu- 
sammen mit Orchideen in einem Hause gepflegt werden, sind 
doch letztere in gleich hohem Maße feuchter Luft bedürftig. Doch 
sei folgendes beachtet: Rhipsalideen entstammen zum größten 
Teile dem tropischen Amerika und dürfen daher nur mit Orchideen 
des Warmhauses zusammen gehalten werden. Phyllokakteen sind 
dagegen je nach ihrer engeren Heimat im Wärmebedürfnis ver- 
schieden. Die in Mexiko gefundenen Arten kann man im Sommer 
sogar an geschützter Stelle im Freien pflegen und dann mit 
Orchideen des Kalthauses, wie Odontoglossum- und Masdevallia- 
Arten sowie weniger wärmebedürftigen Cypripedien, zusammen 
überwintern. Arten, deren Heimat Südbrasilien und Paraguay ist, 
beanspruchen schon etwas mehr Wärme und gedeihen im Verein 
mit den mexikanischen Laelien vortrefflich. Die schönsten typischen 
Arten von Phyllocactus entstammen den Gebieten des Amazonen- 
stromes, die ja ein tropisches Klima besitzen ; sie werden daher 
am besten mit den wärmebedürftigen Orchideen, wie den meisten 
Dendrobiiim-, Caitleya- und Kanc/a-Arten, zusammen gepflegt. Im 
letzten Jahrzehnt sind durch namhafte Züchter weniger anspruchs- 
volle P/j^/Zocac/HS-Hybr-den hervorgebracht worden, die ihre Ver- 
wandtschaft an Farbenpracht bei weitem übertreffen. Im Wärme- 
und Luftfeuchtigkeitsbedürfnis sind sie maßvoll und selbst bei 
stiefmütterlicher Behandlung noch dankbar. 

Erich Bohnert, Göttingen. 

— Da die Phyllokakteen in ihrer Heimat epiphytisch auf Bäumen 
wie auch die Orchideen wachsen, so kann man sie natürlich auch 
hier in einem Hause mit Orchideen zusammen kultivieren. Es 
darf nur hierbei nicht vergessen werden, daß die Phyllocactus, 
wie auch die Rhipsalis, im Winter nur wenig Wasser beanspruchen. 
Nicht minder gut vertragen die Phyllokakteen und Rhipsalis aber 
auch recht niedrige Wärmegrade. Zwischen 3 bis 8 " Celsius über- 
wintere ich meine Sammlung; dabei schadet es gar nichts, wenn 
die Wärme für kurze Zeit auch noch weiter zurückgeht. Je kühler 
aber die Pflanzen stehen, desto weniger Wasser dürfen sie dann 
erhalten. Im Sommer lieben alle Phyllokakteen einen halbschattigen 
Platz im Garten. Serner. 

— Dem Fragesteller kann ich empfehlen, seine Rhipsalis in die 
wärmere Abteilung des Orchideenhauses zu bringen. Ich habe 
über zwei Jahre die hiesige, etwa 50 Arten umfassende Rhipsalis- 
sammlung in einem Kulturhause, in welchem auch die wärmelieben- 
den Orchideen unlergebracht sind. Als Pflanzstoff haben wir hier eine 
Mischung von Pölypodium fasun, sphagnum und Lauberde ver- 
wendet; die Pflanzen haben sich darin sehr gut entwickelt. Ver- 
flossenen Sommer wurde eine Anzahl Rhipsalis und einige Pflanzen 
der nahe verwandten Gattungen Hariota und Lepismium im 
Nepenthushause ausgepflanzt, wozu nur Lauberde mit Zusatz von 
zerkleinerten Ziegelsteinen verwendet wurde. Auch in diesem Hause, 
das bei einer Temperatur von etwa 20 Grad Celsius immer feucht 
gehalten wird, sind die Rhipsalis gut gewachsen und haben auch 
reichlich geblüht. Auch die Phyllocactus werden sicher im Orchideen- 
hause gedeihen, nur ist darauf zu achten, daß dieselben möglichst 
viel Licht bekommen und im Winter wenig Wasser beanspruchen. 
Als Pdanzstoff würde ich eine nahrhafte, durchlässige, nicht zu 
schwere Erde empfehlen. 

Gustaf Schuback, München-Nymphenburg. 
Neue Frage Nr. 1000. Bin seit mehr als einem Jahr in einer 
Friedhofsgärtnerei beschäftigt, die sich auch mit der Kultur von 
feineren Topfpflanzen befaßt. In diesem Nebenzweige haben wir 



XXI, 7 



Die Garti'üwelt. 



•83 



sehr unter dem zahlreichen Erscheinen eines Insektes zu leiden, 
das wohl meines Erachtens nach einer Heuschreckenart angehören 
muß. Alle Mittel, die bisher zur Vernichtung desselben ange- 
wendet wurden, sind ergebnislos. Ich will nun versuchen, das 
Insekt zu schildern. Es hat die Größe einer gewöhnlichen Heu- 
schrecke. Der Kopf kurz und rundlich, mit zwei haardünnen, langen 
Fühlern versehen. Die Hinterbeine besitzen sehr starke Muskeln, 
die dem Tiere sehr große Springfähigkeit verschaffen. Am Unter- 
leib befindet sich ein Stachel, mit dem es vermutlich sein Zer 
Störungswerk vollführt, und das meist in der Nacht. Tagsüber 
habe ich es sehr oft in der Erde unmittelbar unter der Oberfläche 
vorgefunden. (Anm. der Schriftleitung. Es handelt sich wohl um 
Diestrammena marmorata. Siehe Artikel und Abbildung in Nr. 7 
des XVIII. Jahrgangs.) Unser Fangmittel ist Nachts Borax und 
Sirup und am Tage die Hand. Weiß vielleicht jemand ein wirk- 
sameres Mittel ? Ich wäre sehr dankbar für jede Auskunft. 

Neue Frage Nr. 1001. Eine Bärenhöhle, welche aus großen 
Betonblöcken fertiggestellt wurde, soll nun anstatt der grauen 
Farbe des Beton durch künstliche Mittel eine dunklere, dem 
natürlichen verwitterten Gestein ähnliche Färbung erhalten. Ich 
möchte um gefällige Auskünfte ersuchen, wie dies am besten und 
schnellsten bewerkstelligt werden kann. 

Neue Frage Nr. 1002. Soll man das Kraut bezw. die Röhren 
der Speisezwiebel gewaltsam zum Absterben bringen? Ich habe 
zwei einschlägige Bücher, in denen entgegengesetzte Meinungen 
vertreten werden. Das eine empfiehlt das Niederdrücken derselben, 
das andere rät entschieden davon ab. Was für praktische Er- 
fahrungen liegen hier vor? 

Neue Frage Nr. 1003. Wie ist Knollensellerie zu behandeln, 
um große, gute Knollen zu ernten, die wenig Faserwurzeln haben? 



Feldbau. 



Sonnenblumen- oder Mohnanbau. Der empfindliche Mangel 
an Oel ließ den berechtigten Wunsch laut werden, durch ver- 
mehrten Anbau von ölliefernden Pflanzen Abhilfe zu schaffen. 
Hierzu wurden hauptsächlich Sonnenblumen und Mohn empfohlen. 
Es wäre interessant, zu erfahren, welche Erfolge erzielt worden 
sind, und welche Pflanze die besten Ergebnisse lieferte. Allem 
Anschein nach dürfte dies mit der Sonnenblume nicht der Fall 
gewesen sein, denn abgesehen von dem nassen Som.mer verlangt 
diese Pflanze überhaupt hohe Wärme, besonders einen schönen 
Herbst. Entwickeln sich auch die einzelnen Blumen tadellos, so 
wird man doch bei ungünstigen Verhältnissen leere Körner finden. 

Seit 10 Jahren versuche ich hier Sonnenblumen anzubauen. 
Ich habe alle Sorten erprobt, dieselben in Töpfen herangezogen 
und nach den Spätfrösten ausgepflanzt, um Vogelfutter für den 
Winter zu bekommen, aber ich habe niemals reife Samen geerntet. 
Unreif, wenn die Körner noch einen milchigen Inhalt haben und 
voll sind, plünderten die Meisen die Scheiben, im Winter ließen 
sie die Körner aber liegen, da der eigentliche Kern auf Steck- 
nadeldicke zusammengeschrumpft war. Es ist genau derselbe Fall 
wie bei den Haselnüssen ; erntet man diese zu zeitig, so findet 
man später einen ärmlichen Kern. Bemerken möchte ich aller- 
dings noch, daß wir hier 450 m hoch liegen und eine mittlere 
Jahrestemperatur von 7 Grad haben. Auch das Aufbewahren und 
Trocknen der Sonnenblumenscheiben ist sehr schwierig. Nur zu 
leicht fault der fleischige Fruchtboden ; es überträgt sich dann 
schnell die Fäulnis auf die. empfindlichen Samen. Aber nicht nur 
hier, auch anderswo hat man oft ungünstige Ergebnisse erzielt. 
In einer meiner früheren Stellungen im mittleren Böhmen wurde 
ein Stück von mehreren Morgen mit Sonnenrosen bebaut. Der 
Erfolg war aber sehr gering. Alles in allem ist die Sonnenblume 
eine Pflanze, die für ungünstige Gegenden zu unsicher ist, be- 
sonders zur jetzigen Zeit, wo der Sperling in der Hand mehr 
Wert hat als die Taube auf dem Dach, wo mehr Wert auf zu- 
verlässige Kulturen gelegt werden muß. 

Anders ist es mit dem Mohn. Ich glaube entschieden, daß 



dessen Anbau selbst bei etwas unsicheren Verhältnissen lohnend 
ist. Es war dies schon vor dem Kriege der Fall, um wie viel 
mehr darf man dies jetzt erwarten, abgesehen von der vater- 
ländischen Pflicht, dem Olmangel abzuhelfen. 

Mohn habe ich hier ja nur in kleinen Verhältnissen gebaut, 
aber immer hat er einen ansehnlichen Ertrag gebracht ; sogar im 
verflossenen nassen Jahre war ich damit zufrieden. Zudem ver- 
ursacht er nicht zu viel Arbeit, da er, erst einmal im Wachstum, 
das Unkraut leicht unterdrückt, und daher die meiste Arbeit mit 
dem Verziehen, Anhäufeln und Behacken der jungen Pflanzen be- 
endet ist. Auch die Ernte ist nicht so kostspielig, wie es den 
Anschein hat, da Kinder und Frauen diese ausführen können. 
Der Mohn räumt den Boden verhältnismäßig zeitig, was für die 
Herbstbestellung von großem Vorteil ist. Es ist daher der 
Mohnanbau nur zu empfehlen, und es wird jeder auf seine Rechnung 
kommen, wenn er auch größere Flächen mit dieser Pflanze bestellt. 

Hahn. 

Nachschrift des Herausgebers. Dieser Artikel ging einen 
Tag vor Ausgabe der Nr. 4 ein, in welcher ich auf Seite 38 
meine Erfahrungen über den Anbau der Sonnenblumen zur Oel- 
gewinnung bekannt gab. Die vorstehend veröffentlichten un- 
günstigen Erfahrungen bestätigen mein Urteil. Inzwischen hat 
auch das Kriegsernährungsamt seine Erfahrungen veröffentlicht. 
Danach war der Ertrag der Sonnenblumenkerne sehr mäßig. Auf 
77 Tonnen Aussaat kamen 100 Tonnen Ernte zurück, so daß es 
fraglich erscheinen kann, ob die Mühe der Aussaat sich lohnt. 
Auch das Ergebnis der Bucheckernsammlung war dürftig. Der 
Grund lag wohl darin, daß die Bundesstaaten, die die größten 
Buchenwälder haben, die Erträge an sich herangezogen, und weiter 
darin, daß viele Sammler ihre Vorräte selbst behielten und zu 
Oel verarbeiteten. Dagegen hatte die Obstkernsammlung sehr 
gute Erfolge. Sie ergab 120 000 Tonnen Obstkerne, die 400 000 
bis 500 000 Kilogramm Oel lieferten. Der Verbleib dieses Oeles, 
nach dem auch einige Fragen laut geworden sind, erklärt sich 
durch den starken Verbrauch der Margarinefabriken, an die monat- 
lich 4000 Tonnen abgegeben werden. Die Oelmengen des Handels, 
die wegen ihres hohen Preises Aufsehen erregten, stammten aus 
der türkischen Haselnußernte und sind wohl unterdessen aus dem 
Verkehr verschwunden. Ich wiederhole meinen in Nr. 4 erteilten 
Rat, in der Gartenkultur in diesem Jahr nur Mohn zur Oel- 
gewinnung anzubauen, wenn möglich nur Schüttelmohn. 



Mannigfaltiges. 



Gärtnerische Preisverzeichnisse. 

Das Frühjahr naht. Vor mir liegt eine Menge alter und neuer 
Preisverzeichnisse gärtnerischer Firmen. Welch ein Wert von Arbeit 
und Geld steckt doch in diesen meist sauber hergestellten, oft 
recht dickleibigen Heften, welche eine große Anzahl schwarzer und 
seit neuerer Zeit auch farbiger Bilder zieren! Welch ein Wert, 
wenn man bedenkt, daß diese Verzeichnisse frei und unentgeltlich 
in Tausenden von Exemplaren hiuausgeschickt werden an Gärtner 
und Nichtgärtner. Um viele Hunderte von Mark wird ein Geschäft 
doch damit belastet. Steht dieser Wert im Verhältnis zu dem 
Nutzen, den er dem Absender bringt? Es muß doch wohl so 
sein, denn die Preisverzeichnisse werden nicht weniger, werden nicht 
kleiner, sondern im Gegenteil, wie mir scheint von Jahr zu Jahr 
größer, oft in der Absicht übertrumpfen zu wollen, reichhaltiger und 
besser in der Ausstattung. (Jetzt im Krieg etwas zurückgegangen. 
D. V.) Ist dies wirklich nötig? Könnte hier nicht gespart werden, 
auch im Interesse des Publikums, welches ja doch zu der Bezahlung 
dieser Verzeichnisse mithelfen muß? 

Wir Gärtner wissen ja gute und reiche Preisverzeichnisse zu 
würdigen und können sie nicht entbehren; wir kennen sie schon 
an Form, Farbe und Größe, welche bei den meisten Geschäften 
sich immer gleich bleiben ; ich ordne sie gleich beim Empfang in 
die verschiedenen Zweige des Gartenbaues, denn mehr und mehr 
spezialisieren sich auch die gärtnerischen Geschäfte, und nur wenige 



84 



Die Gartenwelt. 



XXI, 7 



befassen sich noch mit der Kultur aller Pflanzen. So gibt e^ 
Baumschullcataloge, solche für Staudenpflanzen, andere enthalten 
nur Kakteen-, Orchideen oder Rosen, die holländischen Blumen- 
zwiebelverzeichnisse nicht zu vergessen. 

Wohl nicht in gleicher Menge wie der Gärtner wird der Nicht- 
fachmann, der Pflanzenliebhaber mit Preisverzeichnissen beglückt; 
aber dank der käuflichen Adressen von Pfarrern, Lehrern, Guts- 
besitzern und dergl. wandern auch unzählige hinaus auf das Land 
bis in die kleinsten Ortschaften und setzen meist den glücklidien 
Empfänger in große Verlegenheit. Ja, in Verlegenheit! Denn wie 
soll er, ohne Fachkenntnisse, sich in dem Wirrwarr der vielen 
lateinischen Namen zurecht finden, wie soll er aus den nur gut 
lautenden und alles lobenden Beschreibungen der Menge von Arten 
und Abarten herausfinden, was er für sich braucht, was für ihn, 
für seine Verhältnisse, für seinen Boden geeignet ist.'' Wohl sind 
vielleicht manche Namen fett gedruckt, eine Pflanze wird besonders 
empfohlen ; ist es ihm aber zu verargen, wenn er mißtrauisch denkt, 
diese Sorte will der Verkäufer aus dem oder jenem Grunde gerne 
los sein, ist sie aber auch für mich empfehlenswert.'* 

Betrachten wir uns die Preisverzeichnisse über Gemüsesämereien 
einmal näher. Ist es denn nötig, daß l'/j hundert verschiedene 
Bohnensorten, über 50 Erbsensorten, mehr als 20 Sorten von 
Blumenkohl, weit über 40 Kopfkohlsorten, gegen 80 Kopfsalate, 
über 30 Radiessorten usw. gezogen, geerntet und angeboten werden? 
Oder bei den Blumensämereien: Wer will sich unter 200 Sommer- 
astersorten, etwa 80 Levkojensorten, einer langen Liste von Ritter- 
sporn, Mohn, Petunien, Löwenmaul u. a. heraus- und zurechtfinden? 
Was soll der Nichtkenner dieser Namen und Sorten für seinen 
Garten wählen? Er überläßt es dem Zufall und bekommt etwas, 
das ihm nicht gefällt; er überläßt die Wahl dem Lieferanten und 
wird gerne bei Mißerfolg ihn unredlichen Gebarens beschuldigen. 
Könnte hier nicht eine vernünftige Einschränkung im Interesse der 
Züchter und des Publikums stattfinden? Wären nicht von obigen 
150 Bohnensorten oder 200 Sommerastersorten die Hälfte, ja selbst 
ein Drittel noch genug, und könnten nicht die andern zwei Drittel, 
die minderwertigen, über Bord geworfen werden ? 

Nicht anders sieht es in den Baumschulverzeichnissen aus; man 
nehme sich einmal die Mühe, die vielen Aepfel-, Birnen-, Stachel- 
beeren-, Erdbeersorten und dergl. zu zählen. Könnten hiervon 
nicht auch zwei Drittel ausgemerzt werden? Zu was werden immer 
und immer wieder Normalsortimente aufgestellt, wenn die unglaub- 
lichsten, längst veralteten und als minderwertig bekannten Sorten 
liebevoll vermehrt und empfehlend im Verzeichnis angeboten werden? 
Ebenso ist es mit den Rosen. Jährlich kommen Dutzende von 
Neuheiten in den Handel. So wird die Liste immer größer, und 
'mit all dem Ballast veralteter und minderwertiger neuerer Sorten 
plagt sich der Rosenzüchter ab, nur um sie liefern zu können, wenn 
ja einmal ein Sammler nach solch einer Sorte verlangt, statt daß 
er sagt : Die Sorte taugt nichts, ich habe sie ausgemerzt. 

Es wäre gewiß kein Schade, wenn so überall vermindert würde; 
der Züchter hätte weniger Arbeit, sein Preisverzeichnis würde dünner 
und billiger, dabei aber übersichtlicher, und das kaufende Publikum 
könnte sich leichter zurechtfinden und hätte bei kleinerer Wahl 
kleinere Qual. 

Und nun das Lesen und Verstehen dieser Preisverzeichnisse! 
Man gehe einmal aufs Land zu einem Anfänger im Gartenfach, ja 
selbst zu einem fortgeschrittenen Gartenfreund. Was fängt er mit 
solch einem dickleibigen Ding an? Böhmische Dörfer sind ihm die 
meisten Namen. Wohl haben viele Preisverzeichnisse den deutschen 
Namen, sogar noch ein Bild dazu gesetzt, was sagen erstere aber 
oft? Entweder sind es Lokalbezeichnungen oder nichtssagende 
Uebersetzungen des lateinischen Namens; der Laie kennt sie nicht. 
Und die Bilder? Manche gut, manche aber auch recht schlecht 
und der Natur nicht entsprechend. Könnte da nicht auch eine 
Einschränkung stattfinden? Könnten nicht recht viele der einjährigen 
und mehrjährigen Pflanzen füglich wegbleiben? Kann der Züchter 
mit gutem Gewissen sie alle dem Laien empfehlen? Soll das 
Verzeichnis botanischen oder praktischen Wert haben ? 

Der Samenzüchter, der mit dem Publikum arbeitet, kennt dessen 



Geschmack und Liebhaberei, dem sollte er in der Weise Rechnung 
tragen, daß er zu Anfang oder am Ende des Verzeichnisses eine 
Liste der meistbegehrten und gangbarsten Gartenpflanzen bringt, 
für den kleinen Hausgarten zusammengestellt, also nicht von ihm 
zusammengestellte Sortimente zu so und so viel Portionen. So 
auch könnte ein kurzes Verzeichnis beliebtester und für alle Gärten 
empfehlenswertester Gemüsesorten und das Normalsortiment in Obst 
besonders aufgeführt werden. Wer Feinschmecker auch bezüglich 
der Blütenpflanzen ist, der kann sich dann im Hauptverzeichnis 
immer noch einen Nachtisch zusammenstellen. 

Die Klagen vieler Gartenfreunde ließen mich diesen Vorschlag 
machen ; durchführbar wäre er, ob es geschieht — ich weiß es 
nicht. Graebener. 

Tagesgeschichte. 

Berlin-Wilmersdorf. Der hiesige Magistrat hat Höchstpreise 
für Kleingärten festgesetzt. Danach darf der Pachtpreis für den 
reinen Gemüse- und Kartoffelbau im Kleingartenbetriebe in Berlin- 
Wilmersdorf nicht übersteigen: für Kulturland 12 Pfg. für 1 qm 
und Jahr, für Brachland 6 Pfg. für 1 qm und Jahr. 

Naturschutzgebiet Kerspetalsperre. Das Gebiet der Barmer 
Kerspetalsperre, das 2000 Morgen umfaßt, ist als Naturschutz- 
gebiet erklärt worden. Es enthält Mischwald mit eingesprengten 
Rodungen und kleinen Wiesentälern. Vertreten sind darin Fichten, 
Kiefern, Wacholder, Rotbuchen, Birken, Eichen, Eschen, Erlen, 
vereinzelt Stechpalmen, Holunder, Schneeball, wilde Kirsche und 
Geißblatt. Aller Voraussicht nach wird sich das Naturschutzgebiet 
Kerspetalsperre in ein Vogelparadies von außerordentlichem Reich- 
tum verwandeln. Wegen des Moosreichtums ist auch von der 
niederen Tier- und Pflanzenwelt viel Gutes zu erwarten. 



Personalnachrichten. 
Gärtner in Waffen. 

Schipper, Hofgärtner in Cronberg a. T., zzt. im Militärdienst, 
wurde zum Oberbootsmannsmaat d. Marine-Feldjägerabt. befördert. 

Gefr. Curt Reiter, Obergärtner, langjähriger Mitarbeiter der 
„Gartenwelt", Verfasser von „DiePraxis der Schnittblumengärtnerei", 
wurde die Sachs. Friedrich Augustmedaille am Kriegsbande verliehen. 

Zebblin, Friedr., Offiziersstellvertreter, Gartentechniker bei 
der städt. Gartenverwaltung in Oppeln, seit Kriegsbeginn im 
Felde, Ritter des Eis. Kreuzes, ehem. Proskauer, wurde zum 
Leutnant d. Res. befördert. 

Der Deutsche Gärtnerverband gibt die Verleihung des Eisernen 
Kreuzes an seine nachgen. Mitglieder bekannt: van den Boom, 
Düsseldorf; Paul Hamann, Berlin; C. Wilde, Düsseldorf. 

Der Verband der Handelsgärtner Deutschlands gibt den Helden- 
tod seiner Mitglieder Heinr. Mahlke, Neustettin, und Gustav 

Schleiffer, Vetschau, bekannt. 

* * 

* 

Kramer, Emil, Gärtnereibesitzer und Stadtverordneten-Vor- 
steher in Marienberg i. S., "j" am 29. Januar. 



Briefkasten der Schriftleitung. 

Ein dankbarer Abonnent der „Gartenwelt" hat dem Heraus- 
geber den Betrag für ein Jahresabonnement übermittelt, mit 
welchem einem würdigen, mittellosen Lehrling eine Freude bereitet 
werden soll. Wir bitten Lehrherren, uns geeignete Bewerber 
namhaft zu machen. Bei mehreren berücksichtigungswerten Mel- 
dungen soll das Los entscheiden. Der Stifter, dem wir hiermit 
herzlichen Dank sagen, schreibt uns : „Ich kann mit gutem Ge- 
wissen sagen, stets ein eifriger, stiller Arbeiter für die „Garten- 
welt" gewesen zu sein, auch während meiner Wanderjahre und 
Reisen manchen Abonnenten geworben zu haben, denn ein Unter- 
nehmen, wie das Ihrige, bringt so manchen Segen und stets frische 
geistige Anregung. Wenn dem durch meine Spende bedachten 
Lehrling die „Gartenwelt" nur den zehnten Teil der Anregung 
und Belehrung bringt wie mir, so ist mein Zweck erreicht." 



Berlin SW. 11, Hedemannstr. 10. Für die Redaktien verantwortl. Max HesdörSer. Verl. von PaulParey. Druck : Anh. Buehdr. Gutenberg, G. Zichäus, Deuan. 



Illustrierte Wochenschrift für den gesamten Gartenbau. 



Jahrgang XXI. 



23. Februar 1917. 



Nr. 8. 



Nachdruck und Nadibildung aus dem Inhalte dieser Zeitschrift werden strafrechtlidi verfolgt. 



Gehölze. 



Magnolia tripetala Linne. 



(Hierzu eine Abbildung nach einer vom Verfasser für die „Garten- 
welt" gefertigten Aufnahme.) 

In ihrer Wüchsigkeit und beträchtlichen Winterhärte ist 
diese Magnolie für viele Gebiete Deutschlands ein recht be- 
achtenswerter Parkbaum. Nicht nur, daß die zahlreichen und 
großen Blüten dem Baume eine besondere Zierde verleihen, 
auch die große, reichliche Belaubung ist an und für sich 
schon recht auffallend und ein Schmuck des Baumes während 
der ganzen Wachstumszeit. Heimisdi ist diese Art in den 
südöstlichen Staaten Nordamerikas, hauptsächlich in West- 
Virginia, Kentucky, Jennessee und Alabama. Sie formt auf 
mäßig hohem Stamm oder auch bald über der Wurzel ver- 
ästelt, etwas sparrige, ausgebreitet verästelte Kronen, die 
bis 10 m Höhe, unter günstigen Verhältnissen aber auch 
noch mehr erreichen. Der Wuchs 
ist kräftig und gesund; im 
jugendlichen Zustande haben 
die ziemlich starken, kahlen 
Triebe eine dunkle, bräunliche 
Färbung; ältere Aeste sind mit 
ziemlich glatter, hellgrauer Rinde 
bekleidet. Ein ziemlich charak- 
teristisches Zeichen dieser Mag- 
nolie ist, daß ihre Belaubung 
gewöhnlich mehr oder weniger 
am Triebende gehäuft steht, 
was einen schirmartigen Ein- 
druck erweckt ; aus diesem 
Grunde wird sie auch Schirm- 
magnolie genannt. Sie erhielt 
von einem Botaniker daher eine 
darauf bezügliche Bezeichnung, 
denn ein Synonym zu M. tripe- 
tala L. ist bekanntlich M. um- 
brella Lamark. Im Durchschnitt 
erreichen die elliptischen, beider- 
ends spitz auslaufenden Blätter 
eine Länge von gut 20 — 40 cm, 
bei etwa halb so großer Breite. 
Ueppige Langtriebe dagegen 
tragen oft Blätter von etwa 
60 cm Länge und mehr. Der 
Stiel ist sehr kurz , kaum 2 — 3 cm 

Gartenwelt XXI. 



lang. Oberseits ist die Färbung ein frisches, helles Grün, 
das leicht gelb getönt ist, und von dem die hellere, fast 
weißliche Mittelrippe lebhaft absticht. Die Färbung der Blatt- 
unterseite ist ein weit blasseres, fast weißliches Grün. 

Recht zahlreich bilden sich endständig der Kurztriebe die 
ansehnlich großen Blüten, deren Form aus der Abbildung gut 
ersichtlich ist. Die einzelnen Blütenblättchen erreichen bis 12 cm 
Länge ; sie sind von derber, fleischiger Beschaffenheit und 
von milchweißer Färbung. Die drei äußeren, beträchtlich 
schmäleren Blütenblättchen sind etwas grünlich getönt, be- 
sonders im Aufblühen. Inmitten der Blüte stehen um den 
Fruchtknoten gehäuft recht zahlreiche, aber ziemlich kleine 
Staubblättchen, die leicht hinfällig sind. Ist auch die Halt- 
barkeit der einzelnen Blüte keine besonders große, so ist 
doch der Baum recht lange mit Blüten geschmückt, denn 



OAIVr tl* BW 



-<^ 




Magnolia tripetala. 



86 



Die r; a rtenwelt. 



XXI, 8 



das Erblühen derselben geht ziemlich langsam vor sich. 
Während sich die zuerst erblühenden schon im Mai öffnen, 
kommen aber die letzten meist erst im Juli zur Entwicklung. 
Aus diesem Grunde mag sich wohl die reichliche Bildung 
der Fruchtstände erklären. Denn je länger die Blütezeit 
eines Gewächses anhält, desto mehr ist die Möglichkeit der 
Befruchtung gegeben. Die zapfenartigen Fruchtstände, die 
bis reichlich 10 cm lang und etwa halb so breit werddn, 
nehmen zur Reifezeit, im Laufe des Hochsommers und Früh- 
herbstes eine schöne leuchtendrote Färbung an ; auch die 
später aus den geöffneten Zapfen heraustretenden und an 
dünnen Fäden herabhängenden, ziemlich großen Samen sind 
lebhaft rot gefärbt. Ein Strauch oder auch Baum ist im 
Schmuck seiner Fruchtstände eine ganz eigenartige, zierende 
Erscheinung. Unbestreitbar ist, daß diese Magnolie sowohl 
in ihrer Belaubung, als auch in ihrer Blüte und in ihren 
Fruchtständen recht wertvolle Eigenschaften eines wirklich 
empfehlenswerten Ziergehölzes besitzt. 

Auf heimischem Standort bevorzugt M. tripetala etwas 
feuchte Lagen an Abhängen, an Flußläufen und auch in 
lichten Bergwäldern. In 
Kultur sah ich sie im 
Seeklima, in etwasfeuch- 
tem, anmoorigem Boden 
in guter Ausbildung. Da 
ihre Winterhärte recht 
beträchtlich ist, kann sie 
aber auch in vielen Ge- 
bieten des mittleren 
Deutschlands erfolgreich 
kultiviert werden, so- 
fern man ihr einen 
einigermaßen geschütz- 
ten Standort gibt, auch 
in der Jugend einen 
angemessenen Winter- 
schutz nicht vergißt. In 
tiefgründigem, frischem 
Humusboden ist ihre 
Entwicklung eine recht 
freudige, so daß sie 
schon in verhältnismäßig 
wenig Jahren eine ganz 
stattliche Größe erreicht. 
Aus diesem Grunde ist 
sie für allzu kleine 
Gärten nicht geeignet, 
desto mehr aber für größere Anlagen. Hier, in Einzel- 
stellung frei im Rasen stehend, wird eine gut ausgebildete 
M. tripetala niemals ihre Wirkung verfehlen. Sie bildet mit 
der im Alter weit ausladenden Krone, mit ihrer großen, wuch- 
tigen Belaubung einen festen Punkt im Garten und beherrscht 
dadurch sozusagen ihre ganze nächste Umgebung. Die Haupt- 
sache zu gutem Gedeihen ist, ihr einen recht sonnigen Stand- 
ort zu geben. Denn je sonniger derselbe ist, desto besser und 
früher reift ihr Holz im Hochsommer aus und desto sicherer 
kommt dann der Baum durch den Winter. Ertrotzt dann auch 
bedeutenden Kältegraden. Viele derartige Gehölze leiden 
in unseren Gärten hauptsächlich durch die Folgen ihres un- 
günstigen Standortes. Schattige Lagen, im Druck hoher, 
alter Bäume, womöglich noch mit nassem Untergrund, das 
sind alles Ursachen, die das freudige Wachstum sonst an 



und für sich robuster, wüchsiger Gehölze unmöglich machen. 
Die Anzucht von M. tripetala geht durch Aussaat leicht vor 
sich. Auch hier in Deutschland geerntete Samen erlangen 
gewöhnlich eine sehr gute Keimfähigkeit. Im übrigen läßt 
das weitere Wachstum der jungen Sämlinge nichts zu 
wünschen übrig. Kache. 

Stauden. 




Arenaria montana. 

Nach einer für die „Gartenwelt" gefertigten Aufnahme. 



Arenaria montana L., das Bergsandkraut. Das Berg- 
sandkraiit der Pyrenäen und spanischen Gebirge ist wohl das an- 
sehnlichste und wertvollste der Gattung. Wie ein weithin leuch- 
tender Schneefleck inmitten buntesten Frühsommerflors nimmt es 
sich aus, wenn es seine großen unschuldsweißen Blumenaugen auf- 
tut, nahezu die größten, sicher aber die reinsten im Vergleich mit 
ihren Geschwistern, die es darum an Zierwert bedeutend über- 
ragt. Selbst das „großblumige" Sandkraut, Arenaria grandiflora 
All., nicht ausgeschlossen, das schon durch seinen bedeutend höher 
strebenden Wuchs an Reiz einbüßt; gar nicht zu reden von den 
kleinblumigeren, aber immerhin sehr liebenswerten Zwergarten 
A. Huteri Kern., A. tctraquetra L. u.a.m. 

Kurz vor der Sonnen- 
wende beginnt sich unser 
Kleinchen in seinen schnee- 
igen Flor zu hüllen, der 
so dicht und massig den 
weitschweifig lockeren 
Rasen bedeckt, daß nur 
vereinzelt da und dort 
eines der zugespitzt lan- 
zettlich belaubten, schwach 
flaumhaarigen Triebchen 
neugierig hervorschaut. 
Die einzeln ganz kurz ge- 
stielt aus den Blattwinkeln 
kommenden Blüten sind 
aus breiteiförmigen, in 
eine Spitze zusammen- 
gezogenen Blättchen ge- 
bildet, die den Kelch sehr 
erheblich überragen und 
sich nach dem Verblühen 
zurückschlagen. Bei trocke- 
nem Wetter hält der auf- 
fallend liebliche Flor 
mehrere Wochen an; unser 
Bild zeigt ihn leider schon 
in der dritten Woche, in 
der sein Höchstreiz längst 
überschritten war, gibt 
aber immerhin noch eine 
schwache' Vorstellung von dem blendenden Atlasglanz der reichen 
Fülle reinweißer, edelgeformter Blumen. 

Am vorteilhaftesten nimmt sich unsere Bergschöne aus, wenn 
sie, einem Wassersturz gleich, ihre weit umherschweifende, dunkel- 
grüne Sproßfülle über schräg geneigte Felsblöcke fluten lassen 
kann ; dann ist sie — zumal neben brennenden Nelken, innig- 
blauen Zwergglockenblumen, gelben Steinkrautrasen usw. — von 
blendendstem Reiz und nimmt jedes Herz gefangen. 

Wer es erst einmal erfahren hat, wie leicht mit ihr umzugehen 
ist, wie unverwüstlich sie sich einnistet und wie fürsorglich sie 
die reichlich reifenden Samen wieder in die Falten ihres lockeren 
Kleides streut, um sich stetig zu verdichten, zu verjüngen und 
reicher aufzuputzen, läßt sie nicht mehr aus dem Auge und 
dem Sinn. 

Der aufmerksame Pfleger kürzt die wildesten Sprosse größerer 
Polsterrasen nach der Blüte etwas ein und läßt im Herbst leichte, 



XXI, 8 



Die G a. (■ t e u w e 1 1. 



87 



steinige Erde dazwischen rieseln, um ihr neue Kraft fürs nächste 
Jahr zu sichern. In lockerem, sehr durchlässigem, sandreichem 
Boden gedeiht sie in allen freien Sonnenlagen leicht und sicher; 
durch Saat, Teilung oder Stecklinge ist sie ins Unendliche zu 
vermehren ; im Winter schützt sie ein Tannenreis vor Witterungs- 
schäden. E. Wocke in OUva. 



Kakteen und Fettgewächse. 
Mamillarien. 

Von A. Oertel, Inspektor des Botanischen Gartens, Halle a. d. S. 

(Hierzu vier Abbildungen nach für die „Garlenwelt" gefertigten 

Aufnahmen.) 

Zu unseren beliebtesten und dankbarsten Zimmerkakteen 
dürfen die Mamillarien in erster Linie gerechnet werden. 
Wir finden unter ihnen die verschiedensten Arten und Formen, 
auch werden sie wegen ihres leichten, willigen Blühens mit 
Vorliebe gepflegt. 

Die Heimat der Mamillarien ist hauptsächlich Mexiko, 
wo sie vereinigt große Polster und Rasenflächen bilden. Der 
Körper ist ohne Ausnahme mit sehr verschiedenen Warzen 
bedeckt, welche in Schrägzeilen angeordnet sind, auch ist 
eine Bewaffnung mit Stacheln fast stets vorhanden. Die 
Blüten treten aus den Axillen oder nahe bei denselben 
hervor, niemals erscheinen sie aus den Ariolen. Die Blüten- 
hülle ist meist kurz und trichterförmig. Mit Ausnahme ver- 
schiedener weißer Arten, welche mit einem dichten Wollfilz 
belegt sind und mehr trockenen, kalkhaltigen Boden lieben, 
verlangen die Mamillarien durchweg mäßige Feuchtigkeit und 
etwas gebrochenes Sonnenlicht, um recht gut zu gedeihen. 

Mamillaria chapinensis Eichlam et Quehl, M. celsiana 
Lam, M. Eichlamii Quehl, M. pseudoperbella Quehl sind 
Arten, welche häufiger in Kultur angetroffen werden. 





Mamillaria pseudoperbella. 

Palmen. 




Mamillaria chapinensis. 



Rhopalostylis. 

Von Alwin Berger. 
Als Areca (oder Kentia) sapida und Areca (oder Kentia) 
Bauen besitzen wir in unseren Gärten seit langen Jahren 
zwei vorzügliche Palmen, die an Schönheit hinter keiner 
anderen zurückstehen und dabei den Vorteil voraus haben, 
daß sie keine hohen Wärmegrade erfordern, sondern in ge- 
mäßigt warmen oder kalten Gewächshäusern die nötigen 
Bedingungen zu ihrem Gedeihen finden. 

Diese beiden Schwesterarten gehören zu den Arecineen, 
deren zahlreiche Gattungen keineswegs leicht auseinander 
zu halten sind. Auch die vor kurzem besprochenen Ar- 
chontophoenix und Ptychosperma gehören hierher. Mit 
der wachsenden Kenntnis der Gattungen sind auch die 
Namen dieser Palmen dem Wechsel unterworfen, nur in 
der konservativen Praxis des Gartenbaues haben sich die 
alten, einmal eingebürgerten und von jedermann verstan- 
denen Namen erhalten. Es liegt auch kein Grund vor, 
diese alten Namen aus dem Gebrauch zu entfernen, auch 
wenn wir wissen, daß sie nicht mehr zutreffend sind. 
Gegenwärtig werden in botanischen Werken diese beiden 
Palmen unter Kentia und unter Rhopalostylis geführt. Nach 
. meinem Dafürhalten ist es richtiger, sie als eine beson- 
dere, von Kentia abweichende Gattung /?Äo/ja/os(i//fi (Keulen- 
stempel), die Wendland und Drude aufgestellt haben, zu 
führen. 

Als junge Pflanzen sind sie merkwürdig durch den 
auch bei Sabal vorkommenden, wie ein Krebsschwanz 
über den Boden sich erhebenden und von Wurzeln ge- 
stützten holzigen Anhängsel. Die Stammspitze wächst 
nämlich hier bogenförmig in den Boden und treibt die 
älteren zurückliegenden Teile über den Boden heraus zu 
dieser krebsschwanzartigen Mißgestalt. Das geschieht so- 
lange, bis die Blattrosette völlig ausgewachsen ist. Als- 
dann beginnt die Pflanze einen aufrechten, säulenförmigen 
Stamm anzulegen, der von den abfallenden Blattbasen 
geringelt erscheint. Dieser Krebssdiwanz ist aber noch an 



88 



Die Gartenwelt. 



XXI, 8 



verhältnismäßig großen Pflanzen zu finden. — Die Wedel, 
namentlich die Blattstiele und Spindeln, sind von einem rost- 
braunen filzigen Überzug bekleidet, wie er ähnlich stark bei 
unseren Gewächshauspalmen nicht wieder vorkommt. Nur 
an den langen, holzigen, faserlosen Blattscheiden verschwindet 
er am ersten. Sobald der Stamm eine geringe Höhe erreicht 
hat, beginnen die Pflanzen zu blühen. Rhopalostylisblüten 
sind daher auch in unseren deutschen Gärten keine große 
Seltenheit. 

Die Blütenstände erscheinen hinter den Scheiden der 
ältesten, abgestorbenen Blätter und treiben diese durch ihr 
Wachstum beulig auf, bis sie schließlich mit der weiteren 
Entwickelung des verzweigten kahlen Blütenstandes zum Ab- 
fallen gezwungen werden. Der Blütenstand ist ähnlich wie 
bei Archontophoenix, aber die Aste sind kürzer, dicker und 
steifer, also nicht so zierlich. Auch hier sind Blüten beiderlei 
Geschlechtes nebeneinander ausgebildet. Die männlichen 
blühen zuerst auf und fallen bald ab; die weiblichen sind 
größer und kommen etwas später zur Entwicklung. Einige 
werden aber meist noch von Pollen desselben Blütenstandes 
befruchtet. Ausgebildete und keimfähige Samen enthaltende 
Früchte folgen daher auch meist auf die Blüte und bilden 
für längere Zeit eine weitere Zierde. 

Die schönere der beiden Arten ist ohne Zweifel R. Baueri 
Wendl. & Drude. Sie ist nicht nur in allen Teilen größer 
und kräftiger, sondern auch ganz wesentlich gefälliger und 
lockerer gebaut. Ihre Wedel werden mehrere Meter lang 
und sind oben etwas zurückgebogen. Die schönen, breiten, 





iiikiJi,. 








\ 

i 

^ 

IC 

r 
f 

r 




\k i 


1 




Mamillaria Eichlami. 



Mamillaria celsiana. 

gegenständigen Fiedern stehen fast wagerecht zur Spindel. 
Sie ist vor allen Dingen eine Dekorationspalme für gemäßigt 
warme oder kühlere Häuser und Wintergärten. Ihre Heimat 
sind die bekannten Norfolk-Inseln, wo auch die als Norfolk- 
Tanne bekannte Araacaria excelsa herstammt, und zwar 
kommt die R. Baueri auf den Kermadec - Inseln dieses 
Archipels vor, wo sie von der Küste bis zur Höhe von 
500 m gefunden wird. Die Angabe, daß sie auch auf den 
Chatham-Inseln wachse, beruht jedenfalls auf einem Irrtum. 

Sie trägt den Namen Ferdinand Bauers, eines berühmten 
Pflanzenmalers. Er war (20. Januar 1760) in Feldsberg in 
■Niederösterreich geboren und starb (17. März 1826) in Hietzing 
bei Wien. Er beteiligte sich in englischen Diensten an der 
Flinderschen Expedition und verweilte auf den Norfolk-Inseln 
längere Zeit. Durch ihn ward die Palme bekannt. Wer 
seine geradezu wundervollen, unvergleichlich schönen Pflanzen- 
bilder gesehen hat, die im South Kensington-Museum in 
London aufbewahrt werden, wird eine große Verehrung für 
ihn hegen und seiner stets gedenken beim Anblick der 
schönen Palme. 

In ihrer Heimat erreicht die Palme eine Höhe bis zu 
16 m. In unseren Gewächshäusern sind blühende und 
fruchtende Exemplare seit den 60 er Jahren des vorigen Jahr- 
hunderts keine Seltenheit. Die ersten Exemplare davon 
standen in Kew und waren von Allan Cunningham eingeführt 
worden. 

Die zweite Art, R. sapida Wendl. & Drude, ist in allen 
Teilen kleiner. Sie hat einen kleineren und schlankeren 
Stamm, kürzere, steifere, aufrechte Wedel mit schmäleren, 
spitzeren und mehr aufgerichteten Fiederblättern. Auch der 
Blütenstand ist kleiner und ebenso die Früchte. Ich habe 
letzten Sommer mehrfach Gelegenheit gehabt, ein blühendes 
Exemplar im Botanischen Garten der Landwirtschaftlichen 
Hochschule in Hohenheim in Blüte zu beobachten. 

Trotzdem diese Palme also viel steifer ist als die R. 
Baueri, sind gut gewachsene junge Exemplare gleichfalls 
recht zierend. Um sie jedoch in ihrer vollen Schönheit 



XXI, 8 



Die Gartenwelt. 



89 



würdigen zu können, muß man sie von oben betrachten, damit 
man tief in die vollgebaute trichterige Krone hinabsehen kann. 
R. sapida ist auf Neu-Seeland daheim. Auf der nörd- 
lichen Insel ist sie überall in den Wäldern häufig. Sie wird 
dort 3 — 8 m hoch, selten erreicht sie mehr. Auf der süd- 
lichen Insel Neuseelands wächst sie im Tiefland nicht weit 
von der Küste und vereinzelt südlich bis zur Banks Halb- 
insel und Hokitika. Ebenso kommt sie auf den Chatham- 
Inseln bis zu einer Höhe von zirka 600 m ü. d. M. vor. 

Sie ist deshalb die am weitesten nach Süden verbreitete 
und somit härteste Palme der pazifischen Florengebiete. In 
ihrer Heimat sind Schnee und Frost nichts Unbekanntes. 

Auf der nördlichen Insel Neuseelands ist sie als „Nikau" 
bei den Eingeborenen und den Kolonisten bekannt. Der 
Herztrieb und die ganz jungen Blütenknospen waren eines 
der Hauptnahrungsmittel der Wilden und auch die europäischen 
Ansiedler, die als englische deportierte Sträflinge sicherlich 
nicht sehr verwöhnt waren, haben sie bis in unsere Tage 
gegessen. Daher der Artname „sapida". 

Entdeckt wurde die Palme auf der Cookschen Forschungs- 
reise 1772 — 75 durch den deutschen Professor der Natur- 
wissenschaften in Kassel Georg Forster (geboren 1754, 
gestorben 1794), der mit seinem Vater den Kapitän Cook 
begleitete. 

Diese beiden Rhopalostylis kommen in Südeuropa gut 
im Freien fort. Es ist nicht so sehr die niedrige Tem- 
peratur während des Winters, die ihnen schädlich wird, als 
vielmehr die zu starke Beleuchtung des Sommers. Sie er- 
heischen daher Plätze, wo sie vor den brennenden Sonnen- 
strahlen geschützt stehen, verlangen aber ausgiebige Be- 
wässerung und guten Boden. Da gegen diese einfachen 
Regeln so oft verfehlt wird, findet man sie nicht so häufig 
als sie es verdienten. Dahingegen sind ihnen die Verhält- 
nisse in unseren Gewächshäusern um so zusagender. 



Gemüsebau. 



Der Nutzen 

des Porreeanbaues in der gegenwärtigen Zeit. 

Von F. Kallenbach, Wildpark-Potsdam. 

Porree oder Lauch ist in der gemüseknappen Zeit, be- 
sonders aber jetzt für unsere Ernährung, ein gleichwer- 
tiges Wintergemüse wie Kohl in allen Arten. 

Man sollte die Verwertung des Porrees als Gemüsegericht 
also in Zukunft mehr beachten. Ich verweise hier auf das, 
was Herr Fr. Roll in Nr. 48, Jahrg. XX der „Gartenwelt" 
in seinen; Aufsatz „Gärtnerische Streifzüge im Kriegsgebiet" 
über Porreeverwertung gesagt hat. 

Für diejenigen, welche Porree als selbständiges Gemüse- 
gericht noch nicht kennen, folgende Anleitung: 

Der hergerichtete und in fingergliedlange Stücke ge- 
schnittene Porree wird mit ein wenig Butter und mit Fleisch- 
brühe, etwas Salz und Pfeffer gar geschmort. An die Tunke 
rührt man zuletzt zum Seimigmachen etwas Mehl oder ge- 
riebene Semmel. Wenn der Geschmack des Porrees zu 
streng ist, so kann man den Porree vor dem Kochen brühen 
oder abwellen. So zubereitet, schmeckt ein mit dampfenden 
Salzkartoffeln auf den Tisch gebrachtes Porreegeridit vortrefflich , 
auch wenn man auf die eigentlich dazu gehörigen gebratenen 



Fleischklöße oder andere Fleischbeilagen gegenwärtig ver- 
zichten muß. — Auch im Hinblick auf die leichte Auf- 
bewahrungsmöglichkeit, ist der Porree als wichtiges Winter- 
gemüse für kommende Zeiten anzusehen, und jeder praktische 
Hinweis, welcher die Aussicht bietet, unsere jetzige Er- 
nährungsweise reichhaltiger und ausgiebiger zu gestalten, ist 
der Erprobung wert und der Öffentlichkeit in geeigneter Art 
bekannt zu machen. Im Nachfolgenden einige Worte über 
Anzucht und Pflanzung von Porreekulturen. 

Der wenig dichten Aussaat, welche im Februar — März 
im warmen, besser im kühleren Mistbeet oder im April am 
geschützten, sonnigen Platz im freien Lande vorgenommen 
wird, folgt die zweckmäßig tiefe Pflanzung im Mai — Juni 
mit möglichst gekräftigten Pflänzlingen im Abstand von 20 
bis 30 cra und einer Reihenentfernung von etwa 40 cm. 

Ein vorheriges Verstopfen der Sämlinge auf besondere 
Anzuchtbeete bewirkt ein kräftiges Heranwachsen der Pflänz- 
linge, kann jedoch nicht immer wegen Zeit- und Leutemangel 
ausgeführt werden. 

Eine Oktoberaussaat in kalte Kästen zeitigt frühe Ernten, 
hat jedoch den Nachteil, daß der Porree große Neigung 
zum Treiben von Blütenstemgeln zeigt, wodurch die Stangen 
erhärten und nicht von Wert sind. Ebenso geht der fran- 
zösische Sommerporree leicht in Samen und ist später auch 
nicht widerstandsfähig gegen Frost; er ist also für den hier 
besprochenen Zweck nicht empfehlenswert. 

Zur Samengewinnung ist der Lauch Ende März auf be- 
sonderen Beeten auszupflanzen. Auf eine befriedigende 
Ernte kann bei warmer und trockner Witterung im Herbst 
gerechnet werden, anderenfalls muß man das Saatgut ander- 
weitig beziehen. 

Als eventuelle Zwischenkultur käme auf Porreeflächen bei 
größeren Zwischenräumen die Pflanzung von Salat, Kohlrabi 
usw. in Betracht. Vom August ab jedoch verlangt der Porree 
zur Hauptentwickelung freie Flächen ; alsdann beginnt man 
damit, die Porreereihen anzuhäufeln, um möglichst schöne 
lange, weiße Stangen zu erzielen. Porree gedeiht am besten 
in nahrhaftem, lockerem Erdreich, welches durch Herbst- 
düngung gekräftigt ist. Wenn flüssige Düngung (Kuhjauche) 
verabreicht werden kann, ist dies von Nutzen. 

An Sorten sind zu nennen: Riesen von Carentan. 
Liefert Verkaufsware für den Winter, bringt starke Schlotten 
und sei als zart und feinschmeckend für Porreegemüse sehr 
empfohlen. Diese Sorte ist Ende Oktober in Einschlag zu 
bringen. Weiter: Bulgarischer sehr hoher; Brabanter 
Winter, dicker; Meißelburger Winter, großer. 
Genannte Sorten sind ebenfalls im Herbst einzuschlagen, weil 
alle hohen Porreesorten dem Erfrieren in stärkerem Maße 
ausgesetzt sind. 

Als winterhart ist besonders der beliebte Erfurter 
Winterporree zu empfehlen, welcher als Winterlauch am 
Standort verbleiben kann. Die Einwinterung (Einschlag) der 
aus der Erde zu nehmenden Lauchsorten geschieht am besten 
in ausgeräumte Mistbeete oder in offenem Erdgraben. 
Man kann auch einen tiefen Einschlag auf schattig gelegenen 
Gartenbeeten vornehmen. Tritt größere Kälte bei schnee- 
loser Zeit ein, so werden die Einschläge mit einer leichten 
Lage Laub oder mit Fichtenzweigen eingedeckt. 



90 



Die Ci u rtenwelt. 



XXI, 8 



Gartenausstattung. 

Beachtenswerte alte Gartenhäuser. 

Von Hans Gerlacfa, Gartenarchitekt. 

(Hierzu zwei Abbildungen nach für die „Gartenwelt" gefertigten 

Aufnahmen von Susanne Hob mann, Darmstadt.) 

In eingehender Weise behandelte vor einiger Zeit Herr 
Edgar Rasch das Gartenhaus und seine heimatliclie Bauweise. 

Die hier beigefügten zwei Bilder sollen den Lesern der 
„Gartenwelt" vorbildliche Gartenhäuser vergangener Zeilen 
veranschauliclien. 

Abb. S. 91 zeigt ein Gartenhaus in Elberfeld. Die Schiefer- 
bekleidung, die weißen Fensterrahmen und die grünen Schlag- 
läden sind kennzeichnend für die heimatliche Bauweise im 
Bergischen und im Sauerland. 

Untenstehende Abb. zeigt das Gartenhaus der Freiin 
v. Stein in Weimar. 

Beide Aufnahmen verdienen wohl in der „Gartenwelt" 
veröffentlicht zu werden, um dem Leserkreis weitere An- 
regungen zu geben. 

Feldbau. 

Unser Kartoffelanbau. 
Von Alfred Wiese, Stettin. 
In der Sitzung des Beirats beim Kriegsernährungsamt am 
19. und 20. Januar erklärte der Präsident dieses Amtes, 




Gartenhaus der Freiin v. Stein in Weimar. 



daß wir trotz der günstigen Körnerernte infolge der Kartoffel- 
mißernte bezüglich der gesamten verfügbaren Nährwerte an 
Getreide und Kartoffeln schlechter dastehen als im Vorjahre. 
Wir müssen schon jetzt mit der Sparpolitik beginnen, damit 
wir bis ans Ende des neuen Jahres reichen. Das Frühjahr 
rückt nun immer näher, jede Stadt hat eine große Menge 
Plätze zur Verfügung gestellt, Bewerber haben sich gefunden 
mit dem festen Entschluß und mit der größten Hoffnung, 
unser Hauptnahrungsmittel, die Kartoffel, hierauf anzupflanzen. 
Nicht hoch genug ist es jedem einzelnen anzurechnen, der, 
abgearbeitet von seiner Arbeit heimkehrend, den Spaten 
ergreift, um sein erworbenes Land zu bebauen ; nicht Arbeit 
nennt er dies, nein, seine Erholung. Wahrlich ein starkes 
Volk! Wie ungeheuer einer Stadt, dem ganzen Reiche da- 
mit geholfen wird, wollen wir keineswegs unterschätzen. 
Doch mit dem einfachen Landhingeben und -verteilen, der 
Aufteilung in kleine Parzellen, ist nicht geholfen. Nicht 
Landwirte bekommen das Land zugewiesen, sondern Stadt- 
leute, meistens vollständig unkundig der Landwirtschaft. Ihre 
Illusionen gehen soweit, daß nach ihren Begriffen ihnen jetzt 
alle Wege offen stehen, ihren ganzen Bedarf au Gemüse 
decken zu können. Eine ungeheure Menge Saatgut wird 
verschwendet, und gerade das, auf das wir heute bei unserer 
großen Knappheit an sämtlichen Lebensmitteln lossteuern 
müssen, Ersparnis, aber möglichst großen Gewinn, verwandelt 
sidi in das Gegenteil. Mir ist ein Fall bekannt, wo zur 
nötigen Bodenvorbereitung für Kartoffeln nun schon 3 Jahre 
hintereinander ganze Fuhren Kuhdung auf das Stückchen 
Land gefahren werden. Das Frühjahr kommt und die Kar- 
toffeln werden in diesen fetten Mastboden gelegt. Das 
Kartoffelkraut wächst zu wahren Büschen heran, dodi von 
Kartoffeln bei der Ernte keine Spur. Dann taugt die Kar- 
toffelsorte nichts und andere Ausflüchte werden gebraucht. 
Oder ein anderer Fall : die Kartoffelaussaat wurde in sach- 
gemäßer Art und Weise vorgenommen, auch kamen die 
Kartoffeln in den richtigen kräftigen Boden. Doch von dem 
Augenblick an, an dem die Kartoffeln unter der Erde waren, 
kümmerte sich niemand mehr darum ; das Unkraut wucherte 
lustig drauf los. dazwischen fristete ab und zu eine arm- 
selige Kartoffel ihr Leben. Endlich im Herbst erinnerte man 
sich seines Kartoffellandes und begann mit der Ernte. 
Da war das Wundern groß, nicht einmal die Aussaatkartoffeln 
kamen heraus. Woran liegt das nun? Hiergegen muß 
jetzt bei einer solchen Knappheit energisch Front gemacht 
werden. Durch sachgemäße Belehrungen muß jedem Land- 
besitzer klargemacht werden, daß selbst kleine Teile einer 
Kartoffel, an denen sich gute Keime zeigen, genügen, um 
eine Kartoffelpflanze hervorzubringen. Auf diese Weise sind 
wir in der Lage, mindestens die Hälfte des Saatgutes zu 
sparen. Wenn auch der Landwirt schon lange seine größeren 
Kartoffeln bei der Aussaat teilte, so darf doch auch der 
Verbrauch an Saatgut der Städter keineswegs in diesen letzten 
zwei Jahren unterschätzt werden, und was das ausmacht, 
mögen wenige Zahlen andeuten. Angenommen auf 1 qm kommen 
9 Kartoffeln, dann kämen auf 14 qm = 1 Quadratrute 
— 126 Kartoffeln, und auf 100 qm = 1 Ar — 900 Kar- 
toffeln. In dieser Größe werden wir wohl meistens die 
Parzellen in der Stadt finden. Da können wir uns einen 
kleinen Begriff machen, was jetzt in der Kriegszeit noch 
an Saatgut mehr verbraucht wird. Und wie viel solcher 
Quadratmeter, wieviel Ar werden so im Deutschen Reich 
noch bepflanzt? So geht das nicht. Da ist jedes Pfund 



XXI, s 



Die G a r l . ■ 11 w e 1 1. 



91 



Kartoffeln, das wir noch dem Volke zuführen können, von 
größter Bedeutung. Das erste Kriegsjahr brachte uns in eine 
ähnliche Lage. Damals probierte ich an den Saatkartoffeln 
die Stecklingsvermehrung aufs gründlichste. Manch eine 
Kartoffel hat 4 bis 5 mal einen Schnitt über sich ergehen 
lassen müssen. Trotzdem hat sich später nicht 1 Prozent 
Ausfall gezeigt. Jede Schnittfläche bedeckte ich mit Kohlen- 
staub, um der Fäulnis vorzubeugen. Die Sorten, die ich 
bekam, waren Pautsens Juli und Vor der Front. Paulsens 
Juli erhielt ich am 5. März. In flache Kistchen brachte 
ich feuchtes Torfmull und legte hierauf die Kartoffeln, um 
sie vorzukeimen. Am 23. März waren die Keime soweit, 
daß ich an das eigentliche Stecklingsschneiden herangehen 
konnte. Eine Reihe Töpfe füllte ich halb voll mit grobem 
Kompost, legte hierauf die geschnittenen Stecklinge (Schnitt- 
flächen mit Kohlenstaub bedeckt) und überdeckte sie mit 
Erde. Bei trockenem Wetter wurden die Töpfe überspritzt. 
Am 4. April hatten alle Keime ohne Ausnahme die Erde 
durchbrochen, worauf ich diese Sorte am 14. April ins Frei- 
land bringen konnte. Nicht viel anders war es mit der 
anderen Sorte Vor der Front, die am 19. März in meine 
Hände kam. Sie legte ich nicht in feuchtes Torfmull, 
sondern auf eine Holzstellage nebeneinander, um ein Welken 
zu bewerkstelligen und die Bildung von Keimen zu erzwingen. 
Am 1. April waren auch hier die Keime soweit, daß die 
Stecklinge geschnitten und in die Erde gebracht werden 
konnten, genau wie bei Paulsens Juli. Am 8. April war 
die Erde durchbrochen, am 18. April konnte ich die Pflänz- 
linge ins Freiland bringen. Auch hierbei war nicht ein 
einziger Ausfall. 

Ich führe diese Vermehrung hier an, da ich der festen 
Ueberzeugung bin, daß diese Art der Vermehrung besonders 
wertvoll für alle die ist, die kleine Landparzellen erhalten 
haben. Die Liebe zum sprießenden Keimling, zum heran- 
wachsenden Pflänzling wird geweckt, und das, worauf ich 
hinarbeiten will, Ersparnis und trotzdem großer Gewinn an 
Kartoffeln, wird erreicht. Nicht an den vielen, vielen Morgen, 
die mit Kartoffeln bepflanzt werden sollen, ist nach meiner 
Meinung dies zu erreichen, nein, an den vielen Tausenden 
kleiner Hausgärtchen und Parzellen, wo jeder Einzelne die 
größte Obhut walten lassen kann, um an jeder Pflanze seine 
Freude zu haben. Doch zur Durchführung gehören einige 
praktische Anregungen. Jetzt an den kalten Wintertagen, 
an welchen die Arbeit in den kleinen Gärten noch ruht, 
wäre es an der Zeit, alle Parzelleninhaber mit gewissem 
Zwang an 1 bis 2 Abenden in der Woche — viele Vorträge 
sind ja gar nicht nötig — zu kurzen Belehrungen an der Hand 
von praktischen Beispielen anzuhalten. Kein Stückchen Land 
darf brach liegen, doch es muß sachgemäße Bebauung er- 
folgen. 

Pilze. 



Zum Artikel des Herrn Dr. Kanngießer über Pilie, 

veröffentlicht in Nr. 45 des vorigen Jahrgangs dieser Zeltschrift, 
möchte auch ich noch kurz Stellung nehmen. 

Ich hatte eben mein Mittagessen eingenommen, bestehend aus 
einer feinen Suppe aus Totentrompeten (erschrick nicht, lieber Leser, 
denn Totentrompeten sind schwarze Pilze, die man jahrzehntelang 
für giftig hielt, die es aber nicht sind und eine vorzügliche Suppe 
geben), einem Gulasch von Reizkern, Kartoffeln und Schinkenfleckeln, 
das sind Täublinge, welche die Stelle des Schinkens vertraten und 
ausgezeichnet schmecken, als ich die Nr. 45 v. Jhrg. der „Gartenwelt" 
erhielt. Der Pilzartikel des Herrn Dr. Kanngießer setzte mich 



nicht wenig in Erstaunen. Pilze geben eine ausgezeichnete, gute 
und gesunde Nahrung. Weil es nun einige wenige giftige gibt, 
die noch dazu leicht von den eßbaren zu unterscheiden sind, und 
die man unterscheiden lernen sollte, so wird uns einfach an- 
empfohlen, keine Pilze zu essen. Mit demselben Recht könnte 
man den Rat erteilen, kein Fleisch und keine Wurst zu essen, 
denn es kommen auch jährlich Fleisch- und Wurstvergiftungen vor. 
Aber über solchen Rat würde jedermann, die Vegetarier aus- 
genommen, lachen und ihn nicht befolgen. Warum soll nun mit 
zweierlei Maß gemessen werden. Wenn man alles verbieten wollte, 
was schon einmal Vergiftungen verursacht hat, so dürfte man 
schliAlich überhaupt nichts mehr essen. 

lieber den Wert der Pilze brauche ich hier kein Wort zu ver- 
lieren ; erwähnt sei nur, daß sehr viele Gärtner durch die Kultur 
der Champignons lohnenden Verdienst finden, und daß Deutsch- 
land in Friedenszeiten dazu noch für rund 20 Millionen Franken 
dieser Pilze aus Frankreich einführte. Es steht also auf diesem 
Gebiete in Friedenszeit der gärtnerischen Betätigung noch ein 
großes Feld offen, das dem Gärtner noch eine gute Einnahme- 
quelle, der Bevölkerung eine gesunde Nahrung sichert ; oder soll 
man etwa die künstlich gezüchteten Champignons auch nicht essen, 
weil im Walde ein giftiger Pilz wächst, der mit dem wildwachsenden 
Champignon verwechselt werden könnte? Ich nehme an, daß 
Herr Dr. Kanngießer doch wenigstens den Genuß der kultivierten 
Champignons gestattet. Die sichere Erkennung giftiger Pilze ist 
in Wirklichkeit gar nicht schwer. Ich habe im vorigen Sommer und 
Herbst große Pilzwanderungen geführt ; Hunderte von Sammlern 
gingen mit mir. Wir haben Unmassen eßbare Pilze gesammelt, 
keiner der Teilnehmer hat sich vergiftet, und alle freuten sich 




Gartenhaus im Garten der Stadthalle zu Elberfeld. 



92 



Die Garteuwelt. 



XXI, 8 



darüber, auf diese Weise ein gutes und gesundes, fast kostenloses 
Nahrungsmittel kennen gelernt zu haben. Pilze sollen nach Herrn 
Dr. Kanngießer keinen Nährwert haben, sie enthalten aber frisdi 
3 bis 4 Prozent Eiweiß, 02 bis 05 Prozent Fett (doch haben 
manche Arten bis zu 2,13 Prozent Fettgehalt), Zucker (Manitpilz- 
zucker) 3,5 Prozent, Salze 0,5 bis l'/j Prozent. Das sind ganz 
beachtenswerte Mengen, die noch dazu in sehr leicht verdaulicher 
Form vorhanden sind. Man beachte dazu, daß selbst die beste 
Kuhmilch auch nicht mehr als 5 Prozent Eiweiß enthält, während 
der Gehalt getrockneter Pilze an Eiweiß bis 44 Prozent beträgt. 
Was nun die Pilzvergiftungen betrifft, so rühren sie meist vom 
Genüsse alter, bereits verdorbener Pilze her. In gleicher Weise 
kann man sich natürlich mit allen übrigen verdorbenen Nahrungs- 
mitteln vergiften, auch mit Fleisch, und doch fällt es niemand ein, 
vor dem Fleischgenuß zu warnen. 

Man beachte beim Pilzgenuß, daß nie verdorbene und alte 
Pilze verspeist werden dürfen, und daß man fertige Pilzgerichte 
nicht längere Zeit aufheben soll. Ein Pilzgericht, das am Mittag 
sehr gut schmeckte, kann am Abend bereits verdorben sein. Das 
sollte jeder Mensch wissen, und das sollte schon in der Schule 
den Kindern beigebracht werden. Wie häufig „Pilzvergiftungen" 
zustande kommen, mag folgendes Erlebnis beweisen. Vor einigen 
Jahren begegnete mir ein bekannter Arzt, der mir schon von 
weitem zurief: „Na, Sie Pilzapostel, können jetzt selbst sehen, wohin 
man mit Ihren Pilzen kommt. Ich bin gerade auf dem Wege zu 
einer Familie, die sich eine Pilzvergiftung geholt hat, kommen Sie 
mit, um sich selbst zu überzeugen." Ich nahm die Einladung an 
und ging mit. Die Familienmitglieder hatten starkes Erbrechen, 
Fieber und schwebten in großer Angst. Erkrankt waren Mann, 
Frau und ein Kind, aber nicht das Dienstmädchen, welches erklärt 
hatte, Pilze nicht mitessen zu wollen. Ich stellte nun fest, daß 
die Leute die Pilze selbst gesammelt hatten, und daß es sich um 
Korallenschwämme (Ciavaria) handelte, die bis auf eine Art alle 
eßbar sind ; was die Leute aber gesammelt hatten, war durchweg 
eßbar, frisch und gesund. Ich fragte nun nach allem möglichen, 
um die Ursache der Erscheinungen festzustellen. Ich erfuhr dabei, 
daß ein 15 Monate altes Kind der Familie mit gutem Appetit 
eine tüchtige Portion des Pilzgerichtes vertilgt hatte ohne irgend 
welche Vergiftungserscheinungen zu zeigen, weiter, daß sich die 
Mutter in guter Hoffnung befand und in diesem Zustande seit 
einiger Zeit überhaupt häufig an Erbrechen litt, und daß der Ehe- 
gatte, als er die Frau brechen sah, sofort von dem gleichen Uebel 
befallen wurde. Nun war das Rätsel gelöst. Die kranken Ehe- 
leute wurden sofort gesund, waren überglücklich und haben später 
noch häufig mit mir über den Vorfall gelacht. Heute sind beide 
große Pilzfreunde. Hätte der Arzt mich damals nicht am Wege 
getroffen, so wäre die Sache unaufgeklärt geblieben, und es hätte 
sich dann eben um eine Pilzvergiftung gehandelt, wie in unzähligen 
ähnlichen Fällen. 

Nun einiges über das Erkennen der giftigen Pilze. Richtig ist, 
daß der Giftwulstling, Almanita bulbosa, einer der gefährlichsten 
Ist, deshalb sollten schon die Schüler mit ihm vertraut gemacht 
werden. Im verflossenen Jahre trat dieser Giftpilz stark auf, 
selbst an Oertlichkeiten, an welchen er Jahre zuvor nicht zu finden 
war. Nun ist aber dieser Giftpilz keineswegs so schwierig zu 
erkennen, wenn man sich mit praktischer Pilzkunde befaßt hat. 
Der ganze Aufbau und die Form sind bei ihm doch ganz anders 
als beim Champignon, so daß man schon von weitem sehen kann, 
was man vor sich hat. Der Champignon hat sehr selten eine 
knollenartige Verdickung, die dann aber ganz anders aussieht und 
nicht mit jener des Giftwulstlings verwechselt werden kann. Die 
Lamellenfarbe ist beim Champignon immer etwas rosa. Ist der 
Champignon noch ganz jung, so daß die Lamellen wirklich weiß 
sein sollten, so genügt es, sie eine kurze Zeit in die Sonne zu 
legen, worauf sie sich rosa verfärben, was beim Knollenblätter- 
schwamm niemals der Fall ist. Hierdurch sind beide mit absoluter 
Sicherheit zu unterscheiden. Der Knollenblätterschwamm kommt 
überdies nur in Wäldern vor. Der Waldchampignon hat eine ganz 
andere Farbe ; sein Weiß hat immer einen rötlich braunen Hauch. 



Ganz junge Exemplare, die etwa mit dem Knollenblätterschwamm 
verwechselt werden können, soll man überhaupt nicht sammeln, 
zumal man von solchen kleinen Dingern doch nichts hat. Eine 
Verdickung des Champignons am Stiele ist wohl öfter vorhanden, 
aber zwischen einem verdickten Stiel und der knollenartigen Ver- 
dickung des Knollenblätterschwammes besteht ein großer Unter- 
schied ; man muß das in der Natur gesehen haben. Ich habe auf 
meinen Pilzwanderungen in kurzer Zeit oft Tausende von Pilzen 
untersucht, die schädlichen ausgesondert, und nie habe ich mich 
geirrt, obgleich die Arbeit sehr schnell gehen mußte. Pilzkunde 
muß man sich eben in der Natur und nicht in der Studierstube an- 
eignen. Ich füge hier die Kennzeichen der beiden fraglichen Pilze 
nebeneinander an, damit sich jeder ein Urteil zu bilden vermag: 

Knollenblätterschwamm : Champignon : 

Hut : glockig oder halbkugelig, Hut : kugelförmig oder glocken- 

dann flach. förmig, dann ausgebreitet, aber 

nie ganz flach werdend. 
Höhe: 5 bis 10 cm. Höhe: 4 bis 14 cm. 

Farbe : weiß, weißlich, gelblich Farbe : weißlich oder bräunlich, 
. bis grünlich, selten ganz grün. selten braun. 

Oberhaut: glatt, schwach seiden- Oberhaut: fein schuppig, trocken. 

glänzend, öfters mit Fetzen 

des Schleiers, oft auch etwas 

klebrig. 

Lamellen : weiß und immer weiß Lamellen : rosa, im Alter braun ; 

bleibend, auch wenn man die- im ganz jungen Zustand, so- 

selben in die volle Sonne legt. lange noch der Schleier vor- 

handen, sind dieselben weiß, 
färben sich aber schnell am 
Lichte oder in der Sonne rosa. 
Strunk: besitzt unten eine aus- Strunk: meist gleich dick, selten 

geprägte Knolle, die von einer unten verdickt, aber nie knollig. 

häutigen Scheide umgeben ist, 

wie in einen Futteral steckend. 
Fleisdi : weiß und weiß bleibend. Fleisch : weiß, am Bruche schwach 

rosa werdend. 
Geruch: angenehm, im Alter Geruch: angenehm, beim Wald- 

aber an faule Kartoffeln er- champignon an Anis erinnernd. 

innernd. 
Anstatt den Rat zu erteilen: „eßt keine Pilze", wäre besser 
geraten worden: „eßt nicht Pilze, die ihr nicht kennt, und eßt 
vor allen Dingen keine verdorbenen und alten Pilze." In Nieder- 
österreich und Böhmen geht in einem Jahre mindestens für 5 bis 
6 Millionen Kronen wertvolle Pilznahrung zugrunde. Solche Un- 
mengen eines wichtigen Nahrungsmittels, das von Jedermann ge- 
sammelt werden kann, verderben zu lassen, ist namentlich in dieser 
Kriegszeit ein Verbrechen. Wenn Herr Dr. Kanngießer sagt, daß 
er auch nach dem Genüsse von unzweifelhaft echten Champignons 
schon Erscheinungen wie schlechten Geschmack im Munde, Uebel- 
keit, Brechreiz und Harndrang beobachtet habe, so glaube ich ihm 
das sehr gern. In solchen Fällen mag es sich um alte Pilze, die 
man nicht mehr essen soll, gehandelt haben. Man ißt ja auch 
kein altes Fleisch, das schon stinkt, keine stinkenden Fische. Auch 
Kartoffelsalat, der einige Stunden stand, hat schon Vergiftungs- 
erscheinungen hervorgerufen. 

Und wie steht es nun mit allen übrigen Pilzen, die mit den 
Knollen- und Blätterschwämmen absolut nicht verwechselt werden 
können? Ich nenne hier nur: Herrnpilz, Steinpilz, Birkenpilz, 
Butterpilz, Schmerling, Hohlfußröhrling, Kaiserpilz, Reizker, Boviste, 
Herkuleskeule, Eierschwamm, Totentrompete, Hasenohr, Bischofs- 
mütze, Morcheln usw. Sollen diese auch sämtlich verderben und 
verfaulen, weil irgend jemand nicht einen Champignon von einem 
Knollenblätterschwamm unterscheiden kann? 

Viele der leider vorkommenden Pilzvergiftungen sind die Folgen 
verbreiteter falscher Ansichten über die Erkennbarkeit der giftigen 
Pilze, gegen welche die Wissenschaft bisher leider so gut wie 
nichts getan hat. Da wird z. B. behauptet, Pilze, die beim Zer- 
brechen blau werden, seien giftig. Das ist völlig unrichtig, der 



XXI, 8 



Die Garteiiwelt. 



giftige Satanspilz wird fast garnicht blau, der Knollenblätterschwamm 
auch nicht, dagegen färbt sich der gute Butterpilz stark blau, der 
Schusterpilz ebenfalls, während Giftreizker und Schwefelkopf weiß 
bleiben. Eine mit den Pilzen gekochte Zwiebel soll braun, ein 
mitgekochter silberner Löffel schwarz werden. Beides ist falsch. 
Es gibt nur einen Weg, der vor Vergiftungen bewahrt : die richtige 
Kenntnis der eßbaren Pilze, die man sich nur auf Pilzwanderungen 
unter Führung von Kennern, nicht aber aus Büchern aneignen kann. 
Inbezug auf die Behauptung, daß die meisten Pilzabbildungen 
schlecht seien, stimme ich Herrn Dr. Kanngießer zu. Ich kenne 
bis heute nur ein Werk mit vorzüglichen Pilzabbildungen, den in 
3 Bänden erschienenen Führer für Pilzfreunde von Oberlehrer 
Michael, Preis des Bandes 6 Mark. 

Auf Grund meiner 30jährigen Erfahrungen erteile ich den Rat, 
soviel Pilze als möglich zu sammeln und zu essen, dieselben aber 
vorher erst richtig kennen zu lernen. 

Aug. Bronold, Gärtnereibesitzer, Purkersdorf bei Wien. 



Vogelschutz. 



Verdiente Fachgenossen. 

E. Schelle. 

Am 28. d. M. blickt kgl. Garteninspektor E. Schelle 
auf eine dreißigjährige ununterbrochene Tätigkeit als technischer 
Leiter des Botanischen Gartens der Universität Tübingen 
zurück. Der Jubilar ist einer der besten und fähigsten unseres 
Berufes, ein Mann, auf den wir stolz sein können. 

Vor seiner Berufung nach Tübingen war Herr Schelle im 
kgl. Hofgarten zu Stuttgart, unter seinem verstorbenen 
Schwiegervater, dem Oberhofgarteninspektor Ehmann, tätig. 
Trotz der beschränkten Mittel, mit welchen der Botanische 
Garten in Tübingen wirtschaften muß, hat Herr Schelle dort 
vorzügliches geleistet. Auf der Landesausstellung in Stutt- 
gart 1913 wurde der Beteiligung des Tübinger Botanischen 
Gartens ungeteilte Anerkennung zuteil und Herrn Schelle, 
obwohl er außer Konkurrenz ausgestellt hatte, der Ehren- 
preis zuerkannt. 

Aber nicht nur um den Tübinger Botanischen Garten, 
sondern auch um den gesamten deutschen Gartenbau hat 
sich Herr Schelle große Verdienste erworben. Er ist u. a. be- 
kannt als vorzüglicher Kakteenkenner, als einer unserer besten 
Laub- und Nadelholzkenner. Gemeinschaftlich mit kgl. Garten- 
inspektor L. Beißner und dem verstorbenen kgl. Gartenmeister 
H. Zabel hat Herr Schelle im Auftrage der Deutschen 
Dendrologischen Gesellschaft das 1903 im Verlage von Paul 
Parey erschienene Handbuch der Laubholzbenennung 
bearbeitet, er ist ferner Bearbeiter der 6. Auflage von 
Salomons Wörterbuch der botanischen Kunstsprache und 
Verfasser der Schriften „Die winterharten Nadelhölzer" und 
„Handbuch der Kakteenkultur" (Verlag von Eugen Ulmer). 
Weiterhin hat er sich durch Mitarbeit an den Jahrbüchern 
der Deutschen Dendrologischen Gesellschaft, deren Ausschuß 
er angehört, und an der „Gartenwelt", die ihn vom vierten 
Jahrgang ab zu ihren ständigen Mitarbeitern zählt, erfolgreich 
betätigt. Auch als eifriger Förderer des deutschen Obst- 
baues hat sich Schelle verdient gemacht, u. a. als Gründer 
des Obstbauausschusses des Württemb. Landwirtschaftlichen 
Vereins. Weiter ist er Begründer und langjähriger Vor- 
sitzender des Vereins der Naturfreunde in Tübingen. 

Wir wünschen dem Jubilar, der sich auch als Mensch bei 
allen, die ihm persönlich näher getreten sind, höchster Wert- 
schätzung erfreut, auch fernerhin ungetrübte Gesundheit und 
erfolgreiche Weiterarbeit. Max Hesdörffer. 



Vogelschutz. Fast periodisch erscheinen in der Presse Klage- 
rufe aller Schattierungen über Vo ge I s ch ad en. Allerorts be- 
kannte Schandtaten werden dem Leserpublikum vor Augen geführt, 
die Sperling und Schwarzamsel in den Hausgärten verüben. Aber 
wie Abhilfe zu schaffen ist, das überläßt man dem Nachdenken 
der berufenen Stellen. Längst hätten diese Stellen durch Ver- 
ordnungen eingegriffen. So einfach ist das r.ber nicht, hier eine 
Handhabe zu finden, die in ihrer Durchführung der Allgemeinheit 
zugänglich gemacht werden kann, ohne mehr Schaden als Nutzen 
zu stiften und überhaupt wirksam zu sein. Mit dem ewigen 
Jammergeschrei ist der guten Sache des Gartenschutzes nicht ge- 
dient. Nicht alles Gute kommt von oben, und deshalb sollte 
jeder Praktiker den Mut haben, in solch' kritischen Fällen mit 
entsprechenden Vorschlägen an die Oeffentlichkeit zu treten, 
auf die Gefahr hin, daß es schließlich doch noch ein anderer 
besser weiß. Auf allen Gebieten müssen wir mehr praktische 
Volksmitarbeit verlangen. Dann wird manche hinter dem 
grünen Tische entstandene Verordnung auch eine volkstümlichere, 
daß heißt, eine wirklich dem Volke wohltuende Wirkung haben. 
Vogelvertilgung ist am wirksamsten durch Vertilgung der Brut zu 
erreichen. Spatzenschießen ist erfahrungsmäßig eine undankbare 
Jagd. Ein bis zwei Räuber werden getroffen, die Hauptbande 
fliegt mit großem Geschrei davon. Zudem ist das Schießen an 
Gehöften bei Strafandrohung verboten. Das Nesterausheben ge- 
hört mit zu den sonst verwerflichen Jugendstreichen. Die Schule 
sollte aber auf Spatzeneier und Junge hohe Prämien setzen. Spatzen- 
nester sind vom Hauseigentümer zu vernichten wie die Raupen- 
nester von den Bäumen bei Strafandrohung der Unterlassung. 

Es muß gestattet sein, die Amsel in Hausgärten von Mitte 
September bis Mitte Februar in Kasten-Klappfallen zu fangen, zu 
töten. Der Vogel ist zudem schmackhaft. Ein gleichzeitiges Ver- 
bot des Haltens von Stubenvögeln in Käfigen schließt das Mit- 
fangen von nützlichen Singvögeln aus. Alle andern Wege sind 
mit Rücksicht auf die Jagd und den allgemeinen Vogelschutz 
ungangbar. 

Welchen Zweck hat es weiter, wenn Leute über den wieder 
erlaubten Krammetsvogelfang jammern, die nur zufällig einen 
Dohnenstieg gesehen haben und nicht einmal zu wissen scheinen, 
daß die uns so unfreundlich gesinnten Italiener das ohne Gnade 
und mit allen Mitteln wegfangen, was wir mit unserem gut- 
mütigen deutschen Herzen in der Vogelwelt sorgfältig schonten. 
Professorenweisheit über praktischen Vogelschutz im Kriege zu 
zitieren, hat tatsächlich wenig Sinn. Wir haben jetzt Aufgaben 
des praktischen Menschenverstandes zu lösen. Leider muß ein 
großer Teil wissenschaftlicher sonstiger Fähigheiten jetzt brach 
liegen. Auch ein großes Unglück des Krieges. Alle eßbaren 
Vögel sind heute für uns wichtig. Auch die kleinste Gabe des 
Himmels sollten wir nicht verschmähen. Ob nun der Reiche oder 
Arme die Krammetsvögel ißt, ist gleichgültig. Dieser Vogel bietet 
aber heute einen Ersatz für das, was sonst nur schwer zu be- 
schaffen ist. Er bringt manchem Kranken Labung. Außerdem 
bietet der Krammetsvogelfang dem Forstbeamten, dem Käufer und 
Wiederverkäufer eine nicht zu unterschätzende Einnahmequelle. 

Jede Jagdart hat Tierquälerei im Gefolge. Angekratzt von 
weitschießenden renommiersüchtigen Jägern, müssen viele Wildarten 
sich wochenlang bei Eis und Schnee mit unheilbaren Wunden 
herumschleppen, bis das Raubzeug sie von ihrer Qual erlöst. Der 
Krammetsvogelfänger begeht morgens und abends seinen Dohnen- 
stieg und beendet dann rasch die Qual der Vögel, die sich un- 
günstig gefangen haben. Bei sachgemäßer Schiingenstellung ist 
die Zahl der mitgefangenen kleinen Vögel gering. Seit dem 
Verbot des Krammetsvogelfanges auf deutschem Boden hat die 
Amsel in erschreckendem Maße zugenommen. Die andern Drosseln 
sind in ihrer Vermehrung in der Hauptsache von der Art der 
Forstkultur abhängig. Der Beweis ist erbracht, daß ein an- 
gemessenes Abfangen dieser Vögel in der Jagdzeit, wie bei 
allen jagdbar erklärten Tieren, welche dem Menschen als Speise 



94 



Die Garteuwelt,. 



XXI, 8 



dienen, zu einer Ausrottung der Art nicht führen kann. In 
ihrer Naturbestimmung haben die größeren Vögel nicht allein der 
Dekoration und dem vermeintlichen Nutzen durch Insekten- 
vertilgung, sondern auch als Speise dem Menschen zu dienen. — 
erst recht in Zeiten einer stark fühlbaren Fleischteuerung bzw. 
Fleischnot. Es bleibt daher bestimmt zu hoffen, daß das Knegs- 
ernährungsamt — wie im Vorjahre — den Krammetsvogelfang 
wieder erlaubt, diesmal aber auf mindestens 3 — 5 Jahre, da auch 
eine bessere Zeit nach dem Kriege in aller Kürze nicht zu er- 
warten ist. Geschieht dieses bald, dann können sich die Forst- 
leute durch Schlingenanfertigen, Beerenbesorgen und Aufhauen 
der Schneisen zeitig einrichten. Dann lohnt sich der Fang auch 
besser. Alle Getühlsmaßnahmen sind zunächst in der Volks- 
wirtschaft auszuschalten. Ein glattes Unrecht uns Deutschen gegen- 
über würde geschehen, wenn wir dem heimtückischen italienischen 
Volke das Verspeisen der heimischen und nordischen Drosseln im 
Kriege überließen bis wir — vielleicht durch des Schwertes Macht — 
einen internationalen Vogelschutz erreicht haben. Und selbst dann 
wird der zum Vogelfang geborene Südländer sich durch Zwang 
nicht verhindern lassen, seine Leidenschaften weiter zu betreiben. 

Esser. 

Vogelschutz. Zu diesem Thema verhalte ich mich relativ 
neutral, d. h. ich möchte die lästigen Vögel zwar nicht vertilgen, 
wie dies St. (in Nr. 3 dieser Zeitschr.) für Sperling und Amsel 
im Park vorschlägt, aber ein passionierter Freund dieser Tierchen 
bin ich nun doch gerade auch nicht, da ich unbeschädigte Be- 
pflanzungen und — reinliche Sitzgelegenheit im Garten dem ge- 
fiederten Volk vorziehe. So habe ich im Garten ein idyllisch 
gelegenes Plätzchen unter einem alten, hübsch gegliederten Kirsch- 
baum, doch bedarf es vor Benutzung der Bank trotz der geübten 
Nachsicht stets einiger Vorsicht, da die Bel-Etage der stark ver- 
ästelten Krone ein bevorzugter Aufenthaltsort der Meisen ist. 
Doch zum Glück mangelt es nicht an „geschützteren" Plätzchen, 
besonders im Wäldchen. Aber hier ist es die Amsel, die auf 
andere Art den menschlichen Reinlichkeitssinn belästigt. Denn es 
kann hier noch so oft das Laub fortgerecht sein, immer liegt es, 
dank der rastlosen — wie St. mit Recht bemerkt: schädlichen — 
Regenwurmsucherei dieses Vogels wieder in den Weg frisch hinein- 
gescharrt. Die Amseln und Meisen wollen eben ihr Teil dazu 
beitragen, daß der Charakter des Naturgartens möglichst gewahrt 
bleibt. Im Kunstgarten freilich wird die liebe Vogelwelt, soweit 
sie nicht in Volieren gehalten wird, noch lästiger. In Paris sah 
ich im Sommer 1909 im Jardin de Luxembourg ein Teppichbeet 
gegen ornilhologischen Besuch mit einem Netz überspannt, was 
den Effekt des Beetes allerdings stark beeinträchtigte. Aber 
besser so, als zerzauste Blumen. Im gleichen Jahre sah ich im 
Park zu Beggen bei Luxemburg im Weiher verschiedene Nym- 
phaeenarten, die leider, da die schützenden Drahtgitter nicht über 
Wasser stehen sollen, sehr dem Schwanenbiß unterworfen waren. 
Im Kampf ums Dasein verdrängt eben eins das andere und ein 
dauernd einträglich und einträchtiges Nebeneinanderwirken ist doch 
leider nur schwer errreichbar. F. Kanngießer. 



Rechtspflege. 

Grundsätze über die berufsgenossenschaftliche Zugehörig- 
keit der Gärtnereibetriebe. Zwischen Garten-, Gärtnerei- ii. a. 
Besitzer einerseits und den beteiligten Berufsgenossenschaften 
anderseits kommt es häufig zu unerfreulichen Streitigkeiten über 
die berufsgenossenschaftliche Zugehörigkeit der Gärtnereibetriebe, 
so daß es wünschenswert erscheint, sich mit den Grundsätzen, 
die zwischen den landwirtschaftlidien Berufsgenossenschaften und 
der Gärtnereiberufsgenossenschaft über die berufsgenossenschaft- 
liche Zugehörigkeit vereinbart sind, vertraut zu machen. Nach 
diesen Grundsätzen gehören folgende Betriebsarten, soweit es sich 
um Hauptbetriebe handelt und nicht eine gewerbliche Berufs- 
genossenschaft zuständig ist, der Gärtnereiberufsgenossenschaft an : 

1. Bearbeitung von Haus- und Ziergärten durch den Besitzer 



mit gärtnerischem Personal und ohne solches, soweit diese Be- 
arbeitung überhaupt versichert ist; 

2. Friedhofsgärtnerei und Friedhofsbetrieb; 

3. die gesamte Landschaftsgärtnerei, einschließlich der damit 
verbundenen Bodenbearbeitung; 

4. Baumschulen jeder Art und Größe und die damit verbun- 
denen Obstpflanzungen; 

5. gärtnerisch betriebener Obstbau, sowie Obst-, Wein- und 
Fruchttreiberei; 

6. Gemüsetreiberei und Gemüsegärtnerei, soweit letztere fach- 
männisch betrieben wird; 

7. Freiland- und Schnittblumengärtnerei, Pflanzen-, Topf- 
pflanzen- und Dekorationsgärtnerei sowie Blumentreiberei ; 

8. Blumen- und Gemüsesamenzucht, Blumen- und Kranz- 
bindereien sowie Pflanzen-, Blumen- und Samenhandlungen; 

9. Gärtnerei der gemeindlichen und kirchlichen Verbände und 
Anstalten, von Korporationen und Gesellschaften, in staatlichen 
Betrieben nach Maßgabe des jetzigen Rechtszustandes, Gärtnerei 
in botanischen und zoologischen Gärten, Hof-, Schloß- und Herr- 
schaftsgärtnerei sowie Parkbetrieb, Gärtnerei in Theater-, Ver- 
gnügungs- und Gastwirtschaftsgärten, in Gärten von Vereinen und 
sonstige Arten der Gärtnerei. 

Für die Zugehörigkeit zur Gärtnereiberufsgenossenschaft ist es 
belanglos, wer die Anlage unterhält und welcher Zweck mit den 
Arbeiten verfolgt wird, z. B. Erwerb, Liebhaberei, Beschäftigung 
von Arbeitslosen usw. 

Den landwirtschaftlichen Berufsgenossenschaften verbleiben als 
Haupt- oder Nebenbetriebe oder Betriebsbestandteile : 

1. Obstpflanzungen, die nicht eine Obstgärtnerei darstellen, 
z. B. Straßenpflanzungen; 

2. der feldmäßig betriebene Gemüse- und Nutzpflanzenbau, 
z. B. Hopfen-, Tabakbau ; 

3. die Feldsamengewinnung, z. B. Kleesamen- und Rüben- 
samenzucht; 

4. der Weinbau und die Weinbauschulen; 

5. die Gärtnereibetriebe nach Maßgabe der §§ 918 und 959 
der Reichsversicherungsordnung. W. 



Zeit- und Streitfragen. 

Organisation der Beschlagnahme gärtnerischer Erzeug- 
nisse. Die Beschlagnahme der Pflaumenernte hat deutlich ge- 
zeigt, daß für Weiterbeförderung und Abnahme die richtigen Maß- 
nahmen vollständig fehlten. Es ist dies von allen Seiten fest- 
gestellt worden, es wurden auch manche Vorschläge gemacht, wie es 
hätte sein können. Fehler sind aber dazu da, daß man daraus 
lernt, und deshalb möchte ich die Frage aufwerfen, welche Lehre 
wir daraus ziehen können. 

Es sollten jetzt schon Erkundigungen eingezogen werden, in 
welchem Umfange Privat- und Handelsgärtnereien Frühgemüse 
anbauen werden. Alle Ergebnisse kommen an einer Stelle zu- 
sammen. Mit den so erhaltenen Zahlen ist dann eine Rundfrage 
an Konservenfabriken und andere Abnehmer zu richten, wodurch 
das Verhältnis von Anbaufläche zur Abnahme klar zutage tritt. 
Sollte durch die Militärverwaltung eine plötzliche Beschlagnahme 
erfolgen, dann weiß man sofort, wieviel Waggons zur Verfügung 
stehen müssen, um möglichst schnell die Erzeugnisse fortzuschaffen. 
Aus der Zusammenstellung ist auch ersichtlich, an welcher Stelle 
der größte Andrang sein wird, so daß die Möglichkeit eines Ver- 
derbens der Ware, wie es die Beschlagnahme der Pflaumenernte 
gezeigt hat, auf das Mindestmaß eingeschränkt wird. 

An Hand eines jetzt schon im Laufe des Winters aufgestellten 
Zahlenmaterials hätte man auch eine bessere Übersicht über den 
gesamten Gemüse- und Obstbau, der noch lange nicht geschäfts- 
mäßig genug organisiert ist, wie andere Berufe. Die einzelnen 
Zweige sind wohl für sich gut durchgebildet, aber in dem „für 
sich" liegt der Fehler, die Sonderinteressen müssen sich mehr ab- 
stumpfen, müssen sich dem Ganzen unterordnen. 



XXI, 8 



Die G 



a r 1 e 



u w e 1 1. 



95 



Meine Vorschläge sind natürlich nur in äußeren Umrißlinien 
gezeichnet, sollen also auch auf andere Ernten ausgedehnt werden. 
Wir sollten nicht erst kurz vorher damit anfangen. Formulare 
wären an die einzelnen Betriebe zu versenden, in welche die Ernte- 
aussichten eingetragen werden. Dadurch wäre auch die Festsetzung der 
Höchstpreise erleichtert, so daß Beschwerden und Schädigungen 
seltener vorkommen. Man darf dabei nicht vergessen, daß eine Ver- 
ordnung, netzartig über Deutschland gehreitet, für irgendwelche 
pezielle Verhältnisse nicht paßt, aber wie überall, muß auch hier der 
Einzelne sich beugen. Es muß daher in der Zentralstelle eine 
Auskunft geschaffen werden, welche an Ort und Stelle die Sach- 
lage prüft und daraufhin Erleichterungen schafft. Sollte der 
Gartenbau eine straffe Organisation nicht fertig bringen, um da- 
durch sich und dem Kriegsernährungsamt zu helfen? 

Hermann Wolff, Baumschulenweg. 



und Brucheisen, Gießereiroheisen, Eisen und Stahl der Spezialtarife 
1 und II, Blei, Zink und andere Metalle, Getreide, Hülsenfrüchte, 
Oelsamen, Malz und Mühlenerzeugnisse, Flachs, Hanf, Hede, Werg, 
Jute, Seilerwaren. Andere Erzeugnisse der Feld- und Gartenwirt- 
schaft, des Obstbaues, Holz, Spiritus, Sprit, Bier, Stärke, Kartoffel- 
zucker, Traubenzucker, Dextrin usw., Mineralöle, Petroleum, Naphtha, 
Palmöl, Palmkernöl, Kokosnußöl, Leinöl usw. Garne, Gewebe, 
Twiste usw. Glas. Andere Güter, Zucker, Fleisch usw. Ferner 
die Seehafen - Ausnahmetarife, besondere ermäßigte Auslands- 
und Ueberseetarife, Frachtnachlaß bei Ausnutzung des Ladegewichtes. 
Frachtermäßigungen im Verkehr mit Kleinbahnen, lebende Tiere. 
Alle diese Ausnahmetarife, welche zu einem großen Teile sehr 
verwickelte Verhältnisse haben, werden nun auf das genaueste auf 
ihr weiteres wirtschaftliches Bedürfnis geprüft, in ihrer Handhabung 
vereinfacht; sie haben mehr oder minder auch Frachterhöhungen 
zu erwarten. Badermann. 



Verkehrswesen. 

Die Erhöhung der Eisenbahntarife ist eine Frage, welche 
zurzeit weite Kreise der Beteiligten, und zwar sowohl der Eisen- 
bahnen wie der Verkehrstreibenden bewegt. Ihre Entstehung ist 
auf die Tatsache zurückzuführen, daß die Ausgaben der Eisen- 
bahnen durch Steigerung aller Preise der Betriebsmaterialien und 
Vermehrung der Personalkosten außerordentlich gewachsen sind. 
Wenn auch zu hoffen ist, daß die Mehraufwendungen als unmittel- 
bare Begleiterscheinung des Krieges zum Teil wieder etwas zurück- 
gehen werden, so wird doch auch nach dem Kriege der hohe 
Preisstand im allgemeinen fortbestehen. 

In der Erkenntnis dieser Sachlage sind bereits die Nachbar- 
länder mit Frachterhöhungen vorgegangen. Die nordischen Länder 
haben die Tarife heraufgesetzt, die niederländischen haben einen 
allgemeinen Frachtzuschlag von 10"/'n. die Schweiz einen Zuschlag 
von einem Rappen für 100 kg auf alle Güter ohne Unterschied 
eingeführt. In Oesterreich-Ungarn ist zunächst nur der Frachtbrief- 
stempel erhöht worden, jedoch ist eine einschneidende Erhöhung 
der Tarife in Vorbereitung. In Deutschland ist die Frage einer 
allgemeinen Tariferhöhung in Erwägung gezogen, teils von einigen 
Eisenbahnverwaltungen, teils von Interessenten, welche befürchteten, 
anderenfalls Ausnahmetarife, auf deren Fortbestand sie besonderen 
Wert legen, zu verlieren. 

Von den preußisch- hessischen Staatsbahnen ist jedoch eine 
allgemeine Tariferhöhung zurzeit nicht in Aussicht genommen, da 
damit zu rechnen ist, daß der Verkehr der Eisenbahnen vom Reich 
mit einer Steuer belastet werden muß, und es deshalb nicht un- 
bedenklich sein würde, dem Verkehr eine weitere allgemeine Fracht- 
erhöhung aufzuerlegen, bei der gerade diejenigen Güter eine 
verhältnismäßig zu starke Belastung erfahren oder gar die Ver- 
kehrsmöglichkeit verlieren würden, die infolge ihres geringen Wertes 
oder ihrer weiten Transportwege einer besonders pfleglichen 
tarifarischen Behandlung bedürfen. Dabei darf nicht außer Acht 
gelassen werden, daß die Eisenbahnen vorzugsweise dazu berufen 
sind, das wirtschaftliche Leben nach dem Kriege wieder aufbauen 
zu helfen. 

Nun ist sowohl aus der Mitte des Landeseisenbahnrates als 
auch von Eisenbahnverwaltungen angeregt worden, zunächst die 
bestehenden, sehr zahlreichen Ausnahmetarife einer Nachprüfung 
daraufhin zu unterziehen, ob sie ohne erhebliche Schädigung wirt- 
schaftlicher Interessen aufgehoben werden können. 

Diese Ausnahmetarife — abgesehen von denen mit nur vor- 
übergehender Gültigkeit oder längstens für die Dauer des Krieges — 
umfassen nun die mannigfachsten Rohstoffe, Güter und Waren 
und sind für Handel sowohl wie Industrie von der allergrößten 
Wichtigkeit. 

Nach der neuesten Feststellung gibt es bei den preußisch- 
hessischen Staatsbahnen Ausnahmetarife für: Steinkohlen usw., 
Braunkohlen usw., Rohstoffe, wie Düngemittel, Kartoffeln, Rüben, 
Brennstoffe, Holz des Spezialtarifes 111 usw., Erde und Steine, 
Zement, Gips, Asphalt usw., Salz, Soda, Harz, Säuren, 
Schwefel, Eisenerze, Kiesabdrücke, Braunstein, Schwefelkies, Roh- 



Mannigf altiges. 



Gemüsebau und Ziergärtnerei. Eine Betrachtung über ihr 
gegenwärtiges Verhältnis zueinander erscheint nicht unangebracht. 
Wenn in Friedenszeiten der Gemüsebau allzusehr im Hintergrunde 
und im Schatten des Ziergartenbaues stand, so hat ihn der Krieg 
mit all der Schwierigkeit der durch ihn geschaffenen Ernährungs- 
verhältnisse so in den Vordergrund geschoben, daß dem Herzen 
nur wieder der Wunsch bleibt, es möge uns recht bald wieder eine 
Zeit beschieden sein, wo nicht nur des Lebens Not und Drang 
das Erste und Letzte, sondern Herz und Sinn sich auch wieder auf 
das Schöne, nicht nur rein Nützliche, wenden dürfen und sollen. 

Wenn in Friedenszeit der Ziergärtner mit einer gewissen ver- 
ächtlichen Ueberlegenheit auf den armen Gemüsebauer herabblickte, 
so schaut er vielleicht jetzt mit stillem Neid auf die schönen 
Gewinnste, die dieser mit seinem Gemüse einzuheimsen vermag. 
Eine weitestgehende Beachtung von Fachmännern, Gelehrten und 
Laien wird dem Gemüsebau jetzt zuteil, eine dauernde Wert- 
schätzung wird ihm als Frucht dieser schweren Zeit, über die er 
so getreulich und fühlbar hinwegzuhelfen vermochte, bleiben, und 
durch die unter dem Drucke der Kriegsverhältnisse erzwungene 
Arbeit von Fachmännern und Gelehrten auf dem Gebiete des 
Samenbaues liegt auch die nächste und fernere Zukunft ver- 
heißungsvoll offen. 

So mag an dieser Stelle erinnert werden, daß mit dem Gemüse- 
bau aller Gartenbau und anschließend alle Gartenkunst überhaupt 
ihren Anfang nehmen. Wenn der Mensch das erste Stück Land, 
das er urbar gemacht hatte, mit einem Zaun umfriedete und so 
den ersten Garten schuf, so pflanzte er nicht Gewächse ein, die 
er nun der Schönheit ihrer Blätter und Blüten oder ihres Wohl- 
geruches wegen aus dem Heere von Gewächsen seiner Umgebung 
ausgewählt hatte ; seine Wahl war ausschließlich vom Nützlichkeits- 
standpunkte aus getroffen worden. Was ihm selbst oder seinen 
Haustieren als Nahrung dienen konnte, was durch Pflege und 
Veredelung in dieser Hinsicht mehr Nutzen abzuwerfen versprach, 
und was ihm als Heilmittel gegen Ungemach und Krankheit be- 
kannt war, das pflanzte er zunächst in seinen Garten, nicht was 
schön, köstlich und duftend war. Nach Erfüllung dieser ersten Lebens- 
bedingung erst konnte auch das Bedürfnis nach Blumenschönheit 
und -duft zu Worte kommen, und die bei der Zucht und Pflege 
von Nahrungs- und Heilpflanzen gewonnene Erfahrung und Einsicht 
zum Ziergartenbau und im langsamen Gefolge zur Gartenkunst 
führen. 

Und wie alle Ziergärtnerei und alle Gartenkunst als weiterer 
Ausbau und Veredelung des vom reinen Nützlichkeitsstandpunkte 
aus Gewonnenen zu betrachten sind, so hat auch alle Wissenschaft 
vom Pflanzenreiche einen ganz gleichen Anfang genommen und 
die gleiche Weiterentwicklung erfahren — vom Notwendigen zum 
Schönen. Durch das Sammeln von Wurzeln und Kräutern, denen 
Heilkraft innewohnte, oder bei denen man heilkräftige Wirkungen 
vermutete, durch Vergleichung und Unterscheidung, Zerlegung und 
Bearbeitung dieser Kräuter hatten sich schon Aegypter und Araber, 



96 



Dio Gartenwelt. 



XXI. 8 



Griechen und Römer weitgehende Kenntnis vom Pflanzenreiche 
erworben. Auch im ganzen Mittelalter noch hatte sich die botanische 
Wissenschaft noch nicht viel über diese Anfangsstufe erhoben ; 
auch hier war sie eine reine Medizinalwissenschaft, und auf 
den Heil- und Nährwert eines Gewächses, also auf den reinen 
Nützlichkeitswert für den Menschen, wurde das Hauptgewicht 
gelegt, wie überhaupt fest im Gemüte des Menschen die Ueber- 
zeugung eingewurzelt war, daß Tier und Pflanze nur mit dem 
Maßstäbe der Verwendbarkeit für den Menschen zu messen seien 
und nur von diesem Gesichtspunkte aus eingereiht werden könnten. 

Auch hier ist langsam das Schönheitsgefühl des Menschen zu 
seinem Rechte gekommen, auch hier hat der Mensch mit der Zeit 
seine Beachtung und Aufmerksamkeit neben den nützlichen auch 
den schönen Vertretern des Pflanzenreiches zugewendet, hat erst 
so rein und umfassend das herrliche Gotteswerk begreifen ge- 
lernt und von diesem höheren Standpunkte aus die bescheidene 
Einreihung seiner selbst ins Ganze gefunden. 

Stellt also die Ziergärtnerei, aus der erst wieder Gartenkunst 
ihren Anfang nehmen konnte, selbstverständlich eine höhere Stufe 
des Gartenbaues als der Gemüsebau dar, da sie sich ja erst auf 
Grund besserer Lebensbedingungen für den Menschen und somit 
höherer Lebensbedürfnisse desselben entwickeln konnte, und hat 
uns der Krieg mit des Lebens Not und Drangsal wieder enger in 
Fühlung gebracht, wieder mehr auf den reinen Nützlichkeitsstandpunkt 
zurückgedrängt, so wollen wir uns doch jetzt langsam wieder in ein 
schönes Gleichgewicht zurückfinden, und dies Gleichgewicht möge 
nicht zur Wiederkehr allzu geringer Wertbeimessung des Gemüse- 
baues einerseits und zu einseitiger Ueberschätzung aller Ziergärtnerei 
andererseits führen. R. Eckerth. 

Billiger Frühbeetfensterkitt. Ein gutes deutsches Sprich- 
wort sagt: Not macht erfinderisch. Unser üblicher Fensterkitt 
aus Firnis oder Leinöl mit Schlemmkreide ist infolge Mangels 
und hoher Preise der Oele für die Gärtnereien kaum erschwing- 
bar geworden. Ich glaube daher im Interesse der Gärtnerei zu 
handeln, wenn ich nachfolgend gegenüber den obengenannten 
teuren Materialien ein billigeres Ersatzmittel empfehle. 

In der mir unterstellten hauptstädtischen Gärtnerei in Buda- 
pest werden in neuerer Zeit die gut ausgetrockneten Fenster mit 
einer kittähnlichen Masse verkittet, welche aus Teer und Sand 
(feiner Flugsand) hergestellt wird. Das Herstellen der kittähd- 
lichen Masse, sowie das Verkitten selbst sind zwar schmutzende 
Arbeiten, mit der nötigen Vorsicht und Geschicklichkeit ausgeführt, 
ist dies aber ein kleiner Nachteil gegenüber dem Vorteil der 
Billigkeit der Masse. Die damit gemachten Versuche haben 
bisher ein zufriedenstellendes Ergebnis gehabt, weshalb ich es fui; 
angezeigt halte, dieses verhältnismäßig billige Verfahren der 
gärtnerischen Allgemeinheit zum Ausprobieren anzuempfehlen. 

Es würde mich freuen, wenn nach gemachten Erfahrungen 
auch andere Fachleute die Ergebnisse inbezug auf Haltbarkeit der 
gärtnerischen Oeffentlichkeit bekanntgeben würden. 

Meine Erfahrungen in dieser Sache sind noch nicht ab- 
geschlossen, deshalb veröffentliche ich mein Rezept nur mit Vor- 
behalt. Karl Rade, Gartenbaudirektor in Budapest. 

Ausnahmetarif für Düngemittel. Um bei der gegenwärtigen 
Wagenknappheit die Landwirtschaft mit den jetzt dringend not- 
wendigen Düngemitteln rechtzeitig und in möglichst ausgiebiger 
Weise zu versorgen, ist, wie bereits im „Gemeinsamen Tarif- und 
Verkehrsanzeiger für 1917" unter laufender Nr. 80 und 81 be- 
kanntgegeben, der Ausnahmetarif 2 für Düngemittel und Roh- 
materialien zur Kunstdüngerfabrikation, sowie der Kriegsausnahme» 
tarif 2 II s (jetzt 2 IV r Abteilung C) wie folgt abgeändert worden,: 
für Thomasschlacken und Thomasschlackenmehl, Kali- 
salze, rohe, als Bergkieserit, Hartsalz, Kainit, Karnallit, Krugit^ 
Schönit, Sylvinit, sämtlich in Stücken oder gemahlen, wird bis 
auf weiteres die 20prozentige Frachtermäßigung des bezeichneten 
Ausnahmetarifs nur gewährt unter der Bedingung der Fracht- 
zahlung mindestens für das Ladegewicht der ge- 
stellten Wagen, wobei für Wagen mit einem anderen Lade- 



gewicht als 10, 12,5 und 15 t das Ladegewicht von mehr als 
10 t, aber weniger als 12,5 t nur für 10 t, das Ladegewicht 
von mehr als 12,5 t, aber weniger als 15 t nur für 12,5 t ge- 
rechnet wird. In gleicher Weise ist auch die 20prozentige Er- 
mäßigung des Ausnahmetarifs 2 II s des Tfv. für Thomasschlacke 
und Thomasschlackenmehl beschränkt worden. 

Da die Gewährung der 20prozentigen Frachtermäßigung künftig 
an die Ausnutzung des Ladegewichts der Wagen gebunden ist, 
wird für die genannten Güter auch der Frachtnachlaß nicht mehr 
gewährt. 



Personalnachrichten. 



Gärtner in Waffen. 

Ernst Abbel, Altona, wurde die Rote Kreuzmedaille III. Kl. 
verliehen. 

Distler, Hans, Gefreiter, städt. Baumwart, wurde das Eiserne 
Kreuz erster Klasse verliehen. 

Durch Verleihung des Eisernen Kreuzes wurden die Handels- 
gärtner Otto Hauert, Wolfenbüttel, und Lambrecht, Rendsberg, 
ausgezeichnet.! , 

Willy König, ehem. Geisenheimer, Ransen, Kreis Steinau an 
der Oder, wurde auf dem westlichen Kriegsschausplatz durch Ver- 
leihung des Eisernen Kreuzes und des Braunschweigischen Kriegs- 
verdienstkreuzes ausgezeichnet. 

Die Deutsche Gesellschaft für Gartenkunst gibt die Verleihung 
des Eisernen Kreuzes I. Klasse an Max Vogel, Gärtnereibesitzer, 
Hauptmann und Artillerie-Gruppenführer, Baden-Baden, die Ver- 
leihung des Eisernen Kreuzes II. Klasse an Gartenarchitekt 
C. Löther, Feldmagazininspektor, und an Gartentechniker Oscar 
Thiem, Potsdam-Pfaueninsel, bekannt; ferner folgende Beförde- 
rungen : Gartentechniker F. Herbert, Stettin, und Gartentechniker 
Herrn. Peters, Pempowo, Provinz Posen, beide Offizier-Stell- 
vertreter zu Leutnants; Gartenmeister Fr. Schwartz, Wiesbaden, 
zum Vizefeldwebel, auch wurde ihm die Hessische Tapferkeits- 
medaille verliehen. 

Der Verband der Handelsgärtner Deutschlands gibt die Ver- 
leihung des Eisernen Kreuzes II. Klasse an sein Mitglied Theodor 
Karsten, Höxter an der Weser, bekannt. 



Goos, Max Joseph, seit dem Tode Koenemanns alleiniger 
Inhaber der weitbekannten Staudenfirma Goos & Koenemann in 
Niederwalluf, "f am 7. d. M. nach langem Leiden im 59. Lebens- 
jahre. Der Verstorbene, dessen Betrieb vorbildlich für die deutschen 
Staudenkulturen wurde und dessen Baumschulen sich eines wohl- 
begründeten Rufes erfreuen, stand mir seit einem Vierteljahr- 
hundert persönlich nahe. Er war ein ideal veranlagter Mensch 
von großer Herzensgüte, ein vorbildlicher, um das Wohl seiner 
Mitarbeiter besorgter Arbeitgeber. Von seinen beiden Söhnen 
ist der jüngere fürs Vaterland gefallen, während der ältere noch 
als Artillerieleutnant im Felde steht. M. H. 

Rosch, Herrn., Obergärtner in Lichtenwalde bei Chemnitz, 
seit 25 Jahren Leiter der dortigen Gräflich Vitzthumschen Schloß- 
gärtnerei, ist am 27. Januar d. J. an den Folgen einer Mittelohr- 
eiterung im Alter von 55 Jahren gestorben. Der mustergültigen 
Ausgestaltung seines schönen Wirkungskreises, den alljährlich 
Tausende von nah und fern besuchten, widmete Rosch unermüdlich 
und erfolchreich seine ganze Kraft, in den letzten Jahren leider 
stark durch ein tückisches Nervenleiden beeinträchtigt. Seine 
Tüchtigkeit und sein gerades Wesen sichern ihm in dem großen 
Kreise seiner Bekannten und Kollegen dauernd ein gutes An- 
denken. Paul Gersdorf. 



Berlin SW. 11, Hedemannstr. 10. Für die Redaktion verantwortl. Mai Hesdörffer. Verl. von Paul Parey. Druck : Anh. Bnchdr. Gut nberg, G. Zichäus, Dessau» 



Illustrierte Wochenschrift für den gesamten Gartenbau. 



Jahrgang XXI. 



2. März 1917. 



Nr. 9. 



Nachdruck und Nachbildung aus dem Inhalte dieser Zeitschrift werden strafreditlidi verfolgt. 



Topfpflanzen. 



Salvia involucrata Cav. 

(Hierzu eine Abbildung nach einer für die „Gartenwelt" gefertigten 
Aufnahme.) 
Wie so mancher „alten, guten Pflanze", so ist es auch 
diesem hübschen Salbei gegangen ; vergessen und unbeachtet, 
ist er heute nur ausnahmsweise noch in Privatgärtnereien 
zu finden, und es sollte mich nicht allzusehr wundern, wenn 
er eines schönen Tags von einem findigen Kopf als „Neu- 
heit" auf den Markt geworfen würde. Dieser Salbei 
ist im Schmuck seiner dunkelrosaroten Blütenstände 
von so auffallend eigenartiger Schönheit, daß man 
sich füglich wundern muß, ihm in unsern Kulturen, 
vorab beim Privatgärtner, so selten zu begegnen. 
Aber da ist doch die Salvia splendens, wird 
mir mancher entgegenhalten. Nun ja, die macht 
mehr Geschrei und auch mehr — • Ansprüche, und 
ihre allgemeine Verwendung stempelt sie zum selben 
„Mädchen für alles" wie die Crimson Rambler unter 
den Schlingrosen ! Man wird ihrer beinahe bald 
überdrüssig und wird gerne einmal zur Abwechslung 
zum hüllblättrigen Salbei greifen. In auffallendster 
Schönheit sah ich Salvia involucrata vor Jahren in 
den damals noch reich unterhaltenen Rothschildschen 
Gärten oberhalb Genf. Truppweise dem Rande von 
Gehölzgruppen vorgelagert und zum Teil auch in 
zwanglosen Einbuchtungen in den Rand feinerer, be- 
sonders immergrüner Gehölze eingefügt, hoben sich 
die schlanken ßlütenähren von Salvia involucrata 
wunderhübsch von dem dunkelgrünen Blattuntergrund 
ab. Auch zu ganzen großen Gruppen, alleinstehend 
auf Rasenflächen im Park oder als Vorpflanzung, 
wie eine Staude verwendet, eignet sich Salvia 
involucrata gut. Bedingung scheinen mir für ihre 
glückliche Verwendung etwas größere Raumverhält- 
nisse, damit die bis 1,20 m und darüber hoch werden- 
den Pflanzen dieses Salbei gut wirken; sein ganzer 
Bau läßt ihn weniger als Pflanze für kleine oder 
gar kleinste Gärten erscheinen, es sei denn mehr 
als Einzelpflanze. Auch als Füllpflanze in der 
Staudenrabatte bietet Salvia involucrata eine sehr 
annehmbare Bereicherung, zumal sie ihrer ganzen Natur 
nach einen ausgesprochen staudig-halbstrauchigen Cha- 
rakter hat und damit eine verhältnismäßig lange Blüten- 
dauer vereint. Als Topfpflanze gezogen, bietet Salvia 

Gartenwelt XXI. 



//it^o/ucrata ebenfalls, wie dies die beistehende Abbildung zeigt, 
eine sehr hübsche, eigenartige Erscheinung; sie kann sozu- 
sagen das ganze Jahr, mit Ausnahme etwa der Frühjahrs- 
monate, in Blüte stehen, je nachdem die Vermehrung vor- 
genommen und wie lange hinaus entspitzt wird; in jedem 
Falle ist ein öfteres Entspitzen nach meiner Erfahrung durch- 
aus notwendig, um gut verzweigte Pflanzen zu erzielen, da 
die schlanken, kahlen Aste sich sonst wenig verzweigen. 




Salvia involucrata als Topfpflanze. 



98 



Die Harten weit. 



XXI, 9 



Die Blüten sind leuchtend rosenrot, ebenso die Hoch- 
oder Deckblätter, die mit fortschreitendem Erblühen der 
ährenförmigen Blütenstände abfallen. 

Die Kultur von Salvia involucrata ist im allgemeinen 
diejenige von Salvia splendens. Da die Pflanze etwas spät 
in Blüte tritt, empfiehlt es sich, zum Zwrecke ihrer Ver- 
wendung im Freiland als Sommerblüher August-September- 
stecklinge zu überwintern, sie im Frühjahr lauwarm zu kulti- 
vieren, öfters zu verpflanzen und zu stutzen, wodurch man 
bis Ende Mai hin Pflanzen erhält, die im Topf sowohl wie 
ausgepflanzt weit bis in den Herbst hinein blühen; Topf- 
pflanzen halte man besonders kühl und im lichten Schatten, 
um deren Blüte recht lange auszudehnen. Frühere und spätere 
Frühjahrsstecklinge liefern einen hübschen Flor bis um Weih- 
nachten und Neujahr; die abgebildete Pflanze ist Ende No- 
vember aufgenommen. Der ganze Bau macht Salvia involu- 
crata zu einer eigenartigen und schönen Pflanze, welcher ich 
auch wegen ihrer Anspruchslosigkeit weitere Verbreitung in 
Privatbetrieben sowohl wie öffentlichen Gärten wünschen möchte. 
H. Schmid, Obergärtner, Waedenswil (Schweiz). 



Stauden. 



Orchideen. 



Billige Orchideentöpfe. Wer in einfachen Verhältnissen, 
namentlich auch im Zimmer, einige Orchideen zieht und dabei die 
bekannten seitlich durchlöcherten Orchideentöpfe verwenden will, 
der hat oft Schwierigkeiten in der Beschaffung derselben, denn 
an vielen Orten bekommt man sie nicht. Die meisten Orchideen- 
arten gedeihen zwar auch in gewöhnlichen Blumentöpfen ; aber der 
bessere Zutritt von Luft und Wärme zu den Wurzeln durch diese 
Löcher, sowie der Schutz des Pflanzmaterials vor schnellem Versauern 
sind sehr beachtenswerte Punkte bei der Kultur der Orchideen, 
die auch der Liebhaber sich wenigstens für gewisse Arten zunutze 
machen möchte. 

In den durch die Industrie hergestellten Orchideentöpfen und 
-Schalen sind jedoch meistens ziemlich viel und große Löcher. 
Es hat sich das in feuchter Gewächshausluft wohl als zweckdienlich 
erwiesen, aber in trocknerer Luft, vorzugsweise im Zimmer, wird 
der Pflanzstoff bei so reichlicher Durchlüftung gar zu schnell trocken. 
Noch weniger eignen sich deshalb Körbchen (besonders kleine) 
und Rindenklötze zur Zimmerkultur von Orchideen, denn es ist 
fast unvermeidlich, daß die Pflanzen in solch luftigen Wohnstätten 
durch Trockenheit leiden ; kommt derartiges doch nicht selten schon 
in Gewächshäusern vor. 

Verwendet man dagegen Töpfe, deren Wände nur unten, dicht 
über dem Boden, also nicht unmittelbar neben dem Wurzelballen, 
mit 3 bis 5 mäßig großen Löchern versehen sind (Siehe Ab- 
bildung), so dürfte das für trocknere Räume gerade recht sein. 
Odontoglossum-, Oncidium- und Epidendrum-Arlen fühlen sich bei 
mir in solchen Töpfen im Zimmer anscheinend ganz wohl. Einzeln 
sind derartige Töpfe aber noch weit schwerer als die anfangs er- 
wähnten und allgemein üblichen zu erlangen. Infolgedessen stelle 
ich mir solche seit längerer Zeit bei Bedarf 

selbst her, indem ich in gewöhnliche Töpfe mit _ 

Hammer und Nagel Löcher hineinschlage. Ich 
nehme dazu die Töpfe (nicht zu scharf ge- 
brannte) sitzend auf den Schoß und poche an- 
fänglich vorsichtig, bis mit einem hellen „Knick" 
die ersten Splitter im Innern abspringen, dann 
aber beherzter, die entstandene Oetfnung um 
den Rand herum allmählich erweiternd ; auch 
das untere Abzugsloch erweitere ich bei dieser 
Gelegenheit reichlich. Zerbricht ein Topf bei 
dieser Behandlung, so ists nicht schlimm, billig 
sind so hergestellte Orchideentöpfe trotzdem, 
und — Sdierben braucht man zur Orchideen- 
kultur! P. Gersdorf, Chemnitz. 



p 



sind verhältnismäßig nur 
durch ihren feinen Wohl- 
seiner Gründlichkeit und 



Billiger Orchideentopf. 



Artemisia lactiflora. 

Von Obergärtner Max Pohlig, zurzeit Sanitätsgefreiter, 
Königsbrück i. S. 

Eine Heerschau über das weite Gebiet der Stauden läßt 
uns ohne weiteres erkennen, daß hinsichtlich der Farben- 
und Formenwelt und ihrer Verwendungsmöglichkeiten für die 
Landschaftsgärtnerei die Stauden so leicht wohl nicht von 
irgend einer anderen Pflanzenklasse übertroffen werden 
können. Indessen ist selbst in der Natur nichts so voll- 
kommen, daß es nicht auch seine Mängel hätte. 

Schmerzlich vermißt der Staudenfreund bei seinen Lieb- 
lingen eine der schönsten Gaben der Allmutter Natur, den 
köstlichen Duft. Dem Kenner 
wenige Arten bekannt, die sich 
geruch auszeichnen. Das wegen 
Zuverlässigkeit in der Fachwelt bestens bekannte Werk „Unsere 
Freilandstauden" von Graf Silva-Tarouka zählt deren nur 
63 Spezies, doch sind hier der Vollständigkeit halber auch 
solche genannt, die, wie beispielsweise Hesperis matronalis 
fl. pl., die gefüllte Nachtviole, nur zu den Halbstauden ge- 
hören, teils solche, die wie Arabis albida fl. pl. und Thalictrum 
flavitm nur in geringem Maße Duft ausströmen. 

Diejenigen Stauden, die sich durch ihren köstlichen Wohl- 
geruch vorteilhaft vor ihren Artgenossen auszeichnen, findet 
man leider noch selten im Staudengarten, doch verdienten 
sie namentlich in kleineren Anlagen und in Schmuckrabatten 
längs der Gartenhauptwege einen Ehrenplatz. Es sei hier 
die leider noch recht wenig bekannte Artemisia lactiflora 
genannt, die Edelraute oder der milchweiße Beifuß. 
Sie ist eine äußerst empfehlenswerte, prächtige, aus China 
stammende, vollständig winterharte Komposite. Die Tracht 
der Pflanze ist der unseres einheimischen, altbekannten Bei- 
fußes ähnlich, auch erreicht sie dieselbe Höhe. Die Blätter 
sind fein geschlitzt, tiefgrün gefärbt, der Wuchs der Pflanze 
ist gesund und üppig. Frühestens Ende August, Anfang 
September, während die Blütentürme der Rittersporne schon 
lange ihre blauen Farbenfeste feiern, erscheinen auf meter- 
langen, reichverzweigten Rispen unzählige, milchweiße bis 
zart elfenbeinweiße Blütchen, die einen wahrhaft köstlichen, 
honigsüßen Wohlgeruch ausströmen. AUsogleich würdigen 
sie unzählige Bienen und Falter ihrer ganz besonderen Auf- 
merksamkeit. 

Wer diese Edelraute einmal blühend gesehen, mit dem 
keuschen Weiß ihrer zahllosen Blüten Freude weckend, mit 
ihrem zarten Duft die Sinne lind umschmeichelnd, der muß 
sie liebgewinnen. Der Imker schätzt sie als wertvolle Bienen- 
weidepflanze. Für die Blumenvasen lassen 
sidi die Blütenrispen in Verbindung mit 
roten Edelschafgarben und tiefblauen Ritter- 
spornen trefflich als Schnittblumen ver- 
wenden. Da die Artemisien, wie übrigens 
fast alle herbstblühenden Stauden, einen 
ziemlich hohen Wuchs haben, lassen sie 
sidi auch gut als Einzelpflanzen oder zu 
dreien vereint im Rasen verwenden, auch 
im Naturgarten oder in großen Stauden- 
gruppen kommen sie wirkungsvoll zur 
Geltung. Man vermeide dann jedoch die 
nahe Nachbarschaft gleichzeitig blühender 
gelb oder rosablumiger Stauden. 




XXI, 9 



Die Ct a r t e n w e 1 1. 



99 



Aber seine intime Schönheit und den eigenartig aroma- 
tischen Duft offenbart der milchweiße Beifuß doch dort, wo 
er in unmittelbare Nähe des Beschauers gerückt ist. An 
den Boden stellt Artemisia lactiflora im allgemeinen keine 
hohen Ansprüche; er sei nicht zu schwer, doch durchlässig. 
Wenn möglich, gebe man der Staude einen Standort in 
warmer, etwas feuchter Lage. Dort wird sie sich in wenigen 
Jahren zu einer Schönheit entfalten, die alljährlich zur Blüte- 
zeit die staunende Bewunderung aller Gartenfreunde erregt. 

Campanula speciosa, aus den Pyrenäen stammend, ist eine 
gut wirkende, hellblau blühende Gesteinspflanze. Tracht und Bau 
derselben, sowie auch die Blumeng-estaltung- ähneln sehr der all- 
bekannten C Medium, man könnte sie nach meinem Dafür- 
halten deswegen ruhig als eine schwachwachsende Form dieser Art, 
die ja fast dieselbe Heimat (angegeben wird Südeuropa und das 
südliche Frankreich) hat, bezeichnen, da sie dieser sehr nahe 
kommt, nur in allen Teilen kleiner ist und auch nur halb so hoch 
wird. 

Und da Medium und ihre gefüllten Formen infolge ihrer 
Größe und Ueppigkeit nicht gut in den Felsengarten passen — 
leider sieht man diese Geschmacksverirrung aber recht häufig 
noch — kann speciosa als schwachwachsende Form, da sie mageren, 
durchlässigen Boden und sonnigen Standort wünscht und darin 
etwas wählerischer als jene ist, die ja auch in strengen Böden 
sich noch wohlbefiudet, hier besser zur Vertretung dieses Glocken- 
blumencharakters verwendet werden. Obwohl sie als Staude 
angeboten und auch in botanischen Büchern als eine solche be- 
schrieben wird, dürfte es vielleicht folgerichtiger sein, sie nur als 
zweijährige Pflanze zu bezeichnen, da abgeblühte Pflanzen nach 
der Samenreife fast immer eingehen. V. 



Pflanze noch! Ihre jungen Triebe sind eßbar und schmackhaft! 
Ich spreche aus Erfahrung. Die spargelähnlichen, aber leider kleinen 
Triebe können, abgezogen und wie Spargel gesotten (und beispiels- 
weise mit brauner Butter zubereitet) sehr wohl genossen werden. 
Erinnerlich, — es sind etwa 15 Jahre seitdem verflossen, — war 
der Geschmack gut. (Die Hauptsache am guten Geschmack mag 
die braune Butter abgegeben haben !) Immerhin sollte man ver- 
suchen, dieser überaus genügsamen und leicht heranzuziehenden 
Pflanze einen materiellen Nutzen abzugewinnen. 

Ich glaube bestimmt, bei entsprechender Düngung und Kultur 
würde man die Triebe auch so groß und in solchen Massen er- 
zielen können, daß man von einem Ertrage reden könnte. Damals 
aß ich nur die kleinen Triebe der dürftigen Pflanzen, die in einem 
sonnenarmen Garten als Lückenbüßer wuchsen. 

Die Pflanze verträgt übrigens das Ausbrechen der Triebe aus- 
gezeichnet. Wie es mit der Genießbarkeit des großen Bruders 
des Sieboldsknöterich, des Polygonum sachalinense, sein mag, weiß 
ich nicht. Mit der vorher besprochenen hat er vor allem die lästige 
Seite des Aussendens seiner nicht tot zu kriegenden Rhizome. Er 
ist im übrigen noch stattlicher, aber meiner Ansicht nach nicht so 
schön in der Blüte als der gute, altbekannte Sieboldknöterich. — 

Strehle, Breslau. 

Gemüsebau. 



Noch einmal Polygonum cuspidatum. Siebolds Knöterich 
Du altbekannter Herr ! Es mag viele 
Kollegen geben, denen der Name 
cuspidatum für den bei den Gärtnern 
Polygonum Sieboldi genannten Knö- 
terich nicht bekannt war. In alten 
Parks und alten Gärten ist er häufig 
zu finden. Neuerdings ist er nicht 
mehr so wohlgelitten, und das nicht 
mit Unrecht. \ Denn der kleinste Teil 
seiner Stolonen (Wurzelstückchen) ver- 
mag sich, irgend wohin verschleppt, 
zur neuen Pflanze auszubilden. Da- 
bei ist er durchaus nicht wählerisch. 
Im sandigen Boden wie im Humus, 
im Lichte wie im Schatten gedeiht 
die durch ihr helles, frischgrünes 
Laub ausgezeichnete Pflanze. In un- 
glaublich schneller Zeit erobert sie 
mit ihren verhältnismäßig flach wur- 
zelnden Erdstämmen alles Land der 
Umgebung, so daß sie mitunter so 
lästig wird, daß der Gärtner, der die 
landgierige Schöne gepflanzt hat, 
rufen mag : „Die Geister, die ich 
rief, die werd' ich nun nicht los!" 

Schön wird die Pflanze nur, wenn 
sie vollkommen frei und sonnig steht. 
Im Schatten oder nicht freien Stande 
blüht sie nicht. Sie ist in der 
Blütezeit wirklich hübsch und wird 
leicht — besonders wegen der statt- 
lichen Größe des Gewächses — für 
einen Strauch gehalten. 

Eine zur jetzigen Zeit doppelt Campanu 

angenehme l Seite hat aber die Nach einer für die „Garte 



Zur Frage des feldtnäßigen und 
gärtnerischen Gemüsebaues für die Volksernährung. 

Von Landesökonomierat Siebert, Frankfurt am Main. 

In einem Briefe an den Reichskanzler hat Generalfeld- 
marschall von Hindenburg einen warmfühlenden und außer- 
ordentlich nachdrucksvollen Hinweis — um Sein oder Nicht- 
sein von Volk und Reich — an Landbewohner und Städter 

zugleich gerichtet, der die not- 
wendige Erweiterung und Durch- 
führung der Volksernährungsfrage 
behandelt. Den Ernst der Lage 
allen Bundesregierungen, Verwal- 
tungs- und Kommunalbehörden 
vor Augen zu führen und sie auf- 
zufordern, die ausreichende Er- 
nährung unserer Kriegsindustrie- 
arbeiter mit allen Mitteln zu be- 
treiben, starke Persönlichkeiten 
aller Parteien als Führer des 
Heiraatheeres hinter Pflug und 
Schraubstock zu einmütigem Han- 
deln zu verbinden und den furor 
teutonicus bei den Bauern wie 
bei den Industriearbeitern und 
Städtern zu wecken, ist die ein- 
dringlichste Bitte Hindenburgs. 

Durch einen Erlaß an die 
Bundesregierungen hat nun der 
Reichskanzler diesen Ausführungen, 
die eine sehr ernste Aufforderung 
an das Pflichtgefühl aller Behörden 
und Bevölkerungsschichten dar- 
stellen, in vollem Maße zuge- 
stimmt, wie ja auch inzwischen 
die Annahme des Hilfsdienst- 
gesetzes erfolgt ist. 
a speciosa. Da drängt sich doch gewiß 

. elt" gefertigten Aufnahme. die Frage auf: Was kann denn 




100 



Die Garten weit. 



XXI, IJ 



geschehen , und wie vermag ein jeder nach seinen 
Kräften dazu beizutragen, dieses zweifellos berechtigte Ver- 
langen der Wirklichkeit näher zu bringen? Weil es sich 
bei der ganzen Sache vorwiegend um eine in der Folge 
ausreichende Ernährung handelt, und weil vorausgesetzt wird, 
daß man in den rein landwirtschaftlichen Gebieten Deutsch- 
lands und in den Kreisen der führenden Männer unserer 
Landwirtschaft über diese Sachlage nicht genügend unter- 
richtet zu sein scheint, wie Hindenburg ausdrücklich darlegt, 
wird verlangt, daß nicht nur die Erzeugnisse des Grund und 
Bodens freiwillig und in weitestem Maße dem Verbrauch 
zugeführt werden müssen, sondern daß insbesondere die 
Landwirtschaft ihre Aufgabe auch noch in einer selbstver- 
ständlichen Steigerung der Produktion zu erblicken hat. 
Ausdrücklich wird darauf hingewiesen, daß kein staatlicher 
Produktionszwang Platz greifen solle, denn damit würde er- 
fahrungsgemäß nur wenig erreicht, wohl aber verspreche eine 
entsprechende großzügig organisierte Propaganda durch die 
Führer der Landwirtschaft zugunsten einer ausreichenden Er- 
nährung der Kriegsindustriearbeiter großen Erfolg. 

Aber ich meine, das kann nicht nur für diese Arbeiter 
allein gelten. Diese Forderung muß auch den Gedanken 
einschließen, daß es für die Allgemeinheit, für unser ganzes 
Volk zu geschehen hat, denn jeder, der seine Kräfte in den 
Dienst der Allgemeinheit stellt, der sidi emsig müht und 
abarbeitet, hat ein Recht auf entsprechende Ernährung, wenn 
anders seine Kräfte nicht versagen sollen, und ihm die Arbeits- 
freudigkeit nicht genommen werden soll. Wir haben aber 
gleichzeitig noch dafür zu sorgen, daß die Behandlung 
der Ernährungsfrage sich nicht einseitig auf die mensch- 
lichen Bedürfnisse zu erstrecken habe, sondern auch auf die 
absolut notwendigen Erfordernisse des Tierbestandes aus- 
gedehnt und in gleicher Weise berücksichtigt werden müsse. 
Diese beiden Richtungen sind einfach nicht zu trennen, sie 
ergänzen sich gegenseitig und das Eine hängt vollkommen 
von dem Andern ab. 

Was nun zunächst die in Aussicht genommene Propa- 
ganda betrifft, so ist im Verlaufe der Kriegszeit gewiß oft 
genug mit allem Nachdruck darauf hingewiesen worden, daß 
die wirtschaftliche Betätigung hinter der Front, die Mobil- 
machung aller materiellen und moralischen Kräfte notwendig 
ist, wenn hier der Erfolg nicht zurückbleiben soll gegenüber 
den in schwersten Kämpfen und Strapazen, verbunden mit 
den größten Opfern erzielten Waffenerfolgen. Ob nun aber 
das, was längst alle Denkenden bezüglich der Lebensmittel- 
frage erkannt und oft genug betont haben, so in die Tat 
umgesetzt worden ist, wie es notwendig gewesen wäre, das 
ist eine Frage, die dahin Beantwortung finden kann, daß 
wohl mit Sicherheit mehr hätte geleistet werden können 
und infolgedessen auch mehr erzielt worden wäre, wenn alle 
wohlgemeinten Mahnrufe und die damit verknüpften besten 
Absichten von noch größerem Wollen und Vollbringen be- 
gleitet gewesen wären. Gerade darin gipfeln wohl Hinden- 
burgs ernste Worte, die keineswegs als ein Vorwurf an- 
zusehen sind, wohl aber besondere Beachtung finden sollten 
und werden, weil sie von einem Manne ausgehen, der das 
einmütige Vertrauen des ganzen Volkes besitzt und erkannt 
haben wird, daß noch mehr Kräfte angespannt werden müssen 
zu nodi größerer Sicherung unserer Volksernährung und 
Festigung der Bedürfnisse, wie sie das gesamte Volkswohl 
zur Erhaltung und Abwehr bedingen. 

Ich will und kann hier nur denjenigen Teil aus dem 



Gesamtproblem herausschälen, dem ich beruflich nahestehe. 
Und damit komme ich auf das Gebiet der Landwirtschaft, 
von dem die ausreichende Sicherstellung der Ernährung direkt 
verlangt wird, die ja auch die Grundlage unserer ganzen 
Volksernährung und des gesamten Tierbestandes in sich 
schließt, wie das ohne weiteres zugegeben werden muß. 
Nun wissen wir aber, daß die große Landwirtschaft eine 
unverkennbar mächtige Gesamtorganisation darstellt, daß sie 
sich selbst schon seit Jahrzehnten in unendlich viele Teil- 
betriebe gegliedert hat, von denen jeder einzelne seine 
besondere Eigenart besitzt und ein in sich abgeschlossenes 
Ganze ist. Diese Gliederung hat es denn auch veranlaßt, 
daß sich besondere Spezialitäten herausgebildet haben, die 
zu erhöhter Leistungsfähigteit gebracht worden sind unter 
Anwendung langjähriger Erfahrungen, gepaart mit wissen- 
schaftlichen Grundsätzen, Intelligenz und allen möglichen 
Hilfsmitteln, wie solche die Zeit an die Hand gegeben hat. 

Nicht mit Unrecht, — und das hat uns der Krieg erst so 
recht zum Bewußtsein gebracht — , hat sich die Gärtnerei, gleich- 
viel ob Handels- oder Privatbetrieb, von einem früher viel 
verkannten Faktor im gesamten Wirtschaftsleben zu einem 
selbständigen Großbetrieb herausgebildet. Und da ist es 
vorwiegend nicht einmal derjenige Teil der Gärtnerei, den 
wir im allgemeinen als Handelsgärtnerei bezeichnen, sondern 
jene Abteilung der Bodenbewirtschaftung, welche sich in allen 
Ländern als Frucht- und Gemüsegärtnerei zu einer wirt- 
schaftlichen Notwendigkeit und zu immer größerer Bedeutung 
entwickelt hat. 

Schon längst vor dem Kriege hatte dieser Zweig seine 
eigenen Organisationen. Sie dienten nicht nur der Förderung 
persönlicher Interessen, sondern sie waren in der Hauptsache 
berufen, neben der Vermehrung der Produktion insbesondere 
die Veredlung und Verbesserung der Produkte selbst herbei- 
zuführen, und damit beschäftigten sich namentlich die all- 
mählich zu Großbetrieben herangewachsenen Züchtereien, 
selbstverständlich aber auch diejenigen kleineren Umfanges, 
sowohl im Inlande, wie im Auslande. So hatten alle Betriebe 
der Großstädte, aber auch die der mittleren und kleinen 
Städte, ihre Besonderheiten in der Zucht und Pflege von 
Gemüsearten und bildeten sich nach und nach zu Spezial- 
züchtereien aus, wie wir dies auf anderen Gebieten ja eben- 
falls finden. Je größer die züchterischen Mittelpunkte wurden, 
desto mehr stellte sich das Bedürfnis nach Vervollkommnung 
des Absatzes heraus, und da auch andere Länder, Frankreich, 
Italien, vorwiegend aber Holland, in kaufmännischen und 
marktorganisatorischen Einrichtungen der Gemüsemärkte, des 
Gemüsehandels und der Großproduktion vorangegangen sind, 
so erkannte man auch in Deutschland allmählich den Wert 
dieser Nahrungs- und Genußmittel immer mehr, und die 
Betriebe vereinigten sich zu einem Zusammenschluß in dem 
noch vor dem Krieg ins Leben gerufenen „Verband deutscher 
Gemüsezüchter", Sitz Poppenburg in Hannover, einem reichen 
Gemüsemittelpunkt. Dann folgte in Berlin während des 
Krieges die Gründung der Kriegsgemüsebau- und Verwertungs- 
gesellschaft m. b. H. Und als nun von Reichswegen immer 
weiter organisiert wurde, da trat mit Unterstützung von 
Staat und Kommunen die „Reichsstelle für Gemüse und 
Obst" auf den Plan, die ein eigenes täglich erscheinendes 
Amtsblatt herausgibt, das aber noch sehr der Verbesserung 
bedarf, wenn es seinen Zweck erfüllen und die von den 
beteiligten Kommunen in diese Gründung gesetzten Er- 
wartungen rechtfertigen soll. 



XXI, 9 



Die Gaiteuwelt. 



101 



Wir haben nun die Gemüsezucht in zwei besondere Ab- 
teilungen zu gliedern, und zwar in Feldgemüsebau und in 
gärtnerischen Gemüsebau. Nach der Statistik betrug die 
Anbaufläche, die im Jahre 1907 dem feldmäßigen Gemüse- 
bau diente, 265 000 Hektar, das sind 1060 000 Morgen, 
der ein gärtnerischer Anbau von nur 5000 Hektar, das sind 
20 000 Morgen, gegenüberstand. Diese Zahlen haben sich 
aber seither sehr zugunsten einer erhöhten Erzeugung ver- 
schoben, besonders im Feldgemüsebau, dem auch in der 
Folge inbezug auf die Volksernährung eine immer größere Rolle 
zufallen wird. Seit dem Jahre 1910 haben sich die feld- 
mäßig mit Gemüse bebauten Flächen mehr wie verdoppelt, 
aber trotzdem ist die Einfuhr ständig gestiegen. 

Sie betrug im Jahre 

len Mark 



1908 


20 


M 


1909 


30 




1910 


40 




1911 


50 




1913 


80 





Rechnen wir dazu noch für 59 Millionen Mark Kartoffel- 
einfuhr, der allerdings eine Ausfuhr von 7 Millionen Mark 
Spätkartoffeln gegenübersteht, so verbleibt für das Jahr 1913 
eine Gemüseeinfuhr im Werte von etwa 130 Millionen Mark. 
Es wäre interessant, die Statistik bis heute fortsetzen zu 
können, denn trotz erhöhter Eigenproduktion und der An- 
zucht in den von uns besetzten feindlichen Gebieten herrscht 
fortgesetzt ein empfindlicher Mangel an Gemüse, und die 
Preissteigerung bei einzelnen Arten hat sich sehr bemerkbar 
gemacht. Alles das zeigt uns, daß die Erkenntnis der Ge- 
sundheit fördernden Wirkung einer ausgiebigeren Gemüsekost 
in immer weitere Kreise gedrungen ist, wobei allerdings der 
Zuwachs der Bevölkerung in den letzten Friedensjahren um 
rund 1 Million Menschen mit in Betracht gezogen werden 
muß. Nun hat zwar der deutsche Gemüsebau während der 
Kriegszeit eine nicht unwesentliche Mehrleistung aufzuweisen, 
sie steht aber noch nicht im Einklang mit dem mächtig ge- 
wachsenen Bedarf an Gemüsen. Deshalb hat auch die Einfuhr 
nicht abgenommen, und das ist bedauerlich, weil dafür be- 
deutende Summen in das Ausland wandern, die dem eigenen 
Lande, namentlich auch im Interesse der Valuta, soweit irgend 
möglich, erhalten bleiben müßten. Auf diesen Punkt ist 
oftmals schon vor dem Kriege hingewiesen worden, und man 
hat es leider vonseiten der maßgebenden Kreise versäumt, 
rechtzeitig die Maßnahmen zu ergreifen, die zur Unterstützung 
einer Vermehrung des Gemüsebaues und zur Erhaltung und 
Erweiterung der Gemüseanbaubetriebe notwendig gewesen 
wären, denn die heimische Gemüsezucht drohte in Anbetracht 
erhöhter Anbaukosten nicht mehr lebensfähig zu bleiben, und 
so erschallte überall der Ruf nach Schutzzoll. 

Daß dem gärtnerischen Gemüsebau in Deutschland eine 
gedeihliche Entwicklung erschwert wurde, ist vor allem darin 
zu suchen, daß die Konkurrenz des Auslandes eine annehm- 
bare Rentabilität nicht mehr zuließ. Es war sehr häufig 
ausgeschlossen, mit dem Verdienst zu arbeiten, der den 
Gärtnern für ihre mühevolle Tätigkeit und die Güte der 
Ware gehört hätte. Und dies betraf nicht nur die bei 
künstlicher Wärme im Mistbeet gezogenen Frühgemüse, die 
vor der immer mehr gesteigerten Einfuhr aus klimatisch 
günstiger gelegenen Ländern eine Haupteinnahmequelle der 
Gärtner waren, sondern auch für das Gemüse, das im Freien 
gezogen wurde. Südfrankreich, Italien und insbesondere 



Holland warfen so ungeheure Mengen von Gemüse zu jeder 
Jahreszeit auf den Markt, daß die daraufhin erzielten Preise 
für den deutschen Züchter keinen nennenswerten Gewinn 
mehr brachten. So unterblieb auch eine Verbesserung der 
Kultureinrichtungen, die es z. B. den Holländern möglich 
macht, trotz der verhältnismäßig niedrigen Preise mit einem 
genügenden Gewinn zu arbeiten. Die Kultur wird dort in 
einer Weise gehandhabt, daß auch eine frühere Reife erzielt 
wird, und so werden für das ausländische Gemüse bessere 
Preise gezahlt, als für das erst später auf den Markt kommende 
inländische. Viel dazu beigetragen hat auch die merkwürdige 
Sucht der Deutschen, das ausländische Gemüse zu bevorzugen, 
wie es sich auch in vielen anderen Fällen gezeigt hat. 

Man muß sich darüber klar sein, daß das Frühgemüse 
in Holland meist in heizbaren Häusern gezogen wird, während 
unsere Gärtner beinahe allgemein auf die Mistbeete ange- 
wiesen waren und noch sind. Das war schon ein Nachteil, 
umsomehr, als die Beschaffung des zur Erwärmung der Früh- 
beete notwendigen Pferdedüngers große Kosten verursachte, 
die sich schon in den letzten Jahren erheblich steigerten. 
Dann kommt noch dazu, daß die Arbeitslöhne in den vor- 
genannten Einfuhrländern bedeutend niedrigere sind als bei 
uns, so daß der Gemüsebau in Deutschland nur noch Erträge 
abwirft, wenn man mit billigen Arbeitskräften rechnen kann, 
d. h. in diesem Falle, wenn er in der Hauptsache von den 
Familienmitgliedern besorgt wird. Nicht zu unterschätzen 
sind auch die Lasten, die den meist auf eigenem Grund und 
Boden arbeitenden Gemüsegärtnern durch Steuern usw. ent- 
stehen. 

Später erst schritt man zu einer eingehenden Prüfung 
der nach und nach wichtig erscheinenden Sachlage, und die 
Regierung erkannte selbst an, daß mehr für die Gemüse- 
und Obstzucht im Inlande getan werden müsse. Sie selbst 
hat dann zwar in einzelnen Teilen des Deutschen Reiches 
kleinere Versuchsbetriebe eingerichtet, aber das hätte mit 
größerem Nachdruck und reichlicherer Unterstützung mit Bar- 
und anderen Mitteln geschehen müssen. Die holländische 
Regierung hat dies für ihren Gemüsebau rechtzeitig erkannt. 
Mir sagte einmal der Vertreter der holländischen Regierung auf 
der letzten internationalen Gartenbauausstellung in London, 
als ich ihn darum befragte, seine Regierung wisse ganz genau, 
was sie ihrem Acker- und Gartenbau zu verdanken habe. 
Diejenigen, welche die Entwicklung Hollands auf diesem 
Gebiete verfolgt haben, werden dem ohne weiteres beipflichten. 

Gottlob sind Anfänge solchen Werdens auch auf deutschen 
Boden zu verzeichnen. Der Verband niederrheinischer Obst- 
und Gemüsezüchter im Kreise Geldern marschiert in aner- 
kennenswerter Weise voran. Er hat sich die holländischen 
Gemüsebauverhältnisse, besonders die des gemeinsamen An- 
baues und Absatzes, zum Muster genommen und den Be- 
weis erbracht, daß sich dieses Vorbild ohne weiteres mit 
Erfolg auch auf unsere Verhältnisse übertragen läßt. Die 
Einnahmen, die im ersten Geschäftsjahre (1914)252 000 M 
betrugen, stiegen auf 761853 M im Jahre 1915. Eine 
Versteigerungshalle, Kohl- und Obstscheunen mit Heizungs- 
anlage konnten eingerichtet werden. Letztere bieten Raum 
zur Einlagerung von Aepfeln, die, in 4 Sorten eingeteilt, in 
großen Kästchen eingeschichtet werden, welche man später 
zum Vorkeimen von Saatkartoffeln und dann auch zur Auf- 
bewahrung von frisch geernteten Saatfrühkartoffeln benutzt. 

Obst- und Vorkeimkästchen haben sich so bewährt, daß 
die Zahl von 5000 Kästen sich bereits als zu klein erwiesen 



102 



Die G arteiiwelt. 



XXI, 9 



hat. Gemüsetreibanlagen mit je 50 m langen Gurken- und 
Tomatenhäusern wurden auf einem 3 Morgen großen Grund- 
stück erbaut, dazu kommen noch 1000 einscheibige Frühbeet- 
fenster, wie sie der holländische Gärtner bevorzugt. Geplant 
ist noch die Schaffung eines Hauses mit mächtiger Glas- 
überdachung, wo nur die Sonnenwärme zum Treiben von 
Salat, Kohlrabi, Blumenkohl, Buschbohnen und Tomaten 
ausgenützt wird, und damit sind alle Zweige eines vorbild- 
lichen deutschen Gemüsebaues in sich vereinigt, nämlich: 

1. Feldgemüsebau intensiver und extensiver Art, 

2. Frühgemüsebau in künstlich erwärmten Treibhäusen, 

3. „ in nicht künstlich erwärmten Treibhäusern. 

4. „ unter Misbeetfenstern, 

5. Ueberwinterung von Obst- und Gemüse in der Kohl- 

scheue und 

6. Verkauf aller Erzeugnisse auf regelmäßigen Versteigerungen. 

Die Krönung aller dieser Arbeiten soll darin bestehen, 
daß noch eine Lehranstalt für Gemüsebau geschaffen wird, 
welcher Staat und Gemeinden zweifellos ihr besonderes Inter- 
esse zuwenden werden. 

So kenne ich weiter eine Anlage in Gorgast bei Küstrin, 
in Marhof unweit Bonn am Rhein; auch in der Nähe von 
Neuß befindet sich eine solche, und in der Provinz Branden- 
burg finden wir Weintreibhäuser nach Brüsseler Bauart. Eine 
vorbildliche Anlage nach verschiedenen Systemen, gleichzeitig 
für Lehrzwecke bestimmt, errichtete die staatliche Kgl. Gärtner- 
lehranstalt in Dahlem bei Berlin. Auf alle diese Maßnahmen 
habe ich schon bei Beginn des Krieges des öfteren hinge- 
wiesen. Man sieht, es regt sich, aber es sind immerhin erst 
Anfänge, wenn auch hier und da kleinere gärtnerische und 
private Anlagen sich anschließen. Sie sollten aber mit allen 
Mitteln staatlicherseits oder seitens von Genossenschaften, 
Kommunen und Privaten gefördert, und hierfür flüssige Gelder 
auf heimischer Scholle geopfert werden, statt das Geld in 
das Ausland gehen zu lassen, zumal wir sehr wohl in der 
Lage sind, in unserem Klima und durch die Intelligenz unserer 
Gärtner dieselben Erfolge zu erzielen. Damit schaffen wir 
gleichzeitig einen Wohlstand am eigenen Herde, eine gesunde 
Volks- und Wehrkraft und was vor allen Dingen anzustreben 
ist, eine Seßhaftigkeit und Bodenständigkeit für zahlreiche 
Familien. (Fortsetzung folgt.) 

Frühgemüse, Eine Hauptfrage ist es in diesem Jahre für 
uns Gärtner, zeitig und reichlich Gemüse zu schaffen. Es ist 
selbstverständlich und liegt auch in unserem eigenen Interesse, daß 
wir Gemüse treiben, soviel uns möglich ist, auf warmem wie auf 
kaltem Wege, doch müssen wir uns sagen, daß dies auf den 
Verbrauch wenig Eindruck machen kann. Das Hauptgewicht haben 
wir also darauf zu legen, daß wir im Freien so frühzeitig wie 
möglich große Mengen Gemüse in Bereitschaft haben. Zu diesem 
Zwecke müssen wir sehr viele Gemüsepflanzen in den Frühbeeten 
heranziehen, damit es auf keiner Seite mangelt und die An- 
pflanzung von Frühgemüsearten überall verdoppelt wird. Ebenso 
bringen wir, sobald es der Erdboden erlaubt, Mohrrüben, Spinat, 
Salat, Zwiebeln und alles was sich früh mit Vorteil säen läßt, in 
die Erde, um die Winterfeuchtigkeit auszunutzen, denn man kann 
nicht wissen, ob wir ein trocknes Frühjahr bekommen und ob wir 
später genügend Zeit haben. F. Steinemann. 

Nicht zu° früh' aber rechtzeitig Gemüse aussäen! In 

diesem Jahr ist der Gemüsesamen nicht nur teuer, sondern auch 
knapp, trotzdem der Bedarf ein größerer ist. Letzteres ist eine 
Folge des vermehrten Gemüseanbaues. Je früher nun das Ge- 
müse marktfähig ist, desto vorteilhafter und lohnender ist der 



Anbau, besonders der frühen Sorten. Der frühen Aussaat in 
Mistbeeten, wie überhaupt unter Glas sind ja keine Schranken ge- 
setzt. Anders ist es mit der Aussaat ins Freie. In Frage kommen 
hier frühe Mohrrüben- und Karottensorten, Erbsen, Spinat, 
Zwiebeln, Radies, Retliche, Rübstiel, Melde und dergleichen, ebenso 
sind Erbsen früh zu säen. Wenn nun in sonstigen Jahren, in 
welchen genügend Samen vorhanden war, der dann auch niedriger im 
Preis stand, es nicht darauf ankam, eine Fehlsaat zu machen, so 
ist es in dieser schweren Kriegszelt nicht rätlich, zu früh zu säen. 
Im allgemeinen ist die Frühsaat überhaupt ein Lotteriespiel; ge- 
lingt's und klappt die Sache, dann hat man ein gutes Ergebnis. 
Dieses Jahr möchte man aber warnen, aufs Geratewohl zu früh 
zu säen. Jeder Praktiker wird ja seinen Boden und seine klima- 
tischen Verhältnisse kennen. Besonders in kalten Lagen und 
schwerem Boden sei man vorsichtig mit der Frühsaat. Besser, 
man sät acht Tage später als früher. Meine Bodenverhältnisse 
sind z. B. so, daß eine Saat zu Anfang April glänzendere und 
frühere Ernten als eine solche ergibt, welche Mitte März geschieht. 
Der Boden ist kalt, schwer, bündig; in feuchtem Zustande klebt 
er und bearbeitet sich mühevoll, hingegen ist er abgetrocknet, im 
April, Mai — November, ein guter, produktiver Boden. Für Früh- 
kultur ist der Boden nichts; dazu kommt, daß der März hier meist 
naß und kühl ist, was das Keimen hindert. Spätere Saaten über- 
holen meist die Frühsaaten. 

In trockenem, leichtem Boden, überhaupt im Sandboden, ist 
Frühsaat immer lohnend. Ist gar die Lage noch geschützt, so 
liefern in solchem Boden Saaten, die Anfang März gemacht 
werden, außerordentliche Erträge. Nur in solcher Lage ist beim 
Gemüsebau eine dreimalige Ernte möglich, sonst nur eine zwei- 
malige, sofern es sich um Erbsen, Kohlrabi, Spinat usw. handelt. 

Warnen sollte man auch dieses Jahr vor zu vielem Probieren. 
Man säe nur solche Sorten, die in der betreffenden Gegend auch 
wirklich gedeihen und durchaus mit Erfolg anzubauen sind. 

Auf ein Weiteres ist noch ganz besonders hinzuweisen, 
das ist, sofort beim Säen alle möglichen Vorsichtsregeln gegen 
Schäden zu treffen, sei es Schutz gegen Vogelfraß, gegen Mäuse 
oder Kaninchen. Auch muß man, besonders in feuchten Lagen, 
auf der Hut sein, daß die nackten Ackerschnecken keinen Schaden 
verursachen. Letzere sind oft die Ursache, daß z. B. von Möhren 
kein Korn zur Entwicklung kommt. 
Adam Heydt, Obergärtner, Schloß Mallinkrodt bei Wetter (Ruhr). 

Kultureinrichtungen. 

Bauliche und betriebliche Anlagen der Gärtnerlehr- 
anstalt der Provinz Ostpreußen in Tapiau und be- 
sondere Einrichtungen für Gewächshäuser. 

Mitgeteilt von Reg.-Baumeister Kropf, Tapiau in Ostpreußen. 
(Hierzu zwei vom Verfasser für die „Gartenwelt" gef. Zeichnungen.) 

Für die sorgsame Pflege der Gärtnereikunst wird 
auch in der Provinz Ostpreußen rege Sorge getragen. Em Beispiel 
zeitgemäßer Entwickelung für die Pflanzenzucht bietet die im Jahre 
1893 gegründete Gärtnerlehranstalt in Tapiau in Ostpr. 
Dieselbe untersteht dem Provinzialverband und wird verwaltet vom 
Landeshauptmann, vom Vorsitzenden der Landwirtschaftskammer 
und noch 3 Mitgliedern. — 

Gebäude und einige sonstige Anlagen seien hier tech- 
nisch und wirtschaftlich kurz erörtert. 

I. Gebäude. 

Dazu diene nebenstehende einfache Skizze des älteren, südlichen 

Hauptteils der Anlage. 

Das Hauptgebäude beherbergt die Räume der Obstver- 
wertungsstation, die Lehrzimmer und Büroräume, den Wein- und 
Obstkeller, sowie die Dienstwohnung des Anstaltsvorsfehers. 

Das Pumpenhaus beherbergt einen 1,5 P. S. -Elektromotor 
für das Pumpwerk der Wasserleitung im Garten, sowie zur Reserve 
einen Gasmotor, 



i 



XXI, 9 



Die G a r t L- u w e 1 1. 



103 



Ein Ueberwinterungshaus dient zum Einwintern empf ind- 
lidier Gewächse, zur Aufbewahrung von Edelreisern usw. 

Ein Internat dient als Wohnhaus für die Schüler und An- 
gestellten. — 

Am Internat befinden sich Wirtschaftsgebäude. 

Ein Packschuppen dient zum Verpacken von Obstbäumen 
und als Arbeitsraum. 

II. Gartenanlagen und Kulturhäuser. 

A. Zieranlagen sind in einer größeren Anzahl von Kul- 
turen angelegt. 

Am Hauptgebäude befindet sich ein Ziergarten mit einer Aus- 
lese wertvoller, in Ostpreußen winterharter Nadel- und Laubhölzer, 
sowie von Blumenbeeten und Staudenvorpflanzungen 



Zur Stützung von Zwergobststämmen dienen Spaliere 
aus Profileisenstützen und Auslegerarmen mit Längsdrähten. 

Für Erdbeerpflanzungen sind 7 Gruppen Mistbeete 
von zusammen je rund 20 m Länge und 1,5 m Breite angelegt; 
deren Wandungen sind zusammengestellt 7 cm stark zu 7 Stück 
von je 2,80 m Länge in den Längsseiten und je 1,5 m Länge in 
den Schmalseiten, jedesmal eingelassen zwischen Nuten von Erd- 
pfosten aus Eisenbeton. — 

Für Tomaten sind Schutzhäuser aus derzeitig überflüssigen 
Fenstern und Bindern errichtet. — 

C. Kulturhäuser. I. Einrichtung im Bau. Zur Er- 
richtung von Gewächshäusern nach preiswerter und wirt- 



schaftlich sparsamer Veranschlagung sind u. a. Konstruktionen be- 
Der Rosengarten enthält eine Auswahl von Edel- und Wild- merkenswert, die nach den in West- und Ostpreußen gemachten 

langjährigen Erfahrungen der Spezialfirma Oscar 



O % o»f% 0«'^ o»'9 o^c^ 0»o^c» o9 "9 ^^ o<S>o9 ot, 




;o 


«1"^ 


, 


Tr« 


1 o 


:■'■* 


1 o 


«i;| 


lO 


; > 


; 


•;> 


;o 


:■♦ 


lO 

'0 


•;:i 


' Ol 


,M 


1°' 


-:.| 


t d' 


»:!( 


''.^: 


o;J5 


1*1/ 








tH<,i^^rVM,iAj<,^)l 



Uli 




/.•/«;'*»i V.- 


6 


• • ^» <f^d iO i 






' ' O O Ö^O £J 




' ^ öl g 




' o <y^o\,^.o Q 


• 


" ' ^0 o.c a _ ( 


t t 


♦ %«;'J^>><-»1* 









Gehlhaar, Juditten-Königsberg, herausge- 
bildet sind. 

Der Aufbau der Wände besteht aus Ziegeln in 
1 — -"2 Stein Stärke über frostfreien Grundmauern eben- 
falls in Ziegel mit '/. Stein Mehrstärke. — 

Auf den hohen Wänden bzw. auch auf den niedrigen 
Wänden ist noch je eine Abdeckung aufgebracht zur 
Auflegung von Anschlußpfetten für das Dach. 

Die Dachkonstruktion ist in allen tragenden 
Teilen aus schmiedeeisernen Profilstäben hergerichtet. 
Die Sprossen für die Glasdachung bestehen aus Holz 
von besten Kiefern. Die Verbindung der Holzsprossen 
mit den Eisenkonstruktionen ist so. eingerichtet, daß die 
Holzteile zur Gewähr für lange Lebensdauer jederzeit 
gut austrocknen können. Die Holzsprossen erhalten zum 




i^. 




,,„^.-.;.s,v'oi'.;<, 




::^^M. 


vOvv ^yVVx 





1^^ <^^iu( 


•o* 


"♦oo*oo*8^ 




' <o el- »i.0 c*o a*o 









rosensorten, sowie 
Rasenersatz durch 
Spergula pilifera. 

Im Obstgarten 
sind die Stauden 
auf Randrabatten so 
angeordnet, daß sie 
sich in der Blüte 
ablösen. 

B. Der Obst- 
garten enthält Spa- 
lierformen an Spalier- 
gerüsten. (Spalier- 
garten , und Haupt- 
weg.) Für Aepfel 
und Birnen sind Py- 
ramiden angelegt. 



weitaus größten Teil eingehobelte Schweißwasserrinnen, in denen sich 
das am Glas niedergeschlagene Schweißwasser sammelt und nach 
unten geleitet wird. An der Traufkante bzw. Maueraufschlagschiene 
(Anschlußpfette) wird das Schweißwasser in besonderen Schweiß- 
vvasserrinnen aufgefangen. Somit wird ein Abtropfen des den 
Pflanzen schädlichen Schweißwassers sehr beschränkt. 

Die Glasdachung besteht aus glattem Rohglas, da dieses 
bedeutend widerstandsfähiger gegen Stöße und Schläge als Blank- 
Sflas ist. Wegen der dadurch bewirkten Verminderung der Sprossen 
ist der Lichteinfall der gleiche wie bei Blankglas; die Rohglas- 
verglasung hat sich durch langjährige Erfahrung gut bewährt. 

Die Beschattung des Daches erfolgt mitteis dünner Holz- 
^täbchendecken, die durch verzinkte Stahldrahtklammern und Ringe 
zusammengehalten werden, außerdem durch besondere Aufzugs- 
konstruktionen herauf- und herabgerollt werden können. Im be- 
sonderen ist Wert gelegt auf Vermeidung von überstehenden 
Oachkanten, die bei Gewächshausglasdächern hauptsächlich den 



104 



Die Uartenwelt. 



XXL 9 



Nachteil des Ansetzcns starker Eiszapfen in der Jahreszeit mit 
Wechsel von starkem Frost und Sonnenschein (Februar — März) 
haben und somit Scheibenbrüche verursachen. Solche Scheiben- 
brüche werden sonst dadurch noch erhöht, virenn an den vor- 
stehenden Dachkanten Wasse rrinnen angehängt sind, die das 
über die Dächer niedergehende Regenvtfasser sammeln sollen. 

Zur Vermeidung solcher Nachteile und zugleich zum Zwecke 
der Durchbildung als tragende Konstruktionsteile sind nach be- 
sonderem Ausführungsverfahren gen. Königsberger Spezialfabrik 
Regenwassersammelrinnen eingebaut. Diese werden von 
innenluft bestrichen, so daß Einfrieren, sowie Eisbildung an der 
Traufkante ausgeschlossen ist. Derartige Konstruktion der Rinnen 
ist zwar teurer als die übliche, aber wegen ihres hohen Wertes 
für die Pflanzen ratsam. 

Die Lüftung der Gewächshäuser erfolgt hauptsächlich durch 
sog. First- oder Sattellüftung. Mittels eines einfachen Antriebes 
wird das ebenfalls durch Glas abgedeckte Firstdach um rund 20 cm 
gehoben und durch einfache Handhabung wieder geschlossen. Für 
derartige besondere Lüftung ist durch die Herstellung in Eisen 
dauernde Wirksamkeit gewährleistet, unter Vermeidung des bei 
Ausführung in Holz öfter vorkommenden Quellens und Klaffens. 
Bei derartigem, z. B. pultförmigem Aufbau der Gewächshausanlage 
erfolgt die Lüftung durch Einbau von Klapp- oder Schiebefenstern 
in Dach und Stehwand. — 

DiePflanzentraggestelle sind durchweg aus Schmiedeeisen 
konstruiert und nach Bedarf mittels halsbandförmiger Ausbildung 
ihrer Trageisen mit entsprechend lösbarer Verschraubung an den 
Dachstützen auf- und ab verschieblich führbar. Zur Abdeckung 
dienen : 

a) für die Seitenbetäfelung 3 cm starke Zementplatten, als 
einfach praktisch und besonders billig bewährt, 

b) für sonstige Gestelleinrichtung Bretter oder eigens dazu 
angefertigte Holzsprossen, 

c) für freistehende Hängegestelle und Vermehrungsbeete Roh- 
glasplatten als leicht abwaschbar und gut schützend gegen 
Ansetzen schädlicher Pilze und deren Fortwucherung. 

Die Beheizung der Gewächshausanlagen erfolgt durch Warm- 
wasserniederdruckeinrichtung. Dazu dient vielfach der „Strebel"- 
Kessel ; dabei sind schmiedeeiserne Heizrohre als Wärme ab- 
gebende Heizkörper gewählt und je nach der Innentemperatur teils 
als Unterheizung, teils als Oberheizung verlegt, welche ebenso wie 
auch die einzelnen Abteilungen für sich abstellbar sind. — Dem- 
entsprechend sind Kessel und Heizfläche so bemessen, daß die er- 

er:. 




■i,i^ « 



Gewächshaus^für Gemüsetreiberei (Querschnitt). 



forderlichen Temperaturen ohne besondere Anstrengung der An- 
lage erzielt werden können. 

2. Ausführungen in Tapiau. Für die Kultur der wichtigeren 
Nutzpflanzen von Obst und Gemüse sind in der Gärtner-Lehr- 
anstalt der Provinz Ostpreußen zu Tapiau a. Pregel eine 
größere Anzahl von Gewächshäusern nach zeitgemäßen Kon- 
struktionen angelegt. 

Ein Wein haus, das i. J. 1900 mit Heizungseinrichtungen 
von der Bauschlosserei E. Hennig, Ta p i a u, montiert ist, hat 
Ziegelaufbauten und eine auf diese und eine Gruppe von T-Träger- 
Stützen pultförmig verlegte Dachkonstruktion mit eng aneinander 
liegenden Eisensprossen und Blankverglasung. Von der Heiz- 
anlage läuft ein Strang Rohre von 5 cm Durchm. neben dem 
Dachfuß, eine Gruppe mit 2 Einzelrohren mit 6 cm Durchmesser auf 
niedrigen Pfeilerchen nahe daneben mit Rücklauf, außerdem ein 
hoch aufgehängtes Rohr von 6 cm Durchm. an der hohen Wand 
entlang über hölzernen Stützgestellen, sowie ein Rohr darunter mit 
Durchstreichung von 2 offenen Wasserbehältern an jeder Giebel- 
seite. Das Regenwasser läuft außen in gewöhnlichen Dachrinnen 
ab. — In dem zweiteiligen Haus werden Reben in 1,40 m Pflanz- 
weite gezogen und außerdem u. a. Vorkulturen von Nutz- und 
Zierpflanzen gepflegt. 

Ein Gemüsetreibhaus (unten) ist i. J. 1912 von Oskar 
G e h 1 h a a r , Juditten - Königsberg heizbar errichtet als gleich- 
seitiges Sattelhaus nach neuartig bewährter Konstruktion aus 

2 äußeren Ziegelwänden mit weit geteilten, freitragenden Eisen- 
bindern und weit gesetzten Sprossen; es hat breite Rohglastafeln und 
U - förmige Regenwassersammelrinnen, sowie eine durchlaufende 
Klappe zur Firstlüftung. Zu beiden Seiten eines Arbeitsganges 
sind die Beete zwischen je einer mit Lüftungsöffnung versehenen 
Innenwand und der Außenwand eingelegt. Unter jenen laufen je 

3 Heizrohre mit Warmwasser ; je ein solches befindet sich auch 
am Dachfuß. 

Heizung der Gewächshausanlagen. 
Die G e wach shausheizung besteht aus einem leistungsfähigen, 
Dauerbrand haltenden sparsamen W arm w ass e rk e ssel , welcher 
stets in einem besonderen Vorraum neben den Gewächshaus unterge- 
bracht ist. Der Kessel steht etwas tiefer als der Fußboden des 
heizbaren Gewächshauses. Für den Kessel ist ein massiv gebauter 
Schornstein vorgesehen. 

Vom Kessel geht das sogenannte Steigerohr nach der Decke 
des Heizraumes empor, woselbst sich der höchste Punkt der Heizung 
befindet. Alsdann verteilt sicli die Warmwasserleitung und tritt 
in die Gewächshäuser ein, wobei sich 
das Hauptrohr in alle Heizstränge 
verzweigt, die zur Erwärmung des Glas- 
hauses nötig sind. Ein Teil der Röhren 
ist an der Glasfläche montiert zur Er- 
zeugung von Oberwärme und Entfernung 
des Schwitzwassers. Die meisten Rohr- 
stränge jedoch sind unter die Pflanzen- 
tische, unter das Vermehrungsbeet usw. 
verlegt, denn vor allen Dingen muß die 
Wärme von unten erzeugt werden und 
den Wurzeln der Pflanzen zugute kom- 
men, da die warme Luft schließlich von 
selbst nach oben steigt. Die Rohr- 
stränge bestehen aus glatten, patent- 
geschweißten Siederöhren von ca 60 mm 
Durchmesser; dieselben gehen durch 
die ganze Länge des Gewächshauses, 
fallen am Giebeldach nach unten und 
gehen als Rücklaufrohr nach dem Kessel 
zurück. Das heiße Wasser steigt folglich 
durch seinen eigenen Antrieb vom Kessel 
in das Standrohr, um dann vom höch- 
sten Punkt in stetem Gefälle nach den 
Heizröhren zu gelangen. Es fließt 
durch das Gewächshaus und tritt stark 



S >w 



XXI, 9 



Die Gartruwelt. 



105 



abgekühlt am tiefsten Punkt wieder in den Kessel ein. Das 
Feuer im Kessel erwärmt das Wasser aufs neue, und so wieder- 
holt sich der Kreislauf des heißen Wassers, welches seine Wärme 
an die Heizröhren abgibt und dadurch jene für die Pflanzen 
allein dienliche milde Wärme in den Gewächshäusern erzeugt. 
Ein Teil der Rohrstränge ist mit Ventilen oder Drosselklappen 
versehen, damit dieselben nach Bedarf geregelt oder auch ganz ab- 
gestellt werden können. Die Verbindung der Rohrteile unterein- 
ander ist durch sogenannte Ausdehnungsverschraubungen, welche 
sich bisher als die zuverlässigste Verbindung für die unter niedrigem 
Druck stehenden Gewächshausheizungen bestens bewährt haben, 
erfolgt. 

Für derartige in der Gärtnereilehranstalt zu Tapiau 
angelegte Heizungseinrichtung sind von der Spezialfabrik 
Höntsch & Co., Dresden-Niedersedlitz 2 Kessel (Modell 
C. und D.) geliefert, deren System — auf Grund ständiger Ver- 
besserungen im eigenen Werke — den Bedürfnissen der Garten- 
technik (für Tage- und Nachtbetrieb ohne nächtliche Wartung) 
angepaßt ist. 

Gehölze. 



Ribes petraeum. Dieses Gehölz ist trotz seiner Anspruchs- 
losigkeit in jeder Beziehung, seiner Wüchsigkeit und 
Blühwilligkeit nicht geeignet, den Anspruch an einen 
guten Blütenstrauch zu erfüllen. Immerhin aber sind 
die genannten Eigenschaften wertvoll genug, daß sie ein 
besonderes Interesse verdienen, trotz des Fehlens einer 
auffallenden Färbung der Blüten. Besonders ist die An- 
spruchslosigkeit an Boden und Lage bemerkenswert, 
die der Strauch zeigt. Auch unter den verschiedensten 
Verhältnissen ist sein gesunder, robuster Wuchs fast 
der gleiche. Die kräftigen, bräunlich berindeten Triebe 
stehen aufrecht; auch die Verzweigung geht im spitzen 
Winkel hoch. Reich kleidet sie die derbe, ziemlich große 
Belaubung von dunkelgrüner Färbung, in der Form 
unserer Johannisbeere recht ähnelnd. Auch die von 
April bis Mai reichlich erscheinenden Blütenstände gleichen 
in der Form denen der Johannisbeere, nur ist die 
Färbung der kleinen Blütchen ein tiefes Rotbraun. Trotz 
der etwas bescheidenen Färbung der Blütchen ist der 
Strauch dennoch zur Zeit der Blüte eine höchst auffällige, 
schöne Erscheinung. Das macht vor allem der Reich- 
tum, mit welchem sich der Strauch schmückt, und der 
zudem noch darum so auffallend zur Geltung kommt, 
weil die Laubentwicklung zu gleicher Zeit erst am Be- 
ginn steht. Zu gewissen. Tageszeiten, besonders früh 
und abends, bei durchfallendem Sonnenschein ist dem 
vollblühenden Strauche eine eigenartige Schönheit nicht 
abzusprechen. Anscheinend ist die Befruchtung der 
Blüten eine leichte, denn die Beeren, in Form und Größe 
der roten Johannisbeere gleich, werden fast alljährlich 
in reichster Anzahl gebildet. Sie reifen im Hochsommer 
und zeigen dann eine tief blutrote bis stark braun 
getönte Färbung. Ihr Geschmack ist nicht besonders 
einladend, denn sie besitzen eine sehr starke Säure. 

Das natürliche Vorkommen von Ribes petraeum 
Wulf, ist ein weit verbreitetes. In Deutschland er- 
streckt es sich besonders über das Riesengebirge, über 
die Vogesen und Stellen des Schwarzwaldes. Aber auch 
in den Gebirgen Österreich-Ungarns und der Schweiz ist 
dieses Gehölz heimisch, desgleichen im Kaukasus und 
selbst im nördlichen Afrika. Aus diesem Grunde schon 
ist die Veränderlichkeit der Art recht groß, und das 
Ergebnis ist in der Unterscheidung verschiedener Formen 
zu finden, die aber zum größten Teil nicht im Handel 
sind. Auf natürlichem Standort bevorzugt R. petraeum 
feuchte, steinige Berghänge in sonniger bis leicht schattiger 
Lage. Im allgemeinen aber nimmt der Strauch mit jedem 



Gartenboden vorlieb, ist auch inbezug auf die Lage durchaus an- 
spruchslos. Selbst in trockenem Sandboden ist seine Entwicklung 
sehr gut. Aus diesen Gründen sind seiner Anpflanzung keinerlei 
Grenzen gesteckt. Vor allen Dingen könnte er mit gutem Recht 
manchmal dort stehen, wo man im allgemeinen die heut so be- 
liebten Decksträucher hinpflanzt. Er würde hier den gleichen 
Zweck erfüllen, zudem aber auch nicht ganz der zierenden Eigen- 
schaften entbehren. Über die Höhe, die der Strauch erreicht, 
scheint man sich noch im Zweifel zu befinden. Fast überall, in 
allen einschlägigen Büchern, findet man als erreichbares Höhen- 
maß 1 — 1,50 m angegeben. Was ich aber an kultivierten 
Sträuchern beobachten konnte, scheint mich eines andern belehren 
zu wollen. Schon jüngere, wüchsige Büsche erreichen bald weit 
über 1 m Höhe; dann aber sah ich einmal im Dahlemer Bo- 
tanischen Garten einen älteren Prachtstrauch, der bei gut 2,50 m 
Höhe die ansehnliche Breite von 4 m aufwies und eine gut ge- 
schlossene, gleichmäßige Form zeigte. Er hing über und über 
voller Blütentrauben und verdiente in diesem Stadium sicherlich 
die Bezeichnung eines schönen, eigenartigen Zierstrauches; das 
aber jedenfalls mit mehr Recht als so manches Gehölz, das unter 
dieser Flagge zur Anpflanzung gelangt. Kache. 




Nadi 



Ribes petraeum. 

einer vom Verfasser für die „Gartenwelt" gefertigten Aufnahme. 



106 



Die liarteiiwelt. 



XII, 9 



Pflanzenkunde. 
Winterstudien. 

Nichts Neues oder gar Welterschütterndes ist es, über das ich 
hier berichten möchte, sondern nur kleine, unerhebliche Betrach- 
tungen und Eindrücke, wie sie der wachsame Garten- und leiden- 
schaftliche Naturfreund empfängt, der zu jeder Jahreszeit nach 
Genuß und Reizen im Freien ausspäht. Gar manch Erbauliches, 
sinnreich Gottgewolltes und Zweckmäßiges, das zum Nachdenken 
und Bewundern anregt, offenbart sich jetzt, zuweilen aber auch 
manches uns nicht ganz Begreifliche, das erst recht zum Grübeln 
anspornt, jetzt im Winter mehr als im Sommer, wo die Fülle der 
Erscheinungen so erdrückend ist, daß manche Einzelheiten längst 
nicht in dem Maße augenfällig werden, als gerade jetzt im Winter, 
wo aller kokette Putz und äußere Tünche fehlen, und wir nur die |s 
nackten Gerippe und die unverhüllte Wahrheit an unseren Laub- K: 
bäumen wahrnehmen. Wie fallen da die Linien der verschiedenen 
Laubholzgattungen und -arten schon aus der Ferne unterschiedlich 
auf: Um die edelste, vollendetste Krone streiten Linde und Ulme, 
aber der Preis fällt ersterer zu. Ungebundenen Freiheitsdrang 
verraten Ahorn und Esche, ■ — zähe, starre Lebenskraft Buche 
und Eiche; zurückhaltende, vornehme Anmut Birke und Hänge- 
weide; und überall fesselt der eigenartige Schwung ihrer Linien, 
der Faltenwurf ihrer Gewänder und, wo sie in Nachbarschaft treten, 
der Wechsel ihrer Formen. 

Die steifen Obelisken säuliger oder pyramidischer Einzelgestalten 
oder tief niederhängende Trauerbäume erhöhen auch jetzt überaus 
wirkungsvoll die Mannigfaltigkeit, geben aber dem kritischen Fach- 
mann gleichzeitig Gelegenheit zur Prüfung ihres Zustandes, ihrer 
Formgerechtheit und Gestaltungslaunen. Die Form und Stellung 
der Blattknospen, der lenzverheißende Kätzchenbehang an Haseln, 
Birken, Pappeln usw., die alten Fruchtäste an Buchen und Ahorn, 
Erlen, Robinien u. a. m. erzählen vom Werden und Vergehen alles 
Irdischen. 

Krankhafte Wucherungen, Hexenbesen und Mistelbüsche drängen 
sich in das Gleichartige, Wohlerzogene und pedantisch Regelmäßige 
im Kronenbau unserer Laubbäume, erregen vielfach befremdliches 
Staunen bei Laien, geben aber dem Fachmann zu ernstlichen Er- 
wägungen über Pflanzenschutz und -fürsorge Veranlassung. Solche 
alten mehrhundertjährigen, mistelbeladenen Linden schreien 
nach Verjüngung ; — sie könnte ja ruhig vor Weihnachten geschehen, 
um der fröhlichen Festsitte recht viel Möglichkeiten zu geben. 
Freilich entbehrt so ein immergrüner Mistelinvalide auch nicht des 
malerischen Reizes, und das reiche Vogelleben, das sich gerade in 
den kältesten Frostzeiten darin abspielt, ist nicht weniger an- 
ziehend, • — aber schädlich bleibt dieses Vergnügen trotzdem und 
sollte eindringlicher bekämpft werden. — Und noch manches andere 
fällt uns jetzt im Winter im Garten auf, was unser ästhetisches 
Empfinden beleidigt : Platzfehler, Mängel in der Gruppierung und 
Stellung der Gehölze, in der Entwicklung einzelner Stücke wie 
ganzer Massen, — Nachbarschaftmißhelligkeiten usw. werden uns 
plötzlich sichtbar und regen zu Aenderungen und Neuerungen an, 
und neue Pläne keimen. 

Solche Beobachtungen drängen sich einem an jenen lenz- 
ahnungsvollen, sonnenmilden Januartagen besonders nachhaltig auf, 
wie wir sie hier an der Wasserkante nicht selten genießen dürfen. 
Ein solch köstlicher Wintertag mit Windstille, Sonnenglanz und 
Himmelsblau ersetzt alle staubigen Rivieragenüsse. Der Farben- 
reichtum ist auch bei uns wirklich nicht zu unterschätzen. Die 
zwar mannigfach abgetönten, aber doch eher dämmergrauen, nur 
mit einer Moos- und Flechtenpatina gezierten Laubholzstämme und 
-krönen, deren Blattknospen bereits im Sonnenlichte glitzern, 
empfangen durch silberweiße Birkenstämme, gelbe oder blaubereifte 
Weiden, rote Kornelkirschen- und allerlei andere farbenfreudige 
Ruten zierlicher Buntgehölze eine sehr liebliche Unterbrechung. Wo 
aber frisches, saftiges Wintergrün dazwischen leuchtet, wo vor 
allem Nadelhölzer, Buchsbaum, Stechpalme, Mahonie usw. 
auftauchen, empfängt das Winterbild auch warmen Lebenshauch. 
Noch schweigt das Vogelleben, — nur das hastende Piepsen 



Nahrung heischender Meisen, die in Menge die im Nadelholzschutz 
verborgenen Futterplätze umflattern, und der schrille Pfiff des 
Dompfaffen, der sich auf den höchsten sonnenbelachten Zweigen 
wiegt, durchbrechen die heilige Winterstille. Die vielfältigen Ab- 
stufungen des Nadelholzgrüns, und die eigenartig voneinander ab- 
weichenden Wachstums- und Aufbauverhältnisse der Koniferen 
fesseln auch gerade jetzt in höchstem Maße. Ihr Gleißen und 
Leuchten in sonniger, luftfeuchter Wintermittagsstunde stellt ihre 
Reize ins grellste Licht und zeigt ihre köstlichen Ziereigenschaften 
in höchster Potenz. Sicher ist ihre charakteristische Tönung und 
Leuchtkraft jetzt viel intensiver als im Sommer, und man gewinnt 
den Eindruck, als wate die Stoffkonzentration eine besonders 
dichte und kraftvolle, und den Nadelhölzern von Mutter Natur 
dadurch ebenso ein warmes, frostschützerdes Winterkleid gegeben, 
wie es den Tieren des Feldes und Waldes verliehen ist. Nament- 
lich das Blaugrün, das wir an vielen Formen als besonders 
reizvoll schätzen, darf unbedenklich als Winterschutzfarbe aufgefaßt, 
der blaue wachsartige Reif als direkter Frosthüter angesehen werden. 
Tatsächlich genießen ja auch alle damit ausgestatteten Nadelholz- 
formen den Ruf besonderer Unempfindlichkeit und Winterhärte. 

Die Unterschiede sonst nicht auffallend voneinander ab- 
weichender Formen von Nadelholzarten werden jetzt recht erkennbar, 
so ganz besonders dieses leuchtende Silbergraublau neben dem 
typischen stumpfen Grün. 

Die silbrig glänzenden Unterseiten der Nadeln der Omorika- 
fichte, die sich gedreht und aufwärts gestellt haben, wie es 
ähnlich auch die längst nicht so schöne S i t k af ich t e u. a. m. tun, 
treten jetzt kaum weniger auffällig hervor, als das kräftige Silber- 
blau der Nadelunterseiten von Abies Veitchii und Nordmanniana, 
das mit den glänzend schwarzgrünen Oberseiten in eine so köst- 
liche Wechselwirkung tritt, daß sogar sonst nicht besonders natur- 
sinnig veranlagte Laien ihr Entzücken bekunden. Freilich gehört 
reine, rußfreie Luft dazu, diese Reize ins richtige Licht zu stellen. 
Andererseits glänzt das tiefdunkle Grün an Abies Nordmanniana, 
cephalonica, Picea orientalis, sowie an den langnadeligen, starren 
Kiefernarten nie düsterer und kraftvoller als im Schein der 
Wintersonne. 

Ueberaus mannigfaltig und anregend sind die Farbenreize bei 
den lebensbaumartigen Nadelhölzern. In ein miß- 
farbiges, bronziertes Braungrün hat sicli Thuja occidentalis im 
Typus und den meisten Formen gekleidet, selbst interessantere 
Gestalten wie Rosenthalii, Hoveyi, Wareana usw. verraten diesen 
winterlich müden, dürftigen Ton, der bei trockenem Standort und 
dadurch hervorgerufenem reicheren Fruchtbehang noch abstoßender 
wirkt. Am wenigsten zeigt er sich bei der schlanken, formen- 
schönen „columna" (Späth), einem prächtigen nordischen Seiten- 
stück zur südlichen Zypresse, Cupressus sempervirens, für die sie 
bei uns den Ersatz bildet. Andere Thujaarten zeigen längst nicht 
in gleichem Maße diese schützende Mißfärbung; so weist Thuja 
giganfea im Winter nur schwache Bräunung auf, noch weniger 
tritt sie an den Lebensbaumzypressen, Chamaecyparis Lawsoniana, 
in Erscheinung, deren blaugrüne Formen Alumii, Fraseri, Triumph 
von Boskoop usw. auch jetzt ihren Farbenschmelz im schönsten 
Lichte zeigen. Prachtvoll wirken Chamaecyparis nutkaensis, pisifera 
mit ihren vielen Formen, obtusa und sphaeroidea usw.; — W'^elling- 
tonia und Cryptomeria sind ebenso wie Thujopsis nur von sehr 
zarter, bronzener Winterpatina überhaucht ; in feuchterem Boden 
weniger als in trockenerem, bei sonnigem Standort mehr als in 
geschützterem. 

Alle diese Formen werden an sattestem Glanz köstlichen Grüns 
erheblich überragt von der wundervollen Libocedrus decurrens, 
deren Anbau schon allein aus diesem Grunde in viel größerem 
Maße geschehen sollte; wo sie neben Thujaformen steht, ist der 
Unterschied schon aus weiter Ferne erkennbar ; sie ist der Glanz- 
punkt aller I e b e ns b au mar t ige n Nadelhölzer und, 
verdient weiteste Verbreitung, freilich immer an geschütztene 
warmen Plätzen. Als leuchtendste aller Winterzypressen möchte 
ich sie nie bei mir missen ; hier an der Wasserkante gedeiht sie 
schutzlos, willig und üppig. Die Wacholderarten ver 



XXL 9 



Die Gartenwelt. 



107 



ändern nur unerheblich ihre Farben, aber Tsuga canadensis, an 
Grazie die Birke unter den Nadelhölzern, fesselt jetzt besonders 
durch die niedlichen Miniaturzäpfchen, die sie gleich Perlen über 
ihr seidenglänzend schwarzgrünes Kleid ausgestreut hat ; und 
ebenso wohltuend ist die Farbenwirkung bei den vielen Eiben - 
formen und Verwandten. E. W. 

(Schluß folgt.) 



Zeit- und Streitfragen. 

Zoll auf frische Schnittblumen! 

In diesem Weltkriege zeigen sich die größten Gegensätze ; 
auf der einen Seite der größte Heroismus, Vaterlandsliebe, 
Selbstaufopferung, auf der anderen feige Gesinnung, Selbst- 
und Gewinnsucht. Als schmählichste Handlung ist aber wohl 
in Deutschland der Verrat Italiens empfunden worden. 
Dieses Land, welches durch langjähriges Bündnis mit uns 
geeinigt gewesen ist, bat bei Ausbruch des Krieges nicht 
nur die Heeresfolge aus nichtigen Gründen verweigert, sondern 
ist nach kaum 10 Monaten zu den Feinden übergegangen. 
Dieser Verrat war um so unverzeihlicher, weil sich Italien 
das Bündnis Jahre lang von uns recht teuer hat bezahlen 
lassen. Zum Sdiaden großer Teile unserer Bevölkerung 
haben unsere für dieses Land besonders günstigen Handels- 
verträge dessen Einfuhr bei uns erleichtert, ja teilweise so- 
gar von jedem Zolle befreit. Schwer wurde hierdurch die 
deutsche Landwirtsdiaft betroffen, besonders schwer aber der 
Stand der Winzer und der Kunst- und Handelsgärtner. Da 
die „Gartenwelt" namentlich die Interessen der letzteren 
vertritt, so will ich mich auf die Nachteile, welche diesen 
unsere Zollpolitik Italien gegenüber gebracht hat, beschränken. 
Die Schädigung geschieht durch die Erleichterung der Ein- 
fuhr von Obst, Frühgemüsen und namentlich von frischen 
Schnittblumen, welche letztere vollständig zoll- 
frei eingehen. Wenn die Schädigung durch Einfuhr von 
Obst die geringste ist, die von Frühgemüsen sich bereits 
recht empfindlich zeigt, so hat die zollfreie Einfuhr frischer 
Schnittblumen die künstliche Treibung solcher in Deutsch- 
land sehr erschwert, ja fast ganz unmöglich gemacht, während 
früher grade dieser Zweig der Gärtnerei den damit Be- 
schäftigten einen angemessenen Gewinn gewährte. Durch 
die im Frankfurter Frieden 1871 Frankreich ein- 
geräumte Meistbegünstigungsklausel erhielt dieses Land die 
gleiche Zollfreiheit. 

Einen gewissen Trost gewährte uns früher die Tatsache, 
daß viele deutsche Gärtner in Frankreich und namentlich in 
Italien bei der Blumenzucht Beschäftigung fanden. Infolge 
des Krieges sind aber alle Deutsche aus diesen beiden 
Ländern vertrieben oder gar daselbst interniert worden, auch 
die Gärtner. Jedenfalls ist keine Aussicht vorhanden, daß 
nach dem Kriege sobald wieder ein Deutscher in Italien oder 
gar in Frankreich Beschäftigung finden wird. So werden 
auch die bis jetzt dort beschäftigten Gärtner wieder in 
Deutschland Unterkunft und Verdienst suchen müssen. Es 
ist deshalb absolut erforderlich, daß in Zukunft unser Garten- 
bau und namentlich das Erzeugen und Treiben von frischen 
Sdinittblumen durch hohen Zoll geschützt wird. Am zweck- 
mäßigsten dürfte es sogar sein, wenn die Einfuhr der letzteren 
ganz verboten werden würde. Der Verbrauch derselben ist 
unbedingt als Luxus zu betrachten, denn sie gehören zwar 
zu den großen Annehmlichkeiten, aber nicht zu den Not- 
wendigkeiten des Lebens. Jeder Luxusgegenstand kann und 



muß aber in Zukunft teuerer bezahlt werden, das verlangt 
das allgemeine Interesse. Dies muß deshalb auch bei frisdien 
Schnittblumen der Fall sein. Es wird auch sicherlidi an 
solchen bei Anwendung entsprechend höherer Preise nicht 
fehlen, denn unsere Kunst- und Handelsgärtner werden gern 
ihre Treibereien vermehren, wenn dieser Betrieb wieder an- 
gemessene Erträge liefert. Dabei sind diese einheimischen 
Schnittblumen entschieden frischer und schöner als die aus- 
ländischen, welche, wenn auch gut verpackt, eine so weite 
Reise machen müssen. 

Deshalb mögen alle Garteninteressenten in den Ruf ein- 
stimmen : In Zukunft keine ausländischen Schnitt- 
blumen mehr! 

Die für dieselben seither aufgewendeten 
Millionen sollen in Zukunft in Deutschland 
bleiben! 

Friedrich Wilhelm, Fürst zu Ysenburg und Büdingen. 



Warum die Landwirte gegen die Einführung der 
neuen Sommerzeit sind. 

Der Vorsitzende des Viehhandelsverbandes für das Königreidi 
Sachsen, Hofrat Dr. Müller-Lenhartz, hat hinsichtlich der allge- 
meinen Einführung der neuen Sommerzeit folgendes bemerkens- 
werte, die Landwirtschaft betreffende Gutachten erstattet : „Dafi 
die neue Sommerzeit in den Städten, besonders in den Groß- 
städten, lichtersparend wirkt und daher zumal in Kriegszeiten sehr 
förderlich ist, unterliegt keinem Zweifel. Im allgemeinen dürften 
auch die Städter und mit ihnen die Behörden Anhänger der neuen 
Zeit sein, und es ist gewißlich manchem Laien befremdlidi er- 
schienen, wenn die Vertreter landwirtschaftlicher Korporationen, 
wenn der größte Teil der Landwirte selbst, sich gegen die Ein- 
führung der neuen Zeit völlig ablehnend verhielt. Um diese Ab- 
lehnung zu verstehen, muß man Fachmann sein. Verschiedene 
Gesichtspunkte kommen hier in Frage. Zunächst das Klima und 
die Feuchtigkeit. Der Landwirt muß nach der neuen Zeit in Wirk- 
lidikeit die Arbeit eine Stunde früher wrie sonst beginnen und sie 
eine Stunde früher beenden. Der Tau, weldier in den ersten 
Morgenstunden das Einfahren von Getreide und Rauhfutter sowie 
dessen Bearbeitung verbietet, weiter die Hackarbeiten und viele 
andere Verrichtungen erschwert, ist der hauptsächlichste Faktor, 
mit dem man hier zu rechnen hat, und der umsomehr an Bedeutung 
gewinnt, wenn es sich um einen Betrieb mit Küsten- oder See- 
klima handelt. Wenn der Landwirt die gewohnte Arbeitsdauer, 
die Frühstücks-, Mittags- und Vesperpause auf die neue Uhrreit 
überträgt, so verliert er für die Sommerernte durdiweg eine Stunde, 
die er des Taues wegen nicht ausnutzen kann, der ja für ihn, des 
früheren Arbeitsbeginnes halber, eine Stunde länger das Feld be- 
hauptet. Soll also die Arbeitszeit in der Ernte nicht um eine 
Stunde verlängert werden, was nicht überall durchgeführt werden 
kann, so wird die Arbeitskraft -des Betriebes nicht voll ausgenutzt 
und der Landwirt muß besonders zu gegenwärtigen Zeiten in 
starke Bedrängnis kommen. Das Getreide und Heu, das er sonst 
in der letzten Abendstunde noch einfahren und bearbeiten konnte, 
muß also draußen liegen bleiben. Nun könnte man dem entgegen- 
halten, der Landwirt müsse dann mit der Arbeit in der neuen 
Zeit eine Stunde später beginnen, in Wirklichkeit also zur alten 
Zeit, um so die sonst verloren gehende Stunde zu retten. Auch 
das ist in wenigen Fällen durchführbar, weil die daraus sidi er- 
gebende Ruhezeit und die Arbeitspausen sich in den meisten 
Fällen nicht mit der Hauswirtschaft des Betriebsleiters und des 
Arbeiters vereinigen lassen. Häufig arbeitet die Frau in einem 
Fabrikbetrieb und der Mann in der Landwirtschaft oder umge- 
kehrt. In diesem Falle muß sicii die Arbeits- und die Ruhezeit 
nach derselben Uhr richten. Das trifft ganz besonders zu, wenn 
schulpflichtige Kinder vorhanden sind, deren Schulzeit der Arbeits- 
zeit beider Eltern angepaßt werden muß. Eine Lichterspamis 



lUS 



Die Garteawelt. 



XXI. 9 



kommt durch die neue Zeit auf dem Lande nicht in Frage, denn 
wenn es zu dunkeln beginnt, begeben sich der Landwirt und seine 
Arbeiterschaft zur Ruhe. — So ergeben sich aus allgemeiner Ein- 
führung der neuen Sommerzeit fast unüberbrückbare Schwierigkeiten, 
so daß man erwägen muß, ob es nicht noch andere Wege gibt, die 
zur Ersparnis führen. Mit dem früheren Ladenschluß und der 
früheren Polizeistunde ist bereits der Anfang gemacht worden." 
V. H. 

Fragen und Antworten. 

Beantwortung der Frage Nr. 1003. Wie ist Knollensellerie 
zu behandeln, um große, gute Knollen zu ernten, die wenig 
Faserwurzeln haben? 

Um große, gute Sellerieknollen zu ernten, muß man zunächst 
das richtige Land haben, tiefgründigen sdiwarzen Gartenboden, 
oder besseren sandigen Lehmboden. Auf beiden Bodenarten hatte 
ich guten Erfolg. Die Pflanzen müssen stämmig sein. Pflanzt 
man schon sehr früh, Ende März oder Anfang April, so kann man 
im Januar gesäete Pflanzen aus dem Saatbeet nehmen, wie ich es 
fast immer tue. Pflanzt man im Mai, Juni, so müssen die Pflanzen 
verstopft sein, sonst ist nichts rechtes mehr zu erwarten. Hat 
man kein dünnstehendes Saatbeet, dann ist ohne Verschulen nicht 
auf gleichmäßige Knollen zu rechnen, oder wenigstens nur in be- 
sonders günstigen Sommern. 

Stallmistdüngung und Jauchen des Landes sind mit oder ohne 
Kali und Phosphorsäuredüngungsehr vorteilhaft, je nach der Güte 
des Stalldungs. Ein Abblatten der Seitenblätter ist zu vermelden, 
die Blätter sind keine Schmarotzer. Sellerie braucht viel Feuchtig- 
keit, das ist eine Hauptbedingung. Ofenruß gibt zarte, weiße 
Knollen. Sehr verkehrt ist ein zu frühes Herausnehmen im Herbst, 
weil die Knollen immer noch wachsen. Vor Mitte November sollte 
man den Sellerie nie herausnehmen, denn durch den Austrieb in 
der Grube oder im Keller leiden die Knollen, die, noch im Lande 
verblieben, von der späten Trieblust Vorteil gehabt hätten. 

F. Steinemann. 

Neue Frage Nr. 1004. Wie schaffe ich für meinen 20 Morgen 
großen Obstgarten auf billigstem Wege eine Bewässerungsanlage? 
Genügend Wasser (Grundwasser) kann auf dem Grundstück ge- 
fördert werden. Der Garten liegt eben. 

Neue Frage Nr. 1005. Wie läßt sich die Zuckerrübe für 
den Haushalt verwerten? 

Verkehrswesen. 

Verbotene Postsendungen. Es wird erneut darauf hin- 
gewiesen, daß bis auf weiteres nach dem nichtfeindlichen Ausland 
(einschließlich den mit Deutschland verbündeten Ländern) und nach 
den besetzten feindlichen Gebieten Postkarten verboten sind, die 
aus mehreren übereinander geklebten Teilen — also nicht aus 
einem einzigen Stück Streifpapier — bestehen oder mit Auf- und 
Einklebungen irgendwelcher Art versehen sind. Außerdem dürfen 
bis auf weiteres auch auf den Abschnitten der Postanweisungen 
und Paketkarten nach Oesterreich - Ungarn (mit Bosnien-Herzego- 
wina) keinerlei Auf- und Einklebungen angebracht werden. 



Tagesgeschichte. 

Wien. Der k. k. niederösterreichische Landesschulrat hat den 
von der k. k. Gartenbaugesellschaft in Wien freiwillig errichteten 
fachlichen Fortbildungsschulen nach Zustimmung des niederöster- 
reichischen Landesausschusses, der niederösterreichischen Handels- 
und Gewerbekammer und der Gemeindevertretungen von Wien, 
Klosterneuburg und Mödling den Charakter einer Pflichtschule und 
damit auch den einer öffentlichen Schule zuerkannt. 

Der Schulsprengel dieser Schulen umfaßt: 

a) für die Schule im XI. Wiener Gemeindebezirke die Be- 
zirke I, III— V, X und XI. 



b) für die Schule im XXI. Wiener Gemeindebezirke die Be- 
zirke II, XX und XXI, 

c) für die Schule in Klosterneuburg die Stadt Klosterneuburg, 
Weidling, Kierling, den XIX. Wiener Gemeindebezirk, dann die 
Strecke der Franz Joseph-Bahn bis einschließlich St. Andrä- 
Wördern, 

d) für die Schule in Mödling die Stadt Mödling, Hinterbrühl- 
Vorderbrühl und die Südbahnstrecke einerseits bis Brunn a. G. 
andererseits bis Vöslau. 

Die Zuerkennung des Oeffentlichkeitsrechtes hat insbesondere 
die Wirkung, daß die durch die Festsetzung des Schulsprengels 
diesen Anstalten zugewiesenen Lehrlinge vom Besuche einer der 
nach dem II. Hauptstücke des Gesetzes vom 30. November 1907 
L. G. Bl. Nr. 171 errichteten Fortbildungsschulen befreit sind und 
auf diese Schulen die §§ 21 — 26 (V. Hauptstück) gleich wie die 
§§ 27 und 33 (VI. Hauptstück) des zitierten Gesetzes Anwendung 
zu finden haben. 

Lieferungsverträge für Herbstgemüse. Der Präsident des 
Kriegsernährungsamts hat den Landräten, Magistraten und Ober- 
bürgermeistern der deutschen Kommunalverbände ein Rundschreiben 
über den Abschluß von Anbau- und Lieferungsverträgen über 
Herbstgemüse zugehen lassen. In dem Vertragsentwurf werden 
folgende Preise für die Erzeuger festgesetzt: 

Für Herbstweißkohl vom 20. September 1917 ab 3 Mk. — 
Für Dauerweißkohl vom 1. Dezember 1917 ab 4 Mk. — Für 
Rotkohl vom 20. September 1917 ab 6.30 Mk. — Für Dauer- 
rotkohl vom 1. Dezember 1917 ab 8 Mk. — Für Wirsingkohl 
vom 20. September 1717 ab 6 Mk. — Für Dauerwirsingkohl 
vom 1. Dezember 1917 ab 7.50 Mk. — Für gelbe Kohlrüben 
vom I.Oktober 1917 ab 2.50 Mk. — Für weiße Kohlrüben vom 
I.Oktober 1917 ab 2 Mk. — Für rote Speisemöhren vom I.Ok- 
tober 1917 ab 6 Mk. — Für gelbe Speisemöhren vom I.Oktober 
1917 ab 4 Mk. — Für weiße Möhren vom 1. Oktober 1917 ab 
3 Mk. — Für lose Zwiebeln vom 15. September 1917 ab 8 Mk., 
vom I.November ab 8.50 Mk., vom I.Dezember ab 9 Mk., vom 
1. Januar 1918 ab 10 Mk., vom 1. Februar 1918 ab 12 Mk. 
und vom 1. März 1918 ab 14 Mk. 



Personalnachrichten. 



Gärtner in Waffen. 

Rudolf Schwab, Obergärtner der Frau Baurat Philipp Holz- 
mann in Frankfurt a. M., Landsturmgefreiter, Inhaber des Eisernen 
Kreuzes, "h in Heidelberg an den Folgen einer schweren Ver- 
wundung. 

Der Allgemeine Deutsche Gärtnerverein gibt den Heldentod 
seiner nachgenannten Mitglieder bekannt: Albert Hohenstein, 
Hamburg; Wilh. Hübeier, Aug. Janssen, Otto Kefilau, Heinr. 
Mattfeld, Wilhelm Vogel, Heinr. Wettenfeldt, sämtlich in 
Bremen; Georg Rieh. Lemge, Ferd. Lisonek, beide in Dresden. 

Der Verband Deutscher Privatgärtner gibt den Heldentod 
seiner Mitglieder Karl Becker, Görlitz, und Schloßgärtner Paul 
Schmidt, Inhaber des Eisernen Kreuzes, Steinsdorf, bekannt. 

Der Verband der Handelsgärtner Deutschlands gibt die Ver- 
leihung des Eisernen Kreuzes an sein Mitglied Bruno Kunze, 
Cosel bei Breslau, bekannt. 

Der Deutsche Pomologenverein gibt die Verleihung des Eisernen 
Kreuzes an Richard Lorentz, Offizierstellvertreter, Strelitz und 
an Job. Scheerer aus Waldsee in Württemberg bekannt; letzt- 
genannter erhielt außerdem die silberne Verdienstmedaille und 
wurde zum Unteroffizier befördert. 

* » 

Scfamalfuß, Rud., Gärtnereibesiizer, Gera, t am 12. Februar 
im 72. Lebensjahre. 



Berlin SW. 11; Hedemannstr. 10. Für die Redaktion verantwortl. Mai Hesdörffer. Verl. von Paul Parey. Druck : Anh. Buchdr. Gu e berg, ß. Zichäus, Dessau . 



Illustrierte Wochenschrift für den gesamten Gartenbau. 



Jahrgang XXI. 



9. März 1917. 



Nr. 10. 



Nadidnick und Nachbildung aus dem Inhalte dieser Zeitschrift werden strafrechtlich verfolgt. 



Landschaftsgärtnerei . 



Volkshaine. 



-o — 
l luCqENDHCllN -\\Q\< 

A 



Von Edgar Rasch, Leipzig-Lindenau. 

(Hierzu neun Abbildungen nach für die „Gartenwelt" gefertigten 
Zeichnungen des Verfassers.) 

Es ist eine häufig wiederkehrende Erscheinung, daß dann, 
wenn die Verhältnisse soweit geklärt sind, um die Öffent- 
lichkeit vor Aufgaben zu stellen, von versdiiedenen Seiten 
fast gleichzeitig und unabhängig voneinander die Lösung 
dieser Aufgaben geboten wird. 

Schon vor dem Kriege stand ja der Volkspark auf der 
öffentlichen Tagesordnung. Jeder Gartenarchitekt glaubte 
da ein besonderes „System" 
ausklügeln zu müssen, je nach- 
dem, wie er sich zu technischen 
und geschmacklichen, wirtschaft- 
lichen und sonstigen Fragen 
stellte. Kommen dann die Auf- 
träge, so machten örtliche Ver- 
hältnisse, Mucken der Auftrag- 
geber, bescheidene Mittel und 
trotzdem ein meterlangerWunsch- 
zettel die schönsten Systeme zu 
ihrem Gegenteil. 

Dann kam der Krieg. — 

Er stellte ja nicht so ganz 
und gar neue Aufgaben, sondern 
zwang zum Haushalten und stellte 
das, was ehedem scheinbar mehr 
der Gutwilligkeit und Einsicht 
einzelner anheim gegeben war, 
als Zwangsmaßnahme auf. Die 
Aufgaben wurden um so kitze- 
liger, als neben erhöhten künst- 
lerischen Anforderungen, auch 
städtebaulichen, eine heikele 
Kargheit der verfügbaren Mittel 
bemerkbar wurde. 

Was sollte nun alles nötig 
sein? Zunächst wieder Spiel- 
wiesen für Kleine und Große. 

Gartenwelt XXI. 



© — o — o — o — < 




Die Alten wollten Gelegenheit haben, sich im Grünen zu 
ergehen, wohl auch der Jugend zuzuschauen und sich im 
Schatten auf dem Rasen und auf Bänken auszuruhen. Man 
wollte Licht- und Luftbäder und sonstige schöne Sachen. 

Es lag nahe, auch das Kriegsdenkmal des Ortes mit der 
Anlage zu vereinen. Selbst kleine Orte und Dörfer konnten 
sidi von der Schaffung derartiger Anlagen nicht ausschließen. 
All dies sollte nun mit den bescheidensten Mitteln ge- 
schaffen werden. 

Der schwächere Kopf läuft da leicht Gefahr, etwas häß- 
liches zu schaffen, da er glaubt, ohne gewisse Dinge, als 
Wege, Blumenbeete, schöne Gehölze, mehr fürs Auge be- 
rechnete Pflanzweise, Erdarbeiten 
und anderes nicht auskommen 
zu können. Da die bescheide- 
nen Mittel aber keinen Auf- 
wand erlauben, wird dann meist 
Pfusch im Landschaftsstil geboten. 
Herr Kö n ig- Hamburg hat 
ja nun in Nr. 2 u. 3 dieses Jahr- 
gangs beachtenswerte Anregun- 
gen nach dieser Richtung ge- 
geben, wenn auch ohne Bei- 
fügung eines Planes. 

Meiner Ansicht nach kom- 
men wir nur dann zu einem be- 
friedigenden Ergebnis, wenn wir 
die Lösung derartiger Aufgaben 
sowohl in der Gesamtform als 
auch betreffs des Materials und 
der Technik auf die e i n - 
fachste Formel zurückzu- 
führen suchen. Der Ausfall von 
Wege- und Platzflächen, Blumen- 
beeten, Erdarbeiten braudit da- 
bei gar nicht einmal bemerkt zu 
werden. 

Harter Rasen, der als Weide- 
land dienen kann, Bäume und 
die einfachsten gewöhnlichsten 
Decksträudier genügen in den 
10 



— o— 



110 



Die (i arten weit. 



XXI. 10 



meisten Fällen völlig. Das Haupt- 
gewicht wird ja auf das Wie 
zu legen sein. Die Wege, selbst 
der breite Aufmarsdiweg, dürften 
kaum mit Wagen befahren 
werden; daher können sie, wo 
die Mittel bescheiden sind, als 
Rasenflächen unterhalten werden, 
wie wir sie in Wald und Feld 
finden. 

Hieraus ergibt sich für kleine 
bescheidene Verhältnisse die 
einfachste Formel: Eine öffent- 
liche Spielfläche oder Wiese, um 
welche als Rahmen, Windschutz 
und Spazierweg ein Hain- oder 
waldartiger Pflanzstreifen gelegt 
ist. Den Zugangsweg wird man 
beiderseits alleeartig mit Bäumen 
bepflanzen. Gegenüber dem 
Eingang wird sich der Platz für 
ein Denkmal ergeben. Die bei- 
gefügten drei ersten Pläne zeigen 
solche einfachsten Anlagen, in 
denen die Denkmale eingetragen 
sind. Betreffs der Bäume möge 
man nicht so ängstlich sein. 
Was in der jeweiligen Gegend 
heimisch ist, ist willkommen und 
brauchbar. Können vorhandene 
Bäume mit verwendet werden, 
um so besser. Oft wird es z. B. 
erwünscht sein, das Denk- 
mal durch einheitlidie Hinter- 
pflanzung mit anderen Bäumen 
hervorzuheben, ebenso den Vor- 
platz. Auf den Plänen bezeich- 
net die Schraffur die Hainpflan- 
zung, der äußere weiße Rand- 
streifen die Decksträucher, wäh- 
rend innen an einigen Stellen, 
z. B. neben dem Denkmal, ein- 
fache Ziersträucher, wie Flieder, 
Goldregen, Wildrosenarten und 
ähnliches, Platz gefunden haben. 
Werden dann in späteren Zeiten 
weitere Mittel zum Ausbau der 
Anlage flüssig, so kann nach 
Beschaffung einer Anzahl Ruhe- 
bänke für den Hain das Denk- 
mal errichtet werden, dann so 
nach und nach auch die Zier- 
pflanzung der Blütensträucher, 
welche sich wohl auch in Trupps 
an den Gehölzrändern und als 
Unterholz pflanzen lassen. Steht 
mehr Geld zur Verfügung, so 
möge man ein oder zwei Häuschen 
errichten, teils als Unterstand 
bei schlechtem Wetter, teils zum 
Ablegen der Kleider für die 
Spieler. Idi erinnere mich noch 



p — 0—0 O — O— o— O— o— o— o— o — o— o— o— o— o— 

i KT5l^5DELfNKrini^MRirS 

l 

i 

I 
o 



i 

<!> 

A 
I 

o 

1 

T 

o 

I 

o 




Typ I 

2'A ho 



Q — o— o — o — o^-Q — o — 



— o— o— o— o— o— o— o 



-o — o- 



T r^p£iEä5DEr7r^MF\L niT Spielwiese | 

? FöRülNE MEirsir OÜTSCMFTf^T 




— o — o— o — o — o — o — o—o — o — o— o 



meiner Stuttgarter Zeit, wo auf 
den Wasen bei Cannstatt auf 
offener Wiese teils in Badehosen 
gespielt wurde, wobei die Zu- 
schauer beiderlei Geschlechts ihre 
helle Freude an den prächtigen 
z. T. bronzefarbigen Gestalten 
der Spieler hatten. Auch kann 
für Aborte, Raum für Spielgerät 
usw. gesorgt werden. Erst später 
könnte man auch an das Be- 
festigen der Wege, und erst zu 
letzt an denBlumenschmuck gehen. 
Allerdings setzt dies voraus, 
daß so eine Anlage wohldurch- 
dacht ist, ihre Möglichkeiten er- 
wogen werden. So ein Spiel- 
hain muß stets fertig aussehen 
und darf nirgends den Eindruck 
machen, daß irgendwo etwas fehlt, 
oder daß er erst teilweise aus- 
geführt ist. 

Für die kleinsten Verhältnisse 
dachte ich mir Typ 1 mit nur 
einer Wiese. 

In gleicher Ausführung wie 
die vorigen, jedoch für größere 
Verhältnisse ist der Typ 2 mit 
2 Wiesen gedacht. Das Denk- 
mal ist hierbei auf einer klei- 
neren Wiese hinter der großen 
Spielwiese aufgestellt, wie der 
Altar im Chor der Kirche. (Ab- 
bildung 4 und 5.) 

Noch größere Verhältnisse 
bei gleicher Ausführung zeigen 
Abbildung 6 und 7. 

Eine sehr große Anlage 
dieser Art zeigt Abbildung 8. 
In der Achse liegen das Denk- 
mal und Parkhaus. Letzteres 
enthält neben einer Wirtschaft, 
von dieser unabhängig, Volks- 
bücherei, Lesesaal, Vortrags- 
räume, volkswissenschaftliches 
Kino und Theater. Der Saal 
bzw. die Bühnenräume können 
auch dem dahinterliegendenNatur- 
theater dienen. 

Bei den heutigen städtebau- 
lichen Bestrebungen liegt es 
nahe, die Möglichkeit in Betracht 
zu ziehen, daß bei einem völ- 
ligen Neuaufbau von Städten die 
Sünden der alten Stadtplanungen 
vermieden werden. Abbildung 9 
zeigt einen Idealplan eines Stadt- 
parkes im Stadtinnern von etwa 
975 m Länge und 575 m Breite. 
Die Größe wäre also diejenige 
eines der sonst üblichen Stadt- 
parke. Die vorliegende An- 



XXI, 10 



Die G a V t e u w e 1 1. 



111 



/ 



'KRIEqSDEINKMnLiHniN 



läge ist jedoch nicht dem Auge und Schutze des Publikums 
empfohlen, sondern auf stärkste Benutzung aller Teile gebaut. 
Zunächst ist eine ganze Reihe von Anlagen in den Park hinein- 
gebaut, welche nirgends besser untergebracht sind als eben 
da und welche sonst über das Stadtbild verzettelt sind, wie 
es gerade durch einen zufällig leeren Bauplatz bedingt 
wurde. Die Pflanzstreifen als Haine, wie oben angelegt, 
sind durchschnittlich 27 Meter breit. 

Zur Erläuterung habe ich die Teile mit Ziffern bezeichnet. 
Es bedeutet: 

1. Volksschule für Kna- 
ben mit Schulhof. 

2. Volksschule fär Mäd- 
chen mit Schulhof. 

3. Höhere Knabenschule 
mit Schulhof. 

4. Höhere Mädchenschule 
mit Schulhof. 

Von den Schulhöfen aus 
können sich die Kinder in den 
Pausen und in der schul- 
freien Zeit auf den angren- 
zenden Turn- und Spielwiesen 
tummeln. 

5. Vier Turnhallen, je eine 
für jede Schule. 

In schulfreier Zeit können 
die Turnhallen der Knaben an 
männliche, die der Mädchen 
an weibliche Turnvereine ab- 
gegeben werden. 

6. Vereinshäuser für Turn- 
und Sportvereine, enthaltend 
Geräte-, Umkleideräume, Be- 
dürfnisanstalten und ein Sit- 
zungszimmer. 

7. Spiel- und Tummel- 
wiesen für die Schuljugend 
und Vereine, welche jede zu 
den anliegenden Schulen bzw. 
Vereinshäusern gehören. 

8. Bezirkskrankenhaus mit 
zwei Nebenbauten nebst Liege- 
hallen. 

9. Fortbildungs- und Ge- 
werbeschule mit Platz für zwei 
Sonderanstalten mit Lehr- und 
Versuchswerkstätten (9 a, 9 b). 

10 a. Milch- und Kaffee Wirtschaft. 
Beide mit langen, nach der großen 
Veranden. 

11. Volksbad mit Schwimmhalle, im Keller Heizung dazu. 

12. Seitenflügel, im Keller Volks- und Schulbrausebäder 
und Desinfektionsanstalt (kostenlos). Im Erdgeschoß Wannen- 
bäder, im Obergeschoß Dampfbäder, elektrische Licht- und 
Strombäder, Höhensonne- und ähnliche Bestrahlungen, Medi- 
zinalbäder und Kneterei (Massageinstitut). 

13. Seitenflügel zu 11, enthaltend im Keller Kohlen, 
Vorräte und große Küche, im Erdgeschoß Volksspeiseanstalt 
(alkoholfrei) für ledige Arbeiter und Arbeiterinnen. Nach 
den Mahlzeiten können die Arbeiter dann ohne Zeitverlust 
sich im Parkgrün erholen und ergehen. Im Obergeschoß 



Wohnräume für das Verwaltungspersonal (Hausmeister, Bade- 
und Küchenmeister usw.) und Verwaltungsstuben. 

An diesen großen Bau schließt sich mitten ein Flügel- 
anbau, welcher am Ende in den Sprungturm mündet. Dieser 
Anbau enthält Auskleidezellen und davor einen überdeckten 
Gang, vor dem sich noch ein breiter Fußweg entlang zieht. 
Diese doppelseitige Anordnung trennt Männer- und Frauen- 
bad im Freien. 

14. ist das Männerbad, Schwimmbecken; der Boden des- 
selben steigt nach 14 a (Licht- 



\ 



\ 




so 
baden 

großen 
Wege 



Fig. 4 



10 b. Bierwirlschaft. 
Festwiese 21 offenen 



luftbad für Männer) allmäh- 
lich bis 0,75 m Tiefe an, 
daß dort Kinder 
können. 

Beiderseits des 
Beckens sind breite 
und dahinter offene Auskleide- 
hallen. 

In 15 und 15a wieder- 
holt sich dies für die schönere 
Hälfte der Menschheit. 

16. sind zwei Kleinkinder- 
spielplätze mit Sandhaufen. 

17. ist ein Vereinshaus 
ohne Wirtschaft mit einem 
Festsaal und einer größeren 
Anzahl Vereinszimmer für 
männliche und weibliche Ver- 
eine mit wissenschaftlichen, 
künstlerischen, sozialen, reli- 
giösen und sonstigen Zielen. 
Die Räume werden von der 
Stadt vermietet. Im Vereins- 
leben wird es vielfach be- 
klagt, daß es an geeigneten 
Versammlungsräumen fehlt, da 
das Mieten von solchen Zim- 
mern in Kneipen stets mit 
dem unausgesprochenen und 
meist unerwünschten Trink- 
zwang verbunden ist. 

18. ist ein großer Schul- 
garten, welcher nach künstle- 
rischen Gesichtspunkten an- 
gelegt, auch reichlichen Rosen-, 
Stauden-, Sommerblumen- und 
Blütensträucherschmuck hat 
und Geist und Herz gleicher- 
maßen erfreut. In seinen äußersten Ecken sind 

19. zwei größere Wat- und Planschbecken. 

20. stellt sich als Parkhaus vor. Es hat, zweistöckig ge- 
baut, in den Flügeln nach der Gartenseite verglaste Hallen. 
Im Mittelbau befindet sich ein Musik- und Theatersaal, 
welcher auch als Kino wissenschaftlicher Art und Vortrags- 
saal dient. Daran anschließend sind Kleiderablagen. In 
dem einen Seitenflügel sind im Erdgeschoß die Volks-, 
Schul- und Gewerbebücherei und nach der Gartenseite Lese- 
säle. Darüber befindet sich das ortsgeschichtliche Heimat- 
und Kunstmuseum. Im anderen Flügel birgt das Erdgeschoß 
naturwissenschaftliche Sammlungen und das Obergeschoß 
Sammlungen gewerblicher und kunstgewerblicher Erzeugnisse, 
davon neuere in wechselnden Ausstellungen, zum Verkauf in 



112 



\)ie üar teil weit. 



XXI, 10 



X K^RIEQSDENKMOLHaiN • \ 



Palmen. 




Fig. 5. 

mustergültiger Ausführung. Weiter sind Modelle von ge- 
werblichen und industriellen Anlagen und Teckniken als 
Lehrmittel für die Gewerbeschüler und Besucher da (volks- 
tümliche Vorträge und Führungen von Fachleuten) unter- 
gebracht, wobei auch gemeinnützige Gegenstände anschaulidi 
darzustellen sind, wie erste Hilfe bei Unglücksfällen, das 
Feuerlöschwesen, Schutzvorrichtungen gegen Rauch, Staub, 
Gase und Giftdämpfe, sowie Arbeiterschutzvorrichtungen in 
Werkstätten und Fabriken. Einige Räume sind auch dem 
Sport und Spiel, dem Turnen und der Körperpflege nebst 
Tanz gewidmet, wo neben schönen alten und neuen darauf- 
bezüglichen Bildern auch Spielgeräte, zweckmäßige Kleidung, 
Spielpläne und -regeln zu zeigen sind. 

Meiner unmaßgeblichen Ansicht nach dürfte es sich bei 
bescheidenen Mitteln empfehlen, die Anlage so einfach wie 
möglich zu planen. Die Spiel-, Fest- und Tummelwiese für 
Jung und Alt knüpft also gewissermaßen an den „Anger", 
die Bürgerwiese, den Schützenplatz usw. der guten, alten 
Zeit anno tobak wieder an. Hier und da ist es mitunter 
möglich, so eine alte, noch vorhandene Wiese als Grundlage 
zu verwenden. Sollte eine solche alte Wiese am Rande 
noch Baumbestand haben, so kann mit geringen ergänzenden 
Nachpflanzungen billig und schön eine Volkswiese geschaffen 
werden. In der hainartigen Umpflanzung, welche wieder 
mehr den Ruhebedürftigen gewidmet ist, sollten Bänke in 
genügender Zahl vorgesehen werden, teils auch einzeln auf 
kleinen, strauchumhegten Plätzchen in stiller Abgeschlossenheit. 



Eine Zufallsbefruchtung von Trachycarpus (Cha- 
maerops) excelsa. 
Von Fr. Roll, zzt. im Felde. 
Die Fußnote, betreffend die Befruchtung der alten, jetzt 
im Dahlemer botanischen Garten stehenden Chamaerops fiu- 
milis durch Gledilsch im Jahre 1749, die zu dem lesens- 
werten Aufsatze von Herrn Obergarteninspektor Alwin 
Berger in Nr. 35 vor. Jahrg. der „Gartenwelt" über die 
Zwergpalme (Ch. humilis) gehört, veranlaßt mich zu einer Mit- 
teilung über eine wohl äußerst selten vorkommende Be- 
fruchtung von Trachycarpus (Ch.) excelsa. Ich fand das Vor- 
kommnis als etwas so außergewöhnliches, daß ich schon damals 
beabsichtigte, es zu veröffentlichen. Es dürfte aber auch heute noch 
das gleiche Interesse wie damals haben, besonders im Zusammen- 
hange mit der oben erwähnten Fußnote, nach der ebenfalls 
für Ch. humilis Fremdbestäubung notwendig ist. Fremd- 
bestäubung mag natürlich auch bei den Palmen wirksamer 
sein als Innenbefruchtung, wie bei den meisten andern 
Pflanzen. Da sich bei den großen Blütentrieben, die die 
Palmen meist bilden, die Blüten nicht alle zu gleicher Zeit 
öffnen, die Geschlechtsreife also verschieden ist, ist eine 
Zwischenbestäubung am gleichen Blütentriebe möglich, um 
so mehr an einer Pflanze, da eine starke Pflanze meist zu 
gleicher Zeit mehrere Blütentriebe treibt. 




Fig. 6. 



xxr, 10 



Die Ct a r l u u w e 1 1. 



113 



[ Über T. excelsa selbst will 
ich mich nicht auf eine Be- 
schreibung einlassen, da die- 
selbe allgemein bekannt ist 
und als Kübelpflanze eine noch 
weit größere Verbreitung ge- 
funden hat als die Zwerg- 
palme, die viel langsamer 
wächst und bei weitem nicht 
die Größe der ersteren er- 
reicht. Pflanzen mit mehr 
oder minder hohen Stämmen, 
als welche sie ein von den 
jungen Pflanzen so verschie- 
denes Aussehen haben, daß 
ihre Zusammengehörigkeit für 
den Nichtkenner nicht so 
leicht ersichtlich ist, sind in 
vielen Herrschafts- und Han- 
delsgärtnereien und auch sonst 
in Privathäusern zu finden. 
Es wird darum vielen Lesern 
nicht unbekannt sein, daß 
solche ältere Pflanzen mit 
Stämmen gerne Blütentriebe 
ansetzen, meistens zwischen 
den vorjährigen Blättern. Diese 
Blütentriebe werden jedoch 
gewöhnlich bei ihrem Er- 
scheinen schon herausgeschnit- 
ten, da sie auf Rechnung des 




Fig. 7. 



Blatttriebes zu viel Nahrung für sich beanspruchen. Siedrängen 
sich als dicker mit Hüllblättern umhüUter Kopf aus dem Stamm 
heraus, in dem die Knospen wie in einer zusammengesetzten 
Ähre zusammengepreßt sind. Entwickelt bilden sie kleine, 
weiße Äste mit zahlreichen Verästelungen, auf denen sich 
die Einzelblüten in kleinen Abständen aneinander reihen, 
ohne daß sie sich durch eine andere Färbung besonders 
davon abheben. Die Palmen sind Blatt-, nicht Blütenpflanzen. 
Ganz ohne Reiz sind die Blütentriebe in ihrer Eigenart aber 
doch nicht. 

In Chäteau d'Oex im Waadtlande, meinem früheren 
Wirkungsorte, hatte ich neben kleineren Stämmen auch eine 
Pflanze von 3,50 m Höhe, die im Winter regelmäßig Blüten- 
triebe bilden wollte. Ich schnitt dieselben jedoch immer 
schon beim Erscheinen weg, da ich eben auch auf starken 
Blatttrieb hielt. Im Winter 1903 setzte sie auch wieder 
ihren Blütentrieb an. Der Kopf war bei seinem Heraus- 
drängen von solch außergewöhnlicher Größe, daß ich be- 
schloß, ihn stehen zu lassen, um seine Entwicklung zu sehen. 
Er entwickelte sich dann auch besonders stark mit einer 
Unmenge Blüten an den einzelnen, weit auseinanderstrebenden 
Verzweigungen ; er war für einige Zeit die reinste Sehens- 
würdigkeit für die Fremden. Das Gießen mit Zutat sparte 
ich in dieser Zeit natürlich nicht, um den Trieb möglichst 
zu fördern, da auch der Blatttrieb zu gleicher Zeit einsetzte. 
Die Pflanze stand im Winter regelmäßig in einem hellen, 
gut geheizten Saale, der bei warmem Sonnenscheine auch 
gut gelüftet wurde. Die Bedingungen für einen guten Trieb 
waren also vorhanden. Ich untersuchte die Blüten manch- 
mal, ob nicht durch Bestäubung eine Befruchtung möglich 
sei, glaubte jedoch nicht daran, da ich eben immer gelesen 



hatte, daß bei Palmen die 
Befruchtung nur durch Be- 
stäubung von einem andern 
Baume zustande komme*). Ich 
gab mich darum nicht weiter 
damit ab, da ich auch keine 
zweite blühende Pflanze hatte. 
Um so größer war mein Er- 
staunen, als fast jede Blüte 
sich zur Frucht entwickelte 
und bis zum Sommer zu einem 
fleischlosen, harten Kern, ähn- 
lich einem Dattelkerne in der 
Größe, auswuchs. Ich säte 
die Kerne dann sofort nach 
der Reife aus, um sie auf 
ihre Keimfähigkeit zu prüfen, 
da ich daran Zweifel hegte. 
Wider alles Erwarten keimten 
nach kurzer Zeit schon fünf 
davon und wuchsen kräftig 
heran, da ich denselben wegen 
ihrer besonderen Abkunft auch 
besondere Aufmerksamkeit 
schenkte. Von den übrigen 
Kernen wäre wohl noch man- 
cher zum Keimen gekommen, 
wenn er längere Zeit auf war- 
mem Grunde gelegen hätte. 
Ich hatte jedoch nur auf einem 
warmen Kasten ausgesät, der 



bald wieder erkaltete, und weiter wollte ich mich dann 
nicht durch den Winter hindurch damit herumziehen. 
Die fünf Pflanzen genügten mir als Beweis der gelungenen 
Befruchtung. Ich dachte dann später daran, die Blüten- 
triebe wieder stehen zu lassen, um die Befruchtung wieder 
vor sich gehen zu lassen und auch künstliche Befruchtungs- 
versuche durch Bestäubung von anderen Pflanzen anzustellen, 
um dann die Keimfähigkeit der selbstbestäubten und fremd- 
bestäubten Samen gegeneinander zu prüfen. Ich hatte drei 
Stämme, die fast immer zu gleicher Zeit blühen wollten. 
In den nächsten Jahren bildeten sie jedoch nur kleine Blüten- 
köpfe, die ich wegschnitt, da ich mich nicht damit abgeben 
wollte. Ich wollte große Triebe, um die Sache augenfällig 
als Sehenswürdigkeit zu haben. Es blieb also dabei und 
ich denke, es wird wohl das erste Mal sein, daß eine 
T. excelsa in solchen Verhältnissen ohne weiteres Zutun 
keimfähige Samen erzeugte, dazu noch in den Alpen in 
1000 m Höhe, wo Wintersport getrieben wird. Ich habe 
auch sonst noch nichts von fruchttragenden T. excelsa in 
Kübeln gesehen, vielleicht wohl auch deshalb, weil die 
Blütenköpfe eben gewöhnlich weggeschnitten werden. Die 
Notwendigkeit einer Fremdbestäubung trifft nach dieser Selbst- 
befruchtung für T. excelsa nicht zu. 

Mit diesen Zeilen gebe ich vielleicht für manchen Lieb- 
haber von interessanten Versuchen die Anregung, sich einmal 
mit Befruchtungsversuchen dieser Pflanze abzugeben, sei es 
nun künstlich oder indem man die Natur walten läßt. T. 
excelsa entwickelt bei kühler Überwinterung Blatt- und 
Blütentrieb erst im Sommer. Der Versuch kann daher 

*) Wenigstens bei der Dattelpalme. (Die Schriftleitung.) 



114 



])n 



a r t (.■ 11 \v i' 1 1. 



XXI, 10 



natürlich auch im Freien ausgeführt werden, ist also 
überall möglich, nur muß die Blüte vor allzuviel Regen 
geschützt werden, wenn die Befruchtung gelingen soll. Wenn 
die Pflanzen regelmäßig im Winter in einem geheizten 
Räume stehen, so gehen sie zum Wintertriebe über, zu dem 
sie überhaupt ihrer Herkunft nach Neigung haben. Dieser 
entwickelt sich nur bei genügend Licht und frischer Luft 
richtig, sonst vergeilt er. Bei meinen erwähnten Pflanzen 
war der Wintertrieb zur Regelmäßigkeit geworden, und er 
entwickelte sich unter den günstigen Verhältnissen aucli ge- 
drungen. Der Sommertrieb beschränkte sich dann natürlich 
auf die Herzausbildung für den Haupttrieb im Winter, 
wenn auch noch das eine oder andere Blatt dazu kam, sich 
zu entfalten. 

Da in dem Aufsatze von Herrn Berger auch von eßbaren 
Palraentrieben die Rede ist, will ich hinzufügen, daß ich die 
Blütenköpfe von T. excelsa beim ersten Herausdrängen, 
wenn sie noch von den Hüllblättern bedeckt sind, auch für 
eßbar halte. Sie sind in diesem Zustande weich und dürften 
entsprechend zubereitet und gekocht ganz schmackhaft sein. 
Unter dem Namen Palmkohl sind wohl nicht nur die ge- 
bleichten Herzen der Stämme, sondern ganz besonders auch 
diese Blütenköpfe im Süden im Gebrauch, die noch etwas 
gebleicht, mit einem Blumen- 
kohltrieb Ähnlichkeit haben. 
In rohem Zustande konnte ich 
allerdings wenig Geschmack an 
ihnen finden, aber auf ihren 
Geschmack schließen, wenn 
sie etwa wie Blumenkohl zu- 
bereitet sind. 



Obstbau. 

Die Obstaufbewahrung ist 

eine ganz wichtige Sache, aber 
an vielen Orten, auch beim Er- 
zeuger, wird leider noch wenig 
Aufmerksamkeit darauf ver- 
wendet. Eine der besten Me- 
thoden, wo es sich um sehr 
große Massen guter Ware han- 
delt, ist das"^ Aufbewahren der 
gewickelten (wohl zu beachten : 
gewickelten) Früchte fertig ge- 
packt in Kisten, die man nach 
Reifezeit geordnet, aufeinander 
stellt. Hierbei wird am meisten 
an Platz gespart ; wird eine 
Frucht faul, so bewirkt die Ein- 
hüllung in Papier, daß die Fäul- 
nis nicht zu schnell auf die be- 
nachbarten Früchte weitergreift. 
Immerhin gehen hier die ange- 
faulten Früchte verloren, und 
das ist für den Haushalt ärger- 
licher, als für den Verkäufer, 
da der einzelne Haushalt meist 
mit kleinen Mengen zu rechnen 
hat. Da hat nun eben jeder 
nach seiner Liebhaberei seine 
besondere Methode. Man glaubt 
meistens genug getan zu haben, 
wenn man auf dem Bodenraum 
oder im Keller das Obst Sorten- 




Fig. 8. 



weise auf Haufen lagert, vielleicht noch die angesteckten Früchte 
ausliest. 

Etwas besser ist eine andere Methode, die wir in Aisheim 
sahen, wo das Obst in großen Kisten (Eierkisten) 3 — 4 Schichten 
hoch gelagert wird. Vollkommen ist aber auch dies nicht. 

Um größere Mengen (bis 45 Zentner) auf kleinstem Raum 
(4,50 X 1,70 X 1,50 m) zu lagern, muß man anders verfahren. 
Wenn man ein Gestell mit ausziehbaren Horden anfertigt, so 
kann man auf einem Flächenraum von obiger Größe (4,5 m lang, 
1,7 m breit und 1,5 m hoch) 63 Quadratmeter Lagerraum für 
einschichtige Aufbewahrung schaffen. Die Geschichte ist ganz 
einfach : Wir sehen aus der Länge des Gestells, daß wir gerade eine 
Dachlattenlänge haben. Die Höhe ist ' 3 Rahmenschenkelhöhe. 
Also gehen wir ans Werk. 

Zunächst schaffen wir uns die Lager für die ausziehbaren 
Horden. Das geschieht, indem wir 3 Pfosten = 1 Rahmen- 
schenkel so miteinander befestigen, daß die beiden äußeren Pfosten 
1,70 m voneinander stehen, der dritte Pfosten kommt in die 
Mitte. Dann schneidet man Dachlatten in Stücken von 1,70 m 
und nagelt sie an die drei senkrecht stehenden Pfosten, indem 
man etwa 5 cm über Erdoberfläche beginnt und dann in lichten 
Abständen von einer Dachlattenstärke -f- 1 cm je eine weitere 
Dachlatte aufnagelt. An den beiden Enden nagelt man die 
Pfosten einseitig, sonst überall doppelt (auf beiden Seiten) in 
entsprechender Höhe mit Dachlatten. Nun hat man die „Böcke" 
in entsprechender Entfernung, d. h. 56 cm im Lichten, voneinander 

aufzustellen und durch je eine 
am Boden und über den Köpfen 
aufzunagelnde Dachlatte in ihrer 
Stellung zu halten. Auch über 
der mittelsten Pfostenreihe na- 
gelt man eine Dachlatte. 

Nun haben wir für die eigent- 
lichen Horden zu sorgen. Zu 
diesem Zwecke schneiden wir, 
wenn erhältlich, Eierkisten der 
Länge nach in drei Teile. Die 
Brettsücke, 55 cm lang, legt 
man dicht nebeneiander, bis 
man 80 cm Bodenfläche hat; 
auf diese dichte Fläche nagelt 
man als Rand vier Dachlatten 
auf und erhält so eine Horde 
von 75 X 75 cm lichter Boden- 
fläche. Da man für 168 Hor- 
den Platz hat, ist der nutzbare 
Bodenraum des Gestells 63 qm. 
Vorteile des Gestells 
gegenüber den meist gebrauchten 
Obsthorden sind : 

1 . Man braucht selbst zum 
Durchsuchen der obersten Horde 
keine Leiter, sondern kann, auf 
der dritten oder vierten unter- 
sten Horde (auf dem Rande) 
stehend, die oberste übersehen. 
Ausgezogene Horden bleiben, da 
zwischen den führenden Leisten 
eingeklemmt, wagerecht stehen, 
selbst wenn sie zu V* heraus- 
gezogen wurden. 

2. In einer Viertel- oder hal- 
ben Stunde hat man die ge- 
samten Vorräte übersehen. 

3. Durch die Abhaltung der 
Zugluft — die Hordenböden sind 
dicht, und auch die Seitenwände 
— liegen die Früchte sozusagen 



XXI, 10 



Die f^i 



■11 weit. 



115 



in ihrem eigenen Dunste, sie welken also minder leicht wie bei 
der gebräuchlichen Lagerung in festen Gestellen, die 30 — 40 cm 
voneinander angebracht sind. 

4. Man hat auf kleinstem Raum die größte Obstmenge über- 
sichtlich gelagert. 

Dabei ist der Preis ein mäßiger: im Jahre 1905 etwa, wo 
Verfasser ein solches Obstgestell in Arbeit gab, kostete es bei 
voller Berechnung des Fuhrlohns (zwei Mann und zwei Pferde 
einen Tag unterwegs zum Abholen der Eierkisten aus der Stadt), 
Material, Arbeitslohn usw. 150, — Mk. 

Nachträglich stellte sich noch als vorteilhaft heraus, daß in 
die angegebenen Hordenmaße ein halber Bogen Packpapier 
genau hineinpaßt. 

Um beim Herausziehen der Horden das Hinüber- und Herüber- 
schwanken zu verhüten, nagelt man unten am Hordenboden zwei 
kleine Führungsleisten an. 

Hinsichlich des Obstlagerraums möchten wir für mittlere und 
kleinere Betriebe den Keller als besser geeignet empfehlen ; ober- 
irdische Räume lassen leichter Frost und Hitze eindringen. 
Vorteilhaft ist eine Treppe im Freien ; die Treppe soll eben 
tunlichst hell sein. Vorteilhaft ist ferner, wenn vor dem eigent- 
lichen Lagerraum als Luftabschluß der Packraum liegt. 

Der Boden und die Wände bestehen vorteilhaft aus Beton mit 
Glattstrich (im Hochwassergebiet ist dieser wasserdichte Glatt- 
strich unbedingt notwendig). Der glattgestrichene saubere und 
fugenlose Boden läßt sich leicht reinhalten. 

Ist der Keller zu trocken, dann begießt man den Boden um das 
Gestell einigemal, außerdem kann man durch Einmauern von 
Kanalisationsrohren, die bis zum feuchten Untergrund gehen, für 
dauernde Feuchtigkeit sorgen. 

Wenn größere Räume für bedeutende Mengen Obst nötig 
werden, kann man, wie dies Böttner seinerzeit im Ratgeber 
schilderte, Erdhäuser nach ähnlichen Grundsätzen bauen, d. h. mit 
zementierten Wegen, und die Gestelle mäusesicher über dem 
gewachsenen Boden stehend ausführen. Ein solches ebenerdiges 
Obsthaus ist vielleicht das allerbeste. 

Otto Dahlenn, Ibersheim. 

Gemüsebau. 

Zur Frage des feldmäßigen 

und gärtnerischen Gemüsebaues 

für die Volksernährung. 

Von LandesökonomieratSiebert, Frankfurta.M. 

(Fortsetzung.) 

Auf meine Anregung und mit Unter-! 
Stützung der Stadtbehörde, die das Ge- 
lände zur Verfügung stellte, und des 
Landwirtschaftlichen Vereines hierselbst, 
der 5000 Mark stiftete, konnte am Gold- 
steiherweg in Niederrad eine 5 Morgen 
große Versuchsgärtnerei in Benutzung 
genommen werden, die den Grundstock' 
für eine solche Ansiediung bilden könnte,! 
wenn sie erst so ausgebaut ist, wie ich 
mir eine Heimstätte denke, die dazu be- 
rufen ist, das Dasein einer Familie in 
einfacher, aber anständiger Weise zu 
fristen. Zwar ist der Gärtner Soldat, er, 
wurde aber durch das Generalkommando 
häufig beurlaubt und so war es ihm' 
möglich, einen Umsatz von etwa 4500 M 
zu erzielen, der sich im nächsten Jahre 



auf 7500 M und mehr steigern dürfte. Die Gesellschaft für 
Wohlfahrtseinrichtungen wurde zum Träger dieser Idee; an sie 
werden die Erzeugnisse abgeliefert und sie führt genau Ab- 
rechnung über die Einnahmen und Ausgaben. 

Zu wünschen ist nur, daß mein Grundgedanke sich Bahn 
brechen möge, in den verschiedenen Teilen des Stadtgebietes 
solche Ansiedlungen, natürlich größeren Umfanges, zu be- 
günstigen. Denn die freien Kulturflächen, die seit Jahr- 
zehnten der Bodenausnützung dienten, haben sich im Stadt- 
gebiet von Jahr zu Jahr stark verringert, wir spüren die 
Abnahme an verminderter Erzeugung und es müßte eine 
ernste Sorge für die Stadtverwaltung sein, hier unterstützend 
einzugreifen, wenn nicht in absehbarer Zeit ein weit größerer 
Mangel an Gemüse sich einstellen soll. Ich habe oben die 
Worte „Wehrkraft und Nährkraft" gebraucht. Wenn man 
sich das überlegt, wäre ein solches Vorgehen ein großer 
Fortschritt in den sozialen Einrichtungen und der Förderung 
des Volkswohles, mehr wie es im Augenblick scheint. Darf 
ich hier erinnern an eine Stätte größter gärtnerischer Betrieb- 
samkeit, an Erfurt. Christian Reichard, Gärtner und Rats- 
meister daselbst, gab die Anregung zur Begründung des 
heute noch an der Spitze stehenden Erfurter Gartenbaues. 
1867 setzte ihm die Stadt Erfurt ein Denkmal auf dem ihm 
zu Ehren benannten Reichardplatz. Er stellte die ersten 
rationellen Grundsätze der Fflanzenkultur für die Allge- 
meinheit auf und begründete damit den Wohlstand nicht 
nur seiner engeren Heimat. Das wollte ich nur als Beweis 
anführen, welcher Nutzen gestiftet werden kann, wenn man 
etwas richtig und rechtzeitig einschätzt. Wir stehen augen- 
blicklich wieder an einem Wendepunkt des wirtschaftlichen 
Lebens und Strebens, die ganze Menschheit ist gewillt und 
muß gewillt sein, ihre wirtschaftliche Betätigung zu erhöhen 
und zu ergänzen durch fruchtbringende Maßnahmen, und zu 
solchen rechne ich auch die vorhin gemachten Vorschläge. 
Das könnte sich zu einer vorbildlichen Kriegsfürsorge ent- 
wickeln lassen und für unser Vaterland segensreich wirken, 
dem alle erreichbaren Güter nach dieser sorgenvollen Kriegs- 




idealplan eines Stadtparkes von etwa 975 m Länge "und 575'm Breite 

im Stadtinnern. 



HC. 



Die (iarteuwelt. 



XXI, 10 



und Leidenszeit in dankbarem Gedenken als Opfer zugeführt 
werden sollen. 

Jüngst fand in Wiesbaden eine Versammlung der Gemüse- 
züchter von Wiesbaden und Umgegend statt, in welcher 
Mittel und Wege zur Hebung und Ermöglichung einer größeren 
Einträglichkeit des Gemüsebaues besprochen wurden. Was dort 
zur Sprache kam, deckt sich im aligemeinen mit den vor- 
stehenden Ausführungen. Es wurden aber noch weitere 
Vorschläge gemacht, und zwar der Rücktransport des an der 
Front liegenden, dort nicht verwendbaren Düngers, Schaffung 
von Transportmitteln für Gemüse nach den Märkten, da 
beinahe alle Gärtner ihre Pferde an die Heeresleitung ab- 
geben mußten, und Vermittlung billiger Arbeitskräfte (Kriegs- 
gefangene) zu den für die Landwirtschaft geltenden Sätzen. 
Ferner müßte, wenn überhaupt an eine Vermehrung der Er- 
zeugnisse des gärtnerischen Gemüsebaues gedacht wird, eine 
weitgehendere Beurlaubung der im Felde stehenden Gemüse- 
gärtner Platz greifen, denn eine Zusammenstellung zeigt, daß 
74 "/o de tätigen Gemüsegärtner zum Heeresdienst einge- 
zogen sind. Mit Recht wurde noch darauf hingewiesen, daß 
die Führung einer Gemüsegärtnerei durch die Frau des 
Besitzers weit schwieriger ist, als die Bewirtschaftung eines 
landwirtschaftlichen Anwesens und daß es nur durch die 
selbstlose Mithilfe der ortseingesessenen Gärtner möglich 
war, die von den Frauen geleiteten Betriebe wenigstens 
einigermaßen über Wasser zu halten. Immer und immer 
wieder muß aber die Forderung erhoben werden, daß bei 
jeder, den Gemüsebau betreffenden Frage die Fachleute mehr 
gehört werden und sowohl bei den staatlichen, wie bei den 
städtischen Behörden eine entsprechendere Vertretung als 
seither haben. Verfügungen, soweit sie einseitig von der 
Behörde erlassen werden, ja selbst die Einführung von 
Gemüseausweiskarten können die Bevölkerung nicht befrie- 
digen und die Mehrerzeugung nicht heben. 

Es wäre unrecht, wollte ich nicht auch der heimischen 
Gemüsegärtnerei Erwähnung tun. Mir liegen von den beiden 
Gärtnergenossenschaften Sachsenhausen und Oberrad aus- 
führliche Berichte vor, aus denen zu entnehmen ist, daß 
diese alteingesessenen Gärtnerfamilien mit ihrem fleißigen 
und umsichtigen Streben, der unverkennbar großen Erfahrung 
und der auch züchterisch auf Verbesserung abzielenden un- 
ermüdlichen Arbeit gerade in der Kriegszeit bewiesen haben, 
wie sehr sie darauf bedacht sind, unsere Märkte mit den 
besten Gemüsearten zu jeder Jahreszeit zu versehen. Sie 
waren bei der Knappheit an Hilfskräften und Saatgut gewiß 
nicht auf Rosen gebettet, sie haben aber ihre Schuldigkeit 
in vollstem Maße getan, und was noch besonders anzuerkennen 
ist, sie haben Friedenspreise, keine Kriegspreise gehalten 
trotz der gerade in den gärtnerischen Betrieben bedeutend 
höheren Erzeugungskosten. Sie haben aber ein weiteres 
Verdienst, das hervorgehoben werden muß, sie ließen sich 
von dem Grundsatz leiten: „Einer für alle, Alle für einen" 
und bearbeiteten nicht nur ihre eigene Scholle, sondern 
unterstützten auch mit Rat und Tat die Frauen der im Felde 
stehenden Kollegen. 

Wenn man liest, daß in Sachsenhausen 100 selbständige 
Gärtner, 80 Gärtnersöhne und viele Gehilfen, in Oberrad 
in 270 Betrieben 100 selbständige Gärtner, 200 Gärtner- 
söhne und 50 eingearbeitete Gehilfen eingezogen sind, so 
wird man daran ersehen können, wie groß die Last ist, die 
auf den Einzelnen ruht. Und hier soll auch die Tätigkeit 
der Frauen und Töchter der Eingezogenen gewürdigt werden, 



die vom frühesten Morgen bis zum späten Abend die arbeit- 
gewohnten Hände rühren. Die Sachsenhäuser Gärtner haben 
3000 Morgen mit 280 Betrieben, die Oberräder 1000 Morgen 
zu bewirtschaften. Mit Hilfe von Kriegsgefangenen wurde 
das Werk vollbracht. Es wird in Berichten betont, daß 
die Franzosen, einmal angelernt, sich durchweg als brauchbar 
erwiesen haben. (Fortsetzung folgt.) 

Vorzügliche Kohlrabi. Neben dem Blumen-, Rot-, Weiß- 
und Wirsingkohl ist der Kohlrabi eins der wichtigsten Gemüse. 
Wertvoll sind die Früh- und die Wintersorten. Erstere müssen 
sich schnell entwickeln und wenig Ausfall geben, d. h. möglichst 
wenig Pflanzen, die schießen. Spätsorten müssen bis tief in den 
Winter hinein Zartheit und feinen Geschmack behalten. Die Er- 
gebnisse unserer Samenzüchter sind heutzutage so, daß diese Be- 
dingungen erfüllt werden. Von Frühkohlrabi hat sich bisher der 
Prager Treib- vortrefflich bewährt, ist aber inzwischen übertroffen 
werden, und zwar durch die deutsche Züchtung Kurier, auch König der 
Frühen genannt. Diese Sorte ist, falls echt, tatsächlich eine ganz 
hervorragende. Wer sie anbaut, wird mir beipflichten müssen. 
Kurier wächst schnell, entwickelt schöne gleichmäßige Knollen 
von zartem Geschmack, bleibt niedrig und macht wenig Blätter. 
Mir fiel das schnelle Wachstum auf. Diese Sorte hat unbedingt 
eine Zukunft. Anschließende Sorten sind weiter Delikateß, so- 
wohl blauer, den ich sehr schätze, wie auch weißer; beide sind 
verbesserte Dreienbrunner. Für den Herbst ist Blauer Goliath 
vorzüglich, oft bis 10 Pfund schwer und doch zart. Zum Ein- 
wintern empfiehlt sich Anfang bis Mitte Juni Blauer Goliath zu 
säen und ihn Mitte bis Ende Juli auf freigewordenes Kartoffel- 
land zu pflanzen. Bis zum Herbst, Ende Oktober, zur Zeit des 
Einwinterns, ist dann diese Pflanzung gerade so ausgebildet, daß 
die Knollen ihre höchste Zartheit besitzen. Schlägt man diese 
nun ins Mistbeet, Knolle an Knolle in 30 cm Reihenabstand ein, 
so halten die Knollen sich bis tief in den Winter und behalten 
zudem den frischen Geschmack. 

Noch besser für den Winter als Blauer Goliath ist der Tief- 
blaue Winterkohlrabi, eine noch neue, aber vorzügliche Sorte. Auch 
hier ist Julipflanzung anzuraten. Selbst noch Anfang August 
ausgepflanzt, wird sich diese Sorte in günstigen Lagen bis zum 
Herbst voll entwickeln. Die Sorte ist die dunkelste, die ich bis 
jetzt gepflegt habe; sie entwickelt sich gut, ist mittelmäßig im 
Wuchs und liefert schöne runde Knollen. Sie behält bis tief in 
den Winter hinein ihre Zartheit und den guten Geschmack. Ist 
Kurier der beste und vorzüglichste Kohlrabi für das Frühjahr und 
für die Treiberei, so ist Tiefblauer Winter- der beste für den 
Winter. 

Der heutige Gemüsebedarf ist groß ; er erfordert, daß nur das 
Beste angebaut wird, und deshalb sollte man auch beim Kohlrabi 
Wert auf gute und sichere Sorten legen, die wenig Ausfall geben, 
also die aufgewendete Mühe und Arbeit lohnen. 
Adam Heydt, Obergärtner, Schloß Mallinkrodt bei Wetter (Ruhr). 



Zum Frühgemüsebau. Je länger der Kampf dauert, um so 
dringender wird das Bedürfnis, unsere Gärten und Felder auf das 
gründlichste zu bewirtschaften, um der hohen Aufgabe noch mehr 
gerecht werden zu können, Volk und Heer genügend mit Nahrungs- 
mitteln zu versorgen und so die Pläne unserer Feinde zuschanden 
zu machen. 

Daß der Gemüsebau dabei eine bedeutende Rolle spielt, hat 
die Vergangenheit gelehrt. Gerade im kommenden Frühjahr sollte es 
jedes Gärtners und jeder Gärtnerin größtes Bemühen sein, früh und 
reichlich Gemüse auf den Markt zu bringen. Um dem vorhandenen 
Boden möglichst viele und gute Ware abzuringen, müssen eben die 
Aussaatbeete, warme und kalte Kästen, berechnend ausgenützt 
werden. Mit den Frühkohl-, Kohlrabi-, Salataussaaten usw. können, 
wenn die Pflanzen vor dem Auspflanzen erst verstopft werden, 
stets Karotten mit ausgesät werden. 



XXI, 10 



Die Garten weit. 



117 



Sollen die Pflanzen aber im Aussaatbeet bis zum Auspflanzen 
verbleiben, so säe ich nur Radies dazwischen ; denn durch das 
Herausnehmen der Kohlpflanzen in fertiger Größe würden die 
meisten kleinen Karotten mitgenommen. Werden dagegen zum Ver- 
stopfen die Pflanzen in pikierfähiger Größe ausgezogen, so scliadet 
man den Karotten nicht. Ein Verstopfen der Pflänzlinge ist immer 
von Vorteil ; aber wo es jetzt an Arbeitskräften mangelt, säe man 
mit Radies zusammen, nicht zu dicht, und bereite sie im Aussaat- 
beet durch reichliches Lüften und Fensterabnehmen fürs Freiland 
vor. Ist das Beet leer, wird es sofort mit Gurken, Blumenkohl 
oder anderem bestellt, nach vorheriger Auffrischung der Erde. 
Auch bei dem Treiben der Gemüse muß jeder für sich überlegen, 
wie er die vorhandenen Fenster am besten ausnutzt. 

Für die breite Volksschicht bleiben die erschwinglicheren Gemüse 
des Freilandes die Hauptsache. Hier besonders heißt es für alle 
Anbauer, das Höchstmögliche zu erzielen. Ich will ein kleines 
Beispiel von möglichster Ausnutzung der Gurkenbeete anführen. 
Ende März werden die Beete mit je fünf Reihen Salat Maikönig 
bepflanzt. Die mittlere Reihe wird zuerst geschnitten, die freien 
Streifen werden tief durchgehackt und die inzwischen vorbereiteten 
Gurkenpflänzchen hineingesetzt, oder der Samen in eine Rille gesät 
und bedeckt. Die übrigen Köpfe Salat werden auch schnell hinter- 
einander weggenommen, das Land zwischen den Gurkenreihen ge- 
jaucht und umgegraben. Jetzt wird eine Pflanzung von Kohlrabi 
(Erf. Dreienbrunnen) gemacht, der bis zum dichten Verranken der 
Beete auch abgeerntet ist. Zwischen den Kohlrabipflanzen am 
Rande eines jeden Beetes kann noch eine Reihe Rosenkohl (Her- 
kules) gepflanzt werden, der sich bis zum Winter so stark ent- 
wickelt hat, daß er nicht zu weit steht, und im Sommer der 
Entwicklung der Gurken und dem Ernten derselben nicht hinderlich 
ist. Fleißiges Hacken, Düngen und nötigenfalls Bewässern sind 
zum guten Gedeihen erforderlich. Möge das Angeführte vielen 
Anregung geben, so rationell wie möglich zu arbeiten. Ich zweifle 
nicht, daß, wenn alle nach besten Kräften und Wissen ihr Land 
benützen, die Menge und Güte der Gemüse noch bedeutend 
erhöht werden kann. Dies gilt auch für die Privatgärtnereien. 
Jedes Fleckchen Land muß ausgenutzt werden, und das überschüssige 
Gemüse als Liebesgabe den Lazaretten oder zum Verkauf dem 
Markt zugeführt werden. In Friedenszeiten wurde letzteres von 
vielen Seiten als unliebsamer Wettbewerb betrachtet ; jetzt im 
Kriege ist es zur Notwendigkeit geworden. 

Hand in Hand mit höchster Ausbeutung des Bodens müssen ver- 
schärft ein sachgemäßer Fruchtwechsel und rationelle Düngung 
gehn. Menschen, Tiere, Maschinen müssen heute das Höchste 
leisten. Da muß auch unsere alte Mutter Erde hergeben, was 
sie hat. Otto Kaltenbach. 

Im allgemeinen ist es üblich, Rettiche an Ort und Stelle zu säen. 
Sät man nicht zu dicht, so erzielt man damit ganz gute Ergeb- 
nisse. Da aber in der Kriegszeit auch der Rettich mehr Beachtung 
findet, sollte man auf Erzielung bester Erfolge hinarbeiten. Das 
Aussäen an Ort und Stelle ist jedoch nicht das Mittel hierzu. 
Der Rettich will Platz haben. Um nun in jeder Weise das Best- 
mögliche zu erzielen, sät man ihn breitwürfig und nicht zu dicht 
aus und verpflanzt dann in einem Abstand von etwa 20 — 25 cm. 
Zum Verpflanzen benutzt man nur solche Rettiche, die glatte 
Wurzeln besitzen. Frührettiche, so angezogen, liefern tadellose 
Ware. In diesem Falle lohnt es sich, etwas Rettich gleichzeitig 
mit den Kohlgewächsen im Februar — März im kalten Kasten mit 
auszusäen und dann im April oder Ende Mai auszupflanzen. Im 
Mistbeet ausgesäte Rettiche, die später an Ort und Stelle ge- 
pfanzt werden, sind Mitte Mai erntereif, also zu einer Zeit, zu 
welcher gute Ware gesucht ist. Freilich muß man nur allerfrühste 
Sorten wählen, wie z. B. Ostergruß, der, im Mistbeet angezogen, 
im kalten Kasten Ende April gut ist. Für die Sommermonate 
sind frühe Rettiche nicht geeignet, da diese leicht in Samen 
schießen. Für den Herbst ist der Münchner Bierrettich ausgezeich- 
net. Winterrettiche sind spätestens Mitte bis Ende Juni zu säen, 
da sie bei späterer Saat zu klein bleiben. Wohl liest man in 



Lehrbüchern, daß Winterrettiche selbst noch im August zu säen 
seien, doch wird niemals aus solch später Saat etwas Vernünftiges. 
Noch im August Rettiche für den Winterbedarf zu säen, also die 
Sorten, die bis spät zum Frühjahr hin ihre volle Würze besitzen 
sollen, ist verkehrt. Die Wachstumszeit ist dann zu kurz. 

Adam Heydt, Obergärtner, Schloß Mallinkrodf. 



Pflanzenkunde. 
Winterstudien. 

(Schluß.) 

Wenn zuweilen gesagt wird, daß auffallende und abnorme 
Pflanzengestalten nur vereinzelt und diskret Verwendung fmden 
sollen, so ist das in erster Linie auf solche mit abweichenden 
Wuchsverhältnissen zu beziehen. Formen wie die Schlangen- 
fichte, Picea excelsa viminalis, ferner inversa, pumila usw. erzielen 
wohl in gelegentlicher Einzelstellung hervorragende Ueberraschungs- 
wirkungen, büßen aber bei wiederholtem Auftauchen auf begrenztem 
Raum erheblich an Reiz ein. Freilich gilt das Gleiche von ähn- 
lichen absonderlichen Laubgehölzformen wie Trauer-, Pyramiden- 
und Säulengestalten, wenigstens im zwanglosen Garten. Seit ich 
einmal irgendwo einen Hain aus Blautannen bewundern durfte, der 
zwar etwas fremdartig protzenhaft, aber — besonders aus der 
Ferne — andrerseits doch glänzend wirkte, bin ich davon abge- 
kommen, auch Blautannen nur für gelegentliche Einzelsteilung 
geeignet zu halten. — 

Nicht immer herrscht indessen bei uns im Januar Rivierawetter. 
Als ich eines andern Tages wieder die bunte Winterpracht auf 
mich einwirken lassen wollte, war alle Feiertagsstimmung verflogen ; 
mehr und mehr verdüsterte sich der Himmel und bald rieselten 
bei einigen Kältegraden und plötzlich erwachtem Nordost feine 
kristallene Sternchen hernieder und verdichteten sich in den wink- 
ligen Längsfurclien der Tannen- und Fichtenzweige schnell zu 
weißen, festen Linien, die den Nadelholzreiz wieder in neuem 
fesselndem Lichte zeigten. Dichter und dichter fielen die Flocken, 
und bald waren Zweige und Knospen mit hohen, weißflaumigen 
Mützen bedeckt, die sich besonders auch an Kiefernspitzen und 
Rhododendronknospen hübsch ausnahmen — auch ein Frost- 
schutz ohnegleichen! Mit gemischten Gefühlen betrachtete 
ich das reizvolle Naturspiel. Freilich müssen wir ja froh sein, 
wenn uns der Winter Schnee bringt, da es keinen besseren 
Wärmehalter gibt. Wie wichtig er als Feuchtigkeitsspender 
für uns ist, bedarf keines Hinweises ; aber auch düngende 
Kraft wird ihm zugeschrieben, da er vermöge seiner Porosität 
Gase auffängt und verdichtet, von denen für uns besonders 
Schwefelverbindungen, Stickstoff usw. in Betracht kommen. Welche 
Rolle er sonst im Haushalt der Natur spielt, wie nur durch seine 
Einwirkung die Pflanzenbesiedlung der Gebirge ermöglicht wird, 
so daß z. B. Bergkiefern, Zwergwacholder u. dgl. m. in den 
felsigen Gründen festen Fuß fassen können und hier wiederum 
als Festiger und Begrüner, Wasserbehälter und Holzlieferer zu 
schätzen sind, sei nur nebenher bemerkt. 

Uns Gärtnern und Gehölzfreunden bringt aber der Schnee 
keine reine Freude. Wehe, wenn es naßfallenden Schnee gibt, — 
wenn die Luftwärme allmählich über Null steigt, die großen Flocken 
in dichten Wolken herniedergehen und durch ihren Wassergehalt 
Zweige und Wipfeltriebe bleischwer belasten. Da wird aus dem 
unterhaltenden Naturspiel manchesmal eine verhängnisvolle Kata- 
strophe, nicht nur in Parken und Gärten der Liebhaber, auch in 
den Schulgärten der Handelsgärtner und Förster und in unseren 
Waldbeständen. Dann tritt der gefürchtete Schneebruch ein, 
bei uns im Tieflande immerhin meist in maßvollen Grenzen, in 
Gebirgsgegenden die Regel ! 

Für den Umfang des Schneebruchschadens sind neben der 
Dichtigkeit und Gruppierung auch die Form, Alter, Höhe usw. 
der Gehölze bestimmend. Wintergrüne, die dem Schnee viel Halt 
gewähren, fallen ihm natürlich eher zum Opfer, als laubabwerfende. 
Was durch aufrechten, graden, einachsigen Wuchs und nicht zu 



118 



Die (i arten weit. 



XX[, 10 



enge Zusammenpferchung festen Halt und Widerstand bietet und 
wirteiförmig gestellte, flachliegende Zweige aufweist, wie Abies, 
Picea usw., leidet weniger, selbst bei anhaltenden Schneefällen 
bei uns in Gärten, eher freilich in Forsten, am meisten im Ge- 
birge, wo besonders die äußersten, vorgeschobenen Pioniere durch 
regelmäßig wiederkehrenden Schneebruch zu Wettergestalten bi- 
zarrster Formen werden. 

Kriechende oder sonst niedrige, schmiegsame Formen wie 
gewisse Juniperus, Thujopsis laetevirens, Pinus montana, buschige 
Taxus, ferner junge Anzuchten usw. nehmen wenig Schaden, selbst 
wenn sie bis 1 Meter hoch sind; bei ihrem Harzreichtum leicht 
federnd, lassen sie sich von dem schwerer und schwerer auf sie 
niederdrückenden Schnee allmählich an den Boden pressen, finden 
hierbei besten Frostschutz, schnellen bei später eintretendem Tau- 
wetter oft ruckweise empor und nehmen ihre frühere Gestalt 
wieder an; selten nur tritt hier ein Bruchschaden ein. Hoch- 
stämmige Nadelhölzer mit mehr schirmartig ausge- 
breiteten Kronen wie Pinusarten, sind natürlich in 
weit höherem Maße gefährdet, wie der gelegentliche Schneebruch 
in unseren Forsten zeigt, und besonders sind alte P. Strobus 
überaus spröde und brüchig. Immerhin bieten sich auch der Kiefer 
erhöhte Möglichkeiten, Schneelasten los zu werden, sobald der 
leiseste Windhauch durch ihre Wipfel streicht. Die gemeine P. 
silvestris ist aber längst nicht in gleichem Grade dem Schneedruck 
angepaßt als die schlankere, oft pyramidenförmige P. Cembra der 
Hochgebirge. Im Gegensatz hierzu kennt Pinus Pinea keinen 
Schnee und darf auch die breiteste Krone tragen. 

Mehrachsige, buschige Nadelhölzer wie Picea nigra Mariana, 
Thuja- und andere lebensbaumartige Formen, ferner Buxus, Hex, 
Rhododendron usw. sind bei uns ebenfalls viel größeren Gefahren 
ausgesetzt. Wässrige Schneemassen drücken oft die dichtesten 
und schönsten alten Exemplare auseinander, brechen Aeste aus, 
verursachen Lücken, die nicht immer zu schließen sind, und bringen 
uns dadurch großen Schaden. Taxus sind viel elastischer. Selbst 
die steife Säuleneibe T. baccata fastigiata (= hibernica) bricht 
so leicht nicht ab ; auch Juniperus chinensis, virginiana, Thujopsis 
usw. lassen sich viel bieten. Nur wo sie als ältere Stücke in 
dichteren Beständen stehen und dadurch weicheres Holz haben, 
tritt wohl gelegentlich Schneebruch ein. 

Der Forstmann sucht sich gegen derartige Gefahren durch 
Wechselpflanzungen zu schützen, indem er in größeren Flächen 
zwischen Nadelholzpartien Lärchen- und Birkenschläge systematisch 
einrichtet, wie ja auch in Baumschulen in ähnlicher Weise durch 
eine zweckmäßige Wechselpflanzung der Schneebruchgefahr zu 
begegnen gesucht wird. 

Noch erheblich unheilvoller wird aber die Schneegefahr für 
Gärtner und Förster, wenn an regenreichen Wintertagen plötzlich 
ein Temperatursturz eintritt, der Regen sich in Schnee verwandelt 
und die durchnäßten Nadelholzzweige nun noch eine dichte Schnee- 
umhüllung empfangen, die sie in Mumien verwandelt, wodurch sie 
die absonderlichsten, gespenstischesten oder malerischesten Formen 
annehmen und den Laien deshalb entzücken, ihren Pflegern aber 
bange Sorgen machen. Oft treibt der gleichzeitig erwachte Sturm 
die Flocken in dichten Wolken heran, die Temperatur sinkt mehr 
und mehr, die Schneemassen verdichten sich, frieren an, und 
aus unseren sonst so biegsamen, geschmeidigen Nadelbäumen 
werden glasstarre, eisgepanzerte Jammergestalten. 
Gleich einer Zwangsjacke hält das Eis die Aeste umklammert, die, 
spröde wie G'^s, bei starker Luftbewegung und ungeschütztem 
Standort jetzt noch viel leichter als vorher jäh abbrechen. Der 
Förster nennt diesen Zustand „Anraum"; er ist dem verhältnis- 
mäßig harmlosen, aber keineswegs ungefährlichen Rauhreif an 
Schadenwirkung in jeder Hinsicht erheblich überlegen. Hält dieser 
starre Zustand einige Tage an — und das ist häufig der Fall — 
dann kann eine recht unwillkommene Dauerstarre und eine 
Verunstaltung durch hartnäckig erhärtete Krümmungen eintreten, 
wodurch naturwidrige Zwangsformen entstehen. Nach dem endlidi 
erfolgten Abtauen der Eiskruste harrt man dann oft vergeblich 
darauf, daß sich Wipfeltriebe und Seitenäste wieder aufrichten und 



in ihre früheren normalen Linien zurückkehren werden; häufig 
gelingt ihnen das aber aus eigener Kraft nicht. Ist dann endlich 
mit dem Wonnemond die neue starke Saftzufuhr eingetreten, 
dann erhoffen wir von der wuchtigen Triebkraft und dem heftigen 
Safldruck eine Streckung der Zweige. Leider tritt sie aber oft 
genug gar nicht, und manchmal nicht nach Wunsch ein, immer 
aber sehr langsam und unregelmäßig. Häufig genug bleiben 
Dauerkrümmungen bestehen, besonders dann, wenn das Frühjahr 
mehr trocken als feucht ist, und die Saftbewegung sich nur träge 
vollzieht. Dann strafft sich kein Wipfeltrieb und kein Seitenast, 
— wir müssen sie schienen, d. h. an Pfähle binden, und tüchtig 
gießen und düngen und im Auge behalten, um sie wieder in ihre 
ursprüngliche Normalform zurückzuführen, eine immerhin mühsame 
und zeitraubende Arbeit, die ich im letzten Frühjahr mehrfach 
vornehmen mußte. 

Wenn derartige Witterungsexzesse in der freien Natur häufig 
eintreten, ja geradezu charakteristisch werden, können sie natürlich 
auch nicht ohne nachhaltigen Einfluß auf die Gestalt der Gehölz- 
formation bleiben. Kein Wunder, wenn wir in den Hochgebirgen 
an den Grenzen des Baumlebens niedergestreckte Bergkiefern und 
Zwergwacholder antreffen, die indessen ins Tiefland durch Samen 
übertragen, wieder einen aufrechten Wuchs annehmen, weil ihnen 
in unseren Breiten im allgemeinen jener kraftvolle, wiederholte 
Schneedruck fehlt. Bei der Bergkiefer, Pinus montana, ist das 
eine bekannte Erscheinung. Bei Juniperus nana Willd. erlebte ich 
es an selbstgezogenen Pflanzen, deren Samen ich 1905 im Engadin 
wild gesammelt hatte. Entarten kann man indessen diese Er- 
scheinung nicht nennen ; sie ist nur eine Anpassung, nur der erste 
Schritt zu einer veränderten Form. — Die Gebirgsgehölze sind 
also von Natur extremen Witterungsverhältnissen angepaßt und in 
unseren Gärten dafür unempfindlich. Was bei uns nachhaltig 
durch Anraum und Schneedruck leidet, sind fast ausnahmslos 
nicht einheimische Gehölze! Unsere ^e'Stanne, Abies pecii- 
nata, unsere Fichte, Picea excelsa, ja selbst unsere Eibe, Taxus 
baccata, u. a. m. sind im Garten wie im Forst die unempfindlichsten 
gegen Anraum. Was aber bei uns leidet, sind entweder Aus- 
länder, die eben a n d er e n me t eo r ol ogis ch e n Ver häl t- 
nissen unterworfen sind, oder G ar t e n f o r m en , die als 
Verzugskinder besondere Wartung brauchen, um nicht zu straucheln. 
So ist z. B. das große Heer der Lebensbaum (Thuja occiden- 
talis) -Abkömmlinge anraum- und schneedruckempfindlich im 
Gegensatz zur Stammart, die eher durch Selbstschutz gesichert ist. 
Ebenso zeigen sich die buschigen Züchtungs- oder Zufalls- 
formen von Piceaarten, wie Clanbrassiliana, Mariana usw., um 
so schneeempfindlicher, je weiter ausladend sie sind oder je mehr 
sie aus vielen feinen Zweiglein bestehen. Ausländische Nadelhölzer, 
die von Hause aus an ähnliche Schneeverhältnisse wie bei uns 
gewöhnt sind, leiden auch nicht, so z. B. die urwüchsige Tsuga 
canadensis, die Douglastanne, Thuja giganiea, viele Abies, 
Picea u. a. m. Dahingegen leiden in unserem Klima die südlichen 
buschigen, immergrünen Gehölze, wie Buxus, Hex usw., die in ihrer 
Heimat derartige Schneekatastrophen nie erleben, leicht durch 
Schneebruch und Anraum ; aber auch breitausladende Thujopsis, 
Chamaecyparis-Formen u. a. m. sind nicht unbedingt fest. 

Die Naturkinder schützen sich mehr oder 
weniger durch eigene Kraft vor S ch n e e s ch ä d en ; 
den Kulturformen muß der Pfleger helfen! Das 
geschieht einmal durch verständige Arten- und Formenwahl 
und geschützten Standort in Mis ch p f 1 a n zu n ge n, und 
ferner durch das Umschlingen buschiger Ausländer mit Bind- 
faden oder Stricken bei Eintritt des Winters, was sich in 
kleinen Verhältnissen freilich erheblich leichter durchführen läßt, 
als in großen Beständen, immerhin aber, trotzdem es umständlich 
und zeitraubend ist, als das kleinere Uebel n'cht umgangen werden 
sollte. Neben diesen vorbeugenden Schutzmitteln käme 
als nachträgliches das Abklopfen schneebeladener Nadel- 
hölzer und anderer immergrüner Gewächse in Betracht. Durch 
diese vielfach empfohlene und oft ausgeführte Arbeit wird indessen 
oft mehr Schaden als Nutzen verursacht, wenn sie 



XXI, 10 



Die U a r t f n w e 1 1. 



1U> 



Max Joseph Goos t 



nicht mit Verständnis aus- 
geführt wird! Bei A n r a u m ist 
sie natürlidi unbedingt zu unterlassen ; 
nur so lange der Sdinee locker und 
flicht angefroren aufliegt, hat Abklopfen 
Sinn. Aber auch hier kommen nur 
gewisse buschige Ausländer und Garten- 
formen in Frage. Das Absdiütteln ge- 
schieht am zweckmäßigsten durch 
schwaches Anschlagen an die Astunter- 
seite mittels einer Stange ; an den 
Stamm oder die Hauptachse darf nie 
ein Schlag geführt werden, weil, zu- 
mal bei scharfem Frost, sehr leicht 
Rindenschädigungen hervorgerufen wer- 
den können. Viele Nadelhölzer ent- 
ledigen sich aber meistens leicht von 
selber locker aufliegender Schneebürden. 
Tritt Wind oder mildes Wetter ein, 
dann gleitet von den breiten Ast- 
stjiirmen der Tannen, Fichten, Eiben 
usw. die Schneeladung wie vom steilen 
. Kirchendach mit kräftigem Ruck ab 
und sichert den Bäumen nachhaltige, 
wirksame Bodenfeuchtigkeit, denn man 
darf wohl annehmen, daß ebenso wie 
bei Laubhölzern, Kräutern usw. durch 
Ast- und Laubstellung die Regen- 
ableitung nadi bestimmten Zweckmäßig- 
keitsgesetzen geregelt ist, auch den 
Nadelhölzern die Wohltat reichlicher 
Sdineeschüttung in weitestem Maße 
durch ihre Ast- und Nadelstellung 

zuteil wird, um ihnen reichliche Bodennässe für den Neutrieb zu 
sichern. 

Leider werden ja auch oft genug durch Schneedruck Spal- 
tungen und Ablösungen seitlicher Triebe, zuweilen 
sogar das Abbrechen des Wipfelsprosses hervorgerufen. 
Manchmal gelingt es mit Hilfe benachbarter Zweige, die man mit 
Draht oder starkem Bindfaden heranzieht, seitliche Lücken not- 
dürftig zu füllen, zuweilen wird auch ein verständiger Schnitt mit- 
helfen müssen. Wipfelsprosse werden ja allgemein durch 
Heranziehung und Schienung von Seitenzweigen zu ersetzen gesucht. 
Falls es unterbleibt, hilft sich die Natur von selbst und läßt meist 
mehrere Ersatzwipfelsprosse erscheinen, deren bester zur Spitzen- 
bildung benützt wird. In der Natur begegnet man zuweilen 
Baumveteranen mit mehreren Ersatz wipfelsprossen, die dann den 
Eindruck einer Harfe erwecken. 

In der Gartenkultur ist im allgemeinen sonst jedes Schneiden 
an Nadelhölzern verpönt, sofern es sich nicht etwa um Hecken 
u. dergl. handelt. Ganz zu verwerfen ist aber der Schnitt an 
freiwachsenden Nadelhölzern nicht, da wir eben oft genug ver- 
bessernd und regelnd, und zwar nicht bloß bei Sämlingen, 
Stecklingen und jungen Veredlungen, sondern oft auch bei älteren 
Stücken eingreifen müssen. Hier gilt es zuweilen, unerwünschte 
Zufälligkeiten zu beseitigen oder der kennzeichnenden Eigenart 
des Wuchses nachzuhelfen. Uebrigens wird gerade bei Picea- und 
/lÄies-Arten ein mehr oder weniger starkes Zurücknehmen der 
nicht mehr im Gleichgewicht stehenden Seitenäste die Leittrieb- 
bildung anregen und fördern. Bei älteren Stücken ist ein derartiger 
Schnitt freilich nur unbedenklich, wenn sie sonst gesund sind und 
in humusreichem, tiefgründigem Boden stehen, der neue Nahrungs- 
zufuhr sichert; sonst sind sie gleichzeitig zu düngen und zu gießen. 
Leider wird letzteres bei Nadelhölzern und anderen immergrünen 
Gewächsen gemeinhin viel zu wenig angewendet. Wo es aber 
geschieht, im Notfall auch während des Winters, sicher aber im 
Spätherbst, und eine solide Bodendecke darüber gebreitet wird, 
halten sich auch als empfindlich verschrieene Gewächse selbst an 
Südseiten gut. Alles Einpacken und Schützen hat nicht den Wert 




der dauernden Feucht- und Offen- 
haltung des Bodens. Wo sie stetig 
durchgeführt wird, tritt auch das Kahl- 
werden ältester Teile nicht ein und die 
Winterfestigkeit wird erhöht. 

Möchte der Anbau edler immer- 
grüner Gehölze trotz aller Mühselig- 
keiten in erhöhtem Maße aufgenommen 
werden, um die Reize unserer Gärten 
auch im Winter zu steigern ; möchte 
es aber auch nirgends an Pflege und 
Hütung fehlen, um derartige köstliche 
Schmuckwerte zu erhalten und zu voll- 
kommenster Schönheitswirkung zu 
steigern. E. W. 

Nachruf. 
Max Joseph Goos f. 

Am 5. Februar starb zu Nieder- 
walluf a. Rhein im Alter von 58 Jahren 
Herr Max Joseph Goos, der alleinige 
Inhaber der Firma Goos & Koenemann. 
Es fand hiermit ein an Arbeit, aber 
auch an Erfolgen reiches Leben seinen 
Abschluß, ein Leben, dem die deutsche 
Gärtnerwelt außerordentlich viel zu 
verdanken hat. 

In Hamburg geboren, trat er bei 
F. L. Stuben in die Lehre, war später 
in Herrenhausen, im Elsaß, längere 
Jahre in England und dann noch unter 
der Leitung des von ihm sehr verehrten Obergärtners R. Müller 
in den Baumschulen von Rathke & Sohn in Praust bei Danzig tätig. 
Im Jahre 1885 ließ er sich in Niederwalluf a. Rhein nieder 
und gründete dort eine Baumschule und Staudengärtnerei. Zwei 
Jahre später nahm er seinen Freund August Koenemann als Teil- 
haber auf. 

Mit sicherem Blick erkannte er den Wert der Stauden als 
Material zur Gartenausschmückung und zum Schnitt. Beide Inhaber 
der jungen Firma bemühten sich, die bis dahin eigentlich als 
gärtnerisch gezüchtete Kulturpflanzen in Deutschland so viel wie 
noch gar nicht bekannten Stauden einzuführen und zu verbessern. 
Unermüdlich waren sie beschäftigt, das junge mit allerhand 
Schwierigkeiten kämpfende Unternehmen lebensfähig zu gestalten. 
Der Erfolg blieb nicht aus, so manche Pflanzenfamilie, deren Ver- 
treter man in damaliger Zeit in den Gärtnereien vergebens suchte, 
wie die Baum- und chinesischen Paeonien, die Iris, Pyrethrum, 
Trollius, Phlox, Clematis, Delphiuien, Heuchera und so viele 
andere, die heute zum unentbehrlichen Rüstzeug jedes Schnitt- 
blumenzüchters oder Landschaftsgärtners geworden ist, verdanken 
ihre Einführung und Verbesserung der Firma Goos & Koenemann. 
Auf dem Gebiete der Canna und Dahlien waren die Neu- 
7Üchtungen der Firma geradezu epochemachend, und die Kultur 
dieser schönen Pflanzenfamilien wurde von ihr in ganz andere, nie 
geahnte Bahnen gelenkt. 

Unzählig ist die Zahl der Verbesserungen und Neuzüditungen, 
die Goos & Koenemann in den letzten 25 Jahren der deutschen 
Gartenwelt beschert haben ; so manche Bereicherungen und wert- 
volle Verbesserungen stehen für die nächsten Jahre, dank der 
Vorausarbeit des nie rastenden Geistes von M. J. Goos, der Garten- 
welt noch bevor. 

Im Mai 1910 starb Koenemann im Alter von 46 Jahren, und 
nun ruhte die ganze Last des mittlerweile zu einem Großbetriebe 
herangewachsenen Geschäftes allein auf den Schultern von M. J. 
Goos, der mit dem Tode seines Freundes alleiniger Inhaber der 
Firma wurde. — Schwere Zeiten machte er, der selbst stets 
leidend war, damals durch, und nur seine eiserne Energie, mit der 



120 



Die '-' arteuwelt. 



XXI, lü 



er seinen Körper zu unerhörten Leistungen zwang und das Ver- 
trauen auf seine ganz in seinem Geiste arbeitenden Mitarbeiter 
halfen ihm damals über den Wendepunkt hinweg. 

Gewaltige Neubauten, die nach dieser Zeit entstanden, und 
bedeutende Vergrößerungen der Kultureinrichtungen und Anbau- 
flächen legen Zeugnis ab von dem Unternehmungsgeiste und den 
kaufmännischen Fähigkeiten des Entschlafenen. 

Der Versand der Erzeugnisse erstreckte sich über Länder und 
Meere; die Erzeugnisse seiner Firma fanden Abnehmer überall in 
der Welt, wo man nur Pflanzen züchtet. 

Nie wurde ohne langjährige und sorgfältige Prüfung eine 
Neuheit herausgegeben ; das eigene Urteil genügte ihm nie, stets 
legte er großen Wert auf die Meinung seiner Fachgenossen, so 
manches schöne Kreuzungsergebnis, so manches Produkt jahrelanger 
Bemühungen scheute er sich als Neuheit herauszugeben, weil er 
diesen oder jenen Fehler noch nicht verbessern konnte. 

Durch diese gewissenhafte Auffassung des Züchterstandpunktes 
verschaffte er sich besondere Achtung bei allen, den gleichen 
Boden beackernden Züchtern des Auslandes, während die unbe- 
dingte Ehrlichkeit und Redlichkeit im Handel ihm einen großen 
Kundenkreis in Deutschland verschaffte. 

Wie der Vorsitzende der Gruppe Hessen-Nassau und Groß- 
herzogtum Hessen, Herr Emil Becker, Wiesbaden, so treffend am 
Sarge des Entschlafenen betonte, war die Gärtnerei von Goos & 
Koenemann alljährlich das Ziel Tausender von Besuchern ; Fach- 
genossen aus Nah und Fern holten sich hier Anregung und 
Belehrung. 

Der alljährlich erscheinende, mit großer Sorgfalt ausgearbeitete 
Katalog, dessen Inhalt stets den vorhandenen Vorräten entsprach, 
ist für unsere jungen Gärtner ein sehr begehrtes Bildungsmittel 
und wird auch von vielen älteren Kollegen als Nachschlagebuch 
benutzt. 

Die besonders sorgfältige Anzucht der Obstbäume war sein 
Steckenpferd; niemals hat er es zugegeben, daß Ware zweiter 
Güte das Geschäft verließ, lieber ließ er solche der Vernichtung 
anheimfallen. 

Sein größter Schmerz im Leben war wohl der, daß es ihm 
infolge seines körperlichen Leidens nicht vergönnt gewesen ist, 
mit gleichgesinnten Fachgenossen öfters in Fühlung zu kommen, 
Versammlungen zu besuchen und an Aussprachen usw. sich zu 
beteiligen. Als in seinen letzten Lebensjahren aus seiner Schwer- 
hörigkeit sich vollständige Taubheit entwickelte, hat der Schreiber 
dieses ihn nach dem Besuche befreundeter Fachleute oft still 
eine Träne zerdrücken sehen; Goos suchte nunmehr nur noch 
Trost in der Arbeit, aus der ihn der Tod schnell und schmerzlos 
hinweggerafft hat. 

Wer den Vorzug hatte, den Verblichenen sowohl im Ge- 
sdiäft als auch in seiner Häuslichkeit näher kennen zu lernen, der 
war bezaubert von seiner Liebenswürdigkeit und Zuvorkommenheit. 
Stets war er gefällig und bereit zu helfen. Seinen Arbeitern 
war er der sorgende Berater und gütige Helfer. 

Als im vergangenen Jahre der jüngste seiner beiden Söhne 
im Kampfe für das Vaterland sein Leben ließ und die Sorge für 
das Leben des ältesten Sohnes, der seit Kriegsbeginn draußen 
stand, schwer auf ihm lastete, schwand allmählich seine Lebenskraft. 

Mitten aus rastloser Tätigkeit machte der Tod hier einem 
Leben ein Ende, das für die deutsche Gärtnerschaft so vieles ge- 
schaffen. Er, der noch so unendlich vieles schaffen wollte, wurde 
audi ein Opfer des Krieges, dessen Ende er mit allen Fasern 
seines Lebens herbeisehnte und leider nicht mehr erleben durfte. 
Bücher. 

Tagesgeschichte.*^' 

Die künftigen Höchstpreise für Spätgemüse. Die bis- 
herige Höchstpreispolitik hatte vielfach versagt, weil sie ledig- 
lich nach sozialen Rücksichten auf eine möglichst billige Ernährung 
der Bevölkerung eingestellt war. Jetzt soll die Versorgung 
unserer Großstadtbevölkerung mit Spätgemüse im kommenden 
Herbst auf eine neue Grundlage gestellt werden. 



Die Reichsstelle für Gemüse und Obst hat in den Lieferungs- 
verträgen, die sie zwischen Erzeuger und Kommunalverbänden ver- 
mittelte, bestimmte Höchstpreise vorgeschrieben. Diese Hödist- 
preise bleiben auch dann in Kraft, wenn die sonst für den Ver- 
kehr vorgeschriebenen Höchstpreise niedriger angesetzt viferden 
sollten ; werden aber diese „öffentlichen" Höchstpreise erhöht, 
dann müssen die in den Verträgen mit den Kommunalbehörden 
festgesetzten Preise diesen angepaßt werden. Folgende Klein- 
handelshöchstpreise sind von der Reichsstelle für Gemüse und 
Obst vorgesehen: Herbstweißkohl 5 Pfg., Dauerweißkohl 9 Pfg., 
Dauerwirsing 11 Pfg., gelbe Kohlrüben 4 Pfg., rote Speisemöhren 
2 Pfg., gelbe Speisemöhren 5 Pfg., Zwiebeln 12 Pfg. für das 
Pfund. Hans Gerlacli, 

Chiffre-Anzeigen für den Arbeitsmarkt wieder zugelassen. 
Nach den neuesten behördlichen Bestimmungen können fortan 
Zeitungsanzeigen, durch die kaufmännisches, technisches, wissen- 
sdiaftliches, landwirtschaftliches und Hauspersonal gesucht oder 
angeboten wird, wieder unter Chiffre veröffentlicht werden. Diese 
Annehmlichkeit wird vielen unserer geschätzten Leser bei der 
Aufgabe ihrer Anzeigen für die „Gartenwelt" sehr willkommen 
sein. Anzeigen, in denen gewerbliche Arbeitskräfte gesucht werden 
oder sich anbieten, müssen nach wie vor die offene Adresse des 
Inserenten enthalten. 

Obstpreise für 1917. Auf dem achten Obstzüditertag des 
Osthavelgaues wurde beschlossen, die Obstpreise auf Grund der 
allgemeinen Teuerung und Preissteigerung für Materialien und 
Arbeitskräfte um 100 Prozent zu erhöhen. Die Preise würden sidi 
dann gegenüber jenen für 1916 wie folgt stellen : 

Kleinhandels- Erzeugerpreis- Kleinhandels- 

richtpreise 1916 forderung 1917 mindestpreise 1917 
Erdbeeren . . 50—63 100 135 

Kirschen, süße . 63 50 68 

Kirschen, 

Einmache- . 50—63 60 81 

Stachelbeeren . 25—63 50 68 

Johannisbeeren. 33—40 35 48 

Himbeeren . . 63 50 68 

Edelpflaumen . 33—50 60 81 

Bauernpflaumen 25 20 27 

Die in der dritten Spalte angeführten Kleinhandelspreise sind 
errechnet durch einen Zuschlag von 10 Prozent für den Groß- und 
25 Prozent für den Kleinhandel.' 

Die Verteuerung des Obstes ist im Interesse der Volkser- 
nährung bedauerlich, kann den Obstzüchtern aber nicht verdacht 
werden. Die Betriebskosten haben sich durch Lohnsteigerung, 
durch bis 300%i?e Teuerung für die notwendigsten Düngemittel 
usw. gewaltig erhöht. Dazu kommt die unglaubliche Verteuerung 
der Lebenshaltung: Wenn für einen Salzhering 1 Mk. und mehr, 
für ein Hühnerei 35 — 50 Pf., für ein Suppenhuhn 15 — 20 Mk., 
für ein Pfund Spinat 2 Mk., ein Pfund Rosenkohl 2,50 Mk. 
bezahlt werden müssen, so kann man von den Obstzüchtern, die 
zudem noch mit häufigen Mißernten zu rechnen haben, nicht 
verlangen, daß sie allein mit Verlust arbeiten sollen. M. H. 

Zossen. Die neue handelsgerichtliche Eintragung der Geschäfts- 
führer der Obstverwertungs G. m. b. H. hierselbst lautet: Betriebs- 
leiter Heinrich Beuss in Zossen und Obergärtner Gustav Scharnke- 
Berlin sind zu Geschäftsführern bestellt. 



Personalnachrichten. 

Baum, H., ein alter, treuer Mitarbeiter der „Gartenwelt", 
technischer Leiter des Botanischen Gartens der Universität Rostock 
i. M., ist zum Großh. Universitätsgartenmeister ernannt worden. 

Gartendirektor Lesser, Steglitz, wird als Dozent der Hum- 
boldtakademie in Berlin im zweiten Vierteljahr 1917 Vorlesungen 
über „Gartenarbeiten im Sommer", „Obstbau im Hausgarten", 
„Gärten fürs Volk" (Volksparks und Kleingärten) und „Garten- 
siedelungen vor und nach dem Kriege" abhalten. 



Berlin SW. 11, Hedemannstr. 10. Für die Bedaktion verantwortl. Max Hesdörfter. Verl. von Paul Parey. Druck; Anh. Bnchdr. Gute. iberg, G. Zichäus, Dessau. 



Illustrierte Wochenschrift für den gesamten Gartenbau. 



Jahrgang XXI. 



16. März 1917. 



Nr. 11. 



Nachdruck und Nachbildung aus dem Inhalte dieser Zeitschrift werden strafrechtlich verfolgt. 



Palmen. 



Erythea. 
Von Alwin Berger. 

(Hierzu vier Abbildungfen.) 

Unter den schönen, großen Fächerpalmen, die zur Aus- 
schmückung unserer Wintergärten und kühleren Häuser aus 
den berühmten Palmengärten meines unvergeßlichen Freundes 
Ludwig Winter in Bordighera vor dem Kriege nach Deutsch- 
land eingeführt wurden, spielten die sogenannten Brahea 
eine große Rolle. Vor allem war es Erythea armata S. 
Wats., die sogenannte Brahea Roezli, die den größten Beifall 
fand, sei es nun, daß man Gelegenheit hatte, sie auf Aus- 
stellungen in Deutschland anzutreffen, wo Ludwig Winter 
mit seinen herrlichen Palmen nie fehlen durfte, oder daß 
man das Glück hatte, die Pflanze bodenständig an der Riviera 
selbst zu betrachten. Auf jeden Beschauer wirkte sie unter 
allen Umständen imponierend und verlockend, und so fanden 
ungezählte Stücke ihren Weg nach Norden. Ein wohl- 
gewachsenes Exemplar ist in der Tat etwas großartig schönes, 
ein Bild der Kraft und Schönheit zugleich. Wie eine große 
Halbkugel wölben sich die Wedel übereinander, deren Farbe 
und Beschaffenheit unter allen unseren Palmen nicht ihres 
Gleichen hat. Wenn die helle Sonne der lachend schönen 
Küste monatelang auf ihnen gelegen hat, erscheinen sie 
kreideweiß mit einem Ton ins Blaue, genau wie bei Agave 
Franzosini, und wie bei dieser kann in geeignetem Boden 
die Färbung während der Sommerzeit überraschend stark blau 
ausgeprägt sein. Mit dem Herannahen der Herbsttage 
und ihren Regengüssen läßt diese durdidringende Färbung 
nach und macht einer mehr grünlich erscheinenden Platz. 
In unseren Gewächshäusern, wo das Sonnenlicht spärlicher, 
ja zeitweise Winters überhaupt ganz ausbleibt und dann immer 
noch die Glasscheiben zu durchqueren hat, bleiben diese 
prachtvollen hellen Farbentöne aus oder verblassen nach und 
nach und machen einem Grüngrau Platz, wie es im Freien 
nicht vorkommt. Ich weiß nicht, ob es nicht möglich wäre, 
durch Verbringen der Pflanzen in das Freie auf warme, 
sonnige Plätze die hellen Farben wieder hervorzuzaubern. 
Ich habe darin keine Erfahrung, zweifle aber nicht, daß es 
in Deutschland Brahea Roezli gibt, die Sommers auf diese 
Weise behandelt werden. 

Die Wedelspreiten dieser Palme sind derb, fast wie Blech 
so hart, sie klingen wie Metall, wenn man mit der Hand 
auf sie schlägt. 

Gartenwelt XXI. 



Die erste Veröffentlichung, die ich in der einschlägigen 
Literatur finde, ist eine Notiz in der „Illustration Horticole" 
1881, wo sie als Brahea Roezli Linden erscheint. Nach 
dieser von L. Linden selbst stammenden Notiz war sie im 
Jahre 1877 in Gent in der Lindenschen Gärtnerei ins freie 
Land gepflanzt worden. Ihr Wachstum sei zwar nicht rasch 
gewesen, aber sie habe die kalten Winter 1879 — 80 und 
1880 — 81 unter dem Schutz einer einfachen Glasglocke aus- 




Erythea armata am Lago Maggiore. 



11 



122 



Die Gartenwelt. 



XXI, 11 



gehalten, wobei in Belgien die Temperatur häufig bis 
zu 24" C unter Null fiel! Linden gibt ferner an, 
daß die Pflanze sich zwar noch nicht „charakterisiert" 
habe, aber doch bereits die weiße Wachsbedeckung 
der Blätter bekomme. Was aus dieser Pflanze ge- 
worden, ist mir unbekannt. Jedenfalls möchte ich 
diese Notiz allen denen zur Kenntnis bringen, v/elche 
Gelegenheit haben, solche Versuche anzustellen. Aehn- 
lidie niedrige Temperaturen dürfte kaum eine andere 
Palme ertragen. 

Glüdtlicher war nach derselben Lindenschen Notiz 
der Graf Epremesnil, der sie in seinem schönen 
palmenreichen Garten Villa Cocotier in Golfe - Juan 
um jene Zeit bereits in bester Entwicklung gehabt 
haben muß. 

So haben wir also die Einführung dieser schönen 
Palme dem vielverdienten Linden in Gent zu ver- 
danken, und zwar in erster Linie dem erfolgreichen 
und berühmten Sammler B. Roezl. Der amerikanische 
Botaniker Dr. E. Palmer hatte sie ebenfalls 1875 oder 
1876 gesammelt, und nach Angaben dieser beiden Sammler 
wächst sie in Süd-Kalifornien und Arizona, etwa 
80 Meilen südöstlich von San Diego in den Tortillas Bergen 
bei San Bernadino, also Gegenden, wo auch die Washingtonia 
filifera vorkommt. Sie scheint aber weiter verbreitet und 
auch auf der Halbinsel Kalifornien nidit selten zu sein. 





Erythea armata. 



Erythea armata bei Ludwig Winter in Bordighera. 

Wenigstens liegt vor mir eine hübsche Photographie, die 
Herr C. A. Purpus aufgenommen und welche mir von seinem 
Bruder Herrn A. Purpus, Großherzoglicher Garteninspektor 
des Botanischen Gartens in Darmstadf, freundlichst zur Ein- 
sicht eingeschickt wurde. Darnach hat Herr 
C. A. Purpus die Erythea armata („Palmilla 
azul" „blaue Palme" der Eingeborenen) 
auf der Südspitze der Halbinsel bei San 
Jose del Cabo vorgefunden. Es unterliegt 
wohl keinem Zweifel, daß es sich um die- 
selbe Art handelt. Auch die ganze Tracht 
der Pflanze, wie sie sich auf dem betref- 
fenden Bilde zeigt, spricht dafür. 

Die Heimat dieser Palme ist ein äußerst 
trockenes, sonnendurchglühtes Land, das zur 
Winterszeit jedoch (wenigstens Arizona) 
verhältnismäßig recht kalt zu werden pflegt. 
Die Regenmenge ist in jenen Gebieten 
kaum 200 — 300 mm jährlich und zudem 
nur auf wenige Monate beschränkt. Daher 
die weiße Wachsschicht auf den Blättern 
zum Schutz gegen übermäßige Beleuchtung 
und Verdunstung, und daher auch das vor- 
zügliche Gedeihen dieser Palme an der 
Riviera und ähnlichen Orten jenseits der 
Alpen. Daß sie in den Gärten reichliche 
Bewässerung gern erträgt, wundert uns nicht, 
da die Zwergpalme sich ganz gleich verhält. 
In ihrer Heimat ist die Erythea armata 
nach Dr. E. Palmer und Sereno Watson ein 
bis 13 m hoher Baum mit etwa 40 cm 
dickem, stark rissigem Stamme. Roezl in- 
dessen gibt an, wie E. Andre berichtet, 
daß der Stamm nur 2 — 5 m Höhe er- 
reiche. Es mag sich diese Angabe auf 
besonders ungünstig gelegene Standorte 
beziehen, vielleicht auf die letzten Vor- 
posten des Verbreitungsgebietes, denn es 
liegt kein Grund vor, der Roezl's An- 
gabe unglaubwürdig erscheinen ließe. 



XXI, 11 



Die Gartenwelt. 



123 



In Südfrankreich begegnet man, wie bereits gesagt, den 
ältesten in Europa gepflanzten Exemplaren. Darunter findet 
man Stücke mit weit über meterhohen Stämmen. Blühende 
Pflanzen sah ich zuerst im Juni 1903 in einem Garten in 
Hyeres. Es war eine ganz stattliche Allee dieser herrlichen 
Palmen. Die langen weißen, reichverzweigten Blütenstände 
ragten zwischen den Wedeln hervor und neigten sich bogig 
über dieselben hinweg. Auf die Blüte folgen reichlich die 
schönen eirunden, in der Reife orangegelben Früchte, so daß 
die Samen heute zu den billig und leicht zu erlangenden 
gehören. Das sollte dazu beitragen, der Palme eine weit- 
gehende Verbreitung in unseren Gärten zu gewährleisten. 

Die Namen Brahea Roezli Linden und B. glauca Van 
Houtte sind beide bloß Katalognamen und als solche ohne 
Beschreibung erschienen. Nach den all- 
gemein in der Botanik geltenden Ge- 
pflogenheiten hat aber ein solcher nackter 
Namen (nomen nudum) keine Daseins- 
berechtigung. Nur Namen, welche mit 
voller Beschreibung veröffentlicht werden, 
haben Gültigkeit. Daher sind beide 
Namen, auch der allgemein gebräuch- 
liche Brahea Roezli, durch die von 
Sereno Watson*) 1876 mit Beschreibung 
veröffentlichten Namen überholt. Dieser 
Name war ursprünglich Brahea (?) ar- 
mata. Watson war sich bereits damals 
klar, daß die Gattung Brahea nicht 
ganz zutreffend war. Im Jahre 1880 
hat er dann für diese und ihre ungleich 
aussehende Schwesterart die neue Gattung 
Erythea geschaffen. 

Dieser schöne Gattungsname war 
hauptsächlidi wegen der zweiten Art, 
Erythea edulis S.Wats., gewählt worden, 
die auf der einsam im Stillen Ozean 
gelegenen Insel Guadelupe vorkommt 
und dort im Jahre 1875 gleichfalls von 
Dr. E. Palmer entdeckt und gesammelt 
worden war. So nannte 1880 Sereno 
Watson seine neue Gattung nach der 
Erytheia, einer der Hesperiden, der 
Töchter des Abends oder Westens, welche 
auf einer Insel im Ozean am westlichen 
Ende der Weit wohnte und in ihrem Garten 
die goldenen Aepfel bewachte, welche 
Herkules holen mußte. Das Ende der 
Welt war zwar für die Alten der Atlan- 
tische Ozean, aber für uns, die wir kein 
Ende der Welt mehr kennen, macht es 
nichts, wenn zum Träger des Namens 
Erythea eine einsame Palme auf einer 
einsamen Insel im Stillen Ozean er- 
wählt wird. 

Aeußerlich ist, wie schon gesagt, 
diese E. edulis von der E. armata recht 
verschieden. Während die erstere durch 
ihre weißen, metallharten Wedel aus- 
gezeichnet ist, ist sie mit grünen und 



weicheren, jedoch immer noch pergamentartig derben Wedeln 
und unbewehrten Blattstielen ausgerüstet. Sie wird ein Baum 
mit bis 10 m hohen und über 30 cm dickem Stamme und 
mit einer prächtigen, vollen Blattkrone. Die Wedelstiele, die 
jungen Blätter und die Nerven sind mit feinem, weichem, weiß- 
lichem Filze bekleidet. 

Auf der Insel Guadalupe, in ihrer Heimat, hat sie später 
in den 80 er Jahren Dr. F. Franceschi aufgesucht, der in 
Santa Barbara eine allen, die mit subtropischem Gartenbau 
vertraut sind, wohlbekannte Gärtnerei betrieb. Nach ihm 
kommt die Erythea edulis nur auf der feuchten regenreicheren 
Nordwestseite der Insel vor. Sie steigt dort bis 500 m an 
den Bergen empor. An einer Stelle bildet sie einen Wald 



von 2 Meilen Länge und 



-1 Meile Breite. Indessen 



*) Sereno Watson, bekannter amerika- 
nischer Botaniker. 




Erythea armata. 



124 



Die üartcnwelt 



XXI, 11 



begegnete er nur ausgewachsenen Exemplaren. Nachwuchs 
fehle völlig. Die Insel sei völlig unbewohnt und werde nur 
ab und zu von seefahrenden Abenteurern besucht, welche 
die zahlreichen verwilderten Ziegen zu jagen kommen. Diese 
Ziegen sind dem Pflanzenwuchse höchst nachteilig, so daß 
alle Halbsträucher und aller Nachwuchs von größeren Pflanzen 
aufs höchste gefährdet seien, so auch der dieser Palme. 
Die Insel ist vulkanisch und voller Reste von Kratern und 
Lava; sie ist 19 Meilen breit von Nord nach Süd und ragt 
bis zu 1400 m über das Meer. 

Auch diese schöne Palme ist nun längst, namentlich 
durch Dr. F. Franceschi, ein Bürger unserer Gärten oder 
wenigstens der Gärten im Süden geworden. Aber wie 
immer, stellt sich ein falscher Name ein, ohne den, wie es 
scheint, einmal keine Palme in die Gärten kommen kann. 
So geht sie irrtümlich als Brahea edulis, die ihr allerdings 
ähnlich sieht, aber kleinere Früchte hat. Die Früchte von 
Erythea edulis, die jetzt auch nicht selten an der Riviera 
zu finden sind, sind kugelig, 2 — 3 cm breit und schwarz, 
wenn reif. Wenn sie erst einmal genügend bekannt sein 
wird, wird sie gewiß eine der beliebtesten Fächerpalmen 
werden. Nur dürfen wir von ihr keine so weitgehende 
Härte wie von der vorhergehenden erwarten. 

Zu diesen ungleichen Schwesterarten eine dritte Art, 
Erythea Brandegeei C. A. Purp., hinzuentdeckt zu haben, ist 
das Verdienst des wohlbekannten Erforschers der mexika- 
nischen und nordamerikanischen Flora, Herrn C. A. Purpus. 
Er fand sie im Jahre 1902 in den Gebirgen bei den San Jose 
del Cabo, auf der Südspitze der Halbinsel von Kalifornien. 
Eine vom Entdecker aufgenommene Photographie zeigt sie 
mir an steilen Felsenwänden in Gesellschaft von hohen, 
olivenartigen Bäumen, von Agaven und Farnen. Wie 
schlanke, stolze Säulen ragen die Stämme empor. Sie er- 
reichen 30 m Höhe und darüber, bei einer Dicke von etwa 
30 cm. Die alten Wedel fallen alle leicht ab, nur unter 
der 10 — 20blättrigen, überaus gefälligen Krone bilden sie 
einen mehr oder weniger dichten Schopf. Die Wedelstiele 
sind 1 — 1,50 m lang, an den Rändern schwach bewehrt. 
Die Fächer selbst messen etwa 1 m; sie sind bis unter die 
Mitte in schmale Strahlen geteilt. Ihre Oberseite ist dunkel- 
saftgrün, während die Unterseite hellbläulichgrün gefärbt ist. 
Sie sind von dünnerer Beschaffenheit als bei Erythea edulis, 
außerdem hängen die Strahlen elegant herab, was die ganze 
Palme um so viel zierlicher erscheinen läßt. Die schönen, 
reichverästelten, vielblütigen Blütenstände erreichen etwa die 
Länge der Wedel. Die Früchte gleichen in Größe und Ge- 
stalt denen von Erythea edulis. 

Herr C. A. Purpus hat diese seine schöne Entdeckung dem 
Mr. S. T. Brandegee gewidmet (der, wenn ich nicht irre, 
in San Diego wohnt), um dessen Verdienste um die Kennt- 
nis der Flora der kalifornischen Halbinsel zu verewigen. 
Bei den Eingeborenen ist sie als „Palmilla da Toco" bekannt. 

Herr C. A. Purpus hat seinerzeit nidit versäumt, Samen 
dieser neuen Palmenart nach Europa zu senden, die sein 
Bruder, Herr A. Purpus, verteilte. Auch ich erhielt 
damals in La Mortola dankenswerter Weise durch ihn eine 
Anzahl derselben, aus denen ich einige sehr schöne und gut 
wachsende Palmen heranzog. Sie wurden später in tief- 
gründigen Boden ausgepflanzt, wo sie sich prächtig entwickelten, 
ohne je im Winter gelitten zu haben. Hoffentlich werden 
sich diese hoffnungsvollen jungen Palmen, an die ich oft 
mit Sehnsucht denke, allen Unbilden zum Trotz erhalten 



und sich weiter entwickeln. Vielleicht wird auch diese 
Erythea einmal zu den häufigeren Palmen südeuropäischer 
Gärten zählen, und hoffentlich bleibt auch uns Deutschen 
an der österreichischen Adria ein Anteil an solchen Gärten 
vorbehalten, wo wir ungestört durch politische Ueberraschungen 
unter Palmen wandeln können. 



Topfpflanzen. 

Asparagus plumosus nanus zu Schnittzwecken. 
Von Kurt Reiter, zzt. im Felde. 

Aeltere Pflanzen von Asparagus plumosus nanus, besonders 
wenn sie ausgepflanzt sind, haben die Neigung, lange, starke Ranken 
zu bilden, die oftmals nur gering mit kleinen Seitentrieben besetzt 
sind. Für den Schnitt sind diese Triebe nicht ergiebig genug, 
auch weisen die Wedel solcher ausgepflanzten A. plumosus meist 
eine tiefdunkelgrüne Färbung auf. Da von unseren Blütnern aber 
der zarte hellgrüne Farbenton bevorzugt wird, müssen wir bei der 
Heranzucht dieses beliebten Schnittgrüns ein anderes Verfahren an- 
wenden, nämlich die Topfkultur, die sich für die Wedelgewinnung 
besser und lohnender erwiesen hat. Man' teilt zu diesem Zweck 
im zeitigen Frühjahr die alten Pflanzen durch sorgfältiges Zerlegen 
des holzigen Wurzelstocks, so daß man es immer nur mit diesen 
verjüngteu, viel schönere und gleichmäßigere Wedel liefernden 
Pflanzen zu tun hat. Die geteilten Pflanzen werden in möglichst 
kleine Töpfe gepflanzt ; sie erhalten einen warmen, geschlossenen 
Standort in einem gut gepackten Doppelkasten, wo sie nach kurzer 
Zeit anwachsen und sich befriedigend entwickeln. Für gute Boden- 
wärme (30 — 35" C.) ist stets Sorge zu tragen, sobald diese nach- 
läßt, werden die Pflanzen wieder auf einen frisch gepakten Kasten 
gebracht, und so geht es fort, bis die Natur selbst die zur weiteren 
Entwicklung notwendige Wärme spendet. Der Sonne ist unge- 
hindert Einlaß zu gewähren, die Pflanzen verbrennen so leicht nicht, 
wenn für häufiges Spritzen Sorge getragen wird, sie können im 
Gegenteil sehr viel Wärme vertragen. Nur bei hoher Wärme er- 
zielt man schöne hellgrüne Wedel. Sogenannte Schattenkulturen 
sind zu verwerfen, da bei diesen das Grün der Wedel meist zu 
dunkel ist. 

Gehölze. 



Evonymus japonica. Wenn man die kleine Mühe einer Be- 
deckung mit Reisig nicht scheut, die jedoch erst sehr spät im Herbst 
oder zu Wintersanfang, je nach Lage und Witterung, zu erfolgen 
braucht und gegen den Frühling sehr früh wieder abgenommen 
werden kann — denn die Evonymus halten ziemlich starke Fröste 
unbeschadet aus — , so lassen sich diese schönen und anspruchs- 
losen Schmuckpflanzen in ihren schön belaubten Spielarten 
an passenden Plätzen mit großem Vorteil zu immerwährenden 
Freilandgruppen verwenden. Da die Pflanzen ein Zurück- 

schneiden sehr gut vertragen und dadurch nur um so dichter 
und buschiger werden, kommt es auf ein gewisses, etwa durch 
Beschädigung nötig gewordenes allgemeines Einstutzen durchaus 
nicht an. Eine solche Gruppe mit der kriechenden kleinblättrigen, 
weißbunten Evonymus Jap. gracilis fol. urgent, varieg., die im 
Herbst vielfach rote Spitzen bekommt, eingefaßt, gibt ein gleich- 
mäßig geschlossenes und schönbleibendes Bild besonders im späten 
Herbst nach dem Laubabfall bei allen andern — außer den immer- 
grünen — Gehölzen, ja sie tritt in dieser Zeit erst recht hervor 
als eine unsterbliche Gruppe. Hat man nur grünlaubige Pflanzen 
gewählt, so kann man als Einfassung um eine solche Gruppe außer 
oder anstatt der genannten kriechenden weifibunten Evonymus auch 
den prächtigen gelblaubigen und langsam wachsenden Zwergbuchs- 
baum, Buxus jap. fol. aureis var. (Hort.) mit bestem Erfolge in 
der Wirkung verwenden. Mit dieser hervorragend gleichmäßig 
s(^ön bleibenden Einfassung, die aus der Ferne wie eine solche aus 
Pyrethrum parthenif. aur. oder wie gelbe Alternanthera erscheint, 



XXI, 11 



Die GarteiiAvelt. 



125 



wirkt eine solche Gruppe mit dem kräftigen Grün der Evonymus 
und dem hierzu in wirksamstem Gegensatze stehenden Gelb der 
Buxus im späten Herbst und zu Wintersanfang besonders in sauber 
gehaltenen Villengärten und Anlagen gauz ausgezeichnet. 

G. S. 

Verwachsungen. Anschliefiend an die Beschreibung der an 
den Stämmen und in den Aesten verwachsenen Baumpaare Buche 
und Platane, bezw. Eiche und Buche (siehe F. Kallenbach : diese 
Zeitschr. 1917 S. 42), sei hier über zwei noch interessantere Ver- 
wachsungen berichtet, die ich im Wald bei Braunfels zu beob- 
achten Gelegenheit hatte. Der eine Fall betrifft eine Eiche am 
Weg in der Nähe des Wildungensteins. Die Höhe des Baums 
ist etwa 23 m und Brusthöhenumfang 78 cm (Februar 1917). 
Unten, fast noch im Wurzelanlauf, etwa 20 cm über dem Boden, 
entspringt neben dem Hauptstamm ein Nebenstamm, [von dem 
es fraglich ist, ob derselbe ein eigenes nur grundverwachsenes 
Bäumchen war, oder ob er, wie wahrscheinlicher (infolge Nieder- 
waldbetriebs?), aus demselben Wurzelstock hervorging]. Dieser 
Nebenstamm hat in Brusthöhe 23 cm Umfang ; ein daselbst mit 
Hilfe des Pressler' sehen Zuwachsbohrers gewonnener Span, der 
bis zum Mark ging, läßt etwa 75 sehr enge Jahrringe erkennen. 
Dieser Nebenstamm trug einst eine eigene Krone. Doch hat er 
in etwa 2 m Höhe (infolge von Wind- und Sturmwetter ?) sich 
derart am Hauptstamm gescheuert, daß an der Berührungsstelle 
die Rinden sich bis auf die Gambia aufrieben und diese hier alsdann 
verwuchsen. Seitdem starb die jetzt nicht mehr existierende Krone 
des Seitenstamms ab und dieser leitet sein Transspirationswasser 
nunmehr nur dem Hauptstamm zu, in den er auf etwa 30 cm 
Länge verwachsen einmündet. Umgekehrt empfängt der Seiten- 
stamm seine organische Nahrung von der Krone des Hauptstamms, 
doch hat es den Anschein, als ob die Symbiose eine recht voll- 
kommene ist, da man wie an der Mündung eines Nebenflusses in 
einen Strom die Wasser des ersteren an der Farbe noch eine 
Strecke im Hauptfluß verfolgen kann, so auch aufwärts der Ver- 
bindungsstelle der dem Nebenstamm zugehörige Sektor im Haupt- 
schaft sich verfolgen läßt. Der Abstand der beiden Stämme be- 
trägt zwischen den beiden Verwachsungsstellen zurzeit 123 cm und 
der größte Abstand zwischen beiden in etwas über Brusthöhe beläuft 
sich auf 8 cm. Wir haben es also mit einer Henkeleiche 
zu tun, die wie auf zweiBeinen zu stehen scheint. — 
Der andere noch merkwürdigere Fall betrifft eine Rotbuche nächst 
einer Wegbiegung tief im Wald zwischen den Stationen Braunfels 
und Burgsolms. Der Baum ist etwa gleich hoch wie erwähnte 
Eiche und hat einen Brustumfang von 59 cm (Februar 1917). 
Neben ihm steht bzw. stand eine andere Buche, die auf gleiche 
Weise wie der erwähnte Seitenstamm der Eiche mit der Nachbarbuche 
in etwa 4 m Höhe auf etwa 40 cm Länge verwuchs. Oberhalb 
wie unterhalb der Verwachsungsstelle aber blieben Buchenschaft 
wie Buchenkrone auch dieser zweiten Buche frei bzw. getrennt. 
Obwohl nun dieser in Brusthöhe 15 cm im Umfang haltende 
Buchenheister in 1 m Bodenhöhe gekappt bzw. durchtrennt wurde, 
hat sich auch diese zweite Buche dank ihrer Symbiose trotzdem — ich 
beobachte dieselbe seit drei Jahren, die Vereinigung selbst ist zweifel- 
los älteren Datums — gesund erhalten : d. h. nicht nur daß ihre 
Krone weiter grünt, sogar — und dies ist das Paradoxon : nämlich 
die Drehung des Säftestroms um 180° — der gekappte Schaft 
treibt auch unterhalb der V er wachsu n gs s te 1 1 e , 
obwohl er vom Boden keine Nahrung mehr beziehen 
kann, drei Laubreiser. — Diese beiden Fälle nur als 
Musterbeispiele merkwürdiger Verwachsungen, über welches Kapitel 
ich ausführlicher im Aprilheft 1910 der „Allg. Forst- und Jagd- 
Ztg." berichtet habe. Dr. med. et phil. F. Kanngiesser. 



sich, das Vermehrungsmaterial — Torfmull mit Sand vermischt 
leistet sehr gute Dienste — nach dem Herrichten des Beetes mit 
kochendem Wasser, dem etwas Kochsalz beigefügt wurde, zu 
überbrausen. 

Im übrigen ist es zur Vermeidung des Pilzes die Hauptsache, 
daß man im Vermehrungsbeet eine gleichmäßige Wärme 
und Feuchtigkeit unterhält; aus welchem Grunde auch die 
Vermehrung im späteren Frühjahr im Mistbeetkasten mit äußerst 
geringen Verlusten gelingt. Die Bodenwärme braucht nicht not- 
gedrungen 30 — 32" C zu betragen; wir haben bei einer solchen 
von 18 — 22" C immer guten Erfolg gehabt; wenn es auch bei 
härteren Stecklingen, wie Asparagus tenuissimus, Ficus repens und 
anderen bis zur Bewurzelung etwas länger dauert. 

An den Boden braucht man keine so großen Ansprüche 
zu machen. Als Beispiel möge genügen, daß wir letztes 
Jahr, als durch die Beschlagnahme des Torfmulls von Seiten der 
Militärverwaltung kein solches zu erhalten war, die große Mehrzahl 
der Stecklinge in Lösch gestopft hatten, und zwar mit sehr gutem 
Erfolge. Auch altes Sumpfmoos tut gute Dienste. 

Wesentliche Faktoren zur Vermeidung des verheerenden Faden- 
pilzes sind folgende: Frische Luft, also baldmöglichst bei 
Nacht Luft ans Beet gestellt und die Fenster abgehoben ; dann 
viel Licht, deshalb immer die Fenster rein gehalten; ferner 
Vermeidung übermäßiger Feuchtigkeit, sowie Fern- 
haltung bezw. Entfernung fäulniserregender Stoffe, 
wie z. B. Holzstückchen, abgefallene Blätter u. a. Umgekehrt 
fördern dumpfe Luft, Dunkelheit, Fäulnis des Holzes das Auftreten 
des Pilzes. Ganz zu verwerfen ist das Aufkommenlassen von 
einzelnen trockenen Stellen im Vermehrungsbeet. 

H. Grupp, Esslingen a. N. 



Pflanzendüngung. 

Da die Kalkdüngung reiche Väter und arme Söhne machen 
soll, also der Gegenwart nutzt, so dürfte solche Düngung gerade 
jetzt sehr angebracht sein, denn auf diese Weise könnten wir den 
Boden zwingen, das „Höchstmöglichste" herzugeben. Unsere 
Nachkommen sind dann gewiß intelligent genug und auch in der 
Lage, ihre Verarmung durch mindererträglichen Acker zu verhindern, 
zumal sie in Friedenszeiten den Stickstoff aus der Luft für die 
Landwirtschaft nutzbar machen können. Kalken wir also, wo es 
angebracht ist, namentlich auf Boden, der noch nicht gedüngt ist, 
wo Kalk also der frischen Düngung nicht verhängnisvoll werden kann. 
F. Steinemann. 

Schnittblumen. 



Pflanzenkrankheiten . 



Vermeidung des Vermehrungspilzes. Um dem Auftreten 
des so gefürchteten Vermehrungspilzes vorzubeugen, empfiehlt es 



Das Verpacken von Schnittblumen. 

Von Willy Damerius. 
(Hierzu fünf Abbildungen nach vom Verfasser für die „Garten- 
welt" gefertigten Zeichnungen.) 

Wenn ich vorweg sage, daß mir der Krieg bzw. die mit 
dem Kriege einhergehenden „Kriegszustände" Feder und 
Zeichenstift in die Hand drückten, so wird mancher fragen: 
Was hat der Krieg mit dem Verpacken der Schnittblumen . 
zu tun? Nun, direkt nichts, aber indirekt um so mehr. 

Noch in keinem Jahre meiner zwölfjährigen Selbständigkeit 
sind mir soviel schlechtverpackte Schnittblumensendungen in 
die Hände gelangt als im letzten Kriegsjahre. Diese 
Erscheinung hat mehrere Ursachen : Erstens befassen sich 
heute mehr deutsche Gärtner mit dem Versand von Schnitt- 
blumen als früher, zweitens wird, wie überall, viel un- 
genügend ausgebildetes Personal zu solchen Arbeiten heran- 
gezogen, drittens ist gutes Packmaterial nicht nur sehr 
teuer, sondern oft kaum noch zu haben. 

Die zuletzt angeführte Ursache dürfte aber trotzdem 
nicht dahin führen, daß kostbares Blumenmaterial dadurch 



126 



Die (iarteiiwelt. 



XXI, 11 



entwertet, wenn nicht gar unbrauchbar gemacht wird ; denn 
auch hier sollte Findigkeit Abhilfe schaffen. 

Das Packen von Schnittblumen erfordert nicht nur 
Fingerfertigkeit, sondern setzt auch Kenntnisse voraus; ich 
will damit sagen, daß es auch gelernt sein will und als sehr 
wichtiger Zweig der Gärtnerei mit in den Lehrplan auf- 
genommen werden sollte. 

Angehende Kunstjünger, die man mit der Kunst des Ver- 
packens vertraut machen will, sollte man öfter in die großen 
Warenhäuser und Postpaketämter schicken, also an Orte, 
wo man lernen kann wie es gemacht wird und sehen kann, 
was Versandpakete aushalten müssen. 

Aber nicht nur dort, wo Pakete gepackt und wo sie be- 
fördert werden, kann man lernen, sondern mehr noch dort, 
wo dieselben ankommen, weil man hier lernt, wie es nicht 
gemacht werden soll. Auch der versendende Schnittblumen- 
gärtner möge sich öfter in Blumengeschäften überzeugen. 




Riditig verpackte, vor Frost und Druck geschützte Nelken. 



welche Packmethode die beste, welches Packmaterial 
das geeignetste ist. Im übrigen will jede Schnittblume 
anders verpackt und fast jede vor dem Verpacken anders 
behandelt sein. Wenn die Nelke es liebt, sich vor Antritt 
einer längeren Reise erst voll Wasser zu saugen, so 
bekommt diese Durststillung der Alpenveilchenblume noch 
lange nicht ; denn die Blütenblätter würden durch das Voll- 
saugen zu straff und demzufolge gedrückt (geknifft) an- 
kommen. Vom „Welksein" erholt sich — wenn richtig be- 
handelt — jede Blume, vom „Geknifftsein" aber nie. Dem 
leichten Welken des zum Versande kommenden Flieders 
beugen Unerfahrene vor, indem sie Blütendolden und 
Blatttriebe bespritzen. Allerdings schützt dies Verfahren 
vor dem Welkwerden, aber — was nützt dem Besteller ein 
straffer Stiel, wenn — die Blüten daneben liegen. Das Ein- 
stellen der Stiele zwei Stunden vor dem Versand in lau- 
warmes Wasser, beugt Welken und Abfallen vor. Poinsettien, 
die nach dem Schnitt stark bluten, würden durch den Saft- 
verlust nicht nur welk ankommen, sondern sich überhaupt 
nie wieder richtig erholen. Hier ist 15 Sekunden langes 
Eintauchen der Stielenden in kochendes und gleich darauf 
in kaltes Wasser das erprobteste Verfahren. Dies wären 
einige Beispiele über die Vorbehandlung. Daß Tageszeit, 
Wetter usw. beim Schneiden — besonders im Sommer — 
und die Blütenentwickelung eine ebenso wichtige Rolle bei 
Versandblumen spielen, bedarf wohl kaum der Erwähnung. 
Wie die Schnittblume selbst mit Gefühl ausgesucht, ge- 
schnitten und behandelt sein will, genau so das Material, 
womit und worin sie gepackt und verschickt werden soll. 
Wenn die knospige Gladiolenrispe ohne Bedenken in Zeitungs- 
papier gepackt werden kann, so darf das doch nicht mit 
Veilchen geschehen, denn der Duft würde vom Zeitungspapier 
nicht nur aufgesaugt, sondern durch die Druckerschwärze 



auch bald ein anderes Aroma annehmen. Also auch hier 
„mit Gefühl" oder richtiger mit: Mitgefühl. 

Mehr von persönlicher Ansicht als von Leitsätzen hängt 
die Wahl der Hülle ab. Der eine bevorzugt eine Kiste — er 
meint, sie sei am widerstandsfähigsten — der andere zieht den 
Pappkarton vor, weil er eine gewisse Biegsamkeit besitzt 
und in gewöhnlichen Zeiten billiger als Holz ist. Ein dritter 
schwört auf den Spankorb usw. Nun, es hat jede Gattung 
ihre Vorzüge und ihre Schwächen. 

Die Holzkiste ist für besonders empfindliche und nicht 
zu schwer wiegende Blumen kaum zu ersetzen ; kommen 
jedoch schwere und viel Raum beanspruchende Schnittblumen 
in Frage, so ist zu erwägen, ob man nicht den leichteren 
Pappkarton bevorzugen soll. Die Haltbarkeit und mehr- 
malige Verwendungsfähigkeit ist bei einem guten Pappkarton 
zum mindesten ebensogroß als bei der Kiste. Ich persön- 
lich habe die Erfahrung gemacht, daß ein Pappkarton mit 
Holzfalz, einlegbarem Deckel und Metallösen zum Verschnüren 
(s. Abb. S. 127 oben) einer der haltbarsten und billigsten Ver- 
sandbehälter ist. Auch Wellpappenkartons sind nicht nur 
sehr leicht, sondern auch widerstandsfähig gegen Druck ; die 
Widerstandsfähigkeit aber verliert sogleich, wenn der Karton 
einen halben Meter an Länge überschreitet. Spankörbe sind 
nicht nur teuer, sondern auch recht spröde, zwei Gründe, 
warum man sie am seltensten antrifft, abgesehen vom Rohr- 
span- oder Nizzakorb ; Dinge, die zurzeit jenseits des Er- 
reichbaren liegen. Neben der äußeren Umhüllung kommt 
als Nächstwichtiges das Packmaterial in Frage, womit die 
Blumen einzeln umhüllt, bzw. die Kästen und Kartons aus- 
gelegt werden. Hier ist zu erwägen, ob dasselbe vor Frost, 
Druck, Feuchtigkeit oder dergleichen schützen soll. Haben 
Blumen zuvor im Wasser gestanden, so müssen die Stielenden 
auf jeden Fall durch wasserdichtes Papier von dem anderen 
Packmaterial isoliert werden, denn sonst würde das zum 
Schutz vor Scheuern und vor Erfrieren benutzte übrige Pack- 
material in Mitleidenschaft gezogen. Abbildung Nelken- 
kiste zeigt, wie langstielige Blumen druck- und frostsicher 
eingebettet werden. Die Kiste ist zuerst mit mehrfachem 
Zeitungspapier ausgelegt, darauf folgt oben — wo die 
Blumenköpfe liegen — Zellulosezellstoff (Holzwatte) und 
darüber noch dünnstes Seidenpapier, unten, wo die feuchten 
Stiele liegen, Pergamentpapier. Sämtliche Blumen werden 
durch gedrängtes Nebeneinanderliegen und durch eine — aus 




Wie Chrysanthemum für den Versand umhüllt werden müssen. 



XXI, 11 



Die Garti'nwelt. 



127 




Wie langstielige Chrysanthemum, Calla usw. in vorschrifts- 
mäßiger Versandschachtel liegen müssen. 

Holzwolle in Papier festgerollte Wulst auf dem Boden 
der Kiste festgehalten. Der sonst übliche festgenagelte 
Querstab wird durch diese Wulst ersetzt, ein Vorzug, den 
der Blumenempfänffer besonders zu schätzen weiß. 

Obenstehende Abbildung macht ersichtlich, wie große Blumen 
(Chrysanthemen) in ein dazu geschnittenes Seidenpapierblatt 
einzuhüllen sind und dann erst Blume an Blume gleich den 
Nelken eingepackt werden. Von der bild- 
lichen Wiedergabe des Auslegens ist mit /?^^^"7~^T3'-v 
Absicht abgesehen, damit der Pappkarton '*''^>^ ■*%, tv_ ; 
mit seinem Holzfalz für Deckel und den 
Schnürösen zu erkennen ist. 

Genau wie die Chrysanthemen in den 
Karton, werden auch Lilien, Calla und 
ähnliche Blumen gepackt, nur ist die Um- 
hüllung eine andere. 

Die nebenstehende Abbildung zeigt, wie 
eine Calla zuerst mit Holzwatte innen ge- 
füllt und dann außen mit demselben Ma- 
terial noch umhüllt wird. 

Bei kleinen Blumen, von Alpenveilchen, 
Margeriten, Reseden^ Vergißmeinnicht usw., 
genügt es, wenn ganze Bunde, und zwar 
nur soweit die Blumen reichen, umhüllt 
werden, bei Maiblumen, Tulpen usw. ist 
ein abermaliges Umhüllen des ganzen Bundes mit festem 
Papier unerläßlich, teils wegen der Feuchtigkeit, teils wegen 
der Sauberkeit, damit keine Erd- oder Wurzelteile unter 
die Blumen kommen, letztere liegen der Mitte zu (siehe 
untenstehende Abbildung). 

Kartons oder Kisten, die, wie die Maiblumenpadcung 
zeigt, nicht bis an den Rand voUgepadct sind, müssen auf 
jeden Fall mit Holzwolle, Papierspänen oder gebauschtem 
Papier bis zum Rande angefüllt werden, wodurch ein Hin- 
und Herschütteln der Ware unmöglich wird. 

Bei langstieligen Blumen, wie Lilien, Gladiolen usw., 
kann man die Stiele auch auf dem Boden des Kartons 
festnähen, vorausgesetzt, daß die dadurch entstehenden Löcher 
oder Risse bei kalter Witterung keinen Schaden stiften. 

Lose Blumen und loses Grün, wie kurzgepflückte klein- 
blumige Chrysanthemen, Myrten usw., werden durch Zwischen- 
legen von Seiden- oder Wachspapier in Schichten getrennt. 
Unter- und Ueberlegen von Papierspänen geben außerdem 
den Blumen einen gewissen Schutz vor Druck und vor 
dem Zusammenrütteln. 

Schnittblumenzüchter, die ihre Ware stets mit Sorgfalt 
verpacken, verscherzen sich keine Kunden und bewahren sich 
und andere vor Schaden und Unannehmlichkeiten. 




Calla, für den Versand vorbereitet 



Nicht unerwähnt möchte ich es lassen, daß kleine Vor- 
drucke über die „Behandlung der Schnittblumen nach An- 
kunft" sehr zur Beseitigung von unangebrachten Aus- 
stellungen an der Ware beitragen würden. 

Ueber das Versenden wurde hier nidits gesagt, weil es 
ein Kapitel für sich ist. 

Das Verpacken der Orchideenblumen. 

Vorausschicken möchte ich, daß Orchideenblumen, ins- 
besondere auch Cattleyen im Gegensatz zu vielen anderen 
Schnittblumen voll aufblühen müssen, ehe sie geschnitten 
werden dürfen. Wollte man Orchideenblüten halboffen, wie 
man z. B. Rosen und andere Blumen schneidet, von der 
Pflanze wegnehmen, so würden sie anstatt uns durch um 
so längeres Halten und Frischsein zu erfreuen, kläglich zu- 
sammenwelken. Deshalb ist zu warten, bis sie vollständig aufge- 
blüht und abgehärtet sind. Bei Rispen, die langsam von unten auf- 
blühen, muß so lange als möglich gewartet werden, da sich 
Knospen im Wasser nicht öffnen. Ferner ist es sehr empfehlens- 
wert, bei größeren Entfernungen direkt notwendig, die Blumen 
nach dem Schneiden sofort einige Zeit ins Wasser zu stellen, 
damit sie sich vollsaugen und so die Reise 
besser überstehen können. Dem Wasser, das 
überschlagen sein soll, fügt man vorteil- 
hafter Weise etwas Kochsalz bei. Wenn 
es die Verhältnisse gestatten, kann man 
die Blumen abends schneiden und über 
Nacht ins Wasser stellen. 

Zum Verpacken der Orchideenblumen 
bedient man sich am besten derselben 
flachen Blumenkistchen, wie sie im all- 
gemeinen beim Schnittblumenversand Ver- 
wendung finden. Die Kistchen werden 
entsprechend der Außentemperatur mehr 
oder weniger gut mit Zeitungspapier, Holz- 
wolle oder Watte ausgeschlagen ; die letztere 
ist jetzt im Kriege allerdings ziemlich teuer 
geworden. 

Bei strenger Kälte empfiehlt es sich, 
außer der sorgfältigen inneren Packung, auch noch die fertig 
zugenagelte Kiste in Packpapier einzupacken ; bei so wert- 
vollen Blumen, wie es die Orchideen sind, ist es entschieden 
besser, wenn man des Guten zuviel tut, als daß dieselben 
nachher erfroren ankommen. 

Größere Blüten, wie die herrlichen Cattleyen und Laelien, 
werden einzeln auf Seidenpapierbogen gelegt, die Räume 
zwischen den Petalen, Sepalen und der Lippe sorgfältig mit 
sogenannter Papierwolle (Seidenpapierschnitzel) ausgefüllt und 







Getriebene Maiblumen in richtiger Verpackung. 



I 



128 



Uie Gartenwelt. 



XXI, 11 



dann in den Bogen eingewickelt. Endlich werden die so 
gut geschützten Blüten in die ausgeschlagene Kiste derart 
Blume an Blume hineingelegt, daß die Lippen derselben 
womöglich seitwärts liegen, damit sie bei dem später erfolgen- 
den Drucke von oben nicht beschädigt werden. Zwischen- 
räume, die zwischen den einzelnen Blumen entstehen, müssen 
natürlich mit Papier ausgefüllt werden, wie überhaupt immer 
auf einen gegenseitigen festen Halt der Blumen großer 
Wert zu legen ist. 

Rispen von Odontoglossum, Oncidiam, Phalaenopsis, Den- 
drobium und andern mehr müssen ähnlich wie vorige in Seiden- 
papierschnitzel und -bogen eingeschlagen werden ; hier ist 
Sorge zu tragen, daß die Stiele, die bei allen Orchideen 
möglichst lang geschnitten werden müssen, beim Packen er- 
halten bleiben und gut untergebracht werden. 

Rispen von Coelogyne werden in lockere Bündel zu- 
sammengefaßt und die Stiele unten mit Sumpfmoos oder 
Wasser haltender Watte, die vorher angefeuchtet wird, um- 
wickelt. Solche Watte erhält man, wenn man nicht ge- 
wöhnliche Verbandwatte dazu verwenden will, in Geschäften 
für Bindereibedarfsartikel in grüner Farbe. Dieses Umwickeln 
der Stiele empfiehlt sich auch bei anderen Orchideenblumen, 
wenn dieselben längere Zeit unterwegs zubringen müssen, 
ist aber für kleinere Entfernungen gewöhnlich nicht nötig. 

Bei Cypripedien braucht man nicht so ängstlich zu ver- 
fahren ; dieselben können ohne Papierwolle in Seidenpapier- 
bogen eingewickelt werden. Bei diesen härteren Blumen 
kann man auch folgendes Verfahren anwenden. Die Cypri- 
pedien legt man auf Seidenpapier, Blume neben Blume direkt 
in die ausgeschlagene Kiste. Hat man eine Reihe gelegt, 
so schiebt man einen zusammengefalteten Seidenpapierstreifen 
zwischen den Lippen und Stielen durch und gibt so den 
Blumen den nötigen Halt. Dann verteilt man über den- 
selben etwas Schnitzel, legt einen Bogen Seidenpapier dar- 
über und läßt denselben vorne heruntergehen. Die zweite 
Reihe kommt auf die Stiele der ersteren usw. 

Macht man mehrere Lagen übereinander (mehr als zwei 
sollten nicht gemacht werden) und packt man in dieselbe 
Kiste verschiedene Arten von Blumen, so packt man die 
schwereren — Cypripedien, ferner solche, die mit Bulben 
geschnitten werden, wie Dendrobien u. a., endlich Cymbidkim 
Lowianum und ähnliche — unten in die Kiste, die leichteren 
oben hinauf. Doch ist hier, nachdem man die untere Lage 
gepackt und eine gute Schicht Zeitungen darüber gelegt hat, 
dieselbe mit ungefähr drei quergespannten bezw. -genagelten 
Blumenstäbchen herunterzudrücken und festzuhalten, damit 
bei einem nachherigen Herumwerfen und verkehrten Hin- 
stellen der Kiste der Inhalt derselben nicht durcheinander 
geschüttelt wird. 

Auch ist darauf zu sehen, daß die fertige Packung etwas 
über den oberen Kistenrand hinausschaut, damit sie durch 
das Anbringen des Kistendeckels noch etwas zusammen- 
gedrückt wird ; dieser kleine Druck schadet den Blumen nicht 
im geringsten und verhindert das schädliche Durchschütteln 
derselben. 

Vom Packen der einzelnen Blüten in gezupfte Watte 
möchte ich entschieden abraten, da hierbei sehr gerne kleine 
Wattestücke an den zarten Blüten der Orchideen hängen 
bleiben und beim Auspacken z. B. an den empfindlichen 
Cattleyen schwer zu entfernen sind. Wir verwenden deshalb 
nur Seidenpapierschnitzel, die man — wenn man es nicht 
vorzieht, dieselben fertig zu beziehen — an Winterabenden 



auch selbst leicht aus Abfällen von weichem Seidenpapier 
herstellen kann. Doch habe ich hier die Erfahrung gemacht, 
daß dieselben durch einfaches, rasches Herabreißen viel 
schneller hergestellt sind, als durch das Zusammenfalten und 
Zerschneiden in einzelne Streifen, da diese dann erst 
wieder auseinander gefaltet werden müssen, was ziemlich 
zeitraubend ist. ' H. Grupp, Eßlingen a. N. 



Gemüsebau. 



Zur Frage des feldmäßigen und 
gärtnerischen Gemüsebaues für die Volksernährung. 

Von Landesökonomierat Siebert, Frankfurt am Main. 
(Fortsetzung.) 

„In noch weit höherem Maße als je zuvor ist es heute 
unsere vaterländische Pflicht, unsere ganze Kraft freudig in 
den Dienst der Erzeugung von Lebensmitteln zu stellen. 
Jede, wenn auch noch so große Schwierigkeif muß über- 
wunden werden, jedes Opfer muß gebracht, jede Kraft muß 
angespannt werden, zu schaffen, zu erhalten und unserem 
Heere und Volke zu geben, was es braucht, um mit uns den 
endlichen vollen Sieg zu erringen." So lesen wir in dem 
Aufruf an die deutschen Landwirte und Landwirtsfrauen des 
Deutschen Landwirtschaftsrates (vor wenigen Tagen las man 
es allerdings etwas anders). Seit Hindenburgs Brief bekannt 
ist, durchweht die Menschheit ein noch weit höheres Pflicht- 
gefühl. Und ich glaube, daß diese nicht mißzuverstehende 
Aufmunterung auch in der Gesamtheit des Volkes die er- 
hofften Früchte tragen wird. 

Diese Worte wollte ich voranstellen, um zu dem feld- 
mäßigen Gemüsebau überzuleiten. Dieser muß in der Folge 
den Bedürfnissen mehr Rechnung tragen, wie seither, zumal 
die Anforderungen an die Lebenshaltung ganz andere ge- 
worden sind. Es erscheint dringend notwendig, mindestens 
so viel von den wichtigsten Nahrungsmitteln zu erzeugen, 
als für die derzeitige Bevölkerungsziffer nötig ist. Ein ge- 
wiegter Landwirt meinte in einer Sitzung der Deutschen 
Landwirtschaftlichen Gesellschaft, daß wir in Deutschland, 
wenn wir so wirtschaften würden, wie wir wirtschaften können, 
recht gut 150 Millionen Menschen zu ernähren imstande sind. 
Diese Anschauung ist deshalb bemerkenswert, als eine Aus- 
dehnung der seitherigen Anbauflächen im allgemeinen nicht 
von der Hand zu weisen ist, natürlich immer vorausgesetzt, 
daß die erforderlichen Grundbedingungen vorhanden sind. 

Neben der Beschaffung von genügenden Arbeitskräften 
ist diejenige der Dungstoffe von allergrößter Wichtigkeit. 
Wir sind zurzeit nicht gut damit bestellt und ich glaube, 
daß es ebenso bedeutsam ist, sich in dieser Beziehung von 
dem Auslande unabhängiger zu machen, als bei der Einfuhr 
von Lebensmitteln. Tierischer Dünger ist schwer zu be- 
schaffen und teuer, und das wird auch nach dem Kriege so 
bleiben. Wichtige, aus dem Auslande bezogene Dünge- 
mittel sind durch den Krieg von der Bildfläche versdiwunden, 
und so müssen wir uns auf die Tätigkeit unserer hervor- 
ragenden Chemiker verlassen, die uns Luftstickstoff und 
schwefelsaures Ammoniak herstellen. Ob dies in genügender 
Menge geschehen kann, entzieht sich meiner Kenntnis. Ferner 
wird es sich bei den Kläranlagen der Großstädte darum 
handeln, Mittel und Wege zu finden, um nicht nur die Fette 
wieder zurück zu gewinnen, sondern auch den Fäkalien einen 
Teil der zurzeit nutzlos abfließenden Dungstoffe zu entreißen. 



XXI, 11 



Die Garteuwelt. 



129 



Der Feldgemüsebau dient mit seinen großen Flächen der 
Massenerzeugung von Gemüsen, die zum größten Teile in 
Konserven- oder Sauerkrautfabriken wandern, wenn sie nicht 
in Kohlscheunen oder Erdmieten überwintert werden, wobei 
allerdings mit einem Verlust von 20 bis 30 Prozent gerechnet 
werden muß. Dem steht bei dem Verkauf im Frühjahr 
der größere Gev/inn gegenüber. Wir haben nun in Deutsch- 
land allein über 300 Konservenfabriken, von denen eine 
ganze Reihe mehr wie 100 000 Zentner Gemüse all- 
jährlich verarbeitet. Zum Anbau dieser Massen sind Flächen 
notwendig, die den gesamten gärtnerischen Anbau von Gemüse 
um das Zwanzigfache übersteigen. In der Hauptsache handelt 
es sich hierbei um Hülsenfrüchte, Karotten, Mohrrüben, Erd- 
kohlrabi, Gurken, Kürbisse und Kohlarten. Von den anderen 
Gemüsen werden nur teilweise größere Mengen angebaut, 
obgleich es wünschenswert wäre, wenn man auch den Zwiebeln 
größere Aufmerksamkeit schenkte, wurden doch 1913 im 
Ganzen 479 705 Doppelzentner im Werte von 4 042 000 M 
eingeführt. 

Wenn gesagt wird, daß durch den vermehrten Gemüse- 
bau den anderen landwirtschaftlichen Erzeugnissen viel Land 
entzogen wird, so fällt dies doch nicht so sehr ins Gewicht, 
denn von den 1907 ermittelten 40 341242 Hektar Acker- 
land dienten nur 265 536 Hektar dem Gemüsebau, das sind 
0,66 Prozent. Diese Fläche wird sich allerdings bis heute 
erhöht haben. 

Der feldmäßige Gemüsebau ermöglicht der Landwirtschaft 
eine vorzügliche Fruchtfolge. Halm- und Blattfrucht, Flach- 
und Tiefwurzler, Stickstoff sammelnde und Stickstoff ver- 
zehrende Pflanzen wechseln hier am vorteilhaftesten ab und 
können so die Bodenkräfte und Nährstoffe, wie sie von 
Natur geboten oder durch die Düngung gegeben worden 
sind, in vollkommenster Weise ohne einseitige Ausnützung 
der oberen und unteren Bodenschicht herangezogen werden 
und einen sachgemäßen Verbrauch der erzeugenden Kraft 
des Bodens herbeiführen. Durch die hohen Ansprüche der 
Gemüsepflanzen an gründlichste Bodenbearbeitung, Düngung 
und an Arbeit bei der Bestellung, Pflege und Ernte, gestaltet 
sich der landwirtschaftliche Betrieb außerordentlich stark. 
Die Vielseitigkeit des Feldgemüsebaues in Abwechslung mit 
den landwirtschaftlichen Kulturen ist geeignet, eine gewisse 
Sicherheit in den Erträgen und der Einträglichkeit des Acker- 
baues zu schaffen. Auch die vorteilhaftere Ausnützung der 
Arbeitskräfte bei Einschiebung von Gemüsekulturen in den 
landwirtschaftlichen Betriebsplan ist zu berücksichtigen. Absatz 
und Verwertungsmöglichkeit sind vorhanden, und so wird sich 
der Feldgemüsebau gewiß mit Leichtigkeit weiter einführen. 

Wenn ich vorhin dem erweiterten Gemüsebau das Wort 
redete und andererseits Befürchtungen laut werden, daß da- 
durch anderen Kulturen Ackerfläche entzogen würde, so wird 
dieser etwaige Ausfall -in absehbarer Zeit durch die in Angriff 
genommenen Meliorationsarbeiten bei unseren mächtigen Moor- 
gebieten vollen Ersatz finden. Der nutzbare Moorboden in 
Deutschland wird auf 2,8 Millionen Hektar geschätzt, das 
sonstige Oedland auf 2 Millionen. Man hat berechnet, daß 
darauf an 100 000 Familien eine neue Heimat finden und 
Werte schaffen können, die uns vielleicht mit der Zeit ganz 
von vielen ausländischen Nahrungsmitteln unabhängig machen. 

Der Verein zur Förderung der Moorkultur im Deutschen 
Reiche hat im Frühjahr 1916 an 25 verschiedenen Stellen 
Versuchsgärten eingerichtet und der soeben erschienene aus- 
führliche Bericht sagt über das Ergebnis dieses Gemüsebaues, 



daß sich die deutschen Moore vortrefflich dafür eignen. 
Dieser günstige Verlauf der Versuche wird nun Anlaß zu 
einer erhöhten Ausnützung der Moorflächen geben, und ich 
wüßte wahrlich keinen Hinderungsgrund, diese Anbauversuche 
nicht im nächsten Jahre stärker auszugestalten. Denken 
wir doch an die trostlosen einstmaligen Sandgefilde der Mark 
Brandenburg! Muß man nicht staunen, was in dieser so 
verschrieenen Sandbüchse durch Bodenverbesserungen und 
geeignete Einrichtungen erzielt worden ist? Auf Einzelheiten 
kann ich hier nicht eingehen, immerhin beweisen aber die 
menschlichen Ansiedlungen in jenen Sandgegenden die Mög- 
lichkeit, solchen Bodenflächen bei vernünftiger Bewirtschaftung 
wertvolle Erzeugnisse abzuringen. Denken wir z. B. auch an 
unsere unwirtlichen Ost- und Nordseegestade, wie dort Land- 
flächen ur- und nutzbar gemacht worden sind. 

Eine nicht unbedeutende Produktionsförderung und zu- 
gleich eine willkommene Ablenkung für den oft zu sehr 
überlasteten Markt ergibt sich aus der größeren Ausdehnung 
des Kleingartenbaues. In diesen Gärten, die meist auf 
städtischem oder Stiftungsgelände angelegt sind, kann sich 
der Interessent auf einem keinen Verhältnissen entsprechen- 
den Stück Land Gemüse ziehen, und es wird in den 
meisten Fällen möglich sein, daß er bei verständnisvoller 
Bewirtschaftung so viel zieht, als er in seiner Haushaltung 
gebraucht. Die Kleingartenbaubestrebungen müssen heute 
mehr wie je unterstützt werden; eine Vereinigung der 
Anlagen ist durchgehends wünschenswert, die wilden Klein- 
gärtner, die in der Kriegszeit irgendwo ein brachliegendes 
Land oft recht mühsam bearbeitet haben, sind aus mancherlei 
Gründen den bestehenden Vereinen anzugliedern. Denn bei 
ihnen besteht sehr häufig die Gefahr, daß sie die Früchte 
ihres Fleißes gar nicht ernten können, da durch plötzliche 
Inanspruchnahme des Geländes die Plätze geräumt werden 
müssen, meist ohne Entschädigung für den, der sie bearbeitet 
hat. Dies führt zu der Forderung, daß für den Kleingarten- 
bau Ländereien hergegeben werden müssen, bei denen ein 
solcher Fall so leicht nicht eintreten kann, wenigstens nicht 
in dem Erntejahr selbst. 

Es ist auch ein Kriegsgewinn und ein sehr erfreulicher, 
daß eine große Anzahl von Menschen durch die Beschäftigung 
mit dem Gartenbau zu der Einsicht gekommen ist, daß die 
Früchte des Gartens nicht so ohne weiteres geerntet werden 
können. Man hat einsehen gelernt, daß die Bearbeitung des 
Bodens und alle dazu gehörigen Erfordernisse mit Arbeits- 
lust, Liebe zur Sache und Verständnis durchgeführt werden 
müssen, daß auch viel Erfahrung dazu gehört, wenn man auf 
sichtbaren Erfolg rechnen will, daß den beruflichen Bebauern 
des Ackers oder Gartens die Früchte ihres Schweißes keines- 
wegs mühelos in den Schoß fallen. Deshalb ist auch selbst 
der Kleingartenbau als ein nicht unwichtiger Erzeuger von 
Nahrungsmitteln für Haus und Familie neben dem anerkannten 
Wohlfahrtszweck anzusehen, der in ideeller Richtung mit 
der Bewirtschaftung einer eigenen Scholle verbunden ist. Eine 
wichtige Frage für den wechselnden Kleingartenbau ist die- 
jenige der Anpflanzung von Fruchtbäumen. Der Obstbaum 
braucht Jahre, bis er Früchte bringt, und tut er das, dann 
ist meist der Pachtvertrag zu Ende und der Pflanzer und 
Pfleger hat für seine viele Mühe das Nachsehen. Daher 
sollten auch die Anbieter von Obstbäumen einem Lauben- 
kolonisten nicht so ohne weiteres jeden Obstbaum und jede 
Sorte zum Kauf empfehlen. Aber je nach der Größe der 
Fläche kann diese Obstliebhaberei doch gefördert werden, 



130 



Die Garten weit. 



XXI, U 



und zwar durch den Zwergobstbau, insonderheit den Busch- 
baum. Früh tragende Sorten, die auf Zwergunterlagen ver- 
edelt sind, ennpfehlen sich besonders. Wichtig ist die rich- 
tige Sortenwahl. Mit allen Obststräuchern, wie Himbeeren, 
Stachelbeeren, Johannisbeeren usw. hat man mehr Erfolg, 
weil sie je nach ihrer Entwicklung und Vorbereitung im 
zweiten Jahre nach der Pflanzung schon tragen können. 

(Fortsetzung folgt.) 

Orchideen. 



Eine herrliche Kleinorchidee für das Alpinum des Gartens, 
für das Vivarium und für Zierzwecke ist die Nigritella nigra Rchb. 
der Botaniker, das „Brändlein" des volkstümlichen Schrifttums, das 
„Schwoaßbleamerl" der Bevölkerung des Hochgebirges. Die ganze 
Pflanze wird nicht höher als 20 cm, meist habe ich sie auf 
alpinen Hochwiesen noch erheblich niedriger vorgefunden. Sie 
steht gesellig, hier dicht gehäuft, dort vereinzelt, und neben den 
reichsten Fundorten fehlt sie auf weiten Strecken wieder völlig. 
Diese unter dem Schutze des Gesetzes stehende, gefällige Zwerg- 
orchidee kenne ich nur aus dem bayerischen und österreichischen 
Hochgebirge; im Großherzogtum Baden soll sie bei Bonndorf im 
Schwarzwald vorkommen. Die Pflanze erhebt sich aus einer 
bandförmigen Orchideenknolle und besitzt ganz schmale, linealische 
Blätter. Der Blütenstand bildet eine anfangs kegelförmige, später 
längliche Traube. Die Blüten sind bräunlich, schwärzlichpurpurn, 
mitunter heller, und verbreiten einen köstlichen Vanilleduft. Moor- 
erde, und das Erdgemenge alpiner Hochwiesen, dabei mäßige 
Feuchtigkeit müssen dieser Kleinorchidee geboten werden, wenn 
sie gedeihen soll. Sie gewährt aber dem Pfleger durch ihre zier- 
liche Gestalt und ihren Duft viel Freude, abgesehen davon, daß 
ihr Besitz für den Kenner unbedingt eine beachtenswerte Selten- 
heit bedeutet. — rg. 

Kleintierzucht. 



Kaninchenzucht und Volksernährung. Obschon die Zucht 
des Hauskaninchens infolge des Krieges bereits zu einer früher 
nie geahnten Ausdehnung gelangt ist und bei der Fleischversorgung 
weiter Volksschichten schon einen wichtigen Faktor bildet, so 
mögen diesem Thema hier wegen seiner besonderen Wichtigkeit 
dennoch einige Zeilen gewidmet sein. Vielleicht werden sie dazu • 
beitragen, jene Ungläubigen, die früher bei dem Worte Ka- 
ninchenfleisch den Kopf schüttelten, eines Besseren zu belehren. 
Ich muß offen sagen, daß auch ich bis vor nicht allzulanger Zeit 
zu jenen Ungläubigen zählte, und ich weiß mich gut zu erinnern, 
daß wir zur Zeit meiner Kindheit mit Fingern auf einen Menschen 
zeigten, von dem behauptet wurde, er esse Kaninchenfleisch. 
Man kann wohl sagen, der Krieg hat uns hierin ein gut Teil 
weiter gebracht, und heute halte ich Kaninchenbraten geradezu für 
eine Delikatesse. Insbesondere aber für gärtnerische Betriebe, 
sei es in kleinen oder großen, kann das Halten von Kaninchen 
jetzt nicht genug empfohlen werden. Viele Betriebe sind denn 
auch schon bahnbrechend mit gutem Beispiel hierin vorausgegangen. 
Ich erwähne als Beispiel nur die Kruppsche Gärtnerei auf Hügel 
bei Essen, wo im vorigen Sommer von etwa 150 Muttertieren 
allein gegen 1500 Junge gezogen sein sollen. 

Fast alle Gärtnereien haben in den Gewächshäusern unter den Mittel- 
oder Seitenbeeten, inVerpflanzräumen, Schuppen usw. einen geeigneten 
Raum zur Herrichtung von Kaninchenställen. Wo es selbst hieran 
mangelt, ist doch sicher Platz genug zum Aufstellen einer Kiste 
mit 1,5 bis 2 Quadratmeter Bodenfläche, die leicht als guter Stall 
für Kaninchen hergerichtet werden kann. Jede etwas stärkere 
Kiste eignet sich zu diesem Zwecke. Die Deckelseite wird mit 
2 — 3 cm weitem Drahtgeflecht benagelt, und eine kleine Tür hierin 
angebracht, die mit Vorhangschloß im Bedarfsfall zu versehen ist. 
Bei seiner Aufstellung benagle man das Dach mit Dachpappe oder 
Blech zum Schutz gegen Regenwasser. Da die reinlichen Tiere 



die Ausscheidungen stets in derselben Ecke ablegen, so gibt man der 
Kiste zweckmäßig nach dieser Seite hin einige Zentimeter Gefälle. 
Ein öfteres Reinigen der Ställe ist zur Vermeidung üblen Geruches 
namentlich im Sommer notwendig. 

Als besonders geeignete Rassen für Fleischerzeugung haben 
sich das Belgische Riesen- und das Deutsche Riesenschecken- 
Kaninchen, sowie auch ganz besonders deren Kreuzungen erwiesen. 
Für angehende Züchter seien hier nur noch kurz folgende wichtige 
Regeln beigefügt, bei deren Einhaltung Mißerfolge kaum zu be- 
fürchten sind. 

Die beste Zeit zur Zucht ist Anfang März bis Ende August. 
Vor und nach dieser Zeit zu züchten ist in der Regel nicht ratsam. 

Man halte die Geschlechter stets getrennt und belasse höchstens 
junge Tiere desselben Wurfes bis zu 10 Wochen zusammen. 
Solange die Häsin noch säugt, darf man nicht wieder belegen 
lassen. Mehr als zwei Würfe züchte man in der Regel nicht in 
einem Sommer vom selben Tier. Stets achte man auf Blutwechsel, 
da Inzucht der Verderb der Kaninchenzucht ist. Man sehe streng 
darauf, daß die Tiere, besonders die jungen, im Sommer kein 
nasses Grünfutter erhalten, will man nicht binnen kurzer Zeit 
durch Massensterben seinen ganzen Bestand einbüßen. 

Die Fütterung erfolgt im Winter mit Heu und allerhand pflanz- 
lichen Abfällen aus der Küche, wie Kartoffelschalen, roh oder 
gekocht, Kraut-, Kohl-, Salat-, Obst- usw. Abfällen, sowie Rüben 
aller Art, von denen diejenigen mit hohem Zuckergehalt am liebsten 
genommen werden. Im Sommer liefert der Garten durch seinen 
Abfall an Gras, Unkraut usw. reichliches Futter für die Tiere. Die 
meisten Kompositenarten bilden besondere Leckerbissen, was man 
bald herausfinden wird. Ein zweimaliges Verabreichen von Futter 
täglich genügt. Wasser braucht nur bei sehr großer Hitze und 
Trockenfutter gereicht zu werden. Daß der Standort gegen starke 
Zugluft, sowie gegen brennende Sonnenstrahlen im Sommer zu 
schützen ist, bedarf keiner besonderen Erwähnung. Zum Schluß 
bemerke ich noch, daß es eine Freude, nicht nur für Kinder, 
sondern für jeden Tierfreund ist, zuzusehen, wie es diesen nied- 
lichen Tieren schmeckt. 

Wer also irgend Zeit jetzt findet, sich mit Kleintierzucht zu 
befassen, dem kann ein Versuch mit Stallhasen nicht genug 
empfohlen werden. Abgesehen von einem guten Braten, dessen 
Zubereitung jedes Kriegskochbuch lehrt, erweist er dem Vater- 
lande noch einen nicht zu unterschätzenden Dienst. 

Als einschlägige Lektüre für „Schlachtkaninchenzucht" kann das 
Buch von Alfred Beeck empfohlen werden, welches im Verlage 
von P. Parey, Berlin, erschienen ist und genaue Anleitung über 
die Zucht gibt. Simon. 

Gärten des Auslandes. 



Vom Botanischen Garten in Bukarest. Bei unserem 
längeren Aufenthalt in der rumänischen Hauptstadt, die erst ein 
paar Wochen vor unserem Eintreffen in deutschen Besitz gelangt 
war, stattete ich auch dem Botanischen Garten, der mir dem Namen 
nach aus meiner Praxis gut bekannt war, einen Besuch ab. 

Wie alle öffentlichen Anlagen der Stadt, so hatte auch der 
Botanische Garten der rumänischen Heeresverwaltung zu militärischen 
Zwecken gedient. Wie ich durch die Frau des Obergärtners Herrn 
Karl Gutmann*), eines deutschen Kollegen, aus Candern in Baden 
stammend, seit der Kriegserklärung interniert, erfuhr, hatte man 
den Garten als Sammellager für Ochsen benutzt, und diese 
hatten genug für Unsauberkeit und Schmutz gesorgt, welcher hier 
allerorts in überreichem Maße zu finden sind. Aber auch in dieser 



*) Anmerkung des Herausgebers. Herr Gutmann ist 
seit dem XI. Jahrg. Mitarbeiter der „Gartenwelt" und hat im 
XVIII. Jahrg. selbst eine mit neun Abbildungen versehene Ab- 
handlung über den Botanischen Garten in Bukarest veröffentlicht. Auch 
Herr Rebhuhn, der bisherige städt. Gartendirektor von Bukarest, 
ist ein alter Mitarbeiter der „Gartenwelt". 



XXI, 11 



Die Garte 11 weit. 



131 



Richtung hat die wohlgerühmte deutsche Ordnung eingesetzt und 
zeitigt überall gute Folgen. 

Bei Eintritt in den Garten fällt zur Rechten das hochherr- 
schaftliche Wohnhaus des Direktors des Gartens auf, welches aus 
dem jährlichen Wirtschaftsetat von 3000 Lei*) und sonstigen für 
den Garten angeforderten Geldern entstanden sein soll. Die 
Wohnung ist verlassen, denn die Bewohner suchten sich durch 
die Flucht den deutschen „Barbaren" zu entziehen. 

Der Gesamteindruck des ganzen Gartens ist der eines alten, 
aber zu gleichmäßigen Parkes mit sehr breiter Wegeanlage. 
Unterbrechung und Belebung in das Ganze mag der künstliche, 
jetzt leerstehende zweiteilige Teich, über dessen Verbindungsstelle 
eine eiserne Brücke führt, bringen. Der Baumbestand ist ein 
alter, ich konnte bei meinem zu flüchtigen Besuch aber nichts 
Seltenes oder Bemerkenswertes entdecken; allerdings ist die 
Jahreszeit wenig dazu geeignet. Koniferen sind verschwindend 
wenig vertreten, ein paar leidliche Picea pungens glauca, die mir 
ins Auge fielen, sonst nichts besonderes. Die systematische An- 
ordnung der Stauden hat im Rasen längs der Wege zwei- oder 
dreireihig stattgefunden, und zwar so, daß jede Pflanze gesondert 
für sich einen Ausstich beansprucht. Ein wenig Abwechselung 
bietet noch eine kleine Gruppe für Arzeneipflanzen, welche in 
Rosettenform angelegt und mit Buxus eingefaßt ist. Ein Alpinum 
vermißte ich ganz. Die ganze Staudensammlung ist für den 
großen Garten eine zu ärmliche. Leider konnte ich nicht erfahren, 
wie groß der Flächeninhalt ist, aber viele botanischen Gärten, 
vielmehr ihre technischen Leiter, wären froh, wenn sie ein solches 
Gelände zur Verfügung hätten, um es wissenschaftlich-praktisch 
auszunützen. — Die tropischen und halbtropischen Pflanzen be- 
herbergt ein abgeschlossener, ziemlich stattlicher Häuserblock 
mit doppelten, im ganzen acht Abteilungen. Die Sammlung 
ist auch hier eine alltägliche und bietet in Kulturleistungen nichts. 
Etwas größeren Umfang hat die Kakteensammmlung, während die 
Orchideen sehr wenig, höchstens in 15 Arten, vertreten sind. 
Unter den Bromeliaceen fiel mir nur Vriesea hieroglyphica auf. 
In einer Abteilung hat man versucht, die Pflanzen geographisch 
anzuordnen, aber der Platz ist zu beschränkt und die Einteilung 
somit nicht genügend übersichtlich. 

Eine große Unordnung ist jetzt vorhanden, aber das liegt in 
den Zeitverhältnissen. Ein junger Gärtner und fünf Arbeiter 
ohne jede Leitung suchen den Betrieb in Ordnung oder vielmehr 
in Unordnung zu halten. Der Obergärtner kam als Gehilfe hierher 
und war seit 15 Jahren hier tätig; man kann hin und wieder die 
frühere Ordnung erkennen. Es waren ihm durch die schlechten 
und ungesunden Finanzverhältnisse, die im rumänischen Staats- 
betriebe obwalten, zu sehr die Hände gebunden. Die Jahreszeit 
meines Besuches war zu ungünstig, um ein besseres Bild geben 
zu können. 

Bukarest hat sonst einige gute gartenkünstlerische Schöpfungen 
aufzuweisen. Als solche zu nennen ist der Carol-Park, in welchem 
die Kunstausstellungen stattfanden; die letzte 1906. Jetzt zieren 
auch diese Anlage halbfertige Krankenwagen und überall umher- 
liegende zerstörte Automobile; sie sprechen eine zu deutliche 
Sprache von Rumäniens einstigem Größenwahn. 

Karl Mathow, zurzeit im Felde. 



Aus den Vereinen. 

Der Verein zur Beförderung der Moorkultur im Deutschen 
Reiche tagte am 19. Februar in Berlin. Gärtnerisch interessant 
waren nachfolgende Erörterungen. 

Herr Freckmann - Neu-Hammerstein behandelte in ausführlicher 
Weise den Kartoffelbau auf Niederungsmoor unter besonderem 
Hinweis auf die Bedeutung der Moorkartoffeln als Saatgut für 
die Mineralbodenarten; wir müssen unter allen Umständen alles 
tun, um unsere Kartoffelerzeugung zu erhöhen, was in erster Linie 
durch den ausschließlichen Anbau von ertragreichen Sorten und 



*) Ein Lei = 75 Pfennige. 



die Sorge für die Gesund- und die Ertragsfähigerhaltung unserer 
Kartoffelbestände geschieht, wozu gerade die Moorkartoffel beizu- 
tragen in hohem Maße berufen ist. Die Knappheit an Fetten 
zwingt uns dazu, auch den Oelfrüchten einen vermehrten Raum 
auf unseren Niederungsmooren zu geben. Winterraps und Senf 
sind hier besonders geeignet. Endlich wurde der Anbau des 
Hanfes als einer lediglich für die Niederungsmoore ganz hervor- 
ragend geeigneten Pflanze erwähnt. Redner bat, den langjährigen 
Anbauerfahrungen nach, um möglichste Berücksichtigung des Hanf- 
baues, wie ebenso des vermehrten von Oelfrüchten, und der 
Förderung der Kultur der Kartoffel auf unseren Mooren mit dem 
Bestreben, ihr als Saatkartoffel die Rolle zu verschaffen, die sie 
verdient. 

Ein eingehender Meinungsaustausch folgte. 

Hiernach sprach Herr Werth, Versuchsleiter des Vereins, über 
Gemüsebau auf Moorboden zur Sicherstellung unserer Volks- 
ernährung. Der Vortragende knüpfte seine Ausführungen an die 
bekannten Maßnahmen der landwirtschaftlichen Moorkulturverfahren 
und schilderte, wie es verhältnismäßig einfach sei, zum Gemüsebau, 
den er kurzhin als „intensiven Ackerbau" bezeichnete, überzugehen. 
Vorbedingung sei die richtige Auswahl der geeigneten Moorflächen, 
ausreichende Entwässerung, sowie entsprechende Bodenbearbeitung 
und Düngung; auf diese Weise sei es ohne kostspielige Vorbe- 
reitungen, wie z. B. Abtorfen, Sandüberfahren oder Vermischen 
des Torfes mit Mineralboden, sehr wohl möglich, hohe Gemüse- 
ernten nicht nur auf den gut zersetzten stickstoffreichen Niederungs- 
mooren, sondern auch auf rohen Hochmooren im ersten Kulturjahr 
zu erzielen. Namentlich für letztere Moorart bezeichnete der 
Redner die Erbse als besonders reichtragende und sichere Frucht 
und empfahl für den Anbau im großen u. a. auch namentlich 
solche niedrigen Sorten, die nicht gereisert zu werden brauchen. 
Photographische Aufnahmen von Anbauversuchen, insbesondere 
aus den „Mustergärten" des Vereins, veranschaulichten die reich- 
tragenden Gemüsesorten auf den verschiedensten Moorarten. 
Außer der Kultur der Erbsen wurde auch die der Bohnen, Mohr- 
rüben und Kohlarten besprochen und auf die Unterschiede zwischen 
der Kultur auf Moor- und Mineralboden hingewiesen. 

Es folgte dann ein Vortrag von Dr. Feldt-Königsberg i. Pr. 
über Gemüsebau auf Schwarzkulturen. Von der Arbeitsleistung 
der Kulturpflanzen ausgehend, empfahl der Referent dringend den 
Anbau von Garten- und Puffbohnen auf Moor- und besseren 
Mineralböden, da die Bohnenarten als zu den leistungsfähigsten 
Pflanzen zählend, große Mengen von Eiweiß, Kohlehydraten und 
Fett, sowohl für die menschliche als auch tierische Ernährung 
hervorbrächten und daher jetzt und in den nächsten Jahren für 
die Volksernährung von größter Bedeutung seien. Als sicherste 
Eiweißpflanzen sind sie dazu berufen, dem Eiweißmangel abzuhelfen. 
Die Sortenfrage hat eine große Bedeutung. Die an und für sich 
schon ungemein hohen Erträge sind noch immer steigerbar. 
Ebenso wie Wicken und Peluschken nach dem Quellen in Wasser 
ein ausgezeichnet wohlschmeckendes Nahrungsmittel liefern, können 
und müßten daher auch die unreifen Körner der Ackerbohne noch 
vielmehr als bisher von den Konservenfabriken zu Ernährungs- 
zwecken angebaut und verwandt werden, da der Nährwert der 
jungen Ackerbohnen, die im Geschmack den Puffbohnen gleichen, 
höher ist als derjenige der wasserreichen Stangenbohnenschoten. 
Die Kultur der Acker- und Puffbohnen verlangt viel weniger 
Arbeit als Stangenbohnen und Reisererbsen. Daher sollte auch 
der Anbau von Ackerbohnen in Schrebergärten gefördert werden. 

Dr. Feldt sprach dann über seine Erfahrungen mit dem 
Zwiebelbau auf Schwarzkulturen und über Sortenversuche, über 
die bisher in der Moorliteratur nähere Angäben fehlten. Zum 
Schluß wies der Referent darauf hin, daß es im Interesse der 
Volksernährung wäre, wenn noch vor dem Frühjahr Mindestpreise 
für die wichtigsten Gemüsearten festgesetzt würden. 

In der Besprechung entwickelte ein Vertreter der Reichsstelle 
für Gemüse und Obst den Organisationsplan derselben. Es wurde 
darauf der entschiedene Wunsch ausgesprochen , daß man die 



132 



Die Garteuwelt. 



XXI, 11 



Praktiker etwas mehr hören, und nicht nur hören, sondern ihnen 
bei den Maßnahmen der Reichsstelle auch folgen möge. 

Landesökonomierat Echtermeyer regte die Errichtung einer 
gärtnerischen Versuchsstation an, von der er sich sehr gute Dienste 
in Bezug auf die Förderung des Obst- und Gemüsebaues ver- 
spricht. Von anderer Seite wurde bemerkt, daß die beabsichtigte 
Wirtschaftsweise der Reichsstelle durchaus einen Fortschritt gegen 
das Vorjahr darstellt. Der Vertreter der Reichsstelle erklärte, 
daß die Reichsstelle sich weitgehender Zustimmung der hervor- 
ragendsten Sachverständigen und landwirtschaftlicher Vertreter 
erfreue. Uebrigens sei auch die Praxis durch 9 Landwirte in der 
Reichsstelle vertreten. _^_^ 

Tagesgeschichte. 

Altenvkreddingen. Die Gärtnerei von Chr. Mohrenweiser hat 
aus Anlaß des Eintritts des Sohnes Kurt des bisherigen Inhabers 
Rieh. Mohrenweiser als Geschäftsteilhaber in die Firma den ver- 
heirateten Angestellten ein Monatsgehalt, den ledigen die Hälfte 
des Gehalts als Kriegsspende gezahlt. 

Berlin. Wie die „Nordd. Allg. Ztg." mitteilt, wird zu dem 
Zwecke, das Gemüse und Obst aus der neuen Ernte in vermehrtem 
Umfange für die Volksernährung nutzbar zu machen, für Preußen 
ein Landesamt für Gemüse und Obst mit dem Sitz in Berlin er- 
richtet. Zum Vorsitzenden des Landesamts ist der Vorsitzende 
der Reichsstelle für Gemüse und Obst, Oberregierungsrat von 
Tilly, ernannt worden. Das Landesamt hat seine Geschäftsräume 
in Berlin W., Potsdamer Straße 75. 

Frankfurt a. M. Um die Leistungen der Kleingärtner wäh- 
rend des Krieges in anschaulicher Weise vor Augen zu führen, 
hat der Verband der Kleingartenbauvereine für Frankfurt und 
Umgegend beschlossen, in diesem Herbst eine größere Gartenbau- 
ausstellung ins Leben zu rufen, und seinen Vorstand mit den 
Vorarbeiten betraut. 

— Der Händler Philipp Zipf aus Gelnhausen kaufte hier an 
der Markthalle angefahrene Aepfel zu 62 Pfg. das Pfund und 
verkaufte sie zu 75 Pfg. an Kleinhändler weiter. Das Schöffen- 
gericht verurteilte ihn wegen Kettenhandels in Verbindung mit 
Preiswucher zu 350 M Geldstrafe. Der Obsthändler Jakob Both 
hier, der für die zu 75 Pfg. gekauften Aepfel von der Kund- 
schaft 1 M genommen hatte, wurde wegen Preiswuchers zu 30 M 
Geldstrafe verurteilt. 

Ludwigshafen a. Rh. Der hiesige Fabrikbesitzer Dr. Raschig 
schenkte der Stadtverwaltung etwa 200 000 Quadratmeter Bau- 
land auf dem Muntenheimer Vorstadtgelände unter der Bedingung, 
daß bis längstens 31. Dezember d. J. die Stadtverwaltung zu 
ihrem bereits dort vorhandenen Gelände von 150 000 Quadrat- 
metern noch weitere 100 000 Quadratmeter erwirbt, um 400 Kriegs- 
teilnehmern je 1000 Quadratmeter zur Verfügung stellen zu 
können. 15 Prozent davon dürfen bebaut werden, der Rest muß 
als Nutzgarten verwendet werden. Es soll also dort eine Gärtner- 
stadt entstehen. 

Mainz. Zwischen dem Handelsgärtnerverein für Mainz und 
Umgebung und der städtischen Verwaltung ist ein Anbau- und 
Lieferungsvertrag abgeschlossen worden. Darin heißt es 
u. a: „Der Gärtnereibesitzer verpflichtet sich, im Jahre 1917 seine 
gesamte verfügbare Fläche mit Gemüse anzubauen und den daraus 
erzielten Ertrag an die Stadt Mainz nach ihrer näheren Anweisung 
zu liefern und bis dahin pfleglich aufzubewahren. Für jede Zu- 
widerhandlung gegen die Anbauverpflichtung unterwirft sich der 
Anbauer einer Vertragsstrafe von 100 M, für Zuwiderhandlungen 
gegen die sonstigen Bestimmungen des Vertrages einer solchen 
von 50 M." 

Dieser Vertrag wurde von 40 Gärtnereibesitzern und Land- 
wirten unterschrieben. Die Lieferung besteht in einer Million 
Gemüsepflanzen, wovon 900 000 auf Rot- und Weißkraut, Blumen- 
kohl, Kohlrabi, Salat, Tomaten usw. und 100 000 auf Kartoffel- 
setzlinge entfallen. 



— Auf Grund besonders gestellter Anträge werden alle in den 
hiesigen Gärtnereien beschäftigten Hilfskräfte seitens des Kriegs- 
wirtschaftsamtes als Schwerarbeiter bezeichnet und erhalten als 
solche Zulagen an Brot und Kartoffeln. 

Die künftigen Höchstpreise für Spätgemüse. Bekanntlich 
soll die Versorgung der Bevölkerung der Großstädte mit Spät- 
gemüse im kommenden Herbst auf eine neue Grundlage gestellt 
werden. Die Reichsstelle für Gemüse und Obst hat in den Liefe- 
rungsverträgen, die sie zwischen Erzeuger und Kommunalverbänden 
vermittelte, bestimmte Höchstpreise vorgeschrieben. Diese Höchst- 
preise bleiben in Kraft auch dann, wenn die sonst für den Ver- 
kehr vorgeschriebenen Höchstpreise niedriger angesetzt werden 
sollten; werden aber diese „öffentlichen" Höchstpreise erhöht, dann 
müssen die in den Verträgen mit den Kommunalverbänden fest- 
gesetzten Preise diesen angepaßt werden. Die Reichsstelle für 
Gemüse und Obst teilt mit, daß folgende Kleinhandelshöchstpreise 
in Aussicht genommen sind: Herbstweißkohl 5 Pfg., Dauerweiß- 
kohl 9 Pfg., Herbstrotkohl 9 Pfg., Dauerrotkohl 12 Pfg., Herbst- 
wirsing 9 Pfg., Dauerwirsing 11 Pfg., gelbe Kohlrüben 4 Pfg., 
rote Speisemöhren 9 Pfg-, gelbe Speisemöhren 6 Pfg., Zwiebeln 
12 Pfg. 

Vaterländischer Hilfsdienst der Gartenbaubetreibenden. 
Auf die Eingabe, daß alle Personen, die im Gemüse- und Obst- 
bau mit Einschluß der Baumschulbetriebe, im Gemüsesamenbau und 
-handel beschäftigt sind, ausdrücklich als im vaterländischen Hilfs- 
dienst stehend erklärt werden möchten, ist durch Erlaß des Land- 
wirtschaftsministers der nachstehende Bescheid geworden: Soweit 
Gärtner in dem Obst- und Gemüsebau tätig sind, dürfte kein 
Zweifel sein, daß sie zu den in der Landwirtschaft tätigen Per- 
sonen zu rechnen sind und daß daher auf sie § 2 des Gesetzes 
über den Vaterländischen Hilfsdienst Anwendung findet. Deshalb 
erübrigt sich der Erlaß einer Bundesratsverordnung zur ausdrück- 
lichen Einordnung der Gärtner unter die für die Volksernährung 
beschäftigten Personen. 



Personalnachrichten. 



Gärtner in Waffen. 

Der Verband der Handelsgärtner Deutschlands gibt den Helden- 
tod seiner nachgenannten Mitglieder bekannt: Gustav Gerecht, 
Steele i. W. ; Rud. Riedel, Pirna; Ernst Schlichting, Barm- 
stedt; Robert Tesch, Stargard; Albert Türke, Lübbenau; 
Ad. Wende, Laubnitz bei Sorau. Das Eiserne Kreuz II. Klasse 
wurde seinem Mitglied G. Schuen, Neuwerk, Rheinpr., verliehen. 

Der Allgemeine Deutsche Gärtnerverein gibt den Heldentod 
seiner nachgenannten Mitglieder bekannt: Rud. Basel, Dresden; 
Jos. Kiefer, Freiburg i. Br. ; Herrn. Meier, Hamburg-Volksdorf; 
Joh. K. Szabo, Berlin. 



Goerth, Bernhard, Kgl. Garteninspektor, Fachlehrer für Garten - 
technik und Gartenkunst an der Königl. Lehranstalt für Obst- 
und Gartenbau zu Proskau (O.-S.), wurde der Titel eines Königl. 
Gartenbaudirektors verliehen. 

Niepelt, Aug., Gärtnereibesitzer in Eckersdorf in Schlesien, 
t am 23. v. M. 

Noerdlinger, Dr. Hugo, Begründer der Chemischen Fabrik 
Flörsheim am Main, "f am 4. d. M. 

Der Verstorbene, der über ein reiches Wissen verfügte und 
unermüdlich tätig war, hat sich auch um den deutschen Gartenbau 
durch Herstellung wertvollster Bekämpfungsmittel gegen tierische 
Schädlinge und Pilzkrankheiten große und bleibende Verdienste 
erworben. 

Schmid, Hans, geschätzter Mitarbeiter der „Gartenwelt", 
wurde vom Schweizer Bundesrat endgültig zum Obergärtner der 
schweizerischen Versuchsanstalt für Obst-, Wein- und Gartenbau 
in Wädenswil ernannt und zugleich in die Beamtenklasse befördert. 



Berlin SW. 11, Hedemannstr. 10. Für die Redaktion verantwortl. Mai HesdörfEer. Verl. von Paul Parey. Druck : Anh. Buchdr. Guteuberg, G. Zichäus, Dessau. 



Illustrierte Wochenschrift für den gesamten Gartenbau. 



Jahrgang XXI. 



23. März 1917. 



Nr. 12. 



Nachdruck und Nachbildung aus dem Inhalte dieser Zeitschrift werden strafrechtlich verfolgt. 



Zwiebel- und Knollenpflanzen. 



Ueber Anzucht und Pflege der Amaryllis. 

(Hierzu eine Abbildung.) 

Verstanden sind hiermit die farbenreichen Hybriden von 
Amaryllis vittata, die heute nicht nur in den besseren Privat- 
gärtnereien als dankbare Winterblüher eine Pfiegestätte ge- 
funden haben, sondern sich auch in vielen Handelsgärtnereien 
einen wichtigen Platz sicherten. Es bleibt sich gleich, ob 
sie als blühende Topfpflanzen oder als Schnittblumen verw^endet 
wferden, hier ' wie dort sind sie ihrer Haltbarkeit wegen 
gleichwertig. Daß, wie überall, auch hier nur die beste 
Pflege gute Erfolge erzielen wird, ist von vornherein zu be- 
tonen. Und ist auch im allgemeinen die Amaryllis nicht 
besonders anspruchsvoll, so sind immerhin einige Punkte 
durchaus zu beachten, wenn man hier von seiner Arbeit er- 
freuliche Ergebnisse erwarten will. 

Die Anzucht der Amaryllis ist wohl leicht und auch er- 
giebig, aber sie erfordert eine mehrjährige Arbeit, ehe man 
sich an den ersten Blüten erfreuen kann. Das bezieht sich 
sowohl auf die Anzucht aus Samen, als auch auf die durch 
Brutzwiebeln, die sich an älteren Zwiebeln hin und wieder 
bilden. Erstere Anzuchtsweise ist wohl ihrer Ergiebigkeit 
wegen die allgemein übliche und kommt auch dann einzig 
in Frage, sobald es sich um größere Nachzuchten handelt 
und sobald dieselben verbessert, aufgefrischt werden sollen. Die 
Anzucht durch Brutzwiebeln möchte ich eigentlich nur auf die 
Fälle beschränken, in welchen es sich um die Erhaltung und 
Vermehrung solcher Pflanzen handelt, die sich durch vollendet 
gut geformte und schön gefärbte Blüten mit satten, reinen 
Farben auszeichnen. 

Am vorteilhaftesten ist es stets, sich den Samen selbst 
heranzuziehen, weil man in diesem Falle weiß, was man 
davon zu erwarten hat. Wer aber die Kultur der Amaryllis 
überhaupt erst anfangen will, also keine Mutterpflanzen besitzt, 
kaufe sich den Samen direkt vom Züchter, lege auch lieber 
einen hohen Preis für gutes Saatgut an, als daß er sich 
durch billigen Preis verleiten lasse, xbeliebig wo zu kaufen. 
Letzteres endet meistens mit einem Mißerfolg, der dann 
gewöhnlich die ganze Begeisterung über den Haufen wirft. 
Diesem Punkte entspringt allermeist die oft zu beobachtende 
Gleichgültigkeit, ja Voreingenommenheit gegen die Aufnahme 
der Kultur einer unbekannten, neueren oder selteneren 
Pflanzenart. Denn, was hier im besonderen gilt, gilt ebenso 
im allgemeinen. 

Gartenwelt XXI. 



Die Aussaat erfolgt unmittelbar nach der Samenreife, 
also noch im Laufe des späteren Frühjahrs. Flache, saubere 
Schalen oder Handkästen werden auf guter Scherbenunterlage 
mäßig fest mit sandiger Lauberde gefüllt und diese unter 
leichtem Andrücken geebnet. Die ziemlich großen, flachen 
Samen werden gleichmäßig und nicht zu dicht aufgestreut 
und nur so stark mit gleicher Erde bedeckt, daß sie eben 
nicht zu sehen sind. Dann wird gut überbraust und die 




Garteneingang. 
Nach einer von Alice Matzdorff, Berlin, für die „Gartenwelt" gefertigten 

Aufnahme. 

12 



134 



Die (iartenwelt. 



XXI. 12 



Schalen oder Kästen werden im Warmhaus oder im warmen Mist- 
beetkaslen aufgestellt. Gut ist es, wenn die Erdoberfläche 
durch Bedeckung dunkel gehalten werden kann, wodurch eine 
gleidimäßigere, auch schnellere Keimung erfolgt. Bei gleich- 
bleibender Wärme und Feuchtigkeit zeigen sich die ersten 
Pflänzchen schon im Laufe von 2 — 3 Wochen, worauf sie 
dann möglichst hell und nahe am Glase gehalten werden 
müssen. Sobald sie einigermaßen erstarkt sind, werden sie 
in gleiche Erde in Handkästen verstopft und dieselben am 
besten im warmen Kasten weiter behandelt. Gleichmäßige 
Feuchtigkeit durch öfteres leichtes Spritzen, leichter Schatten 
und anfangs geschlossen gehalten , doch später schwaches 
Lüften, sind die hauptsächlichsten Punkte, die zu beobachten 
sind. Sobald die Pflänzlinge in reges Wachstum kommen, 
werden sie nochmals in tiefere Handkästen umgepflanzt und 
in halbwarmem Kasten unter gleichen Bedingungen weiter 
gepflegt. Ich halte das Umpflanzen in tiefere Handkästen 
für besser als das Auspflanzen ins freie Mistbeet, da die 
Pflanzen im Spätsommer ja doch wieder in Handkästen 
kommen müssen und dadurch im Wachstum oft empfindlich 
gestört werden. Bei dem zweiten Verstopfen ist eine kräftigere 
Erde, eine Mischung von Laub- und Dungerde zu gleichen 
Teilen mit reichlich Sandzusatz zu nehmen. 

Im Laufe des Hochsommers wird der Schatten nach und 
nach entfernt, auch etwas stärker gelüftet und mäßiger ge- 
spritzt. Bei Eintritt des Herbstes kommen dann die Hand- 
kästen in ein mäßig warmes Haus, aber nahe ans Glas. Durch 
mäßiges Gießen und leichtes Spritzen werden die Sämlinge 
in langsamem Wachstum gehalten; ein Einziehen derselben 
darf nicht stattfinden. Im frühen Frühjahr wird ein ziemlich 
tiefer, warmer Kasten hergerichtet, der anfangs einer bis 
reichlich 15 cm starken Erdschicht eine Wärme von mindestens 




Tausendjährige Eiche in Sacro a. d. Havel, die zeigt, welchen gewaltigen Raum 
die Eiche verlangt, um sich zum kraftvollen Baum, zur Heldeneidie, zu entwickeln. 

Nach einer für die „Gartenwelt" gefertigten Aufnahme. 



20 — -25" C geben muß. Die Erde bestehe aus Laub- und 
Dungerde zu gleichen Teilen, auch muß sie gut mit scharfem 
Sand durchsetzt sein. In diese Erde erfolgt das Aus- 
pflanzen der Sämlinge in angemessener Entfernung, unter 
tunlichster Schonung aller Wurzeln. Ist es vollendet, wird 
kräftig mit der Brause angegossen, anfangs schwach beschattet, 
sobald scharfe Sonne dies nötig macht, und geschlossen ge- 
halten. Durch oftmaliges schwadies Spritzen werden Erde 
und Luft gleichmäßig feucht gehalten. Ist die Packung des 
Kastens eine sorgfältige gewesen, entwickelt sie also eine 
gute, gleichbleibende Wärme, dann werden die jungen 
Pflanzen bald ein gutes Wachstum zeigen. Der Schatten 
wird daraufhin nach und nach gemäßigt und fällt schließlich 
ganz weg, so daß dann die Sonne sozusagen braten kann. 
Die Hauptsache ist jetzt nur, daß durch kräftiges Gießen 
für genügende Bodenfeuchtigkeit, sodann durch öfteres 
Spritzen, auch der Kastenwände, für feuchte Luft gesorgt 
wird. Gelüftet wird wohl, aber verhältnismäßig nur recht 
schwach. Unter diesen Verhältnissen ist der Wuchs der 
jungen Sämlinge äußerst kräftig und gesund. Im Hodisommer 
hört das Spritzen langsam auf, auch wird das Gießen nach 
und nach fast eingestellt, so daß die Pflanzen in eine gewisse 
Ruhe kommen , aber nicht vollständig einziehen. Sie 
werden zu Beginn des Herbstes vorsichtig herausgenommen, 
unter sorglicher Schonung ihrer Wurzeln, und in tiefe Hand- 
kästen nicht zu eng eingepflanzt, worauf sie wieder in einem 
mäßig warmen Hause ihre Winterherberge beziehen. 

Hier erhalten sie im Laufe des Winters gerade so viel 
Feuchtigkeit, daß ihre Blätter lebensfähig bleiben. Im Früh- 
jahr erfolgt ein abermaliges Auspflanzen in einen warmen 
Kasten, genau wie im vorigen Jahre; sie werden auch bei 
ähnlicher Behandlung weiter gepflanzt. Natürlich erhalten 
die Pflanzen einen größeren Raum, 
auch eine kräftigere Erde, die aus 
gleichen Teilen von Kompost- oder 
Rasenerde, Laub- und Dungerde bestehen 
soll, der noch etwas alter, abgelagerter 
Lehm und scharfer Sand beigegeben 
werden. Auch ein Zusatz von gedämpftem 
Hornmehl ist sehr gut und wirkungs- 
voll. Das Gießen wird in diesem Jahre 
im Laufe des Sommers ganz eingestellt, 
so daß die Pflanzen mit dem Wachstum 
vollständig abschließen. Vor Eintritt des 
Frostes werden sie unter Schonung der 
Wurzeln herausgenommen, in tiefe 
Handkästen eingesdilagen und in ein 
warmes Haus gebracht. Sie erhalten 
hinter oder unter den Tischbänken, in 
der Nähe von Heizkörpern ihren Stand- 
ort, woselbst sie vor Tropfenfall mög- 
lichst geschützt sind. Ein Gießen oder 
Spritzen unterbleibt hier vollständig. 
Unter diesen Verhältnissen beginnt das 
Laub langsam zu welken und abzusterben, 
so daß die Zwiebeln zum ersten Male 
eine völlige Winterruhe durchmachen. 
Dieselbe ist jetzt durchaus notwendig 
und kehrt jedes Jahr wieder. 

War bisher die Pflege der Sämlinge 
eine sorgliche, sachgemäße, so werden 
die Zwiebeln im Durchschnitt eine an- 



XXI, 12 



Die üarteuwelt. 



135 



sehnliche Größe erreicht haben und einige derselben bald 
auch ihre ersten Blüten zur Entwicklung bringen. Noch im 
Laufe des Winters zeigen sich dann die Knospen, die seitlich 
der Zwiebel, neben dem Herzen zwischen den Zwiebelschuppen 
zum Vorschein kommen. Es ist darauf zu achten und sind 
die Zwiebeln hin und wieder deswegen durchzusehen. Alle 
Zwiebeln, die eine Knospe zeigen, werden aus den Hand- 
kästen herausgenommen, von den trockenen Blättern, toten 
Wurzeln und aller trockenen Erde befreit und unter Schonung 
der gesunden Wurzeln, besonders deren Spitzen, in ange- 
messen große, saubere Töpfe eingetopft. Dazu wird eine 
kräftige, nahrhafte Erde verwendet, ähnlich der, die im 
vorigen Jahre zum Auspflanzen in den Mistbeetkasten zur 
Anwendung kam. Die Zwiebel wird so eingepflanzt, daß 



im vorherigen Jahre, in einem warmen Mistbeetkasten aus- 
gepflanzt und unter denselben Verhältnissen weiter gepflegt. 
Sie werden sich im Laufe des Sommers so erstarken, daß 
sie im kommenden Frühjahr auch zum Eintopfen kommen. 
Die Anzucht durch Brutzwiebeln ist der vorigen recht 
ähnlich. Die kleinen Nebenzwiebeln, die sich an blüh- 
fähigen, starken Zwiebeln bilden, werden im Winter vor- 
sichtig abgenommen und in Handkästen gepflanzt. Allerdings 
müssen sie bereits eine gewisse Größe erreicht haben, damit 
sie schon einen eigenen Wurzelboden besitzen. Die Hand- 
kästen erhalten nach der Bepflanzung im Warmbeet einen 
Platz, woselbst die losgelösten Zwiebeln Wurzeln machen. 
Sind sie dann im guten Wuchs, werden sie wie einjährige 
Sämlinge, gegebenenfalls neben denselben, im warmen Kasten 




Vollendete Amaryllishybriden in der Kgl. Hofgärtnerei Potsdam-Sanssouci (Hofgärtner F. Kunert). 

Nach einer Mitte Februar d. J. von Alice Matzdorff, Berlin, für die „Gartenwelt" gefertigten Aufnahme. 



ihre größere Hälfte über die Erdoberfläche hinausragt, auch 
wird ein richtiger Gießrand belassen. Die Töpfe werden 
nun kräftig angegossen und im Warmhause recht hell aufge- 
stellt, woselbst die Entwicklung des Blütenstandes ziemlich 
rasch vor sich geht. Sind die Blüten entfaltet, so können 
die Pflanzen etwas kühler gestellt werden, wodurch der Flor 
eine bedeutend längere Zeit anhält. 

Da die Knospenbildung der verschiedenen Zwiebeln sehr 
unregelmäßig vor sich geht und einen Zeitunterschied von 
3 — 4 Monaten beansprucht, so ist also ein öfteres Durch- 
sehen durchaus notwendig. Schließlich erfolgt Ende März 
auch das Eintopfen aller anderen Zwiebeln, die jetzt schon 
langsam in Wuchs kommen. Auch sie erhalten vorläufig 
einen hellen Platz im warmen Hause. Nur die kleinen, 
schwach gebliebenen Zwiebeln werden nochmals, gleichwie 



ausgepflanzt. 'Sie erhalten im selben, wie auch im nächsten 
Jahre die gleiche Behandlung wie die Sämlinge und werden 
gewöhnlich auch nach gleicher Zeit zur Blüte gelangen. 

Die verblühten Zwiebeln, sowie die anderen, noch nicht 
blühfähigen Zwiebeln, die gleichfalls eingetopft wurden und 
bisher im warmen Hause standen , kommen im Laufe des 
April, lieber etwas früher als später, in einen warmen Mist- 
beetkasten, woselbst die Töpfe in eine genügend starke 
Lage guter, nahrhafter Erde bis an den Rand eingesenkt 
werden. Ihre Behandlung ist vorerst die gleiche wie im 
vorigen Jahre. Ist nach mehreren Wochen ein gutes Wachstum 
bemerkbar, dann wird zwischen den Pflanzen recht vorsichtig 
kurzer, halb verrotteter Dung gelegt, und zwar so stark, daß 
die Topfränder reichlich zwei Finger hoch bedeckt sind. 
Die Wurzeln der Amaryllis, die bald über den Topfrand 



136 



13 ie 'tarteiiwelt. 



XXI, 12 



hinaus wachsen, finden in der Dungschicht einen willkommenen 
Nährboden, dessen Wirkung bald augenscheinlich wird. 
Späterhin ist ein zeitweiser Dungguß sehr dienlich. 

Solange die Pflanzen im Wachstum sind, ist reichliches 
Gießen und Spritzen nötig. Letzteres besonders bei Sonnen- 
schein, da kein Schatten gegeben werden darf; gelüttet 
wird reichlich. Sobald das Wachstum nachläßt, wird das 
Gießen eingeschränkt, das vom Hochsommer an wieder ganz 
aufhört, damit die Zwiebel zur Ruhe kommt. Zum Herbst 
werden die Töpfe unter Schonung aller über sie hinausge- 
wachsenen Wurzeln aus dem Kasten herausgenommen und 
wieder im Warmhaus an dunkler, trockener Stelle liegend 
aufbewahrt. Hier trocknet die Erde völlig aus und das 
Laub stirbt bald ab. Dasselbe vorher schon abzuschneiden 
halte ich für falsch, weil dieZwiebel dadurch unbedingt geschwächt 
wird. Das langsame, natürliche Absterben des Blattes ist 
viel besser und sollte darum auch befolgt werden. Nun 
kommt im Winter wieder das Heraussuchen der Zwiebeln mit 
Knospen, das schon von Anfang Dezember erfolgen wird. 
Wie im vorigen Jahre, so werden die Zwiebeln sauber gereinigt, 
eingetopft und im Warmhause zur Blüte gebracht. Die 
weitere Behandlung ist wie im vorigen Jahre. 

Es ist vielleicht für manchen vorteilhaft, durch besondere 
Behandlung aller frühblühenden Zwiebeln diese Eigenschaft 
nutzbar zu machen. Je früher die Blüte eintritt, desto 
früher folgt auch der Trieb. Wird derselbe dann im flotten 
Zuge gehalten, so erfolgt auch die Beendigung desselben 
früher, also auch der Eintritt der Ruhezeit. Als Folge davon 
ist sicherlich wieder eine frühe Blüte zu erwarten. Es wäre 
also nur nötig, etwa alle Zwiebeln, die in der ersten Hälfte 
oder im ersten Drittel der langen Blütezeit ihren Flor hervor- 
bringen, für sich gesondert zu halten und entsprechend früher 
in den warmen Mistbeetkasten zu bringen. Nach andauernd 
gutem Wachstum würden sie dann früher zur Ruhe über- 
gehen als die später in den Kasten gebrachten Spätblüher, 
also wiederum früher mit Blüte und Trieb einsetzen. Die 
so erzielte Verteilung des Blütenfiores hat manche Vorzüge 
und dürfte sich als praktisch durchführbar und wertvoll erweisen. 

Wer selbst Samen züchten will, nehme zur Kreuzung 
nur ausgesucht gute, wertvolle Pflanzen. Maßgebend sei 
Reichblütigkeit, gute, geschlossene und runde Blütenform mit 
möglichst breiten und rundlichen Blütenblättern, die sich 
seitlich decken, wie auch nur ganz reine, satte Farbentöne, 
ohne die grünliche Beschattung in der Blütenmitte. Nur 
dadurch ist es möglich, durch die Nachzucht einen Fortschritt 
zu erzielen, denn das Bessere ist auch hier schon selten, 
während Rückschläge viel häufiger zu verzeichnen sind. Auch 
darauf ist zu achten, daß der junge Blatttrieb möglichst mit 
der Blüte kommt, da solche Pflanzen in der Verwendung 
als blühende Topfpflanzen viel wertvoller sind als solche, 
deren Blütenschaft nackt dasteht. — Gerade durch solche 
Versuche mit Kreuzungen erhält auch die Pflege der 
Amaryllis einen besonderen Reiz und Wert und jeder, dem 
die Möglichkeit geboten ist. Versuche, wenn auch nur in 
kleinem Umfange, durchzuführen, sollte es tun. Sie geben 
dem Züchter viel Freude und Befriedigung. Kache. 

Anmerkung der Schriftleitung. Liebhabern dtr Ama- 
ryllis empfehlen wir die prächtige Schrift von H. Nehrling in 
Florida: „Die Amaryllis oder Rittersterne". Mit einem Vorwort 
von Max Hesdörffer und 16 Abbildungen. Verlag von Paul 
Parey. Preis M L20. 



Landschaftsgärtnerei. 

Typengärten. Es ist noch nicht lange her, da wurde noch 
von vielen die Möglichkeit von Typengärten bestritten. Man 
glaubte in ihnen eine Verflachung, auf alle Fälle aber ein minder- 
wertiges Erzeugnis zu erblicken, mit dem sich ein Gartenarchitekt, 
der um seinen guten Ruf besorgt ist, nicht abgeben konnte. 

Einerseits hing dies mit der eigentümlichen Auffassung künst- 
lerischer Betätigung in früheren Jahren, andererseits mit der un- 
klaren Vorstellung von typischen Gartenformen zusammen. 

Schon vor dem Kriege bot uns die großzügige Anlage von 
Laubenkolonien Gelegenheit, uns mit Typengärten zu beschäftigen. 
Es handelte sich darum, für eine größere Anzahl Gärten derselben 
Größe, die für dieselben Bedürfnisse zugeschnitten waren und zu 
gleicher Zeit nebeneinander entstanden, diejenige Form und Ein- 
richtung zu finden, welche bei größter Sparsamkeit und bester 
Ausnutzung des Platzes die bestmögliche Benutzung gestattete. 
Hierbei mußte auch im Ganzen, wie im Einzelnen auf angenehme 
freundliche Erscheinung Bedacht genommen werden. 

Im Verlaufe des Krieges tauchten neuartige Bauaufgaben in 
der Herstellung von kleinen Wohnungen mit Gärten auf, welche 
an einem Ort ähnlich Gartensiedelungen in größerer Zahl ganz 
einheitlich angelegt wurden. 

Es zeigte sich, daß die Großherstellung die Kosten ermäßigte 
und daß es dabei möglich war, auch bei geringeren Kosten gut 
zu bauen. Bei diesen Typenhäusern entstanden auch Gärten in 
großer Zahl. Nach dem üblichen Muster hielten sich natürlich die 
Architekten für berufen, die Gärten gleich mit zu entwerfen. Die 
seitlichen Hausgrenzen wurden bis zur Baublockmitte verlängert, 
der Boden etwas umgegraben und auf gut Glück einige Obstbäume 
gepflanzt und — fertig war der „Garten". 

Das gleiche „System" war ja schon bei Gartensiedelungen 
beliebt. 

Wollen wir die üblen Folgen solcher Gedanken- und Gewissen- 
losigkeit von den Ansiedlern abwenden, so sollten wir uns bei- 
zeiten auch mit diesen Aufgaben beschäftigen und versuchen, durch 
rechtzeitiges Eingreifen weiteres Unheil abzuwenden. Schon beim 
Entwurf der Gesamtanlage ist die Mitarbeit des erfahrenen 
Gartenarchitekten erforderlich, um das Gelände möglichst zweck- 
mäßig einzuteilen und den Gärten eine brauchbare Grundform 
sicher zu stellen, welche ein Gartenleben überhaupt erst ermöglicht. 
Bei den sonst beliebten Kegelbahnformen ist dies ausgeschlossen. 
Ebenso gewissenhaft sind Bodenvorbereitung, Düngung, Einfriedi- 
gung, Großpflanzung, bezw. sorgfältige Auswahl der Obstarten, 
Bewässerungsanlage, Gartenhäuser und Befestigung des Haupt- 
weges zu behandeln. Es dürfte sich empfehlen, außer vorge- 
nannten Dingen nichts weiter in die Gärten hineinzubringen, um 
später den Benutzern noch freie Hand zu lassen, ihren Garten 
nach eigenen Neigungen auszubauen, wie sie auch ihre Wohnung 
selbst ausstatten. Der eine wird Gemüse bauen wollen, der 
andere auch Kleinobst, Blumengärten haben manche lieber und 
anderes mehr. Für alles derartige muß der Rahmen möglich sein, 
zumal der entwerfende Gartenarchitekt den Ansiedlern weiterhin 
mit Rat und Tat zur Hand bleibt. 

Auch bei Gartensiedelungen mit teureren Wohnhäusern sind 
Typengärten recht erwünscht, wenn die Bauten ebenfalls eine 
gewisse Gleichartigkeit zeigen. Hier wird es sich empfehlen, bei 
kleineren Gärten eine dichte Grenzpflanzung anzulegen, ein Garten- 
haus zu errichten und einen schmaleren Hauptumgangsweg um 
eine größere ungeteilte Mittelfläche zu befestigen und das Garten- 
land als Rasenfläche oder gegrabenes Land stehen zu lassen. Der 
spätere Benutzer mag dann die weitere Ausgestaltung seinen 
Wünschen gemäß vornehmen. Selbst die bloße Rasenfläche mit 
Grenzpflanzung und Gartenhaus könnte, wenn es gut erdacht ist, 
schöner wirken als fragwürdige bunte Anlagen, die recht erheblich 
teurer sind und nur mit großen Kosten eine Umwandlung gestatten. 

Das einfache Schöne ist eben oft das Schwerste. 

E. Rasch, Gartenarchitekt, Leipzig-Lindenau. 



XXI, 12 



Die Gar t. >:• n w e 1 1. 



137 



Topfpflanzen. 
Erica hyalina als Schaupflanze. 

(Hierzu eine Abbildung.) 

Ais eine recht passende Heide in großen Pflanzen für Delcora- 
tionszwecke sei die in der Ueberschrift erwähnte, Herrschafts- 
gärtnern zur Ausschmückung von Wintergärten und Wohr.räumen, 
und solchen Geschäften, die viel Dekorationen auszuführen haben, 
und welchen deshalb an härteren, nicht alltäglich gesehenen Pflanzen 
liegen muß, sehr warm empfohlen. Sie ist eine der rasch- 
wachsendsten und unempfindlichsten Arten dieser Pflanzengattung 
und ihre Behandlung ist im späteren Alter nicht anders als die- 
jenige jeder besseren Dekorationspflanze. Nur im Gießen möchte 
sie etwas aufmerksamer als viele von diesen (z. B. Lauras Tinas, 
Aacuba u. a.), behandelt werden, denn sie gehört zu derjenigen 
Pflanzensippe, die im Punkte Gießen auch in ihren härteren Ver- 
tretern etwas empfindlich sein kann, wenn sie auch nicht den Grad 
der Empfindlichkeit erreicht, den unsere gängigen Handelssorten 
haben. Andere Arten, die sich zu dem angeführten Zweck auch 
noch eignen, sind z. B. noch : arborea, bucciniformis, Bomieana, 
cruenta, concinna, corifolia, cacullata, delecta concolor, Everanc, 
equatiformis, flammea, Lin- 

naeana, lasitanica, mammosa 

und ihre härteren Varietäten, I 

Passerina, regerminans, spe- 
ciosa, sparsa, taxi/olia u. a., 
welche zwar alle nicht zu 
den schön blühendsten ge- 
hören, wenn auch einzelne 
von ihnen wie bucciniformis, 
Bowieana, mammosa, sparsa, 
speciosa, flammea und die 
abgebildete ganz auffällige 
Blüten haben und auch in 
kleinen gut kultivierten, voll 
blühenden Pflanzen die Auf- 
merksamkeit auf sich lenken. 
Aber auch diese werden den 
Handelssorten niemals Kon- 
kurrenz machen, da letztere 
ihnen in der Farbwirkung 
doch bedeutend über sind, 
sich schon als kleine Pflan- 
zen gefällig bauen und auch 
als solche schon sehr reich 
blühen, welche Eigenschaften 
bei den erwähnten Arten erst 
im späteren Alter eintreten. 
Aber zu dem angeführ- 
ten Zweck eignen sich diese 
wieder besser, da sie sich 
eben im Gegensatze zu den 
Handelseriken „viel mehr ge- 
fallen lassen". Große Pflan- 
zen von letzteren würden 
natürlich noch besser wirken 
(was ja die belgischen „Neu- 
holländerzüchter" auf unseren 
früheren Ausstellungen so oft 
gezeigt haben), es würde aber 
ihre Kultur bei uns'durch die 
große Sorgfalt, die ihnen 
namentlich im Gießen zuteil 
werden muß, zu teuer werden. 
Da aber durch das immer mehr 
in der Gärtnerei überhand- 
nehmende „Fabrikmäßige", 
geschulte Kräfte , im Gießen 



erfahrene Gehilfen, wenn auf diese wichtige Arbeit auch weiterhin so 
wenigjWert als bis jetzt gelegt wird, immer seltener werden, das 
Gießen aber Vertrauenssache ist, dürfte auch deswegen, außer in 
Sonderbetrieben, nicht geraten sein, die besseren Eriken zu großen 
Dekorationspflanzen heranzuziehen, wenn es auch Tatsache ist, daß 
auch die empfindlicheren Eriken mit zunehmendem Alter etwas 
„dickfelliger" werden, und kleine Unregelmäßigkeiten in der Kultur 
nicht allemal gleich sehr verüblen. Viele von den angeführten 
harten Arten sind, wie die Abbildung zeigt, gar nicht so übel in 
der Blume, wenn auch die Wirkung derselben nicht so groß ist, 
daß diese Arten zum Topf verkauf geeignet wären. Da sie 
meistens in der blumenarmen Zeit blühen und deshalb zu Binderei- 
zwecken abgeschnitten gut verwendet werden können, so ist 
vielleicht der Hinweis, sie auch dazu mehr zu kultivieren, nicht 
ohne Wert, ''und könnten sie so später, wenn die in Handels- 
gärtnerkreisen jetzt bestehende Absicht, nach dem Kriege die 
südländischen Blumen im Winter nicht so stark wie ehedem ein- 
führen zu lassen, Wirklichkeit wird, -eine Lücke in Schnittblumen 
und Bindegrün ausfüllen zu helfen. B. V. 



Stauden. 





Erica 
Nach einer vom Verfasser für die 



hyalina. 

„Gartenwelt" gefertigten Aufnahme. 



Rehmannia angulata — 
Linaria triornitophora. 

(Hierzu eine Abbildung.) 
Schon oft fiel mir auf, 
daß Stauden, welche zu 
unseren allerbesten ge- 
hören, welche auch Vil- 
morin sehr empfiehlt, deren 
Anzucht eine verhältnis- 
mäßig leichte ist, in keiner 
Staudengärtnerei zu haben 
sind, weil sie eben keine 
Modeblumen sind. 

So ging es mir mit 
Rehmannia angulata und 
Linaria triornitophora, die 
weder von Herrn Arends, 
noch von den Herren 
Goos & Koenemann, noch 
von dem liebenswürdigen 
Präsidenten der Deutschen 

Dendrologengesellschaf t , 
meinem alten Regiments- 
kameraden Graf Schwerin 
zu beziehen sind. Wenn ich 
nach diesen Stauden fragte, 
antwortete man mir, man 
könne doch unmöglich alle 
Stauden haben. Dies ist 
natürlich sehr richtig, aber 
man findet soviele Stauden 
in den Staudengärtnereien, 
welche viel weniger wert 
sind und doch weiter in 
die Preisverzeichnisse kom- 
men, weil sie eben Mode 
sind. 

Die beiden genannten 
Stauden wollte ich nun 
aber haben, und ich bekam 
Samen von ihnen in der 
vorzüglidien Samenhand- 



138 



Die Gartenwelt. 



XXI, 12 



lung der Herren Haage und Schmidt, in welcher man wohl 
jeden Samen bekommen kann, der im Handel ist. 

Mein erster Versuch mit der Rehmannia mißlang insofern, 
als ich wohl nach der Frühjahrsaussaat im Herbste 1915 sehr 
schöne starke Pflanzen hatte, aber im folgenden Winter hatte 
ich nur einen jungen Gehilfen — mein Obergärtner war ein- 
gezogen worden und alle Versuche, mehrere Gehilfen zu 
bekommen, führten zu nichts — und dieser ließ mir die 
jungen Pflanzen, die eingetopft worden waren und in einem 
Kasten standen, in einer kalten Nacht ungedeckt. Es erfroren 
mir alle bis auf zwei Stück. Mit diesen beiden Pflanzen 
machte ich nun einen Versuch, ließ sie Ende Mai in meinen 
Park an eine sonnige Stelle 
pflanzen, und sie blühten 
bis Ende September bestän- 
dig, trotz der kalten, nassen 
Witterung, zur großen Freude 
meiner Frau, welche sich 
besonders für sie interes- 
sierte. Während die meisten 
anderen Stauden im selten 
schlechten Sommer 1916 
versagten, blühte die Reh- 
mannia im strömenden Re- 
gen und nicht weniger in 
einer kurzen Trockenperiode. 

Im September ließ ich 
durch einen kurz vorher bei 
mir eingetretenen Revier- 
gärtner, Herrn Blanckart, 
der seitdem der Blumen- 
abteilung bei mir vorsteht, 
von den Rehmannien Samen 
nehmen und aussäen, wenn 
auch die Aussaatszeit für 
Stauden längst vorüber war. 
Der Versuch gelang glän- 
zend. Herr Blanckart hat 
mir Pflanzen herangezogen, 
welche jetzt kaum noch 
solchen einer Frühjahrsaus- 
saat nachstehen dürften. 

Im Deutschen Gärtner- 
kalender sagt Herr Adam 
Heydt, die Rehmannia werde 
1 m hoch, ich dagegen hatte 
sie nur 0,50 m hodi, doch 
pflichte ich diesem Herrn 
bei, wenn er sagt, sie sei eine hervorragende Schnittblume. 

Neuerdings bekommt man auch Samen von Hybriden, 
von der Rehmannia tigrina, und werde ich später über diese 
berichten, wenn ich Pflanzen durch die erfolgte Aussaat be- 
kommen sollte. Der Samen keimt jedoch so schlecht, daß 
ich befürchte, keine großen Ergebnisse zu erzielen. 

Die andere, ebenfalls sehr schöne Staude, welche ich 
erprobte, ist die Linaria triornitophora. Will man sie auf 
Staudenrabatten verwenden, so ist es wohl besser, sie an 
Ort und Stelle auszusäen, will man sie dagegen für Topf- 
kultur haben, so sät man sie am besten ins Mistbeet, ver- 
stopft die jungen Pflänzchen in Töpfe und überwintert sie hell 
im Kalthause. Herr Blanckart vermehrte sie durch Stecklinge, 
teilweise im Oktober, teilweise im Januar. Die Pflänzchen 




Rehmannia angulata. 



wuchsen in sandigem Boden sehr leicht und sehen jetzt Ende 
Februar sehr vielversprechend aus. 

Ich kann diese beiden schönen Stauden jedem Stauden- 
liebhaber aufs wärmste empfehlen, weil ihre Anzucht keine 
allzu schwierige ist, wenn ich auch zugeben muß, daß mein 
Blumenreviergärtner sehr gewissenhaft ist und ich ihm vor allem 
zu verdanken habe, wenn meine vielen Versuche mit Blumen, 
welche nicht als Pflanzen im Handel zu haben sind, gelingen. 
Freiherr von Dungern-Dehrn, Königl. Kammerherr. 

Zucht und Pflege des Edelweißes Leontopodium alpinum 
Cassini. Die herrlichen, weißen Sterne des Edelweiß im Hoch- 
gebirge wird der Liebhaber- 
züchter im Flachlande niemals 
erreichen ; je weiter das Kind 
der Berge ins voralpine und 
flache Land hinausgerückt wird, 
um so mehr entwickelt das 
Edelweiß, das aus Hochasien 
eingewandert ist, Blattgrün, 
und um so mehr verlieren sich 
die Silberhaare und der lichte 
Filz, deren Anwesenheit mit 
der Atmung, der Wasser- 
regelung und dem Verdun- 
stungsschutz der Pflanzen zu- 
sammenhängt. Gleichwohl 
brauchte das gezüchtete Edel- 
weiß nicht in dem Maße zu 
kümmern und zu verkümmern, 
wie man es oft sieht, wenn 
der Liebhaber dieses poesie- 
umwobenen Korbblütlers be- 
dächte, daß er es nicht so sehr 
mit einer Felsen-, als vielmehr 
mit einer Wiesenpflanze zu 
tun hat, denn die kräftigsten 
Edelweißpflanzen stehen auf 
steinigen Alpenwiesen ; in erd- 
armem Geschröff findet man 
durchaus nicht die besten 
Stücke. Und so geben wir 
unseren Edelweißpfieglingen im 
Alpinum des Gartens, im 
Blumenkasten oder im Topfe 
ein Erdgemenge, das sich zu- 
sammensetzt aus der Erde der 
alpinen Hochwiese und der 
Erde, wie wir sie in Schrunden 
und Felsspalten finden. Wir 
müssen weiterhinbedenken, daß 
das Edelweiß gleich dem Gams 
lieber in der Sonne als im Schatten steht und daß es aus einer 
an Niederschlägen reichen Heimat stammt. Im Alpinum muß das 
Edelweiß frei stehen gleich einem die Arme der Sonne entgegen- 
breitenden Kind, höher wie die in die Felsen sich duckende 
Schneerose, höher wie der das Nasse liebende, königliche Frauen- 
schuh, aber tiefer wie Almrugei, Palsatilla alpina, und Steinröserl, 
Daphne Cneorum. Bei dieser mühelosen Rücksichtnahme auf die 
wahren und heimatbürtigen Bedürfnisse des Edelweiß kommt auch 
bei der Flachlandzucht immer noch ein Ergebnis heraus, das sich 
einigermaßen sehen lassen kann. — e — 



Polygonum alpinum (syn. undulatum, divarigatum) ist eine 
hübsche Schmuckstaude aus dieser sonst wenig für Garten- 
ausschmückung bietenden Pflanzengattung, die ihrer guten Eigen- 
schaften wegen mehr Beachtung verdiente. Sie liebt, wie die 
meisten Arten dieser Gattung, schweren, kräftigen und etwas 



XXI, 12 



Die Garteuwelt. 



139 



feuchten Boden und wird dann hier leicht bis 1,5 m hoch. Sie 
blüht im Frühsommer, wo langstenglige Staudenblumen noch 
nicht viel zu haben sind, und gibt mit ihren lockeren, gefälligen, 
weißlichen Blütenrispen einen passenden Werkstoff für Natur- 
sträuße und ähnliche Binderei. Aber auch als Dekorationsstaude 
in Einzelstellung, namentlich vor dunkelgrünen Nadelhölzern, ist 
es eine beachtenswerte Pflanze; sie bringt niemandem Enttäuschung, 
der sie angepflanzt hat. Ihre Heimat sind Südfrankreich, Italien, 
Schweiz und Sibirien, wo sie vorzugsweise in Alpentälern und an 
Flußufern wächst. In den Blumen erinnert diese Knöterichart an 
das kletternde, holzige Polygonum baldschuanicum, sie ist aber 
eine reine Staude, die sich leicht durch Stockteilung vermehren 



Aber das alles reicht doch nicht an Italien heran, wo es im 
Süden unendliche Wälder davon gibt und wo selbst in der Provinz 
Neapel, auf der Halbinsel von Sorrento, prachtvolle Wälder von 
ihr vorhanden. Kein anderer Laubwald könnte sich mit dem 
schön gepflegten und geschonten, auf gutem Boden stehenden 
Kastanienwald messen, selbst unser schöner Buchenwald nicht! 

Dunkel ist auch die Herkunft dieses Prachtbaumes. Asien und 
Amerika sind sicher seine Heimat, aber vieles, was da von Sprachen- 
und Wortbalgereien über ihn abgeleitet wird, ist nichtig. Sicher 
weiß ich, daß ich jedes Jahr von meinem Sammler 3 — 4 verschiedene 
Größen Edelkastanien, die auf hohen Bergen im Hochwalde ge- 
sammelt sind, erhalte! Sie kommt auch in Tibet reichlich vor. 



läßt und bald große Standpflanzen gibt. Wie bei allen Arten Japan hat bekanntlich große, edle Kastanien ! Der Baum muß in 
dieser Gattung, bedürfen abgeschnittene Blütenslengel viel Wasser, Zentralasien und im Osten bis hinein nach Tibet weit verbreitet 



auch die von dieser Art dürfen 
nach dem Schnitt nicht trocken 
liegen bleiben ; wird dies be- 
achtet, sind ihre Blumen, sowie 
die fast aller anderen Arten auch, 
ziemlich lange haltbar. 

B. Voigtländer. 

Obstbau. 

Ewas über die Edelkastanie. 

Die große Insel Korfu hat nur 
ein einziges, ganz kleines Ka- 
stanienwäldchen im Zentrum, in 
der Nähe von Pelletta, einem 
schöngelegenen Orte mit wunder- 
baren Aussichtspunkten. Dieses 
Wäldchen bedeckt einen runden 
Hügel nach Nordosten, und durch 
ihn läuft die Landstraße. Die 
Bäume, etwas mehr als 60 an der 
Zahl, sind vielleicht 80 Jahre alt, 
tragen nette und viele Kastanien 
und stehen auf einer rohen, 
schief erhaltigen, hier vereinzelten 
Erdscholle. Dort allein gedeihen 
auch Hortensien in tiefem Schat- 
ten, sonst nirgends auf Kerkyra. 
— Trotzdem aber sehe ich auf 
dem Markte der Stadt Korfu sehr 
edle und große Kastanien. Sie 
kommen von den Cycladen, von 
Naxos und aus dem Peloponnes! 
Im übrigen hat ganz Hellas 




sein. Die Edelkastanie wetteifert 
im Alter mit der Eiche und dem 
Oelbaume ! Man kennt Bäume in 
Italien, die sicher 900 Jahre alt 
sind. Italien erzeugt in reichen 
Jahren etwa 450 000 Tonnen 
Kastanien, die einen stattlichen 
Wert haben. Die Neapolitaner 
kochen noch heute, ganz wie es 
die Römer nach Plinius taten, die 
Kastanien und verzehren sie 
meist zum Wein oder als erstes 
Frühstück. Sprenger, Garten- 
direktor, Achilleion (Korfu). 



Polygonum alpinum. 

Nach einer für die , Gartenwelt'* gefertigten Aufnahme. 



Gemüsebau. 

Zur Frage des feldmäßigen 
und gärtnerischen Gemüse- 
baues für die 
Volksernährung. 

Von Landesökonomierat Siebert, 
Frankfurt am Main. 

(Fortsetzung.) 
Zum Schluß noch ein Wort 
an die Kommunalverwaltungen! 
Auch diese Körperschaften wur- 
den mit Beginn des Krieges 
vor große wirtschaftliche Auf- 
gaben gestellt, die ihnen vorher 
fast fremd waren. Nicht nur 
gesellschaftlich zu lösende Auf- 



Castanea vesca ! Oft im Hoch- 
gebirge einzelne Riesenbäume, öfters noch große ausgedehnte Wälder. gaben traten in vermehrtem Umfange hinzu, auch kauf- 
Diese Wälder sind die einzigen, die selbst die Nomadenhirten männische Einrichtungen auf dem Lebensmittelmarkt und 
verschonen und nicht abbrennen, um Graswuchs für ihre Herden schließlich Aufnahme und Förderung der Eigenerzeugung 



zu gewinnen ! Schade, daß es noch keine Mächte gibt, die 
solchem Frevel, solchem Wahn- und solcher Selbstsucht, die alles 
vernichtet, energisch zuleibe rücken ! 

Die größten Wälder des edlen Baumes haben Doris, Eurytanien 
und Phthiotis. Auch die Kette des Pelion und der Taygetos sind 



pflanzlicher und tierischer Art, wie Warenverkauf und Ab- 
gabe an den Handel, Einrichtung eigener städtischer Verkaufs- 
plätze u. dgl. mehr machten ihnen die Gesamtlage der Volks- 
ernährung und Verteilungsfrage zur unabweisbaren Pflicht. 



reich an Edelkastanien. Sie bevölkert die humusreichen Lagerungen Dann folgten Gründungen der X-Einrichtungen im Reiche, 
des Glimmerschiefers und reine Basaltkonglomerate, flüchtet aber denen wiederum Übergeordnete folgten, mit denen kaum noch 



von ärmlichen, steinigen Mergel- und Kalklagerungen. Darum ist 
sie auch so sparsam auf Korfu, auf Zante und Cepallenia vertreten. 
Sie geht im Gebirge etwa 1000 Meter und höher und reicht bis 
400 Meter herab. 

Wälder gibt es im Epirus bei Jannina und in Thessalien. 
Kastania ist eine Ortschaft im Pindus, die nach ihr benannt 
wurde. Ferner findet man sie auf dem Olympos, oberhalb Hagios 
Dionysios, in Eurytanien, Aetolien, Delphi, Steni usw. Auch im 
Taygetos gibt es ein Dorf „Kastania" und am Berge Malero 
ein Kastanizza ! Auch Kreta hat große Kastanienwälder. 



zu fassende Verordnungen auf allen Gebieten, Beschlag- 
nahmungen, Preisprüfungsstellen, Massenspeisungen und 
schließlich Aus- und Einfuhrverbote seitens des Reiches und 
der Bundesstaaten verbunden waren, wodurch Handel und 
Wandel oft lahmgelegt, vielfach ganz unterbunden waren, 
so daß man häufig nicht aus noch ein wußte. Wie es bei 
der gegenwärtigen Lage erklärlich ist, trat mehr oder weniger 
auf allen Gebieten eine Warenknappheit ein, nicht zum 
mindesten auf denjenigen der Ernährung, und so ist es wohl 



140 



Die Gartenwelt. 



XXI, 12 



2U tfgieiffn, dfß die Gcir.eirden hier und da zur Selbst- 
hilfe griffen und sidi allirohlich entschlossen, die Selbst- 
versorgung, unterstiit2t duich Selbsterzcugurg, des ihnen an- 
vertrauten Stadtbezirkes in die Hand zu nehmen, weil 
die ursprünglich zum Zweck der Versoigung begründeten 
Reichsslellen in dem erhofften Sinne versagten. Gewiß haben 
viele Maßnahmen ihre volle Berechtigung und auch eine ent- 
sprechende Wiikung ausgeübt, ich will jetzt nicht darauf 
eingehen, da dieses Kapitel immerhin ein unerquickliches ist. 

Aber was unsere Hauptnährfrucht, die Kartoffel, angeht, 
so habe ich von Anfang an den Standpunkt vertreten, daß 
ihre Einkapselung in eine Zwangsjacke bei vollständiger 
Ausschließung des anerkannten Handels ein Unglück zu nennen 
ist. Man kann doch Höchstpreise festsetzen, aber den ge- 
schulten Handel, der sich Jahrzehnte — ja jahrhundertelang 
trefflich bewährt hat, nicht ohne weiteres von der Bildfläche 
verschwinden lassen und an seine Stelle auf einmal eine sehr 
zweifelhafte Einrichtung mit allen möglichen Erschwernissen 
setzen. Man darf mir nicht entgegnen wollen, „das läßt 
sich jetzt gut sagen", denn ich habe schon bei den ersten 
Maßnahmen in der Frankfurter Zeitung und in anderen 
Blättern darauf hingewiesen, daß der ehrliche Handel seine 
volle Berechtigung hat. Er kennt, wie er es stets bewiesen 
hat, die geheimnisvollsten Wege, Waren herbeizuschaffen, 
Erzeuger und Verbraucher haben sich ihm anvertraut, und 
bis vor dem Kriege hatte auch jeder seine Kartoffeln an 
Menge und Güte, und diese kamen nicht von Schlesien und 
Posen. 

Wir können hier die ostpreußischen Kartoffeln nicht 
gebrauchen, wir sind solche aus unseren allernächsten Er- 
zeugungsgebieten gewöhnt, und die früheren kaufmännischen 
Vermittler wußten das auch und brachten nur erstklassige 
Ware auf den Markt. Man schreibt immer von Beförderungs- 
schwierigkeiten, und dabei fährt man die Kartoffeln auf langen 
Reisen spazieren und hat doch keine. Ein Unglück ist auch 
die Grenzabschließung seitens der Bundesstaaten. In Friedens- 
zeiten sind Hessen und Bayern froh, wenn sie das Groß- 
stadtgebiet Frankfurt a. M. versorgen dürfen und können ; 
dieser Handel wird sogar regierungsseitig unterstützt, wie 
es z. B. mit der Zentralstelle für Obstverwertung geschieht. 
Was will das heißen, wenn Hessen von der Reichskartoffel- 
stelle verpflichtet wird, 10 000 Zentner Kartoffeln hierher 
zu liefern und sich weiter auf Ansuchen des Frankfurter 
Lebensmittelamtes mit 10 000 Zentner leihweise an der Ver- 
sorgung Frankfurts beteiligte gegenüber seiner früheren er- 
giebigen Kartoffelausfuhr? 

Es wird jetzt wieder darauf hingewiesen, ob es nicht 
ratsam sei, durch einen Aufruf in den Zeitungen für einen 
vermehrten Anbau von Frühkartoffeln zu wirken. Sicherlich 
liegt eine gewisse Berechtigung in einem solchen Vorgehen, 
aber es ist notwendig, die Sache nicht von einem einseitigen 
Standpunkt zu betrachten. 

Ohne jeden Zweifel paßt die Zucht der Frühkartoffeln 
nicht für jeden Platz und nicht für jeden Boden, und wenn 
man auf einen vermehrten Anbau hinweist oder diesen noch 
empfiehlt, so wird dies zur Folge haben, daß besonders von 
unkundiger Seite Frühkartoffeln da gebaut werden, wo der 
Ertrag in keinem Verhältnis steht zu demjenigen, der von 
Spätkartoffeln auf demselben Boden erzielt werden könnte. 
Abgesehen von den Großbetrieben, die vermöge ihrer Er- 
fahrungen auf diesem Gebiete, bei geeignetem Boden usw. 
Frühkartoffeln bauen können, wird heute der Kleingärtner 



und der kleine Landwirt meist Frühkartoffeln ziehen und 
das sollte im allgemeinen genügen. Denn durch den er- 
weiterten Kleingartenbau fällt schon eine große Anzahl von 
Familien für den Bezug von Frühkartoffeln weg, weil die 
Leute für einige Zeit eigenes Gewächs zu ernten in der 
Lage sind. 

Ein anderer Grund gegen die einseitige Förderung des 
Anbaues von Frühkartoffeln besteht darin, daß infolge des 
Anreizes einer größeren Einnahme für den Augenblick, wie 
sie tatsächlich im Vorjahre durch den Schrei nach Früh- 
kartoffeln entstanden ist, — der Höchstpreis für solche bis 
15. August war auf 10 Mark für den Zentner festgesetzt — 
naturgertiäß ein größerer Anbau von Frühkartoffeln statt- 
finden wird, zu dem man nicht mehr aufzumuntern braucht. 
Was im Vorjahre an sog. Frühkartoffeln geliefert worden 
ist und verkauft werden mußte, um es vor dem Verderben 
zu schützen, soll hier nicht untersucht werden. Jedenfalls 
hätte mancher Züchter in beiderseitigem Interesse klüger 
getan, seine Kartoffeln ausreifen zu lassen, die Gewichts- 
zunahme allein hätte ihm später einen höheren Gewinn 
gebracht. Dadurch wäre der Kartoffelnot doch etwas ge- 
steuert und die Menge der Spätkartoffeln vermehrt worden. 

Wenn hervorgehoben wird, daß der Anbau von Früh- 
kartoffeln eine weitere Ernte in demselben Jahre auf dem 
damit besetzt gewesenen Lande ermöglicht, so ist dies wohl 
richtig, aber wir haben auch Gemüsesorten, deren Anzucht 
eine zweite, ja sogar dritte Ernte zuläßt. Und wenn der 
Vorrat an Brotgetreide wirklich so erfreulich ist, sollte sich 
die Bevölkerung eben einige Zeit mit Brot und Gemüse 
begnügen. Für eine möglichst reiche Ernte von Spätkartoffeln 
muß in erster Linie gesorgt werden, da es bei dem be- 
dauerlichen Mangel an Düngemitteln nicht ausgeschlossen ist, 
daß die in der Hauptsache zur Ernährung dienenden Früchte 
selbst bei günstiger Witterung eine geringere Menge ergeben 
könnten. Wir lesen auch, daß dem Anbau von Oelfrüchten 
größere Aufmerksamkeit geschenkt werden soll, und auch 
dieser Grund ist bestimmend für einen reichlicheren Anbau 
von Spätkartoffeln, da für die Oel liefernden Pflanzen 
Ländereien gebraucht werden, die von dem jetzt zur Ver- 
fügung stehenden Grund und Boden abgezogen werden 
müssen. (Schluß folgt.) 

Pflanzt Rhabarber zum Durchhalten! Pflanzt Obstbäume! 
So liest man in Fachblättern und Tageszeitungen, nebst langen 
Abhandlungen, wie dringend notwendig es ist, daß Deutschland 
sich im Obstbau vom Auslande unabhängig mache. Wenn nun auch 
der Mangel an „genügend Obst" während jetziger Kriegszeit all- 
gemein sehr fühlbar ist, das Anpflanzen neuer Obstbäume wird 
dem Uebel nicht abhelfen. Denn daß der Krieg noch toben 
sollte, wenn die jetzt gepflanzten Bäume tragbar geworden, wird 
doch niemand glauben wollen, noch weniger wünschen. 

Der Rhabarber dagegen ist ein Gemüse, das gleich im ersten 
Jahre der Pflanzung noch einen ziemlichen Ertrag bringt und im 
zweiten Jahre schon auf voller Ertraghöhe steht. Die Ansicht, 
daß er sich im ersten Jahre der Pflanzung erholen muß und eine 
Ernte in diesem Jahre ihn für das nächste Jahr ungünstig beein- 
flußt, ist unrichtig. Ich habe stets, sobald der Rhabarber mehrere 
kräftige Stiele gemacht hatte, was bei rechtzeitiger Anpflanzung 
im Juni, spätestens Anfang Juli der Fall sein wird, einige der 
jüngeren Stiele gebrochen. Bei flottem Wuchs kann man dies 
noch mehrere Male wiederholen, nur müssen einige gesunde Blätter 
zur Weiterentwicklung der Staude erhalten bleiben. 

Der Rhabarber liebt einen feuchten, durchlässigen Boden; daher 
wadist er auch besonders gut auf Moorboden. Der Grundwasser 



Xil, 12 



Die Gartenwelt. 



141 



stand darf während des Sommers nicht viel über 50 cm unter 
der Oberfläche des Bodens stehen. Als Düngung- gebraucht der 
Rhabarber viel Stickstoff und ist es ihm gleich, ob derselbe in 
Jauche und Stalldünger oder durch Kunstdünger gegeben wrird. 

Die Rhabarbersorte spielt im Ertrage keine so große Rolle ; 
denn abgesehen von alten in einzelnen Gärten noch erhaltenen 
Sorten, liefern alle angebotenen Sorten auch gute Erträge, wenn 
nur der Boden ihnen zusagt und die Stickstoffzufuhr eine ge- 
nügende ist. Die größten Stiele liefert Cyclop, doch die anderen 
Sorten liefern wiederum dementsprechend mehr Stiele, so daß die 
Ernte meistens an Masse gleich groß ist. Ueber die Verwendung 
des Rhabarbers zu schreiben, ist wohl überflüssig, da gerade er 
während der Kriegszeit in allen Küchen als billiges, vielseitig 
verwendungsfähiges Gemüse seinen Einzug gehalten hat. Auch 
die Marmeladenfabriken sind willige Abnehmer für alle Mengen 
Rhabarbers. 

Die Vermehrung geschieht am besten durch Teilung alter 
Stauden. Im zeitigen Frühjahr oder schon im Spätherbst abge- 
stochen und gleich aufgepflanzt, liefert eine solche Anpflanzung, 
wie schon gesagt, gleich im ersten Jahre einigen Ertrag. Aber 
auch noch im Mai kann man pflanzen, nur muß man die großen 
Blätter dann von den abgestochenen Teilpflanzen entfernen. Ge- 
pflanzt wird auf 1,25 m Abstand. 

Nicht unerwähnt sei noch die leichte Bearbeitung des Bodens 
in einer Rhabarberanlage, da die großen Rhabarberblätter das 
Unkraut gar nicht aufkommen lassen. Die Ernte geht ebenfalls 
schnell vonstatten, was beides bei dem allgemeinen Leutemangel 
zu beachten ist, und bei der Einträglichkeit einer Anlage eine große 
Rolle spielt. 

Darum noch einmal: „Pflanzt Rhabarber!" R. Adam. 



Zeit- und Streitfragen. 
Deutsch oder undeutsch. 

Vom Herausgeber. 
Die älteren Leser der „Gartenwelt" werden mir gewiß 
gern bestätigen, daß ich von jeher für ein gutes Deutsch in 
Wort und Schrift eingetreten bin. Schon lange vor dem 
Kriege habe ich hier wiederholt ersucht, alle entbehrlichen 
Fremdwörter zu vermeiden. Leider wird diesem Ersuchen 
nur von wenigen Mitarbeitern Folge geleistet. Ich bin ge- 
zwungen, fast alle Abhandlungen zu verdeutschen. Dadurch 
erwächst mir eine unglaubliche Arbeit, die mir besonders in 
dieser Kriegszeit, in welcher mir jede Hilfe in der Schrift- 
leitung fehlt, schwer auf die Nerven fällt. Und diese Arbeit 
ist mir vielfach noch verübelt worden, und zwar von Mit- 
arbeitern, deren Beiträge lebhaft an das babylonische Sprachen- 
gewirr gemahnen. Zu diesen Mitarbeitern gehört auch Herr 
Dr. Kanngießer. Ich w^urde oft vor die Frage gestellt, die 
Beiträge dieser Herren entweder unverdeutscht zu veröffent- 
lichen oder auf deren fernere Mitarbeit zu verzichten. Dabei 
bin ich keineswegs ein blindwütiger Fremdwortbekämpfer. 
Fremdwörter haben in alle Sprachen Eingang gefunden, sind 
auch zum Teil kaum zu entbehren, aber der Mißbrauch mit 
ihnen, der sich bei uns besonders breit macht, soll und muß 
entschieden bekämpft werden. Diese Bekämpfung kann aber 
erst dann vollen Erfolg haben, wenn sie von den maß- 
gebenden Behörden gefördert wird, wenn die „Exzellenz", 
wenn der „Pour le Merite", der „Sergeant", „Leutnant", 
„General", „Marschall", „Inspektor", „Präsident", der 
„Notar" usw. aus dem deutschen Sprachgebrauch verschwunden 
sind. Ob wir einmal so weit kommen? Ich weiß es nicht ! 
Hier und da versagt unsere Muttersprache, z. B. bei Kaffee 
(von Coffea), bei Kakao (von Theobroma Cacao), Schokolade, 
bei Tee (von Theo) usw., aber auch andere unentbehrliche 



Fremdwörter sind in verdeutschter Schreibweise in unserer 
Sprache aufgegangen. Gegen diese anzukämpfen fällt keinem 
vernünftigen Menschen ein , aber gegen die Verunreinigung 
der Muttersprache mit zusammengestohlenen fremden Brocken 
muß besonders in dieser schweren und zugleich großen 
Zeit entschieden Stellung genommen werden. 

Ich gebe nun nachstehend einem Mitarbeiter das Wort, 
dessen Mißbrauch mit Fremdwörtern andauernd auf Wider- 
spruch stößt, dessen Aufsätze Tausenden ohne Zuhilfenahme 
eines dickleibigen Fremdwörterbuches unverständlich bleiben, 
dann noch einem Mitarbeiter, der sich über solches „Deutschtum" 
ernstlich entrüstet. 

Ich brauche wohl nicht zu sagen, daß ich mit den Aus- 
führungen des Herrn Dr. K. nicht übereinstimme. Die 
deutsche Sprache rein zu erhalten, ist nicht gleichbedeutend 
mit dem Abschluß des Deutschen Reiches durch eine chinesi- 
sche Mauer. Wir nehmen das Gute wie jedes andere Volk 
von allen Seiten, machen uns Errungenschaften aller Völker 
nutzbar, führen Nutz- und Zierpflanzen bei uns ein, bleiben 
aber trotzdem Deutsche, die sich gegen die Verschandelung 
ihrer Muttersprache wehren. Die Pflanze macht, wie ja 
auch Dr. K. zugibt, vor keinem Grenzpfahl halt, rein deutsche 
Pflanzenarten gibt es nicht; manche Arten haben sich über 
die ganze Erde verbreitet, andererseits sind auch wichtige 
geistige Errungenschaften der ganzen Menschheit zugute 
gekommen. Im Frieden werden Handel und Verkehr wieder 
blühen, aber wir werden trotzdem unser Deutschtum wahren. 

Für die Folge werde ich die Annahme mit überflüssigen 
Fremdworten gespickter Beiträge ohne Ausnahme ablehnen. 
In den nachfolgenden Ausführungen des Herrn Dr. K. habe 
ich die überflüssigen Fremdwörter durch Sperrdruck 
hervorgehoben. 

Fremdwort und Fremdpflanze. Wenn auch der Krieg kein 
günstiger Boden für Toleranz, so wollen wir doch dieses edle 
Pflänzchen nicht verkümmern lassen. Nach den zahlreichen Atten- 
taten, denen es ausgesetzt war, hat es sich trotzdem wacker ge- 
halten, ebenso wie die Orchideen in den Warmhäusern, die Lorbeeren 
und Granatbäume in den Orangerien und die bescheidene, an- 
spruchslose Aspidistra elatior unserer Wohnräume. Oder wollen 
wir diese Pflanzen, weil sie aus Amerika oder gar aus Itatien und 
Japan stammen, dieserhalb vernichten? Wollen wir gar die Ak- 
klimatisationsversuche, die uns die herrlich duftende 
Douglasfichte und den Silberregen der Akazie brachten, aufgeben, 
der fremden Pflanzen oder gar des Fremdworts wegen ? Wenn 
wir der Fremdpflanze gegenüber nicht nur duldsam sind, sondern 
dieselbe sogar pflegen — obwohl manche Nichtfachleute und Ueber- 
patrioten auch dies für eine Sünde wider den heiligen deutschen 
Geist halten — dann sollen wir auch dem Fremdwort gegenüber 
tolerant bleiben, am allerwenigsten aber uns Erwachsene von 
kleinen Schulbuben (wie das eine Zeitlang Epidemie war) 
korrigieren lassen, wenn wir das in Deutschland übliche — 
in Frankreich aber obsolete — Wort „adieu" sagten. Solcher 
„französischer" Wörter gibt es dank der allgemeinen „Sprach- 
verwirrung", von der unser verehrter Mitarbeiter Herr F. Steine- 
mann in Nr. 7 der „Gartenwelt" so interessant berichtet, 
in Deutschland eine reichliche, schon unseren Urgroßvätern geläufige 
Auswahl. Sie sind nun einmal in den deutschen Sprachschatz 
übergegangen, und sie leugnen zu wollen wäre ein recht naives 
Unterfangen. Uebrigens hat kein geringerer als Goethe sich, 
sogar in einem Spottgedicht, gegen die Sprachreiniger gewandt. 
Auch die Verse unserer besten modernen deutschen Dichter (cf. 
Liliencron, Münchhausen, etc.) sind durchaus nicht immun gegen 
„welsche" Worte. Der Schönheit und dem Reichtum der deutschen 
Stilistik tuen Fremdwörter ebensowenig Abbruch wie einge- 



U2 



Die (rartenwelt. 



XXI, 12 



wanderte Pflanzen die üppige Fülle und den Reiz der heimatlichen 
Flora beeinträchtigen. Je mehr man eine Sache beherrscht, um 
so mehr erkennt man die ewige Weisheit des TraiTU (nl*). 
Denn auch die Sprachen und Floren sind, wie man gerade in 
ihren Grenzgebieten zu beobachten Gelegenheit hat, in fließendem 
Uebergang. Manche Pflanze hat sich jetzt so eingebürgert, daß 
wir nicht mehr wissen, daß sie einst fremd war, und auch die 
Lehnworte waren ja einst Fremdwörter gewesen. Verschließen 
wir uns nicht engherzig diesen Tatsachen der natürlichen Evo- 
lution. Mag jeder so sprechen, wie ihm der Mund gewachsen 
oder schreiben wie es ihm aus Herz und Hirn in die Feder gleitet. 
Hauptsache bleibt die Ehrlichkeit der Ueberzeugung! Falls aber 
die Sprachreiniger die fremdländischen „Kartoffeln" entbehren 
können, ich bin überzeugt, sie finden bei allen „Patrioten" 
aufrichtigsten Beifall für ihre „konsequente" „im vater- 
ländischen Interesse" gelegene „Aktion". 

Dr. med. et phil. F. Kanngiesser in Braunfels. 



merken, weil es immer überflüssig ist. Oder meinetwegen, Sie 
können es in fast jeden Satz hineinbringen. Beispielsweise : „Ich 
möchte nun einen Vorschlag machen, was die nächste Umgebung 
der Universitätsgebäude betrifft. Es könnte nämlich meines Er- 
achtens gar nicht schaden, wenn diesbezüglich dem Universitäts- 
gebäude auch äußerlich ein wissenschaftlicher Anstrich gegeben 
würde", - — usw. 

Vielleicht glaubt Herr Dr. Kanngiesser den schwierigen Ausdruck 
a priori könne man nur genießen, wenn man Aristoteles oder 
Kant gelesen habe. Ach ja ! Unsere Muttersprache ! Unsere 
arme Muttersprache, die Sprache Luthers, Kants, Goethes und 
Bismarcks ! ! Wann werden wir endlich stolz sein auf unser 
Deutschtum? Werden wir es nie lernen? Fast scheint es so. 

Strehle, städt. Parkinspektor. 



Das Deutschtum in unserer Sprache. Soll ich, — oder 
soll ich nicht? Ist es nicht überflüssig? so dachte ich, weil ver- 
geblich, als ich mich daran machte, etwas über das so unbeliebte 
Thema Fremdwörter zu schreiben. Wirklich, der Kram hängt 
einem bald zum Halse heraus.**) Ich bin keiner von denen, die die 
Mode mitmachen, und erst jetzt, — wo wir ergrimmt über unsere 
Feinde sind, — alle entbehrlichen Fremdwörter ausgemerzt wissen 
wollen. Ich habe schon in Friedenszeiten meine deutsche Sprache 
geliebt und für sie eine Lanze gebrochen, — auch in der „Garten- 
welt". Ein guter Stil und gutes Deutsch ist schon seit der Schule 
meine Freude gewesen. Ich gestehe auch ehrlich, daß der soge- 
nannte „papierne" Stil mir noch bei weitem ärgerlicher ist als die 
Fremdwörter, Aber beim Lesen des Artikels in dieser Zeitschrift 
(Nr. 7, 1917) von Herrn Dr. Friederich Kanngießer in Braunfels 
über Universitätsgartenanlagen wurde es mir doch zu Mute, als 
ob Schweigen nicht am Platze wäre. Ach, was für zwei schöne 
deutsche Worte „Friederich Kanngießer". Und wieviel überflüssige 
Fremdwörter in dem 51 Zeilen betragenden Aufsätzchen von diesem 
wertgeschätzten Mitarbeiter! Ja, ihr Gärtner, ihr sollt doch schon 
am Stile merken, daß der Herr etwas „Besseres" darstellt, — er 
hat studiert. Wenn er auch bescheiden den Doktortitel wegläßt, 
so soll eben die fürnehm „akademische" Ausdrucksweise das Aus- 
hängeschild für den Herrn Verfasser abgeben. Die „Gartenwelt" 
wird in der Hauptsache von Gärtnern gelesen, — ich bezweifle 
aber, daß 99 von Hundert sich sehr für Ueberflüssiges er- 
wärmen werden. Recht überflüssig ist ä priori und en passant, 
es ist nicht einmal hübsch. A priori von vornherein, en passant 
im Vorbeigehen. Empirische Tatsache? Also eine Erfahrungs- 
tatsache ! Die Herwegh'sche Sentenz werde zum Ausspruch. Ein 
Memorierstoff? Ein auswendig zu lernender Stoff. Diverse Examen 
dürften ganz harmlose verschiedene Prüfungen sein ! Idee ist eins 
der geplagtesten Fremdwörter***), — wenn es „nach meinen Ge- 
danken" ging, würde es in den meisten Fällen verschwinden. 
Signaturschilder sind Namenschilder oder Schilder mit Aufschriften, 
die Spezies ist eine Art und offizielle Namen für Pflanzen gibt 
es nicht, nur wissenschaftliche, das sind aber keine amtlichen. 
Schrecklich ist ein abrupter Uebergang, da möchte ich nicht darüber 
gehen. Ein zusammenhangloser Uebergang ist mir bei weitem 
lieber! Eine p 13 soll, — ja ist es denn möglich! eine — Seite 
sein. (Eine Speck — p, — köstlicher Gedanke !) p =^ pagina 
(allerdings nur „Buch"-seite). Zum Schlüsse lasse ich die Gesund- 
heitslehre leben, aber nicht die Hygiene. — Dann noch eine Bitte 
an den Herrn Schriftleiter: Lassen Sie immer „diesbezüglich" 
in allen Aufsätzen, auch von Akademikern weg, und die Herren 
werden das Fehlen dieses gräßlichen papiernen Wortes nie 



*) Anmerkung des Herausgebers. Alles fließt ! 
Deshalb werfe man auch die entbehrlichen Fremdwörter über Bord. 
**) Mir schon lange. Der Herausgeber. 
**•) Es würde zu weit führen, hier über den Mißbrauch dieses 
Wortes mehr zu bringen. 



Gärtnerische Preisverzeichnisse. Es muß allerdings unum- 
wunden anerkannt werden, daß eine überaus große Zahl von 
Handelsgärtnern , Samenzüchtern und -Händlern sich die großen 
Kosten und Mühen nicht verdrießen lassen, um ihren Preisver- 
zeichnissen eine würdige Ausgestaltung zu geben und den Ab- 
bildungen der angebotenen Pflanzen etwas mehr Sorgfalt zu widmen. 

Demgegenüber muß aber festgestellt werden, daß noch all- 
jährlich eine Unmenge gärtnerischer Preislisten in die Welt hinaus- 
flattern, die mit Abbildungen ausgestattet sind, deren Aufmachung 

— abgesehen von der Minderwertigkeit im künstlerischen Sinne — 
weder dem Herausgeber Ehre macht, noch ihm und noch viel 
weniger der Allgemeinheit — Gärtnern wie Liebhabern — einen 
dauernden Nutzen bringt. 

Besonders verwerflich ist es, wenn Anpreisungen von Pflanzen 
oder deren Samen von lügnerischen Zeichnungen begleitet sind, 
die oft der Wirklichkeit sehr wenig entsprechen und nicht selten 
zu irrigen Annahmen über den Wert und die Brauchbarkeit der 
angepriesenen Pflanze bezw. deren Samen verleiten. In erster 
Linie wird außerordentlich viel bei der Anfertigung von Ansichts- 
bildern gesündigt und ist mir als Grund solcher Geschmacklosig- 
keiten mehrmals entgegnet, daß — besonders bei ausgepflanzten 
;,^ Sachen — eine photographische Aufnahme oft gewissermaßen un- 
möglich sei. Dieser Auffassung möchte ich entgegenhalten, daß 
auch diesbezügliche Hindernisse überwunden werden können, wenn 
dazu die ernste Absicht vorhanden ist. Wo ein Wille, da ist 
auch ein Weg ! Daß dabei Fachkenntnis und einige Erfahrung 
nötig sind, habe ich oftmals selbst erfahren und gebe dies ohne 
weiteres zu. Berechtigt dieser Umstand aber dazu, mit wenig 
natürlichen und nicht der Wirklichkeit entsprechenden, sogenannten 
„flotten" Bildern in die Oeffentlichkeit zu treten? Ich glaube kaum! 
Es mag als zulässig anzusehen sein, wenn ausgewählte 
Stücke von Blumen und Pflanzen für Preisverzeichnisse gezeichnet 
oder pholographiert werden, soweit sie aus eigenen Beständen 
stammen und nicht mit sogenannten Kunstkniffen — wie man sie 
häufig bei Abbildungen von Tomaten, Erbsen, Bohnen usw. sieht 

— zur Erzielung einer besonderen Wirkung nachgeholfen wird; 
nebenbei gesagt werden derartige Machenschaften von Kennern 
sehr bald „enträtselt" und dementsprechend bewertet. 

Es soll und muß immer bei den abgebildeten Pflanzen usw. 
deren Eigenart vor allen Dingen gewahrt bleiben, es dürfen nicht 
Darstellungen geschaffen werden, die mit der Wirklichkeit nichts 
zu tun haben. 

Wir haben, wie schon eingangs erwähnt, eine große Anzahl 
Firmen, die in der zeitgemäßen Ausführung des Bilderschmuckes 
ihrer Preislisten gradezu vorbildlich dastehen. Abgesehen von 
wunderbaren — - freilich auch recht kostspieligen — Farbenphoto- 
graphien, mit denen einige auserwählte Firmen ihre Preisbücher 
schmücken, muß anerkannt werden, daß wir in den letzten Jahren 
in dem größten Teil der gärtnerischen Preislisten einer überaus 
großen Zahl ganz vorzüglicher, nach Photographien hergestellter 
Abbildungen begegneten. Daß sehr viele davon gärtnerischen Fach- 
zeitschriften entnommen sind, ist eine Tatsache, gegen die — 
vorausgesetzt, daß der Urheber mit der Wiedergabe sich ein- 
verstanden erklärt hat — sich keine stichhaltigen Einwendungen 



XXI, 12 



Die Gartenwelt. 



143 



machen lassen, wenn nicht durch eine besondere Aufmachung des 
Bildes oder durch den begleitenden Text der Schein erweckt wird, 
als ob das Bild eine Aufnahme aus eigenen Kulturen darstellt. 

Ist es überhaupt unbedingt erforderlich, die Preisverzeichnisse 
mit Bilderschmuck zu überladen? Wohl schwerlich! Ich möchte 
sogar behaupten, daß bei einer Ueberfüliung eines Angebotes mit 
Abbildungen die Wirkung des einzelnen Bildes außerordentlich be- 
einträchtigt wird. 

Ein weiterer Mißstand ist der übermäßige Umfang mancher 
Preisbücher (bei Sortimentsgeschäften mag eine Ausnahme gelten), 
der für die Allgemeinheit eher verwirrend als klärend wirkt. 
Ist es z. B. erforderlich, daß ein Geschäft in seinem Samenverzeichnis 
fast 200 Levkojensorten und Varietätchen aufzählt? 

Herrn. A. Sandhack. 

Mannigfaltiges. 

Von der Krankenversicherung der Gärtnerlehrlinge. 

Während nach dem Krankenversicherungsgesetze die Lehrlinge nur 
versicherungspflichtig waren, wenn sie Kost, Wohnung, Lohn oder 
«ine sonstige Vergütung erhielten, ist seit dem 1. Januar 1914 
auf Grund der Reichsversicherungsordnung die Krankenversicherungs- 
pflicht für alle Lehrlinge eingeführt, gleichviel, ob sie vom Lehr- 
herrn unterhalten werden oder nicht. Als Lehrling ist anzusehen, 
wer zum Zwecke seiner Fachausbildung in ein Beschäftigungs- 
verhältnis getreten ist. Ein Lehrvertrag ist versicherungsrechtlich 
nicht erforderlich. Auch weibliche Lehrlinge unterliegen der Ver- 
sidierungspf licht. Eine Befreiung von der Versicherungspflicht 
ist gesetzlich nur für Lehrlinge zulässig, die im Betriebe ihrer 
Eltern beschäftigt werden. Der Befreiungsantrag ist vom Arbeit- 
geber bei dem zuständigen Kassenvorstande zu stellen, der dem 
Antrage ohne weiteres Folge geben muß. Der Nachweis, daß 
der Lehrling in Krankheitsfällen versorgt ist, darf nicht verlangt 
werden, auch ist die Leistungsfähigkeit des Arbeitgebers nicht 
nachzuprüfen. Der Entwurf der Reichsversicherungsordnung wollte 
die Befreiung der Lehrlinge allgemein zulassen, wenn ihnen für 
die gesetzliche Unterstützungsdauer durch den Arbeitgeber 
Krankenpflege zugesichert war. Das Gesetz lehnte dies jedoch ab, 
weil viele Gewerbetreibende die unter Umständen hohen Kosten 
nicht würden decken können. Nach § 494 R. V. O. ist für ohne 
Entgelt beschäftigte Lehrlinge Krankengeld nicht zu zahlen. Als 
Leistung der Krankenkasse kommt für sie nur die sogenannte 
Krankenpflege in Betracht, die gesetzlich 26 Wochen dauert, durch 
die Satzung aber bis zu 52 Wochen erweitert werden kann. Zur 
Krankenpflege für Lehrlinge gehört freie ärztliche Behandlung und 
Versorgung mit Arzneien, sowie Brillen, Bruchbänder und andern 
kleineren Heilmitteln. An Stelle der häuslichen Pflege kann auch 
freie Kur und Verpflegung in einem Krankenhause gewährt werden, 
doch besteht hierzu keine Verpflichtung der Kasse. Außerdem kommt 
im Todesfalle das gesetz- und satzungsmäßige Sterbegeld in Betracht. 
Wird der Lehrling aber gegen Entgelt beschäftigt, wozu 
auch freie Wohnung und Beköstigung zu rechnen sind, so ist im 
Erkrankungsfalle auch Krankengeld zu zahlen. Da die Lehrlinge 
wohl meistens beim Lehrherrn Wohnung und Beköstigung erhalten, 
ist also in der Regel auch für Lehrlinge Anspruch auf Kranken- 
geld gegeben. Wenn aber nach dem Inhalte des Lehrvertrags 
der Lehrherr verpflichtet ist, dem Lehrling Kost und Wohnung 
zu geben, hierfür aber in Gestalt eines Lehrgeldes volle Ent- 
schädigung erhält, so ist eine Beschäftigung ohne Entgelt anzu- 
nehmen. Die Frage, ob die Gewährung von Taschengeld an 
einen Lehrling als Entgelt anzusehen sei, ist von Fall zu Fall 
unter Berücksichtigung der Umstände, unter denen das Taschen- 
geld gegeben wird, zu beurteilen. Jedenfalls liegt der Begriff 
des Entgelts nicht vor, wenn das Taschengeld mehr den Charakter 
einer Aufmunterungsprämie trägt, oder als Ersatz für gewisse 
Aufwendungen oder zur Bestreitung eigener kleiner Bedürfnisse 
gedacht ist. Die Vergütung, die dem Lehrlinge dafür gezahlt 
wird, daß er von seinem Lehrherrn keinen freien Unterhalt erhält, 
ist als Lohn anzusehen. Das Schulgeld, das der Lehrherr für 



den Lehrling zur Fachschule bezahlt, ist kein Entgelt. Ohne Entgelt 
beschäftigte Lehrlinge sind in der Regel in der niedrigsten Lohn- 
stufe zu versichern. Sobald aber ein Beschäftigungsverhältnis 
gegen Entgelt (Kost, freie Wohnung) vorliegt, tritt die Versicherung 
in einer höheren Stufe ein. Bekommt der Lehrling im zweiten oder 
dritten Lehrjahre eine Vergütung, die nicht den bloßen Charakter 
eines Taschengeldes hat, so ist der Lehrherr verpflichtet, dies 
sofort der Krankenkasse zu melden (§ 317 ff. R. V. O.). Unter- 
läßt er dies, so setzt er sich den Strafvorschriften des § 530 
R. V. O. aus. Zu betonen ist noch, daß der Lehrling nach der 
geltenden Rechtsprechung auch während der Probezeit kranken- 
versicherungspflichtig ist. W. 

Frostwirkung. Im Garten der Städtischen Gartenverwaltung 
Thorn steht eine Gruppe alter Linden, die zum Teil hohl erschienen. 
Eine derselben, von stattlicher Höhe, mit einem Stammumfang von 
2,10 m auf 1 m über dem Erdboden gemessen, zeigte äußerlich 
nicht an, daß sie hohl sei, nur hatte sie eine Narbe bis zur 
Höhe von 7 — 8 m, etwa so, wie sie bei anderen Bäumen vom 
Blitzschlag herrührt, sonst scheinbar vollständig fest verwachsen. 
Bei dem starken Froste in diesem Jahre (als niedrigste Tem- 
peratur habe ich an geschützter Stelle im Garten — 19" C ge- 
messen) öffnete sich dieser scheinbar feste Spalt — auch diese 
Linde war hohl und angefüllt mit morscher verwesender Holzmasse, 
die übermäßig stark mit Wasser gesättigt war — bis zu einer 
Breite von über 3 cm und bis zu einer Höhe von annähernd 10 m. 
Doch nicht allein die alte Narbe, eine wohl alljährlich wieder- 
kehrende Erscheinung, öffnete sich, sondern der anhaltende strenge 
Frost trieb auch an verschiedenen Stellen die feste Holzwandung 
von etwa 4 — 5 cm Stärke auseinander. 

Eine Frostwirkung, wie ich sie bisher noch nicht beobachtet habe. 
Walter Müller. 

Frostschäden. Eine eigenartige Beobachtung habe ich nach 
der ungewöhnlich starken Kälte in einer großen Neuanlage gemacht. 
Es sind fast sämtliche Tsuga canadensis und Picea Orientalis er- 
froren, die bereits vor einem Jahr gepflanzt waren und gutes 
Wachstum zeigten. Dagegen sind Pflanzen beider Arten, die im 
späten Herbst gepflanzt wurden, sogar bei leichtem Frost in die 
Erde kamen, nicht eingegangen. Eine treffende Aufklärung hier- 
für habe ich noch nicht gefunden, vielleicht weiß einer der Kollegen 
einen triftigen Grund anzugeben. Mehmel. 

Papiersäcke. Erstaunliche Leistung der deutschen Industrie. 
Eine ganze Reihe Baumwollspinnereien und Webereien haben 
aus Baumwollnot damit begonnen, Papier zu spinnen und zu weben 
mit dem Erfolg, daß damit eine ganz neue Industrie entstanden ist. 

Die Gewebe haben sich, soweit es sich um bessere und stärkere 
Güten handelt, als sehr stark und brauchbar erwiesen; sie werden 
hauptsächlich für Versandzwecke zum Einballen von Ware — be- 
sonders aber zu Papiersäcken — verwendet. 

Es gibt weitmaschige, grobe Gewebe, die durchsichtig und 
durchlässig, aber trotzdem haltbar sind und für Artikel wie Kar- 
toffeln und Obst dienen. Dagegen müssen Artikel wie Mehl, 
Getreide, Malz, Futtermittel, Salze, Zucker, Chemikalien, Samen 
usw. natürlich in dichten undurchlässigen, staubsicheren Geweben, 
die mit starkem Kreppapier hinterklebt oder sehr dicht gewebt 
sind, verpackt werden. 

Als Beweis für die Zweckmäßigkeit der starken Papiersäcke 
mag erwähnt werden, daß Millionen Sandsäcke, vor unseren braven 
Kriegern schützend aufgebaut, Verwendung finden. Ein Nachteil 
besteht darin, daß sie nicht wie Jute- oder Baumwollsäcke geflickt 
werden können. Da die letzten beiden Sorten aber immer knapper 
werden, kann mancher Betrieb sich mit Papiersäcken helfen. Die 
Nachfrage ist natürlich dementsprechend rege und kaum zu be- 
wältigen. Im übrigen wird auf die Anzeige der Firma H. Band- 
mann, Hamburg, Mönckebergstraße 9, aufmerksam gemacht. 



IDlQn jeKAnet ^riegsanleiOe bei jeüec mnl ^reDitgenoffen^ 
fi^Qft, enortaffe, fieHensberfiiQerunssgefeafihaft <ßoftonftaIt 



144 



Die Garteawelt. 



XXI, 12 



fficr feine ^ricpsanleilie seiifinEt, liilit unfern geinienTI 



Die sächsische Regierung soll um Erhöhung der Kartoffel- 
Höchstpreise ersucht werden. Die Handelskammer Plauen hat 
in ihrer letzten Gesamtsitzung beschlossen, das sächsische Ministerium 
des Innern zu ersuchen, bei den maßgebenden Stellen 
seinen Einfluß dahin geltend zu machen, daß im 
Interesse einer vergrößerten Erzeugung von Kar- 
toffeln im laufenden Jahre die an die Erzeuger zu 
zahlenden Höchstpreise wesentlich erhöht werden. 
— Zur Begründung dieses Antrages wurde folgendes ausgeführt: 
Bei einer wesentlichen Erhöhung der Höchstpreise für 
den Erzeuger dürfte mit ziemlich großer Gewißheit erwartet 
werden, daß der Landwirt mit viel mehr Lust und Liebe an den 
Anbau von Kartoffeln herangehen wird, die ihn auch die mannig- 
fachen Schwierigkeiten in der Beschaffung von Arbeitskräften, 
Geschirren und Gespannen sowie von Dünge- und sonstigen Hilfs- 
mitteln überwinden lassen. Die unvermeidliche Folge einer Herauf- 
setzung der Erzeugerhöchslpreise werde natürlich eine Erhöhung 
der Kleinhandelspreise für die Kartoffeln sein. Dieser an 
sich bedauerliche Nachteil dürfe aber nicht überschätzt werden. 
Denn selbst eine Erhöhung der Preise um 3 Mark für den Zentner 
würde einen so geringen Mehraufwand des einzelnen Haushaltes 
für die Kartoffelernährung mit sich bringen, daß sie von einem 
großen Teil der Verbraucher wohl ohne Schwierigkeiten getragen 
werden könnte, wozu gerade die Munitionsarbeiter infolge ihrer 
günstigen Lohnverhältnisse mit am ehesten in der Lage sein 
dürften. Im Notfall aber könnte der erhöhte Aufwand durch 
Rückvergütung von Reichs oder Staats wegen ausgeglichen werden. 
Diese Bedenken dürften sonach nicht ausschlaggebend sein neben 
der außerordentlich großen Bedeutung, von der eine Vermehrung 
der Kartoffelerzeugung mit Hilfe einer Heraufsetzung der Er- 
zeugerhöchstpreise für eine auskömmliche Ernährung der Bevölkerung 
und somit für das Durchhalten in der Heimat und für einen end- 
gültigen Sieg im Felde sei. — Weiter wird ausgeführt, daß die 
Ursachen der Kartoffelnot neben der unleugbaren Mißernte im 
vorigen Jahre und neben fehlerhaften Maßnahmen der Verwaltungs- 
behörden bei der Verteilung der Vorräte in erster Linie in einer 
gänzlich unzureichenden Anbaufläche zu suchen sein werden. Es werde 
daher befürchtet, daß auch im neuen Erntejahr eine zu geringe 
Bodenfläche mit Kartoffeln bebaut werde. Begründet sei diese 
Befürchtung durch die Tatsache, daß der Anbau der Kartoffel bei 
dem jetzigen Höchstpreis weniger lohne als der Anbau von Halm- 
früchten. Das mit Kartoffeln bebaute Land zwangsweise in der 
Weise zu vermehren, daß dem einzelnen Landwirt genau vorge- 
schrieben werde, welchen Teil seines Grund und Bodens er mit 
Kartoffeln bepflanzen soll, erscheine unzweckmäßig, da eine solche 
Maßnahme zu tief in das Selbstbestimmungsrecht der Landwirte 
eingreifen würde. Zudem sei es fraglich, ob sie in der Praxis 
überhaupt den gewünschten Erfolg haben würde, da in zu vielen 
Fällen auf die besonderen Verhältnisse der Einzelnen Rücksicht 
genommen werden müßte. v. H. 



Heiteres. 



Unter der Spitzmarke Sonnenstich im Winter berichtet die 
„B. Z. am Mittag" wie folgt über eine Schrift, die uns leider 
nicht in die Hände gekommen ist : 

Unsere Ernährungs-Exzellenzen und Lebensmittelausschüsse 
brauchen sich nicht mehr den Kopf zu zerbrechen. Unter dem 
Titel „Deutsche Selbsthilfe" hat ein Dresdener Bürger eine Denk- 
schrift verfaßt, die die Frage, wie unsere Ernährungsmittel ein für 
alle Male sicherzustellen sind, auf die einfachste Art von der 
Welt löst. Nämlich : „Die gesamte deutsche Gartenerde muß der 
Bestrahlung durch die Sonne absolut freigegeben werden." 

Bei Durchführung dieses Grundsatzes geht der Verfasser 
radikal vor: 



„Inbegriffen sind alle herrschaftlichen Parks, alle Gärten von 
Herrenhäusern, die Millionen Villen- und Hausgärten der großen 
und kleinen Städte, die Landgärten, die Gärten städtischer 
und Gemeindehäuser, alle städtischen freien Anlagen und Garten- 
plätze, alle noch nicht rationell ausgenützten Schrebergärten; 
nur Gärten, die gar keine Sonne haben, dürfen ausgeschlossen 
sein. Alle und jede Schattenspender, außer Obstbäumen, 
welche sorgsam gepflegt werden müssen, sind auszuroden. 
Kein Strauch darf im Deutschen Reiche mehr stehen, es sei 
denn, er trage eßbare Früchte. Dieselben müssen sämtlich 
ausgerodet, oder in Ermangelung von Arbeitskräften bis an die 
Wurzel abgehauen werden. Jeder Baum, der nicht Früchte 
trägt, muß aus den deutschen Gärten verschwinden, alle Laub- 
bäume und Koniferen entfernt, große und alte entwipfelt werden. 
Laubbäume in Alleen müssen, soweit sie anliegende Gärten 
beschatten, verschnitten werden." 
Nicht minder müssen Wildrosenfelder, wilder Wein sowie 
„alle anderen Blumen" — mit Ausnahme der Sonnenrosen — 
„während des Krieges aus den Gärten des ganzen Reiches ver- 
schwinden, sie blühen denn zur Schande des Vaterlandslosen." 
Aber auch in der Art, mit der er für seinen kühnen Plan eintritt, 
läßt es der Verfasser nicht an Energie fehlen. Seine Schrift ist, 
wie er feststellt, ergangen an : 

den Deutschen Kaiser und Kronprinz, 

die Könige, Großherzöge, Herzöge und regierenden Fürsten 

der deutschen Bundesstaaten, 
sämtliche deutsche Minister und Staatsmänner, 
die Mitglieder des deutschen Bundesrats, 
sämtliche Reichstagsabgeordneten, 

alle Bürgermeister der großen und mittleren Städte, 
die Mitglieder des sächsischen Landtags, 
2000 große deutsche Tageszeitungen." 
Kann man mehr tun für eine große Sache? Und dabei ist 
der Verfasser von rührender Bescheidenheit: „Er hält sich von 
der Oeffentlichkeit fern." Seinem begeisternden Schlußruf: „Hüter 
deutscher Ehre und Wohlfahrt, auf zur großen, befreienden Tat!" 
wird sich gewiß niemand entziehen, und nur eine Frage drängt 
sich auf : Hat der brave Mann sich nicht am Ende auch selbst 
schon allzu barhäuptig „der Bestrahlung durch die Sonne frei- 
gegeben" ? 

In einem Artikel von „Gartenbauingenieur" Ernst Köhler, Alten- 
burg (S.-A.) im „Lehrmeister im Garten und Kleintierhof" vom 
11. März lese ich folgendes: „Mitte März nahm ich mein Saatgut 
vor, ließ meinen Gartenfrauen mittels Kartoffelschäler oder Messer 
die Augen in Größe eines Pfennigstückes mit etwa einem Zenti- 
meter tiefen Fleisch ausstechen. Die ausgestochenen Augen wurden 
dann in Kisten (Pöcklings) auf Torfmull gelegt und die Kisten 
unter Mistbeetfenster, nahe dem Glas gebracht". Wie kommt der 
Mann dazu, so frage ich, seinen Gartenfrauen die Augen aus- 
stechen zu lassen und dann noch die ausgestochenen Augen in 
Kisten auf Torfmull zu legen. Solch grausame, barbarische Körper- 
verletzung wird ihn auf Jahre hinaus ins Zuchthaus bringen, aber 
auch der Begeisterung des schönen Geschlechts für den gärtne- 
rischen Beruf einen starken Dämpfer aufsetzen. M. H. 



Personalnachrichten. 

Gärtner in Waffen. 

Vizefeldwebel Johann Weißenbrunn, früherer Lehrling unseres 

Mitarbeiters Friedr. Cremer in Laupendahl bei Kettwig a. d. Br., 

wurde das Eiserne Kreuz erster Klasse verliehen. 

* t 

* 

Marmann, Peter, Gärtnereibesitzer in Coblenz, f am 4. d.M. 

Poscharsky, früherer langjähriger Inspektor des Kgl. Botan. 
Gartens in Dresden und Schöpfer des Versuchsgartens für Ein- 
bürgerung von Alpenpflanzen in Schellerhau im Erzgebirge, f im 
85. Lebensjahre. 



Berlin SW. 11; Hedemannstr. 10. Für dis Redaktion verantwortl. Max Hesdörffer. Verl. von Paul Parey. Druck: Anh. Buchdr. Gateuberg', G. Zichäus, Dessau^ 



Illustrierte Wochenschrift für den gesamten Gartenbau. 



Jahrgang XXI. 



30. März 1917. 



Nr. 13. 



Nadidruck und Nachbildung aus dem Inhalte dieser Zeitschrift werden strafrechtlich verfolgt. 



Aus deutschen Gärten. 



Gärten lothringischer Schlösser. 

Eindrücke eines feldgrauen Gärtners. 

(Hierzu acht Abbildungen nach für die „Gartenwelt" gefertigten 
Zeichnungen des Verfassers.) 

Die nur wenig kurzweilige Zeit eines Lazarettaufenthaltes 
möchte ich mir verkürzen mit einer Plauderei über schöne, 
alte Gärten unserer lothringischen Grenzlande. Dutzende 
blutige Kriege wurden um dieses ursprünglich deutsche Land 
seit der Karolingerzeit geführt, und der wechselnde Besitz 
brachte es mit sich, daß eine wohlhabende welsche Aristo- 
kratie dort Familiensitze gründen konnte, die sich bis heute 
in den Händen des Franzosentums befinden. Zumeist kamen 
die Herrschaften nur zum vorübergehenden Sommeraufenthalt 
auf ihren jenseits der blau-weiß-roten Grenzpfähle liegenden 
Besitz und verlebten die Wintermonate im geliebten Paris. 
Die alten Schlösser und Landsitze liegen verträumt, einen 
hundertjährigen Dornröschenschlaf haltend, versteckt unter 
schützendem Laubdache entzückender Gärten und Parkland- 
schaften. Ihre Entstehungszeit geht meist über die Zeit der 
großen Ludwige zurück, auf einigen liegt ein Abglanz der 
Kunst Lenötres, und besonders im toten Stein der Gebäude 
ist das formenfrohe Barock und Rokoko wohl erhalten. 





Landhausgarten an der Nied-Pange. 

Gartenwelt XXI. 



Parkweg in Pange. 

vom Reichtum der Innenausstattungen an alter, feiner Kunst 
ganz zu schweigen. 

Als ich, um das Kriegshandwerk zu erlernen, zum ersten 
Male gen Westen fuhr, der Anhalter Bahnhof unter 
tausendfältigem Hurra dröhnte und dann die letzten weißen 
Taschentücher grüßend unseren Blicken entschwanden, war 
mir und manchem anderen nidit ganz wohl ums Herze. Wir 
sollten Pioniere werden und Metz, das alte Metz war uns 
als Lehrstätte zugedacht. Unsere Phantasie vom neuen 
Handwerk wurde schon mächtig rege, als wir jenseits der 
Sandfelder und Kiefernwälder der lieben Mark Brandenburg 
waren und als wir über die alte Saale fuhren und sie mit 
ihren lieben Liedern grüßten, die deutsche Dichter uns 
schenkten. Da kam Zug in die Kolonne, wie man so sagt. 
Der Geist der Urgroßväter von 1813 war mit einemmal 
unter uns. Rechts und links winkten in jedem Orte Kinder, 
Mädchen, Frauen, alte Leute uns zu, und von besonnten 
Hügeln grüßten die Burgen uns vertraut, die Burgen, die 
mit der Geschichte der deutschen Lande so eng verwachsen 
sind. Das Kyffhäuserdenkmal, der Main weckten neue Be- 
geisterung, und als die Rebenhügel in Sicht kamen und wir 
die Koblenzer Rheinbrücke passierten, stießen wir mit 
Schampus an. Still und warm ums Herz wurde es den 

13 



146 



Die Gartenwelt. 



XXI, 13 




Parkansicht vom Schlosse des Marquis de Fange. 

Fahrtgesellen, und nach dem brausenden ersten Hurra wischte 
sich fast jeder mit der Faust die Augenwinkel aus. Es 
ist etwas herrliches um den Gefühlsausbruch der Brüderlich- 
keit, wie er sich plötzlich äußert unter Männern, die einander 
bisher fremd gewesen, aus den verschiedensten sozialen 
Klassen stammen und einer hehren Aufgabe wegen sich zusammen- 
finden und zusammenbinden. 

Metz, der erste Kasernenschliff, nicht gerade wohltuend, 
doch wohltätigster Wirkung fürs große Ganze — wir sind 
auch darüber hinweggekommen. — Bald erhielt ich ein 
Kommando als Bauleiter bei der Kaiserlichen Fortifikation, 
und es verwirklichte sich damit ein Traum der Kinderzeit 

— Festungen bauen. — Wie oft spielten wir's am Sandufer 
heimatlicher Flußläufe oder mit dem Holz- oder Steinbau- 
kasten, jetzt mit Hunderttausenden Kubikmetern Portland- 
zement, Kies und Eisenarmierungen, mit Panzerplatten von 
mehreren tausend Zentnern, mit Panzertürmen und darunter 
sdilafenden bösartigen Spielzeugen , die wir sorgsam ver- 
steckten, „verschleierten", wie der technische Ausdruck heißt 

— mit hundertfältigem geeigneten Pflanzenmaterial und unter 
liebevoller Bearbeitung der Bodenprofile, so daß der ahnungs- 
lose Beschauer eine harmlose Landschaft zu sehen vermeinte, 
besonders aber die neugierigen Vögel in der Luft nichts zu 
entdecken fanden. 

So recht eine Arbeit für den begeisterten Landschafter, 
wie ich es bin. Sehr früh auf und sehr spät nieder, als 
Begleiter Nivellierinstrument und Meßkette und Zeichenblock. 
Da an vielen Orten mit vielen hundert Leuten gebaut 
wurde, war eben täglidies Herumreisen in einem oder ver- 
schiedenen Abschnitten erforderlich, und dabei lernte ich das 
schöne, gerade uns Gärtnern so überaus interessante Land 
kennen. Ab und zu konnte ich mir Zeit erwirken zum 
Besuche prächtiger Gärten, von der Liebe eines gartenbau- 
gewohnten Volkes sorglich gepflegt und wirtschaftlich zu 
staunenswertem Höchstertrag gebracht. Gründlichste Gemüse- 
kulturen, Treiberei von Gemüse und Champignons, der Obst- 
bau am Spalier nötigen besondere Achtung ab, und es ist 
ein Genuß, wenn man mit der heimischen Bevölkerung etwas 
Fühlung gewonnen hat und eindringen kann in die schmucken 
Gärten, die hinter den bekannten welschen Mauern, unsicht- 
bar für den Beschauer von der Straße, liegen. Es sind das 
noch die Mauern, die bei den Straßenkämpfen im Jahre 



1870 uns so viele Opfer kosteten. Blumenzucht und -Pflege 
ist gleichfalls ein Gebiet, wo den Landsleuten der jungen 
Westmark des Reiches vollste Anerkennung zu zollen ist. 

Ich erinnere mich hierbei an Franz Goeschke "f, meinen 
lieben, alten Lehrer in Proskau. Er hat so oft vom Metzerland 
und den Gartenbildern der Moseltalaue uns erzählt und 
begeistert geschwärmt von dem dendrologischen Reichtum 
der alten Franzosenparks, von den Ersteinführungen der 
Firma Simon Louis freres, besonders an prächtigen 
Koniferen. An der Landstraße, an Stelle längst verschwundener 
Siedelungen, bei Ruinen vorletzten Kriegs, stehen zur Ver- 
wunderung der kundigen Wanderer Exemplare von Abtes 
Pinsapo, Taxodien, die man in Brusthöhe knapp mit den 
Armen umfassen kann, Libanonzedern und andere wertvolle 
Nadelhölzer. Mehrhundertjährige gesundheitstrotzende Hecken 
von Aucuba und Kirschlorbeer sind da und dort besonderer 
Aufmerksamkeit wert zu erachten. Uralte Zentifolienbüsche 
und überhaupt die guten, alten, düfteschweren, dicken Rosen, 
wie sie die Großmütter liebten und welche mir wieder liebe 
Erinnerungen an die Kinderzeit weckten. Das konservative 
Festhalten am erprobten Pflanzenmaterial gehört zum schönsten 
Eigentum dieses arbeitsamen Völkchens von Gärtnern. 

Von Vororten der Stadt Metz , die den bürgerlichen 
Hausgarten in besonders schöner alter Art erhalten haben, 
nenne ich Scy, Plantieres und Montigny. Einige alte, 
schöne Schloßgärten, deren Bilder ich hier zeige, sind in 
Crepy-Peltre, Pange und dem nahen Maizeroy, in Aubigny 
und Grange aux Bois, letztere beiden beim Dorfe Ars 
Laquenexy und in Montoy, unweit von Colombey, wo sich ein 
riesiges Totenfeld vom siebenziger Kriege befindet. An den 
damaligen Krieg mahnen dort Dutzende von Denkmalen 
ganzer Regimenter und überall mitten in Feldern, an Wegen, 
in Gärten und Wäldern tausende weiße Holzkreuzehen, 
worunter die Unbekannten, Freund und Feind nebeneinander 
gebettet sind. Die Mutter Erde muß dieses Mal noch 
blutigere Saat aufnehmen, und jeder von uns hat liebe 
Menschen, Väter, Brüder, Vettern und Bekannte opfern 
müssen; mag ihnen die Erde im fremden Land leicht sein. 

Zu den hier veröffentlichten Bildern bemerke ich, daß 
sie die ergänzende Folge darstellen zu bereits im Vorjahre 
in der „Bauwelt", Nr. 12, vom 23. März 1916 veröffent- 
lichten Abbildungen. Metz am nächsten liegt Crepy-Peltre, 
mit der Bahn in einer halben Stunde erreichbar. Das 




Aus dem Schloßgarten des Marquis de Pange. 



i 



SXI, 13 



Die Gartenwelt. 



147 




Landhausgarten der Mme de Belleville, Maizeroy. 

Schlößchen liegt in großem Park direkt am Bahnhof und ist 
wie fast an allen Orten, wo die Herrschaften eine Kriegs- 
ferienreise nach Frankreich oder der neutralen Schweiz dem 
Hiersein vorgezogen haben, vom Herrn Ortskommandanten 
bewohnt, der es sorgsam hegt. An die rechte Seite des 
einfachen Empirebaues ist eine rechteckige, der Größe des 
Gebäudegrundrisses ungefähr entsprechende Lindenpflanzung 
angeschlossen, die ein dichtes, kubusartig geschnittenes Laub- 
dach bildet. Es ist diese Form bei den Gärten und Häusern 
des Spätbarock und Empire oft wiederkehrend. So in 
Montigny, am Gebäude der Sammlungen, das im botanischen 
Garten steht, dann einige Minuten weiter am Landhaus 
des Herrn Oberstabsarzt Dr. Reuter. Letztgenannter Garten 
birgt unter verwildertem Gebüsch noch die raumkünstlerisch 
famosen Grundformen, die sein Schöpfer ihm verlieh. An 
anderer Stelle werde ich diesen Garten veröffentlichen und 
ihn auch wieder herzustellen versuchen. Ein schönes 
Bild zeigt die in Crepy den Hofraum vom Park trennende 
Mauer mit reichem schmiedeeisernen Tor, an die sich ein 
alter, dicker Baum lehnt, mit mächtig ausladender Krone 
einen für die Pferde hingestellten Steintrog beschattend. 
Diese Tröge zum Tränken der Herrschaftspferde nach dem 
Jagdritt, stehen in allen Sdiloßhöfen ; auch ein Bildchen von 
Pange läßt diese Einrichtung wiedererkennen. Pange liegt an 
derselben Bahnstrecke , ungefähr eine Stunde Fahrtdauer. 
Der sehr alte Herrensitz des Marquis de Pange liegt in 
großer, ideal schöner Parkaue, die das Niedflüßchen anmutig 
durchschlängelt. An Gehölzrändern in den Wiesen stehen 
Marmorgötterbilder aus der galanten Zeit, große Schneißen 
durchziehen sternförmig Eichen- und Buchenhaine, Blicke 
weit ins Land öffnend bis über die Grenze. Das Gebäude, 
das die Herrschaftswohnung birgt, die gegenwärtig auch vom 
Ortskommandanten bewohnt ist, steht mit der Parkterrasse 
direkt am Wasser der Nied, die übrigens zur Hochwasserzeit 
recht bösartig aus den Ufern tritt. Die Nied läuft dann 
gleich der Dorfhauptstraße; es liegen an ihren Ufern noch 
einige kleinere Empirelandhäuser gutgestellter Bürgerfamilien, 
voll feinen Hausgerätes aus der Zeit vor dem ersten Napoleon, 
Wie belebt sich für den geschichtskundigen Beschauer die 
Vergangenheit solcher Häuser des feinen, alten Aristo- 
kratentums. Museumsammlungen können mir nun nach diesen 
Genüssen nichts mehr bedeuten. Neben den Möbeln, dem 
alten Gebrauchsporzellan, den kupfernen Küchengeräten, dem 



Tafelsilber und dem Wäschespind voller köstlicher Reichtümer, 
waren mir interessanteren Umganges wert die Bibliotheken 
und, wenn man Vertrauen erworben hatte, auch die .... 
Schnäpse und auserlesenen Weine, die der Herr Ver- 
walter nicht jeden kosten läßt. Bei solchen Zaubertränken 
habe ich hundert Jahr nicht angerührte Plansammlungen von 
Gartengrundrissen studieren können, habe ich alte Texte 
französischer Patoischansons mir zur Laute vorsingen lassen 
und Briefe aus der Zeit der Bluthochzeit gelesen. 

Was mir als neuem Gartengestalter in den einfachen 
Gärten bei diesen Landhäusern so überaus wertvoll erscheint, 
ist die Komposition von Vertikalen und Horizontalen, der 
überhaupt glänzend feine Ausgleich von Flächenverhältnissen 
durch flache Terrassierungen, eiiigefügte Heckenwände und 
aufgesetzte Klumps. Die Gartenflächen der drei Gärtchen, 
die ich hier zeige, sind eine jede kaum größer als ein preuß. 
Morgen, das Blumengärtchen vom Obstgarten und sdimuckvollen 
Grasgarten immer . durchaus getrennt, und zwar vorbildlich 
sachlich und schön. Auch die in ihrer Exaktheit und Sauber- 
keit schmuckvoll einwandfreien Küchengärtchen, vom Zierrasen 
nur durch Hecke und Tür getrennt, nicht versteckt hinter 
hohem Gebüsch, müssen hier gelobt werden. Die Weinlauben 
und Gartenhäuser nicht zu vergessen, aus denen in fried- 
licheren Zeiten der Gesang junger Mädchen zum Aveglöckchen 
klingt. Ein eigenartiger Typ, das Lothringer Landmädchen 
in der Zeit seiner beginnenden Blüte, die infolge des romani- 
schen Bluteinschlags recht früh fällt. Die schlanken und 




Hofecke in Crepy-Peltre. 

leicht gebauten Figuren mittlerer Größe haben sie von 
Corots Nymphen und die Köpfchen von der Madonna; reden 
wir nicht weiter drüber. Ein Kapitel über unserer lieben 
Frauen Garten würde schließlich zu lang. 

Von Pange werden wir durch Wiesen und Felder nach 
Maizeroy gehen, einem feinen alten Dörfchen, welches auch 
einen mäßig großen Landsitz aus der Spätbarockzeit birgt, 
durch Mauern wieder sorgsam abgetrennt vom Ortsbild. 
Ueber die Mauern ragen an zwei Seiten die regelmäßig ver- 
schnittenen Kubusse einer Doppelreihe Maulbeerbäume. Im 
Garten, durch das Tor sichtbar, beiderseitig des Mittelweges 
steinerner Schmuck. Ein hohes, rohgeformtes, altes Brunnen- 
becken mit einem Kinderfigürchen mitten drauf und als 
Gegenstück eine alte Sonnenuhr auf jenseitigem Rasenfleck. 



148 



Die Gartenwelt. 



XXI, 13 



Das Haus, eingesponnen von Efeu, Wistarien und Schling- 
rosen, umgürtelt von einer hundertjährigen Staudenrabatte, 
ist so recht eigentlich ein Romanschlößchen zu nennen. Im 
hinteren parkartigen Garten finden wir zwei entzückende 
Barockbrunnen mit Meerweibchen und wasserspeiendem Faun. 
Hier wie in Crepy ist eine kleine Orangerie mit bis zur 






a^kl;;.; ,f iy| r^ ^ päL ^ LMi'itoftiJül 





Landhausgarten an der Nied in Fange. 

Erde reichenden Fenstern den Wirtschaftsgebäuden angefügt 
und in das Farkbild mit hineingezogen. Die Gebäude- 
gruppierung im Gesamtgrundriß zeugt hier und überall von 
wohlüberlegter Gestaltungskraft der alten Baumeister, und 
die Einfügung des ganzen Besitzes ins Landschaftsbild ist 
meisterlich durchdacht. Man kann die verschiedenen Bau- 
perioden genau verfolgen, wiewohl Ergänzungen stets takt- 
volle Rücksicht auf früher bestandene Teile des Ganzen ge- 
nommen haben. An Türen und Toren besonders erkennt 
man zarteste Rücksichtnahme auf früher bestandenes Fflanzen- 
material. Um einen stattlichen Baumrecken zu erhalten, 
zu schonen, verlegte man die Mauer in feinem Bogen herum, 
wiederholte womöglich den Bogen förmlich genau auf der 
anderen Türseite und ließ so reizvolle Eingänge entstehen 
unter dem Schutz hundert und mehrhundertjähriger Ulmen, 
Linden, Flatanen, Kastanien (eßbare u. a.). Weiter geben 
im Farkbilde und großen Landschaftsbilde die Nußbäume 
mit ihren riesigen Kronen ein besonders mit Reihen schlanker 
Pyramidenpappeln der Zeit des ersten Napoleon wunder- 
sam wirkendes Bild. Aus den armen Nußbäumen sind 
nun unterdessen, der furchtbaren Gewalt der Zeit folgend, 
Gewehrschäfte geworden. Wie lange wird es dauern, bis 
der von uns gepflanzte junge Nachwuchs so groß sein wird 
wie die alten Hüter der Landschaft, die nun auch für unser 
Vaterland gestorben sind? Es hat mir immer persönlichen 
Schmerz bereitet, wenn ich an kalten Wintertagen die Axt 
in einem Fark klingen hörte; es war immer ein Nußbaum, 
dem die Streiche galten. 

Nach unserem Ausgangspunkt, Peltre, zurückkehrend, 
machen wir einen einstündigen Spaziergang nach dem protzigen 



neuen Schloß Mercy, das an Stelle des 1870 zusammen- 
geschossenen alten Schlosses erbaut wurde, und das inmitten 
eines äußerst schäbigen mit vielen Mitteln von Fariser Garten- 
künstlern erbauten Farks liegt, würdig durchaus des Gebäudes, 
das auch von Fariser Baumeistern mit vielen Millionen Kosten 
errichtet wurde, noch unfertig von der geflohenen Besitzerin 
beim Kriegsbeginn verlassen. Innen mit königlicher Fracht, 
jedoch überladen prunkvoll ausgestattet, mit Goldstuck, Decken- 
und Wandgemälden, Holzschnitzwerken, Malereien, Gobelins 
und Möbeln, deren jedes einzelne allerdings, wie die Kamine 
auch — Kabinettstück genannt werden muß. Dieser Neubau und 
die Farkanlage bedeuten ein krasses Beispiel von dem toten 
Punkt, auf dem die neue französische Architektenschaft an- 
gelangt ist. Das große Erstehen einer zeitgeistigen Wohnungs- 
und Gartenkunst, das uns Deutschen die Jahrhundertwende 
brachte, hat drüben keinen Widerhall gefunden, weil dem 
jüngsten Frankreich noch immer die Anlage zur Verinner- 
lichung, zur ethischen Vertiefung des Lebens fehlt. 

Ich möchte heute bereits behaupten, daß wir bald 
wieder uns ein wenig heitere Barockkunst in unsere Gärten 
holen, natürlich abgesehen von den Schnörkeln und Irrungen, 
die nicht zum deutschen Geist des 20. Jahrhunderts passen. 
Die elegante Grazie unserer Zeit ist aber sehr wohl imstande, 
in unserem neuen Garten zum Ausdruck gebracht zu werden. 
Vielerlei Hindernisse, die dem ernsthaft arbeitenden Neu- 
gartengestalter bis vor kurzer Zeit noch den Weg sperrten, 
hat er bereits aus der Bahn geschafft. Er hat vor allen 
Dingen die ungeheuerlich großen Mittel, die das vielgestaltige 
Pflanzenreich ihm bietet, neu geordnet nach den Verwendungs- 




^OL^ iH*i 



Parkhäuschen in Montoy. 

möglichkeiten unter Wechselwirkung zueinander und zum 
toten Baumaterial. Es haben sich unter den vielen, die sich 
berufen glaubten, einige wenige starke Pioniere heraus- 
kristallisiert, die die Formgebung mit dem schönen Material 
meistern lernten und die in ihrer neuen Sondertätigkeit dem 
großen Gärtnerberuf neue Ehren bringen werden durch 



fjft'hitje zur iiluatrierten HocAe/i. 

„Die OurtenweU 



sc/iriß 



\'cHag von Poa/ Paregm Berlin SWü, 

HedennmtiKhxißf 10— tl. 




M 






^M«• 



^"'('. 



.•'as»»>r'Si 



%'' 




'* '>fs\ 'X. 



Tafelbimen 

I. VereJn.s Dprhantshinie ' 
Z.Fran Zonise Goeffie 
3. J'oT^üejibimen 
4 ' Ze Xeciier 



•'^\'.^. 



XXI, 13 



Die Gartenwelt. 



149 



herrliches uneingeschränktes Schaffen. Mir selbst bedeuten die 
Eindrücke, die ich 1915 und 1916 da unten in unserer 
Westmark gewonnen habe, große Bereicherung. Mögen 
die kurzen Zeilen, von den Skizzen begleitet, recht vielen 
Kollegen anregend oder wenigstens unterhaltsam sein. 

Erich Pepinski. 

Rosen. 



Alte und neue, reichblühende Schnitt- und Beetrosen. 

Zur Zeit des letzten Rosenflors hatte ich oft Gelegenheit, 
einen in mustergültiger Ordnung gehaltenen, öffentlichen 
Rosengarten zu besuchen und verschiedene alte und neue 
Sorten auf Reichblütigkeit und Farbenwirkung zu beobachten. 

Interessant waren dabei die Eindrücke, welche die einzelnen, 
besonders noch neueren Sorten auf das großePublikum machten, 
und wie verschiedenartig ihr Wert und ihre Vorzüge beurteilt 
wurden. Dabei ließ sich auch erkennen, daß manche ältere 
Sorte heute immer noch eine führende Stelle einnimmt und 
trotz vieler Neueinführungen bisher nicht zu verdrängen war. 

In der Hauptsache waren es die als niedrige Busch- oder 
Gruppenrosen angepflanzten Sorten, die meist der Remontant- 
oder Teehybridklasse angehörten, welche ein andauernd reiches 
Blühen zeitigten und dort die meiste Beachtung fanden. 
Damit soll aber keineswegs gesagt sein, daß die in Hoch- 
und Halbstammform gezogenen, vielfach gleichen Sorten, zur 
Zeit der Hauptblüte nicht auch ihren Zweck erfüllt hätten. 
Ich möchte hier nur an die so unendlich dankbare und noch 
kaum übertroffene ältere rosafarbene Sorte Mme Caroline 
Testout erinnern, die besonders in stärkeren Pflanzen zur 
Blütezeit ihresgleichen sucht. Der Gesamteindruck einer 
niederen Pflanzung auf größeren Flächen wird aber dadurch 
viel wirksamer und reizvoller, weil sich die ganze Anpflanzung 
viel besser übersehen läßt und die volle Blumenmenge ganz 
anders auf uns einwirkt. 

Vor meinem Auge stehen dabei immer noch jene riesigen 
Lambertschen Rosenanpflanzungen auf der Breslauer Garten- 
bauaustellung 1913, die zur Zeit der Hauptblüte gegen Ende 
Juni eine Schönheit und Farbenwirkung zeigten, die sich 
durch Worte schwer beschreiben läßt. 

Da es sich bei größeren Rosenanpflanzungen in der Haupt- 
sache um eine gute Sortenwahl handelt, dürfte es vielleicht 
nicht ganz ohne Interesse sein, zu erfahren, welche von den 
älteren und neueren Sorten sich im letzten Sommer durch 
Reichblütigkeit und Farbenschönheit hier besonders bewährt 
haben und daher zur Anpflanzung bedingungslos empfohlen 
werden können. 

Von den verschiedenen Hauptfärbungen, in denen sich 
unsere Rosensorten zeigen, waren es hauptsächlich die rosa- 
farbenen Töne in verschiedenen Abstufungen, die am meisten 
vorhanden waren und stark hervortraten. Von schon be- 
kannten älteren Sorten blühten besonders reich, auch ein- 
wandfrei in der Vollkommenheit der Blume und von erlesener 
Schönheit : Mme Caroline Testout, Mme Abel Chatenay, Mme 
Jules Grolez, Farbenkönigin, Grace Darling, Belle Siebrecht, 
Königin Carola und Pharisäer. 

Noch neuer und weniger bekannt sind in diesem Farben- 
ton Dean Hole, lachsrosa, eine kräftig wachsende Teehybride 
mit großen Blumen, General Superior Arnold Jansson, leuchtend 
karminrosa, mit riesiger, sehr langgestielter Blume, prächtige 
Wirkungsfarbe, Georg Arends, eine rosa blühende Drusc/i^i von 
feinem Duft, Jonkheer J. L. Mook, silbrig rosa, innen dunkel- 



rosa, sehr eigenartig, Lady Ashtown, reinrosa mit gelbem Schein, 
La Tosca, zartrosa, weiß und gelb beschattet, Laurent Carle, 
glänzend karminrosa, Mme Segond Weber, zartlachsfarben mit 
hellerer Mitte, und Sachsengruß, zartfleischfarbigrosa, sehr 
großblumig und starkwachsend. 

Im ganz dunklen Rot bis Braunrot fielen durch Blumen- 
schönheit, edle Form und Reichblütigkeit auf die gute alte 
Eugene Fürst, Fisher & Holmes, Louis van Houtte, General 
Jaqueminot, Princesse de Bearn und Ruhm der Gartenwelt. 
Sehr wirksam waren auch die leuchtend rot blühenden Sorten, 
und am schönsten von diesen : Ecarlate, von großer Reich- 
blütigkeit, Eclair, durchdringend leuchtend, Etoile de France, be- 
sonders großblumig, Radiance, leuchtend karmin, General 
Mac Arthur, Blume von edel gebauter Form, Oberhofgärtner 
Singer und Richmond, mit kräftigem, gesundem Wuchs. 

Als schönste weiße und hellfarbene Schnitt- und Gruppen- 
sorten sind immer noch anzusprechen die starkwüchsige Frau 
Karl Druschki, auch Schneekönigin genannt, Gloire Lyonnaise, 
weiß mit gelbem Grund, Kaiserin Auguste Viktoria, die be- 
kannte gute rahmweiße Sorte mit gelber Tönung, Oberbürger- 
meister Dr. Tröndlin, der sehr dankbar blühende Sport von 
Mme Caroline Testout, Viscountess Folkestone und der sehr 
gute Blüher Weiße Maman Cochet. 

Selten schön und vornehm wirkten auch die reingelben 
und gelbgetönten Sorten, von denen ich die folgenden als 
gute Auslese empfehlen möchte : Etoile de Lyon, Franz Deegen, 
zartgelb mit dunkler Mitte, Lyonrose, chromgelb, in lachs- 
rot übergehend, Mademoiselle Franziska Krüger, sehr reich- 
blühend, in der Färbung etwas matt kupfrig beschattet, Mme 
Hoste, gelblich weiß, im Grunde dunkler, Mme Ravary, 
dunkelorangegelb mit länglicher Knospe, Marie van Houtte, 
gelblichweiß, rosa gerandet, Mrs Aron Ward, orangegelb, 
Prince de Bulgarie, fleischfarbig mit lachs und Rayon d'or, 
eine orangegelbe, eigenartig wirkende Luteahybride, die im 
aufgeblühten Zustande rein hellgelb erscheint und eine der 
schönsten Sorten in dieser Färbung darstellt. 

Von den so dankbaren und zierlichen Polyantharosen 
waren die leuchtende, dunkelfarbige Jessie, Orleans Rose 
und Erna Teschendorff von ganz erlesener Schönheit und 
üppig entwickelt. — Besonders freute es mich, bei der 
zuletztgenannten feststellen zu können, daß die Pflanzen voll- 
ständig gesund und ohne jeden Befall waren, was ich in den 
Vorjahren von dieser Sorte nicht immer bekaupten konnte. 
— Mme N. Levavasseur, welche als Buschrose in der Färbung 
längst übertroffen und entbehrlich geworden ist , war in 
Halbstammform zur Blütezeit von wirkungsvoller Schönheit; 
es kann die Anpflanzung in dieser Form auch der andern 
Polyanthasorten, da die meisten gut remontieren und lange 
in Blüte stehen, nur empfohlen werden. 

Unter den so reichblühenden Schlingrosen, die vielfach 
auf Hochstamm veredelt Verwendung gefunden hatten, und 
in riesigen Kronen blühten, traten Euphrosyne, Tausendschön, 
Rubin, Leuchtstern und die später blühenden Sorten Dorothy 
Perkins, White Dorothy Perkins und Hiawatha durch ihre 
Blumenfülle ganz besonders hervor, dasselbe kann von der 
leicht gefüllten, reinweißen Ruga gesagt werden, die ebenfalls 
übervoll mit Blumen bedeckt war. 

Diese so reichblühenden und wenig empfindlichen Schling- 
rosen kommen an freistehenden Säulengängen, Gittern, 
Bailustraden usw. oder in Hochstammform als Trauerrosen 
immer vollkommener zur Entwicklung, wie an festen Mauern 
und Hauswänden, bei denen der Luftzug nicht Zutritt hat. 



150 



Die Gai-teuwelt. 



XXI, 13 



die Pflanzen in den meisten Fällen stark unter Mehltaubefall 
zu leiden haben und sich auch nicht richtig entfalten können. 
— Es gibt gerade zur Hausberankung genug andere schön- 
blühende und auch wirkungsvolle Schlinger, die noch rasch- 
wüchsiger als alle Kletterrosen sind, so daß man mit den edlen 
Rankrosen in den andern Gartenteilen und in unmittelbarer 
Hausnähe viel bessere Wirkungen erzielen kann und dabei 
noch die Gewähr hat, daß die Pflanzen gesunder bleiben 
und vollkommenere Blumen bringen. q, Schönborn. 

Stauden. 



Eine recht ansprechende, dankbare Gesteiospflaaze ist die zum 
alpinen Florenbereich gehörige Veronica repens, in Spanien und 
auf der Insel Corsica beheimatet. Sie ist eine ganz niedrige, 
kriechende Staude mit saftgrünen, unbehaarten, kleinen, rundlichen 
Blättern und fast kopfigen Blütenständen. Die Farbe der Blumen 
ist hell lichtbläulich bis fast reinweiß. Sie liebt sonnigen bis leicht 
beschatteten Standort und recht durchlässigen mit Schutt und 
Ziegelmehl verbesserten Boden, und bildet unter diesen Be- 
dingungen bald große, ausgedehnte Bestände. Zwar wächst sie 
auch auf schweren Böden, und hier gezogene Pflanzen geben bald 
starke Klumpen, die umgepflanzt, hier am Ort als billige Topfpflanzen 
stark Abgang finden. Um ihren alpinen Charakter zu wahren, 
möchten ihr aber die erwähnten Bedingungen gewährt werden, 
obwohl sie in fettem Boden wohl schneller wächst, auf Kosten der 
reizenden Blüte sich aber bald und sehr stark verändert und ausartet. 
Eigentümlich ist, daß diese Ehrenpreisart, die allerdings noch 
nicht sehr alt zu sein scheint, denn in den älteren botanischen 
Büchern und auch in Kulturbüchern wie Vo6-Vilmorin von 1896 
und Bosses Blumengärtnerei von 1859 ist diese Pflanze noch 
nicht zu finden, so wenig angetroffen wird. Ich wurde auf sie 
in einem Privatgarten aufmerksam, wo sie im „Alpinum", dem 
üblichen runden Steinhaufen, in der Mitte mit einer wasser- 
sprudelnden Figur, sich prachtvoll entwickelt hatte und hier einen 
Blütenstand neben dem andern erscheinen ließ. Da ihre Anschaffungs- 
koslen nicht hoch sind und sie eine der dauerhaftesten Arten 
dieser Gattung ist, sei ihr eine größere Verbreitung gewünscht. 

B. Voigtländer. 



Zwiebel- und 
Knollenpflanzen. 

DieHeranzucht der 

Freesien für den 

Blumenschnitt. 

Von Curt Reiter, 

zurzeit im Felde. 

Bedauerlicherweise 
sind die wunderhüb- 
schen, duftenden Free- 
sien nur sehr wenig 
zur Schnittblumenge- 
winnung herangezogen 
worden, weil die gün- 
stige Einfuhrmöglich- 
keit aus dem Süden 
eine gewinnbringende 
Kultur unmöglich 

machte. Da durch den 
Krieg auch in der Gärt- 
nerei andere Verhält- 
nisse geschaffen sind, 
kommen nun wieder 




viele Blumengattungen zu ihrem Recht, die bisher vernach- 
lässigt wurden. Zu diesen gehören auch die Freesien, deren 
Heranzucht unter den jetzigen Verhältnissen warm zu befür- 
worten ist. 

Die Vermehrung der Freesien geschieht durch Aussaat 
im Frühjahr, zu einem Zeitpunkt, der sich aus dem ge- 
wünschten Eintritt des Blumenertrages ergibt. Von der Zeit 
der Aussaat bis zum Eintritt der Blüte rechnet man etwa 
6 bis 7 Monate. Die Blütezeit der Freesien dauert nur 
etwa 14 Tage, so daß man darauf bedacht sein muß, die 
Aussaaten in Abständen von 14 Tagen zu wiederholen. 

Die Aussaat geschieht am vorteilhaftesten in Handkästen, 
in eine kräftige, aber durchlässige Erde. Sobald die Säm- 
linge das zweite Blatt entwickelt haben, verstopft man sie 
wiederum in Handkästen, in einer Entfernung von etwa 4 cm 
voneinander. Die Kästen stellt man in ein halbwarmes 
Mistbeet, bis die Pflänzchen gut angewachsen sind. Bei 
Bedarf ist zu lüften und zu beschatten. Nach genügender 
Abhärtung erhalten die Pflanzen einen sonnigen Platz im 
Freien. Durch ausreichende Bewässerung und gelegentliche 
leichte Dunggüsse sorgt man für ein kräftiges, gesundes, 
üppiges Wachstum, welches die Vorbedingung für langgestielte, 
einwandfreie Blumen ist. Zu große Trockenheit beeinträchtigt 
das Wachstum und läßt die Blattspitzen braun werden. 
Letzterer Umstand, über den oft geklagt wird, ist immer 
ein Zeichen schlechter Behandlung. 

Sobald es die Witterung im Herbst erfordert, stellt man 
die nun üppig bewachsenen Kästen ins Kalthaus und sorgt 
dort, bis die Knospen zum Vorschein kommen, für einen 
Standort bei 6 bis 8 " C. Dann erst kann man die Wärme 
auf 10 bis 12 ° C erhöhen. Das Antreiben der Pflanzen 
zu einem früheren Zeitpunkt sollte unterbleiben, da man 
keine sicheren Ergebnisse damit erzielt. 

Nach der Blüte läßt man die Kästen in voller Sonne 
stehen, entzieht ihnen aber allmählich das Wasser, bis die 
Zwiebeln eingezogen und abgetrocknet sind, worauf sie trocken 

bis zumMai aufbewahrt 
werden. Dann kann 
man sie wieder in 5 cm 
Abstand in Kästen 
pflanzen. Die Zwiebel 
muß etwa 1 cm mit 
Erde bedeckt sein. Die 
weitere Behandlung ist 
dieselbe, wie die der 
Sämlinge. Die Knol- 
len sind auch wie diese 
satzweise einzupflan- 
zen. Die Anzucht aus 
Samen ist jedoch so 
einfach, daß man sich 
die Arbeit mit dem 
Abtrocknen und Auf- 
bewahren der Zwiebeln 
gar nicht zu machen 
braucht, um so we- 
niger, als alte Zwiebeln 
nicht mehr so blüh- 
willig als einjährige 
Sämlinge sind, die oft 
4 bis 5 Blütenstiele 
hervorbringen. 



Veronica repens. 
Nach einer für die ,,Gartenwclt" gefertigten Aufnahme. 



XXI, 13 



Die Garteuwelt. 



151 



Nach Einführung der neuen farbigen Hybriden wird die 
alte rahmweiße Freesia refracta alba wohl ins Hintertreffen 
gedrängt werden. Diese neuen Züchtungen (F. hybrida 
Ragioneri und F. hybrida Tubergenij entzücken nicht nur 
durch die mannigfachen zarten Farbenabstufungen von altgold, 
goldgelb, rahmfarben, rosa, himmelblau, heliotropblau und 
die tieferen Farbentöne von rot, braun und lila, sondern sie 
sind auch langstieliger, die Blüten kräftiger als bei der alten 
Freesia refracta alba entwickelt. Erreichen doch die Blüten- 
stiele im Freien oft eine Länge von 40 cm und darüber. 
Daraus geht ohne weiteres hervor, daß wir in diesen prächtigen 
Freesien eine hochwertige Schnittblume besitzen, deren Heran- 
zucht in Deutschland bisher nur die Masseneinfuhr aus dem 
südlichen Frankreich hindernd im Wege stand. Die dortigen 
klimatischen Verhältnisse ermöglichten eben in diesen von 
der Natur so bevorzugten Landesteilen die Kultur unter den 
denkbar günstigsten Umständen. Es ist nicht zu wünschen 
und auch nicht anzunehmen, daß den Franzosen nadi dem 
Kriege wieder die gleichen, außerordentlich günstigen Einfuhr- 
möglichkeiten geschaffen werden, unter denen die deutsche 
Gärtnerei so gelitten hat, deshalb möge der Heranzucht der 
Freesien zum Blumensdinitt warm das Wort geredet sein. 



Gemüsebau. 



Zur Frage des feldmäßigen und 
gärtnerischen Gemüsebaues für die Volksernährung. 

Von Landesökonomierat Siebert, Frankfurt am Main. 
(Schluß.) 

Es ist wohl zu überlegen, ob wieder ein Aufruf bezüglich 
des Anbaues von Frühkartoffeln erlassen werden soll, ob- 
gleich die Schwierigkeiten nicht zu verkennen sind, welche 
die Versorgung der Bevölkerung mit Kartoffeln bis zur neuen 
Ernte 1917 mit sich bringen wird. 

Bei dieser Gelegenheit sei wiederholt auf eine immer 
noch zu wenig geübte Anbaumethode hingewiesen, auf die 
Fortpflanzung der Kartoffeln durch Stecklinge, Die ange- 
stellten Versuche, auch im Palmengarten in Frankfurt a. M., 
haben die Brauchbarkeit dieses Verfahrens ergeben. Wie 
aus einem Bericht im Handelsblatt für den deutschen 
Gartenbau, dem Organ des Verbandes der Handelsgärtner 
Deutschlands, zu entnehmen ist, beschäftigen sich auch diese 
Kreise bereits mit der Frage, ob es nicht zweckmäßig erscheint, 
diese Vermehrungsweise auszubauen. Wir werden wohl voraus- 
sichtlich mit einer Knappheit an Saalgut zu rechnen haben, 
und wenn auch das Teilen der Setzkartoffeln geübt wird, 
um das Saatgut zu strecken, so sollte man auch, besonders 
für die mittleren und späten Kartoffeln, die viel ausgiebigere 
Vermehrung durch Stecklinge im Auge behalten und hier 
fördernd eingreifen. 

Das Setzen angekeimter Kartoffeln ist in der Ausführung 
genau so zeitraubend, wie das Auspflanzen eines Stecklings, 
den man, ohne die Dauer der Ausbildung zu beeinträchtigen, 
erst dann pflanzen wird, wenn die Frühjahrsfröste vorüber 
sind. Betrachtet man dagegen die umständlichen Schutz- 
maßregeln, durch welche die infolge der frühen Pflanzung 
mit den Trieben bereits aus dem Boden hervorsprießenden 
Kartoffeln vor den Frösten bewahrt werden müssen, so dürfte 
das Pflanzen von Stecklingen gleichberechtigt sein. Man muß 
immer bedenken, daß man dabei eine fertige Pflanze mit 
einem gut ausgebildeten Wurzelsystem in den Boden bringt 



(aber ohne Vorratskammer, wie sie die Knolle darstellt. 
Anm. des Herausgebers), die sofort weiter wächst und nicht 
erst Wurzeln im Boden zu bilden braucht. 

Auf alle Fälle muß daran festgehalten werden, daß die 
seither für die Spätkartoffeln in Anspruch genommene Grund- 
fläche keineswegs zugunsten des Anbaues von Frühkartoffeln 
verringert werden darf. 

Wie läßt sich nun durch die Kommunen eine Mehr- 
erzeugung von Gemüse herbeiführen ? Da gibt es zweierlei 
Wege, die gangbar sind und unbedingt von jeder Stadt- 
verwaltung mit größter Umsicht beschritten werden sollten. 
Der erste Weg besteht darin, sich mit den in der Groß- 
stadt ansässigen Landwirten und Gemüsezüchtern darüber zu 
benehmen, wieviel Hektar Gemüse ein jeder Landwirt oder 
Gärtner oder eine Genossenschaft außer der seitherigen Er- 
zeugung heranzuziehen gewillt ist. Die Gemüsegärtnereien 
werden ihrem Grundsatz und ihren Einrichtungen getreu 
hauptsächlich auf die Anzucht von Frühgemüse und die nicht 
für den Feldbau in Betracht kommenden Gemüse Bedacht 
nehmen, während die Landwirtschaft, soweit sie die für die 
Frühzucht erforderlichen Vorbedingungen nicht besitzt, sich 
mit der Heranzucht der bereits erwähnten Dauergemüse zu 
befassen hat. Zunächst gehört zur Erreichung dieses Zieles 
der gute Wille und das offenbare Verständnis für die Lebens- 
lage, in der sich jeder von uns und die gesamte Menschheit 
im Deutschen Reiche mit den in Besitz genommenen^Gebieten 




Gartenhäuschen hinter dem Märkischen Museum in Berlin. 
Nach einer von Alice Matzdorff für die „Gartenwelt" gefertigten Aufnahme. 



k 



152 



Die Garteiiwelt. 



XXI, 13 



befindet. Daß beides vorhanden ist, daran kann man wohl 
nicht mehr zweifein. Unverkennbare Schwierigkeiten aber, wie 
Leutemangel, das Fehlen geschulter Arbeitskräfte und geeig- 
neter Vorarbeiter, Düngerbeschaffung, gutes erstklassiges 
Saatgut, das sehr knapp und teuer geworden ist, Heranzucht 
von Pflanzen müssen behoben werden, ferner sind zivil- 
dienstliche Hilfskräfte, Beschäftigung brauchbarer Schüler 
unter der Leitung freudig mitwirkender Lehrer und weit- 
gehendste Unterstützung von den Militärbehörden durch 
Beurlaubung der eingezogenen kundigen Gärtner die zu 
stellenden Bedingungen, wenn diese Mehrerzeugung in prak- 
tischem Sinne durchgeführt werden und den Nutzen stiften 
soll, der unweigerlich von unserer Volkskraft verlangt werden 
muß. Man hat sich seither zu sehr an die Reichsstellen an- 
gelehnt, man hat geglaubt, daß von ihnen alles zu erwarten 
ist, was Staat, Einzelpersonen und Kommunen benötigen, 
und hat sich in diesem Glauben nicht beirren lassen. Hier 
gilt als oberster Grundsatz: „Hilf dir selbst", und das möchte 
ich den Kommunalverwaltungen dringend ans Herz legen. 

Aber ich gehe noch einen Schritt weiter. Die Kommunen 
müssen selbst tätig eingreifen, sie müßten alles Land, das 
ihr Eigentum ist, in eigene Bewirtschaftung nehmen und vor 
allen Dingen die noch überall brach liegenden Gelände 
dem Anbau von Gemüse zuführen, soweit sie nicht 
an Landwirte und Gärtner verpachtet sind, und wo es sich 
immer ermöglichen läßt. An Hinweisen darauf hat es nicht 
gefehlt und Worte darüber sind genug gewechselt worden, 
nun müssen wir endlich einmal Taten sehen. Erfreulich ist 
es ja, daß manche Stadtverwaltung dies rechtzeitig erkannt 
und richtig eingeschätzt hat. Köln zum Beispiel will 
jetzt 400 Morgen eigenes Land selbst bebauen und 1600 
Morgen bei landwirtschaftlichen Betrieben seines Erzeugungs- 
gebietes unter Aufsicht und Belehrung eines angestellten 
Gemüsebaubeamten bewirtschaften lassen. 

Gerade die wichtige Forderung einer gesünderen Durch- 
führung der Marktverhältnisse im allgemeinen habe ich 
bereits gestellt ; sie sollte auf den hier erörterten Vorschlag 
Anwendung finden. Zur Vermittlung für den Ankauf und 
Verkauf von Gemüse und Obst haben sich im Laufe der 
Jahre verschiedene Stellen gebildet, die es sich zur Aufgabe 
machten, Käufer und Verkäufer durch Veröffentlichung von 
Angebot und Nachfrage in meist wöchentlich erscheinenden 
Blättern, die umsonst versandt wurden, einander näher zu 
bringen. Das war auch der Zweck der hierorts erscheinenden 
Mitteilungen der Zentralstelle für Gemüse- und Obstver- 
wertung, die vor mehr als 20 Jahren gegründet wurde und 
als Vorbild für alle später entstandenen gleichartigen Unter- 
nehmungen diente. Der Krieg hat auch hierin eine Wand- 
lung gebracht und die Tätigkeit dieser Vermittlungsstellen 
unterbunden, da durch den jetzt eingeführten direkten Auf- 
kauf seitens der Stadtverwaltungen an den Erzeugungsorten 
die Stellen nicht mehr in dem Maße in Anspruch genommen 
wurden wie früher, allerdings nicht zum Vorteil der Ver- 
braucher, da die Preise durch diesen allseitigen Ankauf in 
die Höhe getrieben wurden. 

Ich habe in der diesjährigen Mitgliederversammlung der 
Zentralstelle den Vorschlag gemacht, unter Zugrundelegung 
der von genannter Stelle geschaffenen Unterlagen und mit 
Beihilfe der Stadt Frankfurt a. M. eine Frankfurter Markt- 
zeitung herauszugeben, die bei möglichst täglichem Erscheinen 
nicht nur die Preissätze des hiesigen Groß- und Kleinmarktes, 



sondern auch zuverlässige Berichte über die Marktlage der 
umliegenden Städte enthalten soll. 

Mit diesem Vorschlage zusammen geht der andere, die 
Stadt möge einen Obst- und Gemüsesachverständigen an- 
stellen, der gärtnerisch durchgebildet ist und eine höhere 
Gärtnerlehranstalt besucht hat, aber vor allen Dingen auch 
genügend praktische Kenntnisse besitzt. Er müßte mit tätig 
sein auf dem Gemüse- und Obstmarkt, um dem Verkauf 
ungeeigneter Produkte vorzubeugen, bezw. die Preise und 
den zeitlich richtigen Verkauf der Ware im fertigen Zustand 
zu überwachen. Diesem Sachverständigen könnten außerdem 
noch andere Aufgaben übertragen werden, wie die Durch- 
führung einer gewissenhafteren und planmäßigen Boden- 
bewirtschaftung, Verbreitung der Kenntnis in allen wirt- 
schaftlichen Gartenbaufragen durch belehrende Vorträge, die 
Aufsicht über Obstbaumpflanzungen, die Ergänzung derselben 
mit zeitgemäßen und einträglichen Sorten, Anpflanzung von 
Beerenobst, Verwertung von Obst und Gemüse. 

Man läßt oft greifbare Vorschläge eines Einzelnen, die 
auf langjähriger Erfahrung beruhen, zu lange unbeachtet und 
geht Problemen nach, die entweder erst auf langen Umwegen 
oder gar nicht zum Ziele führen. Die Reichsstelle für Gemüse 
und Obst beabsichtigt nun, wie amtlich bekannt wird, 
ebenso wie in den besetzten Gebietsfeilen auch im Inlande 
geeignete Flächen selbst mit Gemüse bebauen zu lassen. Sie 
fordert daher Besitzer größerer, nach Bodenart und Klima 
geeigneter Landflächen auf, Angebote durch Vermittlung der 
Landwirtschaftskammern zu machen. Diese Bestrebungen 
sind bei der Bedeutung, die das Gemüse während des Krieges 
für unsere Volksernährung hat, gewiß mit großer Genugtuung 
zu begrüßen. Zu wünschen bleibt nur, daß auch für die 
Friedenszeit der Anbau von Gemüse so gefördert wird, daß 
unsere starke Abhängigkeit vom Auslande wenigstens teil- 
weise beseitigt würde. 

Aber ich stehe nach wie vor auf dem Standpunkte, daß 
jede Stadt für sich selbst sorgen soll und muß, denn bei 
dem der Reichsstelle zur Verfügung stehenden Mittel der 
Beschlagnahme würden für die Städte wieder Zuweisungen 
erfolgen, die sich nach den gemachten Erfahrungen nicht 
erfüllten. Daher ist es eine unabweisbare Pflicht der Kom- 
munen, daß sie als Eigenerzeuger auftreten, eine gewisse 
Anzahl Morgen mit Gemüse selbst bebauen oder bei Land- 
wirten auf Grund vertraglicher Bestimmungen bebauen lassen 
und sich ihrerseits natürlich zur Abnahme verpflichten. Daß 
dies audi in Frankfurt a. M. möglich ist, haben eingeleitete 
Besprechungen mit Mitgliedern des landwirtschaftlichen Vereins, 
der Gärtnergenossenschaft und dem Städtischen Gewerbe- 
und Verkehrsamt bereits ergeben, und das muß mit allem 
Nachdruck durchgeführt werden, weil es eben notwendig ist. 

Eine gute Anregung hat die Deutsche Landwirtschafts- 
gesellschaft insofern gegeben, als sie vorschlägt, dem Unter- 
richt über Feldgemüsebau an den landwirtschaftlichen Winter- 
schulen eine möglichst weitgehende Berücksichtigung zuteil 
werden zu lassen. Der Minister für Landwirtschaft hat die 
Landwirtschaftskammern ersucht, darauf hinzuwirken, daß in 
den Lehrplänen der landwirtschaftlichen Winterschulen, soweit 
dies noch nicht geschehen ist, besonders in den Gegenden 
mit gut entwickeltem Gemüsebau, der Unterricht über Feld- 
gemüsebau nach Möglichkeit zu fördern i.st. Für den gärt-- 
nerischen Gemüsebau ist natürlich dasselbe zu erstreben. In 
welchem Grade wir in Frankfurt vom Auslande in der Ver- 
sorgung mit einzelnen Gemüsearten abhängig sind, zeigen folgende 



XXI, 13 



Die Garteiiwelt. 



153 



Zahlen: Wir bezogen 1914 für 9 Millionen Mark Blumenkohl, 
8 Millionen Mark Gurken, 5,5 Millionen Mark Zwiebeln, 
1,4 Millionen Mark Rotkohl und für je 0,5 Millionen Mark 
Weißkohl, Wirsingkohl und Rosenkohl. 

Wenn in dem engen Zusammenwirken aller Beteiligten, 
das in verständiger Weise herzustellen und in wohlwollender 
Absicht durchzuführen eine vornehme Pflicht aller leitenden 
Steilen sein muß, das gewünschte Ziel erreicht wird, dann 
wird sich auch weiterhin die seitherige Hingabe und Kraft- 
entfaltung unseres Volkes im Dienste des Vaterlandes beweisen 
und wir werden unserem Boden in treuer Arbeit alle Früchte 
abzuringen bemüht bleiben, die zur Sicherstellung und Er- 
haltung von Volk und Staat ein absolutes Erfordernis sind. 



Was pflanze ich besser im Frühjahr als im Herbst? 
Von Franz Julius Röttger, Bornim bei Potsdam. 

1. Pfirsiche. 

Es ist entschieden vorteilhafter, Pfirsiche im Frühjahr als 
im Herbst anzupflanzen. Pfirsiche sind etwas frostempfindlich 
und aus diesem Grunde ist hauptsächlich der Frühjahrs- 
pflanzung der Vorzug zu geben. 

Von Mitte März bis Mitte April ist die beste Pflanzzeit 
für Pfirsiche. Wenn der Boden im Frühjahr eine gewisse 
Erw